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Gedanken. Sie gehören zu jedem Menschen. Doch was ist – wenn sie dich den Ansprüchen nicht mehr gerecht werden lassen? Dies zeigt diese Erzählung in Ich-Form über das Leben eines jungen Mannes. Fehler macht jeder Mensch, doch was passiert im Innern eines Menschen? Dies zeigt "Menschensgedanken"!
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Seitenzahl: 70
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Daniel Wachter
Menschensgedanken
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Daniel Wachter
Anmerkungen des Verfassers
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Epilog
Impressum neobooks
Menschensgedanken
Roman
Für alle,
die mir beim Meistern des Lebens behilflich sind.
Danke!
Alle Personen in dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnliche oder identische Namen beziehungsweise Charakterzüge mit realen lebenden oder verstorbenen oder künftig noch zu gebärenden Personen sind, genauso wie Ereignisse, rein zufällig.
Auch wenn die folgende Handlung in der Ich-Perspektive geschrieben ist, haben die Charakterzüge des Umfeldes des Hauptcharakters keinerlei Zusammenhänge mit denjenigen des Umfeldes des Autors.
Ich. Wer bin ich?
Gute Frage. Ich bin ich.
Ein junger, chronisch erfolgloser Mann. Jedenfalls in meinen Gedanken. Bei Wettkämpfen bin ich immer auf dem letzten Platz. Konstant. Egal in welcher Disziplin. Nicht gerade aufbaufördernd in Sachen Selbstvertrauen.
Nicht mal beruflich kriege ich etwas auf die Reihe. Wenigstens bin ich gut im Sammeln, zu meinem Leidwesen jedoch im Sammeln von Fehlern. Das Büro des Chefs hätte längst meinen Namen als Untertitel verdient.
Ein nächster Punkt gefällig? Bitte sehr: Meine Anziehungskraft auf das weibliche Geschlecht ist etwa so gross wie die eines Asteroiden. Der Begriff „die eines Hässlichen“ wäre hier falsch gewesen, denn selbst Donald Trump verfügt über eine hohe Anziehungskraft aufs weibliche Geschlecht. Was aber wohl eher an seiner Brieftasche als an seinem Aussehen liegt. Oder an seiner neuen Residenz an der Pennsylvania Avenue zu Washington DC.
Die Anzahl weiblicher Geschöpfe, die freiwillig mit mir Konversationen betreibt, kann man an einer Hand abzählen. An der Hand eines Schreiners. Da beneide ich einen guten Freund von mir, nennen wir ihn mal...ach ist doch auch egal. Kaum öffnet er seinen Mund, hängen ihm die Frauen an den Lippen.
Beeindruckend. Wie macht er das nur? Keine Ahnung. Wenn ich das nur wüsste.
Seinen Angaben nach hat er einfach keine Angst, Leute in ein Gespräch zu verwickeln.
Oder ein anderer, ewig jammernd wegen seinem angeblichen Pech mit Frauen. Aber über wen muss ich die ganze Zeit Schwärmereien von Frauen anhören, wenn ich mal alleine mit ihnen bin? Korrekt, der Kandidat hat 100 Punkte.
Dabei würde ich mich nicht mal als hässlich bezeichnen. Überhaupt nicht. Ich habe weder ein Bäuchlein noch Streichholzarme. Nein, ich treibe sogar regelmässig Sport. Weiteres Pech, dass die Muskeln eines weiteren Freundes von mir von weiblicher Seite bewundert, meine aber nicht wahrgenommen werden.
Klar, ich wurde schon oft als gut aussehend oder hübsch bezeichnet. Nur waren diese Damen entweder über vierzig, meine eigene Mutter oder wasserstoffblonde Tussen mit künstlichen Fingernägeln, die länger als die Route 66 waren. Kurzum: Allesamt Beurteilungen, die nicht zählen.
Umgeben von Perfektionisten, die so super sind und alles können. Alles immer perfekt machen – Everbody’s Darlings wie sie im Buche stehen. Ich könnte kotzen.
Willkommen in meinem Leben!
TEIL I:
MEINE FEHLER, DER KONFLIKT MIT DEM VORGESETZTEN, UND ICH
Verdammt. Schon wieder hat mich mein Chef unter einem netten Vorwand ins Büro zitiert, um mir dort metaphorisch zwanzig Ziegelsteine in die Fresse zu werfen.
Danke auch! Ihr könnt mich alle mal, es reicht!
Wegen wiederholten Fehlern und eigenmächtigen, da für mich logischen Handlungen meinerseits habe ich eine Ermahnung kassiert. Ein Jahr auf Bewährung. Eine Massnahme, die mir helfen soll. Ach ne, is’ klar!
Wenn ihr wollt, dass ich besser werde, dann sicherlich ohne einem solchen möchtegern-intelligent geschriebenen Wisch, denn der tritt meinem Selbstvertrauen so schmerzhaft in die Eier, dass es sich gleich ganz auflöst. Freilich sind solche Massnahmen äusserst hilfreich, wenn man sich verbessern will. Ja, ich glaube gleichzeitig an den Nikolaus, das Christkind und den Osterhasen zeitgleich.
Es ist ja nicht so, dass ich ein ausgeprägtes Selbstvertrauen hätte. Klar, es ist in etwa vergleichbar mit demjenigen einer zertrampelten Ameise. Eine eher einfach gestrickte Metapher, aber sie erfüllt ihren Zweck.
Und dann noch dies: Sagen, dass man meine Argumente für meine Handlungen versteht, aber dann dennoch Arschtritte austeilen. Wie ich solch falsche Ehrlichkeit liebe.
Ich weiss nicht, welchen Teufel mich da geritten hat, aber diese Brücke ist verdammt hoch. Die Schuhspitzen an der Kante, blicke ich zaghaft hinunter. Hoffentlich wird mir nicht schwindlig.
Hinter mir brausen die Autos in Richtung Ägerital vorbei. Das Brummen erfüllt das Tal, vor mir breitet sich aber eine an sich friedliche Landschaft auf.
Die Sonnenstrahlen erreichen das Tobel nicht, der sanfte Wind lässt die Blätter schaukeln. Irgendwo sind Stimmen wahrnehmbar, Wanderer oder Touristen, welche die nahen Höllgrotten besichtigen.
Auch die Vögel sind bereits erwacht, kommunizieren mit ihrem Gezwitscher. Es mag mich fast schon fröhlich stimmen.
Hier ist es friedlich. Zu friedlich.
Leider wird das Vogelgezwitscher von den Autos, Bussen und Lastwagen hinter mir übertönt. Der Mensch zerstört die Natur. Nichts Neues.
Warum ich an dieser Stelle stehe? Da war doch was?
Stimmt, ich wollte diesem ganzen Elend ein Ende setzen. Und nun? Mache ich in die Hose. Von einer Brücke springen mit Höhenangst war vielleicht doch keine gute Idee.
Das Tobel ist verdammt tief. Weit unten, fast noch in der vom Schatten verursachten Dunkelheit, sehe ich das Wasser der Lorze. Als würde die Seele des Ägeritals in Richtung Stadt fliessen.
War das ein Zeichen?
Soll ich weiterleben?
Wird alles besser?
Oder bleibt es so beschissen und Gott will mir das Zeichen, am Leben zu bleiben, nur geben, damit die anderen was zum lachen haben und sich besser fühlen?
Klar, im Vergleich zu Hungerleidenden und Kriegsopfern habe ich ein schönes Leben. Und dennoch bin ich nicht glücklich.
Warum?
Weil das Gras auf der anderen Seite immer grüner ist.
Aber in solch von Leid geplagten Gebieten hat man auch nicht einen solchen Druck auf den Schultern lasten wie hier. Den Job perfekt und fehlerlos ausfüllen. Im Privatleben der Hengst sein. Natürlich viel Geld haben. Aber um drei Uhr in der Früh aufstehen, damit die ewigen Nörgler zur Arbeit können, beeindruckt nicht.
Haben wir keine anderen Probleme?
Murrend klettere ich von der Brüstung hinunter. Ich hab nicht mal den Mumm zu springen. Ich bin wahrlich die Peinlichkeit in Person.
Gehen wir halt mal wieder nach Hause. Auch immer der gleiche Trott. An den Computer hocken und diese Zeilen tippen und gleichzeitig davon träumen, dass ein Verleger dieses Manuskript entdeckt und veröffentlicht. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, denn immerhin hat auch dieser Fifty Shades of Grey-Müll einen Verlag gefunden. Aber peitschenschwingende Machotypen verkaufen sich wohl auch besser als solche Weicheier, die an sich zweifeln.
Und sollte dieses Manuskript mal erscheinen, dampft sicherlich so ein bescheuerter Literaturkenner auf, der von meinem Text doppelt so viel Sekundärliteratur à la „Welche Hintergedanken hatte der Autor bei diesem und diesem Satz?“ und dabei irgendwas Erfundenes interpretieren, da er sicherlich absolut keinen blassen Schimmer hat, was ich mir dabei gedacht habe. Nämlich genau nichts. Wenn ich den Mund öffne, schwafle ich, was ich denke und hier schreibe ich nieder, was ich denke. Ohne Hintergedanken.
Kommt nicht bei allen gut an.
Was kümmert mich das?
Ich gehe die geteerte Strasse von der Neuen Lorzentobelbrücke entlang, ohne mich umzudrehen.
Irgendwie schäme ich mich, es nicht zum Ende gebracht zu haben. Paulo, ein guter Freund von mir, würde jetzt sagen, dass das aus einem Grund geschehen wäre.
Leider mag ich ihm noch nicht so recht glauben.
Wütend zerre ich unter den entsetzten Blicken zweier Mütter mit ihren Kindern an einem in die Strasse hervor ragenden Ast, bis ich ihn in der Hand halte und werfe ihn dann den Abhang hinunter.
Ja, ich neige auch zur Cholerik.
Ich erblicke weiter vorne beim Eingang zu den Höllgrotten eine Bushaltestelle.
Zeit, wieder nach Hause zu gehen.
Ich werfe einen Blick auf meine Uhr, ja bald kommt der 1er aus Oberägeri.
Den Fahrplan dieser Haltestelle kenne ich auswendig.
Aber bislang hatte ich immer eine Rückfahrtkarte mit.
Mittlerweile sitze ich im Bus von Baar nach Zug, den Kopf an die Fensterscheibe gelehnt. Ich lasse meine Gedanken schweifen. Mal wieder. Gedanken, die Wurzel aller Übels. Würde ich doch nur nicht so viel denken. Aber ich kann mich nun mal nicht ändern, auch wenn das viele versuchen. Leute, die mich nicht kennen. Die mein Leben nicht kennen.
