Licht und Beleuchtung - Helmut Harhaus - E-Book

Licht und Beleuchtung E-Book

Helmut Harhaus

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Beschreibung

Fotografieren mit Studio-Blitzanlagen ist nicht nur ein Thema für wenige Top-Fotografen. Das Thema ist derart vielschichtig, kreativ und lehrreich, dass es jetzt und in der Zukunft auch ein Thema für ein breites, populäres Hobby bleiben sollte! Dabei darf die Technik für den Einstieg nicht zu kompliziert, zu teuer werden, die Publizistik nicht "abheben" und das Thema in elitäre Höhen auf und davon tragen. So hat der Autor einen Leitfaden für Anfänger und Einsteiger geschrieben und es geschafft, das Thema Studio-Fotografie didaktisch so aufzubereiten, dass man zu guten und attraktiven Ergebnissen gelangt, ohne dass das Budget einer "Durchschnittsfamilie" gleich ins Wanken gerät.

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Seitenzahl: 154

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Helmut Harhaus

studio basiswissen

Workshop 1

LICHT UND BELEUCHTUNG

Helmut Harhaus

studio basis wissen

Workshop 1 Licht und Beleuchtung

Inhalt

Vorwort und Einführung

Teil 1 Grundlagen

Licht – ein ganz besonderer „Saft“!

Das Spektrum

Komplementärfarben

Farbtemperatur

Helligkeit und Kontrast

Lichtquellen

Brennweite und Perspektive

Objektivwahl

Belichtung

Belichtungszeit

Blende

Schärfentiefe

Bildgestaltung

Der Goldene Schnitt

Teil 2 Praktische Experimente

Das Üben mit Puppen!

Das dreidimensionale Ziffernblatt

Praktische Übungen mit dem Puppenaufbau

Frontal-, Seiten- und Gegenlicht

Praktische Experimente mit besonderer Lichtführung

Kontrast

Low-key-Beleuchtung

High-key-Beleuchtung

Hintergrund ausleuchten

Schatten aufhellen

Licht

Kombination von Licht und Kontrast

Der Lichtaufbau

Hintergrund

Hauptlicht

Aufhellung

Effektlicht

Licht abschirmen

Abschirmklappen

Linsen

Filter

Filter zur Anpassung an die Farbe des Lichtes

Filter für optische Effekte

Sonderoptiken

Teil 3 Praxisübungen

Variationen mit der Perspektive

Variationen mit dem Hintergrund

Variationen mit Augenreflexen

Variationen mit Reflexen auf Brillen

Variationen mit Wind

Variationen mit Requisiten

Variationen mit Farben

Variationen mit Licht und Schatten

Zangenlicht

Spitzlicht, Kontur

Nicht nur Haare können leuchten…

Teil 4 Licht und Zubehör für das eigene Fotostudio

Studiogröße

Studiolichtsysteme

Studioblitzanlagen

Lichtformer

Spotlichtvorsatz

Diffusorball

Softbox

Universal Softreflektor

Lichtformer in der Praxis

Reflektoren, Lampenstative und weiteres Zubehör

Lampenstative

Aufnahmetische

Arbeiten mit Aufnahmetischen

Uhren und Schmuck

HDR bei Sachaufnahmen

Bildbearbeitung

Sachwortverzeichnis

Impressum

Vorwort und Einführung

Es ist natürlich wunderbar, ein Buch zum Thema Licht und Beleuchtung zu schreiben, dessen Inhalt in einem der hochwertigsten Studios, mit der teuersten und besten Technik ausgestattet, entstanden ist. Da macht die Arbeit Spaß, da sollten auch gute Ergebnisse zu erzielen sein! Man könnte das dann so umschreiben: „Starfotografen fotografieren Stars“….

Ich finde, das Thema Fotografie ist nicht nur eines für wenige Top-Fotografen. Das Thema ist derart vielschichtig, kreativ und lehrreich, dass es jetzt und in der Zukunft auch ein Thema für ein breites, populäres Hobby bleiben sollte!

Fotografie muss für alle aktuell sein und bleiben! Weder von Seiten der Technik darf die Einstiegsmöglichkeit zu hoch, zu kompliziert, zu teuer werden. Noch darf die Publizistik „abheben“ und das Thema in elitäre Höhen auf und davon tragen…

So war es mein Bestreben, einen Leitfaden für Anfänger und Einsteiger zu schreiben, der versucht, mit „üblichen“ Mitteln das Thema Fotografie auszubauen und damit zu guten und attraktiven Ergebnissen zu gelangen. Ich möchte Ihnen zeigen, wie man das Thema mit einfachen Mitteln vertiefen kann; mit Möglichkeiten, die auch kleinere Budgets nicht ins Wanken geraten lassen.

Die Arbeiten zur Illustration dieses Buches waren somit immer auf die Möglichkeiten der privaten „Hobbyfotografie“ abgestimmt. Die Bilder, die ich Ihnen hier zeige und erläutere, sind von jedem nachstellbar, der Spaß am Thema, aber kein 100.000-Euro-Studio hat. Ein bisschen Engagement, ein bisschen Interesse, ein wenig „künstlerisches Auge“ – und Sie können beachtliche Erfolge erzielen! Wichtig ist nur eines: Fangen Sie an, steigen Sie ins Thema ein!

Wenn Sie glauben, dass man nur mit einer 5000-Euro-Kamera arbeiten kann, dass man ohne Studioblitzanlage überhaupt nicht anfangen muss, dass mindestens ein Friseur und eine Visagistin zur Stelle sein müssen, dass Räumlichkeiten von 300 m2 die Voraussetzung sind, dann werden Sie auf Ihr erstes Bild noch lange warten…

Verwenden Sie das, was zur Verfügung steht. Setzen Sie Vorhandenes kreativ und sinnvoll ein. Arbeiten Sie mit „normalen“ Menschen aus Ihrer Verwandtoder Nachbarschaft als Models. Und Sie erschließen sich eine fantastische fotografische Welt. Ich möchte dazu meinen alten Meister zitieren: „Wenn du einen Haufen Schrott fotografierst, kann keine Kamera der Welt daraus das Bild eines fabrikneuen Autos machen…“

Es ist eine unumstößliche Wahrheit, genau in diesem Punkt unterscheiden sich die beiden Arbeitsmethoden, die man im üblichen Sprachgebrauch mit „Knipsen“ oder mit „Fotografieren“ bezeichnet. Das Erste dient nur der Archivierung von momentanen Ansichten, das Letztere ist geeignet, die Ansichten in möglichst vorteilhaftem Licht erscheinen zu lassen. Und das wiederum setzt voraus, dass der Fotograf hinter der Kamera zum einen etwas über die grundlegenden Naturgesetze der Optik und Fotografie gehört hat und sich zum anderen seine eigenen Ideen und Vorstellungen zum Bild macht, bevor er auf den Auslöser drückt. Neben hochkarätiger Technik in der Kamera gibt es nämlich auch noch das, was man als Gehirn bezeichnet! Und mit diesem Geschenk der Schöpfung kann man erheblich mehr anfangen, als die beste Technik zu bieten hat – man muss es eben nur „einschalten“!

Ich möchte Sie mit diesem Buch auf eine Exkursion mitnehmen, die nicht nur durch Licht und Schatten verläuft, und ich möchte Sie auffordern, sich mit Beleuchtung und Bildgestaltung experimentell zu befassen. Überlassen Sie nicht alles nur Ihrer Kamera, übernehmen Sie doch zur Abwechslung das Fotografieren einmal wieder selber! Ihre Kamera kann nur das ausführen, was ihr von klugen Programmierern eingegeben wurde. Das wird aber bewusst so gesteuert, um damit möglichst störungsfrei und narrensicher das „Standard-Bild“ in den Kasten zu bekommen. Im Kreativbereich, der nun einmal nicht zum Standard zählt, betreten wir Grenzgebiete, die eine Kamera aus eigenem Können nicht mehr optimal meistern kann. Da macht sich dann die Überlegenheit des Hirns sehr vorteilhaft bemerkbar!

Es bleibt – trotz modernster Technik – dabei, ein gutes Bild entsteht zuerst im Kopf des Fotografen. Wie man dieses Bild, diese Idee dann technisch umsetzt, damit wollen wir uns hier gemeinsam und experimentell beschäftigen.

In der Geschichte der Fotografie – und das sind nun über 150 Jahre – sind noch nie so viele Kameras verkauft worden wie heute. Die Digitaltechnik ist der „Einführungsphase“ entwachsen. In der Spiegelreflexsparte ist man inzwischen im höheren zweistelligen Megapixel-Bereich angekommen – zu bezahlbaren Preisen.

Die meisten Besitzer einer Kamera könnten noch weitaus mehr erreichen, wenn sie sich etwas ausführlicher mit dem Thema Licht und Beleuchtung beschäftigten; Sie, lieber Leser, haben das erkannt und ich freue mich darauf, Ihnen mit meinem Buch dabei helfen zu können.

Ihr Helmut Harhaus

Teil 1 Grundlagen

Ich gehe davon aus, dass Sie sich (noch) nicht zu den Profis zählen, dass Sie aber sehr wohl großes Interesse am Thema haben – sonst hätten Sie dieses Buch ja nicht gekauft (es liegt ja leider nicht jeder neuen Kamera bei…). So darf ich annehmen, dass Sie stolzer Besitzer einer Kamera sind – wobei es ziemlich gleichgültig ist, ob digital oder analog, ob Spiegelreflex oder Kompakt. Mit allen kann man gute Bilder machen – die Technik ist es nicht allein, die für gute Bilder zuständig ist!

Ich möchte somit niemanden überfordern und vieles „als gewusst vorausgesetzt“ unbehandelt lassen. Auch wenn das Thema rund um das Licht der Schwerpunkt dieses Buches ist, so sollten wir für ein besseres Verständnis schon das eine oder andere aus der Physik, speziell der Optik, gelesen haben. Ich hoffe, Ihnen damit nun etwas mehr erzählen zu können, als das, was in Geräteanleitungen steht. Wenn Ihnen die kurz umrissenen Grundsatzthemen geläufig sind, ignorieren Sie die Zeilen – mit einem gewissen Verständnis denen gegenüber, die ohne Vorkenntnisse in das faszinierende Thema einsteigen wollen.

Licht – ein ganz besonderer „Saft“!

Sie meinen, „Saft“ hätte nicht viel mit Licht zu tun? Nun, dann lassen Sie mich die Physik mal so darstellen: „Saft“ nennen wir im üblichen Sprachgebrauch all das, was z.B. mal als Obst auf dem Baum gewachsen ist und nun in flüssiger Form als Nahrungsmittel dient – das ist Energie für den Körper. „Saft“ kommt aus der Steckdose – auf Hochdeutsch ist das elektrische Energie. „Saft“ füllen wir an der Tankstelle in den Kraftstofftank – chemische Energie. „Saft“ in ganz spezieller roter Form fließt in unseren Adern und transportiert Energie.

Und jeder dieser „Säfte“ ist letztendlich nichts anderes als gespeichertes Licht, das wieder in Energie umgesetzt wird! Licht wurde schon vor Milliarden von Jahren durch die fantastische Reaktion der Photosynthese von den Pflanzen in Biomasse verwandelt, heute machen wir aus diesem Erdöl Wärme, Strom und wieder Licht. Der gleiche Prozess der Photosynthese beschert uns den Apfel, daraus den Apfelsaft, der auch uns am Leben hält. Licht ist alles – alles was wir sind, alles was wir haben, alles was wir tun, ist nur durch Licht möglich. Ohne das Licht der Sonne wäre die Erde auch nur einer der Milliarden „Klumpen“ im Weltraum – und keiner brauchte sich über Fotografie Gedanken zu machen.

Wir haben es – das Licht, und sogar in der richtigen Dosierung! Und die Sonne wird die Erde damit noch versorgen, wenn es uns, den Homo sapiens, schon lange nicht mehr geben wird – also nutzen wir es!

Trotz dieser existenziellen Wichtigkeit gibt es nur „Theorien“ auf die Frage, was Licht denn wirklich ist – keiner kennt diesen „besonderen Saft“ wirklich und genau. Die allgemein verbreitete Theorie ist natürlich die Wellentheorie vom Licht. Danach ist Licht eine energiegeladene Welle, eine elektromagnetische Schwingung. Viele Symptome aus der Beobachtung von Lichteigenschaften sprechen dafür, einige jedoch auch dagegen. Da gibt es aber auch noch die Korpuskel-Theorie, die Licht als Strom von winzigsten Teilchen beschreibt. Vieles spricht dagegen, aber einiges auch dafür. Einigen wir uns darauf, dass Licht ein wunderbares physikalisches Phänomen ist, das wir als Fotografen besonders intensiv gestalterisch einsetzen wollen!

Das Spektrum

Bei unserer Arbeit mit Licht – „fotografieren“ bedeutet ja nichts anderes, als „schreiben mit Licht“ – müssen wir allerdings einige der Eigenheiten des Lichtes kennen und berücksichtigen. Licht ist sehr verschieden und vielfältig. Das fällt uns – dem menschlichen Auge – nicht weiter auf, weil wir uns schon seit unzähligen Generationen dran gewöhnt haben. Unsere Kameras und Filme sind aber noch nicht ganz so weit, da müssen wir schon noch aufpassen.

Licht besteht aus einer Ansammlung von Strahlungen verschiedener Farbe. Das heißt, „weißes“ Licht gibt es nicht! Weißes Licht ist nur die Summe von farbigem Licht aus dem Spektrum. Und wie das mit Summen so ist, wenn bei der Addition von einem mal etwas mehr, vom anderen mal etwas weniger dazu kommt, dann ändert sich auch die Summe.

Genauso beim Licht. Wenn die Sonne morgens aufgeht, ist der ROT-Anteil größer, das Licht wird rot-stichig. Wenn wir tief im Wald unter hohen Bäumen stehen, ist der GRÜN-Anteil höher, das Licht wird grünstichig. Und wenn wir in einem gelben Zelt feiern, ist der GELB-Anteil größer, das Licht wird gelbstichig. Dem Auge fällt es kaum auf, wir haben im Wald oder im Zelt nicht den Eindruck, alles so gravierend falschfarben zu sehen, wie es unser Sensor tut, wenn er nicht auf automatischem Weißabgleich eingestellt wurde!

Das Spektrum des sichtbaren Lichtes ist nur ein ganz kleiner Bereich der „elektromagnetischen Schwingungen“ und setzt sich aus den Spektralfarben zu weißem Licht zusammen.

Um dieses Naturgesetz zu beweisen, brauchen wir keinen großen Aufwand betreiben. Jeder Regenbogen zerlegt für uns das „weiße“ Sonnenlicht in seine farbigen Bestandteile. Ein Wassertropfen kann das auch, ebenso ein Stück Glas, als Prisma geschliffen. Jede Farbe des Lichtspektrums wird an solch einer optisch wirksamen Wasser-Luft- bzw. Glas-Luft-Fläche anders gebrochen und tritt somit in einem anderen Winkel wieder aus. Umgekehrt lässt sich auch aus farbigem Licht wieder weißes mischen. Mit drei Diaprojektoren oder Taschenlampen, die jeweils blaues, grünes und rotes Licht projizieren, mischt sich auf der Leinwand wieder das Licht zu Weiß.

An den Bereich der kurzen sichtbaren Wellenlängen schließt sich der Ultraviolett-Bereich an, die langen sichtbaren Wellen setzen sich als Infrarot-Bereich fort. Beide Bereiche sind für das Auge nicht mehr sichtbar, es gibt jedoch Filme und spezialisierte Sensoren, die diese Strahlung aufzeichnen können.

Komplementärfarben

Jetzt ist also klar, wenn wir uns eine Handvoll Kirschen im satten Rot ansehen, leuchten die so schön rot, weil die Summe des Lichtes, das von den Kirschen reflektiert (abgestrahlt) wird, im Bereich um 700 nm liegt, der übrige Spektralanteil des auftreffenden weißen Lichts wird absorbiert. Die Spektraldrittel Grün und Blau fehlen in dem reflektierten Licht der roten Kirsche (das ergibt in der Summe Blaugrün bzw. Cyan).

Mischen wir rotes mit blaugrünem Licht, so ergänzen sich die Strahlen wieder zu weißem Licht. Beleuchten wir aber die Kirsche mit blaugrünem Licht, wird dieses von der roten Kirsche völlig absorbiert und sie erscheint schwarz. Das lässt sich in der Praxis so nur bedingt umsetzen, da Filter und Farben keine reinen Spektralfarben besitzen, sondern mehr oder weniger stark andere Spektralbereiche absorbieren bzw. durchlassen.

Der Farbkreis, aufgebaut aus den sechs Grundfarben Primärfarben der additiven (RGB) und subtraktiven (CMY) Farbmischung. Die dazwischen liegenden Farben wie Orange oder Karmin nennt man Sekundärfarben.

Wir müssen immer klar zwischen der Absorptionseigenschaft einer Farbe – sie absorbiert aus dem auftreffenden Licht einen Spektralanteil (Subtraktive Farbmischung) – und der Mischung von Farbanteilen verschiedener Strahlungsquellen (additive Farbmischung) unterscheiden. Beleuchtet man zum Beispiel eine Fläche mit zwei Scheinwerfern, einen mit vorgesetztem blauem Filter (hier wird mit dem blauen Filter der rote und grüne Spektralbereich absorbiert) und der andere mit gelbem Filter (damit wird nur der blaue Spektralbereich absorbiert), so ergibt das in der Überlappungszone beider Lichtkegel wieder eine weiße Fläche. Farben, die sich in der additiven Farbmischung zu Weiß ergänzen, nennt man auch Komplementärfarben. Im Farbkreis oben sind es die sich gegenüberstehenden Farbpaare. Wer sich eingehender mit der Farbe und Farbgestaltung in der Fotografie beschäftigen möchte, dem kann ich das Buch von Harald Mante „Das Foto – Bildaufbau und Farbdesign“, ebenfalls im Verlag Photographie erschienen, sehr empfehlen. Hier werden Gestaltungsgrundlagen zum formalen Aufbau eines Bildes und Wechselbeziehungen von Farben aufgezeigt, die auch in der Studiofotografie von größter Bedeutung sind.

Komplementärfarben-Paare mit den sechs Grundfarben aus der additiven (obere Reihe) und subtraktiven Farbmischung (untere Reihe)

Die Additive Farbmischung: Mit drei Projektoren werden die drei Grundfarben Blau, Grün und Rot projiziert und ergänzen sich in der Überlappungszone der drei Lichtkegel zu weißem Licht. Dieses Farbsystem findet man zum Beispiel bei Bilddateien von Digitalkameras (RGB) oder bei Bildschirmen, Monitoren und Farbdisplays.

Die Subtraktive Farbmischung: Mit einem Projektor wird weißes Licht durch drei Farbfilter der Grundfarben Blaugrün (Cyan), Purpur (Magenta) und Gelb (Yellow) projiziert. In der Überlappungszone der drei Filter bleibt die Projektionsfläche schwarz, das komplette weiße Licht wird absorbiert. Anwendung beim Druck (CMYK, das K steht für Schwarz, das einen besseren Kontrast im Bild ermöglicht.

Farbtemperatur

Wie schon gesagt, Farben kann das menschliche Auge sehr differenziert erkennen. Leichte Farbverschiebungen durch verschiedene Lichtquellen dagegen kann der Mensch nur sehr schwer wahrnehmen. Das will ich Ihnen mit einem kleinen praktischen Beispiel aus dem täglichen Leben erklären. Sie betreten ein Geschäft zum Einkaufen und freuen sich über eine helle, freundliche Atmosphäre im Laden. Sie sehen zwar, dass der Laden mit Kunstlichtquellen ausgeleuchtet ist. Sie nehmen aber nicht wahr, dass alles in „buntem“ Licht erstrahlt! Die Glühlampen strahlen ein rötliches Licht ab, die Leuchtstoffröhren tauchen die Umgebung in grünliches Licht, die Halogenbeleuchtung tendiert zu Blau. Und wenn Sie dann aus dem Schaufenster auf die Straße sehen, müsste das Tageslicht noch völlig anders wirken.

Das nimmt man aber nicht wahr, deshalb werden wir auch ständig „manipuliert“. An der Wursttheke wird die Ware mit rötlichem Licht beleuchtet, an der Gemüsetheke ist Licht mit Grünstich im Einsatz, die Schmucktheke glänzt in blau-weißem Licht. So wirkt die Wurst saftiger, das Gemüse frischer und der Brillant edler. Aber keiner merkt es – bis auf die Kamera!

Wenn wir die Aufgabe haben, entweder Waren in „Echtfarbe“ zu fotografieren, zum Beispiel für einen Katalog, oder wenn wir in Räumen fotografieren, die mit Mischlicht (siehe Beispiel oben) ausgeleuchtet sind, wird’s kritisch. Wir können das nur meistern, wenn wir die Farbtemperaturen kennen und beachten.

Modus: Sonne

Modus: Bewölkt

Modus: Automatik

Farbtemperatureinstellungen an der Kamera:

Diese extreme Mischlichtsituation kann man nur mit einem Kompromiss bewältigen. Die unterschiedlichen Lichtquellen sind: Deckenbeleuchtung: Neon; Schaufensterstrahler: HMI; Waren-Beleuchtung: Halogen; Hängelampen: Glühlampen.

Die Tabelle zeigt die Temperaturangaben, wie sie die Herren Celsius, Reaumur und Fahrenheit definiert haben, sowie die von Herrn Kelvin der für die Maßeinheit der Farbtemperatur seinen Namen gegeben hat.

Modus: Glühlampe

Modus: Halogen

Modus: Tageslicht mit Blitzaufhellung

Licht wird hauptsächlich von glühenden Körpern ausgesendet. Das kann man sehr schön sehen, wenn wir ein Stück Eisen mit dem Schweißbrenner aufheizen und zum Glühen bringen. Mit zunehmender Temperatur wird das Eisen zuerst tief dunkelrot, dann geht das Rot in Orange über und tendiert zu Gelb. Es ist der gleiche Farbverlauf wie im Spektrum des Regenbogens. Wir heizen weiter und das Eisenstück glüht weiß – „zur Weißglut gebracht“. Jetzt wird vom Eisen jede Farbe des sichtbaren Spektrums abgestrahlt und das summiert sich zu Weiß. Beim Aufheizen wurde mit jeder Temperatur des Eisenklotzes eine ganz spezielle Farbe abgestrahlt. Diese Farbe steht somit in direktem Zusammenhang mit der Temperatur. Und nun kommt Herr Kelvin (1824 -1907) ins Spiel. Er hat sich Gedanken zur thermodynamischen Temperatur gemacht, einer Temperaturskala die sich auf den absoluten Nullpunkt von -273,15°C bezieht. Er kümmerte sich um ein Thema, das auch von Reaumur, Fahrenheit und Celsius bearbeitet wurde. Letzterer hat sich bis ins täglichen Leben populär gehalten, Kollege Kelvin hat sich eher bei den technischen Disziplinen durchsetzen können. Übrigens, man spricht bei der Einheit „K“ nur von „Kelvin“, nicht von „Grad Kelvin“!

Kerzenlicht

Leuchtstofflampe

Die Bildwirkung der Farbtemperaturen verschiedener Lichtquellen, aufgenommen mit der festen Farbtemperatureinstellung „Tageslicht“:

Halogenstrahler

Blitzlicht

Glühlampenlicht, Halogenscheinwerfern, durch Filter gefärbtes Licht oder Tageslicht ähnliches Blitzlicht, Sie können über die Farbtemperatur des Lichts den Farbcharakter eines Bildes maßgeblich beeinflussen. Vieles, aber nicht alles, lässt sich auch nachträglich mit dem Bildbearbeitungsprogramm nachbearbeiten.

Die Farbtemperatur wird seitdem in Kelvin gemessen – das ist im wesentlichen nichts anderes, als der Bezug von Temperatur zum Licht, das von unserem glühenden Eisenklotz abgestrahlt wird. Unsere Glühlampen, Halogenlampen senden Licht aus, weil in ihnen der Metalldraht zum Glühen gebracht wird. Letztendlich ist auch die Sonne nichts anderes, als ein glühendes Teil – naja, ein ziemlich großes, zugegeben…

Unsere Sensoren der digitalen Kameras sind auf die Farbe des Tageslicht mit 5500 K (Kelvin) ausgelegt. (Die Farbtemperatur des Tageslichtes schwankt nach Tages- und Jahreszeit zwischen 4800 und 18000 K.) Fotografieren wir nun mit diesem Equipment bei Glühlampenlicht, das zwischen 2900 und 2400 K hat (je nach Lampenleistung), erscheint in der Aufnahme alles leicht rotstichig, weil der Rotanteil im Licht höher als im Tageslicht ist. Wir können aber genauso behaupten, der Rotanteil ist gleich und es fehlt etwas vom Blaugrünanteil (von der Komplementärfarbe).

Aber - um es kompliziert zu machen - das Tageslicht ändert auch die Farbtemperatur nicht unerheblich. In den Morgen- und Abendstunden haben wir ein viel „wärmeres“ Licht mit höherem Rotanteil als mittags. Steht die Sonne im Zenit, ist der „kalte“ Anteil, der Blauanteil, größer. Bewölkung, Schnee, natürlich Wälder und Seen nehmen Einfluss auf die Lichtfarbe. Auch der Breitengrad, auf dem man sich auf dem Globus gerade befindet, hat seine eigene Lichtfarbe.

Auch im fotografischen Zeitalter des automatischen Weißabgleichs sollte man sich mit der Farbtemperatur auseinandersetzen, und wie die meisten Profis nur im Notfall zur Automatik greifen. Die Automatik hat den Nachteil, dass jede Farbstimmung ausgeglichen wird und große Farbflächen die Korrektur beeinflussen. Sobald Blitzlicht im Freien eingesetzt wird, ergibt das Mischlichtsituationen, auf die der Fotograf achten sollte.