Liebe Evolution, ist das dein Ernst?! - Mara Grunbaum - E-Book

Liebe Evolution, ist das dein Ernst?! E-Book

Mara Grunbaum

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Beschreibung

Unfassbar, diese Tiere gibt es wirklich! Mara Grunbaum zeigt uns die größten Pechvögel des Planeten. Warum gibt es Affen mit Bärten, Fische mit schiefen Zähnen und dicke Kröten mit kurzen Beinen? Was hat sich die Evolution bloß dabei gedacht? Viele Fragen tun sich auf: Wo leben diese Tiere? Welches Geräusch machen sie? Und gibt in der Tierwelt auch Psychiater? Dieses Buch ist wie ein Unfall: Man kann einfach nicht weggucken!

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Seitenzahl: 86

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Mara Grunbaum

Liebe Evolution, ist das dein Ernst?!

Aus dem amerikanischen Englischvon Antonia Zauner

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Unfassbar, diese Tiere gibt es wirklich!

Mara Grunbaum zeigt uns die größten Pechvögel des Planeten. Warum gibt es Affen mit Bärten, Fische mit schiefen Zähnen und dicke Kröten mit kurzen Beinen? Was hat sich die Evolution bloß dabei gedacht? Viele Fragen tun sich auf: Wo leben diese Tiere? Welche Geräusche machen sie? Und gibt es in der Tierwelt auch Psychiater?

Dieses Buch ist wie ein Unfall: Man kann einfach nicht weggucken!

Inhaltsübersicht

Widmung

Einleitung

Kapitel 1 – Unschöne Problemlösungen

Krauskopfpelikan

Fasanbutt

Usambara Dreihornchamäleon

Giraffe

Stielaugenfliege

Prachtfregattvogel

Meerechse

Steppenzebra

Spanischer Rippenmolch

Marabu

Schlammspringer

Giraffenhalskäfer

Hechtschleimfisch

Plumplori

Pflanzen

Australischer Affenbrotbaum

Hydnora

Bienen-Ragwurz

Riesenrafflesie

Kapitel 2 – Pfusch am Bau

Gemalter Hornfrosch

Mondfisch

Sand-Winkerkrabbe

Nasenmuräne

Cantors Riesen-Weichschildkröte

Dumbo-Oktopus

Gemalter Anglerfisch

Sekretär

Boxerkrabbe

Nasenfrosch

Irawadidelfin

Herzigel

Die Outtakes der Evolution

Kapitel 3 – Finstere Zeiten

Weißrand-Himmelsgucker

Vierhorn-Krötenechse

Europäische Gottesanbeterin

Roter Uakari

Silberpfeil

Königsgeier

Visayas-Pustelschwein

Westlicher Sägefisch

Schuhschnabel

Uraba lugens

Echter Steinfisch

Beifußhuhn

Zungenfresser

Sandkatze

Bericht einer Katastrophe

Kapitel 4 – Dreckige Witze

Nasenaffe

Temmincktragopan

Große Wabenkröte

Augenfleck-Seegurke

Indischer Ballonfrosch

Tigerschnegel

Blindwühle

Gelbfuß-Beutelmaus

Flying Buttocks

Südliche Grünmeerkatze

Westliches Graues Riesenkänguru

Elefantenrüsselmuschel

Okapi

Stockente

Pazifik-Schleimaal

Seepocke

Paradiesvögel

Kapitel 5 – Fragwürdiges Design

Zapfenguan

Molukken-Hirscheber

Flanellmottenraupe

Giraffengazelle

Yeti-Krabbe

Tannenzapfenechse

Bartschwein

Cordyceps

Gestreifter Seewolf

Asiatischer Krötenfrosch

Springbock

Spitzkopfzikade

Fransenteppichhai

Chondrocladia

Zangenartige Dornspinne

Schnabeltier

Die miesen Tricks der Evolution

Laubheuschrecke

Spinnenschwanzviper

Zikade mit Ameisen-Mimikry

Riesentagschläfer

Mimik-Oktopus

Krabbenspinne mit Vogelkot-Mimese

Kapitel 6 – Träume und Wahnvorstellungen

Narwal

Handfisch

Mandrill

Spiegelspinne

Schwamm-Springkrabbe

Schneckenspinnerraupe

Clown-Fangschreckenkrebs

Gallertkalmar

Tiefsee-Anglerfisch

Pfauenspinne

Juwelraupe

Guyana-Klippenvogel

Saugwurm

Rippenqualle

Seedrachen

Bärtierchen

Nacktkiemer: Die Evolution lässt es krachen

Kapitel 7 – Nasenparade

Langnasen-Nasendoktorfisch

Gestreifte Blattnasenfledermaus

Sternmull

Südlicher See-Elefant

Flachlandtapir

Laternenträger

Seefledermaus

Pinocchio-Frosch

Nashornchamäleon

Saiga-Antilope

Blattnasennatter

Röhrennasen-Flughund

Goldstumpfnase

Werbeanzeige: Ambra by Evolution

Die Evolution: Das finale Interview

ANHANG

Auswahlbibliographie

Dank

Für Sasha, die beste Schwester, die die Evolution je hervorgebracht hat. Ich bin froh, dass noch ausreichend gute Gene übrig waren, um dich zu erschaffen.

Einleitung

Die Evolution bringt wahre Wunder hervor: Pflanzen und Tiere, die so atemberaubend schön und von so eindrucksvoller Gestalt sind, die sich so perfekt und scheinbar mühelos an ihren jeweiligen Lebensraum angepasst haben, dass man nur staunen kann über die unerschöpfliche Pracht der Natur.

Manchmal allerdings – nun, sagen wir einfach, dass Pracht nicht so ganz das richtige Wort dafür ist.

Mit der Evolution ist das so eine Sache: Sie hat gute Absichten, aber sie denkt die Dinge nicht wirklich zu Ende. Viele glauben, dass die Evolution eine Agenda hat – dass es einen Grund dafür gibt, warum Organismen zu dem geworden sind, was sie sind, oder dass ihre Entwicklung einem stufenweisen Verbesserungsplan folgt. Aber so funktioniert das nicht. Die Evolution ist eher wie euer eigentlich ganz umgänglicher, aber etwas zerstreuter Kumpel in der Schule, der so vor sich hin wurstelt, ohne ein konkretes Ziel im Auge zu haben. Sie stochert im Grunde wie wir alle nur im Nebel.

Den meisten Dingen, die die Evolution tut, liegt keine inhärente Logik zugrunde. Sie hält nie inne, um sich zu fragen: Was wäre die cleverste Selbstverteidigungsstrategie für diesen Molch? Was ist die simpelste Art der Fortpflanzung für dieses Känguru? Sieht dieser Fisch überhaupt wie ein Fisch aus? Stattdessen probiert sie einfach alle möglichen halbgaren, unvernünftigen oder vollkommen lächerlichen Ideen aus, bis schließlich irgendwas funktioniert – und wenn das mal der Fall ist, ist das Ergebnis nicht immer schön anzusehen. Seit vor 3,8 Milliarden Jahren die ersten Zellen im Urschlamm zu zucken begannen, hat die Evolution eine endlose Parade von aufblasbaren Nasen, bizarren Genitalien, unangenehmen Fressgewohnheiten und aggressiven antisozialen Neigungen hervorgebracht. Und Schleim. Eine ganze Menge Schleim.

Klar, die Welt mit einer enormen Vielfalt von Organismen zu bevölkern, die überall leben können, von eisigen Polarkappen bis hin zu brodelnden Vulkanschloten, ist vielleicht nicht der leichteste Job der Welt. Und es ist mit Sicherheit hart, wenn einem nur ein begrenzter Genpool zur Verfügung steht und man fortwährend den heißen Atem der natürlichen Selektion im Nacken spürt, der einen dazu zwingt, alles noch effizienter und produktiver zu machen, gerade wenn Asteroiden oder eine riesige Eruption jede Sekunde auftauchen können, um den Großteil der harten Arbeit wieder zunichte zu machen.

Und dennoch wirkt es, als könnten die Innovationen der Evolution manchmal – nur manchmal – ein bisschen besser durchdacht sein. Hin und wieder – und ich sage das hier mit allem angebrachten Respekt, liebe Evolution – kommt man nicht umhin, sich zu fragen: Ist das verdammt noch mal dein Ernst?!

Kapitel 1 – Unschöne Problemlösungen

Du, Evolution, warum können wir nicht ein bisschen cooler sein?«, fragen die Menschen oft. »Warum haben wir zum Beispiel keine Flügel?« Nun, die Evolution würde es sehr begrüßen, wenn ihr aufhören könntet zu fragen. Warum ihr keine Flügel habt? Darum!

Es wäre toll, wenn die Evolution alles tun könnte, was sie möchte – ein Säugetier rundumerneuern, zum Beispiel, oder Fische mit einem Propeller ausstatten. Aber die Evolution ist ein langsamer Prozess der Veränderung und Anpassung, sie kann nicht hexen. Ihr steht nur ein begrenzter Genpool zur Verfügung. Sie kann bestimmte Merkmale eines Urahns verstärken, aber sie kann in der Regel nichts Neues erschaffen.

Stellt euch vor, ihr wollt eine Torte backen und alles, was ihr in der Speisekammer findet, sind Dinkelmehl, Ei-Ersatz und billiges Instant-Kakaopulver. So fühlt sich die Evolution, wenn sie verzweifelt versucht, aus den ihr zur Verfügung stehenden Second-Hand-Zutaten erfolgreiche Kreaturen zu schaffen. Ich brauche etwas, um ein Vogelweibchen zu beeindrucken, habe aber keine Gene für »Sinn für Humor«, »guter Zuhörer« oder »schönes Haar«? Gut. Dann eben eine aufpumpbare Ballonbrust.

Hin und wieder verschafft eine zufällige Mutation der Evolution eine neue Zutat, mit der sie arbeiten kann, aber … ihr wisst ja, wie das ist mit Mutationen. Sie sind nicht immer schön anzusehen.

Krauskopfpelikan

© age fotostock/M. Woike.Pelikane nutzen ihren dehnbaren Kehlsack, um damit Fische aus dem Wasser zu schöpfen und sie ihren Schlund hinunterzuspülen. Die Fische mit dem Kopf voran zu schlucken verhindert unangenehme Verstopfungen.

Dieser Pelikan sieht aus wie ein Pissoir.

Geh heim, Evolution – du bist doch völlig betrunken.

Fasanbutt

© Getty Images/Terry Moore/Stocktrek Images.Am Anfang ihres Lebens sehen Butte aus wie normale Fische, aber wenn sie zu wachsen beginnen, macht sich eines ihrer Augen auf eine lange und abenteuerliche Reise. Im Verlauf mehrerer Monate wandert es langsam über das Gesicht des Fisches bis auf die andere Seite seines Kopfes. Als ob die Pubertät nicht so schon ätzend genug wäre.

Also, ich hab da diesen Fisch.«

»Okay.«

»Und er hat auf jeder Seite seines Kopfes ein Auge.«

»Klar – wie jeder normale Fisch, der etwas auf sich hält.«

»Aber ich hab mir überlegt: Was, wenn er am Meeresgrund lebt? Dann könnte er sich flach auf die Seite legen und sich im Sand tarnen.«

»Klar, das scheint mir ein cleverer Schachzug zu sein, Evolution.«

»Aber dann wäre eines seiner Augen am Boden.«

»Hmm, das ist ein guter Einwand. Vielleicht könntest du seinen Körper umformen, so dass er waagerecht ausgerichtet ist wie bei einem Rochen? Dann könnte er flach auf dem Bauch liegen.«

»Puh, das klingt nach Arbeit. Ich könnte doch auch einfach einen normalen Fisch nehmen und dann eines seiner Augen auf die andere Seite wandern lassen, oder?«

»Nun, dann könnte er aussehen wie etwas, das sich Pablo Picasso nach einem Tauchunfall ausgedacht hat.«

»Hey, der Kerl war ein Genie!«

Usambara Dreihornchamäleon

© Getty Images/Jack Milchanowski.

Klar, Evolution, es ist schon nicht schlecht, in zwei Richtungen gleichzeitig schauen zu können – solange sich in keiner dieser Richtungen ein Spiegel befindet.

Giraffe

© age fotostock/Uwe Skrzypczak/imageb.

Ich glaube, mir ist bei der Giraffe gerade ein Durchbruch gelungen.«

»Echt, Evolution? Was ist es?«

»Du weißt doch, dass in der Savanne jeder die Blätter frisst, die nah am Boden sind.«

»Klar, da herrscht eine ganz schön harte Konkurrenz.«

»Also, ich gebe der Giraffe einen geradezu lächerlich langen Hals, so dass sie die Blätter von weit oben fressen kann.«

»Keine schlechte Idee. Aber was ist, wenn sie den Boden erreichen muss?«

»Warum sollte sie das tun müssen?«

»Ich weiß auch nicht, vielleicht, um Wasser zu trinken?«

»Oh. Stimmt. Mist.«

Stielaugenfliege

© Minden Pictures/Mark Moffett.Stielaugenfliegen-Weibchen bevorzugen bei der Paarung Männchen mit längeren … Stielen. (Wie? Was dachtet ihr denn, was ich meine?)

Die Evolution kann sich nicht recht erklären, warum ihr so besessen von der Suche nach »Aliens« seid. Sie hat doch schon die Stielaugenfliege geschaffen.

Prachtfregattvogel

© age fotostock/Michael Nolan.Obwohl sie sich von Fischen ernähren, können Fregattvögel nicht tauchen. Stattdessen drangsalieren sie oft andere Seevögel, bis diese den Fisch, den sie gefangen haben, wieder hervorwürgen. Dann verleiben sie sich die gestohlene Beute ein. Klingt eher nach prächtigen Arschlochvögeln, oder?

Hey, ich brauch mal kurz deinen Rat.«

»Was gibt’s?«

»Ich brauche etwas, womit ich die Aufmerksamkeit eines Fregattvogel-Weibchens erregen kann.«

»Hast du versucht, sie anzusprechen?«

»Komm schon, du weißt, dass das nie klappt. Wie wär’s mit so was wie einem roten Ballon? Denkst du, darauf fährt sie ab?«

»Kommt drauf an, Evolution – willst du sie zur Paarung überzeugen oder ihr einen Gebrauchtwagen verkaufen?«

Meerechse

© age fotostock/Chromorange/Dieter.Charles Darwin höchstpersönlich beschrieb die Meerechse als »abscheulich«.

Wisst ihr, es gibt Dinge, die passieren einfach. Jeder macht mal Fehler. Manchmal werden Tiere, die die Evolution für das Leben an Land ausgestattet hat, von Stürmen hinaus ins Meer geschwemmt und auf Vulkaninseln wieder an Land gespült, wo es nichts zu fressen gibt außer Steinen.

Was soll die Evolution in so einem Fall machen? Sie einfach sterben lassen? Natürlich nicht. Die Evolution steht für Flexibilität. Die Evolution steht für Einfallsreichtum.