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Fragst du dich auch manchmal, warum alle außer dir Liebe gefunden haben? Keine Sorge, du bist nicht allein, denn gute Beziehungen tauchen nicht einfach auf – sie sind das Ergebnis einer Reihe von Entscheidungen. Die Verhaltensforscherin und Dating-Coachin Logan Ury zeigt dir, wie dich eine Veränderung deiner Denkweise ans Ziel führt. Ihr einfach anzuwendender Leitfaden enthält spannende Erkenntnisse aus der Verhaltenswissenschaft und zahlreiche Geschichten aus dem wirklichen Leben. Du wirst lernen: • was dich beim Dating zurückhält (und wie du das Muster durchbrichst), • was bei einer langjährigen Partnerschaft wichtig ist (und was wirklich nicht), • wie du die Tücken des Online-Datings überwindest (und die Apps für dich arbeiten lässt), • wie du mehr Leute im wirklichen Leben triffst (bei Aktivitäten, die du magst), • wie Dates wieder Spaß machen (und sich nicht mehr wie Vorstellungsgespräche anfühlen), • warum »der Funke« ein Mythos ist (du aber trotzdem Liebe finden wirst).
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Seitenzahl: 454
Veröffentlichungsjahr: 2021
Logan Ury
LIEBEFINDEN
Logan Ury
LIEBEFINDEN
Mit überraschenden Erkenntnissen aus der Forschung endlich zu einer glücklichen Beziehung
Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
1. Auflage 2021
© 2021 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
D-80799 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Die amerikanische Originalausgabe erschien 2021 bei Simon & Schuster unter dem Titel How to Now Die Alone. © 2021 by Logan Ury. All rights reserved. Published by arrangement with the original publisher, Simon & Schuster, Inc.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Übersetzung: Elisabeth Liebl
Redaktion: Sabine Zürn
Umschlaggestaltung: Manuela Amode
Umschlagabbildung: Shutterstock.com/Enmaler
Layout und Satz: Müjde Puzziferri, MP Medien, München
Druck: CPI books GmbH, Leck
eBook by tool-e-byte
ISBN Print 978-3-7474-0332-7
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96121-695-6
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96121-696-3
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.mvg-verlag.de
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Für Scott – die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Und für meine Eltern, deren Liebe und Unterstützung mir ermöglicht haben, zu dem Menschen zu werden, der ich heute bin.
INHALT
Ein Hinweis vorab
Einführung
TEIL I: GEH ES AN!
1 Warum Daten heute schwieriger ist als je zuvor
Wie du die Herausforderungen des modernen Datings meisterst
2 Die drei Datingtendenzen
Wie du deine blinden Flecken findest
3 Disney hat uns was vorgemacht
Wie du die Romantiker-Tendenz überwindest
4 Perfektion ist nicht alles!
Wie du die Maximalisten-Tendenz bewältigst
5 Wie lange willst du noch warten?
Wie du die Zögerer-Tendenz in den Griff bekommst
6 Entdecke deinen Bindungsstil
Und wie du am besten damit umgehst
7 Konzentriere dich auf das, was wirklich zählt
Wie du einen Lebenspartner findest, kein Date für den Abschlussball
TEIL II: GEH RAUS!
8 Weißt du wirklich, was du willst?
Wie du die Tücken des Onlinedatings umgehst
9 Die Liebe abseits von Dating-Apps
Wie du IRL (im richtigen Leben) Leute kennenlernst
10 Das ist ein Date, kein Vorstellungsgespräch!
Wie du bessere Dates hinbekommst
11 Zum Teufel mit dem Funkenregen!
Wie du mit dem Märchen vom sprühenden Funken aufräumst
12 Das zweite Date
Wie du entscheidest, ob du jemanden wiedersehen willst
TEIL III: WIE DU ERNST MACHST
13 Triff eine Entscheidung, statt in etwas reinzuschlittern
Wie du die Meilensteine der Beziehung bewusst angehst
14 Von Kletten und Abservierern
Wie du entscheidest, ob du Schluss machst
15 Der Trennungsplan
Wie du dich am fairsten trennst
16 Eine Trennung ist kein Verlust, sondern ein Gewinn
Wie du mit dem Herzschmerz fertig wirst
17 Bevor du Ja sagst
Wie du entscheidest, ob du in den Hafen der Ehe einlaufen sollst
18 Die absichtsvolleLiebe
Wie du eine stabile Beziehung aufbaust
Dank
Anhang
Übung: Plan für schwierige Gespräche
Beziehungsvertrag: Arbeitsblatt zur Selbstreflexion
Über die Autorin
Quellen
EIN HINWEIS VORAB
Wann immer es um wissenschaftliche Forschung geht, gibt es eine schlechte Nachricht: Die meisten Studien übers Daten konzentrieren sich auf cisgender-heterosexuelle Paare. Andererseits haben Untersuchungen von LGBTQ+-Beziehungen ergeben, dass diese Paare meist mit den gleichen Problemen kämpfen, wie sie die Forschung für Paarbeziehungen insgesamt aufzeigt, und sie daher ebenso von Tipps profitieren können, die sich an Heteropaare richten.
Während der Arbeit an diesem Buch habe ich mit unzähligen Menschen der unterschiedlichsten sexuellen Orientierungen bzw. Identitäten gesprochen. Ich wollte auch die Liebesgeschichten und Datingerfahrungen von LGBTQ+-Menschen präsentieren. Alle Geschichten in diesem Buch sind wahr, auch wenn in manche davon die Erlebnisse mehrerer Menschen eingeflossen sind. Die Namen wurden geändert, ebenso charakteristische Merkmale. Die Dialoge habe ich schöpferisch nachgestellt.
Nachdem ich das Buch zu Ende geschrieben hatte, übernahm ich die Aufgabe des Director of Relationship Science bei den Machern der Dating-App Hinge. In dieser Funktion kann ich Millionen Menschen helfen, effektiver zu daten. Was an Recherchen und Meinungen in diesem Buch präsentiert wird, ist ausschließlich das Ergebnis meiner eigenen Arbeit.
EINFÜHRUNG
Vielleicht denkst du jetzt, du hättest dir kein Buch über die Liebe kaufen sollen. Liebe sollte ohne Anstrengung, natürlich, sozusagen organisch, entstehen. Im Englischen ist Verliebtsein ja ein Zustand, in den man quasi »hineinfällt«. Man denkt sich nicht in die Liebe hinein. Liebe ist eine spontane chemische Reaktion, kein mit Kalkül herbeigeführter Zustand.
Und doch hältst du jetzt dieses Buch in der Hand. Weil du endlich die Liebe finden willst, was bis jetzt noch nicht so richtig geklappt hat. Wie lässt sich dieses Rätsel erklären? Ganz einfach: Liebe mag ein natürlicher Instinkt sein, das Daten ist es aber nicht. Wir kommen nicht mit dem instinktiven Wissen zur Welt, wie wir den richtigen Partner finden.
Wenn dem so wäre, hätte ich keinen Job mehr. Ich bin Datingcoach, und was ich beruflich mache, ist die moderne Form der Partnervermittlung. Ich habe an der Universität Harvard Psychologie studiert und mich jahrelang mit menschlichem Verhalten und Beziehungen beschäftigt. Im Zuge dieser Arbeit habe ich ein Modell für gesunde Beziehungen entwickelt: Intentional Love (absichtsvolle Liebe). Durch dieses Modell lernst du, dein Liebesleben als ein Ergebnis bewusster Entscheidungen zu sehen, nicht als zufälliges Ereignis. Dieses Buch zeigt dir, wie du gut informiert an die Sache herangehen kannst, indem du deine schlechten Gewohnheiten durchschaust, dein Datingmuster veränderst und lernst, wichtige Beziehungsfragen im Gespräch zu klären.
Gute Beziehungen müssen aufgebaut werden. Sie fallen nicht vom Himmel. Eine dauerhafte Beziehung passiert nicht einfach so. Sie ist der krönende Abschluss einer Reihe von Entscheidungen: Wann sollen wir ausgehen? Mit wem? Wie können wir mit der falschen Person Schluss machen? Wann machen wir mit der richtigen Person am besten Nägel mit Köpfen? Und alle anderen Fragen, die sich in diesem Spannungsfeld noch auftun. Triff gute Entscheidungen, und eine wunderbare Liebesgeschichte ist dir garantiert. Triff schlechte Entscheidungen, und du wirst immer wieder den gleichen toxischen Mustern aufsitzen.
SPOILERALARM: WIR SIND TOTAL IRRATIONAL
Die Gründe für unsere Entscheidungen sind uns oft bewusst, und das hat problematische Konsequenzen, denn sie durchkreuzen unsere Suche nach Liebe. Hier kann uns die Verhaltensforschung weiterhelfen.
Ein Teilgebiet der Verhaltensforschung untersucht, wie wir Entscheidungen treffen. Diese Erkenntnisse ermöglichen uns, die einzelnen Lagen in unserem Kopf, die zu einem Entschluss geführt haben, Schicht für Schicht abzutragen, sodass wir einen Blick auf unsere Beweggründe werfen können. Spoileralarm: Wir sind total irrational. Wir fällen häufig Entscheidungen, die unsere Interessen sabotieren.
Und das gilt für alle Lebensbereiche. Wir sagen zum Beispiel, dass wir fürs Alter sparen wollen, belasten aber unsere Kreditkarte mit Ausgaben für die Wohnung. Oder wir nehmen uns vor, mehr Sport zu treiben, doch das Laufband im Wohnzimmer dient bestenfalls als Kleiderablage. Ganz egal, wie oft oder ernsthaft wir uns Ziele setzen, bei der Umsetzung stehen wir uns meistens selbst im Weg.
Glücklicherweise folgen unsere irrationalen Entscheidungen nicht dem Zufallsprinzip. Unser Gehirn führt uns auf vorhersagbare Weise in die Irre. Verhaltensforscher setzen dieses Wissen ein, um Menschen dabei zu unterstützen, ihr Verhalten wirksam zu ändern – mit dem Ziel, sie glücklicher, gesünder und wohlhabender zu machen.
Eine ganze Weile machte ich von meinem psychologischen Wissen vor allem bei Google Gebrauch. Ich arbeitete dort mit dem großartigen Dan Ariely zusammen. Unser Team nannte sich »Irrational Lab«, was auf sein Buch Predictably Irrational (Denken hilft zwar, nützt aber nichts) zurückging. Ich schätzte die Arbeit mit Dan und dem Irrational Lab. Wir studierten menschliches Verhalten und machten Experimente. Doch eigentlich drückten mich andere Sorgen. Ich war Anfang zwanzig und Single. Ich kämpfte mit der absolut lebenswichtigen und häufig gestellten Frage: Wie finden wir die Liebe und halten sie am Leben?
Als Wissenschaftlerin hatte ich mich schon lange für Themen wie Dating, Beziehungen und Sex interessiert. An der Uni studierte ich die Pornokonsum-Gewohnheiten der Harvard-Studenten und schrieb darüber eine Arbeit mit dem Titel Porn to Be Wild. (Spoiler: Harvard-Studenten gucken viele Pornos.) In meinem ersten Job bei Google (Jahre, bevor ich das Irrational Lab leitete) managte ich die Google-Anzeigen für die Kunden von Pornoseiten und Sextoys, zum Beispiel für Bangbros, Playboy und Good Vibrations. Der inoffizielle Name unserer Gruppe war »Porn Pod«, die »Pornokammer«.
Mein Interesse an Beziehungen geht wohl auf meine Kindheit zurück. Ich wuchs in einer glücklichen Familie auf, aber meine Eltern ließen sich – für mich – urplötzlich scheiden, als ich 17 war. Meine »Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende«-Blase platzte. Von diesem Moment an hielt ich langfristige Beziehungen für reine Glückssache.
Damals war ich noch Single. Die Dating-Apps kamen gerade erst auf, und ich verbrachte einen Großteil meiner Zeit mit Swipen. Die Leute, die ich so kannte, hatten die gleichen Probleme wie ich. Unsere Generation hatte den Übergang vom ersten iPod (»tausend Songs in der Hosentasche«1) zum Smartphone, das tausend mögliche Tinder-Dates bot, aktiv mitvollzogen. Statt Bobby oder Belinda aus unserem Viertel hinterherzugucken, hatten wir plötzlich online die Wahl unter Tausenden Singles.
Vor diesem Hintergrund lancierte ich nebenher ein Google-Projekt mit dem Titel Talks bei Google: moderne Romantik. In diesen kurzen Videos ging es um die Herausforderungen modernen Datings. Ich interviewte renommierte Experten aus aller Welt zu Themen wie Onlinedating, Kommunikation im digitalen Zeitalter, Monogamie, Empathie und den Geheimnissen einer glücklichen Ehe. Innerhalb weniger Stunden meldeten sich Tausende Google-Nutzer für die Modern-Romance-Mailingliste an, um keines der Interviews zu verpassen. Sobald diese online gingen, hatten wir auf YouTube Millionen Abrufe. Offensichtlich standen meine Freunde und ich mit diesem Problem nicht allein da.
Eines Abends sprach mich ein wildfremder Mensch an und sagte: »Ich habe Ihr Interview über Polyamorie gesehen. Ich wusste nicht, dass man Beziehungen auch so führen kann. Das hat mein ganzes Leben verändert.« In diesem Augenblick wurde mir klar, welche Tragweite meine Arbeit hatte. Ich hatte meine Berufung gefunden.
Aber ich wollte nicht zur x-ten Liebesexpertin werden, die ihre Ratschläge mit Bauchgefühl begründet. Mein Gedanke war vielmehr: Was, wenn ich die wissenschaftlichen Instrumente, die ich jetzt bei Google einsetze, dazu benutze, um den Leuten zu besseren Entscheidungen in ihrem Liebesleben zu verhelfen?
UND SIE LEBTEN IRRATIONAL BIS AN IHR LEBENSENDE
Nach fast zehn Jahren in der Technologiebranche hängte ich meinen Job an den Nagel und wandte mich der Frage zu, wie ich Menschen dabei unterstützen konnte, dauerhafte Beziehungen aufzubauen. Was uns da meiner Ansicht nach stolpern lässt, sind die klassischen Fehler, die wir machen, wenn wir Entscheidungen treffen. Die Verhaltensforschung ist das fehlende Glied in der Kette, denn sie hilft den Menschen, ihr Verhalten zu ändern, toxische Muster zu durchbrechen und am Ende doch die Liebe ihres Lebens zu finden.
Die Partnerwahl ist eine echte Herausforderung, weil sie durch kulturelle Prägungen, schlechte Ratschläge und den Druck von Familie und Gesellschaft belastet ist. Allerdings hat bisher auch noch niemand versucht, die Erkenntnisse der Verhaltensforschung auf diesem Gebiet anzuwenden. Vielleicht weil wir denken, Liebe sei ein magisches Ereignis, das sich der wissenschaftlichen Analyse entzieht. Vielleicht fürchten wir uns auch vor kritischen Einwänden wie Wer will schon rational an die Liebe herangehen?. Aber darum geht es nicht. Ich versuche keineswegs, dich in einen hyperrationalen Computer zu verwandeln, der sämtliche Beziehungsmöglichkeiten durchrechnet und dann den Namen deines Seelengefährten ausspuckt. Ich möchte dich nur dabei unterstützen, in der Liebe schlechte Entscheidungen zu vermeiden.
Jede Verhaltensänderung vollzieht sich in zwei Schritten. Zuerst erkennen wir, welche unterschwelligen Kräfte unser Verhalten beherrschen. Diese sind für Fehleinschätzungen verantwortlich, die in schmerzlichen Konsequenzen enden: etwa die Weigerung, dich zu binden, weil du glaubst, einen noch besseren Partner zu finden (Kapitel 4). Oder dass du lieber deinem Jugendschwarm hinterherläufst, statt eine schöne Zeit mit deinem Lebenspartner zu verbringen (Kapitel 7). Oder das Verharren in einer miesen Beziehung, die ihr Verfallsdatum längst überschritten hat.
Aber dass du dir dieser Tatsachen bewusst bist, heißt noch nicht, dass du sie auch änderst. (Das Wissen, dass du besser keine Bad Boys daten solltest oder »diese durchgeknallten Mega-Mädels«, macht diese ja nicht weniger attraktiv.) Tatsächlich musst du selbst aktiv gegensteuern. Und hier kommt der zweite Teil der Verhaltensforschung zum Tragen. Erprobte Methoden helfen dir, den Graben vom Wissen zum Handeln zu überbrücken. Im zweiten Schritt entwickeln wir ein neues System, das dir hilft, dein Verhalten zu ändern und dein Ziel zu erreichen. Jedes der folgenden Kapitel beinhaltet einen wissenschaftlich fundierten Rahmen, innerhalb dessen wir üben können, unsere Entscheidungsfindung bei einem Date auf eine solidere Grundlage zu stellen.
WIE HILFT DIESES BUCH?
Zuallererst wirst du feststellen, dass du nicht allein bist. Du bist nicht der einzige Mensch, der auf diesem Gebiet mit Zweifeln kämpft. Du und deine Fragen und Sorgen sind vielmehr total normal.
Es gibt in Beziehungen keine Gewissheit, aber du kannst deine Entscheidungen strategisch treffen und dich zu diesem Zweck auf Forschungsarbeiten stützen, die die Stärken und Schwächen unseres Gehirns (und unseres Herzens) untersucht haben. Das Modell der absichtsvollen Liebe gründet sich auf zwei Säulen: erstens auf die Beziehungsforschung (Was funktioniert in langfristigen Beziehungen?) und zweitens auf die Verhaltensforschung (Wie können wir unsere Absichten umsetzen?).
Ich werde dir dieses Modell Stück für Stück nahebringen. Modelle haben einfach etwas Beruhigendes.
Das Modell hat für meine Klienten funktioniert, und ich weiß, dass es auch dir helfen kann.
Teil I: Geh es an!
Als Erstes beschäftigen wir uns mit der Frage, warum Daten heute schwieriger ist als je zuvor. Dann füllst du einen Fragebogen aus, aus dem du erfährst, welche deiner Eigenheiten dir beim Daten in die Quere kommen – Muster, die dich im Leben blockieren, vermutlich ohne dass du es merkst. Im nächsten Schritt erkläre ich, wie diese Muster dein Liebesleben beeinflussen und was du tun kannst, um sie zu überwinden. Dann setzen wir uns mit der Bindungstheorie auseinander und wie sie beeinflusst, in wen du dich verliebst und wie. Und ich werde dir zeigen, welche Eigenschaften du benötigst, damit eine langfristige Bindung entstehen kann. Vermutlich waren deine Vorstellungen da ganz andere.
Teil II: Geh raus!
Wir werden uns Dating-Apps ansehen, und ich helfe dir, die Tücken des modernen Datings zu erkennen und zu umgehen. Wir werden dein Swiping verbessern und dich mit Menschen IRL (im realen Leben) in Kontakt bringen. Außerdem erfährst du, was du tun musst, damit aus einem Date kein Vorstellungsgespräch wird, und mit wem du dich am besten wieder triffst.
Teil III: Wie du Ernst machst!
In der Folge fragen wir uns, wie du wichtige Punkte im Beziehungsleben handhaben solltest, zum Beispiel den DDB-Talk (Definiere die Beziehung). Oder die Frage, ob ihr zusammenziehen solltet. Die nächsten Schritte sind: Wie entscheidest du, ob du dich trennen sollst? Und: Wie du eine Trennung anpackst oder wie du deinen Herzschmerz überwindest. Oder im Gegenzug (wenn alles super läuft): Sollen wir vielleicht heiraten? Das letzte Kapitel in diesem Teil wird dir helfen, in dieser Frage zu einer Entscheidung zu finden.
Außerdem beschäftigen wir uns mit der Frage, wie deine Langzeitbeziehung glücklich bleibt, indem du zum Beispiel deinem Partner täglich Aufmerksamkeit schenkst. Und natürlich verändern sich auch Beziehungen, genau wie die Menschen, die sie führen.
TRAU DICH, ETWAS ANDERS ZU MACHEN
Du liest dieses Buch, weil du dich nach Liebe sehnst. Vielleicht bist du schon öfter mit neuen Bekanntschaften ausgegangen, die nicht gut für dich waren, die dich enttäuscht oder allein zurückgelassen haben. Möglicherweise hast du auch gar keine Dates. Schule, Arbeit, Familie oder die Anforderungen des modernen Lebens haben es dir schwer gemacht. Aber tief drin weißt du, dass du einen Partner finden willst.
Ich bin hier, um dir bei den nächsten Schritten zu helfen. Betrachte dich als Coachee einer Datingberaterin. Alles, was ich von dir will, ist: Mach die Übungen in diesem Buch. (Sie funktionieren tatsächlich!) Und gib mir die Chance, deine Vorstellung vom Daten zu verändern.
Bisher hast du das Leben auf deine Weise angepackt. Warum versuchst du’s nicht mal anders? Vielleicht wartet ja am anderen Ende des Tunnels eine dauerhafte Liebesbeziehung auf dich.
Jede Generation durchlebt ihre eigenen Herausforderungen – Kriege, Rezessionen oder Schulterpolster. Fürs Dating gilt das Gleiche. Die Menschen hatten zwar zu allen Zeiten Liebeskummer, aber in einer Hinsicht haben die Singles von heute wahrscheinlich recht: Daten ist heutzutage schwieriger als je zuvor. Und wenn deine Mutter das nächste Mal meckert, weil du immer noch keinen netten Jungen gefunden und geheiratet hast, dann kannst du ihr das ruhig von mir ausrichten.
In diesem Buch möchte ich dir Lösungen für die schwierigsten Entscheidungen des Datings anbieten. Aber bevor wir uns den wichtigsten Methoden zuwenden, möchte ich erst mal klarstellen, welche Faktoren das Dating erschweren. Wenn die Sehnsucht nach Liebe dich endlos stresst, dann findest du hier vermutlich die Gründe.
Religion, Gemeinschaft und die Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse haben das Leben unserer Vorfahren geprägt.2 Die Erwartungen waren klar, und es gab nur wenige persönliche Entscheidungen zu treffen. Je nachdem, in welche Familie man geboren wurde, war klar, wie das eigene Leben laufen würde, etwa ein Weber in Bukarest, der koscher aß und regelmäßig in die Synagoge ging, oder ein Bauer vor den Toren von Schanghai, der sich von seinem Land ernährte. Die Partnerschaft wurde meist von der Mitgift bestimmt – davon, wer das beste Land oder die meisten Kamele zu bieten hatte.3
Heute liegen diese Entscheidungen allein bei uns.4 Wir müssen unseren Lebensweg selbst gestalten. Unsere Vorfahren mussten nicht abwägen, wo und wovon sie leben sollten. Wir hingegen müssen diese Entscheidungen selbst treffen. Das gibt uns natürlich eine unglaubliche Freiheit: Wir können uns für Nashville statt Atlanta entscheiden, für den Beruf der Meteorologin oder der Mathematikerin. Aber diese Freiheit geht auf Kosten der Gewissheit. Heute fragen wir uns nächtens, das Gesicht vom blauen Licht des Bildschirms erhellt: Wer bin ich? Und was soll ich mit meinem Leben anfangen? Die Kehrseite der Freiheit und der Möglichkeit der Wahl ist die lähmende Angst, dass wir mit der falschen Entscheidung ein für alle Mal unser Glück verspielen könnten. Wenn wir selbst verantwortlich sind, dann müssen wir auch die Verantwortung für unsere Entscheidungen übernehmen. Fehlentscheidungen gehen ganz allein auf unsere Kappe.
Eine der schwerwiegendsten Entscheidungen – die früher die Eltern oder die Gemeinschaft getroffen hat – ist die Frage: Wen soll ich als Partner wählen?
Innerhalb der Datingkultur findet gerade ein Erdbeben statt. Das Daten fing erst in den 1890er-Jahren an.5 Online gedatet wird seit 1994, als Kiss. com online ging.6 Ein Jahr später folgte Match.com. Und wir wischen für die Liebe seit etwa zehn Jahren. Wenn wir das Gefühl haben, im Mittelpunkt eines gigantischen kulturellen Experiments zu stehen, dann hat das seinen Grund: Genau das ist nämlich der Fall.
Unsere mögliche Partnerauswahl ist nicht mehr begrenzt auf die Personen, die wir von der Arbeit kennen, aus der Kirche oder der Nachbarschaft. Heute wischen wir uns durch Hunderte Kandidaten in nur einer einzigen Onlinesitzung. Aber diese scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten haben auch eine Kehrseite. Psychologen – wie Barry Schwartz, Professor emeritus am Swarthmore College – konnten zeigen, dass die Menschen zwar gern eine reiche Auswahl haben, sie deswegen aber nicht glücklicher sind. Tatsächlich ziehen sie ihre Entscheidungen sogar eher in Zweifel, je mehr Auswahlmöglichkeiten sie haben. Man nennt dies auch das Auswahlparadox.7
Die Leute haben so ihre Qual mit der Wahl. Ein bisschen wie diese nervenden Zeitgenossen, die in der Eisdiele vor dir in der Schlange stehen und sich absolut nicht für eine Sorte entscheiden können. (»Kann ich das da vielleicht noch einmal probieren? Und das da?«) Eine vielfältige Auswahl lähmt uns förmlich. Und das gilt für die Partnerwahl ebenso wie fürs Eis.
Für welche Anschaffung hast du zuletzt Informationen im Internet gesucht? Für deine elektrische Zahnbürste? Oder für die drahtlosen Bluetooth-Lautsprecher, die dein Bruder für seine neue Wohnung braucht? Wir leben in einer informationsgesättigten Gesellschaft, die uns die falsche Rückversicherung der Recherche suggeriert. Als wäre die perfekte Entscheidung nur ein paar Google-Suchen entfernt. Egal, ob wir das authentischste Tex-Mex-Restaurant suchen oder den besten Staubsauger: Wir können endlos Rankings und Bewertungen studieren. Wir haben das Gefühl, dass wir all unsere Bedürfnisse erfüllen können, wenn wir nur lange genug recherchieren.
Und nach dieser Gewissheit sind wir so süchtig, dass wir sie auch bei der Partnerwahl anstreben. Aber wenn es um Beziehungen geht, gibt es diese Rückversicherung nicht. Es gibt keine »richtige« Antwort auf Fragen wie Mit wem sollte ich mich zusammentun? Soll ich Kompromisse eingehen? Und: Wird er/sie sich denn nie ändern? Du kannst noch so viel googeln, die Antwort auf die Frage, ob James oder Jillian einen guten Partner abgeben, findest du dort nicht. Es gibt keine absolute Sicherheit in puncto Beziehungsfragen, und glücklicherweise brauchen wir sie auch nicht, um glücklich zu werden. Gute Beziehungen baut man auf, man entdeckt sie nicht. Aber genau hier gehen wir oft in die Falle: Wir glauben, indem wir Hunderte Möglichkeiten durchspielen, finden wir heraus, ob der Mensch vis-à-vis der oder die Richtige ist.
Vor vielen Jahren lebten die Menschen mehr oder weniger auf dem Dorf, auch wenn sie in der Stadt wohnten. Sie kannten andere Paare, die sich küssten, stritten und versöhnten.8 Privatsphäre gab es nicht. Heute ist unser Blick auf andere Beziehungen inszeniert, kuratiert und durch Instagram gefiltert. Wir erleben Verlobungen auf dem Kilimandscharo mit oder sehen ein süßes Baby an der Brust des Vaters schlummern. Natürlich fragen wir uns da, ob wir die Einzigen sind, die Liebeskummer haben (und das in viel schlechterer Ausleuchtung). Das Gefühl, dass alle anderen eine perfekte Beziehung haben, während die eigene gerade den Bach hinuntergeht bzw. gar nicht existiert, ist herzzerreißend. Meiner Erfahrung nach trifft das vor allem auf Männer zu, deren soziales Netz ohnehin weitmaschiger ist und die kaum jemanden haben, mit dem sie über ihre Ängste reden können. Sie vertrauen sich selten ihren Freunden an, weshalb sie auch nicht mitbekommen, dass buchstäblich jeder Mensch mal Liebeskummer hat.
Wir wollen den bestmöglichen Partner finden und die bestmögliche Beziehung führen, doch die wenigsten von uns, vor allem die jüngere Generation, kennen funktionierende Beziehungen noch aus erster Hand.
In den 1970er- und den frühen 1980er-Jahren schossen die Scheidungsraten plötzlich in die Höhe. Seitdem sind sie zwar wieder gesunken, aber viele von uns sind das, was die Paartherapeutin Esther Perel »die Kinder der Geschiedenen und Desillusionierten« nennt.9 Etwa 50 Prozent der Ehen in den Vereinigten Staaten enden mit Scheidung oder Trennung.10 Etwa vier Prozent aller Verheirateten geben an, in der Ehe unglücklich zu sein.11 Zusammengenommen kann man sagen: Ein Großteil der verheirateten Paare hat entweder ihre Ehe beendet12 oder erträgt sie nur mit Mühe.13
Das ist ein Problem. Viele Studien belegen, dass Vorbilder für uns wichtig sind. Man glaubt nun einmal leichter, dass etwas möglich ist, wenn es uns jemand vormacht, ob es nun darum geht, in vier Minuten eine Meile zu laufen oder 73 Hotdogs in weniger als zehn Minuten zu verschlingen (#lifegoals). Leben in einem Postleitzahlbezirk viele Patentinhaberinnen, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Frauen dort Erfinderinnen werden. Tatsächlich erwerben diese Frauen häufig sogar Patente im gleichen Fachbereich wie die älteren Patentinhaberinnen in der Nachbarschaft.14
Dasselbe gilt für Beziehungen. Wir wollen alle langfristige, erfüllende Partnerschaften, aber ohne Vorbilder fällt das nun mal schwerer. Viele meiner Klienten berichten, dass sie einfach nicht wissen, wie der Alltag in einer guten Beziehung aussieht: Wie lösen Paare in einer gesunden Beziehung ihre Konflikte? Wie kommen solche Paare zu einer gemeinsamen Entscheidung? Wie verbringt man erfolgreich den Rest seines Lebens mit nur einem Menschen? Die meisten Menschen konnten sich diese Fähigkeiten nicht bei ihren Eltern abschauen.
Selbst diejenigen unter uns, die in Sachen Beziehung die besten Vorsätze hegen, haben oft zu kämpfen, weil sie nie eine funktionierende Beziehung miterlebt haben.
Viele der Beziehungsfragen, mit denen wir uns herumschlagen, wären unseren kameltreibenden Vorfahren nie in den Sinn bekommen. Zum Beispiel: Gehen wir jetzt miteinander oder schlafen wir nur miteinander? Oder: Soll ich jetzt Schluss machen oder warten, bis die Hochzeitssaison um ist? Wir debattieren stundenlang mit unserer engsten Vertrauten, ob wir den neuen Beau wirklich lieben oder ob die ewigen ersten Dates, die nie zu einem zweiten führen, uns ausgebrannt haben?
Die Fortschritte in der Geburtenkontrolle und der Fertilitätsforschung ermöglichen uns weitere, ganz neue Optionen, zum Beispiel: Will ich Kinder und, wenn ja, wann? (Ich glaube nicht, dass die Jäger und Sammler sich darüber den Kopf zerbrochen haben.)
Aber unsere Auswahl an Beziehungsoptionen ist auch ohne wissenschaftliche Hilfe angewachsen. Wir können uns heute fragen: Will ich monogam leben? Oder: Wie definieren wir Monogamie?
In gewisser Weise sind all diese Fragen aufregend. Wer möchte denn nicht mehr Freiheit haben und sein Schicksal selbst in die Hand nehmen? Doch irgendwann fühlen wir uns von all den Wahlmöglichkeiten vielleicht auch überfordert.
Nach wie vor werden wir bombardiert mit Botschaften, die uns ermahnen, dass diese Entscheidung »richtig« getroffen werden muss. Facebook-Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg meint: »Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die mit Abstand wichtigste Karriereentscheidung, die eine Frau trifft, diejenige ist, ob sie einen Lebenspartner haben möchte und wer dieser Partner sein soll.«15 Aber auch unsere Eltern reden am Ende ein Wörtchen mit. (»Mach nicht die gleichen Fehler wie ich.«) All das signalisiert uns, wie wichtig dieser eine Schritt im Leben ist.
Das fühlt sich so an, als hinge unser ganzes Leben davon ab, wen wir heiraten und wann. Das trifft vor allem auf Frauen zu, die natürlich die Uhr ticken hören, wenn sie Kinder haben wollen.
Wenn wir uns selbst besser verstehen, erlangen wir auch die Kontrolle über unser Liebesleben: Was treibt uns an? Was verwirrt uns? Was steht uns im Weg? Und genau um diese Fragen geht es in diesem Buch.
DIE QUINTESSENZ
1. Dating ist heute schwieriger als je zuvor. Das kannst du deiner Mutter von mir ausrichten.
2. Die Gründe:
Wir definieren unsere Identität heute selbst. Anders als unsere Vorfahren, die von ihrer Gemeinschaft geprägt waren.Wir haben tausend Wahlmöglichkeiten, weshalb wir unsere Entscheidungen öfter in Zweifel ziehen.Wir glauben, dass nur Recherche uns die richtige Antwort bei wichtigen Entscheidungen liefert.Die sozialen Medien gaukeln uns vor, dass alle anderen eine gesündere und glücklichere Beziehung führen als wir.Viel zu wenige Menschen haben gute Beziehungsvorbilder.Es gibt unglaubliche viele Beziehungsalternativen.Wir werden bombardiert mit der Botschaft, dass wir bei dieser Entscheidung alles »richtig« machen müssen. Und dass es dafür die eine richtige Antwort für alle gibt.3. Aber es gibt Hoffnung: Mit den Erkenntnissen der Verhaltensforschung können wir die Kontrolle über unser Liebesleben zurückgewinnen.
Hast du dich schon mal gefragt: Wieso haben alle einen Partner, nur ich nicht? Ich mag meinen Job, meine Freunde und mich selbst. Warum passt dieses eine Puzzlestück nicht in mein Leben?
Diese Frage höre ich in den unterschiedlichsten Formulierungen sehr oft von meinen Klienten. Dabei habe ich festgestellt, dass der Großteil von ihnen beim Dating blinde Flecken hat. Damit meine ich Verhaltensmuster, die verhindern, dass sie die Liebe finden. Und diese blinden Flecken erkennt man selbst leider nicht.
Die blinden Flecken habe ich in drei verschiedene Datingtendenzen eingeteilt. Dahinter verbergen sich unrealistische Erwartungen an die eigene Person, an den Partner und an die Beziehung.
Mithilfe des folgenden Fragebogens kannst du herausfinden, in welche dieser drei Gruppen du gehörst. Du entdeckst, was dich blockiert, und kannst als Konsequenz daraus negative Angewohnheiten ablegen bzw. positive entwickeln. Diese Datingtendenzen machen sich in jeder Phase einer Beziehung bemerkbar. Daher ist es so wichtig, dass du schon zu Beginn deines Weges zur Liebe erkennst, in welche Gruppe du gehörst.
Anleitung
Lies dir die folgenden Aussagen der Reihe nach durch und entscheide, wie weit sie auf dich zutreffen. Mach einen Kreis um die Zahl, die dem Grad deiner Übereinstimmung entspricht:
So bin ich gar nicht.Ein bisschen bin ich schon so.O ja, das bin ich voll und ganz.FrageAntwort 11 2 3Ich will kein zweites Date, wenn ich nicht schon beim Ersten den gewissen Funken verspüre.21 2 3Ich frage mich bei jedem Date: Entspricht diese Person meinen Maßstäben?31 2 3Ich werde mit Dates anfangen, nachdem ich mich selbst optimiert habe (Gewicht verloren, ein festes Einkommen).41 2 3Ich hätte gerne, dass ich und mein Partner eine tolle Geschichte erzählen können, wie wir uns kennengelernt haben.51 2 3Ich studiere zuerst Bewertungen im Internet, bevor ich etwas kaufe.61 2 3Ich habe gerade keine Zeit fürs Daten.71 2 3Ich glaube, dass es eine Person gibt, die perfekt zu mir passt. Ich habe sie nur noch nicht gefunden.81 2 3Vor einer Entscheidung wäge ich immer wieder alle Alternativen ab.91 2 3Meine Freunde sagen mir immer, ich solle öfter mal ausgehen.101 2 3Ich finde Dating-Apps unromantisch und will meinen Partner auf »natürlichem« Weg kennenlernen.111 2 3Ich bin stolz darauf, dass ich keine Abstriche mache.121 2 3Ich verabrede mich kaum zu Dates.131 2 3Ich glaube nicht, dass der Funke mit der Zeit entstehen kann. Entweder du spürst ihn sofort oder gar nicht.141 2 3Ich weiß, wenn ich Mister oder Miss Right kennengelernt habe, weil ich mir dessen sofort absolut sicher bin.151 2 3Wenn ich den bestmöglichen Partner anziehen möchte, muss ich zuerst der bestmögliche Mensch werden.161 2 3Liebe ist ein Bauchgefühl. Du weißt, dass sie dich erwischt hat, weil du es spürst.171 2 3Meine Freunde finden, ich sei zu wähle-risch.181 2 3Ich konzentriere mich gerade sehr auf den Beruf. Ich werde mit dem Daten später anfangen.Der Romantiker: Addiere die Werte, die du auf Frage 1, 4, 7, 10, 13, 16 vergeben hast: ______________________
Der Maximalist: Addiere die Werte, die du auf Frage 2, 5, 8, 11, 14, 17 vergeben hast: ______________________
Der Zögerer: Addiere die Werte, die du auf Frage 3, 6, 9, 12, 15, 18 vergeben hast: ______________________
Du wünschst dir einen Seelengefährten, mit dem du dein Leben teilen kannst, bis dass der Tod euch scheidet – die ganze Märchennummer eben. Du liebst die Liebe. Und du glaubst, dass du Single bist, weil du noch nicht den Menschen gefunden hast, der zu dir passt. Dein Motto: Es wird passieren, wenn es passieren soll.
Du recherchierst gerne und prüfst all deine Alternativen. Du drehst jeden Stein um, bis du sicher bist, dass du das Richtige gefunden hast. Du triffst deine Entscheidungen sehr vorsichtig. Und du willst hundertprozentige Gewissheit haben, bevor du dich entscheidest. Dein Motto: Warum soll ich mich jetzt schon festlegen?
Du glaubst, dass Datings jetzt noch nichts für dich sind, weil du noch nicht so bist, wie du es gerne hättest. Du legst sehr hohe Maßstäbe an, auch an dich selbst. Du willst wirklich absolut bereit sein, bevor du ein neues Projekt startest. Das gilt auch fürs Daten. Dein Motto: Ich warte ab, bis ich ein wirklich guter Fang bin.
Obwohl die drei Typen recht unterschiedlich erscheinen, haben sie doch eines gemeinsam: unrealistische Erwartungen.
Romantiker haben unrealistische Vorstellungen von einer Beziehung.
Maximalisten hegen unrealistische Erwartungen an den Partner.
Zögerer haben einen unrealistischen Blick auf sich selbst.
Hast du nicht nur in einer Gruppe einen hohen Punktwert erzielt, dann lies dir alle Aussagen noch einmal durch und wähle diejenigen aus, die dich am besten beschreiben. Hast du damit immer noch Schwierigkeiten, dann gib diesen Fragebogen jemandem, dessen Urteil du vertraust. Meiner Erfahrung nach erkennen Freunde die blinden Flecken der Datingtendenzen eher als die Betroffenen selbst. Denn es handelt sich ja tatsächlich um blinde Flecken, also Seiten, die wir selbst an uns nicht sehen. Freunde jedoch erkennen solche Muster, die uns selbst verborgen bleiben.
Meine Datingtendenz ist:
RomantikerMaximalistZögerer
In den nächsten Kapiteln werden wir uns mit den typischen Eigenheiten dieser drei Typen und ihren Problemen befassen. Und natürlich mit den Lösungen dafür. Ich empfehle dir, alle drei Kapitel zu lesen, weil sie nützliche Tipps für eine Vielzahl an Situationen enthalten. Außerdem werden sie dir helfen, diese Tendenzen auch bei deinen Datingpartnern zu erkennen.
DIE QUINTESSENZ
1. Viele Menschen haben blinde Flecken, was das Dating angeht. Das sind Verhaltensmuster, die sie auf ihrem Weg zur Liebe blockieren, ihnen selbst jedoch verborgen bleiben.
2. Ich habe die häufigsten blinden Flecken in drei Gruppen zusammengefasst: die Datingtendenzen. Gemeinsames Merkmal: Jede Gruppe leidet unter unrealistischen Erwartungen.
Romantiker hegen unrealistische Erwartungen an die Beziehung. Sie wünschen sich einen Seelengefährten, mit dem sie glücklich leben bis ans Ende ihrer Tage - die ganze Märchennummer eben.Maximalisten haben eine unrealistische Vorstellung vom Partner. Sie wollen am liebsten alle Alternativen durchchecken, um absolut sicherzugehen, dass sie die richtige Entscheidung treffen.Zögerer haben ein unrealistisches Bild von sich selbst. Sie glauben, dass sie fürs Daten noch nicht bereit sind.3. Wenn du deine Datingtendenz kennst, weißt du auch, was dich blockiert und wie du diese Hindernisse ausräumst.
Kaum waren 20 Minuten unserer ersten Sitzung vergangen, da flossen bei Maya schon die Tränen.
»Ich weiß einfach, dass es ihn gibt«, klagte Maya. »Er hat mich nur noch nicht gefunden.«
Wer er? Ihr Seelengefährte. Das Sahnehäubchen auf dem Erdbeerkuchen. Der Eine, der Einzige. Maya konnte überhaupt nicht aufhören, über den Mann zu reden, der all ihre Träume verwirklichen sollte. Sie war sich sicher, dass der perfekte Mann irgendwo auf sie wartete, wo immer das auch sein mochte.
»Ich möchte ihn auf natürlichem Weg kennenlernen«, erklärte sie, als ich sie fragte, wie sie denn im Moment ans Daten heranging. »Die ganzen Apps sind mir zu wenig romantisch. Warum soll man dem Schicksal in den Arm fallen?«
Maya hatte langes schwarzes Haar, das sie jeden Morgen wusch und eine Stunde lang mit dem Föhn trocknete, bevor sie in die Praxis ging. Wenn sie eine Geschichte erzählte, dramatisierte sie diese, indem sie ihre dunklen Augenbrauen hob oder ihre blendend weißen Zähne zeigte. (Sie war Zahnärztin mit einer eigenen Praxis.) Maya war die Tochter iranischer Einwanderer. Ihre Eltern feierten gerade das 35. Jahr ihrer »sehr glücklichen Ehe«, wie Maya es nannte. Und sie wollte das auch haben.
Sie hatte zwar schon ein paar Mal einen Freund gehabt – einen an der Uni, zwei nach dem Studienabschluss –, aber das hatte nicht gehalten. Immer war sie es, die mit den Männern Schluss machte. »Ich werde wissen, wenn ich den Richtigen gefunden habe«, meinte sie und wölbte wieder ihre Brauen. Als sie noch Kind war, sah sie am liebsten Arielle, die Meerjungfrau von Walt Disney. Seither wartet sie auf das Glück bis ans Lebensende.
Maya ist die hundertprozentige Verkörperung der Romantiker-Tendenz. Romantiker glauben, dass Liebe über einen kommt wie ein Gewitter. Und dass sie nur deshalb noch Single sind, weil sie Mr oder Miss Right noch nicht gefunden haben. Sie identifizieren sich zwar nicht bewusst mit einer Märchenfigur, aber sie erwarten, dass ihr Leben verläuft wie ein Märchen. Dass irgendwann der perfekte Partner in ihr Leben treten wird. Sie müssen nur auf diesen Moment warten. Und sobald der Märchenprinz oder das Aschenputtel auf der Bildfläche erscheint, wird die Liebe sich ganz von selbst einstellen. Natürlich! Den passenden Celine-Dion-Soundtrack nicht zu vergessen!
Aber wen interessiert es schon, ob du ein hoffnungsloser Romantiker bist? Mich. Und es sollte auch dich interessieren.
Die Verhaltenswissenschaft weiß, dass die Einstellung eines Menschen von Bedeutung ist. Unsere Denkweise und unsere Erwartungen sind schließlich der Hintergrund für unsere Erfahrungen. Und diese wiederum beeinflussen, wie wir Informationen interpretieren und Entscheidungen treffen.
Wenn es um Beziehungen geht, so die Psychologin Renae Franiuk, leben Menschen entweder in der Vorstellung, dass eine gute Beziehung automatisch zustande kommt, sobald sie der richtigen Person begegnen (die Seelengefährten-Mentalität), oder sie glauben, dass sich jede Beziehung durch Arbeit retten lässt (die »Das können wir doch klären«-Einstellung).16
Wenig überraschend gehören Romantiker zur ersten Gruppe, und das beeinflusst ihre Beziehung in jeder einzelnen Phase. Das beginnt bei der Partnerfindung. Als ich Maya fragte, warum sie ihrer Meinung nach immer noch Single war, antwortete sie: »Es ist einfach noch nicht passiert.«
In Mayas Kopf ist Liebe etwas, das uns schicksalhaft widerfährt und uns trifft wie ein Blitz. Warum also sollte sie sich anstrengen? Romantiker warten auf die Liebe und wenden keine Energie auf, sie zu schaffen. (Ich habe einmal mit einer Frau gearbeitet, die sich für jeden Flug perfekt anzog, denn es hätte ja sein können, dass ihr »künftiger Ehemann« zufällig im selben Flieger saß. Gleichzeitig weigerte sie sich aber, jemanden anzusprechen, um nicht als »bedürftig« wahrgenommen zu werden.)
Diese Einstellung beeinflusst auch, mit wem wir überhaupt ausgehen wollen. Menschen, die an den Seelengefährten schlechthin glauben, haben eine ganz bestimmte Vorstellung davon, wie ihr Partner auszusehen hat. Bei unserem ersten Gespräch ratterte Maya eine ganze Reihe von Merkmalen herunter, die ihr Künftiger aufweisen sollte: »Er hat blondes Haar und blaue oder grüne Augen. Er ist fit und kraftvoll, ohne zu muskulös zu wirken. Geschmackvolle Tattoos. Die Haare halblang. Ein gut geschnittenes Gesicht, das aber auch ein bisschen gefährlich wirkt. So ein Bad-Boy-Image. Und er ist groß, mindestens 1,80 Meter. Gute Hände, keine kurzen Nägel.«
Da Romantiker ja fest davon überzeugt sind, dass sie ihren künftigen Partner auf der Stelle erkennen, geben sie Menschen, die nicht in ihr Schema passen, erst gar keine Chance. Und so lassen sie sich all jene Dates entgehen, die wirklich gut zu ihnen passen würden.
Lernen sie hingegen jemanden kennen, der ihren Erwartungen entspricht, führt das recht schnell in eine Beziehung. Aber wenn die Beziehung dann unvermeidlich in schwieriges Fahrwasser gerät – zum Beispiel bei einem heftigen Streit –, dann geben die Romantiker sofort auf und versuchen erst gar nicht, die Probleme zu lösen.
Mayas Romantiker-Tendenz erklärt auch, warum sie mit ihren bisherigen Partnern Schwierigkeiten hatte. »In all meinen Beziehungen kam irgendwann der Punkt, an dem ich mich gefragt habe: ›Wieso ist das hier plötzlich so schwierig?‹ Die Liebe ist doch mühelos, oder? Also ist er nicht der Richtige für mich.«
Wer überzeugt ist, dass Probleme in Beziehungen sich klären lassen, weiß, dass man an Partnerschaften arbeiten muss, dass Liebe aktiv erworben wird und nicht einfach so geschieht. Menschen von diesem Typus haben gewöhnlich bessere Beziehungen, weil sie sich Mühe geben, wenn sie ins Stolpern geraten. So können sie Probleme tatsächlich aus der Welt schaffen, statt einfach aufzugeben.
Wenn du zu den Romantikern gehörst und unbedingt eine dauerhafte Beziehung haben willst, dann solltest du aufhören, an Märchen zu glauben. Fang jetzt ein neues Leben an, indem du dir die »Das können wir doch klären«-Mentalität aneignest.
Romantiker sind nicht die Einzigen, die denken, dass hinter jeder Ehe eine wilde Lovestory voll heißer Leidenschaft steckt. Diese Vorstellung ist weit verbreitet.
Dabei war das keineswegs immer so.
Während des weitaus größten Teils der Menschheitsgeschichte galt eine Liebesheirat schlicht als dumm. Bei Eheschließungen ging es um wirtschaftliche Belange und einen gesellschaftlich passenden Partner. Man heiratete, weil der Grundbesitz des Brautvaters an den der eigenen Familie grenzte. Oder weil man arm war und jemand ein Dutzend Kühe für die künftige Ehefrau bot.
Oder wie die Historikerin Stephanie Coontz erklärt: »Bis ins späte 18. Jahrhundert verstanden die meisten Gesellschaften die Ehe als eine viel zu wichtige wirtschaftliche und politische Institution, als dass man sie ganz der freien Wahl der beiden betroffenen Personen überlassen könnte, besonders wenn sie ihre Entscheidung auf so etwas Unvernünftiges und Vergängliches wie Liebe gründeten«.17
Wir wissen aus alten Sagen und Epen, dass auch die Menschen des Altertums die Liebe kannten. Im 4000 Jahre alten sumerischen Liebeslied für Shu-Sin (das als älteste Liebesdichtung der Welt gilt) heißt es: »Löwe, lass mich dich streicheln. Meine teure Zärtlichkeit ist süßer als Honig.«18 (Ich weiß, was du jetzt denkst, aber das ist kein Song von Beyoncé!) Doch für den größten Teil unserer Geschichte zählte Liebe einfach nicht zu den für eine Ehe wichtigen Voraussetzungen.19 Liebe war daher meist etwas, das man außerhalb der ehelichen Bande erfuhr. Man hatte eine Affäre mit dem Nachbarn oder verknallte sich in den Dorfschmied.
Der Philosoph Alain de Botton hat untersucht, wie unser Bild von der Liebe sich im Lauf der Zeit gewandelt hat. De Botton ist Gründer der School of Life, in der die Leute in einem Crashkurs lernen, wie man sich ein sinnvolles Leben schaffen kann. Er hat auch zwei interessante Bücher über die Liebe geschrieben: Versuch über die Liebe und Der Lauf der Liebe.
Als ich ihn interviewte, erklärte er mir, wie unsere Vorfahren die Liebe gesehen haben: »Man betrachtete das Verliebtsein als unglaublich aufregende Erfahrung, fast wie eine Krankheit, eine Form der Ekstase. Liebe hatte nichts mit unserer Alltagserfahrung zu tun … sie galt eher als religiöse Heimsuchung. Und man ging davon aus, dass sie jeden Menschen nur einmal im Leben traf. Auf jeden Fall glaubte man nicht, dass man in irgendeiner Form handeln sollte, wenn dies geschah. Man wartete einfach, bis der Aufruhr sich wieder legte. Man erlebte vielleicht einen heißen Sommer der Jugend, aber natürlich heiratete man die betreffende Person nicht.«20
Erst um 1750 kam die Vorstellung der Liebesheirat auf.21 Das war tatsächlich zur Zeit der Romantik, einer Geistesströmung, die sich damals in Europa verbreitete. Die Philosophen widmeten sich dem Dichten von Liebesliedern, bis die Idee der romantischen Lieben in aller Welt bekannt wurde. Von »einer Art Krankheit« entwickelte sie sich zum neuen Modell für langfristige Beziehungen. In der industriellen Revolution setzte sich diese Idee dann in allen Gesellschaftsschichten durch.22 Der technische Fortschritt führte zu Wohlstand. Nun verband sich die Idee der persönlichen Erfüllung auch mit der Ehe, weil für die Grundbedürfnisse gesorgt war.
Auch ein paar Jahrhunderte später prägen immer noch romantische Ideen unsere Vorstellungen von der Liebe. Lies dir nur mal die folgende Liste romantischer Ideale durch. Wie viele davon treffen auch auf dich zu?
Liebe ist ein Bauchgefühl. Du weißt einfach, wenn es so weit ist.Wenn wir unseren Seelengefährten kennenlernen, fühlen wir uns sofort von ihm angezogen. Außerdem fühlen wir uns allein von dieser Person angezogen und umgekehrt.Unser Seelengefährte versteht uns instinktiv. Er weiß, was wir brauchen, bevor wir selbst es tun.Wir werden unseren Partner während der ganzen Zeit lieben, die unsere Ehe dauern wird.Unser Seelengefährte ist der einzige Mensch, den wir wirklich brauchen. Er kann jede Rolle in unserem Leben ausfüllen, vom besten Freund über den Reisegefährten bis hin zum leidenschaftlichen Geliebten.Guter Sex ist das Merkmal jeder guten Ehe. Schlechter oder seltener Sex (oder schlimmer noch: Untreue) heißt, dass die Ehe zum Scheitern verurteilt ist.Es ist nicht sexy, über Geld zu reden. Liebe sollte nicht so praxisorientiert sein.Je mehr diese Ideen dich ansprechen, desto stärker war deine romantische Gehirnwäsche. (Wenn du jede einzelne Aussage unterschreiben würdest: Kann ich mir mal deine Glaspantoffeln und deine Kürbiskutsche ausleihen?)
Wenn Menschen erwarten, dass ihre Liebesbeziehung sich in der Form abspielt, dann entwickeln sie unweigerlich ähnliche Seelengefährten-Vorstellungen wie Maya. Sie verschwenden Jahre damit, auf Mister oder Miss Right zu warten. Und sie lehnen jeden Menschen ab, der ihre unrealistischen Erwartungen nicht erfüllt.
Film und Fernsehen verbreiten die süßlichen Idealbilder der Romantik immer weiter. (Das Leben ist nicht wie der Film Wie ein einziger Tag!) Die Informationen über Liebe und Beziehungen, die wir aus Filmen entnehmen, sind nicht nur falsch. Sie sind obendrein auch noch schädlich. Küsse im Regen sind so viel kälter und unangenehmer, als es im Fernsehen aussieht. Und das sind die größten Schädlinge:
Seelengefährten-Idee, von Disney verstärkt:
Irgendwo da draußen ist der eine, einzige Partner für dich. Und er oder sie sieht genauso aus, wie du dir das vorstellst.
In Disneyfilmen erzählt man uns immer wieder, dass wir eines Tages dem Märchenprinzen oder der Prinzessin unserer Träume begegnen. Diese Tendenz vernebelt nicht nur den Blick von Heterofrauen. Ich kenne Romantiker aller möglichen Geschlechter und sexuellen Orientierungen. Sie warten alle auf den perfekten Partner. Ein Architekt, der in seiner Freizeit Waisenkindern hilft. Das Model mit dem Doktor in Philosophie. Der Mensch ihrer Träume hat jede positive Eigenschaft, die sie sich wünschen, und keine einzige schlechte.
In den Disneyfilmen verlieben sich die Hauptfiguren, ohne sich auch nur zu kennen. In Arielle, die Meerjungfrau wusste Prinz Erik von Arielle nur, dass sie ein attraktiver Rotschopf war und einen derart muskulösen Oberkörper hatte, dass sie mit ihm ans Ufer schwimmen konnte, als sein Schiff kenterte. Und deshalb verliebte er sich in sie? In Cinderella, der Filmversion von Aschenputtel, verliebt sich die Heldin in den Prinzen, weil er tanzen kann und sich bemüht, verlorene Gegenstände ihrem rechtmäßigen Eigentümer zurückzubringen. Ein bisschen wenig, wenn du mich fragst.
Was sagt die »Das können wir doch klären«-Mentalität dazu?
Selbst ein Märchenprinz hat morgens Mundgeruch.
Niemand ist vollkommen, nicht einmal du. Du weißt nicht, wovon ich spreche? Denk doch nur mal daran zurück, wie du letztens jemanden so richtig enttäuscht hast. (Wenn du Schwierigkeiten hast, dich an deine Fehler zu erinnern, ruf doch einfach mal deine Geschwister an. Sie können dir da sicher weiterhelfen.)
Es ist an der Zeit, dass du dich von diesen Idealbildern verabschiedest.
Wie Maya hast du vielleicht eine genaue Vorstellung davon, wie dein künftiger Gemahl oder deine Herzensgattin aussehen soll. Das geht möglicherweise auf die erste richtige Verliebtheit deines Lebens (in den Nachbarjungen?) zurück oder auf deinen Lieblingsfilmstar. Mach dir besser klar, dass dein möglicher Partner vielleicht in einer anderen Verpackung daherkommt. Vielleicht ist er kleiner oder größer, dicker oder schlanker, heller oder dunkler, behaarter oder glatt rasierter, als du dir das vorgestellt hast. Diese sehr enge Sicht verstellt dir nur den Blick auf andere Möglichkeiten, die sich dir bieten. Wenn du nicht vollkommen bist, warum sollte es dann dein Partner sein? Hör doch auf, mit zweierlei Maß zu messen: Du bist ja auch kein Filmstar. (Und wenn doch: cool! Danke, dass du mein Buch liest.)
Seelengefährten-Idee, die Disney verstärkt:
Das einzig Schwierige an der Liebe ist, den richtigen Partner zu finden. Danach läuft alles wie von selbst.
In Disneyfilmen erleben wir nur immer mit, was passiert, bis ein Paar sich findet – der Flirt, der Konflikt, die böse Hexe, die sich dem Glück der beiden in den Weg stellt. Sobald das Paar aber seine Feinde besiegt hat, lebt es glücklich bis an sein Lebensende. Alle Herausforderungen bestanden – oder?
Nein, keinesfalls. Ich nenne das die Illusion »Bis dass der Tod sie scheidet« – die irrige Vorstellung, dass der schwierigste Part der ist, einen Liebespartner zu finden.
Was sagt die »Das können wir doch klären«-Mentalität dazu?
Keine Beziehung ist ein Selbstläufer. Selbst die gesündeste, befriedigendste Ehe verlangt einiges an Anstrengung.
Es kann schwierig sein, einen Partner zu finden, aber die eigentlichen Probleme stellen sich meist erst hinterher ein. Das Schwierigste ist die tägliche Arbeit, die du leisten musst, um eine großartige Beziehung in Schwung zu halten. Das Schwierigste ist, sich am Ende eines langen Tages (und nach den Flitterwochen) auf den Partner zu freuen, den du schon seit 30 Jahren kennst und mit dem du zwei Kinder hast. Das Schwierigste ist, sich daran zu erinnern, warum du diesen Menschen liebst, trotz aller logistischen, finanziellen, emotionalen und spirituellen Knüppel, die euch das Leben zwischen die Beine wirft.
Seelengefährten-Idee, die romantische Komödien verstärken:
Keine Sorge, die Liebe wartet auf dich. Und wenn du deinen künftigen Partner triffst, dann passiert das auf absolut verrückte Weise, von der du später all deinen Freunden erzählen kannst.
Romantische Komödien sind Disneyfilme für Leute, die genug Geld verdienen, um sich selbst eine Kinokarte kaufen zu können. Und die tollpatschigen Engländer hinreißend finden. (Colin Firth ist sozusagen der »Rosenkohl« unter den Schauspielern: Man findet ihn erst toll, wenn man schon ein wenig älter ist.) Wir alle wissen, dass romantische Komödien nicht das wahre Leben abbilden. Und doch bohren sie sich unaufhaltsam in unser Unbewusstes. Vor allem, wenn es um Kennenlerngeschichten geht. In der romantischen Komödie ist damit die erste Begegnung von Held und Heldin gemeint, die zunächst einmal nur simpel ihrer Wege gehen, zum Beispiel auf dem Marktplatz einkaufen. Daher haben wir sofort das Gefühl, dass uns das auch passieren könnte.
Du greifst zur selben Zeit nach der perfekt aussehenden Tomate wie der gut aussehende Fremde neben dir und bang! Ihr schaut euch in die Augen. Er erklärt, dass er die Tomate braucht, um das Bruschetta-Rezept seiner Großmutter nachzukochen (was er natürlich perfekt italienisch ausspricht). Du sagst, dass er die Tomate ruhig haben kann. Er fragt, ob er dich auf einen Cappuccino einladen darf. Du sagst Ja. Elf Monate, einen großen Streit und eine große Geste später läuft er dir am JFK Airport nach, flankiert von zwei Flughafenmitarbeitern. Er wirft sich vor dir auf den Boden und fleht dich an, den Flug nach Seoul nicht zu nehmen, der dich zu deinem neuen Job in einer internationalen Werbeagentur entführt.
Romantische Komödien erzeugen die Illusion, dass die Liebe uns finden wird, nicht umgekehrt. Dass es die Liebe auf den ersten Blick tatsächlich gibt. Dass du nur dein Leben leben musst (und viele Tomaten kaufen, während du auf dem Wochenmarkt rumhängst), und plötzlich taucht wie durch Zauberhand eines Tages dein Künftiger oder deine Künftige auf. Ich bin mir absolut bewusst, dass Menschen sich auch im wirklichen Leben kennenlernen – auf Partys, bei Veranstaltungen, selbst bei Demonstrationen –, doch das Problem mit dieser Vorstellung ist, dass sie den Menschen erlaubt, in puncto Liebe ständig passiv zu bleiben.
Was sagt die »Das können wir doch klären«-Mentalität dazu?
Liebe erfordert Arbeit – vom Sichfinden bis zum Aufrechterhalten. Ständig auf dem Wochenmarkt rumzuhängen bringt da gar nichts. Du musst dir schon Mühe geben, um jemanden kennenzulernen. (Wie das geht, zeige ich dir in Teil II.) Der Zauber einer Beziehung ist nicht von einem magischen Kennenlernmoment à la Hollywood abhängig. Das Geheimnis ist einfach, dass zwei wildfremde Menschen sich kennenlernen und sich ein gemeinsames Leben aufbauen. Wo oder wie sie sich begegnet sind, ist da eher nebensächlich.
Seelengefährten-Idee, die die sozialen Medien verstärken:
Beziehungen erfordern keine Anstrengung, sondern sind sexerfüllte Liebesfeste (bestens ausgeleuchtet).
Disneyfilme und romantische Komödien machen zumindest deutlich, dass es sich dabei um Fiktion handelt. Insofern sind die sozialen Medien sehr viel gefährlicher, weil sie so tun, als wären sie das wirkliche Leben. In den sozialen Medien sehen wir sorgfältig ausgewählte Bilder von einer perfekten Beziehung – vom romantischen Strandspaziergang bei Sonnenuntergang hin zum Kuss nach einem meisterlich dekorierten gemeinsamen Abendessen aus der eigenen Küche. Im Vergleich dazu wirkt unsere Beziehung ein wenig abgestanden. Wir vergleichen und verfallen in tiefste Verzweiflung.
Was sagt die »Das können wir doch klären«-Mentalität dazu?
Zuallererst: Glaub nicht alles, was du auf Instagram siehst. Bilder sind so beschnitten, verwässert und verfälscht, dass sie eine bestimmte Botschaft wiedergeben. Die Beziehungsbilder, die du in den sozialen Medien zu sehen bekommst, sind eine extrem gefilterte Darstellung dieser Partnerschaft. Die Leute posten keine Bilder, wie sie nach dem heftigen Streit mit der Freundin mit rot geweinten Augen auf dem Sofa sitzen, und sich eine ganze Nacht lang fragen, ob es sich überhaupt noch lohnt, an dieser Beziehung festzuhalten. Die sozialen Medien reden uns ein, dass alle anderen eine umwerfende, problemlose, leidenschaftliche Beziehung haben, die diese wunderbaren Bilder abgibt. Was uns dazu bringt, viel zu hohe Anforderungen an die eigene Beziehung zu stellen.
Jede Beziehung ist letztlich ein Auf und Ab. Wenn du an deiner Beziehung arbeitest, ist das ein gutes Zeichen, kein schlechtes! Denn die vielen Stunden einer Ehe verbringt man mit Alltagsdingen, die nur selten gepostet werden: Windel wechseln, Wäsche machen oder den Abwasch. Liebe passiert in eben diesen Momenten, nicht ihnen zum Trotz. Denn Liebe ist so viel mehr als ein gefiltertes Foto bei Sonnenuntergang.
Ich erklärte Maya, wie Disneyfilme, romantische Komödien und die sozialen Medien ihre Romantiker-Tendenzen verstärken. Wenn sie tatsächlich die Liebe finden wollte, würde sie ihre Erwartungen ändern müssen.
Maya verschränkte die Arme vor der Brust. »Begreifen Sie das nicht?«, fragte sie mich mit gerunzelter Stirn. »Ich habe das Gefühl, als würden Sie von mir verlangen, meinen Traum aufzugeben. Ich habe diese Vision von der Liebe, und plötzlichen sagen Sie mir, dass es so etwas nicht gibt. Dass ich Abstriche machen oder aufgeben muss. Warum haben dann andere Leute diese traumhaften Beziehungen und ich nicht? Warum bin ich nicht gut genug dafür?«
Ich begriff sie sehr wohl. »Maya, darum geht es doch gar nicht«, antwortete ich. »Ich möchte, dass Sie sich öffnen für eine Liebe, die möglicherweise nicht so aussieht wie in Ihrer Vorstellung. Ich habe nicht gesagt, dass Sie Abstriche machen sollen. Das hieße ja, dass der erste Preis der Märchenprinz ist und ich Sie bitte, sich mit dem Trostpreis zufriedenzugeben. Aber so ist das nicht, denn Märchenprinzen existieren einfach nicht.«
Dasselbe gilt für dich: Es ist an der Zeit, dass du dich von deiner Vorstellung vom Märchenprinzen verabschiedest und dich nach jemandem umsiehst, den es wirklich gibt. Nennen wir den Typ mal Larry.
Denn das war der Name des Mannes, mit dem Maya schließlich zusammenkam. Sie lernte ihn kennen, als sie die Urlaubsvertretung für einen anderen Zahnarzt übernahm. Durch unsere gemeinsame Arbeit lernte Maya, ihr Seelengefährten-Credo aufzugeben, das sie von der wahren Liebe abhielt. Ihr Freund, mit dem sie mittlerweile zusammenlebt, glich ihrer Vorstellung vom Märchenprinzen kein bisschen. Er ist geschieden und Vater zweier kleiner Kinder.
»Er lümmelt auf dem Sofa herum und trägt Sweatshirts mit Löchern«, erzählte sie mir. »Und er hält mir die Tür nicht auf.« Sie lächelte zufrieden und immer noch überrascht, dass sie solche Oberflächlichkeiten mittlerweile kaltließen. »Aber er bringt mich zum Lachen. Er ist gütig, und ich fühle mich unglaublich wohl in seiner Nähe. Er gibt mir das Gefühl, klug und witzig zu sein. Ich weiß, das hört sich kitschig an, aber ich bin ehrlich glücklicher, als ich es je war.«
Die beiden streiten. Zum Beispiel darüber, wo sie Thanksgiving verbringen, ob sie wirklich zur Hochzeit von Mayas fieser Freundin gehen sollen oder wie viel Geld sie für das Spezialfutter für seinen Hund ausgeben. Aber heute glaubt Maya, dass diese Differenzen ein Zeichen dafür sind, dass die Beziehung funktioniert. Nicht, dass sie zum Scheitern verurteilt ist.
»Wir lieben uns! Es ist uns wichtig, was der andere denkt. Wir reden ganz offen miteinander. Und wir sind nicht gleich, daher gibt es natürlich immer wieder mal Streit. Ich weiß, dass Beziehungen eine Menge Arbeit erfordern. Aber in diese will ich wirklich Energie reinstecken.«
DIE QUINTESSENZ
1. Unsere innere Einstellung ist wichtig! Wenn du fähig bist, dich vom Seelengefährten-Ideal zu lösen, und lernst, Probleme zu klären, dann hast du vermutlich den entscheidenden Schritt vom Traum von der Liebe zu einer lebenslangen Partnerschaft getan.
Menschen, die an den Seelengefährten glauben, lehnen vielversprechende Partner oft ab, weil sie nicht ihrer Vision von der Liebe entsprechen. Sie glauben, dass Liebe ihnen widerfährt und dass sie keine Mühe fordert. Wenn doch, dann haben sie wohl den falschen Partner.Menschen, die Beziehungsprobleme klären wollen, wissen, dass man an einer Beziehung arbeiten muss. Jede erfolgreiche Beziehung ist ein Prozess, der sich hinzieht.2. Unser Glaube an Schicksal und Märchen - hervorgerufen durch Disneyfilme, romantische Komödien und die sozialen Medien -lässt uns unrealistische Erwartungen hegen, wie Beziehungen zustande kommen bzw. wie man sie aufrechterhält. Vergiss nicht: Niemand ist vollkommen, auch du nicht. Selbst ein Märchenprinz hat morgens Mundgeruch.
