Liebe Grüße vom Humpelstilzchen - Fabio Marotti - E-Book

Liebe Grüße vom Humpelstilzchen E-Book

Fabio Marotti

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Beschreibung

Im Dutzend billiger verwöhnt uns diesmal Fabio Marotti mit originellen Kurz-Krimis, die er allesamt in seiner heimatlichen Region ansiedelte. Wie in seinen vorherigen Bänden mangelt es nicht an Spannung, skurrilen Typen, gnadenlosem Humor und frech-knisternder Erotik. Zum Teil untermauert er die Texte mit höchst aussagefähigen Tatort-Fotos. Ein köstliches Lesevergnügen – nicht nur für Krimi-Fans.

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Seitenzahl: 86

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Wer fröhlich stirbt, hat mehr vom Tod.

Inhaltsschweres

Antipasto

Bitte 4 x Geisterbahn

Von edlem Schrot und Korn

Verschollen im Stollen

Liebe Grüße vom Humpelstilzchen

Sauber, sauber!

Ein Männlein steht im Walde

Ein Häuptling zum Schießen

Zum ersten, zum zweiten und zum…!

Eine einmalige Dauerwelle

Verbrannt in alle Ewigkeit

Früher floss mehr Blut

Jetzt wird erstmal schön gestorben und dann sehen wir weiter

Vita und Auflistung lieferbarer Bücher

Die meisten der im Buch genannten Personen sind frei erfunden

Die Namen der Täter sowie der Opfer auf den Tatort-Fotos sind dem Autor hingegen bekannt. Sie dürfen sich aber seiner äußersten Diskretion sicher sein.

Antipasto

Leider wird auch in unserer Region weiterhin fröhlich gemordet. Und die Opfer müssen durchaus nichtausschließlichjungeblondeFrauenbeiVollmond sein, wie im ersten Krimi aus meiner Heimatstadt geschildert („Keine Gnade für Blondinen“).

In zwölf Kriminal-Stories berichte ich aber auch diesmal über nicht ganz alltägliche Fälle – allerdings mit viel Fantasie, Humor und delikaten Frechheiten gewürzt.

Dabei können als Tatort beispielsweise genauso eine Toilette (sprich: Tollette) wie auch ein gut gepolsterter Friseurstuhloder eine Laientheaterbühne in die engere Auswahl kommen.

Leichen kann man, wenn man will, fast überall finden. Man muss nur immer Augen, Ohren und Nase offenhalten. Und genau das habe ich wieder für Sie getan.

Ihr stets ergebener Fabio Marotti

Bitte 4 x Geisterbahn

Jedes Jahr Ende Juni beginnt in der Kurstadt Bad Wimpfen der traditionelle Talmarkt, einer der bundesweit größten Jahrmärkte mit einem geballten Angebot an Händlern, Vergnügungen, Verpflegung und Unterhaltung. Schon in meiner Jugend hatte dieser Termin absoluten Vorrang – Teilnahme war Pflicht.

Verzeihung, ich muss mich nochmals kurz vorstellen: Kriminaldirektor Stefan Baumann, nach meiner Verehelichung mit der genauso glutäugigen wie türkischstämmigen Kollegin Sibel Ökücü, vom BKA Wiesbaden abgeordnet zum Landeskriminalamt Stuttgart. Sibel arbeitete weiterhin unter den Fittichen meines alten Spezis Sepp Holdermüller beim Dezernat Gewaltverbrechen der Kripo-Direktion Heilbronn.

Für unseren Besuch des Wimpfener Talmarktes hatten wir uns an diesem Samstagabend geradezu südländisches Wetter ausgesucht. Entsprechend gut gelaunt und mit durstigen Kehlen schoben uns die Menschenmassen an den Buden- und Vergnügungsparkgeschäften vorbei. Sibel und ich hatten nette Verstärkung angefordert: Kollege Klaus Wegner und seine aktuelle Freundin Karin begleiteten uns. Hoffentlich hielt es die bildhübsche Brünette etwas länger an seiner Seite aus als die bisherigen Eroberungen. Denn er ist nun mal ein Witzbold par excellence – dienstlich und privat. Eines war jedenfalls garantiert: An diesem Abend würde Langeweile ein Fremdwort sein.

Bei unserem Rundgang durch die geschichtsträchtigen Gassen machten wir zuerst an einer Wurfbude Halt. Mit Stoffbällen konnte man nach den Konterfeis von zu Guttenberg, Alice Schwarzer und Bischof Tebartz-van Elst werfen. Klaus Wegner war nach dem fünften Kräuterschnaps bereits so in Höchstform, dass er zwar nicht die Prominenten, dafür aber den Budisten (Besitzer der Bude) ins Gesicht traf. Danach wollte ich es schon gar nicht mehr versuchen.

Wir beschlossen, unser obligatorisches Schießtraining von der direktionseigenen Anlage auf eine Schießbude zu verlagern. Immerhin schoss ich bereits beim dritten Versuch erfolgreich einem Teddybären ein Auge aus und von einer Papierblume konnte ich wenigstens noch den Stiel an Sibel überreichen. Und hätte uns die Schießbudenfigur nicht des Standes verwiesen, wer weiß, was wir noch für Volltreffer erzielt hätten. Beim Losverkäufer hatte nur Sibel Glück. Der Gewinne-Oberaufseher überreichte ihr mit einem unverschämten Grinsen eine Kurpackung Kondome, worauf sie mich verheißungsvoll anblinzelte. Und natürlich musste Kollege Wegner seinen Kommentar dazu abgeben, er wäre sonst wahrscheinlich daran erstickt:

Willst du freitags fleischlos essen, darfst du Verpackung nicht vergessen!

Lachen macht hungrig und so gönnten wir uns im Vorbeigehen eine Portion Pommes rot/weiß. Es kam wie es kommen musste: Sibel war gerade beim Eintunken ihrer Kartoffelsticks in die Soßen angelangt, als sie ein Angetrunkener anrempelte und ihre weiße Jeans mit einem künstlerisch hochwertigen Ketchup-Muster im Schritt verzierte. Eine junge Frau hatte tatsächlich Mitleid mit ihr und wollte ihr einen Tampon premium anbieten. Wer den Schaden hat.…

„Wisst ihr was? Wir fahren Geisterbahn“, schlug ich dem fröhlichen Trio vor. Sibel klatschte vor Begeisterung in ihre niedlichen Händchen. „Stefan, das wollte ich immer schon mal erleben. Ist das auch wirklich gruselig? Schwörst du, dass du mich beschützt?“

„Ja, aber ich warne dich, dort gibt es wirklich Gespenster, die dir vielleicht gefährlich nahe kommen.“

Schon von weitem wiesen uns schrille Töne aus den Charts und sonstige schauerliche, unmusikalische Geräusche den Weg zu dem Horror- Fahrgeschäft.

Ich drängelte mich zur Kasse vor und stellte mich der Geisterbahn-Vorsitzenden vor: „Jerry Cotton und Phil Decker vom FBI in Begleitung von zwei Geiseln. Also bitte vier Mal Geisterbahn.“ Die Dame schien sowohl ob ihres Plisseegesichtes als auch ihres IQs für dieses Etablissement wie maßgeschneidert.

Klaus Wegner nahm mit Karin im Mini-Cooper hinter uns Platz, während Sibel und ich uns in ein rosa-grün-farbenes Ferrari Cabrio mit gelben Außenspiegeln zwängten. „Da sieht man wieder“, lästerte Wegner los. „Selbst bei der Geisterbahn wird nach Dienstgrad gefahren.“

Vor uns hatte ein junges Paar einen vom ADAC mit dem Gelben Engel ausgezeichneten VW Golf besetzt. Sie erweckten den Eindruck, als ob sie nur darauf warteten, bis es endlich dunkel um sie würde.

Bei Karin und Sibel strahlten die Augen vor freudiger Erwartung. „Verdammt, Klaus. Ich glaube, ich habe meine Dienstwaffe vergessen. Ihr müsst nämlich wissen“, wandte ich mich mit todernstem Gesicht an die beiden Ladys, „dass sich viele zwielichtige Typen gerade bei Geisterbahnen für Ein- Euro-Jobs bewerben und sich dort als Vampire oder Monster zur Verfügung stellen. Hast du vielleicht zufällig deine Wumme eingesteckt?“

Klaus grunzte vor Vergnügen. „Nein Boss, der Colt schlummert zu Hause in der Küchenschublade zwischen dem Spargelschäler und dem Korkenzieher. Aber vielleicht kann ich einen etwaigen Angreifer ausnahmsweise mit Reizgas außer Gefecht setzen. Die Pommes samt Kräuterschnaps tanzen nämlich in meinem Gedärme Ringelreihen.“

Ruckartig setzten sich die Wagen in Bewegung. Sibel fiel mir - natürlich völlig unabsichtlich – bereits in der ersten Kurve in die Arme. Das konnte ja heiter werden. Wir fuhren in das Kabinett des Schreckens ein und urplötzlich wurde es krappennacht um uns. Sibel kroch mir auf den Schoß und leckte mir mit ihrer Zunge durchs Gesicht wie ein Berner Sennenhund. Drohende Gestalten bauten sich aus der Finsternis vor uns auf. Ein Zombie schrie mir ins Ohr, ich hätte meine Kraftfahrzeugsteuer noch nicht bezahlt und in einem Kochkessel dünstete ein krebsrotes Bleichgesicht vor sich hin, das eine Mütze mit der Aufschrift „Knorr Erbsensuppe mit Fleischeinlage extra“ trug.

In einer scharfen Rechtskurve griff ein naher Verwandter von King Kong nach Sibels Haaren und stöhnte, als ob er einem Orgasmus nahe wäre. Sie weidete sich an meiner Verlegenheit, als eine Voodoo-Zauberin unbedingt meinen Zauberstab sehen wollte. In der nächsten Grusel-Abteilung regnete es plötzlich Riesen-Maikäfer. Und jetzt wurde sogar ich misstrauisch, denn Maikäfer im Juni sind mehr als verdächtig. Als Kriminalist kann man nun mal auch außerhalb des Dienstes die Augen nicht verschließen. So fuhr auch in diesem Ferrari Cabrio das Misstrauen mit. Ich steckte ein paar der Käfer in die Hosentasche, um sie notfalls als Beweismittel in die Akten legen zu können. Als mir das Furcht erregende Krächzen eines Riesenvogels, der knapp an meinem Ohr vorbeischrammte, in sämtliche Glieder fuhr, stieg eine fürchterliche Ahnung in mir auf. Denn nur wo Aas ist, versammeln sich die Geier! Also musste hier irgendwo etwas herumliegen, das nicht zum normalen Geisterbahn-Inventar gehörte. Als auch noch der junge Mann im Wagen vor mir plötzlich um Hilfe schrie: „Manu, wo bist du? Verdammt, das ist jetzt aber kein Scherz mehr. Ich verspreche dir auch auf der Stelle, dass wir uns sofort nach dieser Höllenfahrt verloben.“

Ich aber schlüpfte dank einiger genossenen Flaschen Bier geradezu in die Rolle des FBI-Agenten und bluffte plan- und pistolenlos: „Hände hoch, Waffe fallen lassen!“

In diesem Moment tauchte ein Skelett mit rotgelbgrün funkelnden Ampelaugen auf, das anscheinend auf einen offenen Sarg aufpassen musste. „Mensch Klaus“, wandte ich mich an den Kollegen im hinteren Gefährt, an dem Sarg sind wir doch vorhin schon mal vorbeigekommen. Aber da war er hundert pro noch leer.“

„Du hast Recht, Boss. Und jetzt hängt ein weibliches Bein heraus. Ich zieh die Notbremse!“

„Haben wir hier nicht, Agent Decker. Wir müssen diese Fahrt zu Ende schaukeln, ob wir wollen oder nicht. Außerdem steht hier ein Verkehrsschild mit der Aufschrift Aussteigen während der Fahrt strengstens verboten!“

Ich versuchte den jungen Mann vor uns zu beruhigen, indem ich uns als Kripo-Beamte zu erkennen gab. Und wir vier waren allesamt schlagartig nüchtern. Ja, kann man denn nicht mal in der Freizeit Geisterbahn fahren, ohne dass der liebe Kollege Sepp Holdermüller schon im Dezernat Mord und Totschlag mit den Hufen scharrt?

Selten hatten wir uns so danach gesehnt, wieder ans Tageslicht zu kommen, wie in diesen Momenten. Sofort wussten wir drei Profis, was jeder zu tun hatte. Sibel bat die Geisterbahn-Chefin, ab sofort den Fahrbetrieb einzustellen und in den Kammern des Todes sämtliche Lichter einzuschalten. Dann kümmerte sie sich zusammen mit dem jungen Mann um seine Freundin im Sarg. „Stefan, sie lebt“, rief sie mir zu. „Das hat sie wohl dir als Jerry Cotton- Verschnitt zu verdanken. Sie wurde zwar niedergeschlagen, ist aber bereits wieder bei Bewusstsein. Tatwaffe war offensichtlich eine halbvolle 0,7-Liter-Flasche Lauffener Katzenbeißer Lemberger Spätlese, Jahrgang 2009.“

Klaus Wegner bat die anderen zwölf Fahrgäste, sich zu unserer Verfügung zu halten, um die Personalien aufzunehmen und sie wegen etwaiger Wahrnehmungen zu befragen.

Und ich hängte mich ans Handy und funkte das Neckarsulmer Polizeirevier an, dass sie ein paar Streifen und einen Rettungswagen vorbeischicken sollten. Die Talmarktwache war nämlich auch mit den üblichen Samstagabenddelikten wie Pöbeleien und Meinungsverschiedenheiten bestimmt reichlich ausgelastet. Dann aber wählte ich mit wahrer Wollust die Nummer des Kriminaldauerdienstes. Welch ein Zufall – mein lieber Freund und Kollege Holdermüller war tatsächlich im Büro.

„Rate mal, wer hier spricht und auf welchem gefährlichen Einsatz ich mich gerade zusammen mit dem Kollegen Wegner und meinem trauten Weibe befinde“,säuselteichindasTelekommunikationsgerät. „Sepp, du wirst mir dankbar sein, dass du endlich das muffige Büro mit ein bisschen Remmidemmi vertauschen kannst. Bringe bitte die gesamte Mannschaft mit zum Wimpfener Talmarkt.“

„Sag mal, seid ihr besoffen oder was. Wo steckt ihr wirklich?“

„Lieber Josef, wir fuhren gerade mit der Geisterbahn und da ragte plötzlich ein Frauenbein aus einem Sarg….“

Seine jugendgefährdenden Flüche möchte ich hier nicht wiederholen. „Wehe, wenn du mich verarscht, dann geh ich mit dir Schlittenfahren, mitten im Frühsommer, auch wenn dein goldener Direktor- Stern zehnmal heller glänzt als meine Kommissar- Silberlinge!“