Liebe lernen - Holger Schlageter - E-Book

Liebe lernen E-Book

Holger Schlageter

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Beschreibung

Lerne! Liebe! Lebe! Beziehung kann man lernen - an der Love Academy! Leider fällt die große Liebe nicht vom Himmel. Im Gegenteil. Der Weg zum Glück ist oft steinig, unwegsam und voller Fallen. Doch das muss nicht sein. Denn: Beziehung kann man lernen! Schreiben Sie sich schnell ein an der Love Academy, Deutschlands ungewöhnlichster Universität, und besuchen Sie die außergewöhnlichen Vorlesungen von Holger Schlageter und Patrick Hinz. In zehn spannenden und witzigen Kapiteln zeigen die beiden Beziehungsexperten, wie Ihr unbewusstes Verhaltensmuster bei der Partnerwahl funktioniert, was Ihr ›inneres Drehbuch‹ Ihnen insgeheim vorschreibt und wie Sie schließlich den Partner fürs Leben finden. Liebe lernen von Holger Schlageter und Patrick Hinz: im eBook erhältlich!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 237

Veröffentlichungsjahr: 2011

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Holger Schlageter / Patrick Hinz

Liebe lernen

Ein Beziehungskurs

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Die große Liebe fällt nicht vom Himmel. Im Gegenteil: Der Weg zum Glück ist oft steinig und voller Fallen. Doch das muss nicht sein. Denn Beziehung kann man lernen. Das Buch hilft herauszufinden, was man will und was man tun oder besser lassen sollte, um die Liebe zu finden und Gemeinsamkeit zu lernen.

Inhaltsübersicht

Vorwort

Über diesen Kurs

Aufbau

Kapitel I: Ihr Wunschzettel fürs Leben

Lebenszieltabelle

Kapitel II: Der Ursprung Ihrer Persönlichkeit

Kapitel III: Gesunder Egoismus

Eine Definition von Egoismus

Die Entstehung von Egoismus

Die Grenzen des Egoismus

Gesunder Egoismus und Lebenszielfindung

Kapitel IV: Neuausrichtung des Lebenskompasses

Die gesunde Persönlichkeit

Das Setzen realistischer Lebensziele

Die Lebenszieltabelle

Kapitel V: Das Leben zu zweit

Die Subjektivität der Zweisamkeit

Unterschiedliche Arten von Zweisamkeit

Die Bedeutung von Zweisamkeit

Die Stationen der Liebe

Probleme mit Zweisamkeit

Der Beziehungsseismograf

Kapitel VI: 30 Arten, Beziehung zu leben

Beziehungseinflüsse

Beziehungsarten

1 DIE ROMANTISCHE BEZIEHUNG

2 DIE HALB OFFENE BEZIEHUNG

3 DIE VERMISCHTE BEZIEHUNG

4 DIE ABHÄNGIGE BEZIEHUNG

5 DIE EXKLUSIVE BEZIEHUNG

6 DIE PHANTOM-BEZIEHUNG

7 DIE KOMPROMISSLOSE BEZIEHUNG

8 DIE ZWEI-ÄRSCHE-UND-EIN-KOPFBEZIEHUNG

9 DIE STUMME BEZIEHUNG

10 DIE VERDRÄNGENDE BEZIEHUNG

11 DIE ASKETISCHE BEZIEHUNG

12 DIE MISSBRAUCHENDE BEZIEHUNG

13 DIE WIR-HABEN-EIN-GEMEINSAMES-HOBBY-BEZIEHUNG

14 DIE WIR-SCHREIEN-UNS-AN-UND-LIEBEN-UNS-TROTZDEM-BEZIEHUNG

15 DIE SAMARITER-BEZIEHUNG

16 DIE SELBSTLOSE BEZIEHUNG

17 DIE HAUPTSACHE-BEZIEHUNG-BEZIEHUNG

18 DIE ERWÜNSCHTE BEZIEHUNG

19 DIE SICHERHEITSBEZIEHUNG

20 DIE VERZWEIFLUNGSBEZIEHUNG

21 DIE 2-PLUS-BEZIEHUNG

22 DIE OFFENE BEZIEHUNG

23 DIE FAMILIEN-BEZIEHUNG

24 DIE VERNUNFTSBEZIEHUNG

25 DIE FICK-BEZIEHUNG

26 DIE DREIERBEZIEHUNG

27 DIE THERAPEUTISCHE BEZIEHUNG

28 DIE SHOW-BEZIEHUNG

29 DIE KOMPENSATIONSBEZIEHUNG

30 DIE SÜNDENBOCK-BEZIEHUNG

Mein persönliches Beziehungsprofil

Der Beziehungskommunikator

10 goldene Weisheiten

Kapitel VII: Stolpersteine in der Beziehung

Stolpersteine

Stolpersteine

Typisch Mann, typisch Frau?

Adam, Eva und die Schlange

Erotische Überraschungen

Wie gut kenne ich meinen Partner?

Kapitel VIII: Erfolgsstrategien in Sachen Liebe

Vorbilder

Faktoren

Das Haus der Liebe

Begleiten Sie uns auf unserem Rundgang

Mein Haus der Liebe

Was man in der Liebe tun und was man besser lassen sollte

Was man in der Liebe besser lassen sollte:

Was man in der Liebe tun sollte:

Quellenverzeichnis

Vorwort

Als sich die Tür öffnete, war sie erstaunt. So hatte sie ihn sich nicht vorgestellt, den Mann ihrer Träume. Das kleine magere Männchen, das vor ihr stand, sollte einmal der Vater ihrer Kinder sein? Gebeugt und schmächtig blickte er aus wässrigen Augen zu ihr auf und himmelte sie an. Ihr grauste. Was war aus dem Prinzen geworden, dem stattlichen? Dem starken Helden, der sie in ein anderes Leben führen, sie befreien sollte aus ihrer eintönigen Existenz? Was war geworden aus dem Boten besserer Welten? Ihn und keinen anderen, sicher nicht diesen Zwerg, hatte sie erwartet, als sie ihn aus dem Zimmer über den Flur an die Wand warf … den Frosch. Mit einem tiefen Seufzer knallte sie die Tür ins Schloss.

 

So ist das mit unseren Träumen. Zuweilen erfüllen sie sich, manchmal jedoch ganz anders, als wir erwartet haben. Wünsch dir nie, es werde Wirklichkeit – dein Wunsch könnte erhört werden!, wussten unsere Großeltern schon über das Leben zu berichten. Wo Wünsche sind, sind Illusionen nicht weit. Und wenn wir dann die Wirklichkeit sehen – nach oft langer Zeit –, sind nicht selten Enttäuschung, Verletzung und Frustration die Folge. Wo würde uns das tiefer treffen als in dem, was uns am nächsten geht: unserem Beziehungsleben. Nichts ist intimer und damit anfälliger für Verletzungen als unsere persönlichen Beziehungen zu anderen Menschen, ob Freunde, Familie oder Partner.

Nirgends ist die Gefahr der Enttäuschung und Verletzung größer als in der Liebe. Nirgends kann man so viel falsch machen – und nirgends so viel richtig. Viele meinen, Beziehungsmensch sei man oder eben nicht. Das ist falsch. Man kann so viel lernen. Und darum geht es in diesem Beziehungskurs. Hier lernen Sie, wie Sie es richtig machen. Sie brauchen nichts als etwas guten Willen und Aufgeschlossenheit mitzubringen.

 

Über die Jahre unserer Praxis haben wir in vielen therapeutischen, seelsorglichen und persönlichen Gesprächen festgestellt, dass sich die meisten Fragestellungen aus Beziehungen ergeben.

Wir haben Erkenntnisse gewonnen, die für unsere Leserinnen und Leser hilfreich und wertvoll sind. Erkenntnisse, von denen wir wissen, dass sie bei aller Offensichtlichkeit nur wenigen Menschen bekannt sind. Wer sich auf unseren Beziehungskurs einlässt, wird Zweifaches entdecken, erstens: sich selbst und zweitens: die Liebe.

Über diesen Kurs

Hier werden Sie zum Beziehungsexperten. Es ist nicht unser Ziel, Ihnen unsere Lebensphilosophie aufzuzwingen. Sie sollen hier nur zuhören, beobachten, nachdenken und mitnehmen, was für Sie passt. Wir bieten Ihnen einen Einblick in grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse der Psychologie und Soziologie, die wir verständlich und alltagstauglich aufbereitet haben. Wir sind uns sicher, dass Sie dabei viel Spaß haben werden und sich am Schluss selbst besser kennen. Wir nennen das Ganze Beziehungskurs, weil Sie sich intensiv mit einer bestimmten Materie auseinandersetzen werden. Doch wo andere jahrelang erfolglos herumdoktern, haben Sie hier die Chance, sich in Kürze das Wichtigste für das Gelingen einer wirklich erfolgreichen Beziehung anzueignen.

In acht Kapiteln werden Sie lernen, was es heißt, zu lieben – sich selbst und andere –, und wie es für Sie funktioniert. Am Ende werden Sie verstehen, wie sich die Seele entwickelt, warum Ihre Träume wichtig sind, was Liebe mit Egoismus zu tun hat, wie Sie selbst wachsen können und es schaffen, sich zu lieben. Sie werden herausfinden, wohin Sie im Leben wirklich wollen und wie Sie dort ankommen. Sie werden wissen, warum es in der Vergangenheit mit manchen Menschen nicht geklappt hat, wie Beziehung überhaupt funktioniert und wie nicht, wie Sie Stolpersteine umgehen und Fehler vermeiden können und was Sie tun (oder lassen) müssen, um Ihren Traumpartner zu finden, für sich zu begeistern und zu halten. Ob Sie Single sind oder in einer wie auch immer gearteten Partnerschaft leben, macht hier keinen Unterschied, denn in Beziehungen leben wir alle. Und diese zu optimieren ist Ziel dieses Buches.

Aufbau

 

Kapitel I: Ihr Wunschzettel fürs Leben

 

Kapitel II: Der Ursprung Ihrer Persönlichkeit

 

Kapitel III: Gesunder Egoismus

 

Kapitel IV: Neuausrichtung des Lebenskompasses

 

Kapitel V: Das Leben zu zweit

 

Kapitel VI: 30 Arten, Beziehung zu leben

 

Kapitel VII: Stolpersteine in der Beziehung

 

Kapitel VIII: Erfolgsstrategien in Sachen Liebe

 

Vielleicht sind einige Kapitel für Sie so wichtig, dass Sie sich intensiver damit befassen möchten – das können Sie gern tun. Mit Liebe lernen ist es möglich, in tiefe Reflexionsprozesse einzusteigen, die Sie über längere Zeit beschäftigen werden. Wahrscheinlich werden Sie feststellen, dass zu anderen Zeiten in Ihrem Leben andere Kapitel interessant werden. Das ist von uns erwartet und erwünscht. Dieses Buch soll ein Lebensbegleiter sein, den Sie immer wieder nutzen können.

Kapitel I: Ihr Wunschzettel fürs Leben

Haben Sie auch einen Freund, der Architekt ist, dessen Vater Architekt war und dessen Großvater ebenso? Ist Ihre Zahnärztin auch die Tochter eines Zahnarztes oder der Bäcker nebenan schon in der dritten Generation im Familienbetrieb tätig? Ist dieses berufliche Schicksal bereits in der menschlichen DNS registriert? Oder anders ausgedrückt: Ist der Sohn eines Despoten seiner Freundin gegenüber automatisch autoritär? Und die Tochter aus der Großfamilie wirklich dazu berufen, Mutter zu werden? Stellen Sie sich bitte einmal die ganz persönliche Frage: Wie viel in meinem Leben akzeptiere ich, ohne es wirklich zu hinterfragen? Werden uns Talente und Bestimmungen in die Wiege gelegt, oder werden uns nicht einfach bestimmte Lebensmottos »aufgeschwatzt«, weil wir uns in jungen Jahren noch nicht dagegen wehren können und voll konditionierbar sind?

 

In der Psychologie streiten sich die Experten darüber, ob Charakter und Verhalten genetisch bestimmt sind oder sich durch Erfahrung (»Prägung«) entwickeln. Bisher hat noch kein Lager das andere überzeugen können. Und natürlich wissen wir es auch nicht. Was wir aber wissen, ist, dass man sein Verhalten ändern kann – egal ob gegeben oder gelernt. Dafür gibt es zahllose Beispiele.

Nehmen wir z.B. Heidi. Heidi ist 39. Sie hat sich von ihrem Mann zehn Jahre lang schlecht behandeln lassen. Davor hatte ihr Großvater ihre Großmutter schlecht behandelt und ihr Vater ihre Mutter. Heidi kannte es nicht anders, sie war mit der tragischen Gewissheit groß geworden, dass die Frau dem Mann untersteht. Eines Tages, nach einem besonders schlimmen Streit, suchte Heidi Zuflucht im Frauenhaus. Sie hatte ihren Mann nicht mehr ertragen können. Dort traf sie andere Frauen, denen es ähnlich ergangen war und die ihr Mut machten. Sie nahm sich vor, nie mehr einem anderen Menschen zu unterstehen. Ihre Eltern besuchte sie von da an nicht mehr.

Heidi hat sich entschlossen, ab einem gewissen Punkt in ihrem Leben nicht mehr den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Paradoxerweise war es leichter für Heidi, sich von ihrem Mann misshandeln zu lassen, als sich auf völlig unbekanntes Territorium zu begeben und sich anders, neu und ungewohnt zu verhalten. Das Unbekannte schreckt uns mehr, als z.B. Schmerzen zu ertragen. Neues zuzulassen ist nicht einfach. Heidi musste erst im Frauenhaus aufwachen. Und Sie? Gehen Sie nicht auch mal den Weg des geringsten Widerstandes, um Ihrer Umwelt gerecht zu werden? Um Konflikte zu vermeiden oder Ihren Liebsten nicht vor den Kopf zu stoßen? In unserem Streben, es uns und vor allem anderen leicht (aber nur vermeintlich leicht) zu machen, verleugnen wir uns oftmals selbst, gehen Kompromisse ein, die uns früher oder später von unserem Weg zur Erreichung der eigenen Lebensziele abbringen. In Liebe lernen nennen wir das eine »Kursabweichung« auf dem Weg zur Verwirklichung unserer selbst. Aus der Geraden wird eine Kurve. Und das ist noch der glimpflichste Fall, denn die Kurve ändert das Ziel nicht. Man erreicht trotzdem noch die Erfüllung des Lebenswunsches, auch wenn es länger dauert und mehr Kraft kostet als geplant, weil man Umwege geht. So wie Heidi. Sie hat Mut bewiesen. Andere erreichen das Ziel ihres Lebens womöglich nie. Das ist dann wirklich tragisch. Heidi hat erkannt, dass das Leben mit ihrem Mann nicht ihrer Sehnsucht entsprach, dass ihr Leben nicht so war, wie sie es sich erträumte. Und so entschloss sie sich, ihren Traum zu leben.

Die eigenen Träume anzuerkennen und sie zu leben ist der erste Schritt auf dem Weg zum Beziehungsmenschen, weil es der erste Schritt hin zur Selbstverwirklichung ist. Unsere Träume sind Wegweiser zu unserem Inneren. Es wäre nicht verwunderlich, wenn der Forscher, der davon überzeugt ist, dass es Wasser auf dem Mars gibt, sein Leben darauf verwendet, es zu finden. Er wird sich danach sehnen, andere Welten zu erobern, über sich selbst hinauszuwachsen, Grenzen zu überwinden und neues Leben zu entdecken. Er wird alles daransetzen, seinen Traum zu verwirklichen, weil er davon überzeugt ist. Und darauf kommt es an.

Die gesamte Nahrungsmittelindustrie verdient Milliarden mit dem Traum des Menschen, dünn zu sein, ohne auf Genuss verzichten zu müssen. Der fettfreie Big Mac wäre ein Verkaufsschlager. Die Vorstellung des kalorienarmen Burgers ist aber noch nicht der eigentliche Traum, sondern vielmehr die Sehnsucht danach, schön zu sein, anerkannt, bewundert – kurz: geliebt zu werden.

Heidis Traum war und ist es, eine Beziehung ohne Abhängigkeit zu führen. Das weiß sie jetzt. Durch lange Gespräche, viel Arbeit an sich selbst und durch Menschen, die sie auf dem Weg unterstützten, hat sie erkannt, dass ihre Gerade zu kurvig war. Es war an der Zeit, die Kursabweichung zu korrigieren.

 

Heidis Geschichte wirft zwei Fragen auf, die für uns relevant sind:

 

Bis zu welchem Grad ist eine Kursabweichung für mich persönlich akzeptabel?

Was muss passieren, damit ich bereit bin, das Ruder wieder Richtung »I do it my way« einzuschlagen?

 

Jede Wette, dass Sie einen Menschen kennen, der, verursacht durch eine Identitätskrise, sein bisheriges Leben aufgibt, um noch mal neu anzufangen. Die Frau, die mit dreißig erkennt, dass sie nur Frauen liebt, der Mittvierziger, der seinen gut bezahlten Job bei der Bank an den Nagel hängt, um Bergführer zu werden, oder das Ehepaar, das sich nach neun Jahren trennt, weil ihm klar wird, dass es keine Gemeinsamkeiten hat. Auch sie (sogar das Ehepaar) haben etwas gemeinsam, nämlich diesen Punkt in ihrem Leben, an dem sie von ihrem Kurs abwichen, um Erwartungen zu erfüllen, die eigentlich gar nicht ihre eigenen waren. Was sind also die Gründe für solch drastische Veränderungen im fortgeschrittenen Alter? Allen Genannten wurde klar, dass sie sich an Idealen orientierten, denen sie im Grunde ihres Herzens nie entsprechen konnten oder wollten. Die erwachte Frau, den Gipfelstürmer und das Scheidungspaar als »Aussteiger« zu bezeichnen, wäre unangebracht. Viel treffender ist der Begriff »Umsteiger«. Denn »Aussteiger« vermittelt den Eindruck von »alles aufgeben«. Doch diese Umsteiger brauchten nicht alles aufzugeben. Sie haben nur einen prägnanten Teil ihres Lebens neu definiert und entsprechend umgestellt – etwas in ihrem Leben zu den eigenen Gunsten modifiziert. Dieser Schritt erfordert ein Höchstmaß an Mut. Es ist ignorant, den Wertpapierhändler als Spinner zu bezeichnen, nur weil er Bergführer wurde, um sich seinen Traum zu erfüllen. Man sollte vor seinem Mut und seiner Konsequenz den Hut ziehen. Was wie Egoismus erscheint, hat unter Umständen sehr viel damit zu tun, den Weg zu sich selbst zu beschreiten.

 

Deshalb sind Sie nun auch selbst gefragt. Dieser Beziehungskurs ist interaktiv, denn wir möchten unsere Theorie mit Ihrer Praxis und Lebenserfahrung verbinden. Daher sind Sie bereits an diesem Punkt des Buches gefordert, selbst aktiv zu werden. Bei der ersten praktischen Übung handelt es sich um einen Reflexionsprozess, eine Situationsanalyse im Hinblick auf die Verwirklichung Ihrer Ziele und Pläne. Denn Träume sind zum Leben da. Neben einem Zettel, einem Bleistift und einem Radiergummi (!) benötigen Sie zwei weitere Dinge, um diese erste Übung, auf der übrigens nahezu die Hälfte dieses Buches aufbaut, erfolgreich durchzuführen: Mut und Ehrlichkeit. Sie werden sehen: Die Person, der gegenüber es für Sie am schwersten ist, ehrlich zu sein, sind Sie. Die Aufrichtigkeit sich selbst gegenüber macht sich allerdings auch am meisten bezahlt. Anderenfalls würden Sie sich um Ihre wahre Bestimmung betrügen. In dieser Situationsanalyse in Form einer Tabelle geht es darum, zu erkennen, welche Ziele Sie in verschiedenen Lebensbereichen verfolgen und bis zu welchem Maß Sie diese bisher erfüllt haben. Die Vorgehensweise ist einfach und logisch, die Ergebnisse sind dagegen oft verblüffend und unerwartet.

 

Zur Veranschaulichung zeichnen Sie eine Tabelle wie unten abgebildet mit dem Titel »Lebenszieltabelle« und füllen Sie sie folgendermaßen aus.

Lebenszieltabelle

4 Lebensbereiche, die mir am wichtigsten sind

In die waagrechte graue Spalte tragen Sie neben die Ziffer vier Lebensbereiche ein, die Ihnen am wichtigsten sind, zum Beispiel:

Liebe, Karriere, Freunde, Familie. Ebenso denkbar sind Hobbys, Finanzen etc. Füllen Sie zunächst also bitte die vier grauen Felder (Lebensbereiche) aus. Überlegen Sie gut, welche Bereiche in Ihrem Leben die größte Bedeutung haben. Vielleicht fallen Ihnen keine vier Bereiche ein, dann haben Sie wahrscheinlich noch nicht lange genug darüber nachgedacht. Überlegen Sie einfach, was Sie in der letzten Woche so getan haben und mit wem. Dann kommen Ihnen sicher genug Ideen. Kommen Sie auf mehr als vier Lebensbereiche, dann wählen Sie die vier aus, die Ihnen davon am wichtigsten erscheinen. Notfalls fügen Sie der Tabelle noch mehr Spalten hinzu – aber denken Sie daran: Beschränkung bedeutet immer Fokussierung. Und die brauchen Sie für diese Übung.

Jetzt sind Sie und Ihre individuelle Lebensplanung gefragt. Für jeden Lebensbereich können Sie bis zu zwei Ziele, die Ihnen am Herzen liegen, definieren. Diese notieren Sie bitte zunächst auf einem separaten Zettel. Ein Beispiel aus dem Bereich »Liebe« etwa könnte sein: Einen Partner finden, der Kinder liebt oder Bis 30 mit meinem Partner zusammenziehen, im Bereich »Karriere« vielleicht: Mit spätestens 40 die eigene Firma besitzen. Wenn Sie »Beziehung« hingeschrieben haben, vielleicht: weniger streiten. Bitte seien Sie hier ganz naiv, auch wenn es schwerfallen mag. Tun Sie so, als sei alles möglich; schreiben Sie Ihre Ziele unbedingt auch dann auf, wenn Sie sie für »gescheitert« halten, sie Ihnen unrealistisch erscheinen oder angeblich »sowieso nicht erfüllbar« sind. Solche Ziele haben eine hohe Aussagekraft und sind daher sehr wichtig für den weiteren Prozess.

 

ACHTUNG: Wenn Sie für jeden Lebensbereich ein bis zwei Ziele definiert haben, tragen Sie diese, wie oben beschrieben, nicht sofort in die Tabelle ein, sondern schreiben Sie sie bitte auf einen separaten Zettel! Lassen Sie sich Zeit, Ihre Ziele zu formulieren. Dann möchten wir Sie bitten, sich erst darüber klar zu werden, wie weit Sie mit der Verfolgung jedes einzelnen Zieles bis jetzt fortgeschritten sind. Das ist sehr wichtig! Überlegen Sie in Ruhe, inwieweit Sie der Erfüllung des jeweiligen Ziels nahe gekommen sind. Die vier Zellen, die am rechten Rand der Tabelle von unten nach oben verlaufen, beschreiben den Grad der Verwirklichung dieser Ziele. Erst wenn Sie diesen Schritt durchdacht haben, wenn Sie Ihre Ziele nach Verwirklichungsgrad festgelegt haben, tragen Sie sie in das entsprechende Feld in der Tabelle ein.

Verstanden? Dann los!

 

Wenn Sie fertig sind, haben Sie das Komplizierteste schon hinter sich, nämlich den Beginn der Selbsterkenntnis. Sie haben nun angefangen, sich in einer Situationsanalyse über den Ist-Zustand Ihres Lebens Gedanken zu machen – vielleicht ein wenig anders als bisher. Freuen Sie sich über positive Erkenntnisse! Negative müssen Sie nicht schrecken. Es gibt vielleicht noch keine Antworten, aber hoffentlich schon Fragen. Ihre Tabelle darf sich mit der Zeit ruhig noch ein paarmal verändern. Das Leben ist ein Fluss.

 

 

Zum Abschluss – wie am Ende jedes Kapitels – unsere 10 goldenen Weisheiten.

Das Leben ist kurz – lebe es voll aus!

Du bist, wer Du geworden bist.

Du bestimmst Deine Lebensziele – niemand anders!

Wer seine Ziele nicht kennt, verrennt sich.

Ziele sind der Motor Deines Lebens.

Die Sehnsucht ist der Treibstoff.

Die besten Ziele sind hoch, aber erreichbar.

Du hast ein Recht auf Zielverwirklichung.

Ziele, die aus dem Herzen kommen, kann man leichter verwirklichen.

Angst ist gut, aber folge ihr nicht.

Kapitel II: Der Ursprung Ihrer Persönlichkeit

Denken Sie bloß nicht, Sie seien allein. Sie können sich einreden, es wäre niemand im Zimmer. Denken, in Ihrer Beziehung gäbe es nur zwei Menschen. Sie können sich vorstellen, die Welt zu sehen, wie sie ist. Denken Sie neu, denn Sie denken falsch.

Es gibt kaum einen Gedanken, der uns so sehr in die Irre führt wie der, dass wir völlig unabhängig, frei und individuell seien. So ein Quatsch. Wer hat damit eigentlich angefangen? Natürlich sind wir Menschen fähig, moralische Entscheidungen zu treffen. Natürlich haben wir so etwas wie einen freien Willen. Natürlich kann ich mich bis zur Selbstaufgabe aufopfern für andere. Aber »frei« bin ich darin nicht, denn ich bin nie allein. Ich handle nie allein. Wer in uns handelt, mit uns lebt und was das bedeutet, kann uns der Fall von Sabrina K. verdeutlichen:

 

Sabrina ist erfolgreiche Managerin in einer internationalen Werbeagentur. Ihre beiden Töchter sind acht und zwölf Jahre alt, ihr Mann unterrichtet Religion und Englisch an einem Gymnasium. Sabrina steht viermal die Woche eine Stunde früher auf, um zu joggen. In ihrer knapp bemessenen Freizeit liest sie und beschäftigt sich mit ihren Kindern. Sie will eine vorbildliche Mutter sein. Die Hausarbeit hat ihr Mann übernommen – der ist ohnehin der bessere Koch. Eigentlich hat sich Sabrina K. ihr Leben gut eingerichtet. Trotzdem sitzt sie heute beim Therapeuten:

Therapeut: Hallo, Frau K., schön, dass Sie da sind. Worum geht es denn?

Sabrina K.: Ich weiß nicht, Herr Doktor, … irgendwie klappt im Moment gar nichts. Ich schlafe nachts nicht mehr, meine Mitarbeiter hassen mich, meine Kinder wachsen mir über den Kopf und mein Mann, der Schlappschwanz, ist auch keine Hilfe.

Therapeut: Hmmm …

Sabrina K.: Wissen Sie, ich bin die Letzte, die jammert, und es geht mir ja auch eigentlich ganz gut, aber das ist schon ein Scheiß-Deal, immer leisten, leisten, leisten. Alles bleibt an mir hängen. Nie fragt mal jemand, was ich brauche. Alle wollen immer nur was von mir.

Therapeut: Aha …

Sabrina K.: Eben! Und jetzt hab ich schon Bauchweh, wenn ich morgens ins Büro komme. Sie sollten mal sehen, wie die mich da anschauen. Klar, sagen tut keiner was, ich bin ja der Boss. Aber ich sehe es doch an ihren Blicken, wie sie mich hassen. Man kann wirklich niemandem vertrauen. Ich muss ständig aufpassen, dass da keiner an meinem Stuhl sägt. Sobald die eine Chance wittern, bin ich weg vom Fenster.

Therapeut: Soso …

Sabrina K.: Aber nicht mit mir. Meine Eltern haben mich nicht zum Verlieren erzogen. Am Ende hab noch immer ich gewonnen. Das hab ich auch zu meinem Mann gesagt, als er seine kleine Schlampe gevögelt hat. Und wer hat gewonnen? [grinst zufrieden] Zurückgekrochen gekommen ist er. Zu mir! Und den Kindern natürlich.

Therapeut: Mhm …

Sabrina K.: [runzelt die Stirn] Sagen Sie mal, Ihr Geld wert sind Sie aber auch nicht; so einsilbig wie Sie sind.

Therapeut: Hat für Sie Wert etwas mit Leistung zu tun?

Sabrina K.: Was soll die Frage denn? Ich lach mich tot! Mit was denn sonst?

Therapeut: [ernst] Ich frage Sie noch einmal: Hat für Sie Wert etwas mit Leistung zu tun?

Sabrina K.: [stiller] Mit was denn sonst?

Therapeut: [lächelt] So, jetzt können wir anfangen.

Unterbrechen wir hier das Gespräch für die Frage: Was ist passiert? Und was hat das mit unserem Thema zu tun? Nun, Sabrina K. sitzt dem Therapeuten zwar allein gegenüber; mit ihr gekommen sind aber noch ein paar andere Personen. Da wären einmal ihre Eltern. Dann ihr Ehemann, seine Geliebte, die Kinder und die Kollegen. Wohl auch Lehrer, Freunde und die Männer, die ihr im Laufe ihres Lebens nahegekommen sind. Warum diese Personen alle da sind? Weil sie sich als »Stimmen« in ihrem Kopf, ihrem Herzen oder in ihrer Seele festgesetzt haben. Mit ihren jeweils ganz eigenen Botschaften … Wenn Sie meinen, Sie seien allein, denken Sie neu!

Nach mehreren Sitzungen waren Sabrina K. und ihr Therapeut so weit, sich diesen Stimmen nähern zu können, sie den Personen zuzuordnen, zu denen sie gehörten – und deren Botschaften zu benennen.

Therapeut: Frau K., Sie sagten in unserer ersten Sitzung, Ihr Mann sei ein Schlappschwanz.

Sabrina K.: [scheinbar abgeklärt] Stimmt ja auch!

Therapeut: Wie kommen Sie denn darauf?

Sabrina K.: Wer bringt denn das Geld nach Hause? Ich hätte auch mal gerne eine starke Schulter, an der ich mich ausruhen kann. Nicht immer nur geben. Mein Mann ist ein Loser. Der kommt mittags heim und muss sich erst mal auf die Couch legen. Da geht es bei mir erst richtig los!

Therapeut: Frau K., wir hatten ja schon über die Stimmen gesprochen und ihre Botschaften.

Sabrina K.: Ja, die von wichtigen Menschen im Leben stammen und verinnerlicht wurden.

Therapeut: Genau. Und die dann auf andere neue wichtige Menschen übertragen werden.

Sabrina K.: Mhm …

Therapeut: Welche Botschaften von welchen Menschen haben Sie denn eben entdecken können?

Sabrina K.: [unwillig] Weiß nicht.

Therapeut: Also ich habe mindestens drei Botschaften gehört.

Sabrina K.: Und welche?

Therapeut: Ja, welche?

Sabrina K.: [zornig] Lassen Sie die Spielchen, ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden.

Diese Sitzung war zäh. Sabrina K. hätte hier die Möglichkeit gehabt, drei Botschaften zu identifizieren. Aber die Abwehr war (noch) zu groß. Drei »Lebensweisheiten«, drei Botschaften hat Sabrina K. hier indirekt genannt:

 

Männer sind die Ernährer.

Erfolg heißt, viel und lange arbeiten.

Stark sein heißt, maximalen Druck aushalten – und dabei lächeln.

 

In einer späteren Sitzung war Sabrina K. bereit, sich auf »die Spielchen« einzulassen, und sehr schnell wurde klar, wessen Botschaften das waren: Ihre Eltern hatten sie ihr mitgegeben. Sie hatten es nicht als Belastung gemeint, sondern als Geschenk an ein Kind, dem sie Handwerkszeug zum erfolgreichen Leben an die Hand geben wollten. Sie hatten so gelebt, und ihre Tochter sollte auch so leben. Dass dieses Werkzeug im Leben ihres Kindes nicht funktionieren musste, haben sich Sabrinas Eltern nicht klargemacht. Für Sabrina K. war die Gabe zur Last geworden. Sie hatte die Stimmen der Eltern verinnerlicht und sie seitdem nicht mehr hinterfragt. Heute überträgt sie sie auf sich selbst und auf Menschen, die ihr wichtig sind, beruflich wie privat. Sie selbst kann diesem Druck standhalten – noch (ohne Schlaf geht es nicht lange gut). Aber ihr Mann, ihre Mitarbeiter und ihre Kinder werden diesem Anspruch schon lange nicht mehr gerecht. Und so wie sie sich selbst verachten würde für alles, was diesen drei Botschaften nicht entspricht, verachtet sie alle anderen für ihre »Schwächen«.

Wer jetzt meint, das sei ein Problem psychisch kranker Menschen, hat sich selbst noch nicht ehrlich betrachtet. Die Verinnerlichung von Stimmen bedeutender Menschen in unserem Leben – und dazu zählen zunächst unsere Eltern bzw. frühe Bezugspersonen, später Geschwister, Freunde, Lehrer, Pfarrer, Therapeuten, Trainer, Mentoren, Kinder, Partner, Chefs, um nur einige zu nennen – und die Übertragung der Botschaften auf uns selbst und andere ist ein grundlegend menschliches Phänomen. Jeder, der sich ernsthaft mit der Seele des Menschen beschäftigt, kennt den ursprünglich psychoanalytischen Begriff der »Übertragung«: vom Therapeuten und Psychiater über den Trainer und Coach bis hin zum Seelsorger und Pfarrer. Das ist völlig normal. Wichtig ist nur, es sich bewusst zu machen. Anderenfalls bewege ich mich nämlich in meinen inneren vier Wänden wie in einem Haus mit blind gewordenen Fenstern. Licht fällt nur spärlich ins Dunkel und erschwert mir einerseits die innere Orientierung, andererseits auch die klare Sicht nach außen. Zeit, die Fenster zu putzen!

 

Denken Sie an dieser Stelle einmal über die folgenden drei Fragen nach:

 

Welche Botschaften habe ich in meinem Leben?

Welche Stimmen sind bei mir einflussreich?

Woher kommen sie?

 

Nehmen Sie sich viel Zeit für Ihre persönlichen Antworten – sie haben maßgeblichen Einfluss auf Ihre Lebenszielplanung. Aber nun zurück zu Sabrina. Es gab noch weitere Stimmen und Botschaften in ihrem Leben, die sich im Laufe der Gespräche herauskristallisierten:

Therapeut: Sprechen wir einmal über Ihre Mitarbeiter. Wie kommen Sie darauf, dass sie Sie hassen?

Sabrina K.: Sie enthalten mir Informationen vor.

Therapeut: Beruflicher Art?

Sabrina K.: Ach nein. Private Informationen. Ich werde auch nie zu Geburtstagen eingeladen. Letzte Woche habe ich über drei Ecken erfahren, dass meine Assistentin Krebs hat. Das hat die mir nicht anvertraut. Die vertrauen mir nicht, weil sie mich nicht mögen.

Therapeut: Verstehe. Können wir mal schauen, ob wir die Stimmen und ihre Botschaften isolieren können?

Sabrina K.: Also gut.

Therapeut: Gut. Ergänzen Sie doch einfach mal den Satz: »Meine Mitarbeiter hassen mich, weil …«

Sabrina K.: … sie mich nicht mögen.

Therapeut: »Mögen« … Wie könnte man das »griffiger« formulieren? Was für ein Gefühl steckt dahinter?

Sabrina K.: Ja, ein gutes eben. Mögen halt.

Therapeut: Fällt es Ihnen schwer, darüber zu sprechen?

Sabrina K.: Ich bin nicht so gefühlsduselig.

Therapeut: Sie sagten »hassen«. Das ist ein starkes Gefühl.

Sabrina K.: Na ja, und das Gegenteil ist Liebe.

Therapeut: Okay, Liebe. Und weiter: Liebe heißt …

Sabrina K.: Liebe heißt, keine Grenzen haben. Liebe heißt, alles miteinander teilen, keine Geheimnisse voreinander haben.

Therapeut: Ja … Und wer mich nicht liebt …

Sabrina K.: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.

Therapeut: Mhm. Da haben wir drei Botschaften: 1. Liebe heißt Grenzenlosigkeit. 2. Liebe heißt, nichts für mich allein zu haben. Und 3. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich – es gibt also nur Freunde oder Feinde. Wo kommen diese Botschaften her?

Sabrina K.: [überlegt] … Ich denke, von meiner Tante Henni. Also meine Tante war das nicht wirklich. Sie war so eine alte, einfache Frau aus dem Ort, die immer bei uns zu Hause vorbeigekommen ist und manchmal auf mich aufgepasst hat. Die hat auch viel in der Kirche gemacht; geputzt, dem Pfarrer gekocht und so. Mir hat sie immer bunte Heiligenbildchen mitgebracht. Ich hab sie sehr gemocht.

Therapeut: Und diese Botschaften kommen von ihr?

Sabrina K.: Sie hat immer erzählt, wie Jesus die Menschen geliebt hat und sich für die Sünden aller Menschen ans Kreuz hat schlagen lassen. Ich fand das als Kind furchtbar grausam und habe es auch nie so richtig verstanden. Aber ich habe immer ganz fasziniert zugehört.

Therapeut: Sind Sie religiös?

Sabrina K.: Nicht wirklich, aber als Kind wollte ich so sein wie Jesus. Das hat Tante Henni auch immer gesagt: »Wir sollen lieben wie Jesus.«

Therapeut: Und der hat ohne Grenzen geliebt, keine Geheimnisse und nur Freunde oder Feinde gehabt?

Sabrina K.: Das weiß ich nicht, aber so wie Sie es sagen, klingt es ein bisschen schwarz-weiß.

Therapeut: Wie würden Sie es sagen?

Sabrina K.: