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Wie kann man eine von spiritueller Tiefe geprägte Beziehung führen? Am Beispiel der Geschichte eines Liebespaars, das von einem Meister der Energiearbeit unterrichtet wird, lernt man, welche Denk- und Verhaltensmuster die eigene Partnerschaft blockieren. Sherwoods Übungen, Mudras und Meditationen helfen, Muster zu durchbrechen und so eine wahrhaft erfüllte Beziehung zu gestalten.
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Seitenzahl: 443
Veröffentlichungsjahr: 2011
Keith Sherwood
Eine Anleitung zur spirituellen Verwirklichungin der Partnerschaft
Aus dem Englischenvon Anja Brandl
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Wie kann man eine von spiritueller Tiefe geprägte Beziehung führen? Am Beispiel der Geschichte eines Liebespaars, das von einem Meister der Energiearbeit unterrichtet wird, lernt man, welche Denk- und Verhaltensmuster die eigene Partnerschaft blockieren.
Sherwoods Übungen, Mudras und Meditationen helfen, Muster zu durchbrechen und so eine wahrhaft erfüllte Beziehung zu gestalten.
Vorwort
1 Was ist eine ›transzendente Beziehung‹?
Das menschliche Energiefeld
Das Herzchakra aktivieren
2 Das Universum ist in Glückseligkeit –Sie sind es auch
Die tantrische Beziehung
Shakti
Gegenwärtig werden
Mudra für orgasmische Glückseligkeit
Lektüre Shiva & Parvati
3 Einschränkende Glaubenssätze überwinden
Das Mudra für Furchtlosigkeit
Das Mudra für Selbstakzeptanz
Lektüre Das Kali Yuga
4 Die Selbstliebe stärken
Der individuelle Verstand und das Ego
Der authentische Verstandund das Universelle Bewusstsein
Die Selbstliebe stärken
Die Selbstliebe-Meditation
Lektüre Das duale Gewahrsein
5 Man bekommt das,was man am meisten möchte
Unauthentische Verlangen, die Intimität stören
Die Wahrheit über Wollust
Die Macht einer angemessenen Entschuldigung
Authentische Verlangen, die Intimität fördern
Das Nein-Mudra
Lektüre Wissenswertes über Projektionen
6 Mehr Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude – jetzt!
Positive Affirmationen und Absichten
Meditation für Vergnügen
Alles, was wahr ist, resoniert
Lektüre Einschränkende Glaubenssätze
7 Ungeliebte Körperteile wieder lieben lernen
Kontrolle gewinnen über den eigenen Raum
Sie sind ein multidimensionales Wesen
Energiekörper, Hüllen und Auren
Ungeliebte Körperteile wieder lieben lernen
Lektüre Das menschliche Energiefeld
8 Sein Energiefeld wieder in den Griff bekommen
Anhaftungen lösen
Das Prana-Mudra
Die multipolare Beziehung
Die eigenen Grenzen stärken
Lektüre In den sieben polaren Feldern meditieren
9 Die natürliche geschlechtliche Ausrichtung wiederherstellen
Die vier Arten von Intimität
Das gemeinsame Feld schützen
Die natürliche geschlechtliche Ausrichtung wiederherstellen
Hingabe an Eros – das Maithuna-Ritual
Lektüre Die transzendente Beziehung
10 Körperliche Liebe und sexuelle Intimität
Das Ausstrahlen sexueller Energieüber Ihre Hände und Füße
Den eigenen sexuellen Ausdruck lieben
Das sexuelle Potenzial Ihrer Chakren
Das Aktivieren der 13 Chakren im Körperraum
Chakra-Boosting
Lektüre Anhaftungen aus vergangenen Leben
11 Polarität in Balance
Der Missbrauch von Intimität
Kordeln und energetische Anhaftungen lösen
Das gegenseitige Betrachten –Prana über die Augen austauschen
Chakra-Gazing – mit den Chakren betrachten
12 Von Eros zu andauernder Intimität
Die Bedeutung Ihrer energetischen Hüllen
Die Herz-Schwingungs-Meditation
Meditation für die Funktionen des Verstandes
Meditation für die Aspekte des Verstandes
Lektüre Intimität mit Atman
13 Intimität mit Atman – dem eigenen Selbst
Die drei Herzen
Die transzendenten Funktionen Ihrer Sinne
Übung zur Erweckung Ihrer Sinne
Das Atman-Mudra
Intimität mit dem Universellen Bewusstsein
Die Shri-Yantra-Meditation
Lektüre Wahre Intimität
14 Das gemeinsame Pranafeld
Zufriedenheit und Abhängigkeit
Die Wahrheit über energetische Projektionen
Projektionen lösen
Mehr Freude erfahren
Die Freude-Meditation
Glossar
Liste der Übungen
Nur wenige würden bestreiten, dass das Sehnen nach Liebe und Intimität eine starke Macht in uns Menschen ist, die uns dazu veranlasst, uns nach einer Beziehung zu sehnen.
Dass es aber mehr als eine Art von Beziehung gibt, erkennen – trotz all dem Wissen, das uns heute zur Verfügung steht – die wenigsten. Außer einer traditionellen Beziehung, die die meisten Menschen miteinander führen, gibt es nämlich noch eine weitere Beziehungsform – die transzendente Beziehung.
Auf den ersten Blick scheinen beide nicht sonderlich unterschiedlich zu sein. Die Partner leben zusammen und haben eventuell gemeinsame Kinder. Bei genauerem Hinsehen jedoch werden große Unterschiede deutlich, da beide Beziehungen ganz unterschiedliche Ziele haben.
Sinn und Zweck einer traditionellen Beziehung ist der Zusammenhalt der Familie, und Intimität wird eingesetzt, um diesen Zusammenhalt zu gewährleisten. Eine transzendente Beziehung jedoch ist darauf ausgerichtet, kontinuierlich Intimität und Freude zu erfahren, und zwar nicht nur mit dem Partner, sondern auch mit dem eigenen Selbst und dem Universellen Bewusstsein.
Eine traditionelle Beziehung kennen wir alle. Sie ist eine Institution, die vor dem Hintergrund der vorindustriellen Gesellschaften entstand und deren Mittelpunkt meist das Aufziehen von Kindern war. Im besten Fall kommt es dabei zu einem festen Zusammenhalt der Partner, einem Wir-Gefühl, das dafür sorgt, dass der Familienverband intakt bleibt. Leider jedoch garantiert das nicht, dass die Intimität unter allen Umständen erhalten bleibt oder dass sie sich auch auf das eigene Selbst oder bis auf das Universelle Bewusstsein hin ausdehnt.
Besonders Letzteres ist ausschließlich in einer transzendenten Beziehung möglich.
Paare, die sich nach einer transzendenten Beziehung sehnen, erkennen, dass Intimität ihr eigentlicher und natürlicher Zustand ist – genau wie beim göttlichen Paar, das durch Shiva und Shakti repräsentiert wird.
Diese Erkenntnis führt zur Fähigkeit, karmisches Gepäck und Anhaftungen überwinden zu können, denn diese beiden Dinge sind der Grund dafür, dass eine anhaltende Intimität miteinander, mit dem eigenen Selbst und dem Universellen Bewusstsein so schwer zu erreichen und aufrechtzuerhalten ist.
Liebe und Transzendenz ist der Nachfolger meines Buches Die Kunst spiritueller Liebe, das 2006 veröffentlicht wurde. In Die Kunst spiritueller Liebe wurde dem Leser erstmalig Alexander Truman vorgestellt, ein Energiemeister und spiritueller Lehrer, und zwei seiner eifrigsten Schüler – Avril und Dieter. Der Leser konnte verfolgen, wie die beiden lernten, mehr Vergnügen, Liebe und Intimität miteinander zu teilen und ihre Beziehungsprobleme zu lösen, die durch karmisches Gepäck, Anhaftungen – auch an frühere Leben – und Projektionen von anderen Menschen und nichtphysischen Wesen verursacht werden.
Liebe und Transzendenz wird diese Themen kurz aufgreifen. Dann begleitet es Avril und Dieter bei ihrem Übergang zu einer transzendenten Beziehung.
Jedes Kapitel in Liebe und Transzendenz besteht aus drei Teilen: einem lebendigen Dialog zwischen Alex Truman und seinen beiden Schülern Avril und Dieter, in dem es um grundlegende Probleme in Beziehungen geht, einer oder mehreren Übungen, die darauf angelegt sind, genau diese Probleme zu überwinden, und ergänzendem Text am Ende jedes Kapitels, der dem Leser weiterführende Informationen über das zuvor behandelte Thema liefert.
Durch das Ausführen der einfachen Übungen in jedem Kapitel kann man lernen, sich von seinen Anhaftungen zu lösen und sein Unterscheidungsvermögen zu verbessern.
Unter Unterscheidungsvermögen versteht man in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, nichtphysische Energiefelder wahrzunehmen, die eine Beziehung schwer beeinträchtigen können.
Es wird beschrieben, wie man lernt, energetische Projektionen anderer Menschen zu lokalisieren und aufzulösen, die in Gestalt von Schnüren, Kontrollwellen und Anhaftungsfeldern auftreten können. Sie alle haben die Fähigkeit, Intimität zu stören.
Der Leser lernt, Blockaden und Polaritätsprobleme zu überwinden, die oft dafür sorgen, dass man sich unsicher fühlt, Kontrollsucht an den Tag legt oder die eigene Kraft missbraucht.
Während Avrils und Dieters Prozess weiter voranschreitet, lernt man außerdem, den Fluss universeller Energie durch das eigene Energiefeld und seinen physischen Körper zu verbessern. Es werden einfache Mudras (Gesten mit den Händen und Füßen) vorgestellt, die dabei helfen, Angst zu überwinden, an Stärke zu gewinnen und empfänglicher zu werden für Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude. Man lernt, seine Chakren zu aktivieren – wozu auch die Chakren oberhalb und unterhalb des Körpers gehören –, und welche Funktionen ihnen zugeordnet werden.
Außerdem wird deutlich gemacht, dass Transzendenz viel mit Verpflichtung zu tun hat.
Es werden Techniken vorgestellt, die Ihre Intimität stärken werden und sogar zu einem Dauerzustand werden lassen. So kann z.B. eine Entschuldigung, wenn sie aufrichtig ist und auf die richtige Art und Weise ausgeführt wird, eine ungesunde Anhaftung zwischen zwei Menschen auflösen.
Meine Arbeit mit Gruppen und Individuen hat mir gezeigt, dass das, was die meisten Leute wirklich brauchen und suchen, ein leicht anzuwendendes Buch ist, das zwei Bedingungen erfüllt: Es muss die Wurzeln der Probleme behandeln, die wahrer Intimität im Wege stehen, und praktische Methoden anbieten, um diese Probleme bewältigen zu können und eine transzendente Beziehung zu erlangen. Liebe und Transzendenz soll genau diesem Anspruch gerecht werden und mehr. Der Leser muss weder erleuchtet sein noch über Erfahrung in Energiearbeit verfügen, um von diesem Buch zu profitieren. Es ist für jeden geeignet, der bereit und willens ist, seine eigenen Begrenzungen und die einer traditionellen Beziehung zu transzendieren, um wahre Intimität und Erleuchtung zu erfahren.
Avril zog ihren weiten Frotteebademantel eng um ihren Körper. Sie schaute auf Dieter, der vor ihr auf dem Boden lag und seine Bauchübungen machte.
»Ich weiß, wir haben schon darüber gesprochen«, sagte sie zu ihm, »aber ich fühle mich wirklich schuldig, dass wir nicht eine der Übungen gemacht haben, die Truman uns gab, bevor wir zu meinem Vater nach Florida gefahren sind.«
Dieters Griff um das große Kissen, das er immer benutzte, um während seiner Übungen seinen Rücken zu stützen, wurde fester. Er sah Avril mit einer Mischung aus Lust und Belustigung an und zuckte mit den Schultern. Avril warf ihm einen harschen Blick zu und verschwand ins Badezimmer, um ihr Haar zu trocknen. Nebenbei suchte sie nach grauen Strähnen, seufzte, nachdem sie einige gefunden hatte, und rief Dieter dann durch die Badezimmertür zu: »Wieso hören wir uns nicht wenigstens eine der CDs an, die Truman uns gegeben hat?«
»Sprich lauter«, rief Dieter zurück.
»Warum hören wir uns nicht eine der CDs an, die Truman uns gegeben hat – die über intime Beziehungen wäre doch gut.«
»Du meinst die mit der Chakra-Meditation?«
»Ja, genau. Wir könnten wenigstens unser Herzchakra aktivieren. Dann würden wir morgen vielleicht nicht ganz so dumm dastehen, wenn wir Truman wiedersehen.«
Avril kam wieder ins Schlafzimmer und schubste Dieter beiseite.
»Ich such sie ja schon«, sagte Dieter und begann den Nachttisch auf seiner Seite des Bettes zu durchstöbern.
»Ich finde sie selbst.« Avril begann den CD-Stapel neben ihrem Nachttisch durchzusehen, bis sie fand, was sie gesucht hatte. Die CD war Teil des Materials, das sie von Alex Truman erhalten hatten. Truman war ihr Lehrer. Seit beinahe zwei Jahren half er ihnen dabei, den Wechsel von einer traditionellen in eine transzendente Beziehung zu schaffen. Mit einem zufriedenen Ausdruck im Gesicht zog Avril schließlich die CD aus dem Stapel, wedelte sie triumphierend in der Hand und legte sie dann in den Player. Dann hüpfte sie ins Bett neben Dieter, der sich bereits hingelegt hatte, zog die Decke auf ihre Seite, und beide begannen zu lauschen.
Die CD begann mit dem Rauschen fließenden Wassers. Nach einigen Momenten begann Truman zu reden.
»Menschen sind interdimensionale Wesen, die gleichzeitig in der physischen Welt und in den nichtphysischen Dimensionen existieren. Jeder Mensch besitzt daher die Kapazität, eine transzendente Beziehung einzugehen und das Vergnügen, die Liebe, Intimität und Freude zu erfahren, die aus einer solchen Beziehung hervorgehen. Um eine traditionelle Beziehung in eine transzendente umzuwandeln, müssen beide Partner in der Lage sein, in ihrem Energiefeld ›gegenwärtig‹ zu bleiben.
Unser Energiefeld ist das nichtstoffliche Feld, das unseren Körper sowohl durchdringt als auch umgibt.
Das menschliche Energiesystem besteht ausschließlich aus Energie mit universellen Eigenschaften. Universelle Eigenschaften sind unveränderlich. Daher kann ein Mensch, sofern er gegenwärtig bleibt, seine Integrität aufrechterhalten – selbst wenn seine transzendente Beziehung und die damit einhergehende Erfahrung von Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude von außen angefeindet oder sogar angegriffen wird.
Es mag viele überraschen, aber in unserem multidimensionalen Universum stehen Paaren in einer Beziehung zwei Arten von Energie zur Verfügung: Energie mit individuellen Eigenschaften und Energie mit universellen Eigenschaften.
In einer traditionellen Beziehung dominiert hauptsächlich individuelle Energie; eine transzendente Beziehung hingegen beruht hauptsächlich auf Energie mit universellen Eigenschaften.
In der Regel ist man wesentlich vertrauter mit Energie aus individuellen Eigenschaften, da unsere Wahrnehmungsorgane sie leicht registrieren können. Man spürt sie, wenn man Angst hat oder deprimiert ist oder wenn Stress, Schock, Krankheit oder gar ein Trauma dafür sorgen, dass man sich energetisch verkrampft. Man fühlt sie und reagiert darauf, wenn man sich auf ungesunde Weise an andere angehaftet hat oder wenn der eigene Zugang zu Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude beschränkt wird.
Glücklicherweise aber ist das Universum der Energie mit individuellen Eigenschaften durchdrungen von einem Universum aus rein universeller Energie. Universelle Energie besitzt ausschließlich lebensbejahende Eigenschaften, die Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude hervorbringen. Sie schafft keine Anhaftungen, die Menschen auf ungesunde Weise aneinander bindet, sondern bringt sie auf direkteste und freudvollste Art und Weise zusammen.
Im Yoga und Tantra wird Energie mit universellen Eigenschaften entweder Shakti oder Prana genannt. Prana ist reine Lebenskraft – es belebt und nährt alles, was existiert.
Im physischen Universum gehört dazu alles, was lebt, und im nichtphysischen Universum nichtphysische Wesen und unser Energiesystem, zu dem auch unsere energetischen Vehikel gehören.
In einer traditionellen Beziehung ist die Pranamenge, die Paaren zur Verfügung steht, sehr begrenzt, da sich ihre Beziehung hauptsächlich auf Energie mit individuellen Eigenschaften stützt.
Die westlichen Kulturen sind seit Jahrhunderten an traditionelle Beziehungen gewöhnt und kennen kaum etwas anderes. Eigentlich entstand diese Beziehungsform aus der Notwendigkeit heraus, erfolgreich Kinder aufzuziehen und gleichzeitig den gegebenen landwirtschaftlichen oder nomadischen Anforderungen gerecht zu werden. Obwohl es auch hier Entwicklungen gab und jede Generation ihre eigene Sicht auf die Dinge entwickelte, ist diese Form der Beziehung in beinahe allen westlichen Kulturen noch heute vorherrschend.
Da die Grundlage einer traditionellen Beziehung Energie mit individuellen und nicht universellen Eigenschaften ist, sind ihr Grenzen auferlegt. Außerdem wird sie von vielen Menschen oft missbraucht, um eigene Schwächen und unrealistische Bedürfnisse zu kompensieren. Nicht selten verfolgen Menschen in traditionellen Beziehungen Ziele, die mit Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude nicht viel zu tun haben. Manche behandeln ihren Partner sogar schlecht oder vernachlässigen ihn. Auch wenn das nicht die Norm ist, ist den meisten nicht klar, dass andauernde Intimität und Freude primäre Beziehungsziele sein sollten und dass wir und unser Energiesystem genau dafür geschaffen sind.
Menschen in traditionellen Beziehungen sind meist so stark mit ihrer individuellen Energie verbunden, dass ihnen Sicherheit viel wichtiger ist und sie gar nicht anders können, als sich karmisch extrem an ihren Partner anzuhaften.
Wenn das geschieht, verringert sich der Pranafluss durch das eigene Feld. Ohne ausreichenden Pranafluss jedoch ist es kaum möglich, Intimität und Freude dauerhaft zu erfahren. Somit stellt eine traditionelle Beziehung in jedem Fall eine Beschränkung des eigenen energetischen Potenzials dar.
In einer transzendenten Beziehung geht es vielmehr darum, Begrenzungen zu transzendieren.
Sie kann nicht existieren, wenn Partner Ziele verfolgen, die Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude beeinträchtigen oder wenn ein Partner den anderen dominiert, schlecht behandelt oder vernachlässigt.
Andauernde Intimität und Freude können nicht entstehen, wenn Paare ihre Grenzen nicht überwinden können. Um eine transzendente Beziehung zu erlangen, müssen beide Partner die Freiheit haben, sie selbst sein zu können, und diese Freiheit auch dem anderen zugestehen.
Damit beide Partner in einer Beziehung frei und ganz sie selbst sein können, muss jeder sein Energiefeld in einen gesunden Zustand versetzen, damit Prana wirklich frei fließen kann. Außerdem müssen Paare in der Lage sein, in ihrem Energiefeld ›gegenwärtig‹ zu bleiben, denn nur wenn das beiden Partnern gelingt, können sie Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude frei miteinander austauschen.
Das menschliche Energiefeld ist eine riesige interdimensionale Maschine, die den physischen Körper durchdringt. Sie besteht aus energetischen Vehikeln und einem Energiesystem, das diese Vehikel versorgt. Zu diesem System gehören die Chakren (Energiezentren), die Meridiane (Pranaströme), die kleinen Energiezentren (z.B. in den Händen und Füßen) und die aurischen Felder. Letztere sind Prana-Reservoire, die den physischen Körper durchdringen und die energetischen Vehikel umgeben.
Die energetischen Vehikel und das Energiesystem können sich niemals verändern oder irgendwie beschädigt werden – nichts kann ihre Funktion verhindern und vereiteln, dass sie universelle Energie (Prana) ausstrahlen.
Die Wahrheit ist, dass jeder Mensch perfekt ist – genau so, wie er ist, denn jeder ist ein multidimensionales Wesen mit unerschöpflichen Vorräten an Prana. Das bedeutet, dass nichts an Ihnen verbessert werden muss, um eine transzendente Beziehung erfahren zu können. Sie müssen nur lernen, wozu Ihre energetischen Vehikel und Ihr Energiesystem fähig sind, und Sie müssen die Blockaden entfernen, die Ihren freien Pranafluss beeinträchtigen.
Dann können Sie Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude unter allen Umständen mit Ihrem Partner teilen – egal, wie widrig die Umstände oder eventuelle Einmischungen auch sein mögen.
Wie man sein Energiesystem in einen guten und gesunden Zustand versetzt, ist vor allem eine Frage der Technik. So, wie es einem Mechaniker aufgrund seines Wissens und seiner Fähigkeiten möglich ist, ein Auto zu reparieren, müssen auch Partner in einer Beziehung über Wissen und Fähigkeiten verfügen, um ihre Energiefelder in einen Zustand zu versetzen, in dem Prana frei fließen kann.
Im Einzelnen bedeutet das, dass die energetischen Vehikel, die Ihren physischen Körper durchdringen, richtig integriert sein müssen, und das Energiesystem, das die Vehikel unterstützt, muss sie mit Prana versorgen können. Wenn sich Paare das dafür nötige Wissen und die Fähigkeiten aneignen, werden sie den Sprung in eine transzendente Beziehung schaffen können.
Paare, denen das gelungen ist, sprechen leider sehr selten öffentlich über die Vorteile einer transzendenten Beziehung. Um uns also inspirieren zu lassen und mehr Information zu bekommen, wenden wir uns als Metapher einem göttlichen Paar zu.
Im tantrischen Pantheon sind das z.B. Shiva und Shakti. Shiva repräsentiert das Universelle Bewusstsein und Shakti Energie mit universellen Eigenschaften. Es heißt, dass sich Shiva und Shakti in ewiger Umarmung befinden. Für Tantriker symbolisiert ihre Umarmung die Einheit von Bewusstsein und Energie, und genau das erfahren Paare, die den Sprung in eine transzendente Beziehung geschafft haben.
Obwohl uns die Metaphern göttlicher Paare Inspirations- und Informationsquelle sein können, hängt die Fähigkeit, die eigene Beziehung zu transformieren, davon ab, wie sehr Sie Ihrer Transzendenz verpflichtet sind und welche Entscheidungen Sie fällen. Wenn Sie einschränkende Überzeugungen und Glaubenssysteme ablehnen oder aufgeben, wenn Sie ›nein‹ zu Ihren Verhaltensmustern und Anhaftungen sagen und sich stattdessen dafür entscheiden, alle Ihre Ressourcen einzusetzen – mitsamt Ihrem Energiefeld und den Organen Ihres Energiesystems –, um Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude mit Ihrem Partner zu teilen, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis Sie und Ihr Partner die Grenzen der traditionellen Beziehung sprengen werden und eine transzendente Beziehung verwirklichen können.
Ihr Energiefeld und die darin enthaltene Energie sorgen dafür, dass Sie sich ausdrücken, mit Ihrem Umfeld austauschen und Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude mit einem anderen Menschen teilen können.
Das menschliche Energiefeld besteht aus zwei sich ergänzenden Teilen: einer Gemeinschaft energetischer Vehikel, zu denen die Energiekörper, Hüllen und Aurafelder gehören, und dem menschlichen Energiesystem, das diese energetischen Vehikel mit Prana versorgt.
Im menschlichen Energiesystem gibt es vier große Organgruppen: die Chakren, die Meridiane, die kleinen Energiezentren in den Händen und Füßen und die zusätzlichen Energiezentren, die im ganzen Körper verteilt sind. Man kann sich das menschliche Energiesystem als Kraftwerk mit einem Netz aus Außenstellen und Kraftlinien vorstellen, die Bewusstsein in Prana und Prana von einer Frequenz in eine andere umwandeln.
Verdientermaßen kommt den Chakren dabei die meiste Aufmerksamkeit zu, und deshalb werden wir jetzt näher auf sie eingehen.
Chakra ist ein Sanskritwort und bedeutet Rad. Wenn man sein inneres Auge bzw. seine mentale Aufmerksamkeit geschult hat und sich damit ein Chakra näher anschaut, sieht es wie eine leuchtend farbige Scheibe aus, die am Ende von etwas rotiert, das aussieht wie eine lange Achse oder ein Stiel.
Der Durchmesser der Scheibe beträgt ungefähr acht Zentimeter. Der lange Kanal, der hinten von der Scheibe weg verläuft, ist ungefähr 25 Zentimeter lang. In einigen alten Texten werden die Chakren als Miniatursonnen bezeichnet. Jede dieser Sonnen dreht sich und strahlt mit einer anderen Farbeigenschaft unseres Lichtspektrums. Obwohl Prana selbst farblos ist, erhält die Scheibe des Chakras durch die Lichtbrechung eine ganz spezielle Farbigkeit. Wenn das Chakra gesund funktioniert, leuchtet die jeweilige Farbe deutlich und klar. Die Hauptfunktion der Chakren ist, das Universelle Bewusstsein mit den Welten und Dimensionen des physischen und des nichtphysischen Universums zu verbinden. Chakren sind wie Wirbel, durch die Bewusstsein in Prana umgewandelt wird. Anschließend kann das Prana dann durch das menschliche Energiefeld in die äußere Umgebung strahlen. Außerdem wandeln Chakren Prana in bestimmte Frequenzen um – und zwar in genau jene, die von den energetischen Vehikeln in Ihrem Energiesystem benötigt werden.
Im menschlichen Energiesystem gibt es 144 Chakren. Elf davon befinden sich innerhalb des persönlichen Körperraums. Ihr persönlicher Körperraum entspricht genau Ihrem physischen Körper und befindet sich auf den nichtphysischen Dimensionen. Zu den Chakren im persönlichen Körperraum gehören die sieben traditionellen Chakren, zwei ätherische Chakren und zwei physische Chakren.
63 Chakren befinden sich über Ihrem persönlichen Körperraum und beginnen direkt oberhalb des Kronenchakras, und 70 Chakren befinden sich unter Ihrem Körperraum und beginnen direkt unterhalb Ihrer Wirbelsäulenbasis (siehe Abbildung 1).
Abb. 1 Das menschliche Energiesystem
Prana strahlt durch alle 144 Chakren und wird unaufhörlich in genau die Frequenz umgewandelt, die nötig ist, um die Gesundheit Ihres Energiesystems und der energetischen Vehikel, die Ihr Energiesystem unterstützen, zu gewährleisten.
Am Ende dieser CD ist eine Übung, mit der Sie Ihr Herzchakra aktivieren werden. Ihr Herzchakra liegt direkt in Höhe Ihres achten Brustwirbels (siehe Abbildung 2). Im Sanskrit nennt man es Anahata, was so viel wie ›unbesiegt‹ bedeutet. Von seinem Ursprungspunkt in der Wirbelsäule dehnt es sich aus bis nach vorn in die Mitte Ihres Brustbeins.
Abb. 2 Das Herzchakra
Das Herzchakra hat für Paare eine ganz besondere Bedeutung, denn es hilft, die Begrenzungen einer traditionellen Beziehung zu transzendieren. Außerdem bewahrt das Herzchakra Ihre eigenen Rechte.
Auf spiritueller Ebene ist damit das Recht gemeint, spirituell aktiv zu sein und seine spirituellen Erfahrungen – sofern es angebracht ist – mit anderen zu teilen, selbst wenn das eigene Ego, der individuelle Verstand, andere Menschen oder kulturelle Institutionen etwas dagegen haben.
Auf intellektueller Ebene bewahrt das Herzchakra das Recht, Ihrer Intuition zu vertrauen, Ihren Einsichten und den Funktionen Ihres begrenzten menschlichen Bewusstseins, die sich auf intellektuelle oder kreative Weise, verbal durch Metaphern oder durch Schreiben und/oder visuelle Künste manifestieren wollen.
Auf seelischer Ebene bewahrt Ihr Herzchakra Ihr Recht zu fühlen, Emotionen auszudrücken und aufzulösen oder auch – wenn es die Umstände erfordern – nach außen hin zu verbergen. Es gibt vier authentische Emotionen, die aus jeweils einem bestimmten Chakra stammen: Wut ist die authentische Emotion des zweiten Chakras, Angst taucht aus dem dritten Chakra auf, Schmerz kommt aus dem vierten Chakra und Freude taucht als authentische Emotion aus dem fünften Chakra auf. Sie haben das Recht, diese Emotionen auszudrücken, da sie auf diese Weise gelöst werden, und keine äußere Autorität hat das Recht, Ihnen das Gefühl zu geben, sich dafür schämen zu müssen oder sie nicht spontan und angemessen ausdrücken zu dürfen.
Auf ätherischer Ebene – der Ebene der Gefühle – bewahrt Ihr Herzchakra das Recht, authentische Bedürfnisse zu erfahren und zu befriedigen.
Auf physischer Ebene ist es das Recht zu handeln und sich entsprechend der Absicht, des Willens und Verlangens Ihres authentischen Verstandes zu verhalten.
Ihr authentischer Verstand setzt sich aus Ihrem Energiefeld und Energiesystem zusammen sowie Ihrem Gehirn, Ihrem zentralen Nervensystem und Ihren Wahrnehmungs- und Ausdrucksorganen in Ihren physischen und nichtphysischen Körpern.
»In der nun folgenden Übung werden Sie Ihr Herzchakra aktivieren. Das erhöht den Pranafluss durch Ihr Chakra und wird Ihr Wohlbefinden verbessern.
Um Ihr Herzchakra zu aktivieren, setzen Sie sich bequem und aufrecht hin. Dann schließen Sie Ihre Augen und atmen tief, fließend und ohne Unterbrechung durch die Nase ein und aus.
Nach einer kurzen Pause zählen Sie von fünf bis eins rückwärts, wobei Sie jede Zahl dreimal innerlich wiederholen und dabei visualisieren sollen. Anschließend zählen Sie noch mal von zehn bis eins rückwärts. Mit jeder absteigenden Zahl werden Sie spüren, wie Sie tiefer und tiefer in die Entspannung gleiten.
Sie sind jetzt bereit, die Standardmethode anzuwenden, um die Hauptmuskelgruppen in Ihrem Körper zu entspannen. So kommen Ihre Gedanken zur Ruhe, und angestauter Stress kann sich lösen. Außerdem wird es Ihnen dabei helfen, Ihr Herzchakra zu aktivieren und sich darin zu zentrieren. Die Standardmethode besteht aus dem Anspannen und Entspannen jeder einzelnen Muskelgruppe. Um anzufangen, atmen Sie ein und richten Ihre Aufmerksamkeit als Erstes auf Ihre Füße. Spannen Sie Ihre Fußmuskeln so stark wie es geht an, und halten Sie den Atem fünf Sekunden lang an. Dann atmen Sie aus und entspannen Ihre Muskeln. Anschließend atmen Sie wieder tief ein und machen dasselbe mit Ihren Knöcheln und Waden. Danach gehen Sie zu Ihren Knien, Oberschenkeln, Ihrem Po, Becken, dem mittleren und oberen Bauchraum, der Brust, Schultern, Nacken, Armen und Händen über.
Nachdem alle Körperteile einzeln entspannt wurden, spannen Sie Ihre Gesichtsmuskulatur zusammen, und halten Sie die Spannung für fünf Sekunden. Danach lösen Sie die Muskulatur wieder und sagen beim Ausatmen ›Ah‹. Dann öffnen Sie Ihren Mund, strecken Ihre Zunge heraus und strecken Ihre Gesichtsmuskeln, so stark es nur geht – halten Sie die Streckung fünf Sekunden. Dann lösen Sie die Dehnung wieder und sagen wieder ›Ah‹, während Sie ausatmen.
Abschließend ziehen Sie noch einmal all Ihre Körpermuskeln zusammen – auch die Ihres Gesichts. Nach fünf Sekunden stoßen Sie den Atem durch Ihre Nase aus und entspannen sich.«
Avril und Dieter lauschten auf Trumans Stimme und machten synchron zu seinen Anweisungen alle Etappen der vorbereitenden Übungen mit. Nachdem sie die Standardmethode absolviert hatten, forderte Trumans Stimme sie dazu auf, mit ganz normaler Stimme zu sagen: »Es ist meine Absicht, mein Herzchakra zu aktivieren.« Avril und Dieter wiederholten den Satz. Trumans Stimme betonte, sich dabei nicht auf Gedanken, Gefühle und Emotionen einzulassen und ihnen zu widerstehen, falls sie während der Meditation in ihrem Bewusstsein auftauchen sollten. Nach 15 Minuten zählte er von eins bis fünf und brachte Avril und Dieter aus der Übung heraus.
Nachdem beide ihre Augen wieder geöffnet hatten, griff Dieter liebevoll nach Avrils Hand und drückte sie zärtlich: »Na – meinst du, wir haben ein bisschen was erreicht?«
»Ich denke, es wird schon schiefgehen«, erwiderte Avril zuversichtlich. »Truman weiß doch, dass wir in Florida waren und mit meinem kranken Vater alle Hände voll zu tun hatten.«
Dieter nickte und sagte dann ganz unerwartet: »Avril, seien wir mal ehrlich – glaubst du wirklich, wir sind bereit, eine transzendente Beziehung einzugehen?«
»Ich denke, wir sind wie alle anderen Menschen genau dafür geboren«, erwiderte Avril mit einem Lächeln. »Wir werden es schon schaffen. Lass uns jetzt schlafen – morgen wird ein anstrengender Tag.«
Dieter löschte das Licht.
Es war Dienstag, und Avril war im Büro. Mit skeptischem Gesichtsausdruck sah sie durch den gläsernen Raumteiler dabei zu, wie Janet eine Akte von ihrem Schreibtisch nahm und auf Avrils Büro zuwatschelte. Janet war im siebten Monat schwanger. Das Extragewicht, das sie zu tragen hatte, behinderte nicht nur ihre Bewegungsfreiheit, sondern auch ihre Fähigkeit, Avril zu assistieren. Nachdem sie die Akte auf Avrils Tisch abgelegt hatte, unterdrückte sie ein Stöhnen und verließ mit leicht genervtem Gesichtsausdruck Avrils Büro.
Janet hatte eine schwierige Schwangerschaft und war auf sich allein gestellt. So kam es, dass Avril viel von Janets eigentlicher Arbeit übernehmen musste. Außerdem war sie ständig am Nörgeln und projizierte. Ihre Nörgeleien waren schon schlimm genug, aber dass sie ihre Wut, ihre Unzufriedenheit und Verächtlichkeit auch noch ständig projizierte, war mehr, als Avril ertragen konnte – besonders von einer Untergebenen.
Schon bevor sie Truman begegnete, besaß Avril die Fähigkeit zu spüren, wenn jemand an sie dachte, etwas von ihr wollte oder ihr etwas übelnahm. Aber erst von Truman lernte sie, dass Gedanken Energiewellen sind, die Menschen aufeinander projizieren können, und dass diese projizierten Wellen in Form von Absichten, Verlangen oder Willen die Zielperson beeinflussen können.
Truman betonte immer wieder, wie wichtig das Thema Projektionen ist und dass man sie überwinden muss. Avril war ganz seiner Meinung.
Seit sie mit Truman arbeitete, hatte sie viel darüber gelernt, wie ihr Energiefeld funktionierte und wie es von externen Projektionen beeinflusst werden konnte. Sie hatte erfahren, dass sich Projektionen in Form von Schichten im eigenen Energiefeld ablagern können, sofern man sich mit ihnen identifiziert, und auf diese Weise zu karmischem Gepäck werden. Sie wusste inzwischen auch, dass karmisches Gepäck in der Lage ist, sich in Beziehungen einzumischen, indem es die eigene Ausdrucksfähigkeit oder offene Kommunikation beeinträchtigt. Avril hatte inzwischen gelernt, dass man karmisches Gepäck daran erkennen kann, dass es individuelle Eigenschaften besitzt, die sich oftmals schwer und dicht anfühlen.
In einer ihrer ersten Sitzungen hatte Truman erklärt, dass karmisches Gepäck und Projektionen meist aus nichtphysischen Wesen bestehen, die sogar in der Lage sind, unauthentische Verlangen auszubilden. Diese Verlangen spiegeln die Bedürfnisse und Wünsche der Wesen wider und nicht die des eigenen authentischen Verstandes, und sie verfolgen stets ganz eigene Absichten. Wenn man ihnen nachgibt, können sie Anhaftungen verursachen und intime Beziehungen schwer beeinträchtigen.
Truman hatte ihr aber auch von authentischen Verlangen erzählt. Im Gegensatz zu unauthentischen Verlangen unterstützen sie intime Beziehungen, indem sie Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude verstärken. Seit Avril wieder zurück aus Florida war, wollte sie unbedingt mehr darüber erfahren. Am meisten begeisterte sie jedoch die Möglichkeit, ihre Beziehung mit Dieter transformieren zu können.
Ihr nächster Termin mit Truman stand bevor, und so packte sie eifrig ihre Aktentasche ein, räumte ihren Schreibtisch auf und machte sich bereit zu gehen. Es war Viertel vor zwölf, und sie und Dieter waren vorher noch zum Mittagessen im Drake Hotel verabredet. Anschließend hatten sie ihren gemeinsamen Termin bei Truman. Als Avril das Büro verließ, wurde Janet aufmerksam.
»Ich gehe Mittag essen«, sagte Avril.
»Triffst du dich mit Dieter?«
Avril legte ihren Kopf leicht zur Seite und erwiderte mit überraschtem Lächeln: »Du hast deinen Beruf verfehlt, Janet. Du hättest Hellseherin werden sollen.«
»Es steht in deinem Kalender«, erwiderte Janet schnippisch.
Avril nickte wissend. »Ich habe keine weiteren Termine heute«, sagte sie. »Also, wir sehen uns morgen.«
»Vergiss bitte Friedmann nicht«, erwiderte Janet. »Ich habe ihm gesagt, euer Termin ist morgen um zehn.«
»Mach dir deshalb keine Sorgen, Janet. Wenn er heute noch anruft, sag ihm, ich wäre in einem Meeting. Wenn er darauf besteht, mich persönlich zu sprechen, kann er mich übers Handy erreichen.«
Avril winkte Janet zu. Dann ging sie energisch aus der Tür und den Flur entlang in Richtung Fahrstuhl.
Als Avril am Drake Hotel ankam, sah sie Dieter schon vor dem großen Schaufenster des Bistros sitzen, von dem aus man die ganze Pine Street entlangschauen konnte. Statt seines üblichen Anzugs trug er heute Baumwollhosen und ein leichtes Hemd. Zusammen mit seinem dicken, lockigen Haar ließ ihn dieser ungewohnte Aufzug eher wie einen Kunsthändler aussehen als einen Psychotherapeuten.
Dieter erblickte Avril und winkte ihr zu. Er lächelte, während er an seiner Tasse Chai nippte und sie sich ihren Weg entlang etlicher besetzter Tische zu ihm durch bahnte. Um sich Dieters Aufmerksamkeit zu sichern, trug Avril ihr langes rotbraunes Haar offen. Die leichte Jacke hatte sie ausgezogen, damit er sich an dem weißen Leinenkleid, das sie trug, erfreuen konnte. Es war eines ihrer Lieblingsstücke. Ihr offenes Haar und ihre luftige Aufmachung ließen sie viel jünger aussehen als 37.
Sie legte ihre schwere Tasche auf einen der Stühle und lehnte sich hinüber, um Dieter einen Kuss zu geben. »Hast du schon bestellt?«
»Nur den Tee. Gibt es Neuigkeiten von deinem Vater?«
Avril setzte sich und schüttelte den Kopf. »Nur was ich dir schon am Telefon erzählt habe. Raymond ist bei ihm. Sein Zustand ist stabil. Wenn’s dir nichts ausmacht, würde ich lieber nicht über Raymond oder meinen Vater sprechen.«
Dieter kniff die Lippen zusammen und nickte.
Avril ergriff die Speisekarte und fächelte sich Luft zu. Dann legte sie sie wieder hin und fingerte nervös daran herum. »Komm ich dir irgendwie komisch vor?«, fragte sie.
»Wieso fragst du das?«
»Weil ich glaube, dass ich noch den Verstand verliere, wenn ich Janets Launen noch länger ertragen muss.«
»Du wirst deinen Verstand nicht verlieren. Weder Truman noch ich würden das zulassen.«
»Da bin ich mir nicht so sicher.« Avril griff wieder zur Speisekarte und fächelte sich erneut Luft zu. Dann seufzte sie und lehnte sich schwer in ihrem Stuhl zurück. Einen Augenblick später kam die Bedienung. Avril hatte sich schon entschieden und bestellte einen Meeresfrüchtesalat. Dieter schaute einen Moment in die Karte und fragte dann die Kellnerin, wie der California-Salat sei.
»Der ist wirklich gut«, antwortete sie. »Den hatte ich gestern.«
»Dann nehme ich den – aber ohne die Putenbrust, und die Vinaigrette bitte extra.«
Die Kellnerin verschwand.
Avril schüttelte überrascht ihren Kopf. »Hab ich etwas nicht mitbekommen?« Sie wusste, dass Dieter normalerweise recht gerne Fleisch aß.
»Was meinst du?«, fragte Dieter und hob die Augenbrauen.
»Wirst du jetzt etwa Vegetarier?«
»Wäre das ein Problem für dich?«
Avril grinste Dieter breit an. Dann legte sie ihre Hände wie ein Swami aneinander und fragte: »Tust du das aus religiösen Gründen?«
»Nein, eher für unsere Beziehung.«
»Das ist nicht dein Ernst.«
»Natürlich ist das mein Ernst.«
Avril sah Dieter skeptisch an. Dann wischte sie sich die Haare von den Augen und sagte: »Ich habe erst kürzlich gelesen, dass zu viel Salat den Testosteronspiegel eines Mannes vermindern kann.«
»Ja, und?«
»Da du schon auf die 50 zugehst, ist es vielleicht keine so gute Idee, jetzt noch Vegetarier zu werden.«
»Mein Knochenalter beträgt 42.«
»Aber du bist 47.«
Dieter schüttelte weit ausladend den Kopf. Bevor er jedoch etwas erwidern konnte, kam die Bedienung mit dem Essen. Die beiden aßen, ohne zu reden. Avril war Dieters Entschluss, seine Ernährung plötzlich umzustellen, irgendwie suspekt, aber sie beschloss, nicht weiter nachzubohren. Nachdem sie aufgegessen und Dieter bezahlt hatte, verließen sie das Restaurant.
Es war fast zwei Uhr, und die Pine Street, die vor kurzem noch voller Menschen war, erschien beinahe leer. Das lag vor allem an der heißen Luft, die über Columbia George nach Portland gezogen war und die Straßen unerträglich heiß werden ließ.
Nach einer kurzen Wegstrecke erreichten Avril und Dieter Trumans Büro. Truman stand schon an der Tür und begrüßte beide mit einem breiten Lächeln. Er hatte sich in den vergangenen vier Monaten überhaupt nicht verändert. Seine schlanke Gestalt verbarg er noch immer in luftiger, weiter Kleidung. Sein schmales Gesicht und seine blauen Augen wirkten aufrichtig und freundlich, und nur sein dickes, graumeliertes Haar ließ erahnen, dass er bereits 52 war.
Trumans Büro lag in einem renovierten Backsteingebäude, das einst als Lagerhaus gedient hatte. Sein Büro war hell und geräumig mit hohen Decken und Fenstern zu beiden Seiten. In einer Ecke standen ein Schreibtisch und in der Mitte des Raumes zwei schwere Stühle und eine mit Wildseide bezogene Couch. Zwischen den Sitzmöbeln befand sich ein Beistelltisch, auf dem wie immer liebevoll Kaffee, Tee und einige Kleinigkeiten bereitgestellt waren.
Avril und Dieter nahmen ihre gewohnten Plätze ein, und Truman setzte sich auf die Couch ihnen gegenüber. Er deutete auf den Beistelltisch. »Wie Sie sehen, hat sich nichts verändert, greifen Sie zu.«
Während Truman und Dieter sich zu unterhalten begannen, bereitete Avril zwei Tassen Kaffee und einen Teller mit etwas Kuchen zu. Dann reichte sie Dieter seine Tasse.
Truman lächelte die beiden wohlwollend an und sagte: »Warum erzählen Sie mir nicht, was inzwischen so alles geschehen ist?«
Avril und Dieter sahen sich an. »Fang du an«, sagte Dieter.
Avril zögerte. Dann lehnte sie sich nach vorne und räusperte sich. »Nun ja, wie Sie wissen, habe ich die letzten vier Monate in Florida verbracht. Dieter ist mit mir zusammen runtergeflogen, konnte aber nur die ersten zwei Wochen bleiben. Netterweise war er auch hin und wieder am Wochenende da. Einmal haben wir einen Ausflug zum Affendschungel gemacht, ein anderes Mal zum Cape Kennedy und andere Dinge. Aber es war schwer mit meinem Vater. Seit meine Mutter tot ist, ist er fordernder als je zuvor. Am schlimmsten allerdings war, dass die Ärzte ihre Diagnose öfter wechselten als ich meine Unterwäsche.«
»Aber Sie haben es doch überstanden.« Truman machte eine ausladende, mitfühlende Geste.
»Da bin ich mir nicht so sicher«, erwiderte Avril und sah zu Boden. »Seit ich wieder da bin, bin ich irgendwie sehr reizbar, besonders gegenüber Dieter.« Sie seufzte. Ihr Ausdruck schien sich zu verändern, und sie kniff die Augen zusammen. »Er hat sich übrigens plötzlich dazu entschlossen, kein Fleisch mehr zu essen und Vegetarier zu werden.«
»Stimmt das?«, wollte Truman wissen.
»Sie übertreibt«, erwiderte Dieter. »Ich will mir nur hauptsächlich rotes Fleisch und Junk-Food verkneifen. Ich esse jetzt mehr Obst und rohes Gemüse, denn ich habe gelesen, dass Rohkost den Alterungsprozess verlangsamen soll.«
»Ich wusste gar nicht, dass du ein Problem damit hast, älter zu werden.«
»Hab ich auch nicht«, rief Dieter aus.
»Ich glaube, darum geht es auch nicht«, warf Truman ein. »Es scheint eher so, als ob Avril Sie nur ein wenig ärgern will.«
Dieter atmete geräuschvoll ein und nickte wissend. »Ja, wahrscheinlich haben Sie recht.«
»Auf jeden Fall ist es schön, dass Sie beide wieder da sind«, sagte Truman. »Bevor wir gleich anfangen – hat einer von Ihnen irgendwelche Fragen?«
Avril und Dieter schüttelten die Köpfe.
»Aber ich bin schon ganz aufgeregt, dass wir den nächsten Schritt wagen«, sagte Avril enthusiastisch. Ihre Stimmung schien sich wieder aufzuhellen.
»Ja, ich weiß. Aber bevor wir das tun, möchte ich Sie ein allerletztes Mal fragen, ob Sie sich absolut sicher sind, alles Notwendige tun zu wollen, um eine transzendente Beziehung zu erlangen?«
Avril sah erst Dieter an und wandte sich dann an Truman: »Das wollen wir beide. Und wir glauben auch fest, dass das der Grund ist, warum wir zusammen sind.«
»Eine transzendente Beziehung ist unsere höchste Priorität«, fügte Dieter hinzu.
»Das ist gut, denn man erlangt keine transzendente Beziehung, solange man ihr nicht allerhöchste Priorität einräumt und man bereit ist, alles zu tun, was dafür nötig ist.«
»Ich glaube, wir wissen beide, dass Arbeit dazugehört.«
Truman sah Avril und Dieter einen Moment lang konzentriert an. Dann sagte er: »Sehr gut, dann fasse ich für Sie jetzt noch mal zusammen, was wir über Tantra wissen, und dann machen wir weiter.«
Truman lehnte sich in seinem Sitz zurück und begann: »Bereits vor mehr als tausend Jahren erkannten die Meister des Tantra, dass der Mensch und seine Beziehungen eine Spiegelung des gesamten Universums sind, oder besser gesagt, das gesamte Universum als Mikrokosmos. Laut Tantra besteht das Universum aus der Einheit männlicher und weiblicher Prinzipien, die durch das göttliche Paar Shiva und Shakti repräsentiert werden. Den Tantrikern nach ist die Ekstase, die ein Paar erlebt, das Einheit miteinander erfährt, identisch mit der Ekstase, die das göttliche Paar miteinander erfährt. Deshalb hat die menschliche Beziehung im Tantra eine viel größere Bedeutung und geht weit über zusammen essen, miteinander schlafen und Kinder kriegen hinaus. Die tantrische Beziehung ist nicht mehr oder weniger als ein Vehikel zur Transzendenz.«
»Ich weiß zwar, dass Tantra die Grundlage ist von dem, was wir hier tun«, warf Dieter ein, »aber Tantra wurde vor Hunderten von Jahren entwickelt, als die Welt noch ganz anders war. Glauben Sie wirklich, dass diese Prinzipien heute noch anwendbar sind?«
»Nun, in den Hunderten von Jahren, seit tantrische Meister die Geheimnisse transzendenter Beziehungen enthüllt haben, hat sich nichts Grundlegendes verändert, und daher gelten diese Prinzipien noch heute. Deshalb können Avril und Sie die Dinge, die Sie hier lernen werden, auch einsetzen, um Ihre Beziehung zu transformieren.«
»Aber, muss man nicht seelenverwandt sein oder auf ganz besondere Art und Weise miteinander harmonieren, um eine transzendente Beziehung eingehen zu können?«, wollte Avril wissen.
»Den perfekten Partner gibt es nicht«, antwortete Truman verständnisvoll. »Wenn man seinen Partner liebt und die Chemie sexuell stimmt, dann ist auch das Potenzial vorhanden, Begrenzungen zu überwinden und seine Beziehung zu transformieren. Ob man dabei erfolgreich ist oder nicht, hängt meist davon ab, wie verpflichtet man dem Transformationsprozess ist und wie viel Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude man in der Lage ist, miteinander zu teilen.«
»Klingt machbar«, sagte Dieter und schmunzelte.
»So einfach ist es nicht, Dieter – aber auch nicht so schwer, wie manche vielleicht glauben. Auf jeden Fall müssen Sie erst mal lernen, orgasmische Glückseligkeit miteinander zu erfahren. So nennen die Tantriker den Zustand, den das göttliche Paar Shiva und Shakti miteinander erfährt.«
»Haben Sie nicht gerade gesagt, es würde einfach sein?«, rief Avril aus.
»Das ist es auch, Avril, denn auf Ihren tiefsten Ebenen befinden Sie sich bereits in orgasmischer Glückseligkeit. Alles, was es zu tun gibt, ist, Ihr Unbewusstsein zu überwinden und diesen Zustand wieder bewusst wahrzunehmen. Bevor Sie das tun, müssen Sie allerdings noch einiges über Shakti lernen, denn durch Shakti und die universellen Eigenschaften, die aus ihr auftauchen, wird das Erfahren orgasmischer Glückseligkeit überhaupt erst möglich.«
Avril stöhnte und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück.
»Moment«, sagte Dieter, »jetzt bin ich aber verwirrt. Sie haben uns mal erzählt, dass Glückseligkeit ein Bewusstseinszustand ist und dass Bewusstsein immer Shiva entspricht. Wenn das stimmt, versteh ich nicht, wieso orgasmische Glückseligkeit jetzt auch mit Shakti zu tun hat.«
»Nun, orgasmische Glückseligkeit steht in direkter Verbindung mit Shakti, weil es sich dabei um einen beständigen Zustand tief in unserem Energiefeld handelt, der durch die Einheit von Bewusstsein (Shiva) und Energie (Shakti) entsteht. Erst wenn Bewusstsein und Energie eins geworden sind und man diesen Zustand wieder bewusst erfährt, schafft das in Ihrem Innern einen sicheren Hafen, einen Ort, an dem nichts das Erfahren einer transzendenten Beziehung beeinträchtigen kann.«
»Irgendwie hilft mir diese Beschreibung noch nicht weiter«, sagte Dieter und runzelte die Stirn.
»Ich weiß, es ist nicht leicht«, erwiderte Truman, »aber Sie können mir glauben, dass orgasmische Glückseligkeit mit Shiva und Shakti zu tun hat, auch wenn Worte das schwerlich beschreiben können. Stellen Sie sich z.B. das Ausmaß der Erregung kurz vor einem Ganzkörperorgasmus zusammen mit der Befriedigung während und der anschließenden Entspannung danach vor. Dann haben Sie eine ungefähre Ahnung davon, wie sich orgasmische Glückseligkeit anfühlt. Es ist ein zeitloser Zustand, der wie ein elektrisches Summen in Ihrer bewussten Wahrnehmung auftaucht und Sie mit Lebendigkeit, Kreativität und einer Liebe zum Leben erfüllt, die durch Ihr ganzes Energiefeld und Ihren physischen Körper strahlt.«
Dieter nickte zustimmend und sagte: »Ich glaube, jetzt verstehe ich es besser.«
»Gut, dann machen wir weiter. Die Tantriker sagen, dass Shakti die treibende Kraft der Evolution war, nachdem sie aus dem Universellen Bewusstsein aufgetaucht ist. Shakti ist für die Mannigfaltigkeit des Lebens verantwortlich, und die gibt es sowohl im physischen als auch im nichtphysischen Universum.
Ohne Shakti gäbe es kein Universum der Erscheinungen, keine fühlenden Wesen mit Wahrnehmungsorganen, die das Universum bevölkern, und kein Vergnügen, keine Liebe, Intimität und Freude, durch die Menschen eine transzendente Beziehung erfahren könnten.
Shakti strahlt Energie mit universellen Eigenschaften in jede Dimension und verbindet alles auf allen physischen und nichtphysischen Dimensionen miteinander. Alles, was existiert, eine Gestalt besitzt und Raum einnimmt, schuldet Shakti seine Existenz. Sie unterstützt alles und liefert das Medium, das jedem Ding ermöglicht, sich zu bewegen und seine ganz bestimmte Schwingung oder Resonanz auszudrücken.«
Dieter meldete sich mit einer Handgeste zu Wort.
»Sie müssen sich nicht melden, Dieter, wir sind nicht in der Schule.«
»Ja, ich weiß«, sagte Dieter und lachte. »Ich wollte nur fragen, ob Shakti in verschiedenen Traditionen auch unter verschiedenen Namen bekannt ist.«
»Ja, das ist sie. Dabei müssen Sie jedoch berücksichtigen, dass Shakti allein schon im Tantra sowohl das göttlich Weibliche als auch Energie verkörpert. Als Manifestation von Energie nennt man sie auch Prana. Solange sie schlafend an der Wurzel der menschlichen Wirbelsäule liegt, nennt man sie Kundalini-Shakti. Bei den Taoisten ist sie als Ki oder Chi bekannt. Wichtig ist, dass man weiß, dass Shakti ausschließlich universelle Eigenschaften besitzt, und die verändern sich niemals – egal, welchen Namen sie trägt.«
»Halt, stopp!«, Avril schwenkte die Arme, als würde sie den Verkehr regeln wollen, und sagte dann: »Wir reden immer wieder von Energie mit universellen Eigenschaften. Ganz ehrlich gesagt weiß ich bis heute noch nicht, ob ich wirklich begreife, was Sie damit meinen.«
»Es ist auch nicht leicht, universelle Eigenschaften zu begreifen«, antwortete Truman.
»Ich kann Ihnen aber sagen, dass es sich dabei um lebensbejahende Eigenschaften handelt, die Menschen auf direkteste und freudvollste Art und Weise zusammenbringen.«
Avril setzte erneut zum Reden an, aber Truman deutete ihr mit der Hand, zu warten. »Mit zusammenbringen meine ich nicht, dass Shakti Menschen auf ungesunde Weise aneinanderhaftet, was zu Abhängigkeit und Unfreiheit führt. Ich meine vielmehr, dass sie Sie mit Lebendigkeit, Selbstbewusstsein und eigener Kraft anfüllt. Außerdem stärkt Shakti den Charakter, denn sie verleiht mehr Disziplin, Mut, Geduld, Ausdauer und vieles andere mehr. Auch Vergnügen, Liebe, Intimität und Freude gehören zu den universellen Eigenschaften, und sie sind es, wovon ich rede – niemandem Schaden zufügen zu wollen gehört ebenfalls dazu.«
»Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, gibt es ein Universum aus Energie mit individuellen Eigenschaften und gleichzeitig eines aus Energie mit universellen Eigenschaften, das die Grundlage einer transzendenten Beziehung ausmacht.«
»Genau das meine ich, Dieter, und damit stehe ich nicht alleine. Die Tantriker erkannten bereits vor langer Zeit, dass es zwei Energiefelder gibt – ein Feld mit individuellen Eigenschaften, das sich ständig verändert, und eines, das ausschließlich universelle Eigenschaften aufweist und sich niemals verändert. Das erste nannten sie Maya und das zweite das Feld der Shakti. Diese Einsicht übertrugen sie dann auf ihre menschlichen Beziehungen und lernten, im Feld der Shakti zentriert zu bleiben. Wenn sie das taten, konnten sie die Mauern in sich niederreißen, die für das Gefühl der Trennung verantwortlich waren und sie davon abhielten, Einheit zu erfahren. Zentrierten sie sich jedoch im Feld der Maya, blieben sie ihrem individuellen Verstand und ihrem Ego verhaftet und deren Beschränkungen. Das Gefühl der Trennung verstärkte sich.«
»Ist denn das Feld der Shakti überall?«
»Ja, das ist es. Sowohl das physische als auch das nichtphysische Universum werden vom Feld der Shakti durchdrungen.«
Avril nickte zufrieden. »Ich denke, jetzt versteh ich es.«
»Sehr gut, denn gleich werden Sie und Dieter in Ihrem Energiefeld gegenwärtig werden und anschließend orgasmische Glückseligkeit in Ihre bewusste Wahrnehmung bringen. Zuvor jedoch müssen Sie noch eine Sache wissen – orgasmische Glückseligkeit ist nicht für irgendjemand Besonderen wie eine bestimmte oder erwählte Gruppe von Menschen reserviert, die einer bestimmten Doktrin anhängen. Der Zustand, von dem ich spreche, hat immer in Ihnen existiert – genau wie in jedem anderen Menschen auf dieser Welt –, egal, zu welcher Kultur er gehört oder ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.«
»Bevor wir anfangen, möchte ich aber noch etwas beichten«, sagte Avril kleinlaut. »Ich habe seit Wochen nicht meditiert, um in meinem Feld gegenwärtig zu werden.«
»Ich auch nicht«, fügte Dieter hinzu.
»Dann sollten wir es vielleicht noch mal wiederholen.« Truman setzte sich zurück und sah Avril und Dieter an. »Wie Sie sich vielleicht erinnern, habe ich Ihnen beigebracht, dass man im ewig gegenwärtigen Jetzt zentriert bleiben und Vergangenheit und Zukunft loslassen muss, wenn man sein karmisches Gepäck und externe Projektionen überwinden will. Auch orgasmische Glückseligkeit verlangt nach dem Hier und Jetzt.
Leider aber können die meisten Menschen nicht lange im eigenen Feld gegenwärtig bleiben. Oft positionieren sie sich entweder eher auf der Vorder- oder der Rückseite ihres Energiefeldes. Das kann man erkennen, wenn man Menschen beobachtet. Viele laufen entweder leicht nach hinten oder vornüber gebeugt, sie atmen kurz und unvollständig, und ihre Stimmen kommen nicht tief aus ihrem Zentrum heraus. All dies sind Anzeichen dafür, dass der Betroffene nicht richtig in seinem Energiefeld und dem ewig gegenwärtigen Jetzt zentriert ist.
Tantrische Meister gehörten zu den Ersten, die erkannten, wie wichtig es ist, gegenwärtig zu sein. Sie fanden heraus, dass Menschen, die sich vorn in ihrem Energiefeld positionierten oder ihren Körper stets nach vorne beugen, eher auf die Zukunft ausgerichtet sind. Menschen hingegen, die sich im hinteren Bereich ihres Energiesystems positionieren und deren Haltung nach hinten kippt, sind eher vergangenheitsbezogen. Diese Einsichten ließen sie zu dem Ergebnis kommen, dass es unabdingbar war, in seinem Energiesystem gegenwärtig zu sein – dort, wo das ewige Hier und Jetzt existiert –, sofern man orgasmische Glückseligkeit erfahren will.«
»Wie sind sie denn in ihrem Energiesystem gegenwärtig geworden?«
»Sie benutzten ihre Absicht – genau wie Sie.«
Dieter wandte sich an Avril: »Erinnerst du dich? Truman hat uns gesagt, dass unsere Absicht genauso einsetzbar ist wie ein Software-Programm für den Computer.«
»Guter Vergleich«, warf Truman ein. »Ein Software-Programm befiehlt dem Computer, eine bestimmte Aufgabe oder eine Reihe von Aufgaben auszuführen. Genau das kann auch Ihre Absicht. Damit das richtig funktioniert, ist es wichtig, dem Impuls zu widerstehen, sich dabei zu beobachten, es zu hart zu versuchen oder Meinungen und Selbstzweifel aufkommen zu lassen. Wir können es gleich noch mal probieren; denn ich möchte Ihnen anschließend noch das Mudra für orgasmische Glückseligkeit zeigen. Aber jetzt werde ich Ihnen erst noch einmal beibringen, gegenwärtig zu werden. Bitte, schließen Sie Ihre Augen.«
Nachdem Avril und Dieter die Augen geschlossen hatten, bat Truman sie, tief durch die Nase ein- und auszuatmen, ohne dazwischen den Atem anzuhalten.
Nach einer kurzen Pause ließ er sie von fünf bis eins rückwärtszählen. Dann sagte er: »Wenn Sie rückwärtszählen, wiederholen Sie im Geist jede der Zahlen drei Mal. Nehmen Sie sich Zeit, und lassen Sie Ihren Geist dabei so kreativ sein, wie er möchte.«
Nachdem Avril und Dieter von fünf bis eins gezählt hatten, ließ Truman sie folgende Affirmation wiederholen: »Ich bin jetzt tief entspannt und fühle mich besser als zuvor.«
Anschließend forderte Truman die beiden auf, von zehn bis eins rückwärtszuzählen und dabei mit jeder abnehmenden Zahl tiefer in sich selbst hineinzusinken. Bei eins angelangt, gab er ihnen eine weitere Affirmation: »Jedes Mal, wenn ich auf diese Bewusstseinsebene gelange, kann ich immer größere Bereiche meines Geistes auf immer kreativere Art und Weise nutzen.«
Als sie fertig waren, fuhr Truman fort: »Sie werden jetzt die Standardmethode anwenden, um die Muskeln Ihres Körpers zu entspannen. Atmen Sie ein, und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Füße. Spannen Sie Ihre Fußmuskulatur so fest wie es geht an, und halten Sie Spannung und Atem fünf Sekunden lang an. Dann atmen Sie aus und lassen Ihre Fußmuskulatur wieder los. Danach atmen Sie wieder tief ein und machen das Gleiche mit Ihren Waden und Knöcheln. Anschließend verfahren Sie genauso mit Ihren Knien, Oberschenkeln, ihrem Po und Becken, dem mittleren und oberen Bauch, der Brust, den Schultern, Armen und Händen. Nachdem Sie all diese Bereiche angespannt und wieder entspannt haben, spannen Sie Ihre Gesichtsmuskulatur an und halten die Spannung fünf Sekunden. Danach lassen Sie los und sagen ›Ah‹, während Sie ausatmen. Dann öffnen Sie Ihren Mund, strecken Ihre Zunge aus und strecken die Muskulatur ihres Gesichts, so stark Sie nur können. Auch die Streckung halten Sie für fünf Sekunden, lassen sie dann los und sagen beim Ausatmen ›Ah‹. Zum Schluss spannen Sie noch mal Ihren ganzen Körper an – auch Ihre Gesichtsmuskulatur – und halten dabei für fünf Sekunden Luft und Anspannung an. Danach stoßen Sie die Luft durch Ihre Nase aus und entspannen sich.«
Truman gab Avril und Dieter einige Minuten, um die Auswirkungen der Standardmethode zu genießen. Dann sagte er: »Jetzt möchte ich, dass Sie sagen: ›Es ist meine Absicht, in meinem Energiesystem gegenwärtig zu werden und meine Wahrnehmungsorgane nach innen zu richten.‹«
Truman gab Avril und Dieter einige Momente, um die Veränderung zu erfahren. Dann fügte er hinzu: »Ich werde jetzt von eins bis drei zählen. Bei drei öffnen Sie bitte Ihre Augen, aber fokussieren Sie auf nichts. So fällt es Ihnen viel leichter, in Ihrem Energiesystem gegenwärtig zu bleiben und das Mudra für orgasmische Glückseligkeit auszuführen.«
»Mit Mudras haben wir bisher noch nicht gearbeitet – Sie sollten wissen, dass es sich dabei um symbolische Gesten handelt, die man mit den Händen und Fingern und manchmal zusätzlich noch mit Zunge und Füßen ausführt. Es gibt sie schon seit Ewigkeiten, und auch heute noch sind sie in vielen Kulturen üblich. Jedes Mudra hat eine bestimmte Auswirkung auf Ihr Energiefeld und den Energiefluss darin. Das Mudra für orgasmische Glückseligkeit ist einzigartig, denn es ist ausschließlich darauf angelegt, orgasmische Glückseligkeit in Ihre bewusste Wahrnehmung zu bringen, sobald Sie in Ihrem Energiesystem gegenwärtig geworden sind.
Um das Mudra auszuführen, legen Sie Ihre Zungenspitze oben an Ihren Gaumen. Gleiten Sie dann mit der Spitze langsam nach hinten bis zu dem Punkt, an dem der Knochen aufhört und der weiche Bereich des Gaumens beginnt. Wenn sich Ihre Zunge in dieser Position befindet, legen Sie Ihre Fußsohlen aneinander. Dann führen Sie Ihre Hände vor Ihrem Solarplexus zusammen und legen Ihre Daumen Spitze an Spitze zusammen. Dann rollen Sie Ihre Zeigefinger nach innen und legen sie an den Außenseiten von der Spitze bis zum ersten Gelenk aneinander. Ihre Mittelfinger rollen Sie ebenfalls nach innen und legen sie an der Außenseite vom ersten bis zum zweiten Gelenk aneinander. Die Ring- und kleinen Finger rollen Sie einfach locker in Richtung Handfläche ein (siehe Abbildung 3). Wenn sich Zunge, Füße und Hände in der richtigen Position befinden, schließen Sie Ihre Augen und atmen durch Ihre Nase.«
Abb. 3 Das Mudra für orgasmische Glückseligkeit
Truman ließ Avril und Dieter zehn Minuten, um das Mudra auszuführen, während sie weiterhin in ihrem Energiefeld gegenwärtig blieben. Als die Zeit um war, sagte er: »Jetzt lösen Sie das Mudra wieder, indem Sie zuerst Ihre Finger lösen. Danach lösen Sie Ihre Fußsohlen voneinander und rollen dann erst Ihre Zunge zurück. Um wieder in den gewohnten Bewusstseinszustand zu gelangen, zählen Sie von eins bis fünf. Bei fünf öffnen Sie bitte die Augen. Sie werden sich hellwach fühlen, vollkommen entspannt und besser als zuvor.«
Nachdem Avril und Dieter ihre Augen geöffnet hatten, gab Truman ihnen einige Minuten, um zu ihrem normalen Bewusstseinszustand zurückzufinden. Dann erkundigte er sich, wie es gelaufen war. Avril sah sich einige Momente lang im Raum um, streckte dann ihre Arme aus und sagte: »Mir ist, als würde es in mir summen, und ich fühl mich dabei sehr friedlich und zufrieden.«
Dieter nickte zustimmend. »Genauso fühl ich mich auch.«
»Diese Erfahrung ist recht häufig«, erwiderte Truman. »Den meisten Menschen geht es so, wenn sie das Mudra zum ersten Mal anwenden.«
Er lehnte sich nach vorne, schaute kurz auf seine Uhr und lächelte. »Wenn Sie das Mudra jeden Tag machen, wird die Wirkung immer stärker werden. Nach nicht allzu langer Zeit wird die Außenwelt dadurch immer mehr in den Hintergrund rücken, und Sie werden einen zeitlosen Zustand des Friedens spüren.«
»Das klingt ja toll«, sagte Avril begeistert.
