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"Liebesbriefe von Alice." ist die Zusammenfassung von 3 x 13 Briefen der gleichnamigen Kolumne, die seit Januar 2016 in der virtuellen Welt erscheint. Ein Wochenrückblick über Themen, die Alice bewegten und immer in Verbindung mit Liebe. Ein Buch über Liebe und Glück im alltäglichen Leben, über Düsseldorf, New York und andere Teile der Welt, über Frühlingsgefühle und bedingungslose Liebe, über das glücklichste Volk der Welt und das "Brutto-Nationalglück", über Elefanten und Kamele, über Verbundenheit, Mitgefühl und Vertrauen, über die "Hokule´a" und die "Solar Impulse 2", über Pioniere der Lüfte und Fahrrad-Konstrukteure, über Lampenfieber und Koriander, über Ausnahmezustände und die Philosophie vom Glück, über Menschen jeder Couleur und vieles mehr... die besten Geschichten schreibt das wahre Leben.
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Seitenzahl: 297
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Alice Zumbé
Liebesbriefe von Alice.
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Widmung
Prolog
27. Januar 2016: Der Tod und die Liebe.
03. Februar 2016: Das glücklichste Volk der Welt.
10. Februar 2016: Bedingungslose Liebe – Teil 1.
17. Februar 2016: Bedingungslose Liebe - Teil 2.
24. Februar 2016: Der Zugang zur Welt.
02. März 2016: Frühlingsgefühle.
09. März 2016: Verbundenheit.
16. März 2016: Der Fluss des Lebens.
23. März 2016: Big Apple und Aloha.
30. März 2016: Mitgefühl.
06. April 2016: Vertrauen.
13. April 2016: Glückstage.
20. April 2016: Landkarte im Kopf.
27. April 2016: Auf zu anderen Ufern.
04. Mai 2016: Out of control.
11. Mai 2016: Zeit für Dankbarkeit.
18. Mai 2016: Ruhe vor dem Sturm?
25. Mai 2016: Der pinkfarbene Regenschirm.
01. Juni 2016: Von Elefanten und Kamelen.
08. Juni 2016: „Machen Sie, was Sie wollen.“
15. Juni 2016: Die Welt ist in Bewegung.
22. Juni 2016: Lampenfieber.
29. Juni 2016: Die letzte Ehre.
06. Juli 2016: Verzaubert.
13. Juli 2016: 1 Cent Glück.
20. Juli 2016: „Tschüss, Carrie.“
27. Juli 2016: Koriander für Anspruchsvolle.
03. August 2016: Aufgeben ist leicht.
10. August 2016: „Ciao bella, bellisima.“
17. August 2016: Ausnahmezustand.
24. August 2016: Countdown.
31. August 2016: Wahnsinn. Think big.
08. September 2016: New York, Volume 1. “Falling in love.”
15. September 2016: New York, Volume 2. „Lifetime Peace.“
23. September 2016: New York, Volume 3. „A dream comes true.“
28. September 2016: Schönheit liegt im Augenblick
05. Oktober 2016: Manchmal warte ich...
12. Oktober 2016: Philosophie vom Glück.
19. Oktober 2016: Last but not least.
postscriptum.
Impressum neobooks
„3 x 13 Kolumnen. Die besten Geschichten schreibt das wahre Leben.“
Im Januar dieses Jahres spürte ich nach längerer Zeit wieder den Drang in mir schreiben zu wollen. Gerade hatte ich mein erstes Buch veröffentlicht und erinnerte mich daran, wie zutiefst glücklich mich diese Tätigkeit damals machte. Doch ohne einen Gedanken an ein zweites Buch, wollte ich etwas Neues ausprobieren, das mit einer gewissen Regelmäßigkeit daher kam. Schon einmal hegte ich die Idee eine Kolumne zu verfassen und so entschloss ich mich zu dieser wöchentlichen Ausgabe meiner Gedanken und Erlebnisse. Jetzt galt es nur noch herauszufinden wie der Titel heißen sollte und unter welchem Dach sich die Themen wiederfinden würden. Da ich mich den Studien zur Liebe und ihrer Bedeutung im täglichen Leben schon seit einiger Zeit hingab, war das Dach schnell gefunden und in Anlehnung an Erinnerungen zu Jane Austen und ihrem Roman „Stolz und Vorurteil“ gefiel mir die Idee „Liebesbriefe“ zu verfassen. Seither erscheint jeden Mittwoch die Kolumne „Liebesbriefe von Alice.“, der Wochenrückblick über Themen, die mich bewegten und immer in Verbindung mit Liebe, in der virtuellen Welt.
Vor kurzem kommentierte eine Dame einen dieser Liebesbriefe unter anderem mit dem Wort „LiebesLebensWeise“, das mich erfreute und ich mich für diese Wortkreation bedankte, die so wunderbar bezeichnet, was ich in den letzten Monaten erlebte. Nun wünsche ich allen viel Freude mit der Zusammenfassung von 3 x 13 „Liebesbriefen von Alice.“, da meine Glückszahl so auch ihren Platz findet und zum Ende hin doch noch ein weiterer Liebesbrief seinen Weg in dieses Buch fand.
„Lieber Freund,
rückblickend auf die letzte Woche sitze ich gerade an diesem Sonntagnachmittag in einem meiner Lieblingscafés, um Dir davon zu berichten was mich bewegte. Derweil ziehen an mir die Café-Besucher vorbei, sowie mancher Wortfetzen, manches Gespräch der Gäste an meinem Tisch oder etwas weiter entfernt. Du kennst meine Leidenschaft für die Kaffeehaus-Atmosphäre und wie gerne ich darin abtauche, die Menschen beobachte und schon so manches Mal unbeteiligter Zeuge eines Gespräches wurde, das mich einiges über die Menschen und ihr gesprochenes Wort lehrte. Doch zurück zu meinem Leben und den Geschehnissen der letzten Tage.
Der Montag begann mit einem Ereignis, das mir wieder einmal die Endlichkeit unseres weltlichen Daseins vor Augen führte. Der Vater eines Bekannten war am frühen Morgen verstorben und meine geliebte Freundin, die ihm in den letzten Wochen einige Male begegnet war, berichtete mir davon. In den ersten Tagen des neuen Jahres erreichten mich schon mehrfach Nachrichten dieser Art, da auch das Ableben von Personen des öffentlichen Lebens bekannt gegeben wurde. Da ich mich in den letzten Jahren immer wieder mit dem Tod beschäftigte, rief dieses Thema sich nun derart in mein Bewusstsein, dass ich mir vornahm erneut etwas darüber zu schreiben. „Der Tod und die Liebe” - darüber wollte ich nachdenken und den Zusammenhang dieser zwei augenscheinlich gegensätzlichen Themen beleuchten. Doch dann kam alles anders, als ich es geplant hatte.
Mir passierte zum ersten Mal das, was ich vor allem als Schriftstellerin als ein bestürzendes Ereignis empfand. Die Schreibblockade. Stundenlang starrte ich an diesem Nachmittag auf die leere Seite meines Laptops und jeglicher Versuch meine Gedanken zu ordnen, um einen vernünftigen Satz daraus zu formulieren, scheiterte kläglich. Selbst eigene verfasste Abhandlungen zum Thema aus meiner Vergangenheit halfen mir nicht weiter und je länger ich mich darum bemühte etwas auf das symbolische weiße Blatt Papier zu bringen, desto weniger fand ich einen Zugang. Zu guter Letzt empfand ich es gar als absurd den Tod und die Liebe in einem Satz zu benennen. Ich fragte mich sogar in diesem Moment wo gerade überhaupt die Liebe sei. Verstehen konnte ich den Sinn dieses Tages und der damit verbundenen Ereignisse am Ende nicht und so blieb mir nichts anderes übrig, als ihn einfach abzuschließen. Auch wenn dies bedeutete mit unguten Gefühlen die Nacht zu begehen.
Am folgenden Tag bot sich mir dann die wunderbare Gelegenheit Zeit mit Freunden zu verbringen, die mir unabhängig voneinander ihr Gehör schenkten und mir so halfen den vorherigen Tag und meine damit verbundenen Gefühle zu verstehen und loszulassen. Und sie riefen mir wieder einmal ins Bewusstsein, das der Tod eines Menschen auch darlegte, dass die gemeinsame Zeit endgültig vorüber war. So erinnerte ich mich nun dankbar daran, welches unbezahlbare Geschenk mir zuteilwurde, wenn mir Menschen ihre Zeit widmeten.
Letzten Mittwoch fand ich dann endlich die Gelegenheit die Stadtbücherei aufzusuchen, wie ich es mir bereits seit Beginn des Jahres vorgenommen hatte. Dort wurde ich offen und herzlich empfangen und nachdem ich sogar mein eigenes Buch in die Wunschliste der zu besorgenden Bücher aufnehmen lassen konnte, fand ich auch die Literatur, die ich mir ausleihen wollte. Zum einen folgte ich der Empfehlung meines Schriftsteller-Kollegen und lieh mir den Roman „Martin Eden” von Jack London aus, zum anderen bereitete ich mir selbst eine große Freude mit „Stolz und Vorurteil” von Jane Austen und „Romeo und Julia” von Shakespeare. Gibt es etwas Schöneres in der Welt der Bücher, als sich klassischer Literatur rund um die Liebe zu widmen? Ich denke Du kennst mich gut genug, um zu wissen, welche Antwort ich darauf geben würde.
Mit meinen Errungenschaften verließ ich dann diesen Ort der Bücher und fand mich in einem Café ein, das ich längere Zeit nicht mehr besucht hatte. Dort genoss ich dann zunächst meine tägliche Ration Kaffee in Gestalt eines Latte Macchiato. Dann warf ich einen kurzen, neugierigen Blick in jedes der geliehenen Werke sowie einen flüchtigen Blick in meinen Kalender, der mir unversehens eine beschriebene Serviette in die Hand fallen ließ, die ich schon seit einigen Tagen an dieser Stelle mit mir führte. Eine herzliche junge Frau hatte sie mir seinerzeit als Erinnerung mitgegeben, da sie mir ein Video mit dem Titel „Ayya Khema – Die Angst vor dem Tod (loslassen)” empfahl. Zunächst wollte ich nur kurz hineinhören, doch dann fesselte mich das Gehörte immer mehr, so dass ich fast eine volle Stunde damit verbrachte und ich möchte Dir ans Herz legen Dir die Zeit zu nehmen, um es sich ebenfalls anzuhören, denn ich kann es nur wärmstens empfehlen.
Mir persönlich halfen die Gedanken dieser weisen Dame sehr dabei eine klarere Sicht auf mein Thema „Der Tod und die Liebe” zu erhalten. Sie lehrte mich die Dinge besser zu verstehen und berührte mich mit ihren Worten derart, dass ich das Video sogleich auch im „Das Büro der Liebe“-Blog veröffentlichte, um es mit weiteren Menschen zu teilen. Eine der wesentlichsten Erkenntnisse daraus ist für mich, dass ich mein Leben weiterhin mit Liebe, Frieden und Glück befüllen werde. Außerdem übe ich mich darin der Angst keinen Raum zu geben, sie loszulassen und wenn ich mir die Vision meines Leben-Films vor Augen führe, so soll er farbenfroh und hell leuchtend alle Menschen und Orte wiedergeben, denen ich begegnete. So sind wir dann alle im besten Sinne miteinander verbunden, den man sich vorstellen kann und die Liebe verhilft mir dann dem Tod ohne Angst zu begegnen. Denn ganz gleich, ob ich oder ein anderer Mensch nicht mehr auf dieser Welt weilt – es bleiben die Erinnerungen an Geschichten voller Liebe. Was bleibt, ist Liebe.
Mit diesen Worten beende ich für heute meine Erzählungen an Dich. Du siehst, nun ist es mir doch gelungen etwas über den Tod und die Liebe zu schreiben. Es war eine schöne und lehrreiche Reise der letzten Woche, für die ich Dankbarkeit empfinde und so verbleibe ich bis zum nächsten Mal.
In Liebe,
Alice
PS. Vor zwei Jahren verfasste ich bereits folgende Gedanken über den Tod:
„Solange wir die reale Zeit, die wir mit den Menschen verbringen mit Liebe füllen, brauchen wir keine Angst davor zu haben diese zu verlieren, selbst wenn sie ihren Weg ohne uns weiter gehen. Denn es bleibt uns immer die Erinnerung an die Geschichten voller Liebe. Und es warten neue Menschen mit neuen Geschichten auf uns, weil wir lieben. So lernen wir zu akzeptieren, dass nichts unendlich ist und nur der Moment des Realen zählt, wo wir uns gerade befinden. Also freuen wir uns auf das Unbekannte voller Liebe.”
„Lieber Freund,
heute bin ich einer Aufforderung nachgekommen, die ich am letzten Tag des vorangegangenen Jahres im Social Net entdeckte. Es handelte sich genauer betrachtet um Worte, deren Sinn mir gefiel und der Satz dazu lautete: „Mache etwas zum ersten Mal.”. Auf Instagram las ich an diesem Morgen eine nette Nachricht von einem Café, die mich an die zuvor genannten Worte erinnerte und mich inspirierte diesen Ort aufzusuchen, den ich bisher noch nicht kannte. Er führte mich schließlich mitten in die Stadt, gewissermaßen in die Altstadt, die ich, wie Du Dich sicher erinnerst, bisher meistens mied. Dort angekommen wurde ich freudig überrascht, denn was meine Augen sahen bereitete mir Vergnügen. Das Ambiente, die Aufteilung der Räumlichkeiten mit vielen Fensterplätzen, die einen ausgiebigen Blick auf das umtriebige Geschehen der Stadt ermöglichten und der herzliche Willkommensgruß des jungen Mannes hinter der Theke beglückten mich für den Moment. Darüber hinaus wurde ich dann in den Stunden, die ich dort verweilte auch noch mit der Sicht auf viele interessante Menschen belohnt, die sich immer wieder wechselnd im Café einfanden. Der ein oder andere wohlwollende Blick streifte mich hin und wieder, wenn meine Augen auf die eines anderen trafen, ich ein Lächeln schenkte und manchmal eines zurück erhielt. Außerdem entzückte es mich verschiedene Sprachen zu hören, die einen Hauch internationales Flair in meine Ohren bliesen und mich an ferne Länder und meine Reisen dorthin erinnerten. Wunderbar. Beseelt und glücklich für den Moment gab ich mich den naheliegenderen Erinnerungen hin, die mich zu meinem wöchentlichen Treffen mit meinem Schriftsteller-Kollegen und Freund führten. Dabei handelt es sich um eine sehr inspirierende Zusammenkunft, die sich in diesem Jahr neu gefunden hatte und mir ein paar angenehme Stunden des Austauschs zur Literatur, Philosophie und anderen spannenden Themen bescherte. Natürlich durfte auch das Thema „Liebe” nicht fehlen und wie Du sicher mit einem Schmunzeln bemerken wirst, brachte ich dies vorzugsweise zur Sprache.
So ergab es sich, dass ich auf eine Geschichte zu sprechen kam, die mir einst über eine Dokumentation vermittelt wurde. Dort stellte man sie unter dem Titel „Besuch aus der Südsee” dem breiten Publikum vor und nachdem ich mir die englische Original-Version „Meet the natives” auf youtube noch einmal anschaute, berührte mich wieder das Gehörte, das von Weisheit, Klugheit und Liebe getragen wurde. Deshalb erzähle ich Dir nun von dem glücklichsten Volk der Welt.
Auf der Südsee-Insel Tanna, die östlich von Australien im Südpazifik gelegen ist und zum Inselstaat Vanuata zählt, dem insgesamt 83 Inseln angehören, lebt ein Volk, das Prinz Philip, den Gemahl der britischen Königin, als den wiedergeborenen Sohn ihres Gottes verehrt. Aus diesem Beweggrund heraus wurden im Frühjahr 2007 fünf Botschafter dieses Volkes mit dem Auftrag nach Großbritannien entsandt die fremde Kultur dort kennenzulernen und Prinz Philip aufzusuchen. Diesen wollten sie dann darum bitten sie zurück auf die Insel zu begleiten, da sie der Auffassung waren, dass die Zeit für ihn gekommen ist in die Heimat zurückzukehren und ihnen Reichtum und ewiges Leben mitzubringen. Ein letztes Mal vor ihrer Abreise versammelten sich die fünf Gesandten und der Häuptling unter ihnen bekundete eine Art Verhaltenscodex: „Wir repräsentieren unsere Gemeinschaft auf unserer Reise und müssen unseren Respekt vor den Menschen in England zeigen. Wenn wir dort sind, nehmt nichts, was uns nicht gehört. Geht nicht alleine irgendwo hin und abschließend: wenn Ihr einem hübschen Mädchen begegnet, bitte berührt sie nicht. Bitte beachtet dies bis zu unserer Rückkehr.” Dann entledigten sie sich ihrer traditionellen Kleidung, zogen sich um und begaben sich auf die lange Reise.
Ihr fünf Wochen andauernder Aufenthalt in England führte die fünf Botschafter an verschiedene Orte des Landes und zu Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten Englands. So trafen sie auf eine Schweine-Züchter Familie der Middleclass in Norfolk, auf eine Familie der Workingclass in Manchester und auf eine Familie der Upperclass auf ihrem Herrensitz in Northumberland, die sie jeweils einluden für ein paar Tage an ihrem Leben teilzunehmen und so einen Einblick in ihre Sitten und Gebräuche und dem alltäglichen Zusammenleben zu erhalten.
Ihre erste Station in Norfolk war vor allem von einem großen, persönlichen Interesse begleitet, da ihr Volk in Tanna ebenfalls mit Schweinen lebte. Die Gastgeber-Familie gewährte ihnen dann auch einen Einblick in ihre Schweinezucht, die bei den fünf Gesandten doch so manche Frage aufwarf. Am merkwürdigsten erschien ihnen dabei der Prozess der künstlichen Besamung. So vertraten sie die Ansicht, dass auch Schweine einen realen Kontakt zu ihrem Partner und Sex mit diesem haben möchten. Menschen und Tiere wären in dieser Angelegenheit doch gleich und diese Art der Beschäftigung sollte doch dann auch privat gehalten werden. Dies gar in der Öffentlichkeit zu praktizieren – sie erhielten einen direkten Einblick in den Besamungsprozess – wenn andere Menschen zusahen, schien ihnen nicht angemessen. So erzählten sie von ihrem Umgang mit den Schweinen in ihrer Heimat. Dort lebten sie miteinander in der Gemeinschaft, behandelten die Tiere mit Respekt und ließen dem natürlichen Vorgang der Fortpflanzung seinen Lauf.
Beim Abendessen mit der Gastgeber-Familie wurden noch viele Fragen und Antworten über die jeweiligen Lebensgewohnheiten ausgetauscht und die fünf Gesandten ließen es sich auch nicht nehmen ihre Dankbarkeit für die Gastfreundschaft zum Ausdruck zu bringen. Für sie bedeutete das Zusammensitzen und das gemeinsame Mahl unendlich viel, denn es repräsentierte für sie einen Ausdruck von Liebe und Respekt. So äußerten sie auch, dass doch der Sinn des Lebens darin bestehe gemeinsam Dinge zu tun, damit alle ein besseres Leben führen können. Ein schöner Gedanke und besonders zauberhaft ist mir ihre Beschreibung zum Sinn ihrer dunklen Hautfarbe und der hellen ihrer Gastgeber in Erinnerung. Es ist nämlich so: „Die weiße Haut ihrer Gastgeber ist wie ein weißes Blatt Papier und ihre dunkle Haut ist wie Tinte. Wenn nun beide aufeinandertreffen und sich miteinander verbinden, entstehen die schönen Geschichten, die es zu erzählen gibt.”
Ein späterer Besuch im örtlichen Pub sorgte bei den fünf Männern für einige Verwirrung. Für sie, die einen Versammlungsort in ihrem Dorf dazu nutzten, um wichtige Entscheidungen zu treffen, schien dieser Ort nun nicht unbedingt damit vergleichbar, denn sie zweifelten daran, dass die Menschen dort immer wussten was sie sagten, da doch der Alkohol so seine Wirkung zeigte und auch beachtlich dazu beitrug, dass die Lautstärke dermaßen anstieg, dass wohl ein vernünftiges Wort eher unwahrscheinlich wurde. Eine Begegnung mit einem Jäger in den nächsten Tagen, der der übermäßigen Anzahl von Hasen in diesem Teil der Erde „Herr“ werden sollte, rührte diesen derart zu Tränen, dass er sich sehr für das Interesse und Verständnis der fünf Männer bedankte und anmerkte, dass seiner Ansicht nach beides bei den Menschen in England verloren gegangen wäre. Zum Ende ihres Besuches hinterließen die fünf Repräsentanten von Tanna auf der Abschiedsveranstaltung in der Dorfhalle ihre Botschaft an die Menschen das Leben in Liebe, Frieden und Eintracht zu gestalten und in Harmonie miteinander zu leben. Eine Botschaft ihres Volkes, das es für sinnlos erachtet einen Menschen zu töten.
Derweil verloren sie auch nicht ihr eigentliches Ziel der Reise aus den Augen: der Besuch von Prinz Philip. So stellten sie all ihren Gastgebern immer wieder dieselben Fragen, ob diese ihn kennen würden und ob sie wüssten, dass er ursprünglich von Tanna käme. Dann erzählten sie ihre Geschichte dazu und trotz der nicht ganz einfach erscheinenden Erfüllung ihres Ziels, vertrauten sie darauf Philip zu treffen, weil sie daran von Herzen glaubten und so folgten sie weiter ihrem Weg.
In Manchester wurde ihr Aufeinandertreffen mit den Menschen wieder vom liebevollen und aufmerksamen Umgang miteinander getragen. Doch sollten sie in dieser Stadt auch mit den Schattenseiten der Gesellschaft in Berührung kommen. So bemerkten sie Armut und Obdachlosigkeit, zeigten ihr Mitgefühl für die betroffenen Menschen und ihr Unverständnis dafür, dass in einer augenscheinlich so reichen Stadt mit ihren stattlichen Gebäuden Menschen in Armut und auf der Straße leben mussten. Sie vermittelten ihrer Gastgeber-Familie, dass der Sinn des Gesehenen wohl darin bestand, dass sie diese wiederum auf die Missstände aufmerksam machten, deren Augen und Bewusstsein dafür öffneten, damit sie sich kümmern konnten. Begleitet von dem Glauben daran, dass Philip, der Sohn ihres Gottes, einst nach England gesandt wurde, um die negativen Einflüsse auf die ursprüngliche Kultur zu beseitigen.
Die letzte Station ihrer Reise bei einer Gastgeber-Familie führte die fünf Gesandten dann nach Northumberland in das Schloss eines Lords und den Seinen. Die Upperclass öffnete ihre Türen. Auch dieser Besuch gestaltet sich zu einer lehrreichen Zeit für beide Seiten. Zum wiederholten Male trafen Gastfreundschaft auf Herzlichkeit und gegenseitige Neugier auf Interesse am anderen. Zu sehen und zu hören gab es Geschichten zu den Vorfahren des Schlossherrn, ein herrschaftliches Bankett mit Anzug und Fliege und zur äußersten, freudigen Überraschung der fünf Gäste ein Foto von Philip und dem Hausherrn, dem ein Besuch des Prinzen auf dem Schloss vorausgegangen war.
Wie es nun weiter ging? Nun, liebster Freund, ich möchte Dir die Freude an dem Erlebnis nicht nehmen die Dokument Ion selbst zu sehen. Ich selbst hatte sehr viel Vergnügen daran und das selbige wünsche ich Dir auch. So viel möchte ich an dieser Stelle allerdings noch verraten oder anders ausgedrückt, Dich fragen. Wie sollte es möglich sein, dass fünf Gesandte des glücklichsten Volkes der Welt, wie sie sich immer wieder glaubhaft selbst bezeichneten und die die Liebe im Gepäck mit sich führten, ihren Herzenswunsch nicht erfüllt bekommen? Hiermit enden für heute meine Zeilen an Dich und ich verabschiede mich.
In Liebe,
Alice
PS. Abschiedsworte der fünf Gesandten aus Tanna für Dich – vom glücklichsten Volk der Welt.
„Live your life in Love, Peace and Harmony.”
„Lieber Freund,
erinnerst Du Dich noch an die Bücher, die ich mir vor zwei Wochen in der Stadtbücherei auslieh? „Stolz und Vorurteil” von Jane Austen habe ich nun zu Ende gelesen und bin begeistert. Ich genoss die Erzählungen aus dieser lange zurückliegenden Zeit, die mir einen Einblick in die Gefühls- und Gesellschaftswelten des endenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts gewährten. Jedes geschriebene Wort von Jane Austen war mir eine Augenweide in seinem Zusammenspiel mit weiteren Worten und so verkörperte ihr Schreibstil mein Verständnis von „Die Schönheit der Sprache”. Ihre Beschreibung der verschiedenen Charaktere und deren zwischenmenschliche Verbindungen sind von Humor und Leichtigkeit getragen und verlieren sich dennoch nicht in Oberflächlichkeiten, wenn man sie genauer betrachtet. In Liebesdingen zeigt sich Jane Austen als eine Befürworterin des gesunden Menschenverstandes und der Umstand, dass sie nur einen Tag vor meinem Geburtstag, im Jahre 1775, geboren wurde, ruft bei mir ein gewisses Gefühl der Verbundenheit hervor. Definitiv trage ich mich nun mit dem Gedanken auch ihre anderen Werke zu lesen und solltest Du die Gelegenheit finden eines ihrer Bücher irgendwo zu entdecken, so kann ich Dir diese Lektüre nur empfehlen.
Derweil waren die letzten Tage von neuen Begegnungen mit bisher unbekannten Menschen und so manchem, interessanten Gespräch geprägt. Besonders nachhaltig wirkte auf mich ein zweistündiges Telefonat letzte Woche Montag mit einem Freund aus dem hohen Norden, den ich vor drei Jahren in der realen Welt kennenlernte. Neben dem Austausch über aktuelle Lebensgeschichten, führten wir vor allem eine anregende Konversation zu dem Thema „Bedingungslose Liebe”, welches mich bereits in den vergangenen drei Jahren meiner Forschungsreise rund um die Liebe immer wieder beschäftigte. Dabei hatte es den Freund und mich auch so manches Mal in der Vergangenheit in Atem gehalten, wenn wir uns auf kontroverse Art vor allem in der virtuellen Welt darüber austauschten. So regte mich die Thematik derart an, dass ich mich in den letzten Tagen wieder intensiver den Studien dazu hingab. Ich grub mich gedanklich in die Erinnerungen der eigenen Erfahrungen mit bedingungsloser Liebe ein, tauchte ab in das Wissen anderer, die sich damit vertraut gemacht hatten und wagte den Blick von oben auf einige Menschen, die meines Erachtens danach lebten in bedingungsloser Liebe zu handeln.
Zunächst machte ich die Bekanntschaft mit Fragen, die durch meinen Kopf jagten. „Was bedeutet eigentlich bedingungslose Liebe?”, „Gibt es sie überhaupt?” und wenn „ja”, „Ist es leicht oder schwer danach zu leben?” und „Weshalb ist das so?”, „Was muss man tun?”, „Wo kann man das lernen?” und „Wer handelt schon danach?” und, und, und... Eine Frage reihte sich an die nächste und je mehr ich mich mit ihnen befasste, die Erkenntnisse anderer heranzog, spürte ich die Komplexität der Thematik und erlangte die Einsicht, dass es nicht DIE eine Antwort auf jede dieser Fragen gibt. Und immer, wenn ich in meinem Leben das Gefühl hatte, dass etwas eine sehr große Tragweite zu haben schien, verschiedene Sichtweisen inne hatte, deren Ausmaß ich nicht im entferntesten überschauen konnte, kehrte ich ganz nah zu mir zurück. Zu meinem Leben und zu meinen innersten Gedanken, die aus meiner Seele sprachen. Um zu erkunden, was sich dort zum Sachverhalt wiederfand und wenn es mir irgendwie möglich sein sollte, folgte ich dem Leitsatz „Keep it simple”, beschränkte mich auf das Wesentliche, um im besten Fall die daraus gewonnenen Erkenntnisse weiterzutragen, mitzuteilen.
Mit dem Begriff „bedingungslos” verband ich noch andere Bezeichnungen, wie „unabhängig” in Bezug auf Gegebenheiten und „frei” von Verlangen und Erwartungen sowie „wertungsfrei”. Außerdem las ich von anderen, dass sie der bedingungslosen Liebe den Sinn eines spirituellen, übergeordneten Zustands zusprachen. Da ich mich selbst allerdings eher als bodenständigen Realisten bezeichne, interessierte mich mehr die Betrachtung im Hinblick auf das Handeln, die Erlebnisse mit Menschen, von denen es sicher viele zu entdecken gab. Doch „keine Erwartungen haben”, „nichts verlangen”? Wie funktioniert das?
Mit dem Blick auf mich selbst, wusste ich ganz genau, dass sich dies im alltäglichen nicht immer einfach gestaltet, denn es ist eine Herausforderung, der auch ich mich immer wieder stelle. Beginnend bei mir, denn auch die Liebe zu sich selbst beinhaltet für mich die bedingungslose Liebe – losgelöst von Labels, einem Status, den man sich selber gibt oder den andere in einem sehen. Eine der elementarsten Grundlagen für diese Form von bedingungsloser Liebe, ist für mich die Achtung vor sich selbst und die eigene Wertschätzung und dies geht einher mit den Gefühlen, die sich täglich offenbaren. Die gesamte Palette von Licht und Schatten, verbunden mit den Stärken und Schwächen, die in uns allen schlummern. Denn bedingungslos lieben kann ich nur das Gesamtpaket, wenn ich es so annehme, wie es sich gänzlich präsentiert. So nehme ich die schönen Gefühle dankbar an, genieße die Momente leicht und beschwingt, genauso wie ich die dunklen Seiten annehme, die ich als Lehrzeit betrachte, um zu verstehen, weshalb es in diesem Moment so ist und daraus zu lernen. Rückblickend haben sie mir die Möglichkeit geboten mich weiter zu entwickeln, zu reifen und das ist etwas, dass mir ein gutes Gefühl gibt. Es erfüllt mich regelrecht und führte mich zu wunderschönen Begegnungen mit anderen Menschen, in denen ich bedingungslos lieben konnte.
Zwei Menschen gelangen mir sofort in den Sinn und erfüllen mein Herz mit spürbarer Liebe. Bedingungslos. Eine Geschichte erzähle ich Dir heute, die mich mit dem einen eint und die ich mit „bedingungsloser Liebe” verbinde. Vor 26 Jahren sind wir uns zum ersten Mal begegnet, nachdem ich ihn 9 Monate in mir getragen hatte. Vieles ist in den Jahren geschehen und ich durfte mein Leben mit ihm teilen, sah ihn aufwachsen, entdeckte die Entwicklung seiner Persönlichkeit, seines Charakters und viele Jahre waren von gefühlter Liebe erfüllt. Schließlich wurde er selbstständig, benutzte die Flügel, die ich ihm mitgab und entdeckte die Welt, machte Erfahrungen und traf neue Menschen. Manches Mal stürzte er, stand wieder auf, ging weiter und lernte viel über sich und andere. Vor drei Jahren traf ich ihn dann in einem Moment, der ihn alle Schatten seines Lebens spüren ließ.
Wir trafen uns in einem Café und ich wusste schon durch das zuvor geführte Telefongespräch, dass es ihm nicht gut ging. Vorbereitet auf mein Kind, das wieder einmal gestürzt war, begab ich mich zum vereinbarten Treffpunkt. Ich fühlte zu diesem Zeitpunkt so viel Liebe in mir, dass ich wusste, was auch immer er mir an negativen Erlebnissen und Gefühlen mitbrachte, ich würde es aushalten und einfach für ihn da sein, egal was kommt. Dann trat mir ein Mensch entgegen, der in diesem Moment seinen ganzen Schmerz, die Niedergeschlagenheit, die Enttäuschung, die Wut, die Hilflosigkeit und die fehlende Selbstsicherheit ausstrahlte. Ich konnte nur eines tun. Zuhören. Und ihm so vielleicht die Möglichkeit bieten alle diese Gefühle ein Stück loszulassen. Es war kein leichtes Gespräch, aber ich fühlte mich stark genug seine Last für den Moment zu tragen und ich brachte die positive Energie mit, die es brauchte, um dem persönlich entgegen zu stehen. Nachdem er schweren Herzens seine Geschichten erzählt hatte, verweilten wir einen Moment im Schweigen. Dann fragte ich ihn, wo die Liebe bei ihm ist. Ich berührte damit sein Herz und weil er sich gerade schwach und leer fühlte, beantwortete er die Frage damit, dass er es nicht weiß, sie einfach gerade nicht da sei und er glaube, dass er sie verloren hat. Dann begann ich ihm von meinen Erlebnissen zu erzählen, die von Liebe getragen waren. Ich erzählte von den wunderbaren Menschen in meinem Leben, mit denen ich in Liebe verbunden bin. Er hörte mir zu und öffnete für einen Spalt breit sein Herz. Ich freute mich, dass er dies zuließ und spürte aber auch wie viel Kraft es ihn gekostet hatte. Nach einer Weile waren alle Worte gesagt und ich wusste, dass die Zeit gekommen war uns zu trennen. Wir verließen den Ort der Zusammenkunft und gingen noch gemeinsam ein Stück des Weges. Die Zeit des Abschieds war da.
Wir standen uns mit etwas Abstand gegenüber und aus tiefstem Herzen ließ ich meinen Gefühlen Raum für die richtigen Worte: „Ich liebe Dich. So wie Du bist. Egal was war oder was kommen wird.“ Dann drehte ich mich um und ging weg. Es war Liebe da. Die Liebe zu meinem Sohn. Bedingungslos. Und ich vertraute meinem Kind, dass es seinen Weg finden würde. Am folgenden Sonntag war Muttertag. Ein Tag, dem ich bisher keine besondere Bedeutung zumaß, was sich am Abend dann jedoch ändern sollte. Mein Sohn schrieb mir eine Nachricht in den späten Abendstunden und der Satz, der mich am meisten darin berührte und der in großen Lettern geschrieben war, lautete: „UND ICH WERDE DIE LIEBE WIEDER ZULASSEN“.
Eine von unzähligen Geschichten, die auch mich lehrte, was es bedeutet bedingungslos zu lieben, danach zu handeln. Für mich beinhaltet es achtsam zu sein, höflich und freundlich anderen zu begegnen, Mitgefühl zu zeigen, zuzuhören, um verstehen zu können und zu helfen, wenn es möglich ist. Unabhängig von Erwartungen und ohne etwas zu verlangen. Offen und wertungsfrei. Eine Herausforderung, der ich mich des Öfteren stelle und die mir so manches Mal offenbart, welche Eigenschaften ich noch nicht hinlänglich verinnerlicht habe. So ging mir gestern für einen Augenblick die Achtsamkeit verloren, als ich mit dem Fahrrad hinfiel und ich erfahren musste, dass vorbeigehende ebenfalls nicht achtsam waren und mir nicht halfen. Letzte Woche wurde meine Frage nach Unterstützung damit beantwortet, dass dieser Mensch zwei Bedingungen daran knüpfte. Was mich dieses nun lehrt? Wieder achtsam mit mir selbst umzugehen, denen zu verzeihen, die nicht halfen und weiter meinen Weg zu gehen, unabhängig von Hilfe, die an Bedingungen geknüpft ist. Denn für mich ist bedingungslose Liebe letztlich eine Frage von, wie man Liebe lebt, denn die Verantwortung dafür liegt bei jedem selbst.
„Bedingungslose Liebe” ist ein weites Feld und ich möchte es sehr gerne noch weiter vertiefen, Dir weitere Geschichten erzählen. Von meiner geliebten Freundin Nina, unserer Freundschaft, die für mich bedingungslose Liebe ausmacht. Ich möchte weitere Fragen erörtern, wie zum Beispiel „Was bedeutet in der Partnerschaft bedingungslose Liebe?” und „Was verbirgt sich hinter meinem Blick von oben, den ich eingangs erwähnte?”. Doch heute enden meine Zeilen dazu an Dich und ich wende Deinen Blick auf zwei erfreuliche Aussichten.
Morgen werde ich das Glück in meinen heimischen vier Wänden zu Besuch haben, denn es macht mir in Gestalt des Schornsteinfegers seine Aufwartung. Und am Sonntag wird die Liebe zelebriert. Es ist Valentinstag. Beiden Ereignissen blicke ich ohne Erwartungen entgegen, ergebe mich der Vorfreude auf den Schornsteinfeger und lasse mich überraschen, was mir das Leben so alles am Sonntag offenbart. Dir wünsche ich eine erfüllte Zeit, Glück und schöne Erlebnisse voller Liebe. Bedingungslos.
In Liebe,
Alice
PS. Mit Dank an den Freund aus dem hohen Norden und für Dich zu guter Letzt ein Gedicht von Edward E. Cummings mit dem Titel „Dive for dreams“.
Dive for dreamsor a slogan may topple you.Trees are their rootsand wind is wind.Trust your heartif the seas catch fireand live by lovethough the stars walk backward.Honour the past,but welcome the futureand dance your deathaway at the wedding.Never mind a worldwith its villains or heroes,for good likes girlsand tomorrow and the earth.
Lieber Freund,
vor ein paar Tagen, als ich die ersten Zeilen dieses Briefes verfasste, war ich wieder einmal umzingelt. Eingekreist von unbekannten Menschen, die sich nach und nach, manchmal wechselnd, an meinen Tisch in einem Café gesellten. Draußen war es winterlich kalt und da dieses Café darüber hinaus zumeist sehr gut besucht wurde, hörte der Strom der Menschen kaum auf, der sich die Klinke in die Hand gab und sich nach etwas Wärme sehnte. Wie Du weißt, liebe ich das lebhafte Treiben um mich herum, denn dann spüre ich das pulsierende Leben und gleichzeitig wird meine Neugierde auf Menschen gestillt, die schon so manches Mal ein nettes Gespräch nach sich zog. Während ich mich dem Schreiben hingab, ab und zu eine Gabel mit dem Käsekuchen befüllte, um mich auch dem kulinarischen Genuss zu widmen, wurde ich mit Aufmerksamkeit beschenkt. Denn zwei Damen waren ganz fasziniert davon, dass ich noch ganz klassisch mit einem Füllfederhalter in ein Buch schrieb. Es weckte ihre Neugierde und sie wünschten mir Glück und Erfolg für´s Schreiben, als sie sich vom Platz erhoben und diesen Ort verließen.
Zwei Tage zuvor konnte ich schon den Tag mit Glück begehen, denn der Schornsteinfeger hatte sich angekündigt. Du erinnerst Dich sicher noch an diese Aussicht, von der ich Dir im letzten Brief berichtete. An diesem Morgen musste ich aufgrund der Ankündigung früh aus den Federn und da der Akt des Aufstehens für mich nicht direkt mit „Willkommen in der Welt” verbunden ist, brauchte ich eine Weile bis ich mit Fug und Recht behaupten konnte vollends in dieser Welt angekommen zu sein. Danach gab es nur noch eines zu tun: warten. Völlig unerwartet verging Stunde um Stunde, ohne dass das Glück an meine Tür klopfte. Gegen 11 Uhr trat ich auf den Balkon und just in diesem Moment erblickte ich den Schornsteinfeger, der gerade die Straße in Richtung Haus überquerte. Von oben rief ich hinunter und bat ihn doch erst zu mir zu kommen, da bereits andere Verpflichtungen auf mich warteten. Schnell lief ich zur Tür, um sie zu öffnen und während ich die letzten Sekunden ausharrte, spürte ich wie sich ein Gefühl der Freude in mir breit machte, weil nun gleich das Glück über die Schwelle trat. Die nächsten 15 Minuten ließen dann Raum für ein erfreuliches Gespräch über das Schreiben und Lesen und nach getaner Arbeit erlaubte mir der Schornsteinfeger an einem der Knöpfe seiner Jacke zu drehen, da dies bekanntermaßen Glück bringt. Das teilte ich dann sogleich in der realen Welt mit einer Dame, die ich traf und in der virtuellen, wo es so dem ein oder anderen vielleicht einen Moment des Glücks bescherte.
In meinem letzten Brief an Dich erzählte ich Dir doch auch von meinen Gedanken zur „bedingungslosen Liebe”, die ich weiter vertiefen wollte. Einige dazu umkreisten meine Freundschaft zu Nina, die Du noch nicht kennst. Um dies nun näher zu erläutern, fange ich dann vielleicht mit meiner Wahrnehmung dieses Menschen an, dem ich vor weit mehr als vier Jahren zum ersten Mal in einem Restaurant begegnete – ein Umstand an den sie sich weitaus besser erinnerte, als ich – und wir die gegenseitige Sympathie und Neugier aufeinander immer weiter auszubauen begannen, die für mich zu einem Fundament der Liebe wurde. Bedingungslos.
Was den Menschen ausmacht, ist das Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist und Nina hat sich meiner Ansicht nach in all diesen Bestandteilen der Schönheit verschrieben, die sich allerdings nicht in Oberflächlichkeiten verliert. Ihr Wesen gleicht dem eines Schmetterlings, der schön anzusehen die Freiheit des Fluges genießt, um sich von Zeit zu Zeit auf einer schönen Blume, an einem schönen Ort niederzulassen und sich an dem süßen Saft zu laben, der dort verborgen ruht. Ein verbindendes Element unserer Freundschaft ist natürlich die Liebe, über die wir in den Jahren oft sprachen und uns austauschten über die Geschichten des Lebens, die wir bis heute damit verbinden. Auf viele gemeinsame Erlebnisse, verknüpft mit so mancher Reise blicke ich mittlerweile zurück und sie waren alle von Offenheit und Ehrlichkeit geprägt. Ganz gleich ob leichte oder schwere Zeiten fällig waren, sie stand an meiner Seite, wenn es nötig war - selbst dann, als uns eine halbe Weltreise räumlich voneinander trennte. Verbundenheit beginnt im Herzen und die Bedingungslosigkeit dieser Form der Liebe, die man Freundschaft nennt, macht die Unabhängigkeit von äußeren Umständen aus. Für mich immer wieder mal eine Herausforderung, für diesen Schmetterling weniger und es liegt an mir darauf zu vertrauen, dass sie immer wieder auf meiner Blume Platz nimmt. Dann flüstert sie mir auch ins Ohr, dass ich in ihrem Herzen bin.
