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Liebe. Was ist die Liebe? Welche verschiedenen Formen der Liebe gibt es? Was bewegt die Menschen, wenn sie über die Liebe sprechen? Wie denke ich über die Liebe? Was fühle ich? Welche Erlebnisse haben mein Leben rund um die Liebe bewegt? Eine Forschungsreise über die Liebe mit wahren Geschichten aus dem Leben, auf der Suche nach Antworten und ein Kunstprojekt, das viel veränderte.
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Seitenzahl: 228
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Alice Zumbé
Kannst Du lieben?
Das Büro der Liebe - ein Kunstprojekt und viel mehr...
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1. Kapitel: Sich selbst lieben. Meine Abenteuerreise beginnt.
2. Kapitel: Singlebörse – eine Expedition in die Partnersuche.
3. Kapitel: Körperliche Nähe – ganz anders als erwartet.
4. Kapitel: So richtig verliebt sein...
5. Kapitel: Die Liebe zu meinem Sohn.
6. Kapitel: Noch einmal sich selbst lieben und Überraschungen aus der Vergangenheit.
7. Kapitel: Nachrichten mit Liebe. Freunde.
8. Kapitel: Ammersee. Zuhause ist, wo ich mich aufhalte.
9. Kapitel: Das Büro der Liebe.
10. Kapitel, mittendrin: Vergangenheit trifft Gegenwart.
11. Kapitel: Das Büro der Liebe. Teil 2.
12. Kapitel: Verliebt sein – drei Herzen plus eins.
13. Kapitel: Ein Projekt mit Liebe im Gepäck.
Impressum neobooks
Es gibt nur eine Lösung: lieben.
Dieses Buch widme ich
Daniel und Nina
Prolog
Liebe. Was ist die Liebe? Welche verschiedenen Formen der Liebe gibt es? Was bewegt die Menschen, wenn sie über die Liebe sprechen? Wie denke ich über die Liebe? Was fühle ich? Welche Erlebnisse haben mein Leben rund um die Liebe bewegt?
Alle diese Fragen haben mein Leben beeinflusst, mich bewegt und mein Herz berührt. Alle diese Fragen haben mich zu diesem Buch geführt. Und was erwarten wir auf diese Fragen? Antworten.
Das Einzige, das ich hier dazu versprechen kann, ist, dass die Antworten in jedem einzelnen Menschen selbst liegen. Somit könnte man sagen, dass es, unter Berücksichtigung der aktuellen Anzahl der Weltbevölkerung, über 7,2 Milliarden Antworten gibt, die sich sogar bei den zuvor gestellten Fragen entsprechend potenzieren.
Also könnte man meinen, es ist kompliziert. Weil es Fragen sind, die wir seit Menschengedenken stellen und die Antworten dazu suchen.
Doch wenn ich mich selbst betrachte und auf das letzte Jahr meines Lebens zurückblicke, so bin ich davon überzeugt, dass jeder von uns die Antworten bereits kennt. Die Herausforderung dabei ist es, sich dies bewusst zu machen, sich selbst kennenzulernen und sich selbst zu lieben. Das ist der Anfang.
Ich habe mich bewusst vor über einem Jahr dazu entschieden diesen Weg zu gehen. Meinen Weg. Ich habe mich kennengelernt, bin mir ganz nahe gekommen und habe gelernt mich zu lieben. Ich habe mir gewünscht, dass mein Leben ein Abenteuer sein soll und genau das ist es geworden. Das Abenteuer des Lebens, in dem nichts sicher ist und genau dann alles möglich ist.
Das letzte Jahr war erfüllt von zahlreichen Geschichten, meinen eigenen, denen anderer, die meinen Weg gekreuzt haben, mal lustig, mal traurig, mit vielen glücklichen Momenten, mal mit mir allein, mal mit anderen zusammen und die schönste Erkenntnis im Rückblick ist: es war voller Liebe.
Und weil die Liebe grenzenlos ist und ich mich bewusst entschieden habe zu lieben, weiß ich, dass mein Leben voller Liebe sein wird. Denn dann ist alles ganz einfach.
Es gibt nur eine Lösung: lieben.
„Sich selbst zu lieben, ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.“ (Oscar Wilde)
Jetzt wird es persönlich. Eine häufige Frage, die mir gestellt wurde, wenn ich mein Herz öffnete, in die Öffentlichkeit trat und mit bekannten oder auch unbekannten Menschen über mein Leben sprach, Geschichten erzählte und preisgab was ich dabei fühlte, war: „Hast Du keine Angst davor verletzt zu werden?“
Ich musste darüber oft und lange nachdenken, beobachten, wie andere damit umgingen in der Öffentlichkeit von ihrem Leben zu berichten und herausfinden, wie ich darüber denke und was ich von den anderen lernen konnte.
Es führte mich dahin, dass es nichts in meinem Leben gibt, das ich bereute. Ich bin ein fehlerhaftes Wesen, wie jeder Einzelne von uns und mein Leben war bisher ausgefüllt mit vielen Momenten, in denen ich heute vielleicht anders denken, fühlen und handeln würde. Doch zu jedem Zeitpunkt war es meine Entscheidung, bewusst oder unbewusst, unter den gegebenen Umständen so zu denken, zu fühlen und zu handeln. Der Sinn, der sich daraus für mich ergibt, ist, dass ich mich zu dem Menschen entwickelt habe, der ich heute bin und sehr viel gelernt habe.
Das Leben ist Veränderung, eine Aneinanderreihung von Momenten, die wiederum der Veränderung unterstehen. Jeder neue Moment, jede neue Situation, jede Begegnung mit anderen Menschen bedeutet einen Wandel in sich selbst.
Gelernt habe ich mir dessen immer häufiger bewusst zu werden, denn alles, das ich jetzt in diesem Moment denke, fühle und tue hat einen Einfluss auf meine Zukunft und verändert mein Leben. Die Eingangsfrage möchte ich deshalb wie folgt beantworten:
„Nein, ich habe keine Angst davor verletzt zu werden, wenn ich mich hier oder andernorts öffne, denn alles, das ich mitteile, tue ich im vollen Bewusstsein dieses Moments. Für mich geht es nicht darum en détail jede Geschichte zu beschreiben, sondern bewusst zu entscheiden, ob ich zu dem stehe, was ich erzähle oder hier schreibe.
Ich liebe mich selbst und achte mich. Das beinhaltet auch, darauf zu achten, dass ich nicht verletzt werde. In meinem Leben gab es einige Erlebnisse, die mit Verletzungen einher gingen. Ich lernte daraus mich auch diesem Gefühl zu stellen, herauszufinden warum ich so fühlte, um es für die Zukunft besser zu machen. Denn die Verantwortung auch für dieses Gefühl lag ganz alleine bei mir.
Sich selbst lieben, so wie man ist, ist für mich die Basis für ein glückliches Leben und für die Fähigkeit andere Menschen auch auf diese Weise lieben zu können.
Vor mehr als einem Jahr hat meine Reise genau damit begonnen dies für mich herauszufinden und wie es so oft im Leben passiert, lernte ich mich erst dann selbst zu lieben, nachdem ich eine zutiefst unglückliche Zeit hinter mir gelassen hatte. Allerdings erkannte ich später auch, dass die Liebe schon lange mein Leben begleitet hatte und das war ein ausgesprochen schöner Moment. Doch beginnen wir mit dem Tag, der für mich die größte Veränderung meines bisherigen Lebens einläutete.
14. Februar 2013
Als alles begann und doch schon lange da war.
Die meisten Menschen werden mit diesem Datum wohl eines verbinden: Valentinstag – der Tag der Liebe.
Für mich hatte dieser Tag bis dato keine besondere Bedeutung, da mir zum einen die kommerzielle Seite immer missfallen hat und zum anderen ich der Auffassung war, dass die Liebe keinen besonderen Feiertag brauchte. Im Rückblick sollte dieser Tag für mein Leben noch ein weiteres Mal bedeutender werden, als je zuvor. Doch dazu später mehr.
Damals war es der Tag meiner endgültigen Trennung aus einer langjährigen Liebesbeziehung und somit die erste wichtige Entscheidung meines Lebens in diesem Jahr. Was ich noch nicht ahnte war, dass es für mich das Jahr der Liebe werden würde. Dieser Tag war ein Neuanfang. Für mich und meinen damaligen Freund. Wir trennten uns im Guten, doch auch schweren Herzens nach fünf Jahren Liebesbeziehung.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass dieser letzte gemeinsame Schritt nicht einfach für uns war, die ein oder andere Träne vergossen wurde. Es war das erste Mal seit langem, dass ich in meinem Leben wieder bewusst einen Schritt nach vorne ging und die Vergangenheit ein Stück losließ. Heute weiß ich, dass dies für mich in Liebesdingen eine der wichtigsten Unterfangen war, um herauszufinden was wahre Liebe bedeutete und diese auch irgendwann erleben zu dürfen. Und ich sollte noch oft die Gelegenheit bekommen mich daran zu üben.
Ich folgte damals wieder meinem Gefühl und hörte darauf, was meine Seele, mein Körper mir sagten. Die Monate zuvor verbrachte ich oft damit unter der aktuellen Situation zu leiden, da ich schon lange spürte, dass bei mir in der Liebe dieser Art etwas schief lief. Ich konnte damals nur nicht verstehen, warum das so war. Was ich dennoch wusste, war, dass ich meinen eigenen Weg ein Stück weit verlassen hatte und sich nun ein unbändiges Verlangen in mir regte meinen Weg wieder zu begehen und mir selbst ganz nahe zu kommen.
So wagte ich mich nach vorne, war wieder mutig mir selbst zu vertrauen und zu finden wonach ich suchte. Ich wollte die Liebe finden und entdeckte, dass ich dazu nur mich selbst finden musste.
Ich ahnte damals noch nicht, dass es eine lange Reise werden würde bis ich dies so verinnerlicht hatte, dass es immer leichter für mich wurde mir über die Liebe zu mir selbst bewusst zu sein.
Gerade jetzt, während ich hier darüber schreibe, musste ich manches Erlebnis der letzten Wochen noch einmal auf schmerzliche Weise durchleben, um loslassen zu können und Klarheit für mich selbst zu erlangen, warum ich diesen Schritt, trotz aller Erkenntnisse der vergangenen Monate, noch einmal gehen musste. So verbrachte ich einige Tage mit mir alleine in einem gefühlt der tiefsten, schwarzen Löcher meiner Seele, an die ich mich in meinem Leben erinnerte. Ich befand mich in diesen Momenten so weit weg von mir selbst, wie es nur möglich war und glaubte so manches Mal in diesen Tagen, dass ich es nicht heraus schaffen würde. Wie konnte dies mir nur passieren? Da waren doch alle diese Erkenntnisse über die Liebe, die ich den letzten Monaten gefunden hatte und die mich schon oft mir selbst ganz nahe kommen ließen. Und nun das.
Es ist genau eines dieser Beispiele, das mir zeigte, dass das Leben ein fortwährender Prozess ist, in dem ich mich selbst erst einmal nicht aus den Augen verlieren darf. 46 Lebensjahre umfassen viele Ereignisse, Situationen, Momente und nun wurde mir wieder klar, dass so mancher Schatten der Vergangenheit noch unbewusst in den tiefen meiner Seele schlummerte und durch neue Geschehnisse den Weg in mein Bewusstsein fand. Dies bescherte mir dann manches Mal die Gefühle von Trauer, Wut, Hilflosigkeit und Einsamkeit, die mich daran hinderte, das Wesentliche zu erkennen. Es ist so, als wenn schwarze Wolken den Himmel bedecken und die Sonne nicht den Hauch einer Chance hat ihr strahlendes Gesicht zu zeigen. Doch heute weiß ich, dass sie immer da ist. Die Liebe.
Eigenartigerweise konnte ich in dem Augenblick wieder klar sehen, als ich die ersten Seiten dieses Kapitels meiner geliebten Freundin Nina vorlas. Mir wurde bewusst, dass „das Vergessen“ die Ursache für meine kurzfristige, missliche Lage war. Eine dieser Veranlagungen, die auch uns Menschen ausmacht. Manches Mal zum positiven und bisweilen auch zum negativen. Nun ist es allerdings wieder Zeit in die Vergangenheit einzutauchen und sich zu erinnern.
Die Monate nach dem 14. Februar verbrachte ich zunächst damit mein Leben neu zu sortieren. Durch das Ende meiner Liebesbeziehung ergaben sich einige äußere Umstände, die geregelt werden mussten. Wer von uns beiden würde weiter in der gemeinsamen Wohnung leben? Wie gestalteten wir den Übergang? Vertragsänderungen zu Miete und Strom, das Separieren der Wohnutensilien, essen, trinken, schlafen und die neuen Pläne für meinen beruflichen Weg wollten organisiert werden. Alle diese zahlreichen Details, die das alltägliche Leben jedes einzelnen Menschen ausmachen.
Wie in einem Abenteuer begab ich mich nun wieder auf meinen Weg, ohne zu wissen wohin es mich führte und doch immer häufiger mit dem Vertrauen zu mir selbst, weil es sich richtig anfühlte. Mir dessen wirklich bewusst zu sein und es auch zu verstehen würde noch eine ganze Weile dauern.
Zunächst lernte ich durch das Ende meiner letzten Liebesbeziehung, die zunächst ja eine Trennung von einem Menschen bedeutete, dass sich diese verloren geglaubte Liebe schrittweise veränderte und eine neue Form fand. So begegnen wir uns heute losgelöst von der Vergangenheit und in freundschaftlicher Liebe. Ich freute mich sehr, als wir uns das letzte Mal mit Abstand zum vorherigen Mal trafen und er mir von seinem neuen Weg erzählte. Wir fühlten uns frei und entspannt und doch verbindet uns immer diese Zeit, die nun hinter uns lag, weil sie uns beide veränderte.
Nach und nach schaute ich wieder nach vorne. Ich beschäftige mich sehr viel mit meiner Vergangenheit, dachte über meine Liebesbeziehungen in meinem Leben nach, weil ich verstehen wollte, warum sie zu Ende gingen. Welchen Anteil hatte ich daran? Und was konnte ich daraus lernen, um es besser zu machen? Auf der Suche nach Antworten meldete sich auch mein Körper bei mir, denn die letzten Monate der vergangenen Beziehung diesen Jahres waren geprägt von fehlender, körperlicher Nähe, die ein Teil meines Leidens in dieser Zeit ausmachte.
Ich glaube daran, dass das Bedürfnis nach körperlicher Nähe uns Menschen bereits in die Wiege gelegt wurde und dass wir für unsere Entwicklung und unser Wohlbefinden diese körperlichen Streicheleinheiten brauchen, genauso wie die Grundbedürfnisse „essen“, „trinken“ und „Schlaf“, die gestillt werden wollen. So ergibt sich für mich der Sinn, warum wir fähig sind zu fühlen, unsere Sinne zu gebrauchen. Zu sehen, zu riechen, zu tasten, zu schmecken und zu hören.
Mir fehlte körperliche Nähe. So sehr, dass es manchmal richtig weh tat und um mich wieder selbst lieben zu können, wollte ich herausfinden, wie ich ohne Liebespartner damit leben konnte. In den kommenden Monaten sollte die Frage - „Wie bekomme ich meine körperlichen Streicheleinheiten?“ - eine zentrale Bedeutung für mich haben, da ich auch in Gesprächen mit anderen Menschen, die gerade ohne Liebespartner durch die Welt gingen, wissen wollte, wie sie damit umgingen und welche Möglichkeiten sie fanden das Bedürfnis nach Nähe auszugleichen.
Erst heute ist mir klar, dass ich diese Art der Nähe oft bekam, alleine durch die täglichen Umarmungen mit Freunden, doch ich damals noch glaubte, dass es nicht ausreichte und es verwechselte mit dem Streben nach sexueller Befriedigung und der Suche nach einem neuen Liebespartner. Ein Freund sagte einmal zu mir: „Immer dann, wenn wir nicht mehr auf der Suche sind, glücklich mit uns selbst sind, offen für das Neue und im Moment leben, dann kommt auch diese Form der Liebe zu uns. Ganz unverhofft.“
Damals erkannte ich noch nicht die Bedeutung des Moments und folgte zunächst dem Rat mich in einer Singlebörse anzumelden. Ich ließ mich dazu überreden, obwohl vergangene Erfahrungen mit dieser Art der Partnersuche mir gezeigt hatten, dass dies nicht mein Weg ist und mein Gefühl mir sagte, dass sich daran nichts geändert hatte. Für mich gehört zum persönlichen Kennenlernen die reale Welt, in der ich alle meine Sinne einsetzen kann, um zu erleben welche Gefühle ich für mein Gegenüber entwickle.
Nun ja. Das mit der Selbstliebe musste ich noch hinreichend üben und Umwege schienen von Zeit zu Zeit dazuzugehören, um dann irgendwann wieder zurück auf den rechten Weg zu finden. So erstellte ich ein Profil auf einer Online-Singlebörse und versuchte so mein Glück. Es dauerte nicht lange, dass die ersten Nachrichten einiger Herren in der Eingangsbox landeten und so ließ ich mich auf das übliche Prozedere einer Singlebörse ein. Nachrichten lesen, Profile sichten, Fotos anschauen, filtern was mir gefiel und was nicht und schließlich zu antworten.
Ich beurteilte nachdem, was ich zu lesen und zu sehen bekam, genauso wie ich danach beurteilt wurde, was ich schrieb und welche Fotos ich von mir zeigte. Ich fragte mich „Wie soll das funktionieren?“ und „Wie würde ich über eine Beurteilung rein äußerer, oberflächlicherer Merkmale einen neuen Liebespartner finden oder er mich?“. Mein Gefühl antwortete mir schon: „Das kann doch gar nicht funktionieren, weil es nicht zu Dir passt.“ Dennoch hörte ich zunächst nicht auf mich selbst, wollte mir nicht vertrauen und entfernte mich so wieder ein Stück von mir selbst.
Andererseits befreite ich mich von meinen Vorurteilen zu Singlebörsen im Allgemeinen und ließ mich weiter darauf ein. Selbst wenn es bedeuten sollte, dass ich einen Fehler machte, konnte ich doch zumindest darauf vertrauen, daraus etwas zu lernen. Und wer wusste schon, was die neuen Begegnungen mit sich brachten. Meine Freude daran neue Menschen kennenzulernen würde in jedem Fall erfüllt werden.
So traf ich in den nächsten Wochen tatsächlich drei neue Menschen und versuchte es zunächst unter dem Aspekt „neues zu entdecken“ zu sehen. Und um dies vorwegzunehmen: bei allen drei Begegnungen sagte mir mein Gefühl in den ersten Sekunden, dass dieser Mensch vor mir aller Wahrscheinlichkeit nach kein neuer Liebespartner sein würde. Und dieses Mal hörte ich auf mein Gefühl, gab mir und meinem Gegenüber aber auch den Raum und die Zeit uns kennenzulernen. Ich hörte zu, beobachtete, lernte Neues und horchte in mich hinein, welche Gefühle das Erlebte, der Mensch, in mir auslöste.
Mit dem ersten Mann traf ich mich unter der Woche Abends in einer Bar. Er war schon da und ich erkannte ihn direkt anhand der Fotos auf seinem Online-Profil. Ich erinnere mich noch, dass wir uns einige Stunden und Minuten zuvor Nachrichten per Handy schickten, die mich in eine freudige Erregung versetzt hatten. So trat ich ihm gegenüber.
Seine Stimme klang weich, sein Händedruck zur Begrüßung war es auch. Seine Ausstrahlung gab mir plötzlich die Klarheit darüber, dass es bei dieser einen Begegnung bleiben würde und ich glaubte zu spüren, dass es ihm ähnlich ging. Ich entschied mich jedoch auch dafür unser beiderseitiges Bemühen an diesen Ort zu kommen damit zu würdigen einen unterhaltsamen Abend zu gestalten.
So kam es dann auch, da wir uns beide austauschten über die jeweiligen Beweggründe für dieses Treffen und über unsere Erlebnisse des Lebens. Ich hörte ihm zu, hörte seine Geschichten über die Liebe und fragte ihn nach Details, wenn ich etwas nicht verstand, weil es so weit weg war von meiner eigenen Lebensführung.
Er war 34 Jahre alt und bereits seit 13 Jahren verheiratet. Ein Umstand, den er in seinem Online-Profil nicht öffentlich machte. Meine Neugier wurde geweckt zu erfahren, was ihn bewegte sich auf die Suche nach einer neuen Liebe zu machen und so hörte ich weiter zu und stellte die ein oder andere Frage. Wichtig war mir dabei weder zu beurteilen noch zu verurteilen, denn es war sein Leben und er glaubte daran richtig zu handeln.
So erzählte er mir von seiner Ehe, die von seinen Eltern arrangiert wurde, schon lange bevor er etwas über die Liebe wusste, weil er noch keine Erfahrungen gemacht hatte. Er erzählte davon, dass er seine zukünftige Frau damals nur einmal gesehen hatte, bevor sie dann zu ihm kam und sie heirateten. So lernten sie sich dann erst nach und nach kennen. Schnell war das erste Kind unterwegs und der Alltag ließ das Leben so vor sich hinplätschern, ohne dass beide wirklich eine Chance hatten herauszufinden wer sie sind und was sie wirklich wollten. Sie sprachen nicht darüber welche Gefühle sie füreinander hegten und dann passierte das, womit er nicht gerechnet hatte. Er verliebte sich in eine andere. Und weil die körperliche Nähe nach der Geburt des Kindes in seiner Ehe auch fehlte, ließ er sich ein. Diese Liebesbeziehung stand jedoch unter keinem guten Stern, da die andere auch gebunden war und er an die unlösbare Verbundenheit der Ehe glaubte. Er erzählte, dass er diese Entscheidung für sein Leben getroffen hatte und sich niemals vorstellen könnte daran etwas zu ändern. Die geheime Liebesbeziehung hielt 4 Jahre lang und ihr Ende lag bei unserem Treffen bereits ein Jahr zurück. Doch weil ihm nach wie vor soviel Nähe fehlte, begann er wieder damit sich auf die Suche zu machen.
Ich hörte an diesem Abend mit Interesse diesem Menschen zu, versuchte ihn zu verstehen und fühlte sehr viel Einsamkeit, die mir entgegen schlug. Soviel davon war da, dass er sogar zum Ende unseres Treffen in Erwägung zog, dass wir uns doch wiedersehen könnten, obwohl er auch am Anfang gespürt hatte, dass es dafür nicht reichte. Vielleicht war seine Sehnsucht ein Stück befriedigt, da wir doch 3 Stunden miteinander verbracht hatten, in denen ihm jemand zuhörte und er hoffte, dies wiederholen zu können. Ich wusste jedoch genau, dass es dabei nicht um mich ging, dass ich austauschbar war, was seine Beweggründe betraf. Ich fühlte keine weitere Verbundenheit und so bedankte ich mich für den Abend und wünschte ihm noch viel Glück auf seinem weiteren Weg.
Einige Zeit und viele neue Nachrichten in der Eingangsbox der Singlebörse später gab ich mir eine neue Chance jemanden neues in der realen Welt kennenzulernen. Den zweiten Mann traf ich am frühen Abend bei wunderbaren, frühlingshaften Temperaturen an einem Wochentag auf der Terrasse eines Künstler-Cafés. Ich erinnere mich noch daran, dass ich wieder aufgeregt war, weil ich womöglich dem Mann begegnen sollte, der mir die Liebe brachte. Es waren meine Erwartungen an das neue Erlebnis, die mich in dieser Zeit immer begleiteten.
Sein Profil, die Fotos und seine Nachrichten gefielen mir auf jeden Fall schon einmal und so stand ich am verabredeten Ort einige Minuten früher und wartete auf ihn. Er schickte mir einen kurze Nachricht, dass er gerade geparkt hatte und jeden Moment eintreffen würde. Mein Puls kletterte nach oben und ich schaute in alle vier Himmelsrichtungen, um ihn zu entdecken. Dann tauchte er in der Ferne auf und ich erkannte auch ihn anhand seiner Fotos sofort. So schnell, wie mein Puls in den letzten Minuten nach oben geschnellt war, fühlte ich die Ernüchterung in dem Augenblick, in dem er nun vor mir stand, mich begrüßte, ich seine Stimme hörte, ihn kurz betrachtete und einen Hauch seiner Ausstrahlung spürte. Irgendetwas störte mich, das ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfassen konnte. Ich fühlte es.
Ich erinnere mich auch noch daran, dass es mir an diesem Tag körperlich nicht so gut ging. Irgend ein Erkältungsvirus ließ mich nicht los. Nun gut. Nun waren wir beide schon einmal hier zusammen getroffen und obwohl mein Gefühl mir sagte, dass ich am liebsten unter die Bettdecke schlüpfen wollte, entschied ich auch dieses Mal diesem Mann zumindest für einige Zeit mein Ohr zu schenken.
Wir tauschten uns zunächst über die üblichen Kennenlern-Geschichten aus, die nicht en détail auf unseren Profilen zu lesen waren. Was machst Du beruflich? Was hat dich hierher geführt? Hast Du schon andere Menschen aus der Singlebörse getroffen? Und, und, und... Das, was mich bereits zu Beginn störte, klärte sich dann auf, als wir uns über die Liebe austauschten und mein Gegenüber auf einen Freund zu sprechen kam. Er erzählte mir von seiner Wut und Enttäuschung über diesen Freund, der sich vor einem Jahr aus seinem Leben gestohlen hatte, keinen Kontakt mehr zuließ und auf seine vielen Telefonanrufe und Nachrichten nicht reagierte. Er erzählte, dass dahinter eine Frau stecken würde, in die sich sein Freund verliebt und er von dieser Frau keine gute Meinung hatte. Er malte sich aus, wie er seinem Freund noch ein Jahr Zeit geben wollte sich zu melden und dann, wenn dieser sich nicht melden würde, vertrauliche Dinge über ihn dazu benutzen wollte, um sie bei anderen gegen ihn zu verwenden.
Ich sprach ihn auf sein „verletzt sein“ und seine Pläne an und fragte ihn, ob er die Entscheidung seines Freundes nicht einfach akzeptieren und ihn loslassen könnte. Ob er nicht einfach sein Leben ohne ihn weiter leben könnte. Ohne im Zorn darauf zurückzublicken, was beide einst verbunden hatte. Offen zu lassen, ob er dem Freund irgendwann wieder begegnen würde, um ihm dann mit offenem Herzen entgegen zu treten, weil sie doch einmal Freunde waren. Er hörte mir zu. Doch er war nicht offen für meine Worte und hielt an seinen Plänen fest. Und die Liebe? Nun ja. Er sagte mir dann, dass er sie doch gar nicht so dringend suchte und er eigentlich ganz gut mit sich alleine zurecht käme.
Das war also die Geschichte dazu, warum mich am Anfang etwas störte. Denn ich fühlte, dass bei ihm keine Liebe da war, beziehungsweise er sie noch nicht in sich wieder gefunden hatte. Ich nutzte mein körperliches Unwohlsein, um mich von ihm zu verabschieden. Irgendwie fühlte ich negative Energie, die ich loswerden wollte und es brauchte einige Tage mich auszukurieren und das Erlebte dort zu lassen, wo es hingehörte. In die Vergangenheit.
Die letzte Begegnung mit einem Menschen aus der Singlebörse sollte dann eine sehr kurzweilige Angelegenheit werden, denn ich hatte gelernt meinem Gefühl zu folgen, wenn es mir sagte, dass mich mit dem neuen Menschen nicht mehr verband, als der Augenblick der Begegnung.
An jenem Tag saß ich mit meiner Freundin Nina im KIT, einem Café am Rhein, das im darauf folgendem Sommer noch zu einem zentralen Ort für wunderschöne, laue Sommerabende mit vielen neuen Geschichten in meinem Leben werden sollte. So wurde dort auch unserem Kunstprojekt „Das Büro der Liebe“ Leben eingehaucht. Doch zurück zu meiner dritten Verabredung. Soweit ich mich erinnere war es ein spontanes Treffen, da ich kurz schaute, wer sich in der Singlebörse gemeldet hatte.
„Börse“ - eigentlich ein interessanter Begriff im Zusammenhang mit der Liebe und für mich in diesem Augenblick amüsant und zugleich irgendwie absurd. Kurz mal recherchiert, was da ganz allgemein hinter steckt. Wikipedia verrät mir folgendes dazu:
„Eine Börse ist ein organisierter Markt für vertretbare Sachen nach bestimmten Regeln. Gehandelt werden kann zum Beispiel mit Wertpapieren... Die Börse führt Angebot und Nachfrage – vermittelt durch Makler – marktmäßig zusammen und gleicht sie durch Festsetzung von Preisen (Kurse) aus. Die Feststellung der Kurse oder Preise der gehandelten Objekte richtet sich laufend nach Angebot und Nachfrage.“
Das Ganze könnte dann für den Begriff „Singlebörse“ wie folgt klingen:
„Eine Singlebörse ist ein organisierter Markt der Liebe für vertretbare Sachen (Männer und Frauen) nach bestimmten Regeln. Gehandelt werden kann zum Beispiel mit Freundschaft, Liebesbeziehung, Flirt, Freizeitpartner, Sex... Die Singlebörse führt Angebot und Nachfrage – vermittelt durch die Mitarbeiter der Börse, die die technische Funktionalität sicher stellen – marktmäßig zusammen und gleicht sie durch Festsetzung von Auswahlkriterien, wie zum Beispiel „Statusmeldung“, „Beruf“, „Vorlieben“, „Fotos“, etc., aus. Die Feststellung der Auswahlkriterien der gehandelten Objekte (Männer und Frauen) richtet sich laufend nach Angebot und Nachfrage.“
Gemeldet hatte sich an diesem Tag ein Mann, etwa 34 Jahre alt, dessen Auswahlkriterien „Fotos“, „Nachrichten“ und „Statusmeldung“ mir gefallen hatten. Besonders seine Fotos begeisterten mich, denn er wirkte sehr männlich darauf. Dunkle, längere Haare, Drei-Tage-Bart, lässige Jeans und T-Shirt. Für mich eröffneten sie das Reich der Fantasie, denn ich sah darin etwas Verwegenes, ein Abenteuer.
Er war online und so ergab sich eine Verabredung noch am gleichen Abend. Ich schlug ein Café vor und nannte die Adresse, da er sich in diesem Stadtteil nicht so gut auskannte. Dann tauschten wir noch unsere Telefonnummern aus. Wieder im Hier und Jetzt verbrachte ich noch etwas Zeit mit Nina, um dann später von dort zum vereinbarten Treffpunkt zu fahren. Ich war aufgeregt und freute mich auf das Treffen.
Etwa 15 Minuten vorher klingelte mein Telefon. Er meldete sich und erzählte mir, dass er das Café nicht finden könnte, obwohl er bereits Leute auf der Straße nach dem Weg gefragt hatte. Ich erklärte ihm den Weg dorthin. Da er allerdings einen sehr orientierungslosen Eindruck machte, entschied ich nach einigem Hin und Her ihn an seinem jetzigen Standort abzuholen. Ich weiß noch genau, dass dieses Telefonat mein Gefühl von „aufgeregt sein“ in ein leichtes „genervt sein“ verwandelte. Ich konnte nicht verstehen, was so schwer daran war das Café zu finden und hatte plötzlich eine Ahnung, dass irgendetwas an der ganzen Sache nicht stimmte. Meine Illusion aus dem Reich der Fantasie bröckelte dahin und wich langsam der Realität. Dennoch hatte ich keine Zeit dies näher zu erforschen und machte mich als schnell auf den Weg, um ihn abzuholen.
