Liferider - Laird Hamilton - E-Book

Liferider E-Book

Laird Hamilton

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Beschreibung

Millionen von uns suchen ihr Glück zunehmend in Modeerscheinungen und Selbsthilfebüchern und streben jeden Tag nach einem erleuchteten Zustand. Big-Wave-Surflegende und internationale Fitness-Ikone Laird Hamilton ist mehr darauf bedacht, nach innen zu schauen und das brillante Geschöpf zu schätzen, das wir bereits sind. Liferider ist Lairds einzigartige Sicht auf das Leben. Es sind Beobachtungen, wie wir die Turbulenzen des Lebens – die größte Welle, auf der wir je reiten werden – besser bewältigen können. Dieses Buch ist Laird Hamilton in seinen eigenen Worten – unverfälscht, ehrlich und ungeschminkt –, zu Themen, über die er bisher selten gesprochen hat. Basierend auf ausführlichen Interviews und Gesprächen zwischen Laird und seinem Co-Autor Julian Borra sowie zusätzlichen Erkenntnissen von Lairds Frau, der Profi-Volleyballspielerin Gabby Reece, befasst sich Liferider mit menschlicher Belastbarkeit, Beziehungen, Wirtschaft, Technologie, Risikobereitschaft und der Bedeutung des Respekts für die natürliche Welt, alles durch die Linse von Lairds außergewöhnlichem Leben im und jenseits des Ozeans.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 303

Veröffentlichungsjahr: 2022

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LIFERIDER

Was mich der Ozean über das Leben gelehrt hat

LAIRD HAMILON

JULIAN BORRA

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Wichtiger Hinweis

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

1. Auflage 2022

© 2022 by FinanzBuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0 | Fax: 089 652096

Die englische Originalausgabe erschien 2019 bei Rodale unter dem Titel Liferider.

© 2019 by Laird Hamilton. All rights reserved.

This edition published by arrangement with Rodale Books, an imprint of Random House, a division of Penguin, Random House LLC

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Übersetzung: Max Limper

Redaktion: Dr. Ulrike Strerath-Bolz

Korrektorat: Silvia Kinkel

Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer in Anlehnung an das Original

Umschlagabbildung: Jennifer Cawley

Satz: Carsten Klein, Torgau

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-95972-598-9

ISBN E-Book (PDF) 978-3-98609-131-6

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-98609-132-3

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.finanzbuchverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Inhalt

Einführung

Tod und Furcht

Herz

Körper

Seele

Alles ist verbunden

Epilog: Das Meer

Dank

I have no belief

But I believe

I’m a walking contradiction

And I ain’t got no right

Green Day, »Walking Contradiction«

I sent my Soul through the Invisible,

Some letter of that After-life to spell:

And by and by my Soul return’d to me,

And answer’d »I Myself am Heav’n and Hell«

Omar Chayyam in der Übersetzung von Edward FitzGerald

We’re all so busy looking for something

Looking for some Aha moment

But you know,

We were in the Aha moment

We were the Aha moment

And then we got knowledge;

And we slowly moved further and further

away from things.

Wir sind alle auf der Suche

Auf der Suche nach einem Aha-Moment

Aber weißt du was,

Wir waren im Aha-Moment

Wir waren der Aha-Moment

Und dann wussten wir Bescheid

Und dann haben wir uns langsam immer weiter davon entfernt.

Laird Hamilton

Einführung

Es wäre ein Leichtes, Laird Hamilton einfach abzutun.

Das haben viele getan. Und tun es immer noch.

Umstritten. Unverbesserlich. Radikal. Visionär. Revolutionär. Respektlos. Aufmüpfig. Unberechenbar. Arschig.

Lairds entschiedene Äußerung »Ich nehme jede Welle mit. Komm mir bloß nicht in die Quere. Die großen Hunde fressen als erste« hat ihn zu einem außergewöhnlichen, aber auch ziemlich unbequemen Meister seiner Kunst gemacht.

Dass er in den Achtzigern in dem bahnbrechenden Surfer-Film North Shore den Lance Burkhart spielte, hat seinem wachsenden Ruf als Bad Boy nicht gerade geschadet.

Selbst positive, geradezu begeisterte Kommentare scheinen in gewisser Weise immer noch darauf abzuzielen, ihn in eine Schublade zu stecken.

Es gibt viele Menschen, die Laird Hamilton als eine Naturgewalt ansehen. Sein voriges Buch hieß auch so: Force of Nature. Ob und in welchem Maße darin ein Augenzwinkern steckt, lässt sich schwer sagen. (Laird ist in Bezug auf sich selbst überraschend bescheiden.) Aber die meisten Menschen sehen und hören in all den YouTube-Clips, Fotostrecken oder Podcasts über Laird nur ein Big-Wave-Naturburschentum, einen Lifestyle voller Fitness und Superfood und einen allzeit bereiten Surfer-Narzissmus.

Das ist einigermaßen verständlich. Im Internet wimmelt es nur so vor Lairdheit und Lairdismen. Lairds Aphorismen sind allgegenwärtig.

Aber Laird hat viel mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick erkennt. Und wer ihn als irrelevant für uns »Landratten« abtut oder ihn für eine Art Peter Pan hält, übersieht einiges.

In gewisser Weise ist Laird wie die Wellen, auf denen er reitet. Scheinbar einfach. Und doch faszinierend komplex.

Liferider ist ein Ausflug in diese Komplexität.

Liferider ist Lairds Ausblick ins Leben; seine von seinem gegenwärtigen Standpunkt aus gewonnene Ansicht, wie wir die Turbulenzen des Lebens – die größte Welle, die wir je reiten werden – besser bewältigen können, indem wir auf das strahlende Wesen zurückgreifen, das wir sind, anstatt immer nach dem Wesen zu suchen, das wir gerne wären.

Wo Force of Nature Laird als he e’enalu beschrieb – als »Wellengleiter« – und damit die glänzende Oberfläche des Lebensstils eines der größten Big-Wave-Surfer der Welt darstellte, da ist Liferider der Schwimmkörper, der die Energie der Welle aufnimmt. Der etwas tiefer eintaucht und etwas weiter ausgreift und das strahlende Wesen Laird Hamiltons erkundet.

»Strahlendes Wesen« ist dabei keine angeberische Bezeichnung für einen berühmten Surfer, sondern der Liferider-Begriff dafür, wer und was wir im besten Sinne sein können. In Lairds Augen sind wir alle strahlende Wesen und haben gerade erst begonnen, das Potenzial des menschlichen Organismus auszuschöpfen.

Wenn man alles weglässt und nur die grundlegendsten Elemente unserer Spezies sieht, können wir als Menschen auf eine außergewöhnlich raffinierte und fein abgestimmte Kombination aus Körperlichkeit, Intelligenz, Emotion und Intuition zurückgreifen, sowohl auf der bewussten als auch auf der unbewussten Ebene. Unser menschliches Bewusstsein erhellt uns auf eine Weise, wie es keiner anderen Spezies auch nur annähernd gelingt.

In Gesprächen mit Schulkindern ermutigt Laird sie, sich selbst als die strahlenden Wesen zu sehen, die sie sind.

Du kannst rennen, schwimmen, tauchen, fliegen. Du bist unglaublich. Du hast so viel ungenutztes Potenzial in dir, dass es dich umhauen würde.

Laird Hamilton

Darin liegt auch eine der Erkenntnisse von Liferider.

Alle Welt sucht ihr Glück zunehmend in Memes und Selbsthilfebüchern. Millionen von uns streben jeden Tag nach einem höheren Selbst, das wir gerne sein möchten. Aber Laird möchte uns lieber dazu inspirieren, uns auf unseren ureigenen Organismus zu verlassen, auf das strahlende Wesen, das wir sind: diese Türen zu öffnen, einige dieser genetischen Schalter umzulegen und mehr von uns selbst für uns selbst nutzbar zu machen.

Liferider wendet sich nicht gegen das höhere Selbst, sondern möchte uns einfach dazu inspirieren, das beste und strahlendste Wesen zu sein, das wir in den Augen von Laird sein können. Und das beginnt mit dem physischen Körper.

Der allereinfachste Grundsatz von Liferider lautet: Beginne mit den Grundlagen. Sei der beste oder fitteste Organismus, der du sein kannst. Bau das beste Fundament, von dem aus du dann ein wie auch immer gewünschtes höheres oder weiterentwickeltes Selbst erreichen kannst.

Und ein Grundpfeiler dieses Bauwerks ist Bewegung. Nenn es Sport. Nenn es Fitness. Nenn es Evolution. Nenn es »Arsch hoch und raus mit dir«. Nenn es, wie du willst. Aber Bewegung ist ein entscheidender Baustein für die Grundlagenarbeit. Um zu denken, müssen wir uns bewegen. Wir sind für Bewegung gemacht. Bewegung definiert uns als Lebewesen. Wenn wir Bewegung vergessen, verlieren wir an Schwung. Wir vergessen das, was uns eigentlich ausmacht. Wenn das Denken allmählich das Tun überwiegt, ist das nicht immer gut.

Weniger denken, mehr tun.

So entwickeln wir uns weiter und wachsen.

Mit Bewegung ist Bewegung jeder Art gemeint – körperliche, intellektuelle, emotionale und spirituelle.

Der galaktische Funkster George Clinton drückt es zusammen mit seiner bahnbrechenden Funk-Rock-Kapelle Parliament-Funkadelic so aus: Free your mind and your ass will follow.

Wir sind furchtbar busy heutzutage. Busy busy busy. Und wir füttern unser Gehirn jeden Tag mit einer Sturmflut von Reizen. Wir Screenager hüpfen von Gerät zu Gerät und konsumieren Byte für Byte das All-you-can-eat-Buffet der sozialen Netzwerke und Messengerdienste. Die Technik hat in uns eine neue, digitale Bewusstseinsebene geschaffen, die fast jeden Aspekt des Alltags verbessert und bereichert; aber bis zu einem gewissen Grad sind wir darin auch gefangen. Das Digitale ist zu einem weiteren Hindernis geworden, das zwischen uns und dem strahlenden Wesen steht, das wir eigentlich sind.

Im Laufe unserer Entwicklung als Spezies haben wir immer neue Barrieren zwischen uns und der natürlichen Welt errichtet, die uns umgibt. Behausung, Mauern, Fenster, Dächer, Heizung. Jede Schicht eine neue selbst gemachte Haut.

Atemberaubende Erfindungen und Innovationen haben uns zum vorherrschenden Tier des Planeten gemacht. Und in den letzten paar Jahrtausenden ist unser Verstand auf Hochtouren gelaufen und hat sich Techniken wie Sprache, Mechanik, Maschinenbau und Buchdruck, Stand- und Bewegtbild, Telekommunikation sowie neuerdings digitale Plattformen, Netzwerke und künstliche Intelligenz zunutze gemacht, um das Mem der menschlichen Evolution zu verbreiten und überall bekannt zu machen, wie man besser und zivilisierter werden kann.

Und was ist mit Achtsamkeit?

Der technische Fortschritt hat unser Vorankommen als Spezies ermöglicht. Aber er macht uns auch faul. Mithilfe der Technik sind wir von einem kurzen Leben voller unglaublicher Härten zu einem Leben übergegangen, das viel länger ist und immer mehr Luxus bereithält. Und Luxus bringt Vergnügen und folglich Trägheit mit sich.

Mithilfe der Technik suchen wir den Weg des geringsten Widerstands und streben zunehmend eine »reibungslose Welt« an. Aber Reibung und Widerstand sind menschliche Bedürfnisse. Nur durch sie entwickeln wir uns weiter. Von ihnen leben wir. Darum müssen wir sie in uns am Leben erhalten.

Laird strebt danach, Reibung zu erzeugen. Den Organismus unter Druck zu setzen.

Seine Frau Gabby Reece geht noch weiter. Sie meint, dass Laird Reibung nicht nur zum Existieren braucht. Sie würde sogar sagen, er ist Reibung. Er bringt vor allem Reibung in die Welt um sich herum.

Jeder Aspekt ihres XPT-Kurses (Extreme Performance Training) befasst sich damit, die physischen, mentalen und spirituellen Grenzen der Teilnehmenden zu testen – und zu überwinden.

Genau das tut Laird.

Er hat sein ganzes Leben damit verbracht, über das Eigene hinauszuwachsen, über das, was ist. Angefangen mit seinem Körper. Lairds Verletzungen ergeben eine Karte seiner Zeit und seiner Tätigkeit auf diesem Planeten. Seine Tätigkeit besteht aus körperlicher Belastung. Aus der Überwindung all dessen, was ihn einzuschränken scheint. Und jedem, der interessiert genug ist, um zu fragen, teilt er mit: Im Mittelpunkt all dessen steht die Bewegung.

Bewegung – des Körpers, des Geistes, der Emotionen – prägt unser Leben.

Bewegung bestimmt auch unser Gesundwerden. Wir gesunden schneller, wenn wir uns bewegen. Auch wenn jede Faser in uns schreit: »Bitte nicht, es tut weh!« Gesundung durch Bewegung ist uns einprogrammiert.

Als unsere Umgebung noch vor Risiken und Gefahren wimmelte, war Trägheit keine Option. Daher haben wir die Fähigkeit entwickelt, in Bewegung zu gesunden. Denn sich nicht zu bewegen, bedeutete einst, zu sterben. Und wenn es eines gibt, wozu wir gebaut sind, dann ist es das Überleben – das ist der Imperativ des Genpools. Überleben, so lange wie möglich am Leben bleiben, um den Genpool so oft wie möglich zu vergrößern. All das Nährende in uns und viele andere Fähigkeiten entspringen aus dem Wunsch des Organismus, am Leben zu bleiben.

Lange vor Beginn unseres aufgeklärten Zeitalters haben wir unseren Organismus über Millionen von Jahren in der natürlichen Welt perfektioniert – um zu überleben.

Liferider lädt dich dazu ein, deinen Geist von sich selbst und vom alles zerfressenden Informationszeitalter zu befreien und deinen sprichwörtlichen Arsch hochzukriegen, und sei es nur für ein paar Stunden pro Woche. In jede Richtung, in jeder Weise, in jedem Ausmaß. Hauptsache Bewegung.

Natürliche Intelligenz

In Liferider sollen die Fortschritte in der menschlichen Existenz keineswegs kleingeredet werden. Die Technik, wie wir sie heute kennen, ist etwas Erstaunliches. Soziale Netzwerke verändern durch Hyperkonnektivität die menschliche Existenz und schaffen einen Paradigmenwechsel in der sozialen und kulturellen Entwicklung.

Der technische Fortschritt rettet ganze Gesellschaften aus der Armut und ermöglicht Männern und Frauen auf der ganzen Welt unglaubliche Erfolge. Er transformiert die Demokratie und bringt sie in neuen Formen hervor, die tyrannische Regierungen herausfordern und stürzen. Er beschleunigt Wissenserwerb, Innovationen und deren praktische Umsetzung im Gesundheitswesen und treibt durch Big Data und KI in der Genomik und anderen Fachgebieten die medizinische Forschung voran.

Der Fortschritt generiert steigende Erträge, neue Ressourcen und erstaunliche Innovationen in der Nahrungsmittelproduktion und in der Ernährungswissenschaft.

Der Fortschritt ist einfach erstaunlich.

Aber KI und maschinelles Lernen stellen auch die Welt, wie wir sie kennen, auf den Kopf. Fleißarbeiten, die einst von Millionen von Menschen ausgeführt wurden, werden von intelligenten, selbst lernenden Algorithmen übernommen, die selber »denken« können.

Für die Entwickler, Programmierer und Designer, die sie herstellen, sind diese Technologien großartig. Für gewöhnliche Menschen, die im Büro oder am Fließband still ihre Arbeit verrichten, sind dieselben Technologien eine schleichende Bedrohung.

Das Anwachsen und Schnellerwerden der künstlichen Intelligenz führt bei vielen von uns zu einer Identitätskrise. Wir verlieren unsere Vorstellung davon, was es heißt, ein Mensch zu sein. Die Fähigkeiten der von uns gebauten Maschinen bereiten uns Unbehagen und zunehmend auch Angst.

Wenn Science-Fiction immer mehr zu Realität wird, und wenn Bots und KIs uns nach und nach ersetzen, kommt die Frage auf, welche Rolle wir noch in der Welt spielen. Wir leiden an unserer menschlichen Identität und fürchten gleichzeitig, dass unsere Menschlichkeit uns irgendwie abhandenkommt – dass wir es nicht schaffen, mit unseren algorithmischen, maschinellen Konkurrenten Schritt zu halten.

Wir verlieren den Glauben an uns selbst als Geschöpf.

Mitten in dieser Glaubenskrise, diesem Vertrauensverlust, versucht Liferider einen Kontrapunkt zur Gegenwartskultur zu setzen und uns ein wenig daran zu erinnern, was es heißt, menschlich zu sein. Wirklich menschlich. Von innen nach außen.

Während in unserem Innern Urmensch und Replikant miteinander ringen, stellt Liferider ein paar Wegweiser auf, die uns beim Weiterkommen helfen können. Laird ergründet und legt dar, was es für ihn – oft in den einfachsten Dingen – bedeutet, ein Mensch zu sein. Und er beleuchtet das, was in uns steckt: ein Kaleidoskop erstaunlicher Kompetenzen und Fähigkeiten aus Tausenden von Jahren Evolution, die zu einem großen Teil verschüttet sind; eine angeborene Intelligenz, die es uns ermöglicht, Außergewöhnliches zu schaffen.

Liferider möchte daran erinnern, dass unser intuitives, »ursprüngliches« Selbst zu jeder Zeit putzmunter in uns lebt. Ob wir es merken oder nicht: Wenn wir im Stau stecken, im Besprechungsraum hocken, einen Film gucken, uns zwischen den Laken tummeln oder im Freizeitpark abfeiern – ständig wechseln wir zwischen unserem bewussten und unbewussten Selbst, zwischen älteren und jüngeren Aspekten des sich fortentwickelnden Organismus, der wir sind.

Und dass wir das tun können, macht uns umso strahlender.

Wir müssen nicht unbedingt etwas Außergewöhnliches leisten, um diese tiefer liegenden und manchmal schlummernden Fähigkeiten zu wecken. Um sie herauszukitzeln, müssen wir keine Welle reiten, kein Kliff hinabstürzen, keinen freien Fall erleben. Es gibt viele Möglichkeiten, sie zum Leben zu erwecken.

In Lairds Welt sind diese Fähigkeiten und Kompetenzen wie kostbare Erze, die darauf warten, abgebaut und zu verfügbaren Reichtümern verarbeitet zu werden, um unser tägliches Leben bereichern zu können. Und für alle, die dies anpacken, gibt es reichen Lohn.

Indem wir das strahlende Wesen zulassen, das wir sind, werden wir widerstandsfähiger. Wir bringen Bewusstsein und Unterbewusstsein wieder ins Gleichgewicht, sodass wir die Turbulenzen des Lebens besser meistern. Und wir machen uns bewusst, dass wir nicht nur, wie renommierte Wissenschaftler und Gelehrte sagen würden, ein Supercomputer aus Protein sind, sondern ziemlich erstaunlich.

Laird glaubt, dass wir auf der Suche nach unserem strahlenden Wesen daran denken sollten, dass wir mit der natürlichen Welt, in der wir uns entwickelt haben, und mit den Lebewesen, mit denen wir diesen Planeten teilen, auf eine Weise tief verbunden sind, die weit über die wissenschaftliche Weltsicht hinausgeht.

Vielleicht denken wir auch daran, dass Neugier und Staunen zwei der größten evolutionären Werkzeuge im menschlichen Arsenal sind – zwei Eigenschaften, die uns dazu bringen, über uns selbst hinauszuwachsen.

Vielleicht erinnern wir uns daran, was es bedeutet, wahrhaft menschlich zu sein.

Die menschliche Hängematte

Es ist ein verständlicher Irrglaube, dass der Mystizismus unserer Urahnen tot sei. Dass die alten Formen der Spiritualität, die die Beziehung zwischen dem physischen und dem metaphysischen Selbst zu ergründen suchten, zunehmend überflüssig geworden sind. Heute herrscht die Vernunft. Die linke Gehirnhälfte bestimmt alles.

Dawkins, Hawking, Dennett, die Meister des Vernunftdenkens und der Dominanz der linken Gehirnhälfte, beherrschen alle Debatten.

Schenkt man dem Anschein Glauben, dann hat dieser Aufstieg der linken Gehirnhälfte dazu geführt, dass der rechtshirnige Pöbel auf irgendeiner Caféterrasse existenzielle Däumchen drehen muss, in Texten blätternd, die durch den Urknall der Informatik, den Siegeszug der Wissenschaft, den rasenden Fortschritt und die Flutwellen von Big Data obsolet geworden sind.

Laird weist das Unbekannte nicht zurück. Aber er bekräftigt auch nicht das Bekannte.

Laird liebt Wissenschaft. Er ist ein Nerd. Er liebt die Technik des Lebens. Er liebt es, bei sich selbst und bei anderen Lebewesen unter die Haube zu schauen und die Mechanismen zu verstehen, die in der Welt am Werk sind. Aber darin liegt sein Widerspruch. Denn auch wenn Laird keine flauschige Spiritualität betreibt, glaubt er doch an etwas Größeres als sich selbst. Und zwar ohne Unbehagen.

Laird lebt sein Glück zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten. In diesem Sinne ist er von Haus aus sowohl Christ als auch Hawaiianer; aber auch ein Geek, der hydrodynamische Tragflächen entwirft.

In Lairds physischem und metaphysischem Selbst gibt es einiges »zwischen den Zeilen« zu lesen. In ihm arbeitet erkennbar eine einfache Christlichkeit. Er sieht in Jesu Gleichnissen Texte, an denen wir unsere Handlungsweise, unsere Moral und unsere Ethik formen können.

Ihm gefällt, dass die Gleichnisse aktive, »handelnde« Texte sind. Darin ähneln sie der hawaiianischen Praxis des »achtsamen Handelns« – worin durch einfache Lektionen gelehrt wird, in allen Angelegenheiten mit Bedacht und Bewusstsein zu handeln.

Aber er hält nichts von Dogmen. Der Glaube ist ihm etwas sehr Leichtes, und sein Christentum ist scheinbar fast nahtlos in und um andere Überzeugungen und Erkenntnisse herum gestrickt, die für ihn gleichermaßen wertvoll und interessant sind.

Die eine unveränderliche Konstante für Laird? Verbundenheit mit allem. Weit über Smartphones, integrierte Plattformen, APIs und soziale Netzwerke hinaus prägt wahre Verbundenheit seine Weltsicht.

Punk und Dissidenz

Laird ist weder behütet noch privilegiert aufgewachsen. Seinen Vater hat er nie kennengelernt. Und seine Mutter war ein aktiver Teil der damaligen Gegenkultur. Sie nahm Abstand zur bestehenden »Gesellschaft« und begab sich mit ihrem Sohn mitten in die gegenkulturellste Bewegung, die es gab: Surfen.

Auf Hawaii gibt es ein System namens hânai. Hânai ist ein anderes Wort für Adoptieren; man nimmt jemanden auf und behandelt ihn, als würde er zur eigenen Familie gehören. Die Familie meiner Frau nahm ihn auf und brachte ihm lebenswichtige Grundlagen bei, wie man überlebt, und Laird brauchte das – und sie sahen in ihm etwas Besonderes.

Coppin Colburn, Freund der Familie Hamilton

Er kam als unreifes Kind auf die Insel, als weißer, blonder Außenseiter inmitten einer Kultur, die gerade ihren Platz in der Welt beanspruchte. Die hawaiianische Kultur war in den späten 1960er- und 1970er-Jahren auf dem Vormarsch und forderte ihr Recht auf ihr kulturelles Erbe und ihr Heimatgefühl zurück.

Und dem jungen Laird wurde sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass ha’oles (Fremde, denen ha fehlt – der Atem des Lebens) nicht willkommen waren. Mobbing war gang und gäbe.

In meinen Träumen bin ich immer als riesiger hawaiianischer Krieger zurückgekehrt, aber dann wachte ich auf und war doch nur ein magerer, kleiner, blonder Junge.

Laird Hamilton

Dass er sich der mächtigsten Naturgewalt – dem Meer – stellte und die ehrenhafteste Rolle – die des Surfers – einnahm, war offensichtlich eine Strategie gegen das Mobbing. Aber dazu war eine übermenschliche Willensanstrengung nötig – und die störrische Weigerung, sich Schulweisheit und Hackordnung zu unterwerfen.

Irgendwo in Laird steckte ein ausgewachsener Dissident. Ein Kämpfer, der nur darauf wartete, losgelassen zu werden. Indem er tat, was er tat, beging er einen bemerkenswerten Akt kulturellen Ungehorsams. Und behauptete sich unanfechtbar als Hawaiianer.

Ungehorsam ist der wahre Grundstein der Freiheit – die Gehorsamen müssen Sklaven sein.

Henry David Thoreau, Ziviler Ungehorsam

Laird zitiert oft Thoreau. Aber nicht einfach, um mit Sprüchen um sich zu werfen. Und nicht nur, um die Mammutleistung an Selbstbehauptung herunterzuspielen, die er für das Leben, das er hatte, aufbringen musste. Ungehorsam ist ein Steuerruder, mit dem er durch sein Leben navigiert ist, durch gute wie schlechte Zeiten. Ungehorsam war eine Lebensweise. Seit frühester Kindheit hatte er immer irgendwie Schwierigkeiten. Und je näher ihm die Schwierigkeiten kamen, desto näher kam Laird dem Meer.

Es war ein Ort, an den ich fliehen konnte. Im Meer fand ich Augenhöhe. Probleme hatte ich an Land.

Laird Hamilton

Das Dazukommen seines neuen Stiefvaters Bill Hamilton brachte noch mehr Ärger. Der neue »Hausherr« war ein knallharter, manchmal brutaler Zuchtmeister. Und er bestrafte den trickreichen kleinen Jungen mit zunehmender Härte, um dessen wachsende Aufmüpfigkeit einzudämmen.

Aber das ungehorsame Kind trug die Prügelstriemen wie die Narben eines tapferen Rebellenkriegers, der gegen die herrschende Ordnung kämpft.

Im Gespräch mit Laird wird allerdings deutlich, dass seine punkige Dissidenz womöglich noch mehr Ursprünge hat als das Mobbing der Insulaner und die Schläge seines Stiefvaters. Laird war und ist ein Produkt der Kultur, in der er aufgewachsen ist, und zwar mehr, als ihm selbst bewusst sein mag.

Es gibt den Glauben, dass man als Inselbewohner immer »drüber« schauen muss (nicht zufällig eines von Lairds Lieblingswörtern), über den Horizont. In einem Text von 2003 über Inselbewohner und ihre Identität führt Marie-Louise Anderson aus:

Inselgrenzen laden zur Überschreitung ein; sie regen zur Unruhe an; fordern danach, verletzt zu werden; treiben die Bewohner an, »das Unbekannte zu erforschen und sogar dorthin zu fliehen«.

Marie-Louise Anderson, Norfolk Island

Lairds nie nachlassendes Bedürfnis, über den Tellerrand hinauszublicken und das Vorgegebene zu übertreffen, ist der Treibstoff für seine unermüdliche Innovationskraft. Er steht unter dem Zwang, jeden Stein umzudrehen und darunter zu schauen. Und seine kindliche Neugier scheint mit dem Alter nur noch zuzunehmen.

Er hat immer Sachen gemacht, die ein bisschen »unnormal« waren. Er hatte Klettverschluss-Flächen auf seinem Board, und er hatte Schuhsohlen mit Klettverschluss, und wir dachten: »Was zum Teufel ist das?«, und dann erwischte er die Welle und stellte seinen Fuß auf den Klettverschluss und er hob einfach ab – er flog einfach durch die Luft, und wir sagten alle: »Der Typ ist ja irre.« Er war schon immer ein Innovator. Er hat immer was, was ein bisschen drüber ist.

Terry Chung, Lairds Freund und Foil-Partner

Bei Laird ist nichts absolut. Und jedes Scheitern birgt einen Erfolg.

Dass er es nicht schaffte, »eine Welle hinabzureiten, geschweige denn hinüber« – in den Augen mancher ein Scheitern –, warf bei ihm einfach die Frage auf: »Wie kann ich es denn schaffen?« Die Antwort auf diese eine Frage war die Erfindung des Foilsurfens.

’Ohana

Dieses Wort wird in diesem Buch noch oft vorkommen, in den Gedanken, Meinungen und Erläuterungen von Laird und Gabby.

’Ohana ist das hawaiianische Wort für Familie, für die Einheit, die das Herz aller hawaiianischen Glaubenssysteme und Sozialstrukturen bildet. In der hawaiianischen Kultur werden alle Völker als Brüder und Schwestern angesehen, und sie alle sind durch ein kollektives Selbstbewusstsein verbunden, egal wie weitläufig der Verwandtschaftsgrad sein mag.

’Ohana bezeichnet eine Verwandtschaft, die weit über Blutsbande hinausgeht und sich auch auf nicht verwandte Menschen oder Unsterbliche erstreckt, etwa einen Familiengott oder ’aumakua.

Die ’Ohana ermöglicht eine Kultur der gemeinsamen Verantwortung und des gemeinsamen Handelns – und ein Maß an sozialem Zusammenhalt, das eigentümlich für die polynesischen Völker ist.

Sie ist die Quelle ihres Pioniergeistes und war von zentraler Bedeutung für ihre Erkundungsreisen über den Pazifik.

Die ’Ohana (Familie) ermöglichte es in jener Zeit den polynesischen Seefahrern, sich in unbekannte Gefilde vorzuwagen. Als seefahrende ’Ohana konnten sie Tausende von Kilometern in doppelwandigen Kanus zurücklegen, weil sie in Kontakt mit der Natur und den Göttern standen. Als ’Ohana fühlten sie sich sicher, weil es keine Grenzen zwischen der spirituellen und der kulturellen Welt gab. Hawaiianer wurden nie von ihren Schöpfern und Ahnen getrennt, weil sich die Götter und Halbgötter überall zeigten; im Himmel, auf der Erde und im Meer.

Cecilia Kapua Lindo, The Spirit of ’Ohana and the Polynesian Voyagers

Es ist ein Prinzip, das in der Art der Beziehungen, die Laird und Gabby in der Welt eingehen, sehr wirksam ist.

Liferider betont den Geist der ’Ohana als dynamischen und untrennbaren Teil des Arbeits- und Interessennetzwerks, das Laird und Gabby um sich herum geschaffen haben, und zeigt, dass es für den contract of care unerlässlich ist, den sie bei Unternehmungen wie XPT eingehen.

Das Buch zeigt auch, dass Lairds unermüdliche Innovationskraft und der Teamgeist, den er um seine Innovationen herum entstehen lässt, von ’Ohana beeinflusst sind – ebenso wie seine Verbundenheit mit der Natur und sein Verantwortungsgefühl ihr gegenüber.

Zusammenarbeit entspringt weitgehend einem Gefühl von Respekt vor der eigenen Großfamilie (’Ohana). Und die Hawaiianer glauben, dass sie sowohl eine genealogische als auch eine spirituelle Verbindung zu Mutter Natur und ihren Gaben haben.

Pheng, Meng, Kaur, Lee & Jeffry, The Lionhearts of the Pacific

Wenn es einen roten Faden in den Gesprächen mit Laird und Gabby gibt, der es wert ist, weiter und tiefer erkundet zu werden, dann ist es ’Ohana – und das Gefühl tiefer Verbundenheit, das es hervorruft, sowohl zwischen den beiden als auch in der ganzen Welt.

Die Macht der Träume

Achte darauf, dass deine Träume größer sind als deine Erinnerungen.

Laird Hamilton

Die Schlichtheit dieses »Lairdismus« trügt. In wenigen Worten ist darin alles zusammengefasst, was man über Laird wissen muss.

Wer sich die Mühe macht, hinter die Oberfläche zu schauen, kann eine Menge entdecken.

In Liferider wird der Zwischenraum zwischen den Lairdismen und den YouTube-Clips erkundet – um »zwischen Lairds Zeilen« zu lesen.

Und anhand der Details und Nuancen, die wir bei genauerem Hinsehen entdecken, entwirft Liferider mögliche Wege für all jene, die vorhaben, auf der Welle des Lebens zu reiten.

Die fünf Säulen

Um zu verstehen, was dieses Buch ist, hilft es auch sehr, zu wissen, was es nicht ist.

Liferider ist kein Text über Fitnesstraining, kein Leitfaden für Lairds XPT-Methode und auch kein Nachschlagewerk zu seiner Ernährung und seinen Lebensgewohnheiten.

Liferider ist kein ausgedehnter Lifestyle-Magazin-Artikel über Lairds Surf-and-Sea-Leben und auch keine Abhandlung über das Foilsurfen.

Liferider ist kein Buch über die Surfkultur.

Sein Ziel und Zweck besteht darin, noch tiefer in das Wesen von Laird einzudringen und herauszufinden, wie er seinen rebellischen Kriegergeist zügeln konnte, um im Leben und in seiner Familie schöpferisch zu wirken, nicht zerstörerisch.

Liferider ist für alle geeignet – für Führungskräfte, die nach Inspiration und nach Einsicht in die Komplexität des Menschseins suchen und wissen, wie man diese Komplexität nutzen kann, um Außergewöhnliches zu erreichen, aber auch für Menschen, die ein gewöhnliches Festlandleben führen und eine Neuausrichtung oder Neugewichtung brauchen.

Aber wer etwas über die Kernzielgruppe wissen will, findet einen Hinweis darauf in Lairds Alter. Er ist alterslose vierundfünfzig Jahre alt und hat durchaus vor, noch fünfzig weitere Jahre nach besten Kräften zu genießen. Und in diesem Buch finden sich einige Hinweise darauf, wie Leute um die Fünfzig es ihm nachtun können.

Liferider hat fünf Säulen: »Tod & Furcht«, »Herz«, »Körper«, »Seele« und »Alles hängt zusammen«. Entlang dieser Säulen unternimmt es eine Reise von der Wissenschaft zur Psyche von Laird, und zwar über das Meer.

Im Laufe (oder Fluss) von Liferider kommen auch einige aktive Elemente vor. Übungen, die das strahlende Wesen in uns allen fördern und uns unsere eigene Reise ermöglichen. Übungen, die wir sogar auf dem Weg zur Arbeit oder im Büro durchführen können.

Liferider versucht, die Fäden von Laird zu entwirren und zu zeigen, wie es ihm dank seiner Weltanschauung und seiner Lebenspraxis gelingt, auf der Welle des Lebens zu surfen, seine Ziele zu erreichen und immer noch Träume zu träumen.

Denn Träume sind universell. Und wir müssen so viele von ihnen nähren wie möglich, heute vielleicht mehr denn je.

Barefoot Business

In diesem Buch finden sich auch erhellende Beiträge darüber, wie sich jede der fünf Säulen in Lairds Geschäftspraxis auswirkt.

In Lifestyle-Magazinen liest man derzeit viel darüber, dass Unternehmer auf der Suche nach Klarheit und Ausgleich in ihrem Leben zunehmend auf Extremsportarten und risikoreiche Aktivitäten setzen. Lohnend wäre es, diese Beobachtung einmal umzukehren und zu untersuchen, wie ein Extremsportler wie Laird mit dem Druck und den Herausforderungen seiner unternehmerischen Tätigkeit auf dem Trockenen umgeht.

In einer Welt, in der uns die Zusammenhänge zwischen dem Tun und Lassen von Unternehmen – und deren Auswirkungen auf das menschliche und ökologische Wohlergehen – täglich immer deutlicher werden, ist er offenbar ein guter Ansprechpartner.

In den Abschnitten zum »Barefoot Business« wird untersucht, wie Laird und Gabby gemeinsam ihre Unternehmen aufbauen, gestalten und betreiben, und wie sich darin ihre Philosophie offenbart.

Wahrhaftigkeit ist alles

Dieses Buch wurde im Rahmen einer Reihe von Gesprächen mit Laird entwickelt, erst in Malibu, wo er XPT lebt und lehrt, und dann auf Kaua’i, seiner spirituellen Heimat.

In diesen Gesprächen erkundeten wir jede der fünf Säulen aus der Sicht von Lairds Lebenswelt.

Der Tonfall des Buches wird wie alles andere darin Laird gerecht.

Laird wendet eine unumstößliche Regel auf sein Leben an: Raw Honesty. Rohe Wahrhaftigkeit.

Immer.

Es ist eine Regel, die er strengstens einhält. Manchen ist das gelegentlich zu streng. Aber es ist seine Regel, und dieses Buch versucht sie zu würdigen.

In diesem Sinne: Abgesehen von einigen Glättungen und leichten Kürzungen sind im Folgenden Lairds rohe Worte zu lesen, hier und da durch Fakten und Informationen ergänzt, die die tiefere Bedeutung und den wissenschaftlichen, kulturellen oder anthropologischen Hintergrund von Lairds Ideen beleuchten sollen.

Tod und Furcht

When that shit comes down,

You just go to death.

That’s honesty.

That’s it.

You are an organism.

You are in competition with death.

Wenn die Kacke am Dampfen ist,

Gehst du in den Tod.

Das ist ehrlich.

Das ist alles.

Du bist ein Organismus.

Du stehst im Wettbewerb mit dem Tod.

Laird Hamilton

Der Tod färbt, formt, erleuchtet, verzehrt, erhebt und inspiriert uns. Seine Turbulenz, seine Zufälligkeit, der ihn umgebende undurchdringliche Schleier, sein unausweichliches Eintreffen – all das prägt unser materielles und spirituelles Sein. Wer wir sind. Was wir sind. Warum wir sind.

Aber in vielen fortgeschrittenen westlichen Kulturen geht die Verbindung zum Tod verloren. Wir schieben ihn als ungewollten Nebeneffekt des Menschseins beiseite. Als Fehler im Organismus. Doch wenn wir unsere Verbindung zum Tod verlieren, verlieren wir etwas Lebenswichtiges.

In diesem Kapitel ergründet Laird seine Beziehung zum Tod und zur Todesfurcht und beschreibt, wie ihn die Gegenwart des Todes im Laufe seines Lebens geprägt hat, bewegt hat, geformt hat, und wie sie beeinflusst, was er mit jedem einzelnen Augenblick seines Lebens anfängt. Er erläutert auch, wie die Furcht in unserem Leben eine gute Kraft sein und unser inneres Feuer entfachen kann – aber nur, wenn wir sie verstehen und lernen, mit ihr umzugehen.

Laird

Weißt du, der Ozean hat sich einfach Leute vom Strand geholt, und man hat sie nie wieder gesehen. Es waren keine Leute, mit denen ich persönlich zu tun hatte, aber ich habe mitbekommen, wie Menschen ertranken und wie Menschen direkt vor unserem Haus angeschwemmt wurden – wie Leichen an Land gezogen wurden.

Der Tod war ein Teil des Alltags. Er wirft einen Schatten. Hinterlässt Spuren.

Ich hatte einen Freund – einer, der ins Haus nebenan eingezogen war –, mit dem ich oft gesurft bin. Als ich ihn eines Morgens abholen wollte, lag er tot auf dem Fußboden in seinem Haus. Weil er nicht nach draußen kam wie immer, ging ich hinein, um ihn zu suchen, und fand ihn dort auf dem Boden.

Ich habe schon in jungen Jahren ziemlich viel Tod mitbekommen. Situationen, in denen ich Menschen begegnete, die entweder durch Ertrinken oder durch natürliche Ursachen gestorben waren. Solche Situationen habe ich wahrscheinlich häufiger erlebt als ein normaler Junge.

Der Großteil der Todesfälle, die ich mitbekam, hatte mit dem Meer zu tun. Manche zog es einfach weg, und sie wurden nie wieder gesehen oder erst fünf Tage später ans Ufer gespült. Man bekommt einen Instinkt dafür.

Ich weiß noch, dass ich einmal unten am Strand war und einfach das Gefühl hatte, dass irgendetwas nicht stimmte. Nicht in Ordnung war. Man lernt das Wasser kennen. Man spürt Dinge. Da stehe ich also, noch ziemlich jung, und rate einem Mann davon ab, ins Wasser zu gehen – und der sagt nur: »Verpiss dich!« Dann geht er ins Wasser und ertrinkt. Und danach ertrinkt sein Sohn.

Ich glaube, dieses Erlebnis hat mich tief geprägt. Es hat mich verändert. Es hat mich viel aggressiver gemacht. Immer wenn ich merkte, dass eine Person lieber nicht ins Wasser gehen sollte, dass sie nicht die nötige Erfahrung, die nötigen Kenntnisse hatte, ging ich hin und sagte es ihr.

Manchmal ging ich als Zehnjähriger den ganzen Tag an einer Stelle schwimmen, und dann gingen dort Erwachsene ins Wasser und ertranken. Also begann ich irgendwann, den Leuten wirklich auf die Nerven zu gehen und ihnen klarzumachen, dass sie da jetzt wirklich nicht rein sollten. Es war mir egal, dass ich noch ein Kind war.

Allerdings lässt sich niemand gerne etwas vorschreiben, stimmt’s? Schon gar nicht von einem struppigen Kind. Dann heißt es gleich: »Du bestimmst nicht, was ich tun soll.«

Aber es ist das Meer. Das muss man akzeptieren. Dem Meer muss man sich mit Respekt im Herzen nähern.

Laird war nicht wirklich ungehorsam – er erprobte noch seine Intelligenz. Er stellte andere Menschen auf die Probe. Auch wenn sie vielleicht dachten, sie würden ihn auf die Probe stellen, stellte er die anderen auf die Probe.

Coppin Colburn, Freund der Familie Hamilton

Surfen war immer schon gefährlich, auch als ich noch klein war. Ich wohnte in der Nähe der Pipeline-Welle, und dort zog man Typen mit aufgeschlagenem Schädel und zermatschtem Gesicht ans Land – alles Typen, die hart im Nehmen waren. An diesem Strand wurden oft Surfer verletzt, weil es ein sehr gefährlicher Strand ist. Dann zogen wir auf eine andere Insel, wo ich an mehreren Stränden abhing, die genauso gefährlich waren. Einer meiner Lieblingsstrände, Lumahai, war der zweittödlichste Strand im Bundesstaat Hawaii. Er verschlang jedes Jahr drei oder vier Menschen – manchmal auch mehr. Ich habe also an Orten gespielt und gelebt, an denen viele Leute oft verletzt wurden. An denen Leute starben. Viele Leute.

Viele Menschen verletzen sich beim Surfen. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, Platz- oder Stichwunden. Doch aufgrund des Wesens dieses Sports gibt es manchmal Schlimmeres – Schädelbrüche, Genickbrüche. Um in solchen Gewässern zu überleben, brauchte man vor allem Geschick. Auf das Brett, auf dem man ritt, war eher kein Verlass.

Und dennoch hat der Ozean in gewisser Weise etwas Gnädiges. Wenn man sieht, wie die Leute sich verhalten, müssten viel mehr von ihnen verletzt werden, als es der Fall ist. Es ist erstaunlich, dass die Pipeline nicht noch mehr Leben kostet.

In der Welt, in der ich aufgewachsen bin, waren also der Tod und die Nähe zum Ozean eins.

Ich glaube, es gibt etwas Gemeinsames zwischen allen Menschen, die mit dem Meer verbunden sind. Auf dem Wasser treiben sich immer irgendwelche Draufgänger herum, aber die meisten Menschen, die dem Ozean verbunden sind, haben eine gewisse Ehrfurcht vor dem Meer und gehen mit Achtsamkeit vor, weil sie das Wesen dieses Elements kennen.

Denn das Element ist so mächtig, dass man irgendwie den Tod im Sinn haben muss. Und dass man an etwas Größeres glaubt. Ich glaube kaum, dass es unter den Surfern viele Atheisten gibt, allein schon wegen der eigentümlichen Magie und Schönheit und Komplexität dessen, was der Ozean ist.

Ein Freund von mir nennt den Ozean »die Suppe des Lebens«. Der Ozean ist ein ziemlich komplexer und sehr lebendiger Organismus. Und er verschont niemanden. Er schlägt zu.

Und in dem Moment – in der Turbulenz, wenn man im Wildwasser-Schleudergang die Grenzen der eigenen Sinne verliert –, in dem Moment trifft Wissenschaft auf Spiritualität. Unter Wasser kann man nicht atmen. Es spielt keine Rolle, wer man ist und was man kann, im Grunde sind wir früher oder später unter Wasser alle gleich. Uns allen ist die Furcht vor dem Ertrinken angeboren. Uns allen wird augenblicklich bewusst, dass es unter der Wasseroberfläche keinen Sauerstoff gibt und dass dort große Tiere leben und schlimme Dinge passieren.

Niemand kennt den Ozean besser als Laird. Seit frühester Kindheit gehört er dorthin, ins Wasser. Der Ozean kommuniziert mit ihm. Und er wusste, dass das Wasser etwas hatte, was ihn zum Ozean zog. Er wusste: Wenn er im Ozean seine Ruhe finden sollte, dann würde er im Ozean seine Ruhe finden. Er achtete das und wusste das – und er weiß noch heute, dass der Ozean ihm jederzeit das Leben nehmen kann.

Coppin Colburn

Das Wellenreiten beschreibe ich einfach so: Es gibt keinen Anfang und kein Ende – es ist nur ein Weitermachen. Wo man anfängt oder aufhört, das sind nur Phasen oder Punkte auf ein und derselben Linie – auf demselben Kontinuum. Und das Leben ist genauso.

Für mich war der Tod wohl schon immer da. Und nicht nur der, den das Meer mitbringt. Dass ich meinen richtigen Vater nie gekannt habe – das ist eine Art Tod. Ist es ein körperlicher Tod? Nein – aber Trauer ist da ganz sicher.