Linksrechtsobenunten - Band 3: Die Prophezeiung - M.W. Schwarzbach - E-Book
Beschreibung

Band 3: "Die Prophezeiung" Maries Bruder Max wurde von den Norddiminuren entführt. Gemeinsam mit den Wolkenkriegern und den Diminuren begibt sich Marie nach Nordland, um ihren Bruder zu retten und die Alphrime aus der Gefangenschaft zu befreien. Eine alte Prophezeiung erweckt Hoffnung. Doch die böse Hexe Malusa verwandelt sie von einem auf den anderen Moment in Schall und Rauch. Dennoch will Marie verhindern, dass die Schlacht vor den Toren von Klabbüddel, der Hauptstadt von Nordland, in einem verheerenden Krieg endet. Da offenbart sich ihr ein Bote aus lang vergangenen Zeiten … Band 1 "Die Wolkenkrieger" und Band 2 "Der neue König" sind ebenfalls im mainbook Verlag erschienen. Die Serie: Sechs Wochen Sommerferien genießen, das war der Plan. Doch der geht nicht auf, denn urplötzlich findet sich Marie in der fremden Welt Linksrechtsobenunten wieder. Sie landet bei den Diminuren, in unserer Welt als Wichtelmänner bekannt, die sie mit einer gefährlichen Aufgabe betrauen. Dann macht sie eine Entdeckung, die ganz Linksrechtsobenunten in einen schrecklichen Krieg zu stürzen droht ...

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Seitenzahl:243

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M.W. Schwarzbach

LINKSRECHTSOBENUNTEN

Fantasy-Serie

Band 3:Die Prophezeiung

Die Serie „Linksrechtsobenunten“

Sechs Wochen Sommerferien genießen, das war Maries Plan. Doch der geht nicht auf, denn urplötzlich findet sie sich in der fremden Welt Linksrechtsobenunten wieder. Sie landet bei den Diminuren, in unserer Welt als Wichtelmänner bekannt, die sie mit einer gefährlichen Aufgabe betrauen und macht zu allem Überfluss auch noch eine Entdeckung, die ganz Linksrechtsobenunten in einen schrecklichen Krieg zu stürzen droht …

Band 3 „Die Prophezeiung“

Maries Bruder Max wurde von den Norddiminuren entführt. Gemeinsam mit den Wolkenkriegern und den Diminuren begibt sich Marie nach Nordland, um ihren Bruder zu retten und die Alphrime aus der Gefangenschaft zu befreien. Eine alte Prophezeiung erweckt Hoffnung. Doch die bösen Hexe Malusa verwandelt sie von einem auf den anderen Moment in Schall und Rauch. Dennoch will Marie verhindern, dass die Schlacht vor den Toren von Klabbüddel, der Hauptstadt von Nordland, in einem verheerenden Krieg endet. Da offenbart sich ihr ein Bote aus lang vergangenen Zeiten …

„Die Prophezeiung“ ist der dritte Teil der Fantasy-Reihe „Linksrechtsobenunten“. Band 1 „Die Wolkenkrieger“ und Band 2 „Der neue König“ sind ebenfalls im mainbook Verlag erschienen

Der Autor

M. W. Schwarzbach wurde 1971 in Fürth/Bayern geboren, lebt bei Kassel und ist im öffentlichen Dienst tätig. Nach drei Jahrzehnten als kreativer, leidenschaftlicher Musiker/Songwriter begann er Ende 2011, Kurzgeschichten zu verfassen. Bereits Anfang 2012 kamen erste Zusagen. Seitdem veröffentlichte er viele seiner Geschichten in Anthologien und Zeitschriften verschiedener Verlage.

Im April 2016 beendete er die Arbeit an seinem ersten Fantasy-Roman „Linksrechtsobenunten“, der nun vom Mainbook-Verlag als mehrteilige E-Book-Reihe veröffentlicht wird. Weitere Infos: http://www.geschichtenschreibermws.de

Copyright © 2017 mainbook Verlag, mainebook Gerd Fischer

Alle Rechte vorbehalten

eISBN 978-3-946413-52-3

Lektorat: Gerd Fischer

Layout: Olaf Tischer

Cover Bildrechte: © fotolia/ Jan Stopka

Besuchen Sie uns im Internet: www.mainbook.de oder

www.mainebook.de

Dieser Band ist meinem guten Freund Thomas und seinem Vater Werner gewidmet. Vielleicht kriegt ihr da, wo ihr jetzt seid, mit, wie ihr Marie als Berghöhlenwächter zur Seite steht …

Inhalt

1. Die Wächter der Berghöhlenpfade

2. Das dritte magische Wesen

3. Das Geheimnis des Weltenwanderers

4. Ein königliches Geheimnis

5. Die Verhandlung

1. Die Wächter der Berghöhlenpfade

Marie Fuchsner war in Niederwiesendorf mit allen Ehren verabschiedet worden. Sie hatte sich durch ihren Einsatz für die Diminuren das Recht erworben, Linksrechtsobenunten wann immer sie wollte zu besuchen. Die Diminuren und die anderen Helfer versammelten sich, einer Bitte der Wolkenkrieger folgend, in der großen Halle von Niederwiesendorf. Von den Fenstern aus beobachteten die großen Wesen und Tiere das Geschehen. Thujus berichtete von der Entführung der Alphrime, dem Angriff der Kraphare auf Aquila und darüber, was sie in Klabbüddel erfahren hatten. Als er an der Stelle angekommen war, an der die Nordis ihrem neuen König zujubelten und seinen Namen Gegorak riefen, zuckte der Zauberer Aggadar Rasselstock zusammen.

„Gegorak? Könnte es sein …?“, fragte er sich.

Flax, das Bergteufelchen, übernahm das Wort: „Ich habe mich zu den gefangenen Alphrimen durchgeschlagen. Sie sind eingepfercht in einem öden, ausgetrockneten See und äußerst verängstigt. Ihr hättet sie sehen sollen. So ein stolzes Volk völlig am Boden zerstört. Ich habe versucht, ihnen Mut zuzusprechen, also habe ich von der großen Diminurenarmee erzählt, die sie mit Leichtigkeit befreien könnte.“

Ein Murren ging durch den Saal und Dando Sando, der Bürgermeister von Oberwaldstadt, zog misstrauisch die rechte Augenbraue hoch. Auch Wulgadir Rothnas, das Oberhaupt von Niederwiesendorf, sah Flax argwöhnisch an. In Thujus wuchs die Angst davor, die Diminuren würden sie in ihrem Kampf nicht weiter unterstützen. Dann wäre sein Volk verloren.

„Die Augen der Alphrime leuchteten auf“, fuhr Flax fort, „sie hatten schon vom Mut und dem Eifer der Diminuren gehört und ich konnte die große Hoffnung, die dadurch in ihnen aufstieg, förmlich spüren. Sie feierten diese Nachricht und priesen die Herrlichkeit des großen Volkes der Diminuren. Lieder besangen ihre furchtlosen und starken Krieger!“ Es waren nur ein paar Worte und dazu noch geflunkert, aber sie verfehlten ihre Wirkung nicht. Ein Tumult brach aus und man stritt im Publikum, wobei eine große Mehrheit bereits dafür war, den Alphrimen zu helfen. Auch unter den Bürgermeistern machte sich eine Mehrheit dafür stark.

„Im Honig ums Maul schmieren bist du wirklich ein wahrer Meister“, flüsterte Thujus dem Bergteufelchen zu. Flax zuckte mit den Schultern und blickte unschuldig drein.

Aggadar unterbrach die Diskussionen im Saal: „Herrscht dieser Gegorak wirklich ganz allein über die Norddiminuren oder hast du irgendwelche Berater gesehen?“ Stille trat ein und Aggadar, der noch immer einen ernsten, nachdenklichen Gesichtsausdruck hatte, sah Thujus an.

„Nun“, fing der Wolkenkrieger verunsichert an, „da ist sein Adjutant, dieser schmierige Ogglidan Sauberhemd, ein General der Norddiminuren. Und dann war da noch seine Leibgarde.“

„Sonst niemand?“, fragte Aggadar in einem fordernden Ton.

„Nein“, sagte Thujus bestimmter, kam aber ins Grübeln. „Doch, da war noch jemand.“

„Wer?“

„Niemand wichtiges, nur eine Frau, die im Hintergrund stand.“

„Eine schöne Frau?“ Aggadar schien aufgeregt.

„Oh ja, sie war wunderschön!“

Thujus schwärmte in Gedanken, als Aggadar die nächste Frage stellte: „Hatte sie einen Stock dabei?“

Er musste nachdenken. „Ich … ich glaube sie hatte einen.“

„Wie sah er aus?“

„Ich weiß nicht mehr genau … er … er war …“

„Denk nach, Junge!“, brüllte ihn der Zauberer an.

„Ja doch!“, Thujus war wütend ob der strengen Art und Weise, die Aggadar bei seiner Befragung an den Tag legte.

„Mach ihn doch nicht so irre“, ermahnte der Dorfälteste Rekna Weisidoch den Zauberer. Doch Aggadars energisches Fragen förderte Thujus‘ Nachdenken. Er wollte sich nicht die Blöße geben, keine Antwort zu haben, also arbeitete sein Kopf auf Hochtouren.

„Er war schwarz“, sagte er, als es ihm wieder in den Sinn kam, „gebogen und verschnörkelt.“

„Interessant. Und hatte sie irgendwelche fremdartigen Wesen bei sich?“ Die Stimmlage des Zauberers war wieder gewohnt ruhig.

„Nein, sie war ganz alleine“, antwortete Thujus, der dadurch etwas verwirrt schien.

Da meldete sich Flax zu Wort: „Am ausgetrockneten See habe ich furchteinflößende Laute vernommen, die ganz sicher von einem oder mehreren fremdartigen Wesen stammten.“

„Oh“, hauchte Aggadar und ihm glitt jegliche Farbe aus dem Gesicht. „Die Prophezeiung scheint sich zu erfüllen …“ Alle Anwesenden starrten den Zauberer aus Gesichtern an, auf denen tausend Fragen geschrieben standen.

„Welche Prophezeiung?“, wagte sich Wulgadir, der sich als erster wieder gesammelt hatte, zu fragen. Aggadar kam nicht mehr dazu, ihm zu antworten, denn in diesem Augenblick öffnete sich lautstark die Tür zum großen Saal und Pietschie und Marie stürmten herein.

„Mein Bruder!“, rief Marie verzweifelt. „Er ist entführt worden.“

„Von den Nordis“, fügte Pietschie aufgeregt hinzu und eine erneute Starre befiel die Anwesenden. „Wir müssen etwas unternehmen. Und zwar schnell! Es ist noch nicht lange her, wir können ihn noch unversehrt retten.“ Marie schossen bei diesem Satz die Tränen in die Augen. Sie hatte noch gar nicht darüber nachgedacht, dass ihrem Bruder etwas angetan werden könnte.

„Bleibt ruhig!“, sagte Aggadar. „Wie kommt ihr darauf, dass die Nordis ihn entführt haben? Habt ihr überall nach ihm gesucht?“

„Natürlich“, blaffte Marie ihn an.

Pietschie hingegen antwortete besonnen: „Ich habe ein Schwert von ihnen unter seinem Bett gefunden.“

„Hm …“, entglitt es dem Zauberer besorgt. Aber er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, welchen Plan die Nordis mit der Entführung verfolgten. „Wir dürfen auf jeden Fall nicht überstürzt handeln.“ Er stellte sich in Richtung der Bürgermeister. „Uns bleibt nun keine andere Möglichkeit, als der Bitte des Wolkenkriegers nachzukommen. Wir sind dazu verpflichtet, dem Menschen, der so viel für uns getan hat, nun auch zu helfen.“

Alle Bürgermeister stimmten ihm ohne Einwand zu.

Aggadar erklärte: „Ich kenne nur Fragmente der Prophezeiung und diese auch nicht mit genauem Wortlaut. Ebenso bin ich mir nicht sicher, wie viel von der tatsächlichen Prophezeiung in diesen Bruchstücken steckt. Aber all das hier scheint damit zusammen zu hängen. Und wenn das der Fall ist, ist diese schöne Frau eine mächtige Hexe, die im Begriff ist, schreckliches Unheil über ganz Linksrechtsobenunten zu bringen. Sie ist bekannt unter dem Namen Malusa.“ Im Saal machte sich Angst und Verunsicherung breit. Während die meisten Diminuren in ihrer Kindheit Schauergeschichten über die böse Hexe Malusa gehört hatten, hatten die Ältesten den letzten Versuch ihrer Machtergreifung in Linksrechtsobenunten miterlebt und erinnerten sich mit Schrecken daran. „Aber es gibt natürlich auch gute Nachrichten.“ Alle im Saal horchten auf und Aggadar fügte unhörbar hinzu: „Hoffe ich …“ Lauter verkündete er: „In der Prophezeiung ist die Rede von drei großen Zauberern und dem Nachfahren eines mächtigen Wesens, die gemeinsam in der Lage sind, die Hexe zu besiegen.“

„Ha!“, ließ Dando Sando verlauten. „Mein Zauberer ist mächtig, du bist mächtig und es werden sich unter den anderen Diminurenzauberern mit Sicherheit noch einige finden lassen, die es mit der Hexe aufnehmen können.“ Er blickte grinsend drein und auch die anderen Bürgermeister wirkten wieder siegessicher.

„Ist euch gar nichts aufgefallen?“, fragte Aggadar in die Runde, worauf ihn die Bürgermeister ratlos ansahen. Er schnaufte. „Wann habt ihr eure Zauberer das letzte Mal gesehen?“

„Nach da‘ Rauferei auf‘m Berg“, sagte Gastl Anhoibn.

„Bist du dir ganz sicher?“, wollte Aggadar wissen.

„Hm, i woas net recht“, stutzte der Bürgermeister, „vielleicht auch vorhäa.“

„Das glaube ich eher“, erklärte Aggadar, „mir ist während des Kampfes schon aufgefallen, dass immer weniger Magie die Gegner traf. Ich habe einige meiner Kollegen einfach verschwinden sehen. Als wir dann wieder hier waren, bin ich auf die Suche nach ihnen gegangen und musste feststellen, dass kein einziger mehr da ist.“

„Was?“

„Wo sollen sie denn getz sein?“

„Des gibt’s doch gor net.“

Die Bürgermeister redeten durcheinander und wirkten äußerst verwirrt.

„Ich weiß es nicht genau“, sagte Aggadar, „aber ich vermute, dass Malusa dahinter steckt.“ Die Verwirrung in den Gesichtern der Bürgermeister wich blankem Entsetzen.

Afo Moin war der erste, der seinen Verstand wieder etwas ordnen konnte. „Und wat moken wir nu?“, erkundigte er sich besorgt.

„Was wir machen?“, fragte Aggadar rhetorisch. „Ich werde gegen sie kämpfen und hoffe auf die Hilfe eines der größten Zauberer, die es in Linksrechtsobenunten gibt.“

„Und wo finden wir den?“, wollte Flax, der neben Insgadir Gukdium, dem alten Späher, der Marie seit ihrer Kindheit beobachtet hatte, und Thujus stand wissen.

„Er ist hier unter uns“, antwortete Aggadar.

„Was?“, entglitt es Wulgadir. „Wer ist es?“ Er sah sich im Saal um, während die Augen der anderen Diminuren seinem Blick folgten. Aber sie konnten keinen mächtigen Zauberer unter sich ausmachen.

„Er steht dort neben dem Wolkenkrieger.“ Alle Köpfe drehten sich in Thujus‘ Richtung.

„Insgadir kann zaubern?“, fragte Wulgadir völlig fassungslos. „Warum hast du mir das nie verraten?“

„Nein, nicht der alte Späher! Senkt eure Köpfe etwas“, sagte Aggadar. „Es ist das mächtige Bergteufelchen!“ Flax zuckte zusammen und wirkte mit einem Mal sehr unruhig. Im Saal tat sich ein erneutes Tuscheln auf und einige Anwesende lachten spöttisch. Bergteufelchen können schlecht mit Kritik umgehen, aber ausgelacht und nicht ernstgenommen zu werden, hassen sie abgrundtief. Flax blickte Ludowie Vonhold, Bürgermeister von Schönwurz, und Bollbrick van Smördland, Bürgermeister von Smördland, einer flachen Insel weit draußen im westlichen Meer, finster an. Die beiden lachten am lautesten. Sie verstummten, als sie plötzlich vom Boden abhoben und der ganze Saal füllte sich mit stiller Verblüffung. Beide Dorfoberhäupter schwebten waagerecht, zwei Meter über dem Boden auf die übrigen Bürgermeister zu und ihre Augen glühten rot. Ein tiefes Grollen entrann Ludowies Kehle und aus seinen Nasenlöchern stieß schwarzer Rauch, während Bollbrick laut knurrte und die Zähne bleckte.

Flax bewegte seinen Mund und die beiden gaben gleichzeitig mit geisterhaft verzerrten Stimmen von sich: „Zweifelt noch jemand an der Macht des Bergteufelchens?“

Kleine Flammen stoben aus ihren Mündern, worauf alle Zweifler mit einem Schlag ihren Hader über Bord warfen und schuldbewusst zu Boden blickten.

„Lass sie runter, Flax!“, forderte Aggadar das Bergteufelchen auf und wiederwillig kam es seinem Wunsch nach. Die beiden Dorfoberhäupter landeten mit den Füßen voran auf dem Boden und drängten sich hastig in die letzte Reihe der anderen Bürgermeister.

„Nun denn“, meldete sich Pilzbarth Tjockerson kampfeslustig zu Wort, „lasst uns aufbrechen und erneut in den Kampf ziehen. Mit zwei so großen Magiern an unserer Seite werden wir die Hexe schon zur Strecke bringen.“

„Nicht so schnell“, unterbrach Aggadar das angespornte Raunen im Saal. „Wenn es sich wirklich um Malusa handelt, was ich befürchte, dürfen wir sie nicht unterschätzen. Außerdem ist in der Prophezeiung, soweit ich weiß, die Rede von drei mächtigen Magiern, die sie bekämpfen müssen. Wir brauchen weitere magische Unterstützung und diese finden wir vielleicht auch in unseren Reihen.“ Er blickte zu den Fenstern des Saales. „Aquila, du besitzt auch magische Kraft.“

„Oh nein, oh nein“, sagte der riesige Adler kopfschüttelnd. „Ich besitze nicht mal ansatzweise so viel Magie wie ihr.“

Thujus meldete sich zu Wort: „Aber es gibt noch einen weiteren Montusaadler und zusammen besitzen sie vielleicht genug Magie, um euch zu unterstützen.“

Aquila beruhigte der Gedanke daran, den erfahrenen und mächtigen Halatos an seiner Seite zu haben und stimmte zu: „Das wäre einen Versuch wert. Wir müssten nur nach Steilland fliegen und den beiden alten Wolkenkriegern unser Problem schildern. So wie ich sie kenne, wären sie sofort bereit, uns zu helfen.“

„Wir sollten diese Chance nutzen“, sagte Aggadar. Wulgadir und Dando stimmten zu.

„Dann lasst uns keine Zeit verlieren“, sagte Thujus, lief auf das Fenster zu und Aquila trat einen Schritt zurück. Der Alphrim sprang mit einem Satz zum Fenster hinaus und schwang sich auf Aquilas Rücken. „Ein Sieg wartet auf uns. Lass uns losfliegen!“, rief er und erntete damit tosenden Applaus. Mit seinem Enthusiasmus steckte er auch die Bürgermeister an, womit nun auch die letzten Zweifel schwanden.

„Bist du dir sicher, dass wir sofort los sollen?“, fragte Aquila leise.

„Natürlich“, antwortete Thujus vorwurfsvoll, „die Zeit drängt.“

„Nun gut“, antwortete Aquila und hob ab. Die Diminuren rannten aus der Halle, um den Helden laut applaudierend hinterher zu sehen. Marie folgte ihnen behäbig und wirkte abwesend, als sie die Hand zum Winken hob.

Als die Bürgermeister sich wieder auf ihre Plätze begeben hatten, ging die Diskussion um einen Plan los. Wie vor dem letzten Kampf wollten die Bürgermeister allesamt mit dem Kopf durch die Wand.

„Ich sagte es eben schon einmal“, ermahnte Aggadar die Rathauschefs, die gefordert hatten, sofort nach der Rückkehr der Wolkenkrieger aufzubrechen und in Nordland einzufallen. „Wir dürfen nichts überstürzen. Unser Plan muss gut durchdacht sein.“ Er erntete Buh-Rufe und abfällige Bemerkungen. Die Bürgermeister konnten immer noch nicht damit umgehen, dass ihre Anweisungen abgelehnt wurden.

„Können wir nicht alle eure heiligen Steine benutzen, um direkt nach Klabbüddel zu gelangen?“, fragte Pilzbarth und die Aufmerksamkeit der Bürgermeister richtete sich begeistert auf ihn. An diese Möglichkeit hatten sie noch gar nicht gedacht.

„Die Idee an sich ist gut“, sagte Aggadar und die Dorfoberhäupter schienen ihm wieder wohlgesonnener, „aber das ist unmöglich. Wir haben nur eine geringe Menge an Steinen und jeder Stein wiederum kann nur eine gewisse Anzahl an Reisenden mitnehmen. Dafür sind wir einfach zu viele.“ Abermals erntete Aggadar mit seinen Worten die Missgunst der Bürgermeister.

„Dann solltest du dir als letzter verbliebener Zauberer unseres Landes eine Lösung dafür einfallen lassen oder bist du mit dieser Aufgabe vielleicht einfach überfordert?“, stellte Menne Obermuth, der Gildenführer von Niederwiesendorf, in den Raum und die Dorfoberhäupter nickten zustimmend. Der Gildenführer fühlte sich ob so großer Aufmerksamkeit sichtlich wohl und fügte beflügelt hinzu: „Ich muss auch Tag für Tag schwierige Entscheidungen treffen und kann es mir dabei nicht leisten einen Rückzieher zu machen. Leute, die sich an einer solch wichtigen Herausforderung schwer tun, sollten beizeiten ersetzt werden.“ Wieder stimmten die Bürgermeister zu, diesmal lautstark.

„Der Mann ist hier offenbar fehl am Platze“, sagte einer.

„Vollkommen überlastet mit der Situation“, ein anderer.

Der Bürgermeister neben Wulgadir mutmaßte: „Dein Zauberer ist vielleicht zu alt für so etwas.“ Wulgadir gefiel diese Aussage ganz und gar nicht.

„Ruhe!“, hallte es durch den Saal und alle folgten schlagartig dieser Aufforderung. Rekna Weisidoch trat vor. „Was soll diese Hetzjagd auf den einzigen, der uns noch anführen kann? Seid ihr vollkommen von Sinnen?! Wer von euch hat den Mut, seinen Platz einzunehmen? Wer von euch stellt sich vor Malusa und bietet ihr die Stirn? Wer von euch kann einen Plan vorweisen, der unsere Armee nicht umgehend in die Arme der Feinde schickt? Du?“ Rekna sah Dando wütend an.

„Ääh …“, stammelte dieser.

„Oder du?“ Sein aufgebrachter Blick fiel auf Menne.

„Ich …, äh …“, stotterte der Kaufmann.

Rekna wandte sich an die Bürgermeister: „Ihr lasst nun den letzten Zauberer der Diminuren seine Arbeit verrichten und tut das, was euer Stand von euch verlangt. Ihr geht zu euren Leuten und sprecht ihnen Mut zu. Sie sind euch in dem Vertrauen darauf gefolgt, dass ihr das Richtige tut. Also werdet ihr das auch tun. Ihr werdet ihnen sagen, dass ein großer Diminurenzauberer, vier Wolkenkrieger und ein mächtiger Bergteufel den Kampf gegen die böse Hexe aufnehmen und die Armee von Grünland in eine siegreiche Schlacht führen werden!“ Alle sprangen kollektiv auf und der darauf folgende, tosende Applaus der jubelnden Menge im Saal und an den Fenstern war die Antwort auf Reknas Ansprache. Die Bürgermeister mussten sich geschlagen geben.

Noch während der Jubelrufe im Saal trat Rekna auf Menne zu. „Und du“, flüsterte er ihm scharf ins Ohr, „lass Vorsicht walten, wenn du dich das nächste Mal mit einem Mitglied des Rates anlegst. Wir haben mehr Macht und einen wesentlich längeren Arm, als du vermutest. Ich weiß, dass du all deine wichtigen Entscheidungen ausschließlich zu deinen Gunsten getroffen hast und das auch nicht immer auf eine besonders ehrbare Art. Beweise dafür zu finden, schien mir bislang noch nicht ganz so wichtig zu sein, da du noch keinen allzu großen Schaden angerichtet hast. Aber sei dir gewiss, ich kenne Mittel und Wege deinem raschen Aufstieg einen schnellen Fall ohne Netz und doppelten Boden folgen zu lassen.“ Menne wollte auf das Schärfste protestieren, aber als er Reknas düsteren Blick wahrnahm, musste er stattdessen unwillkürlich schlucken und trat mit gesenktem Haupt in den Hintergrund.

Rekna begab sich zu Aggadar und flüsterte: „Du kennst die Prophezeiung ebenso gut wie ich. Was ist mit dem vierten im Bunde, dem Nachfahren eines mächtigen Wesens?“

Aggadar schüttelte den Kopf: „Ich weiß es nicht …, ich hoffe, dass die Zeit ihn uns sendet.“ Der Älteste nickte seufzend.

„Ich hätte da eine Idee!“, meldete sich Flax zu Wort, als Ruhe eingekehrt war. „Ich kenne einen Weg, der direkt zum Klabberg vor Klabbüddel führt. Es wäre nicht einmal eine halbe Stunde Fußmarsch durch einen Berghöhlenpfad und sein Eingang befindet sich ganz in der Nähe. Ich müsste die Passage all der Krieger allerdings erst mit den Wächtern der Berghöhlenpfade aushandeln.“

„Das klingt nach einer vielversprechenden Möglichkeit“, bekundete Aggadar, „kannst du gleich aufbrechen?“

„Nun …, das kann ich schon, ich bin nur …“, druckste Flax herum und dachte einen Augenblick nach. „Gäbe es vielleicht die Möglichkeit, dass du und Marie mich begleiten?“ Marie und Aggadar sahen sich an und nickten.

„Diese Möglichkeit gibt es“, sagte der Zauberer.

„Sehr gut“, entgegnete Flax erfreut, „dann lasst uns keine Zeit verlieren.“

„So wie wir wieder zurück sind, erstatten wir euch Bericht und dann werden wir das weitere Vorgehen besprechen“, verkündete Aggadar und Wulgadir stimmte zu. Er wünschte ihnen viel Erfolg. Als die drei Kundschafter den Saal verließen, entdeckte Marie aus dem Augenwinkel Menne und Konstabler Schnüffel, die in einer Ecke nebeneinander standen und sich angeregt unterhielten. Pietschie Poak indes blickte den Dreien verdrossen hinterher.

Als Aggadar, Marie und Flax das Dorf schon weit hinter sich gelassen hatten, hörten sie ein Rufen hinter sich: „Wartet auf mich!“

„Wer war das?“, fragte Flax und sie drehten sich um. Eine Gestalt kam auf sie zugelaufen und als sie näher kam, erkannte Marie ihren Freund.

„Pietschie“, rief sie.

„Ich muss euch begleiten“, keuchte der Späher außer Atem, als er die drei erreichte. „Ich …“, er holte Luft, „ich bin doch verantwortlich für Maries Sicherheit.“ Mit beiden Armen auf den Knien stand er schnaufend, aber mit erwartungsvollem Gesicht vor den Dreien.

„Ich sehe nichts was dagegen sprechen könnte“, sagte Flax.

„Du bist ein gewissenhafter Späher und ein zuverlässiger Freund“, bemerkte Aggadar zufrieden und Marie war die Freude über Pietschies Auftauchen immer noch ins Gesicht geschrieben. „Also, weiter geht’s.“ Aggadar, Marie und Flax gingen weiter.

„Wartet“, keuchte Pietschie, fiel nach vorne um und rollte auf den Rücken.

„Was ist mit dir?“, fragte Marie erschrocken.

Pietschie zog sich seine Barett-Mütze über das Gesicht. „Nur einen klitzekleinen Augenblick …“, war leise zu vernehmen und seine Brust hob und senkte sich in rascher Folge. Er hatte gerade einen Sprint von knapp fünf Kilometern hinter sich gebracht. Da wäre jeder Späher für einen ‚klitzekleinen Augenblick‘ außer Atem. Nach etwa einer halben Minute wurde sein Atem langsam ruhiger und er sprang auf.

„Alles klar?“, fragte Marie.

„Und wie“, antwortete Pietschie, „ich bin wieder topfit …, so sagt man doch in eurer Welt?“

Marie lachte zaghaft. „So sagte man mal, vor fünfzig Jahren oder so …“

„Aha, naja – dann sag ich es anders: Ich bin wieder voll auf dem Dampfer.“

Marie verdrehte grinsend die Augen und Flax freute sich: „Das ist gut, wir können jede Hilfe gebrauchen.“

„Und warum können wir jede Hilfe gebrauchen?“, hakte Aggadar nach.

„Oh, ähm …“, gab Flax nach Worten suchend von sich, „vier Redner sagen mehr als drei, oder?“

Aggadar sah Flax misstrauisch an. „Durchaus tun sie das.“

Das Bergteufelchen bemerkte seinen Blick und warf ein: „Man kann die beiden Wächter auch an einem schlechten Tag erwischen und dann sollte man Geschick im Verhandeln aufbringen. Da kann eine weitere, aufgeweckte Stimme auf jeden Fall von Vorteil sein.“

„Hm, nun denn …“, sagte der Zauberer.

Sie zogen weiter und nach einer Weile kamen sie an eine mit Dotterefeu bewachsene Felswand. Flax bat Pietschie ihm zu helfen, einen großen Ast, dessen Blätter weiß-orange-gelbe Maserungen hatten, zur Seite zu drücken.

„Ha, da ist er“, sagte das Bergteufelchen, als ein großer Spalt im Fels hinter dem Bewuchs zum Vorschein kam. „Tretet ein!“

Aggadar und Marie begaben sich vorsichtig in die Höhle. Flax und Pietschie taten es ihnen gleich und der Dotterefeuast verschloss den Höhleneingang hinter ihnen.

„Das ist ja total dunkel hier“, sagte Marie und tastete sich durch die Finsternis, bis sie Aggadars Arm fand und ihn ergriff.

„Durchaus“, sagte dieser und mit einem Rasseln fing sein Stab an zu leuchten, „so ist es etwas besser.“

„Oh, tut mir leid“, bemerkte Flax, „ich hab ganz vergessen, dass ihr im Dunkeln nicht sehen könnt. Moment, das haben wir gleich.“ Ein Fingerschnipsen war zu hören und an der Wand befestigte Fackeln fingen im nächsten Augenblick Feuer. Vor den Vieren kam ein Gang neben dem anderen zum Vorschein, von denen aber nur einer weiter ausgeleuchtet war.

„Woher weißt du, dass wir diesen Weg einschlagen müssen?“, fragte Aggadar.

„Wie gesagt, ich war schon mal hier“, antwortete Flax belanglos, „und ich kann mir Wege eben gut merken.“

„Kannst du denn im Dunkeln sehen?“, wollte Marie wissen.

Des Bergteufelchens Brust hob sich. „Natürlich, ich bin ein Bergteufelchen! Und wie der Name schon sagt, leben wir auf, mit und in den Bergen. Für mich macht es keinen Unterschied, ob mir die Sonne Licht gibt oder der Fels.“

„Die Felsen geben dir Licht?“ Marie sah Flax fragend an und auch Pietschies Gesichtsausdruck spiegelte Verwirrung wider.

„Nicht alle“, erklärte das Bergteufelchen, „aber einige von ihnen waren vor der Entstehung des Berges nahe des Kerns von Linksrechtsobenunten. Und der besteht aus glühender Lava. Andere waren früher an der Oberfläche unserer Welt Jahrtausende dem Tageslicht ausgesetzt. Die haben das Licht der Sonne und die anderen die des Kerns in sich gespeichert. Meine Augen haben die Fähigkeit, dieses Licht aus dem kleinsten Gestein zu filtern. Das ist sehr prak …“

Weiter kam er nicht, denn er stockte abrupt. Wie aus dem Nichts stand ein großer, kräftiger Mann neben ihm. Haar und Vollbart des Neuankömmlings waren dunkelblond und er trug eine schwarze Lederweste, Jeans und Motorradstiefel.

„Flax“, gab er mit tiefer Stimme von sich.

„Oh … Hallo Kobsing“, erwiderte Flax etwas unruhig, „wie geht es dir so?“

„Da ich einige gute Freunde habe, geht es mir gut. Was nach deiner letzten Aktion in den Höhlen nicht unbedingt zu vermuten war, oder?“

„Mir war bewusst, dass du Freunde hast, sonst hätte ich das niemals zugelassen“, beteuerte Flax.

„Mir ist wiederum bewusst, dass du schon viel zu oft Dinge zugelassen hast, die in diesen Höhlen nicht erwünscht sind.“

„Aber es ist doch nie jemand ernsthaft zu Schaden gekommen.“

„Körperlich ist niemand zu Schaden gekommen, das stimmt. Aber ich habe seit unserem letzten Treffen jedes Mal Kopfschmerzen, wenn ich an dich denke. Und wenn ich dich nun vor mir sehe, fangen sie schon wieder an. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, warum wir dir die Eingänge zu unseren Pfaden gezeigt haben. Du hast bisher fast jedes Mal für Ärger in unseren Höhlen gesorgt.“

„Aber jedes einzelne Mal ohne böse Absicht“, versicherte Flax, „dass mich die Prackfledermäuse bis hier hinein verfolgen, konnte ich nun wirklich nicht ahnen. Und ich hätte euch das nur zu gerne erspart.“ Aggadar schnaufte. Nun wusste er, warum das Bergteufelchen nicht ohne ihre Begleitung in die Höhlen wollte.

Der Wächter brummte übelgelaunt, als sein Blick auf Marie fiel. „Heute hast du offensichtlich angenehmere Begleitung dabei. Hallo, Mädchen …“, er stockte und blickte Marie noch einmal genauer an. „Hm, ja, allem Anschein nach ein Menschenkind, wenn doch …“

„Was heißt: wenn doch?“, wollte Marie wissen.

„Schon gut, wahrscheinlich habe ich mich geirrt“, er winkte ab. „Wie ist dein Name?“

„Ich heiße Marie Fuchsner und ich bin kein Diminur, auch wenn meine Haare einen leichten Rotschimmer haben.“

„Den haben sie und es sieht toll aus“, sagte Kobsing und zwinkerte ihr zu. „Ich bin sehr erfreut, dich kennenzulernen.“ Der große Mann hatte eine wohltuende, besonnene Art an sich, die ihn Marie sofort sympathisch machte. Freude kam in ihr auf, die aber im nächsten Moment wieder von Trübsal überschattet wurde. „Und wer seid ihr zwei Diminuren?“

„Mein Name ist Aggadar Rasselstock und dies hier ist Pietschie Poak, einer der besten Späher von ganz Niederwiesendorf. Es ist uns eine Ehre dich kennenzulernen.“ Pietschie grunzte verlegen, sah den Wächter vorsichtig an und hoffte inständig, nicht mit diesem riesigen Kraftpaket in Streit geraten zu müssen.

Kobsing nickte zum Gruß. „Nun, es ist auch mir eine große Ehre euch kennenzulernen. Aber was habt ihr mit diesem Herumtreiber hier zu schaffen?“ Flax wollte gerade aufbegehren, als der Wächter ihm einen scharfen Blick zuwarf. Daraufhin behielt er seinen Protest für sich.

„Dieser Herumtreiber, wie du ihn nennst, hat dem Volk der Diminuren im Kampf beigestanden und sich verdient gemacht. Außerdem ist er im Begriff, unsere Welt zu retten“, antwortete Aggadar. „Ganz Linksrechtsobenunten droht eine große Gefahr aus Nordland.“

„Hm“, gab Kobsing nachdenklich von sich, „ich habe davon gehört. Mein Vater und ich sind deswegen sehr besorgt. Dieser Gegorak und seine Hexe führen nichts Gutes im Schilde.“

„Genau aus diesem Grund sind wir hier“, erklärte Pietschie. „Wir haben eine Armee aus Diminuren und Freunden, die unbemerkt an die Tore von Klabbüddel gelangen muss.“ Kobsing sah den jungen Späher eine Weile nachdenklich an. Niemand machte dabei ein Geräusch, lediglich Pietschie konnte vor Aufregung ein lautes Schlucken nicht zurückhalten.

„Hm“, grunzte Kobsing und holte eine goldene Pfeife unter seiner Weste hervor. Er blies hinein, aber kein Ton war zu hören.

„Was gibt’s, Junge?“ Neben Kobsing stand urplötzlich ein weiterer großer Mann mit Bart, der ihn lächelnd ansah. Die beiden Männer ähnelten sich sehr, nur dass der eben Erschienene älter war. Auch er trug Lederweste, Jeans und Motorradstiefel.

„Eine Passage für eine Armee“, sagte Kobsing und stellte den Mann vor. „Das ist mein Paps Kobsar, der erste Wächter der Berghöhlenpfade.“

„Flax“, bemerkte Kobsar argwöhnisch, „du bist ja auch mal wieder hier. Diesmal aber nicht in Begleitung von Fledermäusen oder anderen übelgelaunten Verfolgern, mit denen wir uns dann rumschlagen müssen.“

„Ja“, sagte Kobsing, „das sind die Abgesandten der Diminuren, Aggadar und Pietschie. Und dies ist das Menschenkind Marie.“

„Oh ja, ein Menschenkind“, sagte Kobsar erfreut. Auch er hatte diese bedächtige Art, die Marie schon an seinem Sohn gefallen hatte. „Wenn deine Haare noch etwas röter wären, gingst du glatt als Diminurin durch.“ Marie lächelte verhalten. „Seid gegrüßt und lasst hören, was euer Anliegen ist?“

Aggadar berichtete darüber, was geschehen war und von ihrem Plan die Alphrime und Max zu befreien. Kobsar und Kobsing hörten aufmerksam zu und nickten dabei besorgt.

Kobsar stimmte der Passage sofort zu. „Begleitet uns nach Nordland. Am besten ist es, wenn wir ein Stück laufen und ihr euren Bericht derweil fortführt, damit wir uns ein komplettes Bild der Lage machen können. Wie viele Krieger bitten um die Passage?“

Sie folgten dem ausgeleuchteten Gang und im Gehen berichtete Aggadar weiter. Als er die ungefähre Anzahl der Soldaten nannte, gab Kobsar ein kurzes „Oh“ von sich. Doch als Aggadar seine Vermutung kundtat, wer die Hexe an Gegoraks Seite sein könnte, blieb Kobsar stehen.

„Dann könnte sich die Prophezeiung erfüllen …“, hauchte er und man sah ihm an, wie ein Schauder über seinen Rücken lief.

„Genau das vermute ich auch“, bekräftigte Aggadar seine Annahme.

„Dann sollten wir keine Zeit verlieren“, bemerkte Kobsar und im nächsten Moment hatte der alte Berghöhlenwächter sie magisch in einen großen Höhlenraum transportiert, an dessen Ende sich ein großes Portal befand, vor dem Äste mit dichtem Blätterbewuchs hingen. „Das ist die Pforte zur Klabau in Nordland, folgt mir.“