Little Fighter - Nicole Pfund - E-Book

Little Fighter E-Book

Nicole Pfund

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Beschreibung

Jahre voller Angst, Selbstzweifel und Sorgen Auf der Suche nach mir selbst musste ich noch einmal meiner eigenen Vergangenheit begegnen und Traumata verarbeiten, die ich zuvor "mit Erfolg" verdrängt hatte. Drei Jahre lang kämpfte ich intensiv gegen meine tiefsten und stärksten Ängste, die heftige Gefühle auslösten, die ich zuvor noch nicht kannte. Ich schlug mich durch viele Therapien, besuchte einen Arzt nach dem anderen und nahm Medikamente in der Hoffnung, dass die mir helfen würden, "eine Lösung" zu finden. Etliche Rückschläge begleiteten mich und ich war dabei, mein Leben ganz aufzugeben, als ich bemerkte, dass ich von meiner Angst noch einiges lernen könnte und dass das Leben noch viel mehr zu bieten hatte. Ich nehme die Leser mit auf meine ganz persönliche Reise, hindurch durch meine Erfahrungen mit meiner psychischen Krankheit, und gewähre ihnen einen tiefen Einblick in meine schwierigste Zeit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 250

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Nicole Pfund

wurde am 28. August 1996 geboren. Hauptberuflich arbeitet sie als Fachfrau Betreuung mit Kindern zusammen und ist diplomierte Gesprächstherapeutin nach Invaluation®

Schon während ihrer Schulzeit wurde sie gemobbt und musste Gewalt in der Beziehung erfahren. Daraus resultierten starke Angst- und Panikattacken, die sie im Alter von 20 bis 23 Jahren in einem langwierigen Prozess schliesslich überwinden konnte.

„Tschüss, meine liebe Angst.“

Nicole PfundAus: Brief an die Angst, 4. März 2020

Dieses Buch ist für meine Familie, meinen Partner und meine Freunde.

Weil sie in den schwierigsten Zeiten zu mir gehalten und mich stets geliebt haben.

Inhalt

Dank

Einleitung

Zusammenbruch

Prägende Jugendjahre

Angstzustände und Panikattacken

Orientierung

Symptome von Angstzuständen und Panikattacken

Sei achtsam zu dir selbst

Die Angst kontrollieren wollen

Das Umfeld

Hinaufklettern

Aus den Tiefpunkten Kraft schöpfen

Der Weg zur Besserung

Umfallen, Aufstehen, Weitermachen...

Die Veränderung

In die Freiheit

Wieder oben

So habe ich wieder zu mir selbst gefunden

Mein persönlicher Abschiedsbrief an die Angst

Nachwort

Anhang

Wie ich von anderen wahrgenommen wurde

J. G., eidg. anerkannte Psychotherapeutin

Lucia Schmid, dipl. Komplementärtherapeutin (Fach Atem)

P. Horowitz, Hausarzt

M. & S. Pfund, Eltern

N. E.; Lebenspartner

Sonja Madl, beste Freundin

M. Baldinger, Hypnosetherapeut

D. Schifferle, Naturheilpraktiker und Drogist

Weiterführende Literatur

Danke

Ein besonders grosser Dank geht an meine Familie. Danke, dass ihr mir eine wunderbare Kindheit geschenkt habt und mich immer unterstützt habt. Ihr habt den Glauben an mich niemals aufgegeben, mich immer unterstützt und alle meine Entscheidungen akzeptiert. Ihr gabt und gebt mir Halt, Liebe und Vertrauen. Ihr seid mein Zuhause und das Wertvollste, das ich habe. Danke, Mama und Papa, für eure bedingungslose Liebe. Danke, dass ihr mir dieses wundervolle Leben geschenkt habt.

Danke, Manuela und Sven, dass ihr mich stets in den Arm genommen habt, und mich zum Lachen gebracht habt, wenn mir, wie so oft, wieder einmal nicht danach war.

Danke, an alle anderen wunderbaren Personen aus meiner Familie: Grosseltern, Cousins, Cousinen, Tanten, Onkel. Ich bin unglaublich dankbar für dieses starke Band, das uns alle miteinander verbindet. Es gibt kein schöneres Gefühl als zu einer grossen Familie zu gehören, wo man einander wertschätzt, akzeptiert und liebt. Ich bin euch allen aus tiefstem Herzen dankbar, dass ihr mich auf meinem Weg begleitet und mir Rückhalt gegeben habt. Dass ihr mir geholfen habt, ohne dass ich danach fragen musste, und dass ihr mir die Zeit gegeben habt zu wachsen und stark zu werden. Ich liebe euch.

Noah, du hast mich in dieser schweren Zeit geliebt und mir Rückhalt gegeben. Auch wenn es nicht immer einfach war, hast du stets dein Bestes gegeben. Du bist stark geblieben, als ich schwach war. Du hast mich ermutigt weiterzumachen und mich immer wieder darin bestätigt, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Du hast immer an mich geglaubt und die Hoffnung in mich nie aufgegeben, egal wie schwierig es war. Es braucht sehr viel Stärke, Kraft, Mut und Vertrauen, um solch eine Zeit gemeinsam durchzustehen. Du warst da und hast mir soviel Kraft geschenkt. Danke für deine bedingungslose Liebe!

Mauro, du warst meine Begleitung auf meinem Weg hinaus aus meiner Angst. Du hast mir den Mut gegeben, an mich selbst zu glauben. Schon die erste Sitzung bei dir, in der Hypnose, hat mir mein „Ich“ zurückgegeben. Dank dir konnte ich meine Ängste und Blockaden loslassen. Ich bin dir extrem dankbar für all deine aufmunternden Worte, für die Bestärkung darin, an mich selbst zu glauben, für die Zeit, die du dir genommen hast, um mich auf meinem Weg zu unterstützen. Du bist grossartig!

Danke, an meine beste Freundin Sonja. Seit wir uns in der Berufsschule begegneten, verbindet uns eine tiefe Freundschaft. Du warst immer für mich da, hast bei mir übernachtet, als ich Angst hatte allein zu sein, und du hast dir bis tief in die Nacht meine Sorgen angehört. Du hast mich immer wieder aufgemuntert, und mich stets so angenommen, wie ich war. Danke, dass du mit mir durch diese Zeit gegangen bist. Danke, dass ich mich immer auf dich verlassen konnte und ich mich immer bei dir anlehnen durfte, wenn ich nicht mehr weiterwusste. Du hast mein Leben vielfach bereichert und ich bin wirklich froh, dich an meiner Seite zu wissen.

Mein Dank gilt all meinen Freunden, die mich durch diese Zeit begleitet haben und immer treu an meiner Seite geblieben sind. Es mag einfach sein, in guten Zeiten jemandem zur Seite zu stehen, aber wahre Freundschaft ist es, wenn man auch in schwierigen Zeiten zueinander hält. Ihr habt mich an traurigen Tagen zum Lachen gebracht, meine Tränen weggewischt und mir gezeigt, wie wundervoll das Leben sein kann. Ihr wart einfach da, habt mich so akzeptiert wie ich bin und hattet auch zur späten Stunde immer ein offenes Ohr für mich. Ich bin euch aus tiefstem Herzen dankbar!

Danke an alle Therapeuten und Therapeutinnen, Ärzte und Ärztinnen, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Ihr alle habt eine grossartige Arbeit geleistet! Ich bin froh, den Weg zu euch gefunden und gemeinsam mit euch den Weg gemeistert zu haben. Danke für eure Geduld und euer Verständnis. Danke, dass ihr mich unterstützt habt.

Danke, an alle, die mir den Rücken freigehalten haben, während ich über zwei Jahre lang dieses Buch geschrieben habe. Danke an all jene, die mitgewirkt haben und mir mit Rat und Tat zur Seite standen. Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen.

Ich bin dankbar für alle Menschen, die mir auf meinem Lebensweg begegnet sind. Ganz egal ob sie gut zu mir waren oder nicht. Denn durch jeden von ihnen konnte ich eine Menge lernen und zu der Persönlichkeit heranwachsen, die ich heute bin.

Im April 2021 - Nicole Pfund

Einleitung

Zum gefühlt hundertsten Mal sitze ich an der Einleitung für dieses Buch. Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Wo beginnt man, wenn man seine eigene Geschichte erzählen möchte? Wie viel ist man bereit, von sich selbst zu erzählen und damit auch eine gewisse Angriffsfläche zu bieten? Als ich vor etwas mehr als zwei Jahren begann, die ersten Sätze dieses Buches zu schreiben, war mir noch nicht bewusst, dass am Ende ein Buch daraus entstehen würde. Anfangs war es für mich einfach eine Verarbeitungstaktik, meine eigene Geschichte aufzuschreiben. Doch immer mehr fesselte mich der Gedanke, dass ich damit anderen helfen könnte. Viele haben mir davon abgeraten, das Buch zu veröffentlichen. Jedoch spielte das für mich keine Rolle. Ich habe kein Problem damit, meine Vergangenheit offen zu erzählen. Sie gehört zu mir. Meine Vergangenheit ist Teil meines Lebens. Es gibt nichts, wofür ich mich schämen würde. Ich habe kein Problem, zu meinen „Fehlern“ (für mich sind es heute eher Erfahrungen als Fehler) zu stehen und offen darüber zu sprechen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Rucksack zu tragen, und hat gewisse Dinge erlebt, die dazu beigetragen haben, dass man sich immer wieder verändert. So ist das Leben.

Mich hat dieses Buch viel Kraft gekostet, denn es war nicht einfach, noch einmal in meine prägendste Zeit hinabzutauchen und all die Situationen Revue-passieren zu lassen. Teilweise habe ich danach stundenlang geweint, weil ich nicht fassen konnte, dass dies wirklich meine eigene Geschichte ist. Ja, gewisse Erlebnisse schmerzen mich noch heute. Wie spricht man am besten über Mobbing, Gewalt in der Beziehung, über Angst und Panikattacken? Ich hoffe, man könne verstehen, wie schwierig es ist, solch sensible Themen öffentlich preiszugeben und darüber zu sprechen, da sie nach wie vor ein Tabu in unserer Gesellschaft sind. Allein Mobbing wird so oft übersehen und kaum jemand traut sich darüber zu sprechen. Kaum jemand erhebt die Stimme, wenn Gewalt ausgeübt wird. Und soviele schweigen, wenn sie unter psychischen Krankheiten leiden. Und da habe ich mir oftmals die Frage gestellt: Wieso? Wieso tun wir das? Wieso sollte man nicht darüber sprechen? Es sind hochsensible Themen, das ist mir klar. Und dennoch können sie in einem Menschen erheblich grossen Schaden anrichten. Ich kenne mittlerweile einige Menschen, die selbst stark von Mobbing betroffen waren oder immer noch betroffen sind. Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, wieso man wegschaut. Wieso (fast) nie geholfen wird. Ich wage zu behaupten, dass viele Erfahrungen mit diesen Themen haben. Ob sie selbst Opfer sind oder waren, ob sie es „nur“ mitbekommen haben oder ob sie gar selber Täter waren. Ich selbst spüre beim Verfassen dieser Zeilen, dass mich der Gedanke daran, wieviele darunter leiden, sehr schmerzt. Dass es mich schmerzt, dass viele ihr Leben nicht mehr geniessen können, weil sie das Gefühl bekommen haben, nicht mehr zu genügen oder nicht mehr geliebt zu werden. Weil sich viele lieber verstecken, anstatt zu sich selbst zu stehen. Ich habe einige Kapitel in diesem Buch mehrfach wieder gelöscht und von vorne angefangen zu schreiben. Zum einen, weil es eine grosse Herausforderung war, die passenden Worte zu finden, für Emotionen, die fast unerklärlich sind. Zum anderen, weil ich mir nicht sicher war, ob ich damit klarkommen würde, was andere darüber denken. Natürlich habe ich mich anfangs auch dafür geschämt, was mir widerfahren ist. Und doch wurde mir klar, dass es nicht darauf ankommt, was andere denken. Es ist mein Leben. Es sind meine Entscheidungen. Ich wollte mich nicht mehr länger unterkriegen lassen, mich nicht mehr schwach fühlen müssen, weil mir immer gesagt wurde, dass ich schwach sei. Ja, solche Worte fielen oft. Dass ich schwach sei, weil ich mir professionelle Hilfe suchte und unter Angst und Panikattacken litt. Und tatsächlich, ich habe lange daran geglaubt. Ich glaubte, dass ich schwach sei, dass ich mit dem Leben nicht klarkommen würde und deshalb Hilfe benötige. Doch nein: genau das Gegenteil ist der Fall! Ob man es mir glauben will oder nicht: Es braucht eine enorme Kraft, für sich selbst einzustehen und sich selber wieder zu finden, wenn man sich komplett verloren hat. Es braucht Stärke, sich eingestehen zu können, dass man Hilfe braucht. Es erfordert unglaublich viel Mut, sich selbst zu reflektieren und in die Untiefen seines eigenen Wesens hinabzusteigen. Und es braucht einen starken Willen und ein starkes Durchhaltevermögen, um durch all die Schmerzen hindurchzugehen!

Ich selber durfte in meinen jungen Jahren schnell lernen, wie unheimlich wichtig es ist, auf sich selbst und seinen Körper achtzugeben. Anfangs war es sehr schwer für mich, das akzeptieren zu können. Während andere ihr „Teenagerleben“ komplett auslebten, stand ich völlig neben mir und wusste nicht wohin damit. Meine Vergangenheit holte mich ein und liess mich meine Gegenwart vergessen. Die Zukunft bereitete mir eine Angst. Ich wusste nicht mehr, wer ich selber war, und das Leben lief irgendwie neben mir vorbei. Und als ich soweit in die Tiefe gefallen war, dass ich schon nicht mehr aufstehen wollte und mein Leben nicht mehr als lebenswert empfand, erkannte ich, dass dieses Leben doch soviel Schönes zu bieten hatte. Mir wurde bewusst, dass es einen Grund hatte, wieso all das gerade zu diesem Zeitpunkt passierte.

In diesem Buch nehme ich die Leser mit zu den prägendsten Erlebnissen meines bisherigen Lebens. Ich gewähre ihnen einen tiefen Einblick in meine Gedanken und Emotionen.

Man wird sehen, wie oft ich hingefallen und wieder aufgestanden bin. Wie oft ich alles hinschmeissen und aufgeben wollte. Doch man wird auch sehen, wie ich mir selber hinausgeholfen habe und dass jeder vermeintliche Tiefpunkt, die Möglichkeit bietet, an sich selbst zu wachsen und es einem ermöglicht wird, das Leben zu leben, das man sich wünscht.

Genau aus dem Grund, weil ich mir von Herzen wünsche, dass alle ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen leben können, habe ich dieses Buch geschrieben. Aus diesem Grund mache ich auf die sensiblen Themen aufmerksam und erhebe meine Stimme! Weil jeder Mensch auf seine Art und Weise liebenswert und wundervoll ist.

„Zu heilen wird seine Zeit brauchen. Du wirst unglaublich viel Kraft und Geduld brauchen, um durch diesen Prozess hindurchzugehen. Du wirst vermutlich auch oftmals zweifeln. Du wirst dir selber begegnen auf diesem Weg, und das wird nicht immer ein freudiges Erlebnis sein. Ja, es ist schmerzhaft, die tiefen alten Wunden zu heilen und die selbstzerstörerischen Gewohnheiten abzulegen. Dennoch hast du die Wahl. Jeden Tag aufs Neue werden dir 24 Stunden geschenkt. Akzeptiere und respektiere deinen Weg. Respektiere und liebe dich selbst. Dich gibt es nur einmal, und du bist wertvoll genauso, wie du bist. Ganz egal wie schwierig die Zeiten gerade sind. Gib dir Zeit, es wird einfacher werden. Es ist JETZT deine Zeit, um glücklich zu werden und das Leben zu leben, welches du dir wünschst.“

Die in diesem Buch erzählte Geschichte meiner Vergangenheit wird ausschliesslich aus meiner eigenen Sicht erzählt, so, wie ich die Situationen und Ereignisse wahrgenommen habe. Mir ist vollauf bewusst, dass andere Menschen, die in meiner Geschichte eine Rolle spielen, die Ereingisse ganz anders gesehen haben könnten – aber um deren Sicht soll es hier nicht gehen. Es ist nicht das Ziel dieses Buches, zurückliegende Ereignisse neutral abzuklären, es geht einzig darum, wie ich alles erlebt und empfunden habe – und vor allem, was ich für mich daraus gemacht habe.

Im April 2021 - Nicole Pfund

Anmerkung: Die „Sprüche“ im Buch sind mir persönlich sehr wichtig, haben mich auf meinem Weg begleitet und waren immer wieder eine Hilfe, mich zu motivieren, deshalb habe ich sie hier wiedergegeben.

Leider ist von den meisten dieser Leitsprüche der Autor/die Autorin nicht bekannt.

Für meinen Weg heraus aus den Angstzuständen und Panikattacken benötigte ICH folgendes:

Zwei Jahre bis zur offiziellen Diagnose durch eine PsychologinZwei Jahre lang wöchentlich eine psychologische BetreuungUnzählige verschiedene MedikamenteSieben Arztbesuche jeden MonatMehr als dreissig NervenzusammenbrücheMehrere SelbstverletzungenDrei Jahre lang tägliche PanikattackenDrei vollgeschriebene TagebücherGrosse VerzweiflungViel Verachtung und AblehnungAnmeldung bei der Schweizer InvalidenversicherungZwei MagenspiegelungenEin Jahr lang Körper- und AtemtherapieZwei Tage auf der Notfallstation im SpitalZehn Kilogramm Gewichtsverlust durch eine EssstörungDrei Berufscoaches für die Wiedereingliederung in die ArbeitMehr als siebzig Bücher und Youtube-Videos mit ErfahrungsberichtenViele RückschlägeViel SelbstzweifelStändige Arbeit an mir selbstEine HypnosesitzungZweieinhalb Jahre lang schlaflose Nächte und heftige AlbträumeViele WutausbrücheVerlust von Freundschaften

Teil 1: Zusammenbruch

Prägende Jugendjahre

Mindestens zehnmal am Tag war ich davon überzeugt, dass ich sterben würde. Ja, das hat schon etwas aus mir gemacht. Meine Ängste und meine Panik vor dem Leben haben mich verändert. Aber nicht ins Negative, wie man vielleicht denken mag. Im Gegenteil. Ich bin daran gewachsen, bin stark geworden und habe dadurch bereits in jungen Jahren sehr viel über mein Leben gelernt. Ich habe mich selber kennen, lieben und akzeptieren gelernt.

Der Ursprung liegt bei einem Satz, welchen meine allererste Psychiaterin im Sommer 2016 an mich gerichtet hat. Es war anfangs Juni 2016. Mein damaliger Hausarzt, den ich kurze Zeit später auch wechselte, hatte mich an eine Psychiaterin überwiesen. Er war der Meinung, dass ich dringend professionelle Hilfe benötigte. Ich weiss noch, wie ich all meinen Mut zusammennahm und mich auf den Weg zu der Psychiaterin machte. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde und das machte mich ziemlich nervös. Als ich in ihrem Wartezimmer sass, fühlte ich mich nicht gut. Ich hatte ein seltsames Gefühl und wollte am liebsten wieder weggehen. Doch ich überwand mich und versuchte, einfach durchzuhalten und mir einzureden, dass der Termin bald vorbei sein würde. Kurze Zeit später wurde ich aufgerufen. Die Psychiaterin kam mir schon bei der Begrüssung sehr distanziert und kühl vor. Langsam folgte ich ihr ins Behandlungszimmer, das sehr klein und dunkel eingerichtet war. Mein Herz begann noch schneller zu schlagen, und ich fühlte mich von Minute zu Minute unwohler. „Frau Pfund, warum sind Sie heute bei mir?“, richtete sie das Wort an mich. Ich schilderte ihr eine Kurzfassung über die letzten sieben Jahre meines Lebens. Ich erzählte ihr von all den schlimmen Ereignissen, und dass ich mich in den letzten Monaten selber nicht mehr erkannte. Dass ich täglich unter Herzrasen, Erschöpfung, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel und Muskelkrämpfen litt. Ich erzählte ihr, mein Hausarzt meine, dass es für mich besser wäre, wenn ich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen würde. Sie schaute mich einige Sekunden lang mit einem kühlen und leeren Blick an. Und dann kam dieser Satz: „Frau Pfund, Sie sind psychisch so instabil, dass Sie in einer psychiaterischen Klinik für eine längere Zeit besser aufgehoben wären. Ich glaube nicht, dass Sie je wieder einmal fähig sein werden, Arbeiten zu gehen.“ Ihre Worte schockierten mich, und ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Innerlich fühlte ich mich „tot“. Ein Gedanke nach dem anderen raste durch meinen Kopf. War es nun wirklich soweit? War ich denn wirklich so krank, wie diese Frau sagte? Ich fühlte mich komplett verloren und hilflos. Und doch dachte ich mir, es müsse eine gewisse Wahrheit daran sein. Diese Frau war eine ausgebildete Psychiaterin. Sie musste doch wissen, von was sie sprach. Irgendetwas in mir wehrte sich aber stark gegen diese Aussage. Ich wollte das nicht. Ich konnte mir nicht vorstellen, mich auf eine Warteliste in eine psychiatrische Klinik einzuschreiben. Ich wollte nicht, dass diese Frau mich beurteilen würde, ohne dass sie mich genauer kannte oder mir überhaupt erst richtig zugehört hatte. In diesem Moment war ich zum ersten Mal dankbar dafür, dass ich einen sturen Kopf habe. Denn ich verliess das Behandlungszimmer und kam nie mehr dahin zurück. Für mich war klar, dass es einen anderen Weg geben musste, um aus meiner Krise herauszufinden.

Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie hart das Aufstehen werden würde, und wie oft ich dabei hinfallen würde.

Aber nun beginnen wir die Geschichte von Anfang an. Geboren bin ich am 28. August 1996 in Brugg Aargau. Meine Kindheit war wundervoll. Ich hatte alles, was man sich als Kind wünschen kann, alle Erinnerungen daran machen mich bis heute glücklich. Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar dafür, wie sie mich grossgezogen haben. Auch wenn ich es als Kind nicht mochte, haben sie mich und meine Geschwister in den Ferien immer dazu bewogen, wandern oder Fahrrad-fahren zu gehen.

Mit zehn Jahren stand ich auf 3000 Meter hohen Bergen, die ich allein hinaufgewandert war. Heute bin ich sehr dankbar dafür, schon sehr viel von der Schweiz gesehen zu haben. Bis zum heutigen Zeitpunkt liebe ich es, draussen in der Natur zu sein. Und oben auf den Bergen fühle ich mich frei.

Ich pflege zu allen Familienmitgliedern ein wahnsinnig enges Verhältnis, und die Familienfeiern, die mehrmals pro Jahr stattfinden, sind mitunter meine Highlights. In unserer Familie gründen meine Wurzeln, bei Ihnen finde ich Liebe, Vertrauen und Geborgenheit. Alles, was man braucht, um gesund und glücklich aufzuwachsen. Bis zu der fünften Schulklasse war die Zeit wunderbar. Das Ganze veränderte sich erst, als ich in die Oberstufe kam.

Mobbing in der Schule

In meinem zweiten Oberstufenjahr, gerade als ich dreizehn Jahre alt wurde, begann für mich eine äusserst schwierige Zeit. Von einem Tag auf den anderen wurde ich in der Schule gemobbt. Bis heute kenne ich den Grund dafür nicht. Ich war immer „anders“ als die anderen. Ich war immer „die Kleine“, und sah einige Jahre jünger aus, als ich tatsächlich war. Auch war ich diejenige, die zu den „Spätentwicklern“ gehörte. Ich bin aus allen Wolken gefallen, als sogenannte Freunde sich von mir abwendeten. Für mich fühlte es sich wie purer Hass an, den meine Mitschüler mir zeigten. Worte wie: „Du bist hässlich, du bist zu klein, du siehst nicht aus wie eine Frau, fett, zu nichts zu gebrauchen, eklig, Opfer, nutzlos, behindert, dumm usw.“, bekam ich täglich von meinen Mitschülern zu hören. Es tat unglaublich weh. Die Gedanken, die mir tagtäglich durch den Kopf gingen, wenn ich mir wieder die Beleidigungen anhören musste, kann man kaum in Worte fassen.

Bei Schimpfwörtern ist es aber nicht geblieben, von Tag zu Tag spitzte sich die Situation zu. Ich wurde mit Essen beworfen, bespuckt, und absichtlich umgestossen. Ich wurde sogar auf dem Nachhauseweg verfolgt. An manchen Tagen wollte ich mir absichtlich mein Bein brechen, nur um nicht mehr in die Schule gehen zu müssen. Und dennoch stand ich jeden Tag auf, ging zur Schule, und liess alles wieder über mich ergehen. Ich kam weinend in der Schule an und ging weinend wieder nach Hause.

Aus demselben Grund, wie es viele andere heute auch tun, die gemobbt werden, habe ich mich anfangs weder meinen Lehrern noch meinen Eltern anvertraut. Ich hatte grosse Angst. Und ich schämte mich in Grund und Boden. Ich glaubte, und hatte Angst davor, dass, wenn ich meinen Lehrern oder meinen Eltern erzählen würde, was die anderen Mitschüler mir antun, dass sie mich, genauso wie meine Mitschüler, sehen würden. Wieso ich das glaubte? Weil ich davon überzeugt war, dass ich ein schlechter Mensch sei, schliesslich würde ich ja nicht grundlos so behandelt. Ich habe so an das geglaubt, dass ich keinen Gedanken daran verschwendet habe, dass meine Eltern oder die Lehrer mich unterstützen würden. Ich habe mich selber als wertlos, nutzlos, klein, dick, hässlich usw. angesehen und mir täglich diese Vorwürfe gemacht. Wenn ich mich daran zurückerinnere, kann ich noch heute genau hören, was ich damals jeden Tag zu mir selbst gesagt habe. Ich habe mich morgens und abends im Spiegel angesehen und mich von Kopf bis Fuss kritisiert. Ich habe mir selber eingeredet, dass ich schuld sei, wenn meine Mitschüler mich so behandelten. Denn würde ich besser aussehen, vielleicht ein paar Kilo weniger wiegen, dann würden sie mich auch nicht so schlecht behandeln. Ständig suchte ich nach Gründen und zog mich selber so viel weiter in eine Opferrolle hinein.

Meine Mitschüler haben mir sogar gedroht, dass, wenn ich anderen davon erzählen würde, mir dann noch viel Schlimmeres zustossen werde. Und so schwieg ich einige Monate lang darüber.

Wenn man mit dreizehn Jahren so gedemütigt und erniedrigt wird, ist es sehr schwierig, aus dem Kreislauf der Opferrolle auszubrechen und sich dagegen zu wehren. Ich wusste nicht, wie ich mich wehren könnte, und ich hatte auch nicht den Mut dazu, mich gegen mehrere Schüler gleichzeitig zur Wehr zu setzen.

Nach gut einem halben Jahr habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich meinen Eltern anvertraut. Ich erzählte ihnen alles, was in der Schule vor sich ging.

Bei Mobbingopfern ist das üblich, dass plötzlich alles auf einmal erzählt wird. Es wird aber meistens wirklich nur einmal erzählt. Deshalb ist es als Angehörige/r ratsam, genau hinzuhören. Auch ich erzählte, eher verschwommen, was genau vor sich ging und nicht alles bis ins kleinste Detail.

Es gab nicht diesen einen Zeitpunkt, bei dem ich dachte: „So, jetzt erzähle ich aber jemandem davon.“ Sondern: Ich kam nach der Schule nach Hause, wurde einmal mehr darauf angesprochen, wie es denn gewesen sei in der Schule, und da sprudelte einfach alles aus mir heraus. Denn ich hielt diesem inneren Druck, der sich aufbaute, nicht mehr stand. Ich war zu diesem Zeitpunkt, als ich meinen Eltern vom Mobbing erzählte, mittlerweile schon so weit, dass ich mich, abends im Bett selber ritzte. Der Wunsch, irgendwann tiefer zu schneiden, war ziemlich gross.

Es fühlte sich erleichternd an, meinen Eltern alles zu erzählen. Doch gleichzeitig schämte ich mich ungemein dafür. Meine Eltern aber hatten schon länger die Vorahnung, dass irgendwas mit mir nicht in Ordnung sei. Denn natürlich hatten sie gemerkt, dass ich nicht mehr die gleiche Person war wie noch ein paar Monate zuvor. Sie haben auch immer wieder nachgefragt, weil sie sich grosse Sorgen machten. Doch ich hatte jedesmal abgeblockt.

Meine Ängste den Eltern gegenüber, dass sie ebenfalls schlecht über mich denken würden, bewahrheiteten sich selbstverständlich nicht. Und genau das zu erfahren gab mir auch wieder etwas mehr Mut und den Glauben daran, dass mich nicht alle für wertlos hielten. Meine Eltern reagierten in dieser Zeit genau richtig, sie stärkten mein Selbstwertgefühl und redeten mir immer wieder ein, dass ich nicht die Schuld dafür tragen würde, wie andere mich behandelten.

Für mich war das äusserst schwierig zu verstehen und auch anzunehmen. Ich hatte grosse Mühe damit, den Worten meiner Eltern Glauben zu schenken. Vielleicht lag es daran, dass ich von morgens bis abends in der Schule nur Schlechtes über mich zu hören bekommen hatte. Und als ich dann von der Schule nach Hause kam und überflutet war von grausamen Worten, konnte ich die schönen und aufmunternden Worte meiner Eltern gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Ich erinnere mich gut daran, wie ich von der Schule nach Hause kam und mich nur noch in mein Zimmer zurückziehen wollte. Meine Mutter kam dann oftmals hinterher und versuchte mit mir zu sprechen, aber auch da blockte ich ab.

So machten meine Eltern dann meine Lehrer darauf aufmerksam, dass ich zu Hause erzählt hätte, die Mitschüler würden mich schikanieren. Kurz darauf suchte meine Klassenlehrerin das Gespräch mit mir. Ich erzählte ihr während des Gesprächs, was genau passiert sei und wie alles angefangen hatte. Die schlimmsten Details liess ich allerdings weg. Ich sehe es noch genau vor mir, als ob es gestern gewesen wäre, wie dann am nächsten Tag der Schulleiter in die Klasse kam. Diesen Augenblick werde ich niemals vergessen. Der Schulleiter zeigte mit dem Finger auf mich und richtete folgende Worte an die ganze Klasse: „Ich habe mitbekommen, dass ihr Nicole mobbt. Und das dulde ich an meiner Schule nicht.“ Die Reaktion kam sofort und war eindeutig: Die Klasse brach in schallendes Gelächter aus, und ich wollte einfach nur noch im Erdboden versinken. Das war das Schlimmste, was mir passieren konnte. Ich fühlte mich komplett ausgeliefert und absolut hilflos. Die Klassenlehrerin und der Schulleiter waren völlig überfordert und schwiegen. Mir stiegen Tränen in die Augen und ich musste stark gegen den Drang ankämpfen, aus dem Klassenzimmer zu rennen.

Da die Schüler während diesem Moment gut bemerken konnten, dass die Lehrerin und der Schulleiter mit der Situation überfordert waren und sie die Klasse nicht in den Griff bekommen konnten, nahmen es die Mitschüler meines Erachtens auch nicht besonders ernst. Und ich muss heute ehrlich gestehen: das hätte ich auch nicht. Zum einen waren wir alles Jugendliche, die allgemein die Grenzen austesten. Und zum anderen gab es den Mobbern noch um einiges mehr Kraft und Stärke, mich weiterhin zu mobben, als sie merkten, dass die Schule nichts Gravierendes dagegen unternehmen würde. Denn zu keinem Zeitpunkt wurde irgendjemand bestraft oder wurde ein weiterführendes Gespräch mit der Klasse geführt. Ab und zu hatte ich noch vereinzelt Gespräche mit der Klassenlehrerin darüber, wie es mir gehen würde und ob es sich schon etwas gebessert hätte. Da aber nicht wirklich etwas unternommen wurde, hatten meine Mitschüler freies Spiel, und es wurde von da an eher noch viel schlimmer als zuvor. Mittlerweile waren es nicht nur meine Mitschüler aus der Klasse, die mich gemobbt hatten, sondern es fingen nun auch Schüler aus der höheren Schulstufe damit an. Monat um Monat vergingen, in denen die Tage für mich pure Qual waren. Ich frage mich ab und zu heute noch, woher ich die Kraft genommen habe, trotzdem jeden Tag zur Schule zu gehen.

Gegen Mitte des dritten Oberstufenjahres kam der Anführer eines Nachmittags, während einer kurzen Pause in der Schule, zu mir und fragte, ob wir nicht wieder Frieden schliessen könnten. Ich hätte jetzt genug gelitten. Erstmal stand ich total schockiert da, weil ich nicht glauben konnte, dass das alles so schnell ein Ende finden würde und das jetzt einfach alles vergessen sein würde. Jedoch nahm ich das „Friedensangebot“ an, weil ich die Hoffnung hatte, dass dann immerhin etwas Ruhe einkehren würde.

Ziemlich schnell nach dem „Friedensangebot“ kehrte ich das Spiel um. Ich wurde vom Opfer zum Täter. Auch ich fing an, Mitschüler zu beleidigen und den Lehrern gegenüber ausfällig zu werden. Und ich fing an, mich in der Rolle als Täterin stärker zu fühlen. Ich ging sogar soweit, dass ich eine ältere Mitschülerin auf dem Pausenplatz mitten ins Gesicht schlug, weil sie mich auf Social Media beleidigt hatte. Einige Schüler standen um mich herum und beklatschten mich für meine Tat. Ich selber aber fühlte mich schlecht und bereute diesen Schritt sofort, wollte es aber den anderen gegenüber nicht zugeben. Damit wollte ich meinen Mut beweisen. Ich wollte beweisen, dass auch ich mich wehren könne und nicht alles über mich ergehen lasse. So falsch es war, es fühlte sich gut an, endlich wieder Ansehen von meinen Mitschülern und den anderen Schülern zu bekommen. Und so habe ich mich dafür entschieden, mich auf diese Rolle einzulassen. Durch die anderen Schüler, die mich immer wieder ermutigten, andere zu beschimpfen und zu beleidigen, fühlte ich mich stärker, ja sogar teilweise unverletzbar. Es war ein wohltuendes Gefühl, diese Personen, die sonst mich beleidigt hatten, auf meiner Seite zu wissen. Ich begriff aber nicht, dass sie mich nur solange unterstützen würden, wie ich andere Personen mobben würde. So gelang es meinen Mitschülern weiterhin, mich zu kontrollieren.

Mich in der Täterrolle zu bewegen liess mich glauben, dass ich das Mobbing überstanden hätte. Ich verhielt mich wie meine Mitschüler, als sie mich gemobbt hatten.

Und ich glaubte, dass es richtig sei, mich so zu verhalten, denn dann wäre ich gleich stark wie sie. Heute glaube ich, dass ich mich selber schützen wollte. Ich glaube, dass ich mich in die Täterrolle begeben hatte, um den anderen Schülern zu gefallen. Und das wollte ich so sehr, dass es mir egal war, was für Konsequenzen das nach sich ziehen würde. Es war mir wichtig, dass ich gesehen und gehört würde von meinen Mitschülern. Ganz egal, zu welchem Preis. Ich vergass dabei aber, dass sich das Spiel auch schnell wieder ändern könnte. Und das tat es dann nach wenigen Wochen auch. Das Mobbing begann am Ende des dritten Oberstufenjahres wieder von vorne. Plötzlich wurde wieder mit dem Finger auf mich gezeigt, und ich wurde ausgelacht und beschimpft. Ob es bei diesem Mal einen Grund gab? Keine Ahnung, aus meiner Sicht gab es keinen Grund.