Lost & Dark Places Thüringen - Daniela Kühr - E-Book
SONDERANGEBOT

Lost & Dark Places Thüringen E-Book

Daniela Kühr

0,0
17,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 17,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Zwischen Harz und Thüringer Wald lösen verfallene Industrieruinen, militärische Sperrgebiete und leerstehende Sanatorien gleichermaßen Faszination und Gänsehaut aus. Besuchen Sie Thüringens dunkle Plätze und erfahren Sie von den Geheimnissen des Kyffhäusers, der Sage vom Jägerstein, dem Tod der Jenaer Saalenixe, den Dämonen von Frau Holle oder der Wiege des Wartburgs. Sind Sie bereit für Ihr nächstes Abenteuer?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 161

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ein geheimer Stolleneingang führt unter das verlassene Haus (Kapitel 31).

Daniela Kühr

Lost & Dark PlacesTHÜRINGEN

33 vergessene, verlassene und unheimliche Orte

Als Lustschloss geplant, als Versteck genutzt: der Herzogstuhl (Kapitel 6)

Absperrband statt Abendrobe im Kulturpalast Unterwellenborn (Kapitel 7)

Auch mit Moos nichts los im früheren Kloster Georgenthal (Kapitel 3)

INHALT

Vorwort

Verhaltensregeln für Lost Places

33 LOST & DARK PLACES

1Der schlafende Kaiser

Barbarossa und der Kyffhäuser

2Grauer Genosse

Der einsame Lenin und Fliegerhorst Nohra

3Mit dem Teufel im Bunde

Hexenverfolgung in Georgenthal

4Ausgebremst

Suhler Simson-Werke

5Ausgemustert

NVA-Erholungsheim Hachelstein

6Zur Strecke gebracht

Herzogstuhl und Jagdanlage Rieseneck

7Trauerspiel

Kulturpalast Unterwellenborn

8Hopfen und Malz verloren

Die Malzwerke Gößnitz

9Sperrgebiet

Grenzübergangsstelle Wartha/Herleshausen

10Tod im Paradies

Die Sage der Saalenixe

11In Ketten gelegt

Die Kettenburg von Gräfentonna

12Spuk im Sanatorium

Waldsanatorium Schwarzeck

13Im Todesstreifen

Der jüdische Friedhof Berkach

14Ihr Kinderlein kommet

Kinderheim Hilde Coppi

15Zu Gast bei Ulbricht

Das Gästehaus des DDR-Ministerrates

16Vergossene Milch

Der alte Milchhof Gera

17Aus dem Rennen

Spießbergbahn Friedrichroda

18Ausgeträumt

Traumauto Wartburg und die Automobilwerke Eisenach

19Im Blute liegend

Die Sage vom Jägerstein

20Tickende Zeitbombe

Gerätebau GmbH und Martha II Mühlhausen

21Auf der Jagd

Jagdschloss Rathsfeld

22Holla, die Waldfee

Frau Holle in Thüringen

23Ausgebrannt

Porzellanfabrik Lichte

24Rapunzel im Wolfsturm

Schloss Reinhardsbrunn

25Der Lack ist ab

Die Villa Brüderlein

26Ausrangiert

Die Rangierloks von Pfiffelbach

27Der verbotene Wald

Die Geheimnisse vom Leinawald

28In der Gruselklinik

Sophienheilstätte Bad Berka

29Geopfert

Opfermoor Niederdorla

30Entgleist

Die Ziemestalbrücke

31Die Hölle im Schieferberg

Oertelsbruch Lehesten und KZ Laura

32Fürstlich Verfallen

Das Hotel Fürstenhof Eisenach

33Verschanzt

Stasi-Bunker Frauenwald

Register

Impressum

Stilbruch: historische Architektur und 1990er-Jahre-Ledersofa (Kapitel 12)

Gesteinsbrocken erschweren den Weg zum Kinderheim (Kapitel 14).

KAPITELÜBERBLICK

1Der schlafende Kaiser

2Grauer Genosse

3Mit dem Teufel im Bunde

4Ausgebremst

5Ausgemustert

6Zur Strecke gebracht

7Trauerspiel

8Hopfen und Malz verloren

9Sperrgebiet

10Tod im Paradies

11In Ketten gelegt

12Spuk im Sanatorium

13Im Todesstreifen

14Ihr Kinderlein kommet

15Zu Gast bei Ulbricht

16Vergossene Milch

17Aus dem Rennen

18Ausgeträumt

19Im Blute liegend

20Tickende Zeitbombe

21Auf der Jagd

22Holla, die Waldfee

23Ausgebrannt

24Rapunzel im Wolfsturm

25Der Lack ist ab

26Ausrangiert

27Der verbotene Wald

28In der Gruselklinik

29Geopfert

30Entgleist

31Die Hölle im Schieferberg

32Fürstlich verfallen

33Verschanzt

Eine Ode an Thüringer Klöße, verewigt an der Wand des Speisesaals (Kapitel 12)

THÜRINGENS (SCHAURIG) SCHÖNE ECKEN

»Nicht Döner, nicht Spaghetti, nein, Thüringer Klöße müssen‘s sein«, besingt ein gelockter Bubi den kulinarischen Exportschlager. Und wahrlich: Ohne das Original geht es in Thüringen nicht. Neben den goldgelben Kartoffelklößen ist wohl Bratwurst das Erste, das die meisten mit dem Freistaat in Verbindung bringen. Dabei hat das Bundesland in der Mitte Deutschlands viel mehr zu bieten. Hier treffen sagenumwobene Wälder auf einflussreiche Städte, uralte Überlieferungen auf deutsche Hochkultur, heruntergekommene Industriebrachen auf prächtige Schlösser.

KREATIVE UND KÖNIGE In Gotha befindet sich die Wiege des europäischen Adels: Auf Schloss Friedenstein und im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha liegen die Wurzeln der britischen, spanischen und belgischen Königshäuser. Wartburg und Weimar, Hainich und Harz: Viele Thüringer Ecken haben sich aufgrund ihrer Schönheit und Geschichte als Welterbe qualifiziert. Sie werden aufwendig gehegt und gepflegt – und touristisch vermarktet. Auf der Wartburg in Eisenach hielt sich einst Martin Luther versteckt, während er das Neue Testament ins Deutsche übersetzte und damit die christliche Kirche für immer veränderte. Johann Sebastian Bach, deutscher Komponist, kam im Schatten derselben Burg zur Welt und verbrachte sein Leben zu großen Teilen im Freistaat – unter anderem in Weimar. Die Stadt entwickelte sich zum Zentrum für Kunst und Kultur und zum Zuhause von Schiller und Goethe, denen auf dem Theaterplatz ein ewiges Denkmal geschaffen wurde. Die in der Architektur gefeierte Bauhaus-Lehre und unsere erste parlamentarische Demokratie haben hier ihre Geburtsstätte.

»LOST & DARK« Doch nicht überall bietet sich ein derart rosiges Bild. So prägen verwahrloste Villen ebenso wie gruselige Gasthäuser und heruntergekommene Hallen so manches Stadtbild. Auch in Thüringens Wäldern liegen einstige Sanatorien aus dem 19. und 20. Jahrhundert im Koma. Jagdanlagen blieben auf der Strecke. Mancher Bunker bietet längst keinen Schutz mehr. Sie sind im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten und bieten heute nur noch Wanderern gespenstische Highlights entlang ihrer Touren. Inmitten des dichten Baumbestandes verstecken sich zudem uralte Mythen, mörderische Sagen und unheimliche Bräuche, die ihresgleichen suchen. Dazwischen – so munkelt man zumindest – sollen noch so manche Schätze verborgen liegen, die immer wieder Suchende auf den Plan rufen.

AUF SPURENSUCHE Nach langjähriger Vernachlässigung sind viele der vorgestellten »Lost & Dark Places« bereits teilweise eingestürzt oder stark einsturzgefährdet. Andere befinden sich auf Privatgrundstücken und sind entsprechend nur mit Genehmigung zugänglich. Wieder andere sind gar nicht so »lost«, wie sie im ersten Moment scheinen – Menschen engagieren sich leidenschaftlich für ihren Erhalt, neue Investoren wollen wieder Schwung in die Buden bringen. Auch der Freistaat selbst wird mancherorts aktiv und enteignet auf nie dagewesene Weise die untätigen Eigentümer. Während einige der beeindruckenden Orte dem endgültigen Aus auf diese Weise hoffentlich entgehen, können längst nicht alle erhalten werden. Über kurz oder lang wandeln sie ihr Gesicht oder verschwinden gänzlich. Grund genug, sich schon bald auf den Weg zu machen und in die mystischen Geschichten Thüringens einzutauchen.

Hinweis: Alle Berichte beschreiben den Zustand der Objekte im Herbst/Winter 2021/22.

Der Weg entlang der Gebäude des Kinderheims ist längst verwildert (Kapitel 14).

VERHALTENSREGELN FÜR LOST PLACES

1. Behandeln Sie die Orte mit Respekt

Jedes Bauwerk und jedes Gebäude erzählen eine Geschichte aus vergangenen Tagen. Dies gilt es zu schützen. Und auch wenn es teilweise nicht so aussieht, aber jeder dieser Lost Places hat einen Eigentümer. Das sollte respektiert werden. Das beinhaltet vor allen Dingen, dass nichts zerstört oder gewaltsam geöffnet wird. Sind Fenster oder Türen verschlossen, sollte das auch so bleiben. Gehen Sie respektvoll mit dem Ort um.

2. Nehmen Sie nichts mit, lassen Sie nichts da

Wenn Sie etwas von einem Lost Place mitnehmen, und sei es noch so klein, ist es Diebstahl. Wie bereits in Punkt 1 gesagt, alle diese Orte haben einen Eigentümer. Daher gilt die Regel: Alles bleibt, wie es ist. Belassen Sie es bei den schönen Einblicken und Fotos, die Sie an dem Ort machen. Gleiches gilt auch umgekehrt: Lassen Sie nichts liegen. Keine Essensreste, keine Kaugummis, keine Kippenstummel.

3. Rauchen verboten

Das bringt uns zum nächsten Punkt: Rauchen verboten. Zollen Sie dem ehrwürdigen Ort Respekt und verzichten Sie für die Zeit, die Sie da sind, aufs Rauchen. Kippenstummel brauchen nicht nur 15 Jahre zum Verrotten (sie sollten übrigens nirgends achtlos weggeworfen werden), sondern können schnell ein Feuer verursachen.

4. Keine Graffiti

Dass Sie nichts hinterlassen sollen, gilt auch für Kunstwerke an den Wänden. Man sprüht einfach nicht auf fremdes Eigentum, sei es noch so schön. Lassen Sie die Wände wie sie sind, sodass auch noch Menschen nach Ihnen den Ort so erleben können, wie er früher einmal war.

5. Seien Sie vorsichtig

Vorsicht ist besser als Nachsicht. Das gilt vor allem bei Lost Places. Marodes Holz, verrostete Geländer, einsturzgefährdete Decken, lockere Böden (teilweise befinden sich noch Kellergeschosse darunter), eingeschlagene Fenster – die Liste der Gefahren solcher Orte ist lang. Seien Sie daher immer wachsam. Begeben Sie sich niemals in Gefahr für das eine Foto. Das ist es nicht wert. Treppen und obere Etagen sind eine gängige Gefahrenquelle. Schauen Sie sich den Zustand der Treppe und der Decke genau an. Nehmen Sie auch eine Taschenlampe für dunkle Räume und Keller mit.

6. Gehen Sie nicht allein

Es ist ratsam, immer mindestens zu zweit, besser noch zu dritt, einen Lost Place zu besuchen. Da gilt die alte Regel: Ist eine Person verletzt, bleibt die zweite vor Ort und die dritte holt Hilfe. Zudem weiß man nie, wen man vor Ort trifft. Plünderer, Spinner und betrunkene Jugendliche sind auch oft in Lost Places anzutreffen. Da ist es beruhigender, nicht allein unterwegs zu sein.

Schlafstall der germanischen Siedlung im Morgengrauen (Kapitel 29)

Auf dieser Freitreppe posierte schon der Künstler Marc Chagall (Kapitel 12).

7. Erregen Sie kein Aufsehen

Da die Lost Places in Privatbesitz sind, gilt auch hier »Betreten verboten«. Auch, wenn das Tor angelweit aufsteht oder ein riesiges Loch im Zaun ist. Ebenso ist es ratsam, sein Auto nicht direkt vor dem Gelände zu parken. Schauen Sie beim Betreten des Geländes auch immer, dass Sie niemand sieht. So vermeiden Sie unerwünschte Begegnungen und mögliche Konfrontationen mit der Polizei.

Ausrüstung

Wir empfehlen Folgendes:

•Festes Schuhwerk, hohe Socken (Schutz vor Zecken)

•Reißfeste Kleidung, ggf. leichte Regenjacke

•Kamera inkl. Zusatzakku, Speicherkarten, Stativ

•Proviant und Getränke (nehmen Sie aber alles wieder mit)

•Kopf- oder Stirnlampe für freie Hände

•Taschenlampe mit weitem Winkel für Keller und dunkle Räume

•Taschenmesser

•Aufgeladenes Handy (ggf. Powerbank)

•Notizblock und Stift

•Pflaster und Taschentücher für Verletzungen

•Mücken- und Zeckenspray

Im frühen 20. Jahrhundert entstand die »Hustenburg« (Kapitel 28).

Ein Thüringer Märchenschloss im Dornröschenschlaf (Kapitel 24)

 1 

DER SCHLAFENDE KAISER

Barbarossa und der Kyffhäuser

Mit seiner Höhe von nur 474 Metern und 70 Quadratkilometern Fläche ist der Kyffhäuser zwar Deutschlands kleinstes Mittelgebirge, dafür sollen sich in seinen Höhlen umso größere Rätsel verbergen – wie ein schlafender Kaiser mit markantem rotem Bart.

Kyffhäuserland, Kyffhäuserkreis Ort Barbarossahöhle, Mühlen 6, 99707 Kyffhäuserland GPS 51.37561, 11.036484 Anfahrt Mit der Bahn nach Sondershausen (RB, Strecke Erfurt–Nordhausen), weiter mit dem Bus bis Barbarossahöhle oder mit dem Auto z. B. über die A38 bis Ausfahrt Berga, dann weiter auf B85 und der Beschilderung folgen

Ort Kyffhäuser-Denkmal, Kyffhäuser 1, 99707 Kyffhäuserland GPS 51.416751, 11.078781 Anfahrt Mit dem Auto z. B. über die A38 bis Ausfahrt Berga, dann weiter auf B85 und der Beschilderung folgen

Am Fuß des Kaiser-Wilhelm-Denkmals wartet Barbarossa auf die Wiederauferstehung.

Die Barbarossahöhle ist Europas größte Schauhöhle im Anhydritgestein.

GLÜCKAUF An der Höhle angekommen, gibt es erstmal kein Zeichen einer königlichen Hoheit. Dabei soll er nun schon seit über 800 Jahren in diesem Berg auf seinen erneuten Einsatz warten. Andere behaupten, er sei längst von seinem Fluch erlöst worden. Die Rede ist vom früheren Staufenkaiser Friedrich I., der in seinem unterirdischen Reich darauf warten soll, das Deutsche Reich wieder zu wahrer Größe zu führen. Trübes Nieselwetter und matschige Wege lassen Freude aufkommen, dass es für die Spurensuche unter Tage geht – 160 Meter hinein in den Berg. Ein schmaler, leicht abschüssiger Gang führt in die Tiefe. Es wird immer dunkler. Sommer wie Winter herrschen gleichbleibende 9 Grad Celsius. Am Ende des gemauerten Ganges öffnet sich eine beeindruckende, luftige Höhle. Von ihrer Decke hängen in unregelmäßigen Formen auffällige Gesteinslappen. Sie bestehen aus Anhydrit, einem Mineral, das sich bei Wassereinwirkung ausdehnt und irgendwann reißt. Was aussieht wie Lederfetzen, ist tatsächlich hart wie Stein. Die Decken sind voll davon und an mancher Stelle zieht man automatisch den Kopf ein. Sie verleihen diesem unterirdischen Labyrinth einen mystischen Charakter. Immer wieder tauchen die fetzenbehangenen Felswände in kleine Pools spiegelglatten Wassers ein. Eine verwunschene unterirdische Welt – wie geschaffen für die große Sage im Thüringer Raum.

Lichtbrechung und Spiegelungen lassen die Seen flach wirken – statt 3,5 Meter tief.

Barbarossas Thron im »Tanzsaal« der Höhle ist zwar erleuchtet, aber verlassen.

Der 176 Meter tiefe Brunnen versorgte im Mittelalter die Bewohner der Burg.

VERLASSENER THRON Für seine Feinde galt Kaiser Friedrich I. als unbarmherziger Krieger, seinem Volk hingegen blieb er als Friedensstifter in Erinnerung. Schließlich nutzte er sein diplomatisches Geschick, um die verfeindeten Fürsten in seinem Reich zu versöhnen – zumindest vorübergehend. So erzählt man sich in Thüringen seit jeher, der große Kaiser ruhe verzaubert in einem unterirdischen Schloss. Er schlafe an einem Tisch aus Marmor, der im Lauf der Jahrhunderte vom roten Rauschebart des Staufen-Herrschers durchzogen worden sei. Alle 100 Jahre wache er auf. Doch erst, wenn statt vieler Raben nur noch ein Adler um den Berg kreise, sei Barbarossas Zeit gekommen. Erst dann werde er auferstehen und seinem Reich Frieden und Eintracht bringen – für immer. So schliefe er dort seit vielen Hundert Jahren. Und tatsächlich, tiefer in die Höhle vorgedrungen, erscheinen ein steinerner Thron und Tisch, mit einer Krone darauf. Hat Barbarossa die Höhle nur kurz verlassen? Natürlich nicht. Mit diesem Monument versuchten die Entdecker der Höhle schlicht der Erzählung gerecht zu werden. Denn schon kurz nach seiner Entdeckung wurde aus dem hier geplanten Stollen zum Abbau von Kupferschiefer ab 1866 eine Schauhöhle. Schnell erhielt sie den Namen Barbarossahöhle. Die Sage berief sich ohnehin auf das Kyffhäusergebirge, sodass man diesen strategischen Marketing-Ansatz wählte.

WIEDER ERWACHT Wenige Kilometer entfernt, einige 100 Meter höher gelegen, findet sich auch der Grund, weshalb Barbarossa nach seinem Tod 1190 hierher zurückgekehrt sein soll: die Burg Kyffhausen. Als sie 1118 erstmals zerstört wurde, ließ er sie wieder aufbauen. Sie bot einen idealen Ausgangspunkt, um die unzähligen Herzogtümer im zerklüfteten Deutschen Reich unter Kontrolle zu behalten. Ihre schweren Mauern sind noch vorhanden, genauso wie Teile der Kapelle. Besonders beeindruckend ist jedoch der Burgbrunnen, der 176 Meter tief in den Felsen hinunterreicht – und damit zu den tiefsten in ganz Europa gehört. Die Ruinen der Ober-, Mittel- und Unterburg liegen etwas unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals von 1896, auch Kyffhäuser-Denkmal genannt. Und auch hier findet sich eine weitere Hommage an den Mythos des auferstehenden Rotbarts, im Sockel des Monuments: sein Abbild, 6,5 Meter groß in roten Sandstein geschlagen. Die Krone sitzt kraftvoll auf seinem Kopf. Lichter in seinem Rücken lassen ihn erstrahlen. Er thront über einer Schlucht aus zerklüfteten Felsbrocken, greift sich in den Bart, und seine Füße sind wie in Bewegung aufgestellt. So als habe man ihn im Moment des Aufwachens erwischt. In dichten Nebel getaucht, steht sein angeblicher Befreier genau über ihm. Im Turmmonument ist Kaiser Wilhelm I. auf einem Reiterstandbild dargestellt, der große Krieger mit Pickelhaube. Heute kämpft er in erster Linie gegen starke Windböen, die an den Türen und Fenstern des Turmes reißen. Glorifiziert wurde er als der Kaiser, der das Deutsche Reich zu erneuter Größe geführt, damit die Barbarossa-Sage erfüllt und ihn aus seinem Bann befreit habe.

Das besondere Erlebnis

Der Turm des Denkmals ist bei (fast) jedem Wetter zugänglich und bietet – einmal oben angekommen – einen atemberaubenden Ausblick über Barbarossas einstiges Königreich, die Gebiete von Thüringen und Sachsen-Anhalt. Entdecken Sie das Reiterstandbild Wilhelm I. mal aus einer völlig anderen Perspektive, z. B. unter dem Bauch des Rosses oder von oben (Info: www.kyffhaeuser-denkmal.de).

Im Inneren des Denkmalsturms schraubt sich die Treppe bis auf 81 Meter in die Höhe.

Das Reiterstandbild des Kaiser-Wilhelm-Denkmals versinkt im Nebel.

 2 

GRAUER GENOSSE

Der einsame Lenin und Fliegerhorst Nohra

Verborgen im Wald steht der letzte Zeitzeuge einer einstigen Garnison der Roten Armee. Im Kalten Krieg beheimatete das Weimarer Land eine Vielzahl sowjetischer Truppen, ihrer Hubschrauber und Flugzeuge. Beim Abzug 1992 nahmen sie fast alles wieder mit – außer ihre Statue.

Nohra, Landkreis Weimarer Land Ort Pappelallee, 99428 Nohra GPS 50.960563, 11.248812 Anfahrt Mit der Bahn nach Weimar (RE-Strecke Göttingen–Glauchau (Sachs.)), weiter nach Obergrunstedt (RB-Strecke Richtung Kranichfeld) oder mit dem Auto über die A4, Ausfahrt Nohra, B85 Richtung Weimar-West/Nohra folgen

Statt Roter Armee bieten nur noch rote Mauern Rückendeckung.

LENINKULT Marxistischer Theoretiker, Revolutionär und Staatsoberhaupt der 1922 neu gegründeten Sowjetunion: Wladimir Iljitsch Lenin war nicht nur treibende Kraft der russischen Oktoberrevolution, sondern löste auch weit über seinen Tod hinaus einen regelrechten Kult in den früheren Ostblockstaaten aus. Dieser manifestierte sich nicht zuletzt in der Errichtung unzähliger Denkmäler – auch in den DDR-Gebieten. Auf ostdeutschem Boden fanden sich in praktisch jeder größeren Stadt Gedenktafeln, Statuen oder Büsten zu Lenins Ehren. Die bekanntesten von ihnen befinden sich in Eisleben, Berlin, Dresden und Merseburg, obwohl die meisten in der Zeit nach dem Mauerfall demontiert wurden.

EINER BLEIBT STANDHAFT Im Norden Weimars jedoch findet es sich bis heute, das Antlitz des sowjetischen Revolutionärs. Ziemlich genau 30 Jahre nach Abrücken der letzten Truppen. Er wurde Zeuge ihres Verschwindens. Sah den Abriss der vielen Kasernengebäude, die teils noch aus den 1930er-Jahren stammten. Beobachtete die Renaturierung von etwa 13 Hektar Landebahnen und Hubschrauberstellflächen. Allein.

DER RECHTE WEG LIEGT LINKS Auf der Suche nach Lenins kleiner Insel der Einsamkeit mitten im Wald taucht linkerhand plötzlich ein Torkomplex auf, der verdächtig militärisch anmutet. Ein gutes Zeichen. Wenige Momente später offenbart sich ein Pfad, der in den Wald führt. Eine Schranke soll Autofahrer am Eindringen ins Waldgebiet hindern. Ab hier geht es also nur noch zu Fuß weiter. Die Strecke wirkt etwas befremdlich, führt sie doch über einen alten Militärweg hinein in den Forst. Von hier aus halten sich Suchende am besten immer links – als wäre es ein verstecktes politisches Statement oder ein kleiner Scherz unter Genossen. Plötzlich weht ein anderer Wind durchs Gehölz. Eisig und unerbittlich. Dennoch sind es nicht die Minusgrade, die eine Gänsehaut auslösen. Denn da taucht es plötzlich auf: das Antlitz Lenins.

Vor Verfall gerettet und erneuert: das Eingangstor der früheren Garnison

DES KOMMUNISTEN NEUE KLEIDER Eine kleine Lichtung schaffte man ihm. Eine Art Festplatz. Sein Blick fest auf die brüchige Straße gerichtet, die geradewegs auf ihn zuläuft. Er strahlt Macht und Erhabenheit aus – und wirkt zugleich ein bisschen wie bestellt und nicht abgeholt. Diese skurrile Szene wird durch weitere visuelle Eindrücke verstärkt. Denn zwischen 2008 und 2010 verpasste die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen dem Denkmal ein kleines »Makeover«: Beseitigung aller Schmierereien, ein neuer Backsteinsockel und frische Farbe für die Wände, die ihm den Rücken stärken. Insgesamt ergibt sich so ein fast surreal wirkendes Gesamtwerk, bei dem die einzelnen Bausteine nicht so recht zueinander passen wollen.

EIN STEINERNER WÄCHTER So viel Glück hatten jedoch nur ganz wenige Objekte des strategisch einst so wichtigen Kasernengeländes. Der Großteil der Gebäude wurde schon kurz nach dem Abzug der sowjetischen Truppen abgerissen – zum Beispiel die meisten Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf dem Gelände. Einige blieben aufgrund ihres historischen Wertes verschont und standen fortan unter Denkmalschutz. Darunter das Haupttor, das inzwischen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erhält, sowie das Offizierscasino. Letzteres war früher ein eingeschossiges Kulturhaus mit repräsentativer Außen- und Innengestaltung. Es sollte als Denkmal und Zeugnis der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland erhalten bleiben. Dennoch wurden Teile in den frühen 2010er-Jahren abgerissen, der Rest fiel im Sommer 2020 Brandstiftung zum Opfer. So zeugt heute einzig das Lenin-Denkmal von der Bedeutung, die dieser Standort einst innehatte.

Viele Statuen zeigten Lenin in ähnlichen Posen, oft mit der Hand am Revers.

Fritz Cremers Werk zeigt kommunistische Widerstandskämpfer des KZs.

Blick auf den Ettersberg und den »Turm der Freiheit« im Mahnmal Buchenwald

Das besondere Erlebnis