Lucky Dogs - der Hundetrainer - Brandon McMillan - E-Book

Lucky Dogs - der Hundetrainer E-Book

Brandon McMillan

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Beschreibung

Die unverzichtbaren Erziehungstipps von TV-Hundetrainer Brandon McMillan.

Brandon McMillan, erfolgreicher Hundetrainer und Gastgeber der TV-Sendung »Der Hundetrainer – Lucky Dogs mit Brandon McMillan« auf SIXX, vermittelt in seinem ersten Buch das Grundlagenwissen für Hundebesitzer. Typische Rassemerkmale erklärt er ebenso wie die unterschiedlichen Charaktereigenschaften der Vierbeiner. Zentral für McMillans Arbeit sind die sieben Grundkommandos »Sitz«, »Bleib«, »Platz«, »Komm«, »Aus«, »Bei Fuß«, »Nein« und wie man sie einem Hund Schritt für Schritt beibringt. Zum besseren Verständnis sind alle Kommandos bebildert. Zahlreiche Fallgeschichten der von McMillan aus dem Tierheim geretteten Hunde veranschaulichen sein Training. So wird Hundeerziehung zum Kinderspiel!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 486

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Brandon McMillan

Lucky Dogs – der Hundetrainer

Der 7-Tage-Trainingsplan für jeden Hund

Aus dem amerikanischen Englisch von Marion Zerbst

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel »Lucky Dog Lessons« bei Harper One in New York, USA. Published by arrangement with HarperOne, an imprint of HarperCollins Publishers, LLC.

Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Rechtlicher Hinweis: Die Veröffentlichung dieses Buches erfolgt unabhängig vom TV-Sender SIXX und der Fem Media GmbH, einem Unternehmen der ProSiebenSat.1 Media SE. Zwischen dem Verlag, dem Autor und diesen Unternehmen besteht keine Lizenz- oder sonstige Geschäftsbeziehung.

Deutsche Erstausgabe November 2019

© 2019 Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Originalausgabe: © 2016 by Animal Expert LLC

Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur GmbH, München, unter Verwendung des Originalentwurfs von Terry McGrath

Umschlagmotiv: © Linda Peters

Foto Autor Klappe hinten: © Mark Sobhani Photography

Lektorat: Ralf Lay, Mönchengladbach

JG ∙ Herstellung: cb

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN 978-3-641-24499-6V001

www.goldmann-verlag.de

Bildnachweis

Photographs © Litton Entertainment.

Alle Fotos von Craig T. Mathew/Mathew Imaging mit Ausnahme der folgenden: © Brandon McMillan: Bild 1 (Chloe), Bild 2 (Apollo), Bild 3 (Ari), Bild 4 (Ernie). Courtesy of Litton Syndications, Inc.: Bild 5 (Randy), Bild 6 (Skye), Bild 7 (Luke), Bild 8 (Kobe), Bild 9 (Glory), Bild 10 (Darby), Bild 11 (Poppi), Bild 12 (Jemma), Bild 13 (Leah), Bild 14 (Sandy), Bild 15 (Chance), Bild 16 (Lolita), Bild 17 (Flash), Bild 18 (Daisy), Bild 19 (Tweety), Bild 20 (Grover).

Für die Millionen von Tierheimhunden, die es nie geschafft haben, da wieder herauszukommen

Inhalt

Einführung

Teil 1: Lernen Sie Ihren Hund kennen

1. Was ist das Besondere an Ihrem Hund?

2. Ohne Vertrauen geht es nicht

3. Die wichtigsten Grundlagen jeder Hundeerziehung

Teil 2: Die sieben Grundkommandos

4. SITZ

5.PLATZ

6. BLEIB

7. NEIN

8. AUS

9. KOMM

10. FUSS

Teil 3: Lösungen für sieben häufige Verhaltensprobleme

11. Mangelnde Stubenreinheit und Markieren in der Wohnung

12. Aus dem Haus oder Auto ausreißen

13. Sachen anknabbern

14. Bellen

15. Buddeln und aus dem Garten ausreißen

16. Essensbezogene Verhaltensprobleme

17. Trennungsangst (nicht immer in sieben Tagen zu bewältigen)

18. Aggressivität (keineswegs in sieben Tagen zu bewältigen)

Zu guter Letzt: Noch sieben wichtige Lektionen

Dank

Stichwortverzeichnis

Einführung

Als ich dem Barkeeper eines Pubs vor ein paar Jahren erzählte, was ich beruflich mache, bat er mich, das Lokal zu verlassen, weil er mich für betrunken hielt. Und dabei hatte ich keinen Tropfen Alkohol intus! Eigentlich hätte mich das nicht zu wundern brauchen, denn viele Menschen halten mich für einen Aufschneider, wenn ich ihnen von meinem Beruf erzähle. Wahrscheinlich beantwortet man die Frage »Was machst du beruflich?« normalerweise auch nicht damit, dass man Löwen und Tiger dressiert, mit Grizzlybären arbeitet, Krokodile markiert, Schlangen fängt, um ihnen Gift für Serum abzuzapfen, oder mit fünfeinhalb Meter langen weißen Haien taucht, um ihr Verhalten zu erforschen. Doch für mich gehörte all das schon immer zu meinem ganz normalen Alltagsleben.

Meine Kindheit verlief anders als die sämtlicher Kinder, die ich kenne (mit Ausnahme meiner Geschwister), und ich hätte es auch gar nicht anders haben wollen. Da ich als Kind ständig von Tieren umgeben war, entwickelte ich ein feines Gespür für ihre Gefühle und Bedürfnisse. Diese außergewöhnlich enge Beziehung zu Tieren hat mich zu dem Beruf und der persönlichen Mission hingeführt, die heute mein Leben bestimmen.

Meine Eltern waren Wildtierdompteure, und ich kannte von klein auf nichts anderes, als Elefanten, Tiger, Bären, Menschenaffen und andere Tiere für Zirkusauftritte, Fernsehsendungen und Werbespots, ja sogar für Zaubershows zu dressieren. Die Arbeit mit Tieren machte stets einen großen Teil meiner Tätigkeit und meiner Identität aus. Erinnern Sie sich noch an den Tiger in dem Film »Hangover«? Den habe ich von Geburt an großgezogen und dressiert – genau wie die Tiere in »Dschungelbuch«, »Wir kaufen einen Zoo«, »Ich bin Sam«, »Jackass«, »24«, »Mike & Molly« sowie anderen Fernsehserien und Hunderten von Werbesendungen und Musikvideos. Ich habe Tiger für inszenierte Angriffe und Hunde für Super-Bowl-Werbespots trainiert und sogar Kakerlaken für ein Nine-Inch-Nails-Video dressiert (ja, auch solche Tiere sind lernfähig!). In meiner bisherigen Karriere habe ich an mehr als dreihundert Hollywood-Filmproduktionen in über dreißig Ländern mitgewirkt. Und überall, wo ich hinkomme – in jedem neuen Land und jeder neuen Kultur –, lerne ich etwas Neues über Tierdressur.

Übrigens habe ich im Lauf der Jahre auch Tausende von Hunden verschiedener Rassen und Größen ausgebildet. Nachdem ich mir in der Filmbranche großes Ansehen als Tiertrainer erworben hatte, fragten einige Schauspieler bei mir an, ob ich denn nicht auch mit ihren Haustieren arbeiten könne. Ich habe Hunderten von Privatkunden mit so klingenden Namen wie Ellen DeGeneres, Andy Cohen, Rod Stewart, James Caan, Chris Hardwick, Wolfgang Puck, Hugh Hefner, Don Cheadle, Snoop Dogg, Eddie Murphy, Jaime Pressly und Ronda Rousey dabei geholfen, besser mit ihren Vierbeinern zurechtzukommen.

Da ich wusste, dass ich Hunde mehr oder weniger zu allem bringen konnte, wollte ich meine Fähigkeiten für eine Arbeit nutzen, die ich für wichtiger hielt als Hollywood-Filmproduktionen. Nachdem ich einen Begleithund für einen Kriegsveteranen ausgebildet hatte, der bei der Explosion einer unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung in Afghanistan beide Beine verloren hatte, gründete ich die Argus Service Dog Foundation. Für mich war es ein unvergessliches Erlebnis gewesen zu beobachten, was für eine enge Beziehung dieser heldenhafte Marinesoldat und sein Hund zueinander aufbauten und wie sie sich gegenseitig halfen. Das hat mich dazu inspiriert, in meiner Tätigkeit als Tiertrainer noch einen Schritt weiter zu gehen. Im Rahmen meiner Stiftung trainierte ich Hunde für komplizierte Aufgaben, zum Beispiel Gegenstände zu bringen, Menschen mit Gleichgewichtsproblemen durch die Straßen zu führen, Türen zu öffnen, das Licht anzuschalten, ja sogar Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen das Leben zu erleichtern. Es ist mir immer wieder eine Ehre, behinderten Kriegsveteranen mit solchen Hunden weiterhelfen zu können.

Doch bevor ich darauf eingehe, wie man einem Hund so etwas beibringt, will ich Ihnen ein bisschen mehr darüber erzählen, warum Hunde in meinem Leben eine so wichtige Rolle spielen. Im Alter von zweiundzwanzig Jahren las ich eine Statistik über Tierheimhunde in Amerika und erfuhr, dass allein in den USA jedes Jahr eine Million Hunde eingeschläfert werden mussten, weil sie kein neues Zuhause fanden. Eine Million! Und diese Hunde sterben nicht etwa in fernen Ländern, von denen wir noch nie etwas gehört haben; all das passiert direkt vor unserer Haustür, in unseren Städten und Dörfern. Das war für mich eine unerträgliche Vorstellung. Je mehr solcher Statistiken ich las, desto fester war ich entschlossen, herrenlose Hunde zu retten, die keine Chance hatten, ein Zuhause zu finden, und zu beweisen, dass man solche Tiere genauso gut trainieren kann wie vom Züchter gekaufte Rassehunde – wenn nicht sogar noch besser.

Damals arbeitete ich für ein Hollywood-Unternehmen, das Tiere für Film- und Fernsehproduktionen dressierte. Wir waren ein erfolgreiches Unternehmen der alten Schule, und mein Chef hatte bisher hauptsächlich mit Rassehunden gearbeitet, deren Züchter er persönlich kannte. Er glaubte, dass Hunde, über die man von ihrer Geburt an alles weiß, sich besser ausbilden lassen; doch das sah ich ein bisschen anders. Damals wohnte ich in einem Apartment, von dem aus ich den Hof eines Tierheims überblicken konnte. Wenn ich nach der Arbeit mit den reinrassigen Hunden meines Arbeitgebers nach Hause kam, schaute ich aus dem Fenster und beobachtete Hunde der gleichen Rassen – zum Beispiel Deutsche Schäferhunde, Rottweiler, Chihuahuas und Pitbullterrier – im Hof des Tierasyls. Anfangs ärgerte ich mich über das dauernde Gebell; doch nachdem ich immer mehr Statistiken darüber gelesen hatte, wie viele Hunde in Tierheimen getötet werden, wurde mir klar, dass die Tage dieser Tiere gezählt waren. Sicherlich gehörten viele von ihnen zu der einen Million Hunde, die bei uns alljährlich eingeschläfert werden müssen. Diese schreckliche Gewissheit ließ mir keine Ruhe, und so fasste ich einen einfachen, aber doch ehrgeizigen Plan: Ich wollte Hunde, die keine Chance hatten, ein Zuhause zu finden, vor dem sicheren Tod bewahren und zu Filmstars machen. Also bat ich meinen Chef um Erlaubnis, einen dieser Hunde bei uns aufnehmen und für Filmzwecke trainieren zu dürfen. Nach einer hitzigen Diskussion erklärte mein Vorgesetzter sich damit einverstanden – allerdings nur unter einer Bedingung: Wenn es mir nicht gelänge, den Hund zu dressieren, würde ich meinen Job verlieren.

Am nächsten Tag fuhr ich zu einem Tierheim in Los Angeles, in dem besonders viele Tiere eingeschläfert wurden – einem trostlosen, völlig veralteten Tierasyl, das aufgrund von Budgetkürzungen mit enormen finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Dieses Tierheim war so mit Hunden vollgestopft, dass es förmlich aus allen Nähten platzte. Die Tiere, die dort lebten, waren mehr oder weniger alle zum Tod verurteilt: Ihre Chance, ein neues Zuhause zu finden, war geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass sie eingeschläfert werden würden.

Als ich an den Zwingern vorbeischlenderte, fiel mir eine junge Rottweilerhündin namens Raven auf. Sie schien sehr lieb und zutraulich zu sein, hatte eine lange Aufmerksamkeitsspanne und interessierte sich mehr für mich als für all die Ablenkungen um sich herum. Ich adoptierte die Hündin noch am selben Tag und nahm sie mit nach Hause.

Anfangs hatte Raven ein paar Probleme, an denen ich mit ihr arbeiten musste; doch nach mehrmonatigem intensiven Training konnte sie bereits ihr erstes Engagement antreten: ein Musikvideo für OutKast – und sie meisterte diese Aufgabe so perfekt, als hätte sie noch nie in ihrem Leben etwas anderes getan. Der Regisseur erklärte mir, mein Hund hätte an diesem Tag eine bessere Leistung hingelegt als die menschlichen Schauspieler. Raven wurde zu einem der gefragtesten Hunde meines Unternehmens. Dank dieser Hündin behielt ich nicht nur meinen Job, sondern bekam von meinem Chef sogar grünes Licht dafür, noch weitere Hunde aus dem Tierheim in das vierbeinige Team seiner Firma aufzunehmen.

Genau wie Raven gehorchten auch meine neuen Tierheimhunde schon nach kurzem Training aufs Wort und waren ein lebendiger Beweis dafür, dass solche Tiere nicht unbedingt fürs Leben geschädigt sein müssen. Ganz im Gegenteil: Tierheimhunde sind verborgene Schätze mit einem enormen ungenutzten Potenzial an Intelligenz und Loyalität. Damals hat sich mein Leben von Grund auf verändert: Ich begann dafür zu plädieren, für alle Aufgaben, die es gibt, Hunde aus dem Tierheim einzusetzen. Außerdem fing ich an, Menschen bei der Suche nach Tierheimhunden zu helfen, die gut zu ihrer Familie passten, und diese Hunde dann so zu trainieren, dass sie den Bedürfnissen ihrer neuen Besitzer entsprachen.

Im Jahr 2011 eröffnete ich in der Umgebung von Los Angeles eine Hunderanch mit Trainingsgelände. Dieses Gelände nutzte ich, um Hunde für meine Arbeitshunde-Stiftung und für Filme, Werbespots und Privatkunden auszubilden. Außerdem hielt ich dort auch ein paar Tiere, die ich als meine »Todeszellenhunde« bezeichnete – lauter Vierbeiner, die ich aus Tierheimen gerettet und mit nach Hause genommen hatte, um sie zu trainieren und in neuen Familien unterzubringen. Das war eine sehr mühselige Arbeit; aber ich tat es gern und hatte mir inzwischen schon ein Netzwerk aus Tausenden von Menschen in den sozialen Medien aufgebaut, die mir bei der Vermittlung meiner Tiere halfen.

Diese kleine private Rettungsaktion weckte das Interesse eines Hollywood-Filmproduktionsunternehmens. Die Firma wollte für ein neues CBS-Samstagvormittagsprogramm eine Fernsehsendung entwickeln, bei der es um Tiere ging; und da einige der Produzenten sich selbst für die Rettung von Hunden aus dem Tierheim engagierten, waren sie begeistert von meiner Arbeit und wollten sich gern selbst einen Eindruck davon verschaffen.

Also lud ich die Filmproduzenten ein, für ein paar Stunden auf meine Ranch zu kommen. Sie dehnten ihren Aufenthalt zunächst auf ein paar Tage und schließlich auf mehrere Wochen aus. Am Ende beschloss das Team, mit mir ein Tierheim in Los Angeles zu besuchen, um das Leben eines Hundes zu retten und mich bei meiner Arbeit mit diesem Tier zu filmen. Uns war klar, dass wir mit so einer Live-Dokumentation der Rettung eines herrenlosen Hundes sehr viel Gutes bewirken konnten. Dieser erste Hund hieß Bruno und war ein völlig außer Rand und Band geratener Terriermischling. Ich brachte ihn auf meine Ranch, wo ich ihn zunächst gründlich säuberte, seinen Trainingszustand überprüfte und feststellte, dass er noch gar keine Ausbildung erhalten hatte. Das Produktionsteam beobachtete Bruno und mich bei unseren wichtigsten Gehorsamslektionen; und schon nach einer Woche hatte er die sieben Grundkommandos erlernt und hörte sogar noch auf einen weiteren Befehl.

Bruno war nämlich so ein lebhafter, charismatischer Hund, dass ich ihm auch das Tanzen beibrachte: Er lernte, sich auf Kommando auf die Hinterbeine zu stellen und im Kreis herumzudrehen. Zuerst konnten die Mitarbeiter des Produktionsteams das kaum glauben: Dieser Hund, der noch vor Kurzem dem Tode nah gewesen war und nicht einmal gewusst hatte, was SITZ bedeutet, befolgte das Kommando TANZ mit so großer Begeisterung, dass sie sich beim Zusehen vor Lachen die Bäuche hielten.

Ein paar Tage nach Beendigung seiner Ausbildung kam Bruno zu seinen zukünftigen Besitzern, einem Paar mittleren Alters im Westen von Los Angeles – und dort lebt er jetzt glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage. Für mich war das einfach nur die Fortsetzung meiner Mission; doch in den Augen der Filmproduzenten, die diese wundersame Wandlung miterlebt hatten, war es ein bittersüßes Happy End. »Für diesen Hund gab es keine Hoffnung mehr«, sagte ein Mitarbeiter des Teams. »Und Sie haben ihm das Leben gerettet und ein Zuhause für ihn gefunden.«

Schön und gut – aber was war mit all den anderen herrenlosen Hunden?

»Das ist meine Mission – ein Hund nach dem anderen«, antwortete ich.

Damals war uns noch nicht bewusst, dass wir gerade den Slogan erfunden hatten, den wir in den kommenden Jahren für unsere Arbeit verwenden würden: »Hunden ohne Hoffnung ein Zuhause schenken: Das ist meine Mission – ein Hund nach dem anderen.«

Am nächsten Tag rief das Produktionsteam an, um mir mitzuteilen, dass es die Geschichten meiner geretteten Hunde in einer neuen Fernsehserie namens »Lucky Dog«TM vorstellen wolle. Im Mittelpunkt jeder Episode dieser Serie stand ein herrenloser Hund, der eine zweite Chance erhielt. Damit wollten wir die Zuschauer an etwas erinnern, woran wir alle fest glaubten: Kein Hund ist ein hoffnungsloser Fall; jeder hat eine Chance verdient.

Mein größtes Dilemma bei der Erfüllung meiner Mission, herrenlose Hunde zu retten, ist ein rein zeitliches Problem: Ich kann nur so und so viele Hunde gleichzeitig trainieren. Nach jeder »Lucky-Dog«-Episode, die wir abdrehten, hätte ich statt »Ein Hund nach dem anderen« am liebsten gesagt: »Tausend Hunde auf einmal!« Ich hoffe, mit meinem Buch den Boden für die Erreichung dieses Ziels zu bereiten: Wer weiß – vielleicht inspiriere ich andere Menschen damit ja dazu, ebenfalls herrenlose Hunde zu retten und auszubilden?

Es gibt so viele Bücher, die Hundeerziehung schwieriger erscheinen lassen, als sie eigentlich ist – als bräuchte man einen Hochschulabschluss, um einem Hund beizubringen, dass er sich hinsetzen soll. Dabei ist es möglich, selbst einen Hund, der noch gar nichts kann (oder vielleicht sogar ein paar Macken hat), innerhalb von sieben Tagen zu einem vorbildlichen »Lucky-Dog«-Absolventen zu machen, wenn man nur jeden Tag ein paarmal eine Viertelstunde lang mit ihm übt.

Meine Methoden sind einfach, weil ich weiß, was funktioniert und was nicht. Ich hatte viele Jahre Zeit, um herauszufinden, wie man am schnellsten von Punkt A nach Punkt B kommt. Nachdem ich mit einigen der besten Hundetrainer der Welt zusammengearbeitet und Tausende von Hunden ausgebildet habe – von verwöhnten Schoßhündchen bis hin zu hoffnungslosen »Todeskandidaten« –, möchte ich jetzt alles, was ich daraus gelernt habe, an Sie weitergeben. Dabei beginne ich mit den Grundlagen jeder Hundeerziehung: Vertrauen, Aufbau einer Beziehung, Konzentration und Kontrolle. Als Nächstes wird Ihr Hund meine sieben Hauptkommandos kennenlernen. Ich habe im Lauf der Jahre die Erfahrung gemacht, dass diese sieben Befehle (SITZ, BLEIB, PLATZ, KOMM, AUS, FUSS und NEIN) am allerwichtigsten sind – sie sind gewissermaßen das Abc der Hundeerziehung.

Sobald Ihr Hund gut gehorcht, werden wir uns mit ein paar Verhaltensproblemen befassen. Hat Ihr Vierbeiner irgendeine störende Angewohnheit? Falls ja, gibt es zwei Möglichkeiten: Sie können sich mit diesem Problem abfinden oder es aus der Welt schaffen. Wenn Ihr Hund alle Gäste anspringt, dauernd bellt, immer wieder abhaut, Löcher in den Garten gräbt oder im Wohnzimmer das Bein hebt, kann ich Ihnen beibringen, wie man ihm solche Unarten schnell und wirksam abgewöhnt.

Doch ein Buch, in dem es nur um Hundeerziehung geht, wäre in meinen Augen unvollständig. Ich möchte darin auch Geschichten von Hunden erzählen, die ich gerettet habe. Zum Beispiel die Geschichte von Grover, der schon so oft ins Tierheim gebracht wurde, dass er in Panik geriet, sobald man ihn allein ließ; die Geschichte von Randy, der so schlimm misshandelt worden war, dass er bei jeder Berührung herzzerreißend zu winseln anfing; und die Erfolgsstory von Kobe, einem winzig kleinen, aber völlig außer Rand und Band geratenen Hund, den sein voriger Besitzer als »unerziehbar« bezeichnet hatte. Die Herrchen und Frauchen all dieser großartigen Hunde hatten die Hoffnung bereits aufgegeben; und doch sind aus ihnen allen vorbildliche »Lucky-Dog«-Hundeschulabsolventen geworden. Ich möchte meine Leser in diesem Buch aber auch hinter die Kulissen meiner eigenen Lernerfahrungen führen und erzähle daher ebenso Geschichten von ein paar Hunden, die mich bis an die Grenzen meiner Fähigkeiten als Hundetrainer gebracht haben.

Die Tierheime quellen förmlich über vor Hunden, deren Besitzer sich nicht die Zeit genommen haben oder nicht über das nötige Wissen verfügten, um sie richtig zu erziehen. Viele Menschen geben dem Hund die Schuld daran, obwohl das Problem ohne Weiteres lösbar gewesen wäre, wenn sie sich nur ein paarmal pro Tag eine Viertelstunde Zeit für ihn genommen hätten (viel kürzer, als die Fahrt zum Tierheim gedauert hat). Daher ist es meine Aufgabe (und Ihre und die Pflicht aller Menschen, die genügend Mitgefühl und Optimismus besitzen, um das enorme Potenzial dieser herrenlosen, verletzlichen Hunde zu erkennen), sie zu retten – einen nach dem anderen.

Brandon

Teil 1

Lernen Sie Ihren Hund kennen

Was ist das Besondere an Ihrem Hund?

Ihr heutiges Wort des Tages lautet »Variable«. Mit Variablen sind die Eigenschaften Ihres Hundes gemeint, die Sie kennenlernen müssen, um gut mit ihm umgehen und ihn richtig erziehen zu können. Für unsere Zwecke handelt es sich dabei um Rasse, Alter, bisherige Erfahrungen und die besondere Persönlichkeit Ihres Hundes. Ihr Vierbeiner ist aber auch das Produkt seiner Ausbildung – und hier kommen Sie ins Spiel. Obwohl dieselben Grundprinzipien auf alle Hunde anwendbar sind, sollten Sie doch wissen, worin Ihr Hund sich von anderen unterscheidet; denn davon hängt Ihre Vorgehensweise bei seiner Erziehung ab. Deshalb wollen wir diese Variablen nun einmal der Reihe nach miteinander durchgehen.

Variable Nr. 1: Rasse

Die Rasse spielt für Aussehen, Temperament, Lebhaftigkeit, Intelligenz und Gesundheit Ihres Hundes eine wichtige Rolle. Sie ist für die naturgegebenen Unterschiede zwischen Hunden verantwortlich. Aber der Begriff »Natur« hat bei Hunden nicht unbedingt etwas mit natürlicher Entwicklung zu tun; damit sind vielmehr die genetischen Veranlagungen gemeint, die diesem Hund von Menschen angezüchtet wurden – Züchtern, die die Hunde-DNA manipuliert haben, um mit der Zeit immer bessere Ergebnisse zu erzielen, wobei die Definition des Begriffs »besser« natürlich von den jeweiligen Vorstellungen des Züchters abhing: Manche wollten große, einschüchternde Wachhunde züchten, andere ruhige, treue Retriever. Manchen kam es darauf an, dass ein Hund Kaninchen, Ratten, Hirsche und Rehe verfolgen kann, während andere Hütehunde züchteten, die eine Herde von Schafen oder Kühen in Schach halten können.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht – aber ich brauche keinen Hund, der so etwas kann. Mein Hund muss weder jagen noch Löcher graben, weder Schafe hüten noch mit anderen Hunden kämpfen. Wie den meisten heutigen Hundebesitzern kommt es mir einfach nur darauf an, dass mein Hund mir ein guter Gefährte ist – intelligent und wohlerzogen genug, um mit mir und meiner Familie friedlich zusammenzuleben.

Welche Gebrauchshundekategorien gibt es?

Lange bevor man so gut wie alle Produkte und Dienstleistungen per Computer bestellen konnte und innerhalb von ein paar Tagen (wenn nicht gar Stunden) ins Haus geliefert bekam, waren Hunde die anpassungsfähigsten Werkzeuge und Hilfsmittel des Menschen. Immer wenn es in den letzten Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte irgendeine Aufgabe gab, die erledigt werden musste, entwickelten Züchter die passende Hunderasse dafür. Diese Aufgaben reichten vom Spürhund über Hüte- und Kampfhunde bis hin zum treuen Gefährten und Begleiter des Menschen; und aus jedem neuen »Prototypen« wurden im Lauf der Zeit immer stärker spezialisierte und optimierte Rassen herausgezüchtet – so lange, bis uns Menschen für die Erfüllung ein und derselben Aufgabe eine ganze Armee von Hunden verschiedener Größen, Erscheinungsbilder und Temperamente zur Verfügung stand.

Hunderassen, die für die Erfüllung einer bestimmten Aufgabe gezüchtet wurden, bezeichnet man als »Gebrauchshunde«. Es gibt sechs verschiedene Gruppen solcher Gebrauchshunde:

1. Hütehunde:Das sind hochintelligente, sehr eigenständige, energiegeladene Hunde, die ursprünglich dazu gezüchtet worden sind, auf Viehherden aufzupassen. Zu dieser Gruppe gehören Schäferhunde, Hirtenhunde, Corgis, Collies und Sennenhunde, die alle für verschiedene Aufgaben gezüchtet wurden.

2. Jagd- und Windhunde: Zu dieser Kategorie gehören Windhunde mit hervorragendem Sehvermögen, die sehr schnell laufen können und über große Ausdauer verfügen, und Schweißhunde, die einen besonders guten Geruchssinn haben und Spuren verfolgen können. Diese Gruppe umfasst die verschiedensten Rassen, zum Beispiel Windhunde wie Greyhounds, Wolfshunde und Barsois und Schweiß- und Spürhunde wie Basset Hounds, Bloodhounds und Dackel. Daneben gibt es auch noch Hunde, die zwar keine eigentlichen Jagdhunde sind, aber dazu gezüchtet wurden, Jägern bei ihrer Arbeit zu helfen, zum Beispiel Vorstehhunde, die dem Jäger anzeigen, dass sie Wild gefunden haben, Apportierhunde, die ihm das Wild bringen, und Hunde, die Wild aufstöbern, wie beispielsweise Spaniels. Solche Hunde (zu denen unter anderem auch Setter und Retriever gehören) sind normalerweise sehr treu und gut erziehbar.

3. Terrier: Dieser Name kommt vom lateinischen Wort terra (Erde) und ist eine sehr gute Beschreibung für das Arbeitsumfeld dieser sehr ausdauernden, unabhängigkeitsliebenden Hunde. Ursprünglich wurden Terrier dafür gezüchtet, in der Erde zu wühlen und zu graben und kleine Schädlinge und Beutetiere wie Ratten, Dachse und Otter über und unter der Erde zu jagen. Sie waren die ersten Schädlingsvernichter der Welt. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel der Staffordshire-Terrier, der Scotchterrier, der Jack-Russell-Terrier, der Schnauzer, der West-Highland-White-Terrier und der Bullterrier.

4. Arbeitshunde: Zu dieser Gruppe gehören die kräftigsten Hunderassen, beispielsweise der Boxer, der Akita Inu, der Rottweiler, der Mastiff und der Bernhardiner. Ursprünglich erledigten diese Hunde wichtige Aufgaben, die sich großen Ansehens erfreuten: Sie dienten als Wachhunde, Zughunde, arbeiteten bei der Polizei oder beim Militär. Viele werden auch heute noch für solche Aufgaben eingesetzt.

5. Gebrauchshunde für verschiedene Verwendungszwecke (»Nonsporting dogs«): Was haben Shar-Pei, Bulldogge, Boston-Terrier, Dalmatiner, Lhasa Apso und Pudel miteinander gemeinsam? Eigentlich nicht besonders viel. Doch man hat sie alle unter diesem Oberbegriff zusammengefasst, da die Aufgaben, für die sie ursprünglich gezüchtet worden sind, nicht mehr existieren.

6. Zwerghunde: Auch das ist ein Sammelbegriff, denn die Hunde dieser Gruppe haben nur eines gemeinsam: ihre Größe. Viele dieser Hunde (beispielsweise das Italienische Windspiel und der Yorkshireterrier) gehören ganz unterschiedlichen Rassengruppen an. Andere (zum Beispiel der Pekinese, der Malteser und der Havaneser) wurden in erster Linie als Schoßhunde gezüchtet.

Doch auch wenn unsere Hunde heute nicht mehr die Aufgaben zu erfüllen brauchen, für die sie ursprünglich gezüchtet worden sind, bedeutet das noch lange nicht, dass man diese Instinkte einfach abschalten kann – und in vielen Fällen würden wir das auch gar nicht wollen. Denn genetisch bedingte Charaktereigenschaften führen nicht nur dazu, dass Hunde bestimmte Arbeitsinstinkte (und damit einhergehende Verhaltensprobleme) aufweisen; sie machen auch das Besondere aus, das wir an unseren Hunden so mögen: die Art, wie sie unsere Nähe suchen und mit uns spielen, ja sogar bestimmte Marotten – zum Beispiel, dass manche Hunde richtige Wasserratten sind oder auf unsere Kinder aufpassen – oder die Art, wie sie neue Kunststücke lernen. Viele Verhaltensweisen sind fest in der DNA eines Hundes verankert; also müssen wir als Hundebesitzer und -erzieher immer einen goldenen Mittelweg zwischen den genetisch bedingten Trieben unserer Hunde und den Anforderungen unseres modernen Lebens finden.

Natürlich sollte man sich am besten schon vor der Anschaffung eines Hundes Gedanken darüber machen, wie seine Rasse sich auf sein Verhalten und seine Bedürfnisse auswirkt. Ich sehe die tragischen Ergebnisse falscher Rassenwahl tagtäglich in Tierheimen: Hunde, die von ihren Besitzern weggegeben wurden, weil sie zu viel Bewegung brauchen, nicht schnell genug stubenrein werden, dauernd bellen oder sich nicht mit den anderen Haustieren der Familie verstehen.

All diese Probleme sind zumindest teilweise genetisch bedingt; man muss sich als Hundebesitzer also entweder damit abfinden oder viel Zeit und Energie investieren, um seinem Vierbeiner ein akzeptableres Verhalten beizubringen. Wie ich mit solchen Problemen umgehe, ist klar: Zu meiner Rolle als Hunderetter gehört es, dafür zu sorgen, dass jede Familie, in der ich einen Hund unterbringe, die Herausforderungen, die seine Rasse mit sich bringt, bereitwillig, ja sogar mit Begeisterung akzeptieren kann. Diesen Teil meiner Arbeit, der darin besteht, den richtigen Hund für die richtige Familie zu finden, nehme ich sehr ernst, denn alle Hunde aus meinem »Lucky-Dog«-Programm wurden schon einmal weggegeben oder gar ausgesetzt, und ich möchte nicht, dass sie dieses Schicksal noch ein zweites Mal erleben müssen.

Warum die Rasse bei der Hundeerziehung eine wichtige Rolle spielt

Immer wenn ich mit einem neuen Klienten über Hundeerziehung spreche, hole ich zuallererst meine alte, schon mit vielen Eselsohren versehene Enzyklopädie der Hunderassen hervor und mache eine Kopie der Seiten, auf denen die Rasse seines Hundes (oder die verschiedenen Rassen, aus denen er unserer Einschätzung nach hervorgegangen ist) beschrieben wird. Das ist der Ausgangspunkt für jedes Gespräch darüber, wie dieser Hund sich bisher benommen hat, mit welchen Trainingsmethoden man bei ihm wohl Erfolg haben könnte und wie man unerwünschte Verhaltensweisen ändern kann.

Oft ist das für den Hundebesitzer ein echtes Aha-Erlebnis, denn dort steht alles schwarz auf weiß: nicht nur die Verhaltensweisen, die er an seinem Hund so mag, sondern auch diejenigen, mit denen er Probleme hat. Manchmal ist dieses Verhalten auf eindeutige Ursachen zurückzuführen, wie beispielsweise beim Rat Terrier: Bei diesem Hund verrät bereits der Name, für welche Aufgabe er gezüchtet wurde – nämlich um Ratten zu töten. Deshalb sollte man sich auch nicht darüber wundern, wenn er hinter jedem Eichhörnchen oder Kaninchen und jeder Ratte hinterherrennt, die ihm über den Weg läuft. Aber es gibt auch andere Hunderassen, die als Kleintierfänger gezüchtet wurden, obwohl das heute kaum noch jemand weiß, zum Beispiel der Zwergschnauzer, der Deutsche Pinscher und der West Highland Terrier.

Wissen Sie, zu welchem Zweck die Rasse Ihres Hundes gezüchtet wurde und wann? Wie sah die Welt damals aus? Inwiefern haben sich die Lebensbedingungen und die an einen Hund gestellten Erwartungen seitdem verändert? All diese Fragen sind für ein besseres Verständnis Ihres Vierbeiners sehr wichtig. Das möchte ich Ihnen nun an ein paar Beispielen anschaulich machen.

Englische Bulldogge:Obwohl das genaue Datum umstritten ist, wurden die ursprünglichen englischen Bulldoggen irgendwann zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert gezüchtet – viele von ihnen ausschließlich für den barbarischen Sport des Bullenbeißens. Um es mit einem Bullen aufnehmen zu können, musste ein Hund furchtlos genug sein, ein wütendes Tier anzugreifen, das dreißigmal so groß war wie er selbst, und hartnäckig genug, um sich so lange an ihm festzubeißen, bis er den Bullen entweder in die Knie gezwungen hatte oder bei diesem Versuch umgekommen war. So ein Hund musste eine kräftige Statur und gute Bodenhaftung haben und von seinem Charakter her ein Mittelding zwischen starrsinnig und aggressiv sein.

Ein Tier mit solchen Eigenschaften würde wohl kaum einen idealen Familienhund abgeben – es sei denn, man hat einen Bullen im Hinterhof, den man gern loswerden möchte.

Im Jahr 1835 wurde das Bullenbeißen gesetzlich verboten; und doch haben die Englischen Bulldoggen sich viele ihrer uralten Persönlichkeitsmerkmale bewahrt. Zwar haben die Züchter inzwischen eine Menge am Charakter dieser Tiere verändert; so hat man beispielsweise versucht, sie eher auf beschützendes als auf aggressives Verhalten hin zu züchten. Außerdem wurden die heutigen Englischen Bulldoggen durch genetische Selektion so gezüchtet, dass sie gute Gefährten sind und sich somit hervorragend als Familienhunde eignen. Doch die Evolution dauert lange (auch wenn sie von Menschen in die Wege geleitet wird); und daher besitzt auch die heutige Version dieses grimmigen Kämpfers früherer Zeiten immer noch Eigenschaften, die an das Bullenbeißen erinnern. Nach wie vor haben Englische Bulldoggen kurze Beine und einen breiten, kräftigen Körperbau. Die meisten dieser Hunde sind mutig, oft aber auch ziemlich eigensinnig und berüchtigt dafür, an Spielsachen herumzuzerren und nichts mehr loszulassen, was ihnen einmal zwischen die Zähne geraten ist; und sie neigen auch dazu, alles anzuknabbern, was nicht niet- und nagelfest ist. Dieses Bedürfnis, sich an etwas festzubeißen und daran zu ziehen, ist in ihrer DNA verankert – ein genetischer Impuls aus der Zeit des Bullenbeißens.

Beagle:Einer der Hauptgründe, warum Beagles oft ins Tierheim gebracht werden, ist ihr ständiges Bellen. Ich wette, dass jeder Hundetrainer schon mal von einem verzweifelten Beagle-Besitzer zu Hilfe gerufen wurde, der fragte: »Was ist nur los mit diesem Hund? Er bellt die ganze Zeit.«

Aus genetischer Sicht ist mit einem bellenden Beagle gar nichts Besonderes »los«: Wie alle Jagdhunde wurden diese Tiere jahrhundertelang darauf gezüchtet, Füchse, Kaninchen und anderes Niederwild zu jagen. Ihre Aufgabe war es, vor ihren Führern herzulaufen und dabei pausenlos zu bellen oder zu kläffen, damit diese ihnen mühelos folgen konnten. Diese Hunde wurden generationenlang auf ihr gutes, verlässliches Kommunikationsvermögen hin selektiert. Bellen oder Kläffen ist also gewissermaßen ihr Daseinszweck.

Malteser:Diese kleinen Hunde wurden jahrtausendelang zu dem Zweck gezüchtet, verwöhnte Schoßtierchen zu sein. Sie waren so etwas wie Alarmanlagen auf vier Beinen – Hunde, die sich immer in der Nähe ihrer Menschen aufhielten, nicht zu viel Platz wegnahmen und einen Höllenlärm veranstalteten, wenn ein Fremder ihnen zu nahe kam. Vom alten Rom und Ägypten bis hin zum England und Frankreich der Renaissance saßen diese Hunde auf den Schößen vieler bedeutender Persönlichkeiten und waren eine Art Kombination aus Wachhund und treuem Begleiter. Sie konnten zwar keinen Einbrecher zu Fall bringen, zeigten aber ein ausgeprägtes Revierverhalten, bellten und schnappten notfalls auch zu, um ihre Besitzer zu beschützen.

Welches Verhalten wird ein Hund, der als eine Art Babyersatz gezüchtet wurde, wohl von seinen Vorfahren ererbt haben? Malteser sind sehr anhängliche Familienhunde, aber sie brauchen immer jemanden um sich herum, sonst werden sie schnell depressiv oder überängstlich oder verfallen in Zerstörungswut. Und habe ich bereits erwähnt, dass diese Hunde jahrhundertelang darauf gezüchtet wurden, bei jeder Gelegenheit zu bellen? Der Malteser ist also schon ein ziemlich kläffiger Hausgenosse. Er bellt nun einmal laut, oft und mit Begeisterung; und ihm das abzugewöhnen ist ungefähr genauso einfach, wie wenn man einem Hund beibringen wollte, nicht mehr zu fressen, zu schlafen oder zu atmen.

Wenn Sie also nun ein bisschen mehr über die Rasse Ihres Hundes wissen – welche Rolle spielen diese Erkenntnisse bei seiner Erziehung zum »Lucky Dog«? Es gibt zwei Dinge, die man sich merken sollte: Erstens wird allen Beteiligten wohler zumute sein, wenn Sie von Ihrem Hund kein Verhalten erwarten, das nun mal nicht seiner Rasse entspricht. Ich bekomme immer wieder Anrufe von frustrierten Hundebesitzern, die sich darüber beklagen, dass ihr Terrier Löcher in den Garten gräbt, ihr Hütehund Leuten in die Waden beißt, ihr Wasserhund in jede Sprinkleranlage hineinrennt, ihr Husky an der Leine zieht oder ihr Retriever dauernd nach ihren Händen schnappt. Dabei sind diese Verhaltensweisen fest in der DNA der betreffenden Hunderasse verankert.

Damit will ich nicht sagen, dass man seinem Hund so etwas nicht abgewöhnen kann. Das kann man schon. Ich habe in meinem Leben bereits Tausende von Hunden trainiert und weiß aus Erfahrung, dass sie fast alles lernen können. Doch es ist ein großer Unterschied, ob man einem Hund etwas beibringt, was für ihn neu oder ungewohnt ist, oder ihm etwas abgewöhnt, was seinem angeborenen Instinkt entspricht. Ihr Hund kann sich grundsätzlich alles abgewöhnen, was er erlernt hat. Doch ihm ein angeborenes Verhalten abzutrainieren ist schon schwieriger. So ist beispielsweise den meisten Hunden der Instinkt angeboren zu bellen. Ich kann einen Hund zwar darauf trainieren, auf Kommando mit dem Bellen aufzuhören; doch ihm beizubringen, überhaupt nicht mehr zu bellen, ist sehr viel schwieriger und oft nahezu unmöglich. Gegen die genetische Veranlagung eines Hundes anzukämpfen wird immer ein mühseliges Unterfangen bleiben; normalerweise wehrt die Natur sich mit Händen und Füßen dagegen.

Es gibt aber auch noch einen zweiten Aspekt, der im Zusammenhang mit der Rasse Ihres Hundes eine wichtige Rolle spielt: Je mehr Sie über die Besonderheiten dieser Rasse wissen, umso besser können Sie sich in den Hund hineindenken und ihn erziehen; dann wissen Sie, welche praktischen Methoden und Strategien Sie bei seiner Ausbildung einsetzen müssen, und finden genau die richtige Motivation für ihn, die er braucht, um sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Außerdem wissen Sie dann schon im Voraus, welche Verhaltensprobleme bei Ihrem Hund auftreten könnten und wie man sie am besten korrigiert; und Sie können vielleicht sogar akzeptable Ventile für die Aktivitäten finden, denen er mit Begeisterung nachgeht, weil seine Rasse nun einmal dafür gezüchtet wurde.

Hallo, ich bin Lulu! Meine Hündin heißt Lulu, und sie ist eine ziemlich freche Göre. Das sage ich Ihnen ganz ehrlich, weil ich Ihnen nichts vormachen will – und weil ich der Meinung bin, dass auch ein nicht ganz so perfekter Hund ein wunderbarer Gefährte sein kann. Ich trainiere Jahr für Jahr Hunderte von Hunden darauf, alles Mögliche zu tun – von SITZ und BLEIB bis hin zu sehr viel schwierigeren Kommandos –, doch meine Hündin stellt sich meistens taub, wenn ich etwas sage. Sie hat einen »durchtriebenen« Charakter und benimmt sich manchmal auch ziemlich daneben; aber ich liebe sie trotzdem. Ich habe Lulu im Tierheim kennengelernt. Ihr Zwinger stand ganz vorn; also war sie der erste Hund, an dem ich vorbeikam, wenn ich das Gelände betrat, und der letzte, den ich zu sehen bekam, wenn ich es wieder verließ. Lulu blieb monatelang in diesem Tierasyl – so lange, dass ich irgendwann anfing, hallo zu ihr zu sagen und die Mitarbeiter des Tierheims nach ihr zu fragen. Daraufhin erfuhr ich, dass sie keinen positiven Eindruck machte, was leider bei vielen Chihuahuas der Fall ist – deshalb findet man diese Hunderasse auch besonders häufig in Tierheimen. Zunächst einmal sind diese Hunde sehr klein und nicht unbedingt darauf erpicht, die Sympathien der Besucher zu gewinnen. Manche Chihuahuas bellen sehr viel und haben Probleme mit der Stubenreinheit. Aus all diesen Gründen finden sie oft kein Zuhause. Doch irgendeiner der Mitarbeiter schien eine besondere Schwäche für Lulu zu haben, denn sie blieb monatelang in dem Tierheim – bis ich eines Morgens erfuhr, dass sie am Nachmittag eingeschläfert werden sollte.

Damals hatte ich bereits das Gefühl, diese Hündin gut zu kennen; und obwohl es niemanden gab, der als Besitzer für sie infrage gekommen wäre, nahm ich sie mit nach Hause. Lulu war ängstlich und nervös und nicht leicht vermittelbar. Nachdem sie die sieben Grundkommandos erlernt hatte, fand ich eine Familie für sie; doch die rief mich schon am nächsten Tag an und forderte mich (wenn auch in etwas höflicheren Worten) auf, das Biest wieder abzuholen: Lulu hatte eines ihrer Kinder gebissen. Also machte ich mir in Gedanken eine Notiz: »Keine Kinder.«

Ich vermittelte sie ein zweites Mal – diesmal an einen Haushalt ohne Kinder –, doch auch diese Familie rief am zweiten Tag bei mir an und beschwerte sich, weil Lulu ihren anderen Hund angegriffen hatte. Also ergänzte ich meine gedankliche Notiz: »Keine Kinder, keine Hunde.«

So ging es lange Zeit weiter: Ich brachte Lulu irgendwo unter, sie benahm sich wie ein kleiner Teufel, und ich holte sie wieder ab. Nach ein paar Monaten war mir klar, dass dieser Chihuahua, dem es gelungen war, eine Familie nach der anderen abzuschrecken, der aber eine leidenschaftliche Zuneigung zu mir gefasst hatte, mein Hund werden musste.

Lulu weist eine ganz besondere und schwierige Kombination der verschiedenen Variablen auf, auf die ich in diesem Kapitel eingehe – eine Konstellation, die sie manchen potenziellen Besitzern vielleicht nicht unbedingt sympathisch macht. Doch trotz ihrer Marotten und ihres alles andere als perfekten Benehmens ist es ihr gelungen, die Grundkommandos zu erlernen, ihre wichtigsten Verhaltensprobleme in den Griff zu bekommen und mein »Lucky Dog« zu werden. Glauben Sie mir: Wenn Lulu das geschafft hat, kann Ihr Hund es auch!

Und wie sieht es mit »Promenadenmischungen« aus?

Viele Tierheimhunde sind Mischlinge. Doch selbst wenn Ihr Hund eine absolut undefinierbare Promenadenmischung zu sein scheint, werden Sie an ihm wahrscheinlich bald das typische Verhalten einer bestimmten Rasse erkennen. Jagt er hinter Ihren Kindern her, und beißt er sie in die Fersen, damit sie nicht wegrennen? Das ist typisches Hütehundverhalten. Wahrscheinlich ist dieser Hund auch ziemlich eigensinnig und übernimmt gern die Regie. Ist Ihr Vierbeiner immer ganz aus dem Häuschen, wenn er einen Tennisball oder ein anderes Wurfspielzeug zu Gesicht bekommt? Und würde er an heißen Tagen am liebsten in seiner Wasserschüssel schwimmen gehen? Dann ist er ein typischer Retriever! Ein Hund, der sich so verhält, reagiert wahrscheinlich auch empfindlich auf »Kritik« und ist sehr anhänglich. Es kann aber auch sein, dass er immer wieder an Sachen herumkaut, die er eigentlich nicht anrühren sollte.

Das Gute an Mischlingen ist, dass typische Verhaltens- und Gesundheitsprobleme bestimmter Rassen bei ihnen seltener vorkommen. Eine großangelegte wissenschaftliche Studie hat gezeigt, dass zehn weitverbreitete Gesundheitsprobleme bei reinrassigen Hunden häufiger auftreten als bei Mischlingen; nur eine einzige Erkrankung kam in dieser Untersuchung bei Promenadenmischungen öfter vor. Ein typischer »Scherenschleifer« kann aufgrund der verschiedenartigen Erbanlagen, die er mitbringt, genauso ausgeglichen und gut erziehbar sein wie seine reinrassigen Kollegen – vielleicht ist er sogar noch gelehriger und bringt ein noch ruhigeres, friedlicheres Temperament mit.

Variable Nr. 2: Alter

Das Alter ist nur eine Zahl, spielt aber eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, wie Ihr Hund auf Erziehungsmaßnahmen reagiert. Einen Welpen muss man beispielsweise ganz anders trainieren als einen jungen Hund. Diese Variable verändert sich zwar ständig, doch es ist wichtig, bei der Erziehung Ihres Hundes sein Entwicklungsstadium und seine Reife zu berücksichtigen.

Welpen

Genau wie Kinder haben auch Welpen einen regen, lernbegierigen Geist: Sie saugen Informationen auf wie ein Schwamm und sind ständig damit beschäftigt, sie zu verarbeiten. Ein Welpe nimmt alles, was er sieht, hört, riecht, schmeckt und spürt, begierig in sich auf. Wenn Sie einen Welpen erziehen, haben Sie also die Chance, seinen jungen Geist zu prägen, bevor irgendjemand anders einen negativen Einfluss auf ihn ausüben kann. Allerdings muss man bei so einem Hund auch besonders vorsichtig sein, um ihn nicht zu verderben. Man muss zum Beispiel genau wissen, wie man einen Welpen sozialisiert, wann man mit der Erziehung zur Stubenreinheit beginnen soll, was man von ihm erwarten kann und was nicht.

An welchem Punkt Sie mit dem Training beginnen, hängt vom Alter Ihres Welpen ab. In den ersten sechs Wochen erledigen Mutter und Geschwister den größten Teil seiner Erziehung; doch danach fällt Ihnen eine wichtige Rolle dabei zu. In seinem zweiten und dritten Lebensmonat sollten Sie keine Gelegenheit ungenutzt lassen, um Ihren kleinen Hausgenossen mit neuen Menschen, Orten und Gegenständen bekannt zu machen, und ihn dabei ständig ermutigen und belohnen, damit er diese Erlebnisse als positiv empfindet. Achten Sie darauf, dass er alle seine Impfungen pünktlich bekommt, und konfrontieren Sie ihn dann mit möglichst vielen verschiedenen Umweltfaktoren – lauten und ruhigen Schauplätzen, neuen Gerüchen, Menschen und Erfahrungen –, damit er anfangen kann, die Welt zu entdecken.

Es gibt nichts Traurigeres als Hunde aus dem Tierheim, die nie richtig sozialisiert worden sind. Ich habe schon Hunde kennengelernt, die noch nie ein Halsband getragen, eine Pfote ins Wasser getaucht haben oder von einer menschlichen Hand berührt worden sind, die weder an Autos noch an Fahrräder gewöhnt sind und keine anderen Hunde und lauten Geräusche tolerieren. Für einen Hund, der nicht schon im frühesten Welpenalter sozialisiert worden ist, können all diese Umstände zum Angstfaktor werden. Manche Ängste lassen sich im späteren Leben nur noch schwer überwinden, und man braucht sehr viel Zeit dazu.

Sie können schon im Alter von zehn Wochen anfangen, Ihren Welpen zur Stubenreinheit zu erziehen. Diesem wichtigen Thema habe ich in meinem Buch ein eigenes Kapitel gewidmet.

Wenn Sie beginnen, Ihrem Welpen die Grundregeln des Gehorsams beizubringen, wird es Ihnen vielleicht zunächst schwerfallen, seine Aufmerksamkeit zu wecken und ihn dazu zu bringen, dass er sich hundertprozentig auf seine Aufgabe konzentriert. In Kapitel 3 gehe ich auf Strategien ein, mit denen es gelingt, einen Hund »bei der Stange« zu halten. Doch wenn Sie versuchen, Ihrem Welpen meine Grundkommandos beizubringen, dürfen Sie nicht vergessen, dass in diesem Alter sehr viele Informationen auf sein schwammähnliches kleines Gehirn einstürmen und er deshalb vielleicht ein bisschen mehr Zeit und regelmäßige Wiederholung braucht als ein erwachsener Hund, um zuverlässig auf diese Befehle zu reagieren.

Junge Hunde

Wussten Sie, dass fast fünfzig Prozent aller Hunde, die in einem Tierheim abgegeben werden, dieses Schicksal im Alter von fünf Monaten bis drei Jahren erleiden? Es ist kein Zufall, dass diese kritische Phase mit dem Jugendalter eines Hundes zusammenfällt. Große Hunde kommen normalerweise zuerst (im Alter von etwa neun bis zwölf Monaten) ins Jugendalter; dann folgen die mittelgroßen Hunde (im Alter von zehn bis vierzehn Monaten) und schließlich die kleinen (mit zwölf bis sechzehn Monaten). Dieser Unterschied im Beginn des Jugendalters hängt mit der Lebenserwartung der Hunde zusammen: Große Hunde leben normalerweise am kürzesten und kleine Hunde am längsten.

Falls Sie schon mal einen Hund großgezogen haben, der in diesem jugendlichen Alter war, können Sie sich vielleicht vorstellen, warum diese Altersgruppe bei den Hunden, die von ihren Besitzern ausgesetzt oder weggegeben werden, überrepräsentiert ist: Genau wie menschliche Teenager, die gerade das Kindesalter hinter sich gelassen haben und sich ihren Platz in der Welt der Erwachsenen suchen, für ihre Eltern eine große Herausforderung darstellen, sind auch die Teenager unter den Hunden oft ein bisschen wild und ungezogen und testen gern ihre Grenzen aus.

Aber das bedeutet noch lange nicht, dass man ihnen keine Chance geben sollte! Die Jugend ist ein schwieriges Alter – vor allem bei größeren Hunderassen –, denn diese Hunde haben jetzt rund neunzig Prozent ihrer Erwachsenengröße erreicht, sind von ihrer Mentalität her aber fast noch Welpen. Angenommen, Sie haben ein zwölf oder dreizehn Jahre altes Kind – womöglich mit großen Füßen, langen, dünnen Beinen und vorlautem Mundwerk. Dieser Teenager stolpert ständig über seine eigenen Füße, vergisst, dass er schon zu alt ist, um im Supermarkt an der Kasse ein paar Bonbons zugesteckt zu bekommen, ist überzeugt davon, alles gelernt zu haben, was er in seinem Leben wissen muss, und scheint für die Ratschläge und Ermahnungen von Eltern, Lehrern und anderen Autoritätspersonen taub zu sein. Ihr junger Hund hat eine ganz ähnliche Mentalität wie dieser Teenager – nur mit dem Unterschied, dass er vier Beine und ein Fell hat. Und genau wie alle Jugendlichen testet er ständig seine Grenzen aus, um herauszufinden, ob er damit durchkommt. Wenn Sie so einem Hund befehlen, sich hinzusetzen, tut er vielleicht so, als hätte er das Kommando gar nicht gehört; und wenn Sie BLEIB sagen, rennt er womöglich weg – und das auch noch in die falsche Richtung. Ein Hund im Teenageralter ist ein richtiges Energiebündel und hat keinen Respekt vor Autorität; wenn ein Hundebesitzer den Machtkampf mit seinem Vierbeiner verliert, passiert das meistens in dieser schwierigen Phase.

Aber das muss nicht unbedingt so sein. Ein großer Welpe, der nur seine eigenen Wünsche im Kopf hat, braucht eine starke Hand: Man muss ihn immer wieder an die Spielregeln erinnern und ihm zeigen, was man von ihm erwartet. Das bedeutet zusätzliche Trainingssitzungen, denn in dieser wichtigen Entwicklungsphase muss Ihr Hund richtig konditioniert werden. Und er braucht jetzt auch viel Bewegung – denn genau wie ein überdrehter Teenager kann er nicht richtig denken, wenn sich zu viel Energie in ihm angestaut hat. Das ist vielleicht der Hauptgrund, warum Hunde in diesem Alter besonders häufig im Tierheim landen.

Jeder möchte gern einen Welpen haben; doch wenn der Welpe dann in diese kurze, aber manchmal eben doch recht schwierige Phase kommt, geben viel zu viele Hundebesitzer die Hoffnung auf, statt ihre Vierbeiner jetzt noch intensiver zu trainieren und ein bisschen mehr Geduld und Konsequenz aufzubringen. Auf den nächsten Seiten werden Sie einige Hunde kennenlernen, die ich im Lauf der Jahre aus Tierheimen gerettet habe. Achten Sie einmal darauf, wie viele von ihnen in diese schwierige Altersgruppe fallen! All diese Hunde haben sich später zu wunderbaren Hausgenossen entwickelt; doch um ihr Potenzial verwirklichen zu können, brauchten sie Liebe, Erziehung, Konsequenz, ein Gefühl der Sicherheit – und manchmal eben auch eine kräftige Dosis Disziplin.

Erwachsene Hunde

Das Erwachsenenalter ist die längste Phase im Leben eines Hundes: Es umfasst rund achtzig Prozent seiner Daseinsspanne. In diesem Alter lässt Ihr Hund die Welpen- und Teenagerphase, in der er ein zerstörungswütiges Energiebündel war, wahrscheinlich allmählich hinter sich. Mit anderthalb Jahren hat Ihr Hund zwar schon die volle Größe, ist vom Gehirn her aber immer noch ein Welpe. Doch im Alter von zwei bis drei Jahren hört sein Körper auf zu wachsen, und sein Gehirn hat endlich eine Chance, aufzuholen und genau das gleiche Reifestadium zu erreichen wie sein Körper. In dieser Phase (vor allem in den ersten Jahren des Erwachsenenalters) kann man seinem Hund negative Verhaltensweisen, die er vielleicht in seiner Jugend erworben hat, am leichtesten abgewöhnen. Denn jetzt ist sein Gehirn immer noch ziemlich aufnahmefähig und sein Verhalten nach wie vor relativ flexibel und formbar. Doch mit jedem Jahr verfestigt sein Verhalten sich ein bisschen mehr und lässt sich dann natürlich auch schwerer verändern.

Im Erwachsenenalter hat Ihr Hund bereits eine voll ausgeformte Persönlichkeit, die wahrscheinlich ziemlich konsistent bleiben wird, bis er dann im Alter ruhiger und phlegmatischer wird. Daher ist das junge Erwachsenenalter genau die richtige Zeit, um ihn zu trainieren.

Hallo, ich bin Randy! Randy war ein mittelgroßer weißer Pudelmischling, der in den Straßen von Los Angeles herumstreunte. Er war abgemagert bis auf die Knochen und starrte vor Dreck. Offenbar hatte Randy irgendwann einmal einen Besitzer gehabt; doch niemand kam, um ihn aus dem Tierheim abzuholen. Er war sechs Jahre alt, und seine Reaktion auf Berührungen war herzzerreißend: Immer wenn man ihn anzufassen versuchte, fing er laut an zu schreien. Kein Wunder, dass ihn niemand haben wollte – kein Mensch möchte einen Hund bei sich aufnehmen, der so schwerwiegende Probleme hat.

Als ich Randy zum ersten Mal sah, sollte er innerhalb der nächsten Minuten eingeschläfert werden. Doch auch nach seiner Rettung wollte er sich nicht anfassen lassen. Anfangs hielt ich das für ein medizinisches Problem: Manche Tierheimhunde leiden unter alten Verletzungen, die ihnen immer noch wehtun, oder sind ihr Leben lang vernachlässigt worden. Die Untersuchungen beim Tierarzt ergaben zwar, dass mit Randy alles in Ordnung war; doch jedes Mal, wenn ich ihn berühren oder ihm eine Leine anlegen wollte, fing er an zu winseln. Bald wurde mir klar, dass Randy früher einmal mit einer Leine geschlagen worden war. Denn davor hatte er am meisten Angst: Immer wenn ich mit der Leine in der Hand auf ihn zukam, zuckte er zusammen und versuchte zu fliehen. Falls Randy jemals in der Lage sein sollte, einem neuen Besitzer so etwas wie körperliche Zuneigung zu zeigen, musste er zunächst einmal lernen, Vertrauen zu haben. Es hatte keinen Zweck, ein Trainingsprogramm mit ihm zu beginnen, solange er eine so panische Angst vor jedem Kontakt mit Menschen hatte. Also versuchte ich ihn langsam und allmählich an Berührungen zu gewöhnen und ihm zu zeigen, dass er keine Angst mehr vor Misshandlungen zu haben brauchte.

Da Randy schon ein paar Jahre alt war, erforderte die Arbeit mit ihm mehr Geduld und Zeit als die Erziehung eines jungen Hundes; doch allmählich gewöhnte er sich an mich, und danach erlernte er die sieben Grundkommandos wie ein Profi und zeigte mir, dass er bereit für ein neues Zuhause war.

Ältere Hunde

Sicher kennen Sie das alte Sprichwort »Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr«. Doch da bin ich ganz anderer Meinung. Natürlich kann man einem alten Hund immer noch etwas beibringen; es dauert nur ein bisschen länger als bei einem jungen, der noch im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Fähigkeiten ist. Denn genau wie der Körper eines Hundes wird auch sein Gehirn älter. Das ist ein ganz normaler Teil des Alterungsprozesses, der auch vor uns Menschen nicht haltmacht. Wenn das Gehirn eines Welpen wie ein großer Schwamm ist, der unendlich viele Informationen in sich aufsaugen kann, trifft dieser Vergleich – freilich mit umgekehrten Vorzeichen – auch auf das Gehirn eines älteren Hundes zu. In einem älteren Gehirn haben sich schon mehr Informationen, Gedankenverbindungen und Eindrücke verfestigt. Deshalb ist es schwieriger, einem älteren Hund etwas beizubringen als einem »jungen Spund«, der noch am Anfang seines Erwachsenendaseins steht. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass so etwas völlig unmöglich ist. Ich habe auch schon elf-, zwölf-, ja sogar dreizehnjährige Hunde zu vorbildlichem Gehorsam erzogen – von SITZ bis hin zu schwierigeren Kommandos –, und sie waren diesen Aufgaben hundertprozentig gewachsen.

Eigentlich ist es kein Hexenwerk, einen älteren Hund zu erziehen: Es erfordert nur Geduld und Wiederholung. Sie sollten genauso an diese Aufgabe herangehen, wie wenn Sie Ihrem Großvater den Umgang mit einem Computer erklären würden: Sie wissen, dass seine Entwicklungsphase, in der man neue Informationen schnell aufnimmt, schon lange vorbei ist; also fangen Sie mit kurzen, einfachen Lektionen an und wiederholen alles, was Sie ihm vermitteln möchten, mehrmals. Sie gehen langsam voran, und sobald Sie merken, dass Sie nicht mehr weiterkommen, gehen Sie einen Schritt zurück und wiederholen das bisher Gelernte noch einmal. Denken Sie daran, dass Ihr alter Hund – genau wie Ihr Großvater – in seinen Denk- und Verhaltensmustern vielleicht schon ein bisschen eingefahren ist und dass man deshalb besonders viel Geduld mit ihm haben muss.

Variable Nr. 3: Lebenserfahrung

Jeder Mensch hat seine eigene Biografie – je nachdem, welchen Leuten er begegnet ist, wo er überall war und was er alles erlebt hat. Und genauso hat auch jeder Hund seine Geschichte. Das müssen wir uns vor Augen halten und akzeptieren, um mit unserem Vierbeiner klarzukommen. Die Erfahrungen Ihres Hundes haben ihn geprägt und definieren seine Persönlichkeit. Alles, was er seit seiner Geburt erlebt (und was er aus diesen Erfahrungen gelernt) hat, beeinflusst seine Gedanken- und Gefühlswelt und seinen Lernstil.

Hatte Ihr Hund immer ein Dach über dem Kopf, war er stets gut ernährt? Oder ist er vielleicht früher einmal vernachlässigt worden? Hat er in seinem bisherigen Leben viele verschiedene Menschen, Orte, Tiere, Geräusche und Gerüche kennengelernt? Wurde er gut erzogen und ausgebildet? Hat er sich im Lauf der Zeit vielleicht Verhaltensweisen angewöhnt, die das Zusammenleben mit ihm schwierig machen? All das macht die Lebenserfahrung eines Hundes aus.

Wie so oft im Leben gibt es auch hier eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht lautet: Alles, was Ihr Hund gelernt hat, kann er sich auch wieder abgewöhnen. Man kann jedem Hund die sieben Grundkommandos beibringen, die das Fundament einer guten Beziehung zwischen Hund und Besitzer bilden. Die schlechte Nachricht lautet, dass manche Lebenserfahrungen eben leider einen tiefen Eindruck hinterlassen, der sich nur schwer wieder rückgängig machen lässt – und je länger Ihr Hund diesen Erfahrungen ausgesetzt war, umso schwerer wird es Ihnen fallen, diese Erinnerungen wieder aus seinem Kopf herauszubekommen.

Wenn Sie einen Hund bei sich aufgenommen haben, der schon ein bisschen älter ist, wissen Sie vielleicht gar nicht, welche Erfahrungen seine Persönlichkeit geprägt oder Verhaltensprobleme bei ihm verursacht haben. Und es hat auch keinen Zweck, lange über die Vergangenheit nachzudenken oder sich davon beeinflussen zu lassen. Sie sollten sich einfach nur darüber im Klaren sein, dass Sie dafür verantwortlich sind, die Probleme, die ein Hund mitbringt, zu lösen, wenn Sie ihn bei sich aufnehmen. Je länger Sie ein Problem vor sich hin schwelen lassen, umso wahrscheinlicher wird es mit der Zeit immer größer werden und sich dann nur noch schwer korrigieren lassen. Daher sollten Sie sich sofort mit etwaigen negativen Verhaltensweisen Ihres Hundes auseinandersetzen, sobald sie Ihnen auffallen.

Ein gutes Beispiel dazu: Einmal arbeitete ich mit der Besitzerin eines Schipperkes, der dauernd bellte. Anfangs fand sein Frauchen das niedlich, weil das Bellen des Hundes eine Art Beschützerverhalten war. Doch mit der Zeit geriet das Problem außer Kontrolle; der Hund bellte laut und ununterbrochen und hörte auf kein Kommando.

Leider hatte diese Frau ihren Hund bekommen, als er ein Jahr alt war, und erst sieben Jahre später Hilfe gesucht. Vor sieben Jahren war der Hund noch jung gewesen; doch als ich ihn schließlich zu Gesicht bekam, entsprach er in etwa einem fünfzigjährigen Mann mit einer schon sehr tief verwurzelten schlechten Angewohnheit. Haben Sie schon mal einen fünfzigjährigen Mann kennengelernt, dem man problemlos etwas abgewöhnen konnte? Ich konnte das Verhaltensproblem dieses Hundes zwar lösen; doch leider hat das sehr viel länger gedauert und mehr Mühe gekostet, als wenn ich ihn schon ein paar Jahre früher kennengelernt hätte.

Die Tabula-rasa-Theorie

Sie können sich die Lebenserfahrung Ihres Hundes ungefähr so vorstellen: Sein bisheriges Leben ist mit Buchstaben auf einer Weißwandtafel vergleichbar. Um ein neues Trainingsprogramm mit diesem Hund beginnen zu können, müssen Sie die Tafel zunächst einmal sauber wischen. Das heißt nicht, dass Sie ganz von vorn anfangen müssen; doch Ihr Hund muss vielleicht schon ein paar größere Probleme überwinden, die ihn daran hindern, Vertrauen zu Ihnen zu fassen und etwas Neues zu lernen. Wenn der Hund sich beispielsweise angewöhnt hat, angestaute Energie abzubauen, indem er bellt, Sachen zerkaut oder Löcher im Garten gräbt, sollten Sie zunächst einmal einen langen Spaziergang in seinen Tagesablauf einbauen. Und wenn Ihr Hund ausgesetzt wurde oder längere Zeit auf der Straße gelebt hat, müssen Sie auf konsequente, positive Weise mit ihm umgehen, um ihm tagtäglich aufs Neue zu beweisen, dass er bei Ihnen in Sicherheit ist und sich hundertprozentig auf Sie verlassen kann.

Die sieben Grundkommandos

Es gibt Hunderte von Befehlen, die Sie Ihrem Hund beibringen können – vonSITZundBLEIBbis hin zuKRIECH, TANZundGIB PFOTE. Während meiner jahrelangen Tätigkeit als Hundetrainer habe ich Hunde kennengelernt, die sehr gern schwierige Kunststücke erlernen, aber auch solche, die sich nur widerwillig die einfachsten Kommandos anerziehen lassen. Doch jeder Hund, den ich trainiere, muss meine sieben Grundkommandos erlernen, bevor ich ihn in ein neues Zuhause vermittle. Wenn Sie meine Show »Lucky Dog« kennen, haben Sie sicherlich auch gesehen, wie konsequent ich meinen Hunden diese Kommandos beibringe und welch großen Wert ich darauf lege. Hier sind sie:

SITZ PLATZ AUS NEIN

BLEIB KOMM FUSS

Warum nur sieben? Um den großartigen Schauspieler und Kampfsportler Bruce Lee zu zitieren: »Ich habe keine Angst vor dem Mann, der zehntausend Kicks jeweils einmal geübt hat, sondern vor dem Mann, der einen Kick zehntausendmal geübt hat.« Diese Philosophie gilt auch für die Hundeerziehung: Es ist besser, wenn Ihr Hund einige wenige wichtige Kommandos hundertprozentig beherrscht, als wenn er ein Dutzend oder noch mehr Befehle kennt, diese aber nur hin und wieder richtig ausführt. Meine sieben Grundkommandos sind die Befehle, die wir bei unseren Hunden tagtäglich am häufigsten einsetzen und die viele andere, ähnliche Kommandos ersetzen können. So bedeuten NEINundLASS DAS beispielsweise dasselbe; trotzdem bringen viele Besitzer ihren Hunden beide Befehle bei. Warum soll man seinen Hund damit belasten, ein Kommando zu erlernen, das man nicht braucht? Das Gleiche gilt übrigens auch fürBLEIB und WARTE. Damit will ich nicht sagen, dass Ihr Hund nicht intelligent genug ist, um beide Befehle zu erlernen; doch je mehr Verhaltensweisen Sie ihm beibringen (ganz egal, ob es sich dabei um Kommandos oder Kunststücke handelt), umso weniger zuverlässig wird er diese beherrschen. Gehorsam ist eine Notwendigkeit; Kunststücke sind etwas für Kinder.

Eine der ersten Spielregeln, die ich Ihnen in diesem Buch nahebringen möchte, besteht darin, dass Gehorsam nichts damit zu tun hat, wie viele Kommandos Ihr Hund kennt, sondern ob Sie diese Befehle so lange mit ihm geübt und ihn so konsequent darauf konditioniert haben, dass er sie perfekt beherrscht. Einige der am besten trainierten Hunde, die ich kenne, beherrschen nur ein paar Kommandos, führen diese aber schnell und hundertprozentig richtig aus.

Ist Ihr Hund ehrgeizig und leistungsorientiert? Wunderbar! Denn es gibt immer noch mehr interessante Dinge, die er lernen kann. Doch nicht jeder Hund ist ein Muster an Gehorsam, und nicht jeder Besitzer verfügt über die Zeit und Energie, um seinen Vierbeiner stundenlang zu trainieren. Machen Sie sich deshalb keine Sorgen! Die sieben Grundkommandos sind das Einzige, was Sie brauchen, um aus Ihrem Hund einen höflichen, gehorsamen Vierbeiner zu machen, der sich nicht unnötig in Gefahr begibt.

Tun Sie, was Sie können, um die aus der Vergangenheit herrührenden Probleme zu beseitigen, die dunkle Flecken auf der Erfahrungslandkarte Ihres Hundes hinterlassen haben könnten; aber machen Sie sich gleichzeitig auch klar, dass das Leben manchmal unauslöschliche Spuren in unsere Psyche eingräbt und dass Ihr Hund danach nicht mehr zu einer Tabula rasa werden kann, auch wenn Sie noch so kräftig schrubben: Es können trotzdem immer noch ein paar gespenstische Überreste früherer negativer Erfahrungen in seiner Seele zurückbleiben; und daran ist auch gar nichts Schlimmes. Das gehört nun einmal zu den Dingen, die Ihren Hund zu etwas Besonderem machen; und mit der Zeit werden Sie lernen, diese dunklen Punkte beim Training geschickt zu umgehen und dafür zu sorgen, dass Ihr neuer Vierbeiner viele gesunde, von gegenseitigem Vertrauen geprägte Erfahrungen im Umgang mit Menschen macht. Manchmal müssen Sie Ihr Vorgehen bei seiner Erziehung vielleicht ein bisschen ändern, um auf seine besonderen Bedürfnisse einzugehen.

Das beste Beispiel, das ich dafür anführen kann, ist meine kleine Chihuahua-Hündin Lulu. Sie war offensichtlich körperlich misshandelt worden, bevor sie zu mir kam. Ich glaube, sie wurde getreten, denn als sie noch neu bei mir war, versuchte ich sie manchmal mit dem Fuß zu streicheln, wenn sie auf dem Boden lag; doch sie jaulte immer schon bei der leisesten Berührung auf, als wollte ich sie umbringen. Mit der Hand ließ sie sich eher liebkosen. Ich habe monatelang mit Lulu an diesem Problem gearbeitet, bis ich schließlich ein Plateau erreichte – und das war immer noch sehr viel besser als ihr voriger Zustand. Da wurde mir klar, dass die kleine Hündin in dieser Hinsicht vielleicht keine weiteren Fortschritte mehr machen konnte und ich mich ganz einfach auf ihre besondere Situation einstellen musste. Ich gewöhnte mir an, beruhigend auf sie einzureden, bevor ich sie mit dem Fuß berührte, um ihr klarzumachen, dass alles in Ordnung war. Sie schleppt zwar trotzdem immer noch ein paar alte Ängste mit sich herum; doch dank ihrer Erziehung und dem Einfühlungsvermögen, mit dem ich mich auf ihre Situation eingestellt habe, können wir jetzt beide gut damit umgehen. Wenn Erziehung allein nicht ausreicht, um frühere negative Erfahrungen Ihres Hundes zu überwinden, sind solche Kompromisse durchaus eine akzeptable Lösung.

Woher kommt Ihr Hund?