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"Der Jamie Oliver der Meditation." New York Times. Andy Puddicombe, der lange Zeit in einem buddhistischen Kloster gelebt hat, ist derzeit DER Meditations-Guru in England und der gefragteste Mann zum Thema. Er bringt Meditation in den modernen, hektischen Alltag, aber anders: ganz ohne spirituelle Klischees. Öfter mal kurz innehalten und die Augen schließen, in der Mittagspause das Essen bewusst genießen, in der U-Bahn auf den Atem achten: Egal wie eingespannt man ist – 10 Minuten täglich reichen aus, um das unermüdliche Gedankenkarussell zu stoppen und im Kopf Platz zu machen.
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Seitenzahl: 356
Veröffentlichungsjahr: 2012
Andy Puddicombe
Meditation bringt’s!
Aus dem Englischenvon Ursula Richard
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Längst hat die Neurowissenschaft die positiven Wirkungen von Meditation auf Körper und Geist bewiesen: Sie schärft die Konzentrationsfähigkeit, kann Depressionen, Ängsten, hohem Blutdruck und Herzerkrankungen vorbeugen und steigert damit das allgemeine Wohlbefinden.
Andy Puddicombe, der lange Zeit in einem buddhistischen Kloster gelebt hat, ist derzeit der gefragteste Experte in England. Er bringt Meditation in den modernen, hektischen Alltag, und das ganz ohne spirituelle Klischees.
Dazu hat er ein einfaches Übungsprogramm entwickelt: Öfter mal kurz innehalten und die Augen schließen, in der Mittagspause das Essen bewusst genießen, in der U-Bahn auf den Atem achten: Egal wie eingespannt man ist – 10 Minuten täglich reichen aus, um das unermüdliche Gedankenkarussell zu stoppen und wieder klar im Kopf zu werden.
Einführung
Die Gründung von Headspace
Wie Sie aus diesem Buch den größten Gewinn ziehen
Meditation und Geist
Meditation ist Erfahrung
Die Headspace-Webseite
Audio-Downloads
Die Techniken
Die Geschichten
Die Forschung
Die Fallstudien
Achtsamkeit und Meditation – Was ist der Unterschied?
Was ist Headspace?
Das Bedürfnis nach Headspace
Sklave der Technik
Grundlegende Prinzipien des Geistestrainings
Stress
Beziehungen
Die drei Faktoren des Geistestrainings
Die Herangehensweise
Meditation und Gedanken
Die Straße
Der blaue Himmel
Das wilde Pferd
Meditation und Emotionen
Die Umkehrung
Was man hinunterschluckt, muss irgendwann wieder hochkommen
Gefühle lokalisieren
Flüchtige Emotionen
Der Filter der Emotionen
Wesensmerkmale
Zustände
Headspace und Emotionen
Behutsame Neugierde
Die scharfe Suppe
Was die Forschung sagt
Die Praxis
Der stille Teich
Der Rasen
Dieselbe Straße
Das Theater
Die eingebildeten Liebenden
Der schreiende Mann
10-für-mich – Einführung
10-für-mich – Zusammenfassung
Vorbereitung:
Einchecken:
Dem Atem folgen:
Ausklingen lassen:
10-für-mich – Erläuterungen
Vorbereitung
Einchecken
Dem Atem folgen
Ausklingen lassen
Was die Forschung sagt
Integration
Achtsamkeit im Handeln
Der Mönch, der keine Zeit hatte
Punkt für Punkt durch den Tag gehen
Der gedankenverlorene Mann
Der jonglierende Mönch
Der geduldige Yogi
Achtsamkeitsübungen für den Alltag
Achtsamkeit (Headspace) beim Essen
Das Fünf-Sterne-Kloster
Die Eiscreme-Geschichte
Achtsamkeit (Headspace) beim Gehen
Die Zombies
Achtsamkeit (Headspace) beim Sport
Niederwerfungen
Achtsamkeit, um einzuschlafen
Die russischen Polizeibeamten
Was die Forschung sagt
Einige praktische Punkte
Den richtigen Platz finden
Was soll man anziehen
Wie man sitzt
Die richtige Tageszeit finden
Die Uhr/den Wecker stellen
Der Wert von Wiederholungen
Erinnern Sie sich daran, sich zu erinnern
Vertrauen Sie Ihrer eigenen Erfahrung
Was kann man tun, wenn man sich unwohl und unruhig fühlt
Die Erfahrungen aufzeichnen
Zehn Vorschläge für ein achtsames Leben
Die Perspektive – Wie Sie Ihr Leben betrachten
Kommunikation – Die Beziehung zu anderen
Wertschätzung – Den Duft der Rose wahrnehmen
Freundlichkeit – Gegenüber sich selbst und anderen
Mitgefühl – Sich in den anderen hineinversetzen
Gleichgewicht – Ein Gefühl der Ausgeglichenheit
Akzeptanz – Widerstand ist zwecklos
Gelassenheit – Ungeduld loslassen
Hingabe – Dranbleiben
Präsenz – Einsichtsvoll leben
Fallgeschichten
James, 40
Rachel, 29
Pam, 51
Clare, 27
John, 45
Amy, 24
Tom, 37
Offline-Tagebuch
Dank
Es war weit nach Mitternacht. Ich saß ganz oben auf der Mauer und schaute hinunter. Die hohen Kiefern im Innenhof gaben mir Deckung in der Dunkelheit, dennoch verspürte ich den Drang, ein letztes Mal zurückzublicken, um zu sehen, ob mir jemand gefolgt war. Wie hatte es so weit kommen können? Ich schaute noch einmal in die Tiefe. Es waren etwas mehr als drei Meter bis auf den gepflasterten Weg. Das hört sich vielleicht nicht hoch an, aber als ich da mit meinen ausgeleierten Sandalen und im Schlafanzug hockte, ließ mich der Gedanke, zu springen, zurückschrecken. Wie hatte ich nur Sandalen anziehen können? Ich hatte sie mir hinten in die Hose gesteckt, als ich mich leise durch das Kloster schlich, um die anderen Mönche nicht zu wecken. Ich war ins Kloster gegangen, um über das Leben nachzudenken. Aber hier saß ich nun, taxierte die Mauer und dachte über meine Sandalen nach – und war im Begriff, zurück in die Welt zu springen.
Dazu hätte es nie kommen sollen. Ich hatte schon früher als buddhistischer Mönch praktiziert, sogar unter viel schwierigeren Bedingungen. Andere Klöster hatten allerdings Wärme ausgestrahlt, die Mönche waren fürsorglich gewesen und offen für einen Lebensweg, der als herausfordernd und zugleich erfüllend beschrieben wird. Hier fühlte sich alles ganz anders an. Ein buddhistisches Kloster wie dieses kannte ich nicht. Tag und Nacht verschlossen, von hohen Mauern umgeben, ohne eine Möglichkeit, mit irgendjemandem draußen Kontakt aufzunehmen. Man fühlte sich zuweilen wie im Gefängnis. Natürlich konnte ich niemanden außer mich selbst dafür verantwortlich machen, denn ich war ja freiwillig gekommen. Und dennoch: Ein traditionelles Klosterleben war völlig anders. Normalerweise ist, wenn man erst einmal Mönch geworden ist, die Sache damit nicht erledigt – es ist keine Entscheidung fürs Leben, ohne jeden Rückweg. Im Gegenteil: Buddhistische Klöster sind für ihre Toleranz und ihr Mitgefühl bekannt. Deshalb war es mir ein Rätsel, weshalb ich über eine drei Meter hohe Mauer abhauen und weglaufen wollte.
Ein paar Jahre zuvor hatte ich mich entschieden, meine Sachen zusammenzupacken, nach Asien zu gehen und Mönch zu werden. Damals studierte ich an der Universität Sportwissenschaften. Das mag nach einer einschneidenden Veränderung meines Lebens klingen, war aber eine der einfachsten Entscheidungen, die ich je getroffen hatte. Verständlicherweise hatten meine Familie und meine Freunde mehr Bedenken als ich und fragten sich, ob ich möglicherweise endgültig den Verstand verloren hatte; sie unterstützten mich aber dennoch. Mit der Universität war das jedoch ganz anders. Mein Tutor schlug mir einen Arztbesuch vor, als er von der Sache Wind bekam – ein Antidepressivum schien ihm die vernünftigere Lösung zu sein. Natürlich meinte er es nur gut mit mir, aber ich hatte den Eindruck, dass er nicht verstand, worum es mir ging. Dachte er wirklich, dass das Glück und die Erfüllung, die ich suchte, auf Rezept zu beziehen waren? Als ich sein Büro verließ, sagte er: »Andy, diese Entscheidung wirst du für den Rest deines Lebens bedauern.« Wie sich herausstellte, war es eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen hatte.
Sie fragen sich vielleicht, was das für ein Mensch ist, der sich plötzlich entscheidet, nach Asien zu gehen und buddhistischer Mönch zu werden. Vielleicht stellen Sie sich einen Studenten vor, der vom Weg abgekommen ist und sich selbst therapieren will, oder den »alternativen Typ«, der gegen die Konsumgesellschaft rebelliert. Doch es war viel banaler: Ich hatte Probleme mit meinem Hirn. Mir machte mein Zwang, unaufhörlich denken zu müssen, zu schaffen. Es war, als sei mein Intellekt permanent aktiv, als drehe er sich pausenlos wie die Trommel einer Waschmaschine. Manche Gedanken gefielen mir. Viele mochte ich überhaupt nicht. Das Gleiche passierte mit meinen Gefühlen. Als wäre ein voller Schädel noch nicht genug, fühlte ich mich ständig von unnötigen Sorgen, frustrierenden Gedanken und Traurigkeit niedergedrückt. Meist blieben diese Gefühle auf einem normalen Level, doch hin und wieder gerieten sie außer Kontrolle. Und wenn dies geschah, gab es nichts, was ich tun konnte. Ich hatte das Gefühl, als sei ich diesen Zuständen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und würde von ihnen hierhin und dorthin gezerrt. An guten Tagen war alles in Ordnung. Aber an schlechten Tagen schien mein Kopf zu explodieren.
Meine Ohnmacht gegenüber diesen Gefühlen weckte in mir den Wunsch, meinen Geist zu schulen. Ich wusste nicht genau, wie man das effektiv tut, aber ich war schon früh in meinem Leben mit Meditation in Berührung gekommen und verstand, dass sie eine potenzielle Lösung anbot. Nicht dass Sie denken, ich sei ein Wunderkind gewesen, das als Teenager seine Zeit mit gekreuzten Beinen am Boden sitzend verbracht hat, denn das war definitiv nicht der Fall. Ich war 22 Jahre alt, als ich mich ausschließlich der Meditation zuwandte, aber meine erste Erfahrung von Headspace1, die ich mit elf machte, zeigte mir, was möglich ist. Natürlich würde ich gerne sagen können, dass mich der Wunsch, den Sinn des Lebens zu verstehen, dazu brachte, mich für die erste Meditationsklasse anzumelden. Doch die Wahrheit ist, dass ich mich nicht ausgeschlossen fühlen wollte. Meine Eltern hatten sich gerade getrennt, und meine Mutter meldete sich darauf für einen sechswöchigen Meditationskurs an, um die Trennung zu verkraften. Als ich sah, dass meine Schwester sie begleitete, fragte ich, ob ich auch mitgehen dürfe.
Ich vermute, beim ersten Mal hatte ich einfach Glück. Ich hatte keine Erwartungen, konnte also auch keine Hoffnungen oder Befürchtungen auf meine Erfahrung projizieren. Selbst in diesem Alter ist es schwer, die Veränderung der geistigen Verfassung zu ignorieren, die Meditation bewirken kann. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals zuvor einen stillen Geist erfahren hatte. Jedenfalls hatte ich nie zuvor so lange still an einem Platz gesessen. Schwierig wurde es erst, als sich diese Erfahrung beim nächsten Mal nicht wiederholte und auch danach nicht und ich frustriert war. Je mehr ich versuchte, mich zu entspannen, umso mehr entfernte ich mich von einem entspannten Zustand. Das war also meine erste Berührung mit Meditation: ein Ringen mit meinem Geist und zunehmende Frustrationen.
Wenn ich zurückblicke, erstaunt mich das nicht. Der Ansatz war etwas »abgefahren«, wenn Sie verstehen, was ich meine. Die Sprache war eher die der sechziger Jahre als die der achtziger, und es wurden so viele Fremdwörter gebraucht, dass ich in dem Kurs einfach abschaltete. Außerdem wurden wir ständig aufgefordert, »einfach zu entspannen« und »einfach loszulassen«. Nun, wenn ich gewusst hätte, wie ich »einfach entspannen« und »einfach loslassen« kann, wäre ich gar nicht dort gewesen. Und was das dreißig oder vierzig Minuten lange Stillsitzen betraf – das konnte man gleich vergessen!
Diese Erfahrung hätte mir das Meditieren für den Rest des Lebens verleiden können. Was ich erlebte, ergab keinen Sinn. Meine Schwester langweilte sich und hörte einfach auf, und meine Mutter, die viele Verpflichtungen hatte, fand keine Zeit weiterzumachen. Was die Unterstützung von Freunden anging, weiß ich nicht, was ich mir dabei gedacht hatte, als ich ein paar Leuten in der Schule davon erzählte. Als ich am nächsten Morgen den Klassenraum betrat, saßen dreißig Schülerinnen und Schüler mit gekreuzten Beinen auf ihren Pulten und chanteten »Om«, während sie erfolglos Lachanfälle unterdrückten. Auch wenn ich mich heute darüber amüsiere, schämte ich mich damals in Grund und Boden. Danach erwähnte ich niemandem gegenüber mehr irgendetwas davon, und schließlich gab ich das Meditieren auf. Außerdem tauchten dann Sport, Mädchen und Alkohol am Horizont meiner Jugend auf und machten es schwierig, Zeit zum Meditieren zu finden.
Vielleicht glauben Sie, meine Erziehung habe mir dabei geholfen, mich für die Idee der Meditation zu öffnen. Möglicherweise stellen Sie sich einen »alternativen« Schüler vor, der mit ausgestellten Jeans, Pferdeschwanz und nach Räucherstäbchen duftend durch die Welt lief. Oder Sie sehen Eltern vor sich, die ihren Sohn in einem mit Hanf betriebenen und mit Blumen bemalten VW-Bus von der Schule abholten. Ich erwähne das, weil es so einfach ist, voreilig Schlüsse zu ziehen, in Klischees über das Meditieren steckenzubleiben und zu denken, es sei nur für bestimmte Menschen gemacht. In Wirklichkeit war ich so normal, wie man als Teenager nur sein kann.
Bis zu meinem 18. Lebensjahr meditierte ich hin und wieder, aber dann erlebte ich eine Krise. Eine Reihe tragischer Ereignisse, auf die ich später noch zu sprechen komme, ließen der Meditation plötzlich eine Wichtigkeit und Bedeutung zukommen, die sie bis dahin nicht gehabt hatte. In jedem Alter ist es schwer, mit Trauer umzugehen. Wir sind nicht darauf vorbereitet. Es gibt kein Rezept. Und die meisten von uns versuchen, irgendwie damit zurechtzukommen. In meinem Falle bedeutete es, das Einzige zu tun, was ich kannte: alles runterzuschlucken und darauf zu hoffen, mit den Gefühlen des Verlustes und der Trauer, die mich zur völlig falschen Zeit erwischt hatten, nicht mehr umgehen zu müssen.
Doch ist es wie mit allem im Leben: Je mehr man sich gegen irgendetwas wehrt, umso mehr Druck erzeugt man. Und irgendwann will dieser Druck nach draußen. Machen wir einen Zeitsprung von ein paar Jahren: Ich bin Student an der Uni. Das erste Jahr fliegt vorbei, und das Leben könnte nicht besser sein. Doch dann drängen nach und nach diese Spannungen, die Gefühle, die ich immer wieder ignoriert habe, an die Oberfläche. Zuerst fühle ich mich einfach nur nicht so gut, aber dann beeinflussen meine Emotionen jede Facette meines Lebens. Das Treffen mit meinem Tutor, in dem ich ihm meinen Entschluss mitteilte, die Uni zu verlassen und Mönch zu werden, war noch das Geringste.
Ich war als Christ erzogen worden, aber schon als Teenager fühlte ich mich keiner Religion mehr verbunden. In den folgenden Jahren las ich einige Bücher über Religionen. Und ein Freund von mir sprach oft über die Philosophie und Psychologie des Buddhismus. Was mich daran ansprach, war, dass mir das Ganze nicht wie eine Religion vorkam. Außerdem klangen die Geschichten über Mönche und Nonnen, die Meister ihres Geistes geworden waren, sehr verlockend – nicht so sehr als Lebensweg, sondern als Ziel.
Wenn ich gefragt werde, wie man Mönch wird, klingt das meist so: »Du läufst also einen Hügel hoch, klopfst an die Pforte und fragst, ob du Mönch werden kannst?« – So merkwürdig das auch klingen mag, genau das ist es, was man tut. Bevor einer jetzt aber gleich voller Elan die Koffer packen will – das sollte ich noch erwähnen –, gibt es noch ein paar Dinge zu bedenken: Zunächst sollte man mehrere Jahre als Laie praktiziert haben, auf diese Zeit folgt dann ein Noviziat, in dem man sich schon vollständig der Praxis widmet, bevor man schließlich mit dem Einverständnis seines Lehrers zum Mönch oder zur Nonne ordiniert wird.
In meiner Ungeduld, den richtigen Lehrer zu finden, zog ich von einem Kloster zum nächsten, von einem Land ins andere. In dieser Zeit lebte ich in Indien, Nepal, Thailand, Burma, Russland, Polen, Australien und Schottland, reiste auf meiner Suche durch viele weitere Länder. Ich lernte neue Techniken und fügte den Grundlagen, die ich mir erarbeitet hatte, Neues hinzu. Ich tat mein Bestes, alles in mein Leben zu integrieren. Mit Ausnahme des von Mauern umgebenen Bollwerks, von dem hinunterzuspringen ich gerade im Begriff war, traf ich überall, wo ich lebte, auf eine einladende, freundliche, die Übung unterstützende Atmosphäre. Ja, und schließlich fand ich, zu meinem Glück, den richtigen Lehrer beziehungsweise eine Gruppe von Lehrern.
Das Mönchsleben ist durchaus heikel. Nicht jeder versteht, was diese »kahlköpfigen Männer in Kutten« bedeuten sollen. Außerdem vermittelt es widersprüchliche Botschaften, wenn man versucht, Meditation für ein weltliches Publikum zu entmystifizieren, während man selbst ein Mönchsgewand trägt, was ich eine Zeitlang tat. Es ist eine Sache, in einer klösterlichen Gemeinschaft oder in einem Retreat zu sein, wo die Mitmenschen das Schlichte einer Mönchsrobe verstehen, es ist jedoch eine andere, wenn man in der Stadt lebt. Je häufiger ich mit Menschen über die Vorteile der Meditation sprach, desto mehr verstand ich, wie verzweifelt sie nach einem Weg suchten, zur Ruhe zu kommen, und wie unwohl sie sich zugleich mit dem religiösen Element fühlten, das bei Mönchsroben immer eine Rolle spielt. Sie suchten nach einem Ansatz, mit ihrem Leben zurechtzukommen, den Stress zu bewältigen – im Beruf, in Beziehungen, im eigenen Kopf. Sie wollten wieder das Gefühl der Offenheit erfahren, das sie in ihrer Kindheit gekannt hatten, es wieder wertschätzen, einfach lebendig zu sein. Weder ging es ihnen um spirituelle Erleuchtung, noch brauchten sie eine Therapie. Sie wollten einfach lernen abzuschalten, wenn sie von der Arbeit nach Hause kamen, nachts einzuschlafen, ihre Beziehungen zu verbessern, weniger ängstlich, traurig oder wütend zu sein. Es waren Menschen, die lernen wollten, ihre Begierden zu kontrollieren, ihre Süchte aufzugeben und dem Leben eine andere Perspektive zu verleihen. Aber vor allem wollten sie wissen, wie sie mit dem bedrängenden Gefühl, dass alles nicht so war, wie es sein sollte, umgehen sollten. Dem Gefühl, das Leben müsse mehr sein als das, was es ist. Die Integration von Meditation und Alltag war das Schlüsselelement in meiner Entscheidung, nicht mehr als Mönch, sondern als Laie zu leben.
In den Jahren, die ich als Mönch verbrachte, wurde ich recht scheu. Zum Teil lag das an der nach innen gerichteten Lebensweise, aber ebenso wichtig war, dass ich immer mehr begriff, wie mein Geist funktionierte. Ich fühlte mich dadurch ungeschützt, irgendwie nackt, und das war etwas, dem ich mich stellen wollte. Ich wollte mich auch damit beschäftigen, warum ich so passiv geworden war. Vor meinem Klosterleben war ich körperlich sehr aktiv gewesen, aber in den zehn Jahren im Kloster hatte sich das verändert. Irgendwann sprach ich mit einer Freundin, die erwähnte, dass eine ihrer alten Kommilitoninnen eine Ausbildung am Moskauer Staatszirkus machte. Sie wusste, dass ich ein leidenschaftlicher Jongleur und Turner gewesen war, und fand, dass ich mir überlegen sollte, zum Zirkus zu gehen. Es dauerte nicht lange, und ich nahm Privatstunden, und es gefiel mir sehr. In einer dieser Stunden fragte mich mein Lehrer, ob mir der Studiengang »Zirkuskünste« bekannt sei, der in London angeboten werde. Ja, Sie haben richtig gelesen: ein Universitätsabschluss in Zirkuskünsten – so was kann man sich doch nicht ausdenken! Ich stellte ein paar zaghafte Nachforschungen an, und tatsächlich, es gab ihn. Es gab aber auch viel mehr Bewerber als Plätze (mal im Ernst, wer will schon Atomphysik studieren, wenn man den ganzen Tag lang wie ein Affe an einem Trapez hin- und herschwingen kann), also sahen meine Chancen nicht so gut aus. Doch eines Abends, es war schon spät, erhielt ich eine E-Mail, in der mir vorläufig ein Studienplatz angeboten wurde – vorläufig, weil ich zuerst eine Erklärung unterschreiben sollte, in der sehr eindeutig stand, dass ich schon alt war, mich deshalb sehr viel leichter verletzen konnte und die volle Verantwortung für mein Training übernahm. Alt mit 32? Wer hätte das gedacht!
Auch wenn der Wechsel vom Mönch zum Clown nicht sehr naheliegend zu sein scheint, so gibt es doch mehr Gemeinsamkeiten, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Anwendung meiner Achtsamkeitspraxis – also jeden Moment präsent zu sein – auf körperliche Aktivitäten war in mehr als einer Hinsicht unbezahlbar. Wenn man sich einen Zirkusakt vorstellt, egal, ob Jonglieren, Seillaufen, Akrobatik oder die Trapezkunst, wird deutlich, dass er eine perfekte Balance von Konzentration und Entspannung erfordert. Bemüht man sich zu sehr, macht man einen Fehler. Bemüht man sich zu wenig, fällt man runter oder rutscht ab.
Eine der wesentlichen Regeln während unserer Ausbildung war, jeden Tag aufs Neue die eigene Bequemlichkeit zu überwinden. In diesem Lernprozess muss man Schläge einstecken können und darf sich selbst nicht so wichtig nehmen. Witzigerweise ist das ganz ähnlich wie in der Ausbildung zum Mönch, wo das eigene Ich ebenfalls gefordert ist, an sich zu arbeiten. In Clown-Workshops (nicht so einfach, das mit ernstem Gesicht zu schreiben) wurden wir aufgefordert, uns selbst zum Narren zu halten, Risiken einzugehen, etwas auszuprobieren und unserer Fähigkeit, zu scheitern, zu vertrauen. Wir wurden ohne Vorbereitung auf die Bühne geschickt, und erst da bekamen wir gesagt, was wir tun sollten. In diesen Momenten gab es einfach nur Stille und nichts, wo man sich verstecken konnte. Wenn wir zu lange nachdachten, schlugen die Lehrer auf eine Trommel, was hieß, dass unsere Zeit um war und wir von der Bühne verschwinden mussten. Wir hatten keine Gelegenheit, uns groß Gedanken zu machen oder mit einer originellen Bemerkung zu reagieren. Die Situation verlangte Präsenz, die brutale Ehrlichkeit, etwas auszudrücken und zu sehen, was dann passierte. Manchmal war das inspirierend und der Nervenkitzel berauschend, dann wieder tat es weh, und das Ergebnis war beschämend. Aber irgendwie war das nicht wichtig. Was wichtig schien, war, rauszugehen und aktiv zu sein. Und nicht, darüber nachzudenken, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was andere dachten, ja noch nicht einmal an einem bestimmten Ergebnis festzuhalten, sondern es einfach zu tun.
Im Leben verstricken wir uns so oft im Beurteilen von Dingen, klopfen alles auf seine Konsequenzen ab und verpassen dadurch manche Gelegenheit. Natürlich muss man vieles reiflich überlegen, aber je achtsamer man lebt, umso stärker entwickelt man einen Sinn für das, was richtig ist. Nennen Sie es Bauchgefühl, Intuition, Führung oder einfach das Wissen, was für einen selbst das Richtige ist. In jedem Fall ist es befreiend, das zu entdecken.
Mich hatte es schon lange interessiert, Meditation zu lehren, aber ich fühlte dabei eine gewisse Verpflichtung, dies mit der Sorgfalt und Genauigkeit zu tun, die mir von meinen eigenen Lehrern entgegengebracht worden war. Wenn ich sah, wie Meditation in Großbritannien manchmal gelehrt wurde, fragte ich mich, ob das überhaupt irgendjemandem nutzen konnte. Während die Übertragung der Meditation von Ost nach West von den Mönchen und Nonnen der spirituellen Traditionen mit großer Genauigkeit und Sensibilität angegangen wurde, passierte das in der säkularen Welt genau so, wie wir alles andere auch tun: in Eile. Es schien, als könnten wir auch nicht einen Moment länger warten, um einen stillen Geist zu erfahren. Die Techniken wurden isoliert und aus ihrem Kontext gerissen. Das machte es fast unmöglich, sie zu verstehen. Wie viele Menschen kennen Sie, die damit angefangen haben zu meditieren und es dann wieder aufgaben? Oder, noch schlimmer, wie viele Menschen kennen Sie, die es gar nicht erst versuchen, weil sie glauben, dazu gar nicht fähig zu sein? Wie soll es auch funktionieren, wenn man nicht gesagt bekommt, was Meditation tatsächlich ist, wenn keine grundlegenden Einführungen in die Techniken gegeben und die Menschen nicht begleitet werden?
Wie Sie bald entdecken werden, geht es bei der Meditation nicht einfach nur darum, jeden Tag eine gewisse Zeit stillzusitzen. Auch wenn das ein wichtiger Aspekt sein mag, handelt es sich dabei nur um eine Komponente eines umfassenderen Systems der Geistesschulung, die drei verschiedene Faktoren umfasst. Jeder Faktor ist dabei gleich wichtig, und damit Ihre Meditation wirklich erfolgreich ist, müssen die beiden anderen Faktoren ebenfalls geübt werden. Traditionell wurden Meditationsschülerinnen und -schüler zuerst in der Herangehensweise an die Technik unterrichtet. Erst danach, wie man sie praktiziert, bevor sie schließlich lernten, die Techniken in ihren Alltag zu integrieren.
Mit der Absicht, Meditation als Teil dieses umfassenden Geistestrainings zu präsentieren, wurde meine Organisation Headspace 2010 ins Leben gerufen. Die Idee war einfach: Meditation zu demystifizieren, sie zugänglich zu machen und ihre Relevanz für das moderne Leben aufzuzeigen. Nichts Abgedrehtes, nichts Durchgeknalltes, sondern einfach nur leicht fassbare Methoden, die es Menschen ermöglichen sollen, mehr Headspace zu erfahren. Zur Idee gehörte auch, so viele Menschen wie möglich zum Meditieren zu bewegen; sie sollten also nicht nur darüber lesen, sondern es auch tun. Ich bin mir sicher: Es wird eine Zeit kommen, in der es genauso selbstverständlich sein wird, sich jeden Tag zehn Minuten hinzusetzen, um Headspace zu erfahren, wie spazieren zu gehen. Vor zehn oder fünfzehn Jahren konnte man das Wort Yoga nicht aussprechen, ohne Menschen zum Schmunzeln zu bringen, aber wenn man jetzt in ein Sportstudio geht, um Yoga zu machen, ist das so normal, wie an einem Aerobic-Kurs teilzunehmen – wenn nicht sogar normaler.
Auch wenn es Jahre der Forschung, des Planens und der Entwicklung bedurfte, um mein Projekt zu verwirklichen, ist diese Zeitspanne doch nur ein Wimpernschlag im Vergleich mit der Geschichte dieser Meditationstechniken. Es sind Übungen, die über Jahrtausende hinweg von Lehrern an ihre Schüler weitergegeben wurden. Dadurch gab es mehr als genug Zeit, die Techniken zu verbessern und sie weiterzuentwickeln. In einer Welt der Novitäten, der Marotten und Moden liegt in der Authentizität dieser Techniken etwas Beruhigendes. Diese Authentizität erlaubte es mir, mit Ärzten zusammenzuarbeiten und sie darin zu unterstützen, die Meditationstechniken in die medizinische Praxis zu integrieren. Dieselbe Authentizität ermöglichte es mir, eine Praxis als klinischer Achtsamkeitsberater zu eröffnen, in der ich in den letzten Jahren Patienten betreut habe, die an Schlaflosigkeit, Impotenz und allem, was dazwischenliegt, leiden.
Da saß ich nun, ganz oben auf der Mauer. Mit einem letzten Blick zurück sprang ich. Es tat mir leid, das Kloster auf diesem Weg zu verlassen; aber jetzt, wenn ich zurückschaue, spüre ich kein Bedauern darüber, mich dort aufgehalten zu haben. Jedes Kloster, jedes Retreat- und Meditationszentrum, in dem ich gelebt oder das ich besucht habe, lehrte mich etwas. Über die Jahre hatte ich das große Glück, von einigen unglaublichen Lehrern, wirklichen Meistern der Meditation zu lernen. Wenn etwas Weises in diesem Buch zu finden ist, dann ist das einzig und allein ihnen zu verdanken. Meine größte Berechtigung, dieses Buch geschrieben zu haben, besteht darin, auf meinem Weg jeden denkbaren Fehler gemacht zu haben, den man nur machen kann. So kann ich Ihnen hoffentlich dabei helfen, ähnliche Fehler zu vermeiden. Ich werde Ihnen also Ratschläge geben, wie Sie sich der Meditation am besten nähern, wie Sie Meditation am besten praktizieren und wie Sie Meditation am besten in Ihren Alltag integrieren. Eine Landkarte mit sich herumzutragen ist eine Sache, jemanden zu haben, der einem den Weg zeigt, eine andere.
Meditation ist eine wunderbare Technik, die Ihr Leben verändern kann. Wie Sie diese Technik einsetzen, liegt ganz allein bei Ihnen. Jetzt, da die Medien sich verstärkt mit Meditation und Achtsamkeit beschäftigen, scheinen Lehrmeister es eilig zu haben, deren Zweck zu definieren. In Wahrheit definieren Sie diesen Zweck, indem Sie entscheiden, wie Sie Meditation einsetzen. Ich bin mir sicher: Als Sie das Radfahren lernten, zeigte man Ihnen zwar, wie man das Rad benutzt, aber nicht, für welchen Zweck Sie es einsetzen können. Manche benutzen das Rad, um zur Arbeit zu gelangen, andere, um Zeit mit Freunden zu verbringen, und einige wenige Radfahrer haben daraus eine Karriere gemacht. Dabei ist die Fertigkeit, sich im Sattel zu halten, für alle die gleiche. Obwohl also eine andere Person Ihnen das Radfahren beigebracht hat, definieren Sie, was es Ihnen bedeutet, wie Sie es einsetzen, wie es in Ihr Leben passt. Genauso ist es auch mit der Fertigkeit des Meditierens bestellt. Sie kann auf jeden Aspekt des Lebens angewandt werden, und ihren Wert erhält sie nur durch die Bedeutung, die Sie ihr verleihen.
Um das Beste aus diesem Buch herauszuholen – und damit den weitgefächerten Nutzen der Meditation zu erfahren, müssen Sie nicht unbedingt einen bestimmten Bereich Ihres Lebens auswählen. Zumindest nicht am Anfang. Meditation ist viel weiter gefasst, und der Gewinn, der aus ihr erwächst, wirkt sich unweigerlich auf alle Lebensbereiche aus, die der Meditation bedürfen. Um das volle Potenzial der Meditation auszuschöpfen, sollte man vielleicht verstehen, wie andere sie einsetzen. Für viele ist sie der Stressabbauer, ein Aspirin für den Geist. Kurz gesagt, eine Möglichkeit, jeden Tag erneut Headspace zu erfahren. Für andere ist sie Grundlage für einen umfassenderen Ansatz der Achtsamkeit, die Möglichkeit, den Tag hindurch jeden Moment präsent zu sein. Für wieder andere ist sie Teil eines Plans der persönlichen Entfaltung, um mehr emotionale Stabilität zu entwickeln, oder sie ist ein Baustein im Kontext eines spirituellen Pfades. Und dann gibt es noch diejenigen, die in der Meditation einen Weg sehen, ihre Beziehungen zu Partnern, Eltern, Kindern, Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern zu verbessern.
Meditation wird aber auch in einer stärker zielorientierten Weise eingesetzt. Seitdem das National Institute for Clinical Excellence (NICE) die Wirksamkeit der Meditation (beziehungsweise Achtsamkeit, wie es im klinischen Kontext eher heißt) anerkannt hat, wird sie eingesetzt, um eine Reihe stressabhängiger Symptome zu behandeln. Darunter finden sich unter anderem chronische Angstzustände, Depression, aggressive Symptome, Süchte und Zwangshandlungen, Schlaflosigkeit, muskuläre Verkrampfungen, sexuelle Fehlfunktionen und prämenstruelle Syndrome.
Außerhalb der medizinischen Welt, jedoch immer noch mit der Absicht, ein fest umrissenes Ziel zu verfolgen, setzen viele Menschen die Meditation ein, um in einer bestimmten Disziplin besonders hervorzutreten, im Job, bei einem Hobby oder im Sport (das olympische Team der USA ist da nur ein herausragendes Beispiel). Und schließlich – und jetzt müssen Sie vielleicht vergessen, was Sie über Meditation denken – wird sie von den US-Marines eingesetzt, um an der Front konzentrierter und effizienter zu kämpfen.
Es mag unwahrscheinlich klingen, dass Meditation eine solche Bandbreite positiver Wirkungen haben kann. Aber überlegen Sie mal: Alles, was mit dem Geist zu tun hat, wird durch Meditation positiv beeinflusst. Etwa so, als würde man das Profil der PC-Festplatte durch kleine Veränderungen schärfen. Und gibt es irgendetwas, das Sie tun, was nicht den Einsatz Ihres Geistes erfordert? Angesichts der zentralen Rolle, die der Geist in unserem Leben spielt, ist es bemerkenswert, dass diese Meditationsrevolution nicht schon früher stattgefunden hat. Wir denken nicht zweimal darüber nach, wenn es darum geht, unseren Körper fit zu halten (na ja, meistens jedenfalls), aber das Wohlergehen unseres Geistes stellen wir meist zurück. Ob das so ist, weil ihn niemand wirklich sehen kann oder weil wir das Verhältnis zu unserem Geist sowieso für hoffnungslos unbeeinflussbar halten, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass wir unsere gesamte Existenz durch unseren Geist erfahren. Er ist dafür verantwortlich, dass wir Glück und Erfüllung in diesem Leben erfahren und dass unsere Beziehungen zu anderen Menschen gelingen. Es ist daher nur vernünftig, sich jeden Tag ein paar Minuten um ihn zu kümmern.
Meditation ist nicht nur eine Technik, sondern vor allem eine Erfahrung. Das heißt, man muss sie praktizieren, um ihren Wert schätzen zu lernen. Meditation ist nicht nur irgendein weiteres schwammiges Konzept oder eine philosophische Idee, sondern vielmehr die direkte Erfahrung des gegenwärtigen Moments. So, wie es an Ihnen liegt, den Zweck der Meditation zu definieren, so liegt es auch an Ihnen, die Erfahrung der Meditation zu bestimmen. Stellen Sie sich vor, ein Freund beschreibt Ihnen ein exquisites Essen in einem Restaurant. Stellen Sie sich auch noch vor, dass Sie dorthin gehen und das gleiche Gericht bestellen. Etwas über das Essen zu hören und es zu schmecken sind zwei ganz verschiedene Dinge, nicht wahr? Oder nehmen wir an, Sie lesen ein Buch über Fallschirmspringen. Ganz gleich, wie sehr Sie sich in die Sätze des Autors vertiefen und sich vorstellen, aus 3000 Metern Höhe zu springen, Ihre Vorstellung wird lange nicht an die Erfahrung heranreichen, sich aus dem Flieger fallen zu lassen und mit 200 Stundenkilometern auf die Erde zuzustürzen. Also – um Meditation zu erfahren, müssen Sie sie ausüben.
Ich bin mir sicher, Sie kennen das: Sie kaufen ein neues Buch, es inspiriert Sie, Ihr Leben zu verändern, aber schon nach wenigen Tagen hängen Sie wieder in den alten Mustern fest und fragen sich, was schiefgelaufen ist. So, wie es niemanden schlanker macht, zu Hause zu sitzen, Eiscreme zu schlecken und ein Buch übers Abnehmen zu lesen, so wird auch Ihr Geist nicht stiller und offener werden, solange Sie nur über das nachdenken, was hier steht. Nun, vielleicht schenkt es Ihnen etwas mehr Ruhe und Offenheit, aber letztendlich geht es darum, die Übungen auch wirklich zu machen, um tatsächlich Gewinn daraus zu ziehen. Und das möglichst nicht nur ein- oder zweimal. Es ist wie mit dem Sportstudio: Die Sache funktioniert nur, wenn Sie die Übungen auch wirklich regelmäßig machen. Tatsächlich werden sich wirkliche Veränderungen dann einstellen, wenn Sie das Buch aus der Hand legen und die Techniken üben. Diese Veränderungen sind subtil, nicht unbedingt greifbar, aber profund. Sie reichen von einer tieferen Achtsamkeit bis zu Einsichten, die auf jeden Fall Ihr Empfinden für sich selbst und für andere verändern.
Um den besten Nutzen aus diesem Buch zu ziehen, sollten Sie bedenken, dass nicht alles, was Sie über Meditation gelesen oder gehört haben, stimmt. Manches, was man sich darüber erzählt, ist stark übertrieben. Leider entsprechen einige der gängigen Missverständnisse über Meditation genau diesen alten Denkmustern, die wir verändern wollen. Oft halten wir an diesen Ideen fest – wie bei alten Freunden fühlt sich ihre Gesellschaft vertraut und angenehm an. Wirkliche Veränderung erfordert jedoch eine gewisse Offenheit und die Bereitschaft, nachzufragen. Dieses Buch wurde nicht geschrieben, um Ihnen abschließende Antworten zu geben, um Ihnen zu sagen, was Sie glauben oder denken sollen. Es wurde auch nicht geschrieben, um alle Ihre Probleme zu lösen und Ihnen ewiges Glück zu schenken. Es ist jedoch ein Buch, das Ihr Leben tiefgreifend verändern kann – wenn Sie bereit sind, Ihr Leben auf den Prüfstand zu stellen.
In der Meditation geht es nicht darum, ein anderer, ein neuer Mensch zu werden, ja noch nicht einmal ein besserer Mensch. Es geht vielmehr darum, sich in Achtsamkeit zu üben und zu verstehen, wie und wieso wir in einer bestimmten Weise denken und fühlen – und durch diesen Prozess eine heilsame Perspektive zu gewinnen. Das macht es viel einfacher, Veränderungen, die Sie sich für Ihr Leben wünschen, auch umzusetzen. Doch nicht nur das: Meditation zeigt Ihnen, wie Sie mit sich selbst, mit dem, was Sie gerade fühlen, in Einklang sein können. Testen Sie sie doch einfach! Glauben Sie nicht, dass sie funktioniert, nur weil einige Wissenschaftler es behaupten. So wichtig und faszinierend die Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet auch sind, so bedeutungslos sind sie zugleich, wenn Sie den Nutzen nicht direkt erfahren. Arbeiten Sie mit den Erläuterungen, greifen Sie auf sie zurück, lassen Sie sich Zeit, haben Sie Geduld und schauen Sie, was zehn Minuten am Tag bewirken können.
Dieses Buch enthält alles, was Sie benötigen, um mit dem Meditieren anzufangen. Dennoch könnte die HeadspaceWebseite unter www.getsomeheadspace.com ein wichtiges Hilfsmittel und guter Begleiter sein. Gehen Sie bitte auf www.getsomeheadspace.com/headspace-book/get-some-headspace, um audio-geführte Meditationen und Animationen herunterzuladen.
Vielen fällt es leichter, meditieren zu lernen, wenn die Stimme eines Lehrers sie durch die Übung führt. Besuchen Sie doch einmal www.getsomeheadspace.com/headspace-book/get-some-headspace und informieren Sie sich über das Angebot zu allen Meditationen und Achtsamkeitstechniken, die in diesem Buch vorgestellt werden. Die Audio-Downloads ermöglichen es Ihnen, dort zu meditieren, wo Sie gerade sind. Bitte bedenken Sie, dass alle angebotenen Inhalte in englischer Sprache sind und dass Sie die Audio-Downloads nicht beim Autofahren hören.
In diesem Buch finden Sie spezielle Übungen, die so konzipiert sind, dass Sie mit der Meditation beginnen können und dann kontinuierlich mehr Praxis entwickeln. Zum Beispiel stelle ich eine kurze, zweiminütige Übung vor, die einen bestimmten Aspekt der Meditation beleuchtet, oder eine vollständige, zehnminütige Version, wie ich sie als 10-für-mich im Kapitel Praxis beschreibe. Außerdem finden Sie Achtsamkeitsübungen, die Sie darin unterstützen, die Aktivitäten des Alltags wie Essen, Gehen oder Sport aufmerksamer wahrzunehmen. Sie werden sogar eine Übung finden, die Ihnen helfen wird, nachts gut zu schlafen. Doch bitte denken Sie daran: Den wirklichen Nutzen dieser Techniken erfahren Sie erst, wenn Sie das Buch zur Seite legen, die Augen schließen und meditieren.
Unterweisungen in Meditation wurden oft in Geschichten eingebunden, und in diesem Buch folge ich dieser Tradition. Geschichten machen schwierige Konzepte leichter verständlich, und Unterweisungen, die wir normalerweise möglicherweise vergessen, behalten wir so leichter. Viele Geschichten in diesem Buch handeln von den Missverständnissen und Auseinandersetzungen auf meinem eigenen Weg. Klar, es wäre einfacher gewesen, über die Zeiten zu schreiben, in denen ich mich in der Meditation entspannt, friedlich, ja sogar ekstatisch gefühlt habe. Es wäre einfacher, die radikalen, positiven Veränderungen aufzulisten, die Meditation in meinem Leben bewirkt hat. Aber der wirkliche Wert der Meditation liegt gerade darin, auf meine Fehler zurückzublicken und sie mit Ihnen zu teilen, denn durch sie habe ich gelernt, und es sind genau diese Erfahrungen, die mich befähigen, Ihnen zu helfen und Headspace zu erfahren.
Jüngste Entwicklungen in der Kernspintomographie und ausgefeilte Methoden des Brain-Mapping2 haben dazu geführt, dass die Neurowissenschaften das Gehirn in einer ganz neuen Art und Weise betrachten. So lässt sich zeigen, was genau im Gehirn geschieht, wenn wir meditieren, und zu welchen Resultaten kontinuierliche Praxis führt. Anfangs hatte man angenommen, dass sich einfach nur die Gehirnaktivität in der Meditation verändert, mittlerweile belegen mehrere Studien, dass die Struktur des Gehirns selbst sich verändern kann. Dieser Prozess wird Neuroplastizität genannt. Das heißt, in der gleichen Weise, wie man Muskeln umfangreicher und stärker machen kann, wenn wir den Körper trainieren, kann Geistestraining durch Meditation jene Bereiche des Gehirns strukturell verändern und stärken, die mit dem Empfinden von Glücksgefühlen und mit Wohlergehen verbunden sind.
Für viele Menschen sind diese neuen Erkenntnisse der Forschung motivierend, wirken inspirierend und bauen Vertrauen auf – vor allem dann, wenn Sie noch am Anfang stehen. Aus diesem Grund habe ich einige dieser Forschungsergebnisse am Ende der Kapitel Herangehensweise, Praxis und Integration erläutert. Sie beziehen sich besonders auf das, was in diesen Kapiteln beschrieben wird, sind aber zugleich von viel weiter reichender Bedeutung. Wenn Sie mehr über die Untersuchungen zu Meditation und Achtsamkeit herausfinden wollen, sollten Sie die Rubrik »Wissenschaften« auf unserer Webseite besuchen: www.getsomeheadspace.com/Clinical-Research.
Zusätzlich zu den erwähnten Geschichten finden Sie auch ein Kapitel Fallgeschichten, in dem Fallstudien aus den letzten Jahren vorgestellt werden. Einige der darin beschriebenen Personen wurden aufgrund bestimmter Symptome von ihren Ärzten an mich verwiesen, viele kamen aber auch, weil sie mehr Headspace erfahren wollten. Alle Personen gaben ihr Einverständnis; diese Fallstudien sind ein Beleg für die Schlichtheit, Kraft und für das Potenzial einer täglichen Meditationspraxis.
Mal im Ernst: Es fällt schwer, das Wort Meditation zu hören, ohne dabei sofort an einen Yogi im Lendenschurz auf einem Berggipfel irgendwo im Himalaya zu denken. Daran oder an einen kahlrasierten Mönch oder eine Nonne, die im Kloster sitzen, chanten, Glöckchen bimmeln und in dicke Räucherstäbchenschwaden und orangene Roben gehüllt sind (alles schon erlebt). Oder aber man denkt an bekiffte Hippies in gebatikten T-Shirts, vielleicht auch an eine Gruppe von New-Age-Enthusiasten, die durch die Wälder laufen und Bäume umarmen. Man entgeht dem nicht: Das Wort Meditation ist vorbelastet.
Als vor mehr als dreißig Jahren eine Gruppe fortschrittlicher westlicher Ärzte versuchte, Meditation in das etablierte Gesundheitswesen einzuführen, wurden sie ausgelacht und fast aus ihrer Klinik geworfen. Sie ließen sich aber nicht beirren, änderten das Wort in »Achtsamkeit« und setzten ihre Forschungen fort. Obwohl Achtsamkeit, so wie der Begriff im Westen eingeführt wurde, aus der buddhistischen Tradition der Meditation stammt, bezeichnet er nichts an und für sich Buddhistisches. Achtsamkeit ist das Schlüsselelement der meisten Meditationstechniken und geht weit über den formalen Aspekt des Stillsitzens mit geschlossenen Augen hinaus. Achtsamkeit bedeutet, präsent zu sein in diesem Moment, nicht abgelenkt zu sein. In Achtsamkeit ruht der Geist in seinem natürlichen Zustand der Bewusstheit, der frei ist von allen Vorurteilen oder Urteilen. Klingt gut, nicht wahr? Aber das steht im Gegensatz dazu, wie die meisten von uns leben, nämlich ständig in kleine (und große) Gefühle verstrickt, andere und uns selbst kritisierend und beurteilend.
Genau dann, wenn wir in all diese kleinen Dinge verstrickt sind, machen wir unsere Fehler. Auf jeden Fall traf das auf mich zu. Diese Fehler wiederum beeinflussen unsere Arbeitsleistung, unsere Beziehungen zu anderen, ja sogar das, was unterm Strich auf unserem Bankauszug steht. Immer wenn ich an fehlende Achtsamkeit denke, fällt mir die Zeit ein, in der ich in Moskau lebte. Die Schule, für die ich arbeitete, bezahlte mich in Dollar, und da das Gehalt recht hoch war, konnte ich am Ende jedes Monats einen kleinen Batzen Geld sparen. Das war kurz nach der Finanzkrise in den späten 1990ern, und niemand traute den Banken. Die Menschen versteckten ihr Geld entweder unter der Matratze oder versuchten, es außer Landes zu schmuggeln. Ich hatte für ein Meditationsretreat gespart und mich entschlossen, das Geld auf meinem nächsten Flug nach Großbritannien mitzunehmen.
Die Regierung hatte strenge Regeln für die Ausfuhr von Geld eingeführt – was letztendlich darauf hinauslief, dass man nichts mitnehmen konnte. Der Ausweg, der sich anbot, war, mir 500 Dollar vorne in die Unterhose zu stecken. Als ich in meinen Mönchsroben in der Schlange stand, mit einem Bündel Geldscheinen im Slip, konnte ich nicht anders, als mich irgendwie schuldig zu fühlen, auch wenn ich das Geld in bester Absicht in ein Retreat investieren wollte. Ich verstrickte mich so sehr in meine kleinen Sorgen, war so damit beschäftigt, mir einen Text für den russischen Zollbeamten zu überlegen, dass ich, als ich zur Toilette musste, ganz vergaß, wo ich mein Geld deponiert hatte. Die Toilette war gut besucht, und da kein Pissoir frei war, ging ich in eine der abschließbaren Kabinen. Ich gehe jetzt nicht ins Detail, nur so viel sei gesagt: Diese Toiletten hatten schon bessere Tage gesehen, und wer immer sie vor mir benutzt hatte, hatte zu spülen vergessen. Ich war immer noch mit meinen Gedanken und Sorgen beschäftigt, als ich in der Kabine stand und meine Robe hochhob. Und dann geschah es: Bevor ich auch nur irgendetwas tun konnte, musste ich entsetzt mit ansehen, wie 500 Dollar in losen Scheinen in die Schüssel flatterten. Es ist unnötig, zu erwähnen, dass das alles nicht hätte passieren müssen, wenn ich etwas achtsamer und nicht so sehr in meine Gedanken versunken gewesen wäre. Ich war abgelenkt, und wenn man abgelenkt ist, macht man Fehler. Sie fragen sich vielleicht, was dann geschah – ließ ich wirklich 500 Dollar in einer Toilette schwimmend zurück oder rollte ich meine Ärmel hoch und tat das Unvorstellbare? Nun, lassen Sie mich einfach nur sagen: Ich nahm an dem Retreat teil.
Achtsamkeit bedeutet also, präsent zu sein. Es bedeutet, »im Moment« zu sein, das Leben direkt zu erfahren, während es sich entfaltet, unabgelenkt, und nicht in Gedanken verstrickt und verloren zu sein. Es handelt sich dabei nicht um einen künstlichen oder temporären Geisteszustand, den man irgendwie herstellen und aufrechterhalten müsste. Im Gegenteil: Achtsamkeit ist ein Zurücktreten, um den Geist in seinem natürlichen Zustand, frei vom üblichen Chaos, ruhen zu lassen. Stellen Sie sich einen Augenblick lang vor, wie es wäre, so zu leben. Wie wäre es, alle Sorgen, Geschichten, Streitereien loszulassen, alle Beurteilungen und Strategien, die so viel Raum in unserem Geist einnehmen? Das heißt es, achtsam zu sein.
Da wir uns jedoch ein Leben lang in unseren Gedanken verlieren, braucht es die richtigen Bedingungen, um zu lernen, wie man in dieser Art und Weise einen Schritt zurück macht. Hier kommt Meditation ins Spiel. Sie hat nichts Mystisches an sich. Meditation ist einfach nur eine Technik, die Ihnen die besten Bedingungen bereitstellt, um geschickt Achtsamkeit zu praktizieren.
Selbstverständlich kann man nicht nur in der Meditation »im Moment« oder vollständig gegenwärtig sein, sondern auch in anderen Aktivitäten. Sie haben dieses Gefühl ganz sicher schon viele Male in Ihrem Leben erfahren. Vielleicht, als Sie einen Berg auf Skiern hinunterfuhren, mit dem Rad unterwegs waren, Ihre Lieblingsmusik hörten, mit Ihrem Kind spielten, oder vielleicht sogar, als Sie den Sonnenuntergang betrachteten. Das Problem bei diesem Ansatz ist, dass er nicht immer von Erfolg beschieden ist und wir diesen Zustand nicht allzu oft erleben. Wenn wir uns jedoch jeden Tag hinsetzen und meditieren, selbst wenn es nur für kurze Zeit ist, wird uns dieses Gefühl, präsent und achtsam im Moment zu sein, immer vertrauter werden, und wir können es immer leichter in den Rest unseres Lebens integrieren. Wie mit jeder neuen Routine muss man sich die besten Bedingungen schaffen, um das Maximum aus ihr herauszuholen. Tatsächlich stellt die Meditationspraxis genau diese besten Bedingungen bereit, um Achtsamkeit zu erlernen, so dass die meisten von uns es dabei bewenden lassen. Sich jeden Tag zehn Minuten Zeit zu nehmen, um den Geist in sich ruhen zu lassen, scheint vielen zu genügen.
