Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Madagaskar ist eine Welt für sich – aufgrund seiner Einzigartigkeit an botanischem und tierischem Leben wirkt der ostafrikanische Inselstaat fast wie ein eigener Kontinent. Mit seiner immensen Größe und exponierten Lage ist Madagaskar auf dem Globus eigentlich unübersehbar, dennoch scheint es den meisten lediglich durch das Lied "Wir lagen vor Madagaskar" bekannt zu sein. Dabei bietet "L'île rouge" (die Rote Insel) eine solche Vielzahl an Attraktionen wie nur wenige Gegenden dieser Erde. Madagaskar-Experte Dieter Rohrbach gelingt es in seinem Buch, Reisenden und Interessierten dieses so große wie komplexe Land näherzubringen. Auf rund 540 Seiten stellt er sechs ausführliche Routen in alle Landesteile vor, widmet sich der quirligen Hauptstadt Antananarivo sowie den tropischen Badeparadiesen Nosy Be und Sainte-Marie. Vor allem die Naturerlebnisse beim Wandern und bei anderen Outdoor-Aktivitäten stehen für im Mittelpunkt. Mehr als 230 Fotos vermitteln ein faszinierenes, aber auch realistisches Bild des Landes. Viele der Aufnahmen stammen von den madagassischen Fotografen Mat Li und Stephan Chan, die ihre Heimat in großartigen Aufnahmen eingefangen haben. Ein ausführlicher Überblick über die vielfach endemische Pflanzen- und Tierwelt vermittelt nützliche Infos für die eigene Erkundung. Mit Tipps zu Outdoor-Aktivitäten und ausführlichen Infos zur Tier- & Pflanzenwelt "Madagaskar ist ein Land voller Rätsel und Wunder, in dem jede Frage, die einem beantwortet wird, zwei weitere aufwirft – und das nie aufhört, die Menschen guten Willens anzurühren und zu begeistern." Der Autor Dieter Rohrbach
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 831
Veröffentlichungsjahr: 2019
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
IWANOWSKI’S
MADAGASKAR – Autorentipps
Dieter Rohrbach
Madagaskar
Madagaskar 4. Auflage 2019
© Reisebuchverlag Iwanowski GmbH Salm-Reifferscheidt-Allee 37 • 41540 Dormagen Telefon 0 21 33/26 03 11 • Fax 0 21 33/26 03 [email protected]
Titelfoto: Zwei Kattas © fotolia / ptashkan Alle anderen Farbabbildungen: s. Abbildungsverzeichnis S. 534 Lektorat und Bildredaktion: Peter Sich Layout: Ulrike Jans, Krummhörn Karten und Reisekarte: Klaus-Peter Lawall, Unterensingen Titelgestaltung sowie Layout-Konzeption: Point of Media, www.pom-online.de Redaktionelles Copyright, Konzeption und deren ständige Überarbeitung: Michael Iwanowski
Alle Rechte vorbehalten. Alle Informationen und Hinweise erfolgen ohne Gewähr für die Richtigkeit im Sinne des Produkthaftungsrechts. Verlag und Autoren können daher keine Verantwortung und Haftung für inhaltliche oder sachliche Fehler übernehmen. Auf den Inhalt aller in diesem ebook erwähnten Internetseiten Dritter haben Autoren und Verlag keinen Einfluss. Eine Haftung dafür wird ebenso ausgeschlossen wie für den Inhalt der Internetseiten, die durch weiterführende Verknüpfungen (sog. „Links“) damit verbunden sind.
ISBN epub: 978-3-86457-358-3 ISBN Mobipocket: 978-3-86457-359-0 ISBN pdf: 978-3-86457-360-6
SALÛT VAZAHA
1. MADAGASKAR: LAND UND LEUTE
Madagaskar auf einen Blick
Historischer Überblick
Zeittafel
Frühgeschichte
Asiatische Besiedelung•Die afrikanischen Nachbarn•Der arabische Einfluss
Die Ankunft der Europäer
Portugiesen und Niederländer•Franzosen•Engländer
Erste Königreiche und Dynastien
„Das Meer ist die Grenze meines Reisfelds“: die Merina-Monarchie
Einigung und Eroberung unter Andrianampoinimerina und Radama I.•Repression und Isolation unter Ranavalona I.•Von der Liberalisierung unter Radama II. zur kolonialen Besetzung
Die Kolonialzeit (1896–1960)
Kolonialkriege und Annexion•Madagaskar als französische Kolonie•Der Weg in die Unabhängigkeit
Unabhängigkeit
Die Erste Republik (1960–1972)•Militärdiktatur (1972–1975)•Die Zweite Republik (1975–1991)•Die Dritte Republik (1993–2010)•Die Vierte Republik (2010–heute)
Landschaftlicher Überblick
Geologie
Flüsse und Gewässer
Klima
Zyklone
Landschaften und Regionen
Das zentrale Hochland•Der Norden•Der Süden•Der Osten•Der Westen
Naturschutz und Raubbau
Fauna und Flora
Tierwelt
Haus- und Nutztiere•Säugetiere•Reptilien und Amphibien•Wirbellose•Vögel•Meerestiere
Pflanzenwelt
Wälder•Bäume•Sukkulenten•Orchideen•Nutzpflanzen
Wirtschaftlicher Überblick
Gesellschaftlicher Überblick
Sprache
Bevölkerungsgruppen
Die 18 Volksstämme•Minderheiten
Riten, Bräuche, Religionen
Ahnenwelt und Gräberkult•Fady•Hexerei und Fetischkult•Astrologie und Wahrsagerei•Gottesurteile
Staat und Gesellschaft
Bildungssystem•Gesundheitssystem•Kinder•Senioren•Die gesellschaftliche Stellung der Frau
Kultur und Unterhaltung
Essen und Trinken
Essen•Getränke
2. REISETIPPS
Die gelben Seiten: Allgemeine Reisetipps A–Z
Die grünen Seiten: Das kostet Sie das Reisen in Madagaskar
3. ANTANANARIVO UND UMGEBUNG
Antananarivo
Redaktionstipps
Überblick
Die Unterstadt
Parc Botanique et Zoologique de Tsimbazaza•Weitere Sehenswürdigkeiten in der Unterstadt
Die Oberstadt
Den Analamanga hinauf zum Rova•Rova
Die Umgebung von Antananarivo
Ambohimanga
Lemurs’ Park
Über Avironimamo nach Ampefy und zum Lac Itasy
Geysire von Andranomandraotra•Chutes de la Lily
Lac Mantasoa
4. DIE HOCHLANDROUTE NACH SÜDEN
Übersicht
Von Antananarivo nach Antsirabe
Ambatofotsy
Ambatolampy
Redaktionstipps•Tsinjoarivo und die Chutes de l’Onive•Station forestière de Manjakatompo
Von Ambatolampy nach Antsirabe
Antsirabe und Umgebung
Überblick
Rundgang
Stadt der Steine
Ausflugsziele in der Umgebung
Zu den Vulkanseen Lac Andraikiba und Lac Tritriva•Betafo
Von Antsirabe nach Ambositra
Ambositra
Zu den Zafimaniry-Dörfern
Nationalpark Ranomafana
Von Ambositra nach Ranomafana
Der Park
Wandern in Ranomafana
Routen•Das Dorf Ranomafana
Fianarantsoa und Umgebung
Von Ranomafana nach Fianarantsoa
Fianarantsoa
Die Umgebung von Fianarantsoa
Sahambavy und Andrambovato•Soatanana – die Weißen Hirten
Mit der FCE von Fianarantsoa nach Manakara
Auf Schmalspur durch den Dschungel
Ambalavao und Umgebung
Von Fianarantsoa nach Ambalavao
Ambalavao
Rundgang durch den Ort•Antaimoro-Papiermanufaktur•Zebumarkt•Weingut Soavita
Nationalpark Andringitra
Wanderungen
Anja Community Reserve
Von Ihosy nach Toliara
Auf der RN 7 nach Ihosy
Ihosy
Alternativen zur Weiterfahrt ab Ihosy
Nationalpark Isalo
Ranohira•Der Park
Ilakaka – Stadt der Saphire
Nationalpark Zombitse-Vohibasia und Sakaraha
Von Sakaraha nach Toliara
Toliara und Umgebung
Toliara (Tuléar)
Südlich von Toliara
Arboretum d’Antsokay•Saint-Augustin und die Grotte von Sarodrano•Anakao•Nosy Ve und Nosy Satrana•Nationalpark Tsimanampetsotsa
Nördlich von Toliara
Honko-Mangrovenreservat•Ifaty und Mangily•Reservat Reniala•Le Village des Tortues•Salary Bay
5. DER SÜDEN
Überblick: durch das Land der Dornenmenschen
Redaktionstipps
Von Toliara nach Tolagnaro
Von Toliara nach Betioky
Betioky
Réserve Spéciale Beza Mahafaly
Von Betioky nach Ampanihy
Abstecher von Ejeda an die Küste
Ampanihy
Von Ampanihy nach Tsihombe
Tsihombe
Faux Cap/Betanty
Réserve Naturelle de Cap Sainte Marie
Von Tsihombe nach Ambovombe
Von Ambovombe nach Tolagnaro
Reservat Berenty•Lac Anony•Ifotaka•Nationalpark Andohahela
Tolagnaro (Fort Dauphin) und Umgebung
Tolagnaro (Fort Dauphin)
Geschichte•Die Stadt•Pic St. Louis
Westlich von Tolagnaro
Portugiesisches Fort/Ilôt Portugais•Domaine de la Cascade
Nördlich von Tolagnaro
Nahampoana Reserve•Evatraha und die Baie de Lokaro•Botanischer Garten von Saiady
6. UNTERWEGS AN DIE WESTKÜSTE
Überblick
Redaktionstipps
Reisezeit und -vorbereitung
Von Antsirabe nach Miandrivazo
Mandoto
Bei den Goldsuchern von Dabolava
Miandrivazo
Flussfahrt auf dem Tsiribihina
Belo-sur-Tsiribihina
Nationalpark Tsingy de Bemaraha
Anfahrt: von Belo-sur-Tsiribihina nach Bekopaka
Der Nationalpark
Petits Tsingy•Grands Tsingy
Über Belo-sur-Tsiribihina nach Morondava
Fôret de Kirindy
Réserve Spéciale Andranomena
Land der Baobabs
Le Baobab sacré•Les Baobabs Amoureux•Allée des Baobabs
Morondava und Umgebung
Morondava
Die Umgebung von Morondava
Sakalava-Gräber•Kimony•Nationalpark Kirindy-Mitea
Belo-sur-Mer
Südlich von Morondava
Morombe
Andavadoaka
7. DER NORDWESTEN
Überblick
Redaktionstipps
Von Antananarivo nach Ambondromamy
Ankazobe
Réserve Spéciale de Ambohitantely
Von Ankazobe nach Ambondromamy
Von Ambondromamy nach Mahajanga
Nationalpark Ankarafantsika
Rundwege und Attraktionen in Ankarafantsika
Bootstour auf dem Betsiboka
Mahajanga und Umgebung
Mahajanga (Majunga)
Rundgang
Nördlich von Mahajanga
Badestrände und Sakalava-Schreine•Cirque Rouge•Lac Sacré de Mangatsa•Grottes d’Anjohibe und die Baie de la Mahajamba
Südwestlich von Mahajanga
Katsepy•Nosy Antsoheribory•Lac Kinkony•Nationalpark Baie de Baly•Nationalpark Tsingy de Namoroka
Von Ambondromamy nach Antsiranana
Abstecher von der Hauptroute ab Antsohihy
Von Antsohihy nach Mandritsara•Von Antsohihy nach Bealanana
Von Antsohihy an die Küste
Analalava•Nosy Saba•Nosy Lava
Von Antsohihy nach Ambilobe
Ambanja und Ankify•Ambilobe
Réserve Spéciale d’Ankarana
Von Ankarana nach Antsiranana (Diego-Suarez)
Ambondromifehy•Die heiligen Krokodile vom Lac Antanavo•Weiterfahrt nach Antsiranana
Antsiranana (Diego-Suarez)
Geschichte
Spaziergang
Östlich von Antsiranana
Montagne des Français
Ramena und Umgebung
Cap Miné und die Trois Baies•Mer d’Émeraude – das Smaragdmeer
Nördlich von Antsiranana
Windsor Castle
Cap d’Ambre
Südlich von Antsiranana
Ambohitra (Joffreville)
Nationalpark Montagne d’Ambre
Tsingy rouges
Réserve Spéciale d’Analamerana
8. DIE OSTKÜSTE
Überblick
Redaktionstipps
Zeiteinteilung
Von Antananarivo nach Moramanga
Madagascar Exotic
Moramanga
Am Lac Alaotra
Park Bandro
Nationalpark Zahamena
Imerimandroso•Der Nationalpark
Rück- und Weiterfahrt von Zahamena
Nationalpark Andasibe-Mantadia / Analamazaotra
Andasibe (Perinet)
Association Mitsinjo
Andasibe-Nationalpark/Réserve Spéciale Analamazaotra
Reservat V.O.I.M.M.A.
Mantadia-Nationalpark
Torotorofotsy
Von Andasibe an die Ostküste
Die mittlere Ostküste
Ampasimanolotra (Brickaville)
Die Umgebung von Ampasimanolotra (Brickaville)
Ambila-Lemaitso•Manambato•Lac Ampitabe – Ankanin’ny Nofy
Toamasina (Tamatave)
Geschichte•Toamasina heute
Die Umgebung von Toamasina
Parc Ivoloina•Nosy Alanana (Île aux Prunes)
Von Toamasina nach Soanierana-Ivongo
Mahavelona (Foulpointe)•Mahambo•Fenoarivo Atsinanana (Fénérive-Est)•Tampolo-Forststation•Soanierana-Ivongo
Von Soanierana-Ivongo nach Maroantsetra
Manompana•Antanambe•Sahasoa•Nationalpark Mananara Nord•Mananara Nord/Mananara Avaratra•Von Mananara nach Maroantsetra
Die südliche Ostküste bis Tolagnaro
Vatomandry
Mahanoro
Von Mahanoro nach Nosy Varika
Chutes de la Sakaleona
Mananjary
Von Mananjary nach Manakara
Manakara
Vohipeno
Farafangana
Zwischen Farafangana und Vangaindrano
Vangaindrano
Nationalpark Midongy du Sud
Über Manambondro und Manantenina nach Tolagnaro
9. DIE MASOALA-HALBINSEL UND DIE VANILLEKÜSTE
Überblick
Redaktionstipps
Maroantsetra und die Masoala-Halbinsel
Maroantsetra
Réserve Spéciale de Nosy Mangabe
Nationalpark Masoala
Der Masoala Trek
Von Maroantsetra nach Antalaha
Weitere Touren
Allgemeine Hinweise
Die südliche Vanilleküste
Antalaha
Macolline
Von Antalaha nach Süden zum Cap Est / Ambohitralanana
Von Antalaha nach Norden nach Sambava
Lac Andohabe
Sambava
Die Umgebung von Sambava
Zu den Plantagen•Pirogenfahrten auf dem Bemarivo
Die Naturschutzgebiete im Inland
Nationalpark Marojejy
Anfahrt und Zutritt•Wanderziele im Nationalpark
Andapa
Réserve Spéciale d’Anjanaharibe-Sud
Die Vanilleküste entlang nach Norden
Von Sambava nach Vohemar (Iharana)
Vohemar (Iharana)
Lac Andranotsara
Die RN 5a bis nach Ambilobe
10. TROPISCHE TRAUMINSELN: NOSY BE UND NOSY BORAHA (SAINTE-MARIE)
Nosy Be
Überblick
Redaktionstipps
Geografie
Geschichte
Andoany (Hell-Ville)
Ozeanografisches Museum•Lemurialand
Nationalpark Lokobe
An die Westküste
Ambatoloaka
Entlang der Westküste nach Norden
Mont Passot•Orangea Plage/Ambaro•Andilana und die Baie de Befotaka
Perlen des Ozeans: die Nebeninseln von Nosy Be
Nosy Sakatia•Nosy Komba•Nosy Tanikely•Nosy Iranja•Nosy Mitsio•Redaktionstipps
Nosy Boraha (Sainte-Marie)
Überblick
Geografie
Geschichte
Ambodifotatra
Piratenfriedhof
Nördlich von Ambodifotatra
Forêt d’Ampanihy•Piscine naturelle d’Ambodiatafana
Südlich von Ambodifotatra
Parc Endemika•Zur Grotte d’Ankarena und zur Südspitze
Nosy Nato (Île aux Nattes)
ANHANG
Literaturempfehlungen
Liste alternativer Bezeichnungen madagassischer Orte
Stichwortverzeichnis
Weiterführende Informationen:
Wie Madagaskar zu seinem Namen kam
Madagaskar als Forschungsziel
Piraten auf Madagaskar
Jean Laborde
Der Madagaskarplan
Finger weg!
Reiseapotheke
„Stadt der Tausend“
Die Alugießer von Ambatolampy
Alles Palisander – Holzkauf in Ambositra
„Die Berge des Salo“
Urzeitliche Fische
Der Bergbauboom um Tolagnaro – und die Folgen
Fitampoha
Canal des Pangalanes
Das Ambatovy-Nickel-Projekt
Ein Rätsel aus Stein: der Weiße Elefant von Ambohitsara
Moritz August Benjowski
Die Russenbucht
Karten:
Anatananarivo und Umgebung: Lage im Reisegebiet
Anatananarivo und Umgebung
Anatananarivo: Zentrum
Antsirabe
Antsiranana (Diego-Suarez)
Fianarantsoa
Hochlandroute nach Süden: Lage im Reisegebiet
Hochland, zentrales: zwischen Ambositra und Ihosy
Ihosy – Toliara (Tuléar)
Mahajanga (Majunga)
Morondava und Umgebung
Nordspitze um Antsiranana (Diego-Suarez)
Nordwesten: Lage im Reisegebiet
Nordwestküste
Nordwestküste um Mahajanga (Majunga)
Nosy Be und Nosy Boraha: Lage im Reisegebiet
Nosy Be
Nosy Boraha (Île Sainte-Marie)
Ostküste: Lage im Reisegebiet
Ostküste: mittlere
Ostküste: südliche, zwischen Brickaville und Manakara
Ostküste: südliche, zwischen Manakara und Tolagnaro
Süden: Lage im Reisegebiet
Süden: Toliara (Tuléar) – Tsihombe
Süden: Tsihombe – Tolagnaro (Fort Dauphin)
Toamasina (Tamatave)
Tolagnaro (Fort Dauphin)
Toliara (Tuléar)
Unterwegs an die Westküste: Lage im Reisegebiet
Vanilleküste: Lage im Reisegebiet
Vanilleküste
Westküste
Karten in den Umschlagklappen:
Madagaskar Gesamtübersicht
Antananarivo Übersicht
Alle Karten zum Gratis-Download – so funktioniert's
In diesem Reisehandbuch sind alle Detailpläne mit sogenannten QR-Codes versehen, die vor der Reise per Smartphone oder Tablet-PC gescannt und bei einer bestehenden Internet-Verbindung auf das eigene Gerät geladen werden können. Alle Karten sind im PDF-Format angelegt, das nahezu jedes Gerät darstellen kann. Für den Stadtbummel oder die Besichtigung unterwegs hat man so die Karte mit besuchenswerten Zielen und Restaurants auf dem Telefon, Tablet-PC, Reader oder als praktischen DIN-A-4-Ausdruck dabei.
Sollten wider Erwarten Probleme beim Karten-Download auftreten, wenden Sie sich bitte direkt an den Verlag. Unter [email protected] erhalten Sie die entsprechende Linkliste zum Herunterladen der Karten.
Im Jahre 2004 entschloss ich mich, nach Madagaskar zu reisen. Angelockt hatte mich ein Bildband von Frans Lanting, dessen fast surreal anmutende Fotografien mich förmlich in das Buch hineinzogen und meine Neugier weckten. Ich wollte herausfinden, ob es die Dinge, die dort abgebildet waren, wirklich gab – zu fantastisch mutete das alles an.
Als ich nach rund 10.000 Flugkilometern nachts über der „Roten Insel“ einschwebte, sah ich als Erstes zahllose Feuer und Buschbrände: Bis zum Horizont glomm und leuchtete es. Spätestens da wurde mir klar, dass Madagaskar kein Paradies im herkömmlichen Sinne ist, sondern mit vielen Problemen und Ungewissheiten zu kämpfen hat.
Im Land selbst umfing mich eine solche Einzigartigkeit botanischen und tierischen Lebens, begegneten mir überall so freundliche Menschen, dass ich bis heute nicht wieder von Madagaskar losgekommen bin. Tatsächlich bin ich seit meinem ersten Besuch Jahr für Jahr zurückgekehrt an die fast 5.000 Kilometer langen Gestade dieses rätselhaften Landes.
Mit seiner immensen Größe und seiner exponierten Lage vor der Ostküste Afrikas ist Madagaskar auf dem Globus eigentlich unübersehbar, dennoch scheint es den meisten zuvorderst durch das Lied „Wir lagen vor Madagaskar“ bekannt zu sein. Dabei bietet „L’île rouge“ eine solche Zahl und Vielfalt an Attraktionen wie nur wenige Regionen dieser Erde. Das vorliegende Buch will Reisenden und Interessierten ermöglichen, sich dieses so große wie komplexe Land zu erschließen.
Mit allen Problemen eines Entwicklungslandes behaftet, wird Madagaskar sich nicht jedem Besucher direkt an den Hals werfen – denn alle Pracht und Faszination machen nicht blind für die Armut, die im ganzen Land umgeht. Doch die meisten Besucher sehen rasch das wahre Gesicht der Roten Insel, wo Lächeln und das allgegenwärtige „Mora-mora“ („Immer mit der Ruhe“) den Takt des Lebens bestimmen. In Verbindung mit den unvergleichlichen Naturschönheiten führt dies bei manch einem zu einem Phänomen, das ich auch bei mir – und dies sehr gerne! – beobachte: Man kehrt wieder und wieder hierher zurück, denn die schiere Fülle aller sehenswerten Dinge Madagaskars kann ein Mensch in seinem ganzen Leben nicht vollständig erfassen. Nach meiner Überzeugung ist dies die einzige Gefahr, die Reisenden hier auf Schritt und Tritt droht: dass man nicht mehr loskommt vom Land der roten Erde!
Ich möchte Sie einladen in ein Land ohnegleichen, voller Rätsel und Wunder, in dem jede Frage, die einem beantwortet wird, zwei weitere aufwirft – und das nie aufhört, die Menschen guten Willens anzurühren und zu begeistern.
Dieter Rohrbach, Pleidelsheim, Dezember 2018
Mein herzlicher Dank geht an die Fotografen, insbesondere Mat Li, Stephan Chan, Maxence Bigey, Benjamin Raveloarimanana, Martin Bader und Christian Mütterthies, die mit ihren Bildern zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben. Ein ganz besonderer Dank gebührt Klaus Konnerth, ohne den dieses Buch nicht entstanden wäre.
Name:
Republik Madagaskar
malagasy: Repoblikan’i Madagasikara
+französisch: République de Madagascar
Wahlspruch:
„Tanindrazana, Fahafahana, Fandrosana“ (Heimat, Freiheit, Fortschritt)
Flagge:
Eine dreifarbige Flagge, bestehend aus einem vertikalen weißen und je einem roten und grünen horizontalen Streifen.
Amtssprache(n):
Malagasy, Französisch
Hauptstadt:
Antananarivo (franz.: Tananarive)
Staatsform:
Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt (Präsident):
seit Sept. 2018 (kommissarisch): Rivo Rakotovao
Regierungschef (Premierminister):
Christian Ntsay
Einwohnerzahl:
ca. 25,6 Mio.
Fläche:
587.041 km²
Pro-Kopf- Einkommen:
ca. 449 US$/Jahr. Damit zählt Madagaskar zu den zehn ärmsten Ländern der Welt.
Bruttoinlandsprodukt (BIP):
ca. 11,5 Mrd. US$ (2017)
Export:
Rohstoffe und Bodenschätze, v. a. Edel- und Halbedelsteine, Graphit (80% des Weltbedarfs), Chromerz, Gold, Titan. Darüber hinaus landwirtschaftliche Produkte (u. a. Vanille, Nelken, Litschis, Kaffee, Zucker, Baumwolle, Fischereiprodukte, Sisal) und auch Kosmetika. Wichtigste Exportländer sind Frankreich (ca. 19 %), die USA (15 %), Deutschland (8,3 %), China (5,7 %), die Vereinigten Arabischen Emirate (5,5 %), Südafrika (4,3 %), Indien (3,8 %), Japan (3,7 %) und Spanien (2,9 %).
Import:
Eingeführt werden v. a. Konsumgüter, Nahrungsmittel, Erdölprodukte. Wichtigste Importländer sind China (23 %), Frankreich (8,4 %), Indien (6,6 %), Südafrika (5,7 %), die Vereinigten Arabischen Emirate (5,6 %), Saudi-Arabien (4,8 %), Mauritius (4,7 %), und die USA (3,6 %).
Währung:
Ariary (MAG, abgekürzt auch Ar) ersetzte 2003 den bis dahin gültigen Franc Malagasy (FMG), s. a.
S. 129
.
Bevölkerung:
98 % Madagassen, die sich aus 18 unterschiedlichen Volksstämmen zusammensetzen; 2% Komorer, Franzosen, Inder und zunehmend Chinesen.
Religionen:
52 % animistisch, 41 % christlich (18 % röm.-kath., 23 % protestantisch), 7% muslimisch.
Verwaltungsgliederung:
Das Land ist in
sechs Provinzen
gegliedert, die nach ihren Hauptstädten benannt sind: Antananarivo, Antsiranana, Fianarantsoa, Mahajanga, Toamasina, Toliara. Die Provinzen sind wiederum in
22 Regionen
eingeteilt, die wiederum aus
114 Distrikten
bestehen.
Ca. 160–125 Mio. v. Chr.
Die indische Platte bricht von Afrika weg und nimmt dabei das heutige Madagaskar mit.
Ca. 90 Mio v. Chr.
Madagaskar und Indien brechen auseinander, Indien driftet weiter nach Norden, um auf Asien zu stoßen, Madagaskar liegt isoliert im Ozean.
Ca. 8500 oder 2500 v. Chr.
Schnittmarken an Knochen weisen auf die erste Anwesenheit von Menschen hin.
Ca. 200–500 n. Chr.
Beginn der eigentlichen Besiedlung Madagaskars von Südostasien aus. Etwa zeitgleich oder kurze Zeit später überqueren Bantu die Straße von Mosambik und siedeln sich in Madagaskar an.
700–1000
Arabische Händler befahren die Küsten Madagaskars und gründen erste Handelsposten. Einige madagassische Volksgruppen nehmen den Islam an, der sich in den folgenden Jahrhunderten aber stark mit den traditionellen Glaubenswelten vermischt.
1298
In seiner „Weltbeschreibung“ erwähnt Marco Polo eine Insel namens Madeigascar. Obwohl die Bezeichnung offenbar auf einer Verwechslung beruht, kommt die Insel wohl so zu ihrem Namen.
15. Jh.
Vermutete Gründung erster kleinerer Stammes-Königreiche.
1500
Der Portugiese Diego Diaz setzt als erster Europäer einen Fuß auf Madagaskar.
16./17. Jh.
Zeit der Reichsgründungen. Die verschiedenen Volksgruppen etablieren ihre Königreiche. Im Nordwesten entstehen die beiden dominanten Sakalava-Reiche Menabe und Boina.
1642
Französische Kolonisten errichten ein Fort und eine Siedlung, das heutige Tolagnaro (Fort Dauphin). 1672 eskaliert ein Konflikt mit den Einheimischen, die meisten der Siedler werden getötet.
1646
Die Koloniegründung der Briten an der Südwestküste scheitert an den tropischen Lebensbedingungen. In der Folgezeit kommen aber viele englische Missionare und Geschäftsleute nach Madagaskar, um den britischen Einfluss geltend zu machen.
17. Jh.
Vermuteter Zeitpunkt des Aussterbens des Elefantenvogels
Aepyornis maximus.
1787
Andrianampoinimerina besteigt den Thron des Merina-Königreiches Ambohimanga.
1794
Beginn der Feldzüge zur Eroberung und Einigung Madagaskars durch die Merina. Andrianampoinimerina erobert Antananarivo, das er zu seinem neuen Herrschersitz erwählt.
1810–1828
Radama I. besteigt den Thron des Imerina genannten Reiches. 1824 beherrschen die Merina fast ganz Madagaskar. Radama I. öffnet das Land nach außen, insbesondere England und Frankreich versuchen ihren Einfluss geltend zu machen.
1827
Frankreich und England erkennen Radama I. als Souverän der Insel an.
1828–1861
Regierungszeit von Ranavalona I., Radamas Witwe, die das Land mit einer bis dahin beispiellosen Terrorherrschaft überzieht, die außenpolitischen Beziehungen abbricht und geschätzte 150.000 Menschen ermorden lässt. Beginn der ersten militärischen Interventionen der Kolonialmächte.
1855
Prinz Rakoto unterzeichnet die sogenannte Lambert Charta, die später die Grundlage der kolonialen Ansprüche Frankreichs auf Madagaskar bildet.
1863
Radama II. (Prinz Rakoto) lädt die Europäer ein, sich wieder in Madagaskar zu engagieren. Mit seiner Ermordung endet die Politik der Reformen und außenpolitischen Öffnung wieder.
1864–1895
Amtszeit von Premierminister Rainilaiarivony, der nacheinander die Königinnen Rasoherina, Ranavalona II. und Ranavalona III. ehelicht.
1883
Erster Französisch-madagassischer Krieg.
1885
Auf der Kongo-Konferenz in Berlin wird Madagaskar als französisches Interessengebiet bestätigt.
1890
Frankreich erklärt Madagaskar zum Protektorat.
1895–1897
Eroberungsfeldzug zur Etablierung der französischen Herrschaft über Madagaskar. Abschaffung der Merina-Monarchie, Königin Ranavalona III. geht mit ihrer Familie ins algerische Exil.
1897–1940
Unter der französischen Kolonialherrschaft wird das Land wirtschaftlich neu geordnet, wertvolle Ressourcen werden abgepresst. Es kommt zu wiederholten Aufständen gegen das brutale Regime.
1940–1945
Nach der Eroberung Frankreichs durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg bekennt sich die Kolonialverwaltung zum Vichy-Regime. 1943 erobert Großbritannien die Insel, um sie an de Gaulles Exilregierung zu übergeben.
1947
„Insurrection malgache“: Die Madagassen erheben sich gegen die Kolonialherren. Der Aufstand wird brutal niedergeschlagen, Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Toten aus.
1960
Madagaskar wird unabhängig.
1960–1975
Die Erste Republik unter Präsident Philibert Tsiranana wird 1972 von einer Militärdiktatur abgelöst.
1975–1991
In der Zweiten Republik regiert Didier Ratsiraka das Land autokratisch. Wirtschaftlich und politisch orientiert er sich an der Sowjetunion und wendet sich von Frankreich und dem Westen ab, was Madagaskar zunehmend in die Isolation führt. Wirtschaftliche Schwierigkeiten führen zu sozialen Spannungen.
1991–1993
Nach einem langen Generalstreik töten Regierungstruppen Hunderte Demonstranten. Die politische Lage eskaliert, Ratsiraka wird zur Abdankung gezwungen, die er bis 1993 hinauszögert.
1993–2010
Dritte Republik.
1995
In Antananarivo vernichtet ein Feuer große Teile des königlichen Palastes (Rova), des Symbols der Merina-Herrschaft.
1996
Nach dreijähriger Amtszeit wird Albert Zafy durch ein Misstrauensvotum abgesetzt. Neuer Präsident wird der vorherige Staatschef Didier Ratsiraka. In den Folgejahren kommt es zu schweren Protesten und Unruhen.
2001/2001
Ratsiraka erkennt seine Wahlniederlage nicht an, mit Unterstützung des Militärs wird Marc Ravalomanana Präsident.
2006
Ravalomanana lässt sich in einer Wahl bestätigen, es kommt zur außenpolitischen Öffnung und wirtschaftlichen Entspannung.
2008/2009
Bei einer Großdemonstration gegen den Präsidenten, dem Korruption vorgeworfen wird, und anschließenden Unruhen sterben etwa 120 Menschen. In der Folge putscht sich Andry Rajoelina an die Macht, Ravalomanana geht ins Exil.
2010
Mit einer Verfassungsänderung installiert Rajoelina die Vierte Republik. Ein Militärputsch gegen ihn scheitert.
2010–2013
Unter Rajoelina wirtschaftet Madagaskar ab. Die Kriminalität steigt, die illegale Ausfuhr von Tropenhölzern und seltenen Tieren erreicht traurige Höhepunkte. V. a. im Süden nehmen die Aktivitäten von Milizen und bewaffneten Banden von Viehdieben zu. Rajoelina nutzt sein Amt vornehmlich zur persönlichen Bereicherung. 2013 muss er abdanken, es kommt zur Neuwahl.
2014
Hery Rajaonarimampianina wird als Präsident vereidigt.
2015
Die politische und soziale Lage beruhigt sich teilweise, doch im Januar tritt das Kabinett geschlossen zurück, im Mai votiert das Parlament für die Absetzung von Rajaonarimampianina. Die Justiz annulliert das Ergebnis, der Präsident bleibt im Amt.
2016
Im April tritt Premierminister Jean Ravelonarivo auf Hinwirken des Präsidenten mitsamt der Regierungsmannschaft ab. Sein Nachfolger wird Olivier Mahafaly Solonandrasana.
2018
Die Opposition sieht im neuen Wahlgesetz den Versuch, Marc Ravalomanana von der anstehenden Präsidentschaftswahl auszu-schließen. Im April kommt es zu Demonstrationen, bei deren Auflösung mindestens zwei Protestierende getötet werden. Um diese Verfassungskrise beizulegen, tritt Solonandrasana im Juni als Premierminister ab. Neuer Premier der „Regierung der nationalen Einheit“ wird Christian Ntsay. Bei den Präsidentschaftswahlen im November setzen sich die Ex-Präsidenten Marc Ravalomanana und Andry Rajoelina durch und treten in einer Stichwahl gegeneinander an.
Die historischen Daten über die menschliche Besiedlung Madagaskars sind ungenau und unvollständig. Da die Geschichtsschreibung der Madagassen erst rund 200 Jahre alt ist, gibt es keine einheimischen schriftlichen Zeugnisse. Die ältesten Aufzeichnungen über Madagaskar stammen von den Arabern aus dem 7. Jh. Jedoch gilt als bewiesen, dass die Insel schon lange zuvor besiedelt war. Die ältesten entdeckten Zeugnisse menschlicher Präsenz auf Madagaskar sind Schnittmarken an den subfossilen Knochen von Riesenlemuren und Elefantenvögeln. Bislang ging man davon aus, dass diese sich maximal auf die Zeit um ca. 2500 v. Chr. datieren ließen, doch im September 2018 berichtete eine internationale Forschergruppe um James Hansford und Samuel Turvey von der Zoological Society London von mehr als 10.500 Jahre alten Knochenmarken. Wer diese prähistorischen Jäger waren, woher sie kamen und was mit ihnen passiert ist, ist unklar. In den Überlieferungen der Madagassen heißt es, dass die Insel zuerst von den Vazimba besiedelt worden sei, einem kleinwüchsigen, dunkelhäutigen Volk unbekannten Ursprungs.
Die Archäologen gehen heute davon aus, dass die Vorfahren der heutigen Madagassen zwischen 300 und 500 n. Chr. von Südostasien aus nach Madagaskar kamen. So erfolgte die Besiedlung Madagaskars im Zuge der austronesischen Expansion, wie es auch beim gesamten malaiischen Archipel sowie den pazifischen Inseln bis Rapa Nui und Hawaii der Fall war. Es hat außerdem den Anschein, dass diese Menschen direkt und ohne Zwischenlandung auf dem afrikanischen Kontinent über das Meer von Asien nach Madagaskar kamen.
Als deutliche Belege für diese Theorie gelten die vielen kulturellen Parallelen zwischen Madagaskar und Teilen Südostasiens. So gleicht etwa die Praxis der Famadihana, der Leichenwende, die im Hochland verbreitet ist, fast haargenau Riten, die auf der indonesischen Insel Sulawesi praktiziert werden. Ebenso ist die in Madagaskar verbreitete Form des Ahnenkultes auch in Südostasien beheimatet. Die im madagassischen Hochland angewandte Technik des Reisanbaus, insbesondere die ausgefeilte Terrassenkultur, wird in dieser Form sonst nur in Südostasien betrieben. Die Verwendung von Auslegern sowie gewisse weitere Eigentümlichkeiten in der Konstruktion von Booten weisen ebenso Ähnlichkeiten zu Techniken auf, die in Südostasien verbreitet waren und sind, wie die Nutzung von Palmenfasern (geflochten, versponnen und gewebt) zur Herstellung von Kleidung bei fast völligem Verzicht auf Leder. Hinzu kommen linguistische und genetische Erkenntnisse. So existiert eine große Ähnlichkeit zwischen der madagassischen Sprache, dem Malagasy, und Dialekten aus Java, Sumatra und Borneo.
Obwohl in der madagassischen Geschichte und Bevölkerung der südostasiatische Anteil überwiegt, hat der nahe afrikanische Kontinent spürbaren Einfluss auf die Kultur der Insel genommen. Es gilt als sicher, dass Bantu aus Ostafrika einst die Straße von Mosambik überquert haben. Da sich in der madagassischen Sprache neben Wörtern überwiegend malayo-polynesischen Ursprungs auch Bantu-Wörter finden (z. B. Omby – Rind), geht man davon aus, dass diese Vermischung sehr früh, also zeitgleich oder kurz nach dem Erscheinen der asiatischen Siedler geschah.
Der Kult ums Zebu ist vermutlich ein Erbe aus Afrika
Von den Bantu stammt die Kultur der Züchtung von Zebus, der Buckelrinder. Die Bedeutung, die dieser Rinderrasse als kulturellem Mittelpunkt des Lebens bei einigen Völkern Madagaskars (insbesondere den Bara) zukommt, ist afrikanischen Vorbildern zu ähnlich, um Zufall zu sein. Daneben sind noch andere afrikanische Einflüsse sichtbar: Die madagassische Valiha, die Bambuszither, hat ihre Wurzeln auf dem afrikanischen Festland.
Madagaskar wird bereits in arabischen Schriften aus dem 7. Jh. erwähnt, archäologische Beweise für die Anwesenheit von Arabern auf Madagaskar lassen sich auf das 10. Jh. datieren, z. B. bei Ausgrabungen in Mahilaka an der Nordwestküste. Als sicher gilt deshalb, dass arabische Seefahrer bereits ab dem 7. Jh. die Gewässer nordwestlich von Madagaskar befuhren und spätestens um das Jahr 1000 herum Niederlassungen an der Nordwestküste gründeten. Diese Araber waren zumeist Sklavenhändler, die zu jener Zeit quasi das Handelsmonopol auf die menschliche „Ware“ innehatten. Hierdurch leisteten die arabischen Händler auch einer weiteren „Afrikanisierung“ der Insel Vorschub: indem sie ostafrikanische Menschen, wiederum zumeist Angehörige bantusprachiger Völker, vom Festland nach Madagaskar verschleppten.
Daneben übten die Araber aber auch sehr viel direkteren Einfluss aus, der noch heute zu beobachten ist: Die Angehörigen des Volksstamms derAntaimoro (s. S. 90), die an der Ostküste Madagaskars leben, sind Muslime. Allerdings praktizieren sie eine eigenwillige Form des Islams, der sich in den Jahrhunderten stark mit den traditionellen Riten und Glaubenspraktiken vermischt hat. Das berühmte Papier der Antaimoro soll eigens erfunden worden sein, um die aus Arabien mitgebrachten und durch das Alter vom Verfall bedrohten Koranabschriften zu kopieren. Auch die geheimnisvollen Sorabe, die heiligen Schriften der Antaimoro, gehen auf diesen Einfluss zurück. Es handelt sich um eine Mischung arabischer Schriftzeichen und madagassischer Begriffe, welche die Heiler und Sternkundigen benutzen. Neben der Einführung der Astrologie haben die Araber auch etliche Wörter, v. a. für kalendarische Daten wie Tages- und Monatsnamen, in der madagassischen Sprache hinterlassen. Und auch die bei fast allen Stämmen Madagaskars verbreitete Praxis der Knabenbeschneidung lässt sich wohl auf die Araber zurückführen.
Das Papier der Antaimoro diente ursprünglich der Niederschrift des Koran
info
Es gilt als sicher, dass die Inselbewohner den Namen „Madagaskar“ (in der Landessprache: Madagasikara) seit dem 17. Jh. für ihre Heimat gebrauchen. Zuvor scheint es keine einheimische Bezeichnung für die Insel als Gesamtheit gegeben zu haben. Der Name Madagaskar geht vermutlich auf Marco Polo zurück. Dieser erwähnt in seiner „Weltbeschreibung“ aus dem Jahr 1298 eine Insel im Süden namens Madeigascar. Die Beschreibungen legen aber nahe, dass Marco Polo hier einige Dinge durcheinander geworfen hat und es sich bei Madeigascar um eine Verballhornung des Namens von Mogadischu (arab.: Maqadišu), der Hauptstadt des heutigen Somalia, handelt. Dabei hielt Marco Polo die Stadt am Horn von Afrika offenbar für eine Insel. Dessen ungeachtet übernahm der deutsche Kartograf Martin Behaim aus Nürnberg um das Jahr 1492 den Namen und verzeichnete auf dem von ihm geschaffenen Erdglobus zwischen Afrika und Indien eine Insel namens „Madagascar Insula“.
Der recht späten Kolonisation Madagaskars durch die Franzosen im 19. Jh. ging eine lange Geschichte voraus, in der Europäer immer wieder versuchten, auf der Insel Fuß zu fassen oder ihren Einfluss geltend zu machen. Die Unbeugsamkeit seiner Bewohner, die Feindseligkeit der Natur und die unglaublichen Härten des Überlebenskampfes waren letztlich die Gründe, warum sich lange Zeit keine europäische Macht dauerhaft auf Madagaskar etablieren konnte. Mit den Jahrhunderten geriet Madagaskar aber immer stärker in den Fokus der europäischen Kolonialmächte und auch kulturell schlug sich der Einfluss insbesondere der Briten und Franzosen immer stärker nieder.
Der erste Europäer, der die Insel Madagaskar nachweislich erblickte, war der Portugiese Diego Diaz (Diogo Dias). Im Jahr 1500 stach in Lissabon unter Pedro Álvarez Cabral eine Flotte von 13 Schiffen in See. Ihr Ziel war es, den von Vasco da Gama entdeckten Seeweg nach Indien für Portugal zu sichern. Noch im selben Jahr wurde das von Diego Diaz kommandierte Schiff vor der Küste Ostafrikas durch einen heftigen Sturm vom Hauptverband getrennt und trieb der Nordküste Madagaskars entgegen. Diego Diaz gab der Insel den Namen St. Laurentius.
info
Nicht nur Piraten, Kolonisten und Händler fühlten sich von Madagaskar angezogen. Früh hatte sich herumgesprochen, welch einzigartige Natur die Insel beherbergt. So reisten einige Europäer – insbesondere Franzosen – hierher, um zu forschen, und machten Madagaskar bald in der ganzen Welt bekannt.
Étienne de Flacourt kam 1648 nach Madagaskar, um als Gouverneur die sechs Jahre zuvor gegründete französische Kolonie Fort Dauphin zu befehligen. In dieser Zeit lernte er Land und Leute kennen und unternahm einige botanische und zoologische Untersuchungen. Zurück in Frankreich veröffentlichte er seine „Histoire de la grande Isle Madagascar“ sowie das erste Wörterbuch der madagassischen Sprache. Neben der Pflanzengattung Flacourtia wurde auch das Fort auf der Halbinsel von Fort Dauphin nach ihm benannt.
Alfred Grandidier erforschte und klassifizierte im 19. Jh. als erster Europäer eingehend die Flora und Fauna Madagaskars und zeichnete im Rahmen seiner Forschungsreisen die erste Karte der Insel. Heute sind viele Pflanzen- und Tierarten nach ihm benannt, z. B. die Baobab-Art Adansonia grandidieri.
Antoine Lacroix führte zu Beginn des 20. Jh. die ersten umfassenden mineralogischen Feldforschungen auf Madagaskar durch. Die wissenschaftliche Aufarbeitung seiner Expeditionen zur Roten Insel nahm mehrere Jahrzehnte in Anspruch. Sein Buch über die Mineralien Madagaskars kann noch heute als Standardwerk gelten.
Die ersten Europäer, die, allerdings unfreiwillig, auf Madagaskar ansässig wurden, waren etwa 80 portugiesische Seeleute. Im Jahr 1504 erlitten sie an der Südostküste Schiffbruch, gingen im heutigen Tolagnaro (Fort Dauphin) an Land und errichteten ein Fort. Dort konnten sie sich immerhin mehr als 20 Jahre lang halten, was angesichts der harten Lebensumstände eine beachtliche Leistung ist. Doch schließlich wurden sie vom Stamm der Antanosy vertrieben. 1506 erblickte Fernando Suarez den riesigen Naturhafen von Antsiranana an der Nordspitze der Insel.
1596 ging der niederländische Kapitän Cornelis de Houtman in der Baie d’Antongil vor Anker. Houtman begegnete den Einheimischen mit Gewalt und Verachtung überfiel mehrere Dörfer, um sich Proviant für die Weiterfahrt nach Asien zu beschaffen. 1598 kam Jacob Corneliszoon van Neck, wiederum ein Holländer auf dem Weg nach Indonesien, nach Madagaskar und ging am selben Platz vor Anker wie zuvor de Houtman. Die Einheimischen erkannten, dass es abermals die feindseligen Vazaha, also Fremde, waren, die schon einmal Mord und Brand über sie gebracht hatten. Sie flohen daher vor van Neck, der so seine erhoffte Nachschubquelle verlor. Zum Glück für den Admiral hatte der Teil der Flotte, der Mauritius angesteuert hatte, mehr Erfolg bei der Vorratsbeschaffung.
Den Franzosen gelang 1642 erstmals die Errichtung eines festen Stützpunktes in Tolagnaro/Fort Dauphin. Sie konnten sich dreißig Jahre lang halten und standen mit den Einheimischen zunächst auf gutem Fuß. In der verhältnismäßig langen Zeit des Bestehens der Kolonie kam es sogar zu Eheschließungen mit einheimischen Frauen vom Stamme der Antanosy. Dennoch – oder gerade deswegen – nahm die Geschichte ein gewaltsames Ende. Denn 1672 gingen mit einer Nachschublieferung für die Kolonisten auch etliche französische Frauen an Land. Die Folgen waren verheerend: Offenbar entschieden sich nicht weniger als 14 der ansässigen französischen Siedler, ihre madagassischen Ehefrauen zu verstoßen und sich stattdessen mit einer „ebenbürtigen“ Weißen zu verheiraten. Diese Demütigung ließen die Einheimischen sich nicht gefallen: Von den 14 weißen Bräuten sollen 13 ermordet worden sein. Das französische Fort wurde von den Antanosy angegriffen und nach fast zwei Jahren Belagerung durch ein Schiff der Französischen Ostindienkompanie evakuiert. Nur 13 Männer und eine Frau waren der Katastrophe entgangen.
Daneben unternahmen die Franzosen immer wieder Versuche, Stütz- und Handelspunkte zu etablieren, etwa in der Baie d’Antongil, in Toamasina oder auf Sainte-Marie. Meist hatten diese aber nur wenige Jahre Bestand und wurden bald darauf aufgegeben oder von Piraten oder rivalisierenden Mächten zerstört.
info
Schon früh hatten verschiedene Seeräuber die Insel als ideales Versteck und Operationsbasis entdeckt, lag sie doch weit entfernt vom Zugriff staatlicher Gewalt und gleichzeitig nahe bei den Routen der europäischen Handelskompanien und der Araber nach Indien. Indien wurde zu jener Zeit von den sagenhaft reichen muslimischen Mogulkaisern regiert, die rege Handelsbeziehungen zur arabischen Halbinsel unterhielten.
Um 1680 war Madagaskar auch in Europa als Schlupfwinkel z. T. berühmter Piraten bekannt. Insbesondere die Insel Nosy Boraha (Sainte-Marie) an der Ostküste Madagaskars, die Baie d’Antongil sowie Diego-Suarez waren von den Piraten vereinnahmt worden. Aus dieser Zeit stammt auch die Geschichte um die (vermutlich utopische) Piratenrepublik Libertalia, die mutmaßlich von Daniel Defoe („Robinson Crusoe“) aufgeschrieben wurde. Interessanterweise gibt es handfeste Belege dafür, dass sich die Piraten mit den Einheimischen so gut arrangierten, dass sie zumindest dauerhaft geduldet wurden. Gerade an diesem Punkt waren alle anderen Versuche europäischer Inbesitznahme gescheitert.
So hat auch die Bevölkerung der Insel Sainte-Marie ihren Ursprung in der Vermischung der Europäer mit den Einheimischen. Früher wurden die Nachkommen aus diesen Verbindungen auch „malata“ oder „zanamalata“ genannt, woraus sich gemäß einer Theorie das Wort „Mulatte“ ableiten soll. Noch heute findet man in den Gesichtern der Einwohner Sainte-Maries alle erdenklichen und sehr häufig europäische Gesichtszüge wieder. Die eigentümliche Mischkultur, die Madagaskar so sehr prägt, hat hier einen ganz besonderen Impuls erfahren.
1646 gingen etwa 200 Engländer bei Toliara (Tuléar) an Land und richteten ein Fort ein. Nach zwei Jahren voller Kämpfe, Mühsal und tropischer Krankheiten waren noch etwa 20 Mann am Leben. Der Stützpunkt musste aufgegeben werden. Allerdings versuchte Großbritannien in den folgenden zwei Jahrhunderten immer wieder, seinen Einfluss auf Madagaskar geltend zu machen. Britische (Sklaven-)Händler und Kaufleute unterhielten Geschäftskontakte und anglikanische Missionare verbreiteten überaus eifrig den christlichen Glauben.
Schon um das 15. Jh. herum müssen sich in Madagaskar die ersten Königreiche etabliert haben. Zuvor waren viele kleine Stämme über die Insel verstreut, die sich oft in ständigem Streit und Kleinkrieg miteinander befanden. Mangels schriftlicher Zeugnisse aus jener Zeit bleiben als Quellen v. a. mündliche Überlieferungen und die wenigen Artefakte, die aus diesen Jahrhunderten noch erhalten sind.
Demnach standen bereits im 17. Jh. die beiden großen Sakalava-Königreiche Menabeund Boina an der Westküste im ständigen Hegemonialkrieg. Die Sakalava müssen um diese Zeit bereits eine sehr fortgeschrittene Zivilisation gehabt haben. Die Monarchien waren gut organisiert und verwaltet. Auch im Süden entstanden erste Königreiche wie das der Mahafaly im 16. Jh. Ebenfalls im Süden begründeten zwei Dynastien der Anosy im 17. Jh. das Reich von Masikoro.
Die Betsileo des Hochlandes gründeten im 16. Jh. das KönigreichManandriana, aus dem später die eigenständigen Reiche Isandra, Fisakana, Arindrano, Lalangina und Ambositra hervorgingen. Und auch bei den Antaimoro an der Ostküste ist noch immer der Einfluss ihres Königtums spürbar, das der Überlieferung zufolge auf Sultan Ramakarano aus Mekka zurückgeht.
Die Betsimisaraka durchlebten im 18. Jh. eine unruhige Vereinigung ihres Volkes unter der Regentschaft eines Königs, als Ratsimilaho, Ramahasarika und Ramananao um die Vorherrschaft in diesem blühenden Reich rangen. Durch seine Ausdehnung an der Ostküste vorzüglich als Handels- und Umschlagplatz geeignet, profitierte das Königreich der Betsimisaraka schon früh vom Eintreffen europäischer Schiffe und Waren. Sie verfügten auch als erste Madagassen über moderne Feuerwaffen.
Kein anderer Volksstamm hat die Geschichte Madagaskars bis zur Annexion durch Frankreich so sehr beeinflusst wie die Merina, die sich im 18. Jh. anschickten, die gesamte Insel zu unterwerfen.
Die Merina waren ursprünglich Reisbauern. Sie hatten frühzeitig die Technik des terrassierten Reisanbaus, ein Erbe ihrer südostasiatischen Urheimat, perfektioniert und sich so nach jahrhundertelanger relativer Isolation im zentralen Hochland einen Versorgungsvorteil mit dem Grundnahrungsmittel gesichert. Daraus resultierte eine starke Zunahme der Bevölkerung, was gegen Ende des 18. Jh. zu einer expansiven, imperialistischen Politik führte. In der Folge gelang es den Königinnen und Königen der Merina, bis 1824 ihre Herrschaft über fast ganz Madagaskar auszudehnen. Durch frühzeitige Handelskontakte mit Europäern sicherten sie sich überdies einen technologischen Vorteil, insbesondere was die Einführung von Feuerwaffen anbelangte. Aber auch weniger kriegerische Neuerungen wurden importiert. So führte beispielsweise König Andiranampoinimerinandriantsimitoviaminandriampanjaka, kurz: Andrianampoinimerina (1745–1810), neben anderen Errungenschaften europäischen Ursprungs den Metallspaten ein und sorgte mit Nachdruck dafür, dass seine Untertanen ihn auch benutzten.
Andrianampoinimerina tat sich auch als ausgezeichneter Militärstratege und durch ein großes Organisationstalent hervor. In den Einigungskriegen zwischen den damals vier Merina-Königreichen eroberte er 1794 Antananarivo. Bald darauf machte er die Stadt, die unter Andrianjaka zu Beginn des 17. Jh. schon einmal Königssitz (Rova) eines geeinten Merina-Staats war, zum Zentrum seines Imerina genannten Reiches. Von da an dauerte es nicht lange, bis die Merina unter seiner Führung und dem Wahlspruch „Ny ranomasina no valapariako“ („Das Meer ist die Grenze meines Reisfeldes“) die Stämme der Betsileo und der Bara unterworfen hatten und sich aufmachten, ihren Einflussbereich bis ans Meer zu erweitern.
1810 folgte Radama I. seinem Vater Andrianampoinimerina auf den Thron und führte dessen Expansionspolitik ungebremst fort, setzte aber auch viele Reformen in Gang und drängte die Vormachtstellung des Howa, des Merina-Adels, zurück. In seine Regierungszeit fallen auch die ersten außenpolitischen Kontakte mit europäischen Mächten wie Großbritannien und Frankreich. Radama I. ließ erstmalig protestantische Missionare ins Land und schloss mehrere Abkommen und Verträge mit den Briten, u. a. über die Ächtung und das Verbot des Sklavenhandels. Außerdem erhielt das Malagasy lateinische Buchstaben. Die Briten unterstützen den König durch Geldzahlungen, Waffen und Militärberater. Mit dieser Hilfe gelang es ihm 1822 schließlich, die wehrhaften und widerspenstigen Betsimisaraka zu unterwerfen. Radama I. soll damals gesagt haben: „Heute gehört mir die ganze Insel. Das Land hat einen Regenten!“
Einladung zur Eroberung: die Aussicht von Andrianampoinimerinas altem Herrschersitz Ambohimanga
Mit der außenpolitischen Öffnung war Madagaskar aber auch ins Spiel der europäischen Kolonialmächte um Einflusssphären eingewoben. Großbritannien strebte eine Kontrolle der Schifffahrtswege seiner East Indian Company an und hatte daher die Maskarenen-Inseln Mauritius und Réunion besetzt. 1827 erkannte der auf Mauritius stationierte britische Gouverneur per Vertrag Radama I. als Souverän über Madagaskar an. Großbritannien versuchte eiligst, Frankreich auf diplomatischem Wege zu bewegen, dasselbe zu tun: ohne Zweifel aus Furcht, die Insel könne sonst womöglich zur Beute Frankreichs werden.
1828 starb Radama I. auf einem Feldzug, angeblich an der Malaria – allerdings gab es Gerüchte über Selbstmord oder Alkoholismus als Todesursache. Seine Nachfolge trat seineWitwe Ranavalona I., genannt die Grausame, an.
Die 33-jährige Herrschaft Ranavalonas I. ist eine Geschichte, wie sie auch über die Merowinger oder die Tudors nicht düsterer hätte geschrieben werden können. Schon die Übernahme der Herrscherwürde stand unter schrecklichen Vorzeichen: Die Königin ließ zunächst die Verwandten und Erben des verstorbenen Königs ermorden. Der Merina-Adel (Howa), der durch die Reformen von Radama I. stark an Macht verloren hatte, gewann unter Ranavalona I. ebenso wieder an Einfluss wie die Sterndeuter, Wahrsager und Medizinmänner, mit denen sich die Königin umgab. Ob Ranavalona I. nun den Einflüsterungen dieser „Lobby“ folgte oder schon von vornherein entsprechende Absichten gehegt hatte, ist unklar: Sicher ist aber, dass die Monarchin die Verträge, die Radama I. mit Großbritannien geschlossen hatte, nicht mehr anerkannte.
Ranavalona I., „die Grausame“
Ranavalona I. vertrieb die britischen Missionare und machte außerdem Radamas Reformen rückgängig. Sie erließ ein Edikt, das die Ausübung des Christentums verbot („Die Bräuche der Christen sind nicht die unserer Ahnen.“) und unter Todesstrafe stellte. Da die protestantischen Missionare in den Jahren vor Ranavalonas Herrschaft nicht untätig gewesen waren, war ein schreckliches Strafgericht die Folge. Schätzungsweise 150.000 Menschen – christliche Madagassen und andere irgendwie Verdächtige – wurden umgebracht, viele durch Gift (Tangena, s. S. 99). Aber so „privilegiert“ starben nicht alle: Unweit des Rova, des Königspalastes von Antananarivo, steht eine Kirche an einem Felsen, von dem die Königin 1857 jene hinabstoßen ließ, die dem Christentum nicht abschwören wollten. Dazu gehörte auch Rasalama, die erste Märtyrerin der madagassischen Christen. In jener Kirche wird heute noch der Ermordeten gedacht.
In die Herrschaftszeit Ranavalonas I. fallen auch die ersten militärischen Interventionen der Europäer. 1841 besetzte eine französische Streitmacht die Insel Nosy Be – die dort herrschende Sakalava-Königin hatte die Franzosen zu Hilfe gerufen, weil sie sich lieber unter die Protektion durch französische Vazaha als unter die Herrschaft der Merina stellen wollte. 1845 griffen Großbritannien und Frankreich gemeinsam Madagaskar an. Als Grund wurde der Schutz der verfolgten Landsleute angegeben.
Bis etwa 1850 hatte Ranavalona I. durch ihre Politik Madagaskar in fast völlige Isolation getrieben. Jedoch gab es am Hofe auch Menschen, die weitblickender zu sein glaubten und insgeheim konspirative Kontakte pflegten. Ranavalonas Sohn, der vom Katholizismus beeinflusste Kronprinz Rakoto, knüpfte Verbindungen zu Franzosen in Antananarivo und konnte so einen Informationskanal nach Europa einrichten. In einem geheimen Brief ersuchte er Napoleon III., eine Invasionsstreitmacht nach Madagaskar zu entsenden. 1855 unterzeichnete Rakoto ebenso heimlich und auf Druck der Franzosen hin die sogenannte Lambert Charta. In dieser wurde dem französischen Geschäftsmann Joseph-François Lambert das Recht zugesprochen, gegen eine Abgabe von 10 % an die Merina-Monarchie alle Bodenschätze, Wälder und ungenutzten Landflächen Madagaskars ausbeuten zu dürfen. Diese Dokumente, der Brief des Prinzen und die Lambert Charta, wurden in der Folgezeit immer wieder von Frankreich herangezogen, um seine Ansprüche auf Madagaskar zu untermauern und die Annexion als Kolonie zu legitimieren.
Die in der Lambert Charta gefassten Pläne brachte Rakoto allerdings selbst zum Scheitern, indem er die Briten über die französischen Absichten informierte, die Frankreich daraufhin ihre Unterstützung entzogen. Als Reaktion fasste Lambert 1857 Pläne zu einem Staatsstreich gegen Ranavalona. Als diese Verschwörung aufgedeckt und vereitelt wurde, verwies die Königin alle Europäer des Landes.
info
Der französische Abenteurer Jean Laborde kam 1832 als Schiffbrüchiger nach Madagaskar. Trotz der Fremdenfeindlichkeit der Königin Ranavalona I. gelang es dem Franzosen, ihre Gunst zu erwerben und in ihren Dienst gestellt zu werden. Der Grund dafür dürfte einerseits in der Verschlagenheit Labordes zu finden sein, andererseits hatte er ein gewichtiges Pfund, mit dem er wuchern konnte. Er besaß umfassende technische Kenntnisse, verstand sich auf die Herstellung von Waffen und Munition und war obendrein ein fähiger Architekt. Von 1839 bis 1841 baute er den riesigen Holzpalast des Rova in Antananarivo, Kern des späteren Königssitzes und zu jener Zeit das größte Gebäude Madagaskars.
Laborde veränderte das Gesicht Madagaskars nachhaltig, indem er zahlreiche Entwicklungen einläutete. Er führte nicht nur Ochsenkarren mit großen, geländegängigen Speichenrädern ein, sondern auch Glas, Seife und Blitzableiter. Obendrein kam es durch Labordes Wirken auch zu einer Art (vor-)industriellen Revolution: Am Lac Mantasoa (s. S. 186) schuf er ein riesiges Industriekonglomerat – für ein Land wie Madagaskar ein zu dieser Zeit nahezu utopisch anmutendes Projekt.
Laborde selbst gewann nicht nur an Ansehen, sondern auch an Vermögen. Nachdem er sich fast ein Vierteljahrhundert hindurch hemmungslos bereichert hatte, fiel er bei der Aufdeckung der Verschwörung gegen die Königin im Jahr 1857 in Ungnade und wurde des Landes verwiesen. 1863 jedoch kehrte er zurück, diesmal als französischer Vizekonsul. Nach seinem Tode entbrannte ein heftiger Streit um seine gewaltige Hinterlassenschaft – was einer der Gründe für den Ausbruch des erstenFranzösisch-madagassischen Kriegs war.
Vier Jahre später starb Ranavalona I. Unter dem Königsnamen Radama II. bestieg ihr Sohn Rakoto den Thron. Seine Herrschaft sollte nur zwei Jahre dauern, doch fallen in diese kurze Zeit viele Reformen: So schaffte der König beispielsweise Zölle, die Todesstrafe sowie die Armee ab. Ausdrücklich ermunterte Radama II. die Europäer, wieder auf Madagaskar Fuß zu fassen, und trieb Handel mit den Niederlassungen der Franzosen und Engländer.
Es waren Mitglieder des Howa, des Merina-Adels, die nun in das Schicksal der Insel eingriffen. In der Gewissheit, wie unter Radama I. wiederum alle Privilegien zu verlieren, zettelten sie eine Verschwörung gegen den König an. Eine tragende Rolle spielte dabei der Premierminister Rainivoninahitriniony (auch Raharo genannt). 1863 schlugen die Verschwörer zu: Es heißt, dass sie den König in Gegenwart seiner Gattin Rasoherina erdrosselten.
Glückloser König: Radama II.
In der Folge ging die Königswürde auf Rada-mas Witwe Rasoherina über, die daraufhin prompt von Raharo geehelicht wurde: ein Schachzug, mit dem sich der Premierminister die eigene Macht sichern wollte. Doch bereits 1864 überwarfen sich die Königin und Raharo, der daraufhin verbannt wurde. Sein Halbbruder Rainilaiarivony übernahm nun nicht nur Raharos Stellung als Premierminister, sondern bald darauf auch die als Ehemann und heiratete Rasoherina.
Rasoherina regierte insgesamt von 1863 bis 1868. Nach ihrem Tod bestieg Ranavalona II. den Merina-Thron – und wurde wiederum von Premierminister Rainilaiarivony geehelicht. Als erste Merina-Monarchin ließ sie sich im Jahr 1869 anglikanisch-protestantisch taufen. In ihre Regierungszeit fällt auch der bislang stärkste Einfluss Großbritanniens in Madagaskar: Zeitweilig ersetzte Englisch sogar das Französische als zweite Amtssprache.
Premierminister Rainilaiarivony, Gemahl dreier Königinnen
Nach dem Tod von Ranavalona II. im Jahr 1883 bestieg mit Ranavalona III. die letzte Merina-Monarchin den Thron. Sie regierte von 1883 bis 1897 und heiratete – unglaublich aber wahr – ebenfalls den politischen Überlebenskünstler Rainilaiarivony. Im Jahr ihrer Thronbesteigung kam es zum ersten Französisch-ma- dagassischen Krieg, in dem es u. a. um die ungeheure Erbschaft des Franzosen Jean Laborde (s. S. 29) sowie um die Gültigkeit der Lambert Charta ging. Französische Schiffe griffen die Küstenstädte des Ostens an, schwer bewaffnete Truppen fielen auf der Insel ein. Als Ergebnis der militärischen Intervention annektierte Frankreich 1885 Antsiranana (Diego-Suarez) und verpflichtete Madagaskar, den Erben von Joseph-François Lambert unglaubliche 560.000 Goldfrancs als Entschädigung zu zahlen.
Madagaskars letzte Monarchin Ranavalona III. auf einer Postkarte
Die Niederlage im ersten Französisch-madagassischen Krieg (auch: Franco-Hova-Krieg) läutete das Ende des unabhängigen Königreichs auf Madagaskar ein. Doch schon parallel hatten die Kolonialherren über das weitere Schicksal der Insel entschieden. Als die europäischen Großmächte auf der Kongo-Konferenz 1885 in Berlin über die zukünftige Aufteilung der Welt verhandelten, wurde auch Madagaskar nicht vergessen. Als Ergebnis des Geschachers erkannte Großbritannien Madagaskar als französisches Interessengebiet an, im Gegenzug bestätigte Frankreich Sansibar als britische Einflusssphäre. Auf ausländische Hilfe konnten die Madagassen nicht mehr hoffen: Wie zuvor in Berlin abgesprochen, akzeptierte Großbritannien 1890 die Erklärung Madagaskars zum französischen Protektorat.
Es knüpfte sich ein Jahrzehnt erbitterten Widerstandes der madagassischen Bevölkerung gegen die immer brutaler auftretenden Kolonialherren an. Als Reaktion erfolgte 1895 die zweite Invasion durch französische Truppen, die diesmal Antananarivo einnahmen. Mehrere Tausend Mitglieder dieses Expeditionskorps wurden bei den mörderischen Märschen von der Küste ins Hochland durch Krankheiten dahingerafft – aber nur 20 fielen im Kampf.
Im Anschluss an die militärische Inbesitznahme stimmte das französische Parlament 1896 für eine Annexion Madagaskars. Kurz darauf begann die wirtschaftliche Ausbeutung des Landes. Zunächst erfolgte jedoch die politische Neuordnung. Nach 103 Jahren wurde die Merina-Monarchie 1897 abgeschafft. Die königliche Familie wurde nach Algerien verbannt, wo Ranavalona III. als letzte Merina-Königin 1917 starb.
Die Eroberung Madagaskars in einer zeitgenössischen Illustration
Der militärische und politische Widerstand, der sich noch regte, wurde brutal bekämpft. So ließ Generalgouverneur Joseph Gallieni beispielsweise den damaligen Innenminister Madagaskars sowie den Kronprinzen hinrichten und ging mit gnadenloser Härte gegen die widerspenstigen Einheimischen vor. Ganze Dörfer wurden niedergebrannt, Tausende wurden hingerichtet oder massakriert. Obgleich diese Zeit als Befriedungsphase (Pacification) bezeichnet wurde, sind in diesen ersten Jahren der französischen Besetzung mehr Madagassen gewaltsam gestorben als unter der Schreckensherrschaft von Ranavalona I. Dennoch gelang es den Franzosen bis zum Ende der Kolonialzeit nie, den Widerstand völlig zu brechen oder zu unterbinden.
Drei größere Aufstände (1905, 1915, 1929) blieben weitgehend wirkungslos und verstärkten lediglich die Repression. Diese zeigte sich bereits von Anfang an in der fast völligen Verdrängung und Negation der madagassischen Kultur. Französisch war Amtssprache. Die Europäisierung gipfelte in den Schulbüchern für die madagassischen Kinder: Sie lernten fortan, dass ihre Vorfahren die Gallier gewesen seien. Über die Französische Revolution oder Begriffe wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurde ihnen hingegen nichts beigebracht – diese Passagen hatte man aus den Schulbüchern entfernt. Ferner hatten Madagassen praktisch keinen Zugang zu höherer Bildung, Berufen oder Posten in der Verwaltung – man behandelte sie wie Menschen zweiter Klasse. Trotzdem hielt man sie durchaus für fähig, fürs neue Vaterland zu sterben: Allein im Ersten Weltkrieg kämpften fast 42.000 Madagassen für Frankreich. Mehr als 2.000 von ihnen fielen.
Die Franzosen ordneten das Land aber auch in anderer Hinsicht neu. Ganze Landstriche wurden umgestaltet, die ursprüngliche Vegetation musste riesigen Plantagenweichen, in denen begehrte Kolonialwaren wie Kokos, Sisal oder Tabak produziert wurden. Auch den Weinbau brachte man ins Land und zu hoher Blüte. Die Infrastruktur wurde entscheidend verändert. Neben wichtigen Verbindungen wie den Nationalstraßen (Routes Nationales) wurden auch einige wichtige Eisenbahnstrecken gebaut, z. T. unter mörderischen Schwierigkeiten und unsäglichen Opfern. Hierfür holten die Franzosen Tausende Chinesen nach Madagaskar. Diese siedelten sich später teilweise an und bilden seither eine sehr einflussreiche Gruppe im Land. Besonders im Vanille- und Edelsteinhandel finden sich auffallend viele Chinesen bzw. Chinesischstämmige. Für die Schifffahrt wurde der Canal des Pangalanes ausgebaut und nutzbar gemacht. Die Einrichtung von Landeplätzen und Pisten im ganzen Land ermöglichte die Erreichbarkeit per Flugzeug.
1940 wurde Frankreich vom faschistischen Deutschland überrannt und das hitlertreue Vichy-Regime installiert. Da die Verwaltung Madagaskars ebenfalls vichytreu war, befürchteten die Alliierten, dass sich die Japaner der Insel bemächtigen könnten. Deshalb entsandte Großbritannien 1942 eine gewaltige See- und Luftstreitmacht nach Antsiranana (Diego-Suarez), die den wichtigen Flottenstützpunkt nach schweren, verlustreichen Kämpfen im Mai des Jahres besetzte. Davon zeugen noch heute die vielen Schiffs- und Flugzeugwracks, die bei Ebbe wie schwarze Schatten der Vergangenheit aus der Bucht von Antsiranana auftauchen. 1943 übergaben die Briten die Insel der französischen Exilregierung unter Charles de Gaulle.
info
Der Antisemitismus fand seinen bis dato größten und schrecklichsten Ausdruck in der Shoa, dem Massenmord an den europäischen Juden, bei der über sechs Millionen Menschen systematisch ermordet wurden. Weniger bekannt ist, dass vor der „Endlösung der Judenfrage“, wie die Nationalsozialisten dieses einzigartige Verbrechen zynisch betitelten, eine andere Alternative erwogen wurde.
So stellte man tatsächlich Überlegungen an, die Juden kurzerhand nach Madagaskar zu deportieren. Dass diese Idee kein bloßes Hirngespinst war, zeigt die Tatsache, dass sie Ende der 1930er-Jahre schon lange im Raume stand und diskutiert wurde. Bereits 1885 forderte der deutsche Antisemit Paul de Lagarde den Ankauf von Land für die Deportation der Juden, entweder weit im Osten, in Palästina oder auf Madagaskar. 1937 kam eine Delegation der polnischen (!) Regierung, darunter auch Vertreter des Jüdischen Emigrationsverbands, mit Genehmigung der Franzosen nach Madagaskar, um die Möglichkeit einer Ansiedlung der polnischen Juden im Hochland zu erkunden.
Die Nationalsozialisten griffen diese Idee 1940 auf und planten, Madagaskar nach dem Ende des Weltkrieges in ein riesiges Konzentrationslager zu verwandeln. Bis zur Wannseekonferenz im gleichen Jahr waren sogar konkrete Vorbereitungen getroffen worden. Die Deportation polnischer Juden aus Lodz war z. B. verschoben worden, weil man glaubte, nach dem baldigen Sieg über England mit ihrer Verschiffung nach Madagaskar beginnen zu können. Jedoch blieb Hitlers Angriff auf England erfolglos, die Seewege waren bis Kriegsende fest in der Hand der Alliierten und der Plan wurde aufgegeben – mit den bekannten schrecklichen Folgen.
Bereits auf der Konferenz von Brazzaville (1944) hatte Charles de Gaulle den Kolonialvölkern die Bildung einer Union française und damit Mitspracherechte und die französische Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt. Mit Gründung der Union gewährte Frankreich Madagaskar im Jahr 1946 zwar erstmals eine Art Autonomie, die Zugeständnisse blieben aber weit hinter den Erwartungen der Bevölkerung zurück. So formierte sich allenthalben Widerstand – immerhin hatten die Kriegsjahre gezeigt, dass die französischen Herren keineswegs unbesiegbar waren. Bereits 1945 war es zur Gründung von drei Widerstandsgruppen gekommen, der MDRM, der PANAMA und der JINA. Mit einem Überfall auf einen Gendarmerieposten der Kolonialpolizei brach dann 1947 der „Große Aufstand“ (Insurrection malgache de 1947) los. Im ganzen Land griffen Tausende zu den Waffen. Ein französisches Expeditionsheer von ca. 30.000 Mann ging mit modernster Waffentechnik gegen ein Volk von Reisbauern und Rinderhirten vor. Nach einem Jahr blutiger Kämpfe und Massenhinrichtungen hatte man den Aufstand niedergeschlagen. Die Zahl der madagassischen Opfer ist nicht genau bekannt, je nach Quelle liegt sie zwischen ca. 11.000 (so die Angabe der damaligen Kolonialverwaltung) und mehr als 100.000. Die Franzosen beschuldigten die MDRM (Demokratische Bewegung zur Erneuerung Madagaskars), den Aufstand organisiert zu haben; zu Unrecht, wie man heute weiß. Vielmehr waren wohl die beiden anderen, militanten Widerstandsgruppen PANAMA und JINA die Rädelsführer.
Bis 1950 wurde das Kriegsrecht in Madagaskar aufrechterhalten – dann aber musste sich Frankreich endgültig der Frage nach der Autonomie seiner Kolonien stellen. In Indochina wurde um die Reste einstiger Besitztümer gekämpft, Algerien war im Aufruhr. Die Unterdrückten ließen sich nicht auf Dauer mit Gewalt niederhalten. Zu sehr hatte sich die Welt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verändert. 1956 beschloss das französische Parlament ein Rahmengesetz, welches die Neuordnung der nationalen Institutionen in den überseeischen Kolonien Frankreichs vorsah. Damit wurde auch Madagaskar der Weg in die Unabhängigkeit geebnet.
Dann ging alles recht schnell. 1957 erhielt Madagaskar innere Autonomie, ein Jahr später wurde Madagaskar eine Republik innerhalb der aus der Union française hervorgegangenen Französischen Gemeinschaft, eine provisorische Regierung übernahm die Amtsgeschäfte. Im darauffolgenden Jahr erhielt Madagaskar eine Verfassung. Im „Afrikanischen Jahr“ 1960 erklärte Charles de Gaulle das Land bei einem bewegenden Auftritt in Antananarivo für unabhängig.
Am 26. Juni 1960 wurde Madagaskar zur unabhängigen Republik. Ihr erster Präsident war der Sozialdemokrat Philibert Tsiranana. Unter ihm war diese 1. Republik zunächst antikommunistisch und neokolonialistisch ausgerichtet. Madagaskar orientierte sich stark an Frankreich, zumal Anfang der 1960er-Jahre noch zahlreiche Franzosen im Land lebten, die über bedeutenden Einfluss und Besitz verfügten.
Präsident Philibert Tsiranana beim Staatsbesuch in Deutschland mit Willy Brandt
Tsiranana genoss in den ersten Jahren seiner Regierungszeit ein beträchtli-ches Ansehen und konnte daher lange Zeit die maßlose Korruption und Vetternwirtschaft verbergen, die unter seiner Regierung im Land herrschten. Wirtschaftlich ging es in diesen Jahren mit Madagaskar zusehends bergab. Waren unter französischer Kolonialherrschaft Hunger und Epidemien die Ausnahme gewesen, kam es nun zusehends zu Versorgungsengpässen v. a. bei der armen Landbevölkerung.
So brachen 1971 erste Unruhen im Süden Madagaskars aus, die von der Regierung mit brutaler Gewalt niedergeschlagen wurden. Dadurch verlor die Regierung den letzten Rest an Vertrauen; weitere, insbesondere linksgerichtete Proteste flammten bald darauf in allen Landesteilen auf.
1972 hatten die Unruhen ein derartiges Ausmaß erreicht, dass die Regierung sich nicht mehr im Amt halten konnte. In dieser Stunde putschte das Militär: General Gabriel Ramanantsoa verhängte das Kriegsrecht über Madagaskar, löste die Nationalversammlung auf und zwang Philibert Tsiranana zum Rücktritt. Nach seiner wechselvollen Geschichte war Madagaskar nun für drei Jahre eine Militärdiktatur. In dieser Zeit änderte sich der außenpolitische Kurs fundamental. Die marxistisch orientierte Junta wandte sich von Frankreich ab und suchte engen Kontakt zur UdSSR. Im Inneren ging die Talfahrt immer weiter, das Land versank zusehends im Chaos.
1975 übergab General Ramanantsoa die Macht an den bisherigen Innenminister Richard Ratsimandrava. Dieser wurde allerdings nach nur wenigen Tagen im Amt in Antananarivo am helllichten Tag auf offener Straße erschossen. Sein Nachfolger Gilles Andriamahazo versuchte mit seinem Revolutionsrat, das krisengeschüttelte Land aus der jahrelangen Stagnation zu befreien und wieder auf den Weg Richtung Demokratie zu bringen. Doch er kam nicht weit: Noch im selben Jahr folgte ein erneuter Militärputsch. Diesmal kam der ehemalige Außenminister, ein Marineadmiral, an die Macht. Sein Name war Didier Ratsiraka.
Didier Ratsiraka übernahm 1975 zunächst als Führer des obersten Revolutionsrates die Macht. Doch noch im selben Jahr ließ er ein Referendum abhalten, das ihn mit 95 % der Stimmen als Staatspräsident bestätigte. Außerdem erhielt Madagaskar per Volksabstimmung eine neue Verfassung. Deren sozialistische Ausrichtung wurde um Einflüsse aus Nordkorea bereichert, mit dessen Diktator Kim Il-Sung der Präsident zeitweilig in telepathischem Kontakt stand, wie er einmal erwähnte. Ratsiraka brach alle Beziehungen zu Frankreich ab, ließ die meisten Industriebetriebe verstaatlichen und trat aus der französischen Währungsunion aus. Das Land geriet außenpolitisch immer mehr in die Isolation. Innenpolitisch sorgten wirtschaftliche Probleme für Spannungen. Der Ölpreis war enorm gestiegen, gleichzeitig waren die Weltmarktpreise für die wichtigsten Exportgüter Madagaskars – Vanille, Nelken, Kokos – drastisch gefallen.
Aus dieser Zeit stammt aber auch die vielleicht dauerhafteste Errungenschaft der Zweiten Republik: die Institutionalisierung des Fokonolona-Systems. In diesem vermischen sich die traditionellen Organisationsformen der Dorfgemeinschaft mit sozialistischen Elementen. Unter Ratsiraka wurde Madagaskar in über 11.000 Fokonolona aufgeteilt, die kleinste Einheit der Selbstverwaltung. Jedem Fokonolona steht ein Fokontany vor, der eine Art Bürgermeister oder Dorfältesten darstellt. Dieses System findet sich rudimentär noch heute in Madagaskar.
Die Wahlen 1977 gewann Ratsirakas Partei, die AREMA (Avantgarde de la Révolution Malgache), mit überwältigender Mehrheit. Allerdings standen außer ihr nur einige weitere Blockparteien zur Wahl, die unter dem Dach der FNDR (Front National pour la Défense de la Révolution) zusammengefasst waren. Auch 1982 konnte sich der Präsident durch Volkes Stimme bestätigt sehen. Doch die jahrelange Krise, noch verstärkt durch Sturmschäden, Seuchen und Epidemien, und die finanziell unhaltbare Lage, die durch den Abbruch wichtiger internationaler Wirtschaftsbeziehungen entstanden war, sorgten zunehmend für Unmut in der Bevölkerung. Hinzu kam die immer offenkundigere Weise, mit der sich Ratsiraka und seine Clique an den Schätzen des Landes bereicherten. Der Zorn darüber entlud sich oftmals gegen andere. 1986/87 kam es zum wiederholten Male zu gewalttätigen Übergriffen gegen Inder, Komorer und Pakistaner, die bezichtigt wurden, die wirtschaftliche Misere zur Bereicherung zu nutzen. Gerade diese Volksgruppen spielen im Wirtschaftsleben der Insel als Geschäftsleute und Hausbesitzer eine große Rolle.
Bei der Wahl im Jahr 1989 konnte sich die AREMA nur noch knapp gegen die erstarkende Opposition durchsetzen, es war sogar von Wahlmanipulation die Rede. Ratsiraka geriet immer mehr unter Druck. Schließlich akzeptierte er angesichts der Lage Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank und begann damit, das Land wirtschaftlich zu liberalisieren. Im Inneren hatte die Opposition immer mehr Zulauf bekommen und wieder einmal begannen Unruhen Madagaskar zu erschüttern.
Nach einem monatelangen Generalstreik kam es am 10. August 1991 zur bislang größten Demonstration, die Madagaskar je gesehen hat. Mehrere Hunderttausend Menschen waren dem Aufruf der Opposition gefolgt und demonstrierten für einen Machtwechsel. Die friedliche Veranstaltung endete aber in einem Blutbad. Die Garde des Präsidenten feuerte in die Menge, Hunderte starben. Dann warf ein Hubschrauber Handgranaten auf die Menschen ab. Daraufhin nahm der Druck auf Ratsiraka so stark zu – sogar Air Madagascar und die Flugbereitschaft verweigerten dem Präsidenten wegen des Missbrauchs des Helikopters den Gehorsam –, dass er über keine Handlungsspielräume mehr verfügte. Damit ging die Zweite Republik still und leise unter. Ratsiraka blieb formell für eine Übergangsfrist bis zum Jahr 1993 im Amt, jedoch ohne seine bisherigen Befugnisse. Er trat 1992/93 noch zur Präsidentenwahl an, nach seiner Wahlniederlage ging er aber nach Frankreich ins Exil, wo er sich scheinbar ruhig verhielt.
1993 wurde der Vorsitzende der bisherigen Übergangsregierung, der aus Ambilobe im Norden stammende Thoraxchirurg Albert Zafy, zum Staatspräsidenten der Dritten Republik. Die Unerfahrenheit auf politischem Terrain sowie die Tatsache, dass auch unter Zafy Korruption und Amtsmissbrauch an der Tagesordnung waren, sorgten jedoch rasch für Ernüchterung nach dem hoffnungsvollen Neuanfang. Die Enttäuschung gipfelte 1996 in einem Misstrauensvotum. In den darauf folgenden Neuwahlen stellte Albert Zafy sich erneut zur Wahl – und unterlag dem geschassten, aber mittlerweile aus dem Exil zurückgekehrten Ex-Präsidenten Ratsiraka. 16 Jahren Autokratie und Misswirtschaft zum Trotz gelang es diesem abermals, das Vertrauen des Volkes zu gewinnen.
Nachdem Ratsiraka 1998 ein Misstrauensvotum überstanden hatte, setzte er sogar eine Verfassungsänderung durch, die ihm noch mehr Macht zusprach. Statt eines sozialistischen Kurses wie in den 1970ern hatte er sich nun das Programm eines „ökologischen Humanismus“ auf die Fahnen geschrieben. Bald hatte Ratsiraka den Rückhalt in der Bevölkerung aber wieder verspielt. Nach den Wahlen 2001 kam es zu Unruhen: Die Regierungspartei verbuchte den Sieg zunächst für sich, die Opposition glaubte aber, beweisen zu können, dass die Wahl manipuliert worden war. Nach monatelangen bürgerkriegsähnlichen Zuständen übernahm der oppositionelle Spitzenkandidat Marc Ravalomanana Anfang 2002 in einer kühnen Aktion mit dem Rückhalt der Streitkräfte kurzerhand die Regierungsgewalt. 2006 wurden Ravalomanana und seine Partei Tiako I Madagasikara mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. Von nun an galt der Präsident international als echter Demokrat, was den Beziehungen und der Wirtschaft Madagaskars spürbar weitergeholfen hat.
Präsident Marc Ravalomanana (rechts)
Nach der Schließung eines regierungskritischen Fernsehsenders (dieser hatte ein Interview mit dem erneut nach Frankreich ins Exil gegangenen Ex-Präsidenten Ratsiraka ausgestrahlt) kam es 2008 zu mehreren Großdemonstrationen in der Hauptstadt Antananarivo
