Maddrax 671 - Ansgar Back - E-Book

Maddrax 671 E-Book

Ansgar Back

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Beschreibung

Matts und Aruulas Erinnerungen an Nuu'oleens sind nicht die besten. Vor siebenundzwanzig Jahren waren sie zuletzt dort, in einer Stadt, die durch Machtkämpfe, Wuduu und Drogen dem Untergang geweiht war. Nun finden sie sich in einer pulsierenden Metropole wieder - aber die alten Sünden scheinen immer noch nachzuwirken. Eine Mordserie, wie sie bizarrer kaum sein könnte, führte sie her: Attentäter, die sich spontan selbst entzünden!

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Seitenzahl: 149

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Gesandte des Feuers

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Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse, und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert.

In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Fliegerstaffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 versetzt wird. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn »Maddrax« nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler, der sich als lebende, schlafende Entität entpuppt – zur Erde gelangten und schuld sind an der veränderten Flora und Fauna und der Verdummung der Menschen. Nach langen Kämpfen mit den Daa'muren erwacht der Wandler, weist sein Dienervolk in die Schranken und zieht weiter. Mit zwei Daa'muren, die auf der Erde zurückblieben – Grao und Ira – haben sich Matt und Aruula sogar angefreundet.

Bei einem Abstecher zum Mars, auf dem sich eine Expedition aus dem Jahr 2010 zu einer blühenden Zivilisation entwickelt hat, erfährt Matt von der Spezies der Hydree, die vor 3,5 Milliarden Jahren hier lebten und mittels eines Zeitstrahls zur jungfräulichen Erde umzogen, als ihr Planet seine Atmosphäre und Ozeane verlor. Mit ihren Nachkommen, den telepathisch begabten Hydriten, die von den Menschen unentdeckt am Meeresgrund leben, hatte Matt schon Kontakt und nennt einen von ihnen, Quart'ol, einen guten Freund.

Diese »Tunnelfeldanlage«, die wie ein Transporter funktioniert, in dem die Zeit unendlich gedehnt werden kann, ist bis heute in Betrieb und verursachte auch den Zeitsprung von Matts Flugstaffel um 504 Jahre, als die den Strahl querte. Dabei legt der Strahl einen Tachyonenmantel um lebende Zellen, der den Altersprozess fünfzig Jahre lang drastisch verlangsamt.

Seither ist viel Zeit vergangen – wir schreiben inzwischen das Jahr 2554 –, und all die Erlebnisse unserer Helden an dieser Stelle zu schildern, wäre unmöglich. Es gibt sogar eine Erdkolonie in einem fernen Ringplanetensystem, zu dem allerdings der Kontakt abgebrochen ist. Ihre Freunde Tom, Xi und deren Tochter Xaana (die eigentlich Matts Kind ist) leben dort auf dem Mond Novis.

Nicht nur einmal haben Matthew Drax und Aruula die Erde vor dem Verderben gerettet und mächtige Feinde bekämpft – zuletzt die vampirhaften Nosfera, die die WCA (World Council Agency, kurz: Weltrat) übernehmen wollten. Auf diese Organisation traf Matt schon früh. Momentan steht ihr General Aran Kormak vor, ein in der Vergangenheit eher zwielichtiger Charakter, der sich aber gewandelt und großes Interesse zu haben scheint, Meeraka (ehem. USA) und danach andere Länder friedlich zu einen.

Auch um Kormak weiterhin im Auge zu halten, geht Matt auf seinen Vorschlag ein, zusammen mit Aruula im Auftrag des Weltrats eine schnelle Eingreiftruppe zu bilden und für ein Bündnis unter dem Dach der WCA zu werben.

Dies sind ihre Abenteuer...

Weitere Informationen und Hintergründe zur Serie findet ihr unter https://de.maddraxikon.com im Internet!

Gesandte des Feuers

von Ansgar Back

Im Halbdunkel seines Wohnzimmers starrte Lord Maldini durch das Glas der Terrassentür. Ein Gefühl erfüllte ihn, das so alt war wie die Menschheit selbst. Ein Gefühl, das er aufgrund seiner Skrupellosigkeit lange nicht mehr verspürt hatte.

Angst. Nackte, erbärmliche Angst.

Sie füllte seinen Körper aus, nagte in seiner Brust wie mit Zähnen und Klauen und ließ ihn am ganzen Leib erzittern.

Maldini schluckte hart. Seine Kehle war wie ausgedörrt, Schweiß perlte auf seiner Stirn.

Sie umarmen ihre Feinde.

Er hatte diese Flüsterparole bei seinem gestrigen Besuch in der Stadt aufgeschnappt. Maldini wusste nicht genau, was sie bedeutete, aber eines wusste er:

Sie brachte den Tod.

Unter Lord Maldini lag Nuu'oleens. In der Nacht wirkte die Stadt wie eine funkelnde Landkarte. Hier oben in den Hügeln lebten die Betuchteren, während in den tieferliegenden Gebieten die Mittellosen hausten.

Das Glas der Terrassentür reflektierte die Lichter der Stadt und ließ einzelne Schemen über die Scheibe zucken. Im Zimmer sorgte eine kleine Öllampe für etwas Licht.

Maldini wohnte in einer prunkvollen Villa, aber dort unten pulsierte das Leben. Aus der einstigen Ruinenstadt war ein kleiner Schmelztiegel geworden. Dort wurde getanzt, gelacht und gefeiert, vor allem in der Boorbon Street, der Straße der tausend Verlockungen, wie die Einheimischen sie nannten.

Dem Lord war nicht nach Feiern zumute, und das Lachen blieb ihm schon seit Tagen im Halse stecken.

Einige seiner engsten Freunde waren auf grausame Weise ums Leben gekommen – bei lebendigem Leibe verbrannt.

Eine Erklärung dafür gab es nicht. Und merkwürdig – gemeinsam mit ihnen waren andere Menschen auf dieselbe Art gestorben. Bei Lord Cameron war es sein Kammerdiener gewesen, zwei Tage später bei Baron Samesi dessen eigener Leibwächter.

Einfache Bedienstete nur, ohne jede Bedeutung – und doch ...

Maldini wurde seitdem den Gedanken nicht los, dass es sich um Mord handelte. Geplanten, eiskalten Mord, auf besonders heimtückische Weise.

An Zufall glaubte er nicht.

In der Stadt wurde natürlich gemunkelt und getuschelt. Einige sprachen sogar von Selbstentzündung. Bei allen Göttern! Wie sollte etwas Derartiges funktionieren?

Nein, das Ganze hatte etwas mit den Machenschaften von ihm und seinesgleichen zu tun, dessen war Maldini sicher.

Sie umarmen ihre Feinde.

Was in aller Welt bedeutete das? Es brachte den Tod, so viel war inzwischen gewiss.

Maldini öffnete die Terrassentür. Eine nächtliche Brise bewegte die Baumkronen. Sie strich heran, kühlte den Schweiß auf seiner Stirn.

Blätter und Zweige bewegten sich in der Brise, raschelten in der Dunkelheit. Der Duft des nahen Meeres wehte in Maldinis Nase.

In der Ferne glaubte er Trommeln zu hören.

Wuduu!

Unten, tief im Dickicht der Mangrovenwälder, sah man hin und wieder kleine Lagerfeuer; Gruppen von Eingeborenen, die dort zusammentrafen und ihre Rituale abhielten, scheußliche Tänze und Anbetungen von Geistern und toten Göttern. Sie tranken Hühnerblut und kopulierten miteinander auf sündhafteste Weise. So hieß es jedenfalls.

Eine Gänsehaut zog sich über Maldinis Rücken. Von jeher hatte er gegenüber der Wuduu-Kultur Furcht und Abscheu zugleich empfunden. Er hatte diese Gefühle lange erfolgreich verdrängt, doch nun kehrte die Angst zurück und traf ihn wie mit einem Hammer.

Jäh erstarrte der Lord. Hatte er da nicht ein Geräusch gehört? Eines, das nicht hierher passte? Er lauschte in die Nacht.

Ein Scharren, direkt hinter ihm!

Er fuhr herum. Der orangegelbe Schein der Öllampe füllte nur einen kleinen Teil des Zimmers aus, der Rest lag in diffusem Halbdunkel.

Die Möbel standen steif und unverrückt. Nichts war in Bewegung, niemand war zu sehen.

Und doch ...

Maldini tat einen Schritt ins Zimmer. Seine Augen verengten sich, starrten angestrengt ins Halbdunkel. Er lauschte in den Raum, wartete förmlich auf ein weiteres Geräusch. Auf das Knarren einer Holzdiele, eine wispernde Stimme, irgendetwas.

Der Lord atmete schwer. Sein Oberkörper hob und senkte sich. Wie beiläufig fuhren die Finger über seine Stirn, wischten frischen Schweiß ab und jagten ihm einen weiteren Schauer über den Rücken.

Die edlen Wandteppiche kamen ihm jetzt unheimlich vor. Sie wirkten, als hätten sie ein Eigenleben, als wären sie gewaltige Schwingen, die jeden Moment zum Leben erwachen konnten.

Aber Stoff lebte nicht. Maldini wusste, dass er einer Einbildung erlag.

Dennoch verstärkte sich seine Furcht sekündlich mehr. Sein Blick wurde zu den Bildern hingezogen, die zwischen den Teppichen an der Wand hingen. Gesichter waren darauf zu sehen, die früheren Besitzer der Villa.

Einer davon war Baron Gaa'nar. Sein Gesicht ähnelte dem von Papa Anastaa, dem ehemaligen Wuduu-König von Nuu'oleens. Maldini hatte sich nie getraut, das Gemälde abzunehmen; zu groß war seine Furcht vor dem Geist Anastaas.

Gaa'nars Blick schien ihm zu folgen, als er einen weiteren Schritt ins Zimmer machte. Dazu kam das diffuse Licht. Wenn der flackernde Schein über Gaa'nars Gesicht strich, war es, als würden sich seine Lippen zu einem höhnischen Grinsen verziehen.

Neben dem Gemälde hing ein Seil mit einem Glöckchen. Wenn der Lord daran zog, war das ein Signal für seinen Diener Barka. Sollte er ihn rufen?

Maldini entschied sich dagegen. Barka war erst seit zwei Wochen bei ihm angestellt. Er hatte ausgezeichnete Referenzen, und der Lord wollte vor dem Mann nicht als Feigling dastehen.

Er zog den Bademantel enger und nahm sich vor, diese unsinnige Angst zu vertreiben. Wenn es sein musste, mit einem nächtlichen Ausflug in die Stadt. Dort unten, unter Huren und Pöbel, konnte er seine Sorgen für ein paar Stunden vergessen.

Er ging zum Kleiderschrank – und wieder schoss die Angst in ihm hoch. Neben dem Schrank standen die blechernen Rüstungen zweier Krieger. Sie stammten aus den Kleinkriegen, die vor seiner Zeit in der Gegend um Nuu'oleens stattgefunden hatten. Sie waren selbstredend leer und standen da wie stumme Wächter.

Maldini schreckte dennoch zurück.

Die Visiere waren nach unten geklappt und ließen nur die Sehschlitze frei. Für einen Moment durchzuckte den Lord der Verdacht, jemand könnte sich darin versteckt halten.

Unsinn!

Und doch – ein Mann in seiner Position musste immer mit einem Anschlag rechnen. Auch wenn das Anwesen gut bewacht war.

Wieder drang ein Geräusch an seine Ohren.

Maldini hielt den Atem an. Lauschte, konzentrierte sich.

Ein Scharren. Vorsichtig, leise, unterdrückt.

Ein leises Quietschen folgte.

Jetzt sah er es!

Die Zimmertür öffnete sich. Unendlich langsam schwang sie auf.

Wieder spürte er sein Herz hämmern, und es steigerte sich noch, als ein Mann den Raum betrat. Der Schein der Lampe erreichte nur die Beine des Mannes; der Oberkörper lag im Dunkeln.

Doch Maldini wusste, wer da kam. Er erkannte den Mann an der Kleidung.

»Barka!«, sagte er, um eine feste Stimme bemüht. »Was wollen Sie? Ich habe Sie nicht gerufen.«

Der Diener verharrte im Türrahmen. Wie angenagelt stand er auf der Schwelle.

»Barka!«, rief der Lord noch einmal. »Erklären Sie sich!«

Der Mann schob sich ins Zimmer, in den Lichtkreis der Öllampe. Aber wie sah er aus! Beide Zahnreihen lagen frei, er fletschte die Zähne krampfartig. Die Oberlippe war nach außen gestülpt, die Pupillen in den weißen Augäpfeln nur noch winzige Punkte.

Maldini schrie auf und wich zurück.

Barka stieß einen kehligen Laut aus. Speichel tropfte über seine Lippen. Die Mimik war hasserfüllt, seine Körpersprache zeigte ein deutliches Ziel – Gewalt!

Der Lord stieß gegen einen der Sessel, als Barka ohne Vorwarnung einen gewaltigen Satz auf ihn zu machte! Er wollte ausweichen und auf die Terrasse flüchten, schaffte es aber nicht.

Barka packte ihn am Arm und zog ihn an sich. Der Lord schrie erneut, als sein Diener ihn umklammerte. Er wand sich unter Barkas Griff, doch er hatte keine Chance. Mit stählerner Umklammerung drückte Barka ihn gegen die Wand.

»Barka!«, schrie Maldini. »Was tun Sie da? Lassen Sie mich los!«

Ein Knacken und Fauchen drang an die Ohren des Lords. Unvermittelt verspürte Maldini ein sengendes Gefühl an seinem Bauch. Etwas wurde ... heiß.

Explosionsartig schoss eine Stichflamme in die Höhe! Sie schien aus Barkas Körper zu kommen, aber wie war das möglich?

Maldini wehrte sich nach Kräften, doch immer mehr Flammen schossen aus dem Diener hervor. Sie wanden sich an Maldinis Armen empor, zuckten an seinen Beinen entlang und über seinen Oberkörper.

Maldini brüllte auf, wollte die Flammen ausschlagen, aber Barka hielt ihn eisern fest, und das Feuer breitete sich rasend schnell auf ihnen beiden aus.

Im Nu standen er und Barka lichterloh in Flammen! Maldinis ganzer Körper bestand nur noch aus heißem Schmerz. Er schrie sich die Seele aus dem Leib, wankte rückwärts mit Barka durchs Zimmer. Das Feuer hüllte sie ein, ließ sie als lebende Fackeln umhertaumeln.

Dann endete Maldinis Schreien. Ungelenk fiel er mit Barka zur Seite, und sie schlugen auf den Boden, fest umklammert und eingehüllt in eine orangegelbe Flammenwand.

Dann ging ein letztes Beben durch den Leib des Barons. Der Schmerz endete, und er stürzte in die ewige Schwärze ...

PROTO walzte über schlammigen Grund. Vor Matt und Aruula lag unwegsames Gelände. Der Amphibienpanzer überfuhr kleinere Hügel und pflügte dann durch ein Feld aus Morast. Bald war nicht mehr auszumachen, wo ein Weg war und wo der Wasserlauf verlief. Seit Tagen waren sie nun schon unterwegs.

»Bist du sicher, dass die Richtung noch stimmt?«, fragte Aruula.

Matt nickte. »Die Bordinstrumente zeigen das Ziel korrekt an. Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht irgendwo hängenbleiben. So stabil und mächtig PROTO auch ist – das Gelände vor uns wird immer unwegsamer.«

»Was zeigen die Instrumente denn an?« Interessiert beugte die Kriegerin sich vor.

»Dschungelartiges Gelände und Mangrovenwälder. Dazu Hügel und Senken und jede Menge Wasser. Wenn ich die Daten richtig deute, sind auch tiefe Erdlöcher zu erwarten. Der Boden hier ist alles andere als hart.«

»Und die Luft entsprechend schwül.«

Was Matt bejahte. Glücklicherweise verfügte der Amphibienpanzer über eine Klimaanlage.

»Diese Gegend nannte man früher Bayou Savage«, dozierte er. »Ein ehemaliges Naturschutzgebiet mit brackigen Sümpfen. Bis Nuu'oleens ist es nicht mehr weit.«

»Nuu'oleens ...«, murmelte Aruula. »Wann waren wir das letzte Mal hier?«

»Das ist schon eine Weile her.«

»Eine ganze Weile.«

Matt nickte knapp. Ihr letzter Besuch in dieser Gegend lag siebenundzwanzig Jahre zurück. Ohne den Tachyonenmantel, der unsichtbar um ihre Körper herum lag und sie extrem langsam altern ließ, wären sie jetzt schon um die sechzig gewesen – zumindest optisch.

Nun führte sie ein neuer Auftrag hierher. Ein Auftrag, der ebenso rätselhaft wie gefährlich schien. Mehrere Mitglieder des hiesigen Stadtrats waren buchstäblich in Flammen aufgegangen, mitsamt einiger ihrer Bediensteten. Teilweise waren die Gebäude komplett ausgebrannt.

Ein hochrangiger Colonel hatte auf seiner Reise Wind von der Sache bekommen und in Waashton Bericht erstattet. Anfangs tat man es mit Aberglauben und Gerüchten ab. Dann aber wurden weitere Fälle bekannt.

Es kam, wie es kommen musste: Nach einer ausgiebigen Sitzung schickte General Kormak Matt und Aruula mit dem Auftrag los, diese Fälle zu untersuchen. Er hatte ihnen alle nötigen Informationen mitgegeben: Namen, Gesichter, Aufenthaltsorte. Und nun waren sie hier, in einem Gebiet voller Morast, Wasser und Stechmücken.

Es ging um angebliche Selbstentzündungen. Menschen, die aus sich selbst heraus verbrannten! Matthews Meinung nach ein Ding der Unmöglichkeit. Andererseits hatten Aruula und er schon die wildesten Dinge erlebt. Die Welt war seit »Christopher-Floyd« nun mal nicht mehr dieselbe.

Dennoch wollte Matt nicht daran glauben. Es musste etwas anderes dahinterstecken.

PROTOs Räder begannen zu holpern, dann schlingerte der Panzer. Matt fluchte.

»Was ist?«, fragte Aruula besorgt.

Er überprüfte die Sensoren. »Wasser!«, sagte er. »Und zwar verdammt viel davon!«

Wellen spülten vor ihnen über den Weg, und es wurden augenblicklich mehr. Die Richtung stimmte noch, aber offenbar war unweit vor ihnen ein Fluss über die Ufer getreten.

Der Mississippi!, dachte Matt. In den alten Zeiten hatte dieser gewaltige Fluss durch regelmäßige Überschwemmungen fruchtbares Schwemmland geschaffen. Nicht einmal die Kometenkatastrophe hatte ihm diese Angewohnheit austreiben können.

PROTO kam endgültig ins Rutschen! Matt steuerte gegen, und die Räder griffen wieder. Offenbar waren sie tatsächlich in einen Ausläufer des großen, ungebändigten Flusses geraten. Es würde ihm nichts anderes übrigbleiben, als den Strahlantrieb zu aktivieren.

Die Strömung wurde stärker. PROTO hob sich, Wasser floss über das Cockpitfenster, und der Panzer wurde von der Flut mitgerissen.

Matt reagierte sofort und schaltete auf Amphibien-Betrieb um. Mit dem Wasserstrahlantrieb gelang es ihm, den Panzer durch die Stromschnellen zu lavieren. Hinter PROTO blubberten Myriaden von Luftblasen hoch und zerplatzten. Rechts und links türmten sich mit Mangroven gespickte Hänge. An eine Abfahrt war noch nicht zu denken.

Aruulas Blick wechselte zwischen den Bordinstrumenten und der Gegend draußen hin und her. Sie wirkte besorgt und angespannt, schwieg aber.

Matt hielt die Konzentration hoch. Sie trieben in einer gewaltigen, kilometerlangen Wasserschneise, die hier und da mit Felsen gespickt war. Matthew umkurvte sie souverän, blieb aber dennoch auf der Hut.

Die Schneise wurde vom Mississippi gespeist, so viel war sicher. Kürzlich musste ein Unwetter stattgefunden haben. Der Fluss war über die Ufer getreten und hatte aus dieser riesigen Senke einen Wasserkanal geschaffen.

Sobald Matt eine seichte Stelle finden würde, wollte er die Schneise verlassen und nach einem anderen Weg suchen.

Der Amphibienpanzer schrammte einen Felsen, doch die Hülle aus superverdichteter Kunststoff-Metall-Legierung bot ausreichend Schutz. Matt überprüfte den Antrieb und konzentrierte sich wieder auf die Lenkung. PROTO schlingerte weiter durch die Wasserschneise; die Steilufer nahmen kein Ende.

Matthew fluchte.

Bleib cool, Junge. Es hilft nicht, wenn du hektisch wirst.

Bald wurde der Strom ruhiger. Matt bemühte den Navigationscomputer, trank einen Schluck Kafi aus einer Thermoskanne und reichte sie an Aruula weiter. Auch sie nahm einen Schluck. »Was hältst du von der Sache?«, fragte sie, als sie die Kanne in der Halterung verstaute.

»Du meinst unseren Auftrag?«

»Ay.«

»Ich weiß nicht recht, wenn ich ehrlich sein soll.«

»Selbstentzündung!« Aruula verdrehte die Augen. »Bei allen Göttern! Wie soll das funktionieren?«

Matt zog einen Mundwinkel hoch. »Gute Frage. Es gibt durchaus Stoffe, die sich bei Kontakt mit Luftsauerstoff spontan entzünden können. Magnesiumpulver oder weißer Phosphor, zum Beispiel. Durch eigene Isolationsentwicklung kann das auch bei einer größeren Menge eines Abfallgemischs passieren, indem es sich von innen heraus stark erwärmt.«

»Du wirst doch die verblichenen Mitglieder des Stadtrats nicht als Abfall bezeichnen, oder?«, feixte die Kriegerin.

Matt lächelte gallig. »Nein, natürlich nicht.«

»Was glaubst du dann, was uns hier erwartet?«

»Schwer zu sagen. Vielleicht hielten sich die Opfer in der Nähe von reinem Sauerstoff auf.«

Blieb die Frage nach der Zündquelle. Ein Feuer brauchte drei Dinge, um entstehen zu können: Brennmaterial, Sauerstoff – und eine Zündquelle.

Aruula zog geräuschvoll die Nase hoch. »Etwas muss die Leute aber angezündet haben. Oder glaubst du allen Ernstes, dass die von allein Feuer fingen?«

»Kann ich mir kaum vorstellen. Der menschliche Körper besteht zum größten Teil aus Wasser. Außer Methan und Fett enthält er keine brennbaren Bestandteile. In allen Berichten, die mir über angebliche Selbstentzündung in Erinnerung sind, war eine Feuerquelle in der Nähe. Allerdings ...«

»Ja?«

»Mein Bauchgefühl sagt mir etwas anderes.«

Das war die Wahrheit. Schon seit der Abfahrt hatte Matt eine kalte Unruhe befallen. Dazu kam dieses Gefühl, als läge etwas in der Luft, das bar jeglicher Logik war.

Aruula ging es ähnlich, wie sie ihm sogleich bestätigte. »Menschen brennen nicht von selbst«, sagte sie. »Irgendetwas Schreckliches lauert da draußen, Maddrax. Wir werden uns höllisch vorsehen müssen.«