Maddrax - Folge 453 - Madeleine Puljic - E-Book

Maddrax - Folge 453 E-Book

Madeleine Puljic

4,8
1,49 €

Beschreibung

Der nächste Funkruf führt Matt, Xij und Tom in die Türkei, wo sich eine Techno-Enklave bis heute behauptet hat - nicht zuletzt wegen ihres charismatischen Anführers, der den Stützpunkt in der von Barbaren und Siragippen belagerten Stadt Izmir mit harter Hand führt. Matthew ist angenehm überrascht, einen fähigen Soldaten zu treffen, mit dem er sich austauschen kann - doch in Izmir ist nicht alles so, wie der erste Schein denken lässt. Und schon bald steht Matt vor einer schweren Entscheidung ...

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EPUB

Seitenzahl: 150

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Inhalt

Cover

Impressum

Hilfreiche Links

Was bisher geschah …

Mit harter Hand

Leserseite

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Lektorat: Michael Schönenbröcher

Titelbild: Néstor Taylor/Bassols

Autorein: Madeleine Puljic und Oliver Fröhlich

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-4704-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

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Serie

Covermaler/in

Autor/in

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer – die Erde. Ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, „Maddrax“ genannt, dessen Staffel ins Jahr 2516 versetzt wird. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn fremde Erde. Bis sie durch ein Wurmloch, das sich im Forschungszentrum CERN auftut, auf einen von zwanzig Trabanten um einen Ringplaneten versetzt werden, während der Mond auf die Erde zu stürzen droht.

Auf dem Ringplaneten herrschen die Initiatoren, auch „Friedenswahrer“ genannt, die Spezies aus allen Teilen der Galaxis durch das Wurmloch entführen, um sie Tests zu unterziehen. Matt und Aruula können ihnen jedoch entkommen, und sie reisen von Mond zu Mond, um ihre Gefährtin Xaana zu finden, die schon Monate zuvor durch das Wurmloch ging. So wie auch ihr Erzfeind Professor Dr. Smythe, der sich aber in seinem Machthunger mit einer Rettungskapsel ins All katapultiert.

Mit der Hilfe ihrer neuen Gefährten Mi-Ruut und Kra’rarr finden sie Xaana auf dem Dschungelmond Botan. Doch dessen Natur ist krank! Der Geist Botans versucht die beiden zu assimilieren. Als sich die Krankheit über ganz Botan ausbreitet, setzen die Initiatoren in ihrer Not die gottgleiche Rasse der Saven ein. Die heilen Botan und werden von dem Naturgeist vereinnahmt. Schließlich bekommen die Gefährten die Gelegenheit, die Initiatoren auf dem Mond Messis zu treffen, wo eine Delegation aus drei Avataren – Roboter, in die die Geister der Friedenswahrer schlüpfen können – sie erwartet. Diese werden jedoch von den Kontras, einer Guerillagruppe innerhalb der Initiatoren, von der Leitstelle getrennt. Die Gefährten flüchten, während ein Kontra einen der Avatare kapert und ihnen folgt, um sie über die wahren Pläne seines Volkes zu unterrichten. Kurz bevor er die Menschen erreicht, stoppen ihn drei Initiatoren, die körperlich nach Messis kamen und nun die Verfolgung fortsetzen, später aber ebenfalls umkommen und so nicht verhindern können, dass die drei Menschen auf das dunkle Geheimnis der Initiatoren stoßen. Sie beobachten, wie man entführten Messisanern die Köpfe abtrennt! Aber dann werden sie entdeckt – und ihrer Erinnerungen der letzten Wochen beraubt! So können ihnen die Initiatoren eine Offerte unterbreiten: einen Teil der Menschheit auf den Mond Novis umzusiedeln und so vor der Vernichtung zu bewahren. In Wahrheit sollen sie jedoch die Messisaner ersetzen.

Während Aruula und Xaana auf Novis bleiben, reisen Matt und der Initiator Hordelab zur Erde. Um Kontakt zu Techno-Enklaven aufzunehmen, lassen die Wissenschaftler im Hort des Wissens einen Funksatelliten aufsteigen und empfangen erste Funkrufe. Matt, Xij und Tom machen sich mit dem Amphibienpanzer PROTO auf den Weg, während Hordelab nach Agartha springt, um die Transport-Plattform für das Wurmloch in Augenschein zu nehmen – und dort festgesetzt wird.

Mit harter Hand

von Madeleine Puljic und Oliver Fröhlich

Vasraa betrachtete den Warzenkäfer, der durch den Staub auf der Mauer krabbelte. Das Insekt hielt auf einen kleinen Spalt im Beton zu. Sein grün schimmernder Panzer glänzte im Sonnenlicht wie ein Smaragd. Entzückend. Vasraa hob den Fuß und zertrat den Käfer. Dann erklomm sie die Mauer ihres Aussichtspostens.

Es gab Unruhen. Von ihrem erhöhten Standort konnte sie die Bewegungen in den Straßen sehen. Aber im äußeren Ring war alles ruhig, und das war das Wichtigste.

Ihr Blick wanderte weiter, hinab zur Bucht. Auch dort war nichts Ungewöhnliches zu erkennen, bis auf … Vasraa stutzte. Sie griff nach ihrem Binokular und richtete es auf das Wasser.

Ein Boot! In der Bucht war ein kastenförmiges Boot aufgetaucht – und es bewegte sich auf die Stadt zu!

„Vorsicht!“, warnte Xij.

Da prallte der Amphibienpanzer auch schon mit der Schnauze voran an den aus dem Wasser ragenden Felsen, den das Radar angekündigt hatte. Ein kleiner Ruck und PROTOs vordere Räder schoben sich über den Brocken. Der Panzer hob sich aus dem Wasser, rumpelte über den Felsen hinweg und platschte auf der anderen Seite wieder ins Meer.

„Danke für die Warnung“, grummelte Matt, der sich im Augenblick das Cockpit mit ihr teilte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rieb er sich den Ellbogen, den er sich angestoßen hatte.

Xij bedachte ihn mit einem mahnenden Seitenblick, ehe sie wieder nach vorn sah. Sie mochte Matt. Und sie liebte Tom. Aber im Augenblick waren die beiden Männer einfach nicht zu ertragen.

Seit drei Tagen gondelten sie durch das Ägäische Meer, von Athen nach Tuurk. Der Weg über das Wasser war zwar direkter, er machte PROTO jedoch auch langsam. Und tagelang zu dritt in einem fünfzehn Meter langen Panzer eingepfercht zu sein, mit wenig Möglichkeiten für Privatsphäre und ohne Landgang, zehrte an den Nerven ihrer Begleiter.

Klar, auch an denen von Xij. Aber sie besaß wenigstens den Anstand, das für sich zu behalten.

In einem ihrer früheren Leben war sie mit Christoph Kolumbus gesegelt. Sie kannte enge Kombüsen, ungewaschene Seeleute und vergammeltes Essen. Dass die Stimmung damals nicht die allerbeste gewesen war, konnte sie verstehen. Aber in PROTO, der im Vergleich dazu eine Luxusreise bot … Nun ja. Männer!

„Die Verschiebung der Kontinentalplatten hat sich auch hier ausgewirkt“, erklärte sie möglichst ruhig. „Der Seeboden ist aufgebrochen. Je mehr wir uns der Küste nähern, desto deutlicher bekommen wir das zu spüren.“

„Schon gut.“ Matt sah ebenfalls nach draußen. „Ich bin einfach froh, wenn wir wieder etwas anderes als Wasser sehen. Wie weit ist es noch?“

Sie prüfte die Anzeige. „Fünf Kilometer bis zur Küste. Die Koordinaten, die uns der Hort des Wissens übermittelt hat, liegen nicht weit landeinwärts.“

Matt tippte auf der Konsole herum. Er blendete das Radar aus und holte stattdessen das elektronische Kartenmaterial auf den Schirm. Es stammte zwar noch aus der Zeit vor „Christopher-Floyd“, war also über fünfhundert Jahre und einen Weltuntergang alt, half aber dennoch dabei, sich zu orientieren. Auf dem Monitor erschien ein grauer Fleck zwischen blauem Wasser und brauner Ödnis, der rasch Konturen annahm.

„Sieht aus wie eine Stadt“, sagte er. „Könnte früher Izmir gewesen sein. Na, das passt doch.“

„Hohe Türme, Hügel in der Mitte?“

Verwirrt sah Matt auf. „Keine Ahnung, das zeigt die Karte nicht.“

Xij zwinkerte ihm zu. „Nein. Aber das Fenster. Land in Sicht!“

Vor ihnen erhob sich ein sandiger Küstenstrich aus dem Meer. Die Stadt, die darauf erbaut war, musste einmal mehrere Millionen Einwohner beherbergt haben. Vor langer Zeit.

Vorsichtig steuerte Xij den Panzer in die Hafenbucht von Izmir. Wie sie befürchtet hatte, war der Weg noch unebener. Riffe und Untiefen machten das Vorankommen unbequem und langwierig. Teilweise ragten die ins Meer gestürzten Felsbrocken aus dem Wasser, meist lauerten sie jedoch so knapp unter der Oberfläche, dass Xij nichts anderes übrig blieb, als darüber hinwegzurollen.

„Soll ich …“, bot Matthew an.

„Nein!“

Als sie PROTO endlich den breiten Landungssteg hinauflenkte, schmerzten ihre Arme von der verkrampften Haltung, mit der sie die Steuerung umklammerte. Sie stoppte den Panzer, ließ die Schultern kreisen und ignorierte das leise Knacken, das dabei ertönte.

„Und jetzt?“, fragte sie.

Der Hafen lag verlassen da, aber das überraschte nicht sonderlich. Tuurk, die damalige Türkei, musste von der Wucht des Tsunami weitgehend verschont geblieben sein, trotzdem schien ein Ausläufer davon auch Izmir getroffen zu haben. An Land gespülte Trümmer und Schlamm bedeckten die umliegenden Straßen. Einige Wege waren von eingestürzten Gebäuden blockiert, hie und da klaffte ein tiefer Spalt im Boden.

Nicht sonderlich einladend, aber wo war es das im Augenblick schon?

„Versuchen wir es dort.“ Matt deutete auf eine breite Esplanade, die schnurgerade in die Stadt hineinführte.

„Einverstanden.“ Die Koordinaten des vom Hort aufgefangenen Funkspruchs lagen weiter im Stadtinneren, irgendwo dort musste es also Menschen geben.

PROTO rollte wieder los.

Hinter Xij fuhr mit einem leisen Zischen die Verbindungstür des Cockpits auf. Gleich darauf spürte sie den sanften Druck von Toms Hand auf der Schulter.

„Wie sieht es aus?“, fragte er.

„Könnte schlimmer sein“, antwortete Xij. Sie steuerte PROTO um einen Schutthaufen herum. „Aber gut ist was anderes.“

Direkt vor ihnen war eine ganze Häuserzeile eingestürzt und blockierte die Straße. Der Schuttberg ragte etwa zwei Stockwerke hoch auf.

„Soll ich drüber weg?“, fragte sie.

Matt schüttelte den Kopf. „Besser nicht. Zu steil für den Panzer. Außerdem würde der Schutt unter uns wegrutschen.“

Xij drehte ab und bog in eine Seitengasse ein. Hier bedeckte der Schutt als gleichmäßige Rumpelpiste den Boden. Immer wieder musste sie größeren Geröllhaufen ausweichen. In unregelmäßigem Zickzackkurs näherten sie sich den Zielkoordinaten. Der direkte Weg blieb ihnen leider versperrt, da die Straßen und Gassen oft zu eng waren, um dem sechseinhalb Meter breiten Amphibienpanzer Platz zu bieten.

Weiterhin fehlte jede Spur von denen, die das Signal ausgestrahlt hatten.

„Sollte inzwischen nicht jemand auf uns aufmerksam geworden sein?“, fragte Xij. Der Panzer war ja nicht gerade unauffällig!

Tom schien ähnliche Gedanken zu hegen. „Der Hort meinte, es könnte sich um ein automatisches Signal handeln“, sagte er. „Vielleicht haben die Urheber die Stadt längst verlassen.“

„Vor Kurzem war hier noch jemand“, wandte Matt ein. Er deutete nach links.

Xij folgte seinem Blick und schauderte. Ein dunkelbrauner Fleck färbte den Staub in der Mitte der Straße. Hier war Blut geflossen, und zwar eine ganze Menge. Vor nicht allzu langer Zeit war jemand an dieser Stelle gestorben.

PROTO rollte darüber hinweg.

Nach einer Weile sagte Tom: „Ich sehe keine Leichen.“

Matt nickte. „Jemand muss sie bestattet oder weggeschafft haben.“

„Möglich. Es erklärt trotzdem nicht, warum es hier so ruhig ist.“ Kaum hatte Tom den Satz beendet, blinkte eine Anzeige auf. Die Sensoren des Panzers registrierten Bewegung vor ihnen.

„Na also.“ Matt grinste.

Xij konzentrierte sich auf den Bildschirm. Die Wärmequelle befand sich gut dreißig Meter vor ihnen. Wer auch immer dort auf sie wartete, verbarg sich offenbar hinter dem nächsten Schutthaufen. Aber warum? Jagte ihre Ankunft den Stadtbewohnern Angst ein? Kaum anzunehmen bei einer technisch versierten Enklave.

Dann blinkte die Anzeige erneut auf, lieferte ein detaillierteres Bild – und Xij erkannte ihren Irrtum.

Die Bewegung stammte nicht von jemandem hinter dem Schuttberg, sondern aus dem Steinhaufen selbst! Und es waren ganz bestimmt keine ängstlichen Stadtbewohner. Jedenfalls keine menschlichen.

Unter dem Geröll schoben sich acht dürre, behaarte, schwarz glänzende Beine hervor.

Matt musste nicht abwarten, bis das Vieh den Rest seines hässlichen Körpers aus dem Schutthaufen gegraben hatte. Er wusste genau, was es war. „Eine Siragippe!“

Die riesige Spinne schüttelte Staub und die letzten Trümmer von ihrem haarigen Leib. Der Kopf zuckte aufgeregt hin und her und wandte sich schließlich in Richtung des Panzers. Sie nahm die Witterung auf, klackte gierig mit den Mandibeln und stelzte auf PROTO zu.

Ohne lange nachzudenken, fuhr Matt die Waffenphalanx aus, aktivierte den Laser und feuerte. Die Siragippe zerplatzte.

„Ich hasse diese Viecher“, brummte er. Halbintelligente Spinnen von der Größe eines Kleinwagens und nur dafür gut, zu töten und zu fressen. Und gelegentlich hässliche Flecken auf dem Boden zu hinterlassen.

„Ist das so?“ Tom räusperte sich. „Dann habe ich schlechte Nachrichten für dich.“

Rundherum erbebten weitere Schutthaufen. Mauerstücke und Steinbrocken kullerten zu Boden und eine Siragippe nach der anderen grub sich ins Freie. Sie krabbelten über Geröllhalden und Fassaden, zwängten sich aus Fenster- und Türöffnungen.

„Verdammt, das ist ein ganzes Nest!“

Erneut aktivierte Matt den Laser. Doch schnell wurde ihm klar, dass es zu viele Tiere waren, um ihnen mit einem Geschütz beizukommen. Sie umzingelten den Panzer immer enger. Zu eng, um sie noch mit der Laserkanone zu erreichen.

PROTOs linke Seite ruckte nach unten, als die ersten Siragippen das Gefährt erklommen. Sie krochen über die Hülle und suchten einen Weg hinein. Die Außenkameras zeigten Bilder von wimmelnden Spinnenkörpern. Ätzender Geifer traf das Panzerglas der Frontscheiben und rann als schmieriger Schleim daran hinab.

„Sie kommen hier nicht rein“, beruhigte Matt seine Mitfahrer. „Irgendwann geben sie schon auf.“

Als wäre dies ein Stichwort gewesen, meldete sich das Sensorsystem zu Wort.

„Luftfilter überprüfen“, las Matt. „Umschalten auf interne Sauerstoffversorgung.“

„So ein Mist“, fluchte Tom. „Sie verstopfen die Luftansaugrohre!“

„Das haben wir gleich.“ Matt drückte auf den Knopf, der die Außenhülle unter Strom setzte. Einen Moment später war das typische Knistern zu hören.

Nicht aber das Geräusch wütend schreiender oder herabfallender Spinnen. Die Siragippen erwiesen sich unempfindlich gegen Stromstöße!

„Verflucht!“, stieß Matt hervor. „Ihre Chitinklauen scheinen isolierend zu wirken.“ Er sah zu Xij. „Fahr los!“

„Aber ich kann kaum was sehen!“, antwortete sie und wies auf die verschmierten Scheiben.

„Du verpasst auch nichts. Fahr einfach!“

Es dauerte einen Moment, bis sich PROTO unter dem Ansturm der Siragippen in Bewegung setzte. Dann trafen die Räder auf die ersten Spinnenkörper. Der Panzer stockte, hob sich einen halben Meter in die Luft – und sackte dann abrupt herab, als Chitinpanzer unter den Reifen zerbrachen.

Hässliche Flecken auf dem Boden, ging es Matt durch den Kopf.

Xij verzog das Gesicht, aber sie fuhr beharrlich weiter. Es knackte und schmatzte unter den Panzerrädern, unterbrochen von den kreischenden Todesschreien der Riesenspinnen.

Allmählich, eines nach dem anderen, gaben die Biester auf und ließen sich entweder freiwillig zu Boden fallen oder vermochten sich auf dem rüttelnden Gefährt nicht länger zu halten. Die Warnung der Sensoranzeige erlosch. Das Gewusel auf dem Panzer lichtete sich, und endlich konnten sie durch die Kameras wieder erkennen, was außerhalb von PROTO vor sich ging.

Es war nichts Gutes.

Xij trat abrupt auf die Bremse. Einige Siragippen rutschten von der Schnauze des Amphibienpanzers und stürzten zu Boden.

Da draußen waren Menschen! Drei oder vier, die über einen Schuttberg hasteten und in eine der Ruinen flüchteten, verfolgt von zwei Siragippen.

Matt zögerte nicht. Er richtete die Laserkanone aus und schoss. Der Kopf der ersten Spinne zerplatzte. Sie taumelte noch ein paar Schritte weiter, ehe sie zusammenbrach.

Die zweite hatte jedoch fast eine junge Frau erreicht, die mit dem Fuß im Schutt hängen blieb und verzweifelt versuchte, sich zu befreien. Matt konnte keinen sauberen Schuss riskieren, ohne Gefahr zu laufen, sie zu treffen.

Das Spinnenvieh setzte zum Sprung an.

Matt blieb keine Wahl – er musste feuern!

Doch als er auslöste, brach plötzlich die Hölle los.

Es gab einen gigantischen Knall. Feuer flammte auf. Eine Detonationswelle raste über den Panzer hinweg, dass PROTO durchgerüttelt wurde. Schutt und Staub prasselten auf seine Hülle nieder, gefolgt von größeren Brocken. Sofort blinkten auf der Konsole mehrere Warnlichter.

Der Panzer erzitterte unter den donnernden Einschlägen, aber er hielt stand. Nach wenigen Augenblicken war das Schlimmste vorbei.

Als sich der Staub lichtete, war von der Ruine, in der die Menschen Zuflucht gesucht hatten, nur noch ein Trümmerhaufen übrig. Einzelne Siragippen krabbelten mit klackenden Mandibeln davon und verkrochen sich im Schutt.

„Was war das denn?“ Toms Stimme zitterte.

Ich muss eine Sprengladung getroffen haben, wollte Matt sagen. Ich habe geschossen und etwas Explosives erwischt. Und diese Menschen getötet.

Er brachte nichts davon über die Lippen. Alles, was er sagen konnte, war: „Ich wollte ihnen doch helfen.“

„Ich muss nachsehen.“

„Matt …“

„Ich muss nachsehen, ob noch jemand lebt“, beharrte er.

Xij sah ihn an und seufzte. „In Ordnung. Aber ich komme mit dir.“

Er nickte dankbar. „Tom, kannst du uns mit dem Laser den Rücken freihalten?“

„Sicher doch. Geht aber kein Risiko ein!“

Während Xij durch die Verbindungstür in den hinteren Bereich des Panzers schlüpfte, ließ sich Tom auf den Pilotensitz sinken.

Matt nickte ihm zu und reichte ihm ein Headset. „Wir bleiben in Funkkontakt.“ Dann folgte er Xij in den Wohnbereich. Sie stand an der hinteren Luke, ihren Kampfstab schon in der Hand. Matt zog die Pistole aus der Halterung seiner Uniform. „Dann lass uns nachschauen, wie es da draußen aussieht.“

Er hoffte, dass die Menschen in dem Haus nur verschüttet waren. Doch als sie die Rampe hinunter marschierten, sank seine Zuversicht. Von hier aus sah das Trümmerfeld noch viel entmutigender aus.

Staub hing in der Luft. Vereinzelt glommen Flammenherde im Schutt. Sonst war alles still. Kein Wimmern. Keine Überlebenden. Keine Siragippen.

Mit einem flauen Gefühl im Magen machte sich Matt daran, das Geröll zu erklimmen, das vor wenigen Minuten noch ein Haus gewesen war. Xij folgte ihm. Dabei benutzte sie ihren Kampfstock, um in den Trümmern zu stochern.

Sie waren halb den Hang hinauf, als sie meldete: „Hier ist eine tote Siragippe.“

Matt wandte sich zu ihr um, da entdeckte er etwas anderes, keine zwei Meter von Xij entfernt: eine menschliche Hand!

Er stürzte los, fiel auf die Knie und grub. So knapp unter der Oberfläche, vielleicht hatten sie ja Glück … Dann sah er den blutigen Stumpf, in dem der Arm endete, und ließ die Hände sinken.

„Es tut mir leid“, sagte Xij.

Matt nickte nur.

Ein Donnergrollen zerriss die Stille. Das Wetter, das bis jetzt nur düster gewesen war, schlug um. Ein Sturm zog auf und trieb Staub und kleine Steine vor sich her.

Schweren Herzens gestand sich Matt ein, dass sie hier wohl nichts mehr ausrichten konnten. Sie kehrten besser zu PROTO zurück, ehe das Unwetter losbrach.

„Leute?“ Toms Stimme drang aus seinem Headset. „Ich sehe was auf dem Infrarot-Scanner. Ich fürchte, ihr bekommt Gesellschaft.“

„Wo?“, gab Matt zurück. Er erhob sich, sah sich um, konnte jedoch nichts erkennen. Die ersten Regentropfen fielen.

„Sie kommen von allen Seiten. Zwölf, fünfzehn … Scheiße, eine ganze Horde!“

Erneut krachte es. Und diesmal ging ein Blitz dem Donnerschlag voraus. Und da sah Matt sie. Keine Siragippen – es waren Menschen! In Felle gehüllt, mit Speeren und Knüppeln bewaffnet. Barbaren, keine Technos! Diese Leute sahen nicht so aus, als hätten sie das Notsignal gesendet. Oder als wüssten sie überhaupt, was ein Funkspruch war.

Matt ließ die Waffe sinken. Nach kurzem Zögern tat Xij es ihm gleich. „Die sehen nicht sonderlich freundlich aus“, mahnte sie leise.

„Wir für sie vermutlich genauso wenig“, gab Matt zurück. Er steckte die Pistole weg und hob die Hände, die Handflächen nach vorne gerichtet. „Wir sind hier, um zu helfen!“, rief er in der Universalsprache der Wandernden Völker.