Wichtige HinweiseWandern auf MadeiraWanderregionen der InselWetter und WandersaisonStein- und Felskunde für WandererPflanzenweltTierweltAusrüstung und VerpflegungNotfall und NotfallnummernTourplanung und -durchführungSüdostenTour 1: ** An der Ponta São Lourenço, Madeiras OstspitzeLänge: 7,2 km ■ Gehzeit: 3:00 Std Tour 2: * Von Maroços zum alten Caniçal-Tunnel Länge: 13,7 km ■ Gehzeit: 4:10 Std Tour 3: ** Durch den Lorbeerwald am Portela-Pass Länge: 14,7 km ■ Gehzeit: 5:10 Std Tour 4: * Entlang der Levada da Serra do Faial zum Portela-PassLänge: 9,6 km ■ Gehzeit: 2:40 Std Tour 5: * Vom Vale Paraíso nach Camacha Länge: 5,2 km ■ Gehzeit: 1:30 Std Tour 6: * Auf der Levada dos Tornos nach Monte Länge: 8,7 km ■ Gehzeit: 2:20 Std Tour 7: *** Von Monte hinunter nach FunchalLänge: 5,7 km ■ Gehzeit: 2:40 Std NordostenTour 8: *** An der abenteuerlichen Levada do Castelejo Länge: 17,8 km ■ Gehzeit: 5:30 Std Tour 9: **** Überschreitung des Adlerfelsens Länge: 2,9 km ■ Gehzeit: 2:25 Std Tour 10: *** Von Ribeiro Frio zum Portela-PassLänge: 10,4 km ■ Gehzeit: 3:20 Std Tour 11: * Zum Aussichtspunkt Balcões Länge: 2,6 km ■ Gehzeit: 1:00 Std Tour 12: *** Küstenrundwanderung von und nach Santana Länge: 9,8 km ■ Gehzeit: 3:20 Std Tour 13: *** Von Queimadas in den Caldeirão Verde Länge: 12,2 km ■ Gehzeit: 3:50 Std Tour 14: ** Entlang der Levada do Rei ins Tal des Ribeiro BonitoLänge: 9,6 km ■ Gehzeit: 3:20 Std Tour 15: ** Auf dem Nordküstenweg von Arco de São Jorge nach BoaventuraLänge: 3,6 km ■ Gehzeit: 2:00 Std ZentrumTour 16: *** Über den Pico Ruivo nach Ilha auf der NordseiteLänge: 12,1 km ■ Gehzeit: 5:20 Std Tour 17: **** Die Königstour vom Pico do Arieiro auf den Pico Ruivo Länge: 10,6 km ■ Gehzeit: 5 Std Tour 18: ** Vom Aussichtspunkt Eira do Serrado nach Curral das Freiras Länge: 2,8 km ■ Gehzeit: 1:10 Std ■ kinderfreundlichTour 19: *** Von Corticeiras über die Boca dos Namorados nach Curral das FreirasLänge: 7,8 km ■ Gehzeit: 4:10 Std Tour 20: **** Von Curral das Freiras über den Hauptkamm zum Encumeada-PassLänge: 8,3 km ■ Gehzeit: 4:50 Std Tour 21: **** Von der Boca da Corrida über den Pico Grande ins NonnentalLänge: 7,6 km ■ Gehzeit: 4:30 Std Tour 22: ** Die Runde vom Lombo do Mouro über den Aussichtsberg Bica da CanaLänge: 9,3 km ■ Gehzeit: 3:30 Std Tour 23: * Entlang der Levada do Paúl am Rand der Hochebene Paúl da SerraLänge: 10,6 km ■ Gehzeit: 3:00 Std Tour 24: *** Entlang der Levada do Alecrim mit Abstecher zum Lagoa do VentoLänge: 8,6 km ■ Gehzeit: 2:45 Std Tour 25: ** Zum Risco-Wasserfall und den 25 Quellen bei RabaçalLänge: 10,3 km ■ Gehzeit: 3:30 Std Tour 26: * Von der Hochebene auf den Pico Ruivo do Paúl da SerraLänge: 3,2 km ■ Gehzeit: 1:10 Std SüdwestenTour 27: * Von Boa Morte zum Cabo GirãoLänge: 12,1 km ■ Gehzeit: 3:20 Std Tour 28: ** Rundwanderung bei FontesLänge: 11 km ■ Gehzeit: 3:50 Std Tour 29: *** Von Ponta do Sol nach Ribeira BravaLänge: 13,3 km ■ Gehzeit: 4:35 Std Tour 30: **** Wagemutig entlang der Levada do Moinho und der Levada NovaLänge: 7,5 km ■ Gehzeit: 3:00 Std Tour 31: *** Rundwanderung bei Paúl do MarLänge: 5,8 km ■ Gehzeit: 3:35 Std Tour 32: * Ganz einfach bis ganz in den WestenLänge: 26 km ■ Gehzeit: 6:45 Std NordwestenTour 33: *** Entlang der Levada da Fajã Rodrigues ins Ribeira-do-Inferno-TalLänge: 8,2 km ■ Gehzeit: 3:40 Std Tour 34: * Entlang der Levada da Central da Ribeira da JanelaLänge: 11,8 km ■ Gehzeit: 3:30 Std ■ kinderfreundlichTour 35: *** Von Achadas da Cruz hinunter nach Porto MonizLänge: 7,2 km ■ Gehzeit: 3:15 Std Tour 36: *** Auf dem Caminho do Norte vom Encumeada-Pass bis nach São VicenteLänge: 7,6 km ■ Gehzeit: 2:30 Std Tour 37: *** Durch den Zauberwald am FanalLänge: 13,4 km ■ Gehzeit: 4:05 Std Über dieses BuchPräambelImpressumIndex
Wandern auf Madeira
Madeira gilt als üppige Blumeninsel, als schwimmender Garten im Atlantik. Tatsächlich blühen das ganze Jahr über verschiedene Pflanzen aus aller Herren Länder. Selbst in den trockenen Monaten von Juli bis September wird der Wanderer mit üppigem Grün verwöhnt. Madeira bietet dabei nicht nur blühenden Liebreiz. Wer schroffe, wilde und ursprüngliche Landschaften sucht, wird auf der Insel ebenso fündig. Sie ist stark zerklüftet, die Täler und Küsten sind steil. Dennoch ist vom gemütlichen Bummeln entlang der Levadas, der typischen Wasserleitungen, bis zum sportlichen Wandern mit alpinem Charakter alles möglich. Im vorliegenden Wanderbuch habe ich versucht, eine Auswahl zu treffen, die es jedem ermöglichen soll, die verschiedenen Landschaften auf Madeira kennen zu lernen.
Wanderregionen der Insel
Madeira lässt sich grob in fünf Gebiete gliedern, die den Wanderregionen dieses Buches entsprechen (Südosten, Nordosten, Zentrum, Südwesten und Nordwesten).
Südosten undSüdwesten: Der ganze Süden ist bis auf ca. 600 m dicht besiedelt und von zahlreichen Straßen und Tunneln durchzogen. Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass Madeira auch ursprüngliche Natur zu bieten hat - aber es gibt sie. Im Südosten ist die Insel eher trocken und windig (Tour 1). Ab 500 bis 600 m ist auch hier mit Regen und Nebel zu rechnen (Tour 3). Die Landwirtschaft konzentriert sich auf bekannte Feldfrüchte wie Zwiebeln oder Kartoffeln, in feuchteren Tälern gelegentlich auch Zuckerrohr (Tour 2). Den Südwesten prägen tief eingeschnittene Täler. Besonders imposant sind die Täler von Ribeira Brava (Touren 28 und 21) und Ponta do Sol (Touren 29 und 30). Bananen, Zuckerrohr und zum Teil tropische Früchte gedeihen zwischen Funchal und Calheta prächtig - kein Wunder, schließlich ist der Südwesten bis hinüber nach Funchal die wärmste Ecke der Insel. Zahlreiche Levadas verlaufen in diesem Teil. Weiter im Westen ist das Inselinnere nicht mehr ganz so stark zerklüftet, dennoch beeindruckt hier die Steilküste (Tour 31).
Achtung
Die Wege im Gebirge und an der Küste sind angelegt. Einer natürlichen Formation zu folgen oder querfeldein zu laufen ist auf Madeira nicht möglich. Die Insel ist zu steil, das Gestein zu brüchig. Auch erfahrene Bergwanderer und sportlich Ambitionierte sollten die wilde Schönheit Madeiras nicht unterschätzen! Vorsicht gilt auch beim Wandern nach der Openstreetmap-Karte. Nicht alle verzeichneten Wege sind auch sicher begehbar.
Zentrum Im Inselinneren vereinen sich zwei Landschaften, wie sie gegensätzlicher kaum sein können. Zum einen das stark zerklüftete Zentralgebirge mit den höchsten Gipfeln, bizarren Felszacken (Touren 16 und 17) sowie gewaltigen Erosionskratern wie dem Nonnental (Touren 18, 19, 20 und 21) und zum anderen die flache und relativ karge Hochebene Paúl da Serra (Touren 23 und 26).
Die besten Standorte für die jeweiligen Wanderungen finden Sie hier.
Nordosten und Nordwesten: Der gesamte Norden ist steiler, weniger dicht besiedelt und ursprünglicher. Häufig ist es - vor allem in höheren Lagen ab 600 m - bedeckt und feucht, bei Südwestwinden hingegen sonnig und warm. Im Nordosten faszinieren tiefe, dunkelgrüne Täler mit steilen Talschlüssen und hohen Wasserfällen (Touren 11, 13 und 14). Große Teile des Nordwestens sind kaum zugänglich. Nur auf wenigen Touren lässt sich die urwüchsige Landschaft erkunden (Touren 33 und 34). Eindrucksvoll ist das Ökosystem des Lorbeerwaldes, das sich auf den Touren 36 und 37 intensiv erkunden lässt.
Wetter und Wandersaison
Wetter und Jahreszeit: Auf Madeira herrscht tatsächlich das ganze Jahr über das berühmte ausgeglichene, frühlingshafte Klima. Das gilt vor allem für die niederen Lagen an der Südküste, denn auf der verhältnismäßig kleinen Insel (ca. 740 km2) mit dem stark zerklüfteten Relief herrschen regional große Unterschiede. Von Januar bis April kann es vorkommen, dass man alle Jahreszeiten an einem Tag erlebt: Sommer an der Südwestküste, blühender Frühling in mittleren Höhenlagen (200-400 m), Herbst mit Nebel, Regen und Wind in höheren Lagen und Winter mit Eis und Schnee in der Gipfelregion.
Tageslängen Madeira
Tag
Sonnenaufgang
Sonnenuntergang
Längstmögliche Sonnenscheindauer
Datum
(Ortszeit)
(Ortszeit)
Funchal
Kassel
15. Jan.
8.09 Uhr
18.24 Uhr
10:15 Std.
8:24 Std.
15. Febr.
7.52 Uhr
18.52 Uhr
11:00 Std.
9:58 Std.
15. März
7.19 Uhr
19.14 Uhr
11:55 Std.
11:45 Std.
15. April
7.38 Uhr
20.37 Uhr
12.59 Std.
13:49 Std.
15. Mai
7.09 Uhr
20.59 Uhr
13:50 Std.
15:36 Std.
15. Juni
6.59 Uhr
21.16 Uhr
14:17 Std.
16:34 Std.
15. Juli
7.10 Uhr
21.16 Uhr
14:06 Std.
16:08 Std.
15. Aug.
7.30 Uhr
20.54 Uhr
13:24 Std.
14:41 Std.
15. Sept.
7.50 Uhr
20.16 Uhr
12:26 Std.
12:46 Std.
15. Okt.
8.11 Uhr
19.36 Uhr
11:25 Std.
10:47 Std.
15. Nov.
7.37 Uhr
18.07 Uhr
10:30 Std.
8:55 Std.
15. Dez.
8.02 Uhr
18.04 Uhr
10:02 Std.
7:56 Std.
Auf Madeira gilt die Greenwich Mean Time (GMT), d. h. es ist eine Stunde früher als zu Hause. Diese Zeitdifferenz herrscht auch während der Sommerzeit von April bis Oktober. Funchal: 32° 39' nördliche Breite, 16° 54' westliche Länge. Kassel: 51° 19' nördliche Breite.
Juli, August und September sind die wärmsten Monate mit Durchschnittstemperaturen von etwa 22 °C in Funchal und knapp 15 °C auf den höchsten Gipfeln. Der Juli ist der trockenste Monat. Häufig bildet sich im Juli ein dünner Wolkenkranz um die Insel, aus dem es jedoch so gut wie nie regnet. Die Gipfelregion selbst ist meist wolkenfrei.
Der meiste Niederschlag fällt als lokal begrenzter Schauer von Oktober bis März, wobei Tage, an denen es auf der ganzen Insel regnet, selten sind. Gewitter gibt es auf Madeira kaum.
Kleine Windkunde: Im Normalfall weht auf der Insel ein Wind aus Nordosten (Nordostpassat). Dieser Wind weht fast das ganze Jahr über, wenn er nicht von den anderen, im Folgenden beschriebenen überlagert wird. Der Nordostpassat kondensiert zu Nebel an der Nordküste ab ca. 800 m. Manchmal schwappt der Nebel über den Hauptkamm auf die Südseite. Natürlich sind dort dann nur höhere Lagen vom Nebel betroffen.
Wind aus Nordwest führt häufig zu Abkühlung. Er bringt kalten Regen über die Nordküste, den äußeren Südwesten, die Hochebene Paúl da Serra und die Gipfelregion. Der Südosten bleibt dabei meist verschont.
Wind aus Südwest kann zu kräftigen Schauern auf der ganzen Südseite, der Hochebene und in der Gipfelregion führen. Der Nordosten bleibt meist verschont, oft auch der Südosten der Insel.
Wind aus Ost/Südost wird als „leste“ bezeichnet. Er trifft als heißer Fallwind auf Madeira. Die Luft wird innerhalb weniger Stunden trocken, und die Temperaturen steigen sprunghaft an. Wanderern kann in der regenreichen Zeit nichts Besseres passieren. Im Sommer hingegen ist dann selbst in der Gipfelregion eine kurze Hose zuviel. Der Leste bläst selten über einen längeren Zeitraum.
Wandersaison: Auf Madeira kann das ganze Jahr über in allen Regionen gewandert werden. Regen und Nebel treten zwar ganzjährig, jedoch meist nur lokal und zeitlich begrenzt auf.
Die Temperaturen in Herbst, Winter und Frühling sind zum Wandern eigentlich ideal. Touren im zentralen Gebirge und auf der Hochebene sind vielleicht zu diesen Jahreszeiten nicht immer am gewünschten Termin durchführbar. Auf den nächsten geeigneten Tag muss man jedoch nie lange warten. Das große Plus im Winterhalbjahr sind die längeren Tage (→ Tabelle). Während zu Hause schon die Nacht angebrochen ist, kann man auf Madeira immer noch herumstreifen. Allerdings ist zu bedenken, dass es in engen Tälern auch schon weit vor Sonnenuntergang ziemlich finster sein kann.
Der Sommer ist nicht zu warm und eignet sich besonders gut für Wanderungen in hohen Lagen. Gänzlich schattenlose Wanderungen in mittleren und tiefen Lagen sind selten (Tour 1 ist eine solche Ausnahme), sodass auch im Sommer auf der ganzen Insel gewandert werden kann.
Stein- und Felskunde für Wanderer
Das Wichtigste für Wanderer auf Madeira vorneweg: Das Gestein ist brüchig! Scheinbare Festigkeit sollte nicht dazu verleiten, zu nahe an einen Abgrund zu treten.
Vulkanismus: Madeira ist eine reine Vulkaninsel. Faltungen oder Hebungen haben nicht stattgefunden. Darum fehlen auf der Insel dem Alpenwanderer bekannte Tiefengesteine wie Granit, kristalliner Schiefer oder Sedimentgesteine wie in den Kalkalpen - alles relativ solide Gesteine, die das Gewicht eines Wanderers tragen. Auf Madeira dagegen besteht fast alles aus Tuff, Basalt und Trachyt (s. u.). Und das Ganze ist noch dazu unregelmäßig geschichtet.
Der letzte Vulkanausbruch soll auf Madeira vor 400.000 Jahren erfolgt sein. Einen zentralen Vulkan gab es nicht, dafür zahlreiche kleinere Eruptionen und den „sanfteren“ Spaltenvulkanismus. Die bizarren Zacken im Inselinneren sind die zu Stein erstarrten Schlote der einzelnen Vulkane. Der eigentliche Berg darum herum wurde im Lauf der Jahrtausende wegerodiert. Ein eindruckvolles Landschaftsbild hinterließen die Vulkane im zentralen Hochgebirge (→ Tour 16 und 17). Ganz nah kommen Wanderer einem solchen ehemaligen Schlot auf Tour 22.
Die Reste des Spaltenvulkanismus sind Gesteinsbretter, die wie Mauern in der Landschaft stehen. Ebenfalls schön zu sehen sind sie auf Tour 17. Noch nicht komplett herauserodierte Gesteinsbretter zeigen sich an der Ostspitze (→ Tour 1).
Die Levadas: die Lebensadern Madeiras
Die ersten portugiesischen Siedler in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zapften Quellen und Bäche an, um das Wasser auf ihre Felder zu leiten. Bereits im Jahr 1461 überwachten Beamte die Verteilung des Wassers. Im Lauf der Jahrhunderte wurde das System der offenen Wasserkanäle immer ausgefeilter.
Das Prinzip ist einfach: Sammel-Levadas verlaufen in einer Höhe von etwa 800 bis 1.300 m. Zahlreiche Quellen, Bäche und Flüsse werden eingeleitet. Meist enden die Levadas an großen Fallrohren, durch die das Wasser auf die nächste Stufe darunter fällt. Zunächst fließt das Wasser durch ein Wasserkraftwerk und wird dann in die Bewässerungs-Levadas eingeleitet, die auf einer Höhe zwischen 400 und 600 m verlaufen. Ein möglichst flacher Verlauf ist wichtig, da ja nur Land unterhalb der Levada bewässert werden kann. Die Bewässerung der Felder und Ländereien geschieht nach einem genauen Jahresplan. Das ganze Jahr ist in Stunden unterteilt, die der Landwirt mieten kann. Wohlhabendere Bauern haben meist eine Zisterne, die sie in ihren Stunden befüllen. Die Ärmeren müssen zur gemieteten Stunde die Felder bewässern.
Große Levada-Baumaßnahmen gab es im 16. Jahrhundert, als der Anbau von Zuckerrohr große Wassermengen verlangte. Im 19. Jahrhundert reichte dann das Wasser auf der Südseite nicht mehr aus. Quellen aus dem Norden mussten angezapft werden, und durch Tunnel wurde das Wasser auf die Südseite gebracht. Das Levada-System bei Rabaçal (→ Tour 25) stammt aus dieser Zeit, ebenso die Levada do Furão bei Ribeiro Frio (→ Tour 10). In einer weiteren großen Bauphase von 1939 bis 1969 entstanden viele neue Levadas und mehrere Wasserkraftwerke. Die Levada do Norte (→ Tour 27) wurde in dieser Zeit gebaut. Gut gefüllt fließen in ihr ca. 1.000 Liter pro Sekunde.
Für Wanderer stellen die meist gut gewarteten Levada-Anlagen ideale Wanderwege dar. Manchmal verlaufen sie entlang sanfter Hänge (→ Tour 31), oft aber in steilem Gelände, nicht selten in der senkrechten Wand (→ Tour 30). Dank der Levadas kommt man so zu Fuß teilweise in Gebiete, die ansonsten völlig unzugänglich wären (→ Touren 8, 13, 14, 24 und 25). Bleiben Sie beim Wandern aber aufmerksam, gerade die scheinbare Leichtigkeit des Weges verleitet nämlich zum Gegenteil.
Tuff entsteht bei einem explosiven Vulkanausbruch und ist nichts anderes als durch Wind, Wetter und darüberliegende Gesteinsschichten verpresste Asche. Oft ist die Oberfläche rau und auch bei Nässe nicht rutschig. Stark verwitterter Tuff hingegen wird bei Nässe eisglatt. Entlang einiger Levadas hat man es mit einem solchen Untergrund zu tun. Sie sollten hier wirklich aufpassen, denn Tuff erodiert leicht. Zum Teil kann er mit der Hand zerbröselt werden, daher die Warnung am Anfang des Kapitels. Es lassen sich aber auch leicht Stufen in Tuffwände schlagen, die ohne die Treppen kaum zugänglich wären (→ Tour 17).Die Tuffe auf Madeira sind eisenhaltig und porös, die unterschiedlichen Rotfärbungen kommen von den verschiedenen Oxidationsstufen des Gesteins. Schöne Färbungen und bizarre Formationen sind an der Ostspitze zu sehen (→ Tour 1).
Gipfelweg zum Pico Ruivo (Tour 17)
Basalt und Trachyt sind die Produkte von Vulkanausbrüchen mit langsam fließender Lava. Beide verwandten Gesteine sind sehr hart und haben eine graue Farbe. Trachyt hat einen höheren Anteil an Quarz. Und nur Basalt bildet die fünfkantigen Säulen in Erkaltungsrichtung aus. Basalt und Trachyt werden bei Nässe sehr glatt. Vorsicht ist dann bei Wanderungen geboten, bei denen viel auf Natursteintreppen gewandert wird. Die Treppen bestehen vorwiegend aus Trachyt.
Phonolith ist ein ebenfalls mit Basalt und Trachyt verwandtes Gestein und auf Madeira nicht ganz so häufig. Auf den ersten Blick ist es von Basalt oder Trachyt kaum zu unterscheiden. Es bricht eher in flachen Scheiben und Steinstiften. Eine Besonderheit des Phonoliths ist sein Klang. Flache, dünne Scheiben klingen beim Drüberwandern wie klirrendes Glas (→ Tour 17 beim Abstieg vom Sattel des Pico das Torres in Richtung Pico Ruivo und Tour 21 beim Abstieg entlang der Steinmauer).
Pflanzenwelt
Madeiras werbewirksamer Beiname „schwimmender Garten im Atlantik“ stimmt. Auf engstem Raum wachsen hier Pflanzen aus der ganzen Welt. Am farbenprächtigsten zeigen sich die angelegten Alleen und Gärten. Gerne pflanzen ihre Besitzer eingeführte tropische und subtropische Arten an. Die ursprüngliche Küstenvegetation zeichnet sich durch trockenheitliebende Dickblattgewächse aus. Levadas führen oft durch Kulturland mit Feldterrassen, die einheimische Vegetation wurde hier oft verdrängt. Häufig säumen aber verschiedene Blumen die Wege.
Der Lorbeerwald zwischen 600 und max. 1.300 Höhenmetern ist die für Madeira typische Vegetationsform. Hier ist die einheimische Flora am besten erhalten. Bleibt noch das Gebirge. Starke Temperaturschwankungen während eines Tages verlangen den Pflanzen einiges ab. Aufgrund der Fülle kann hier nur ein kleiner Teil vorgestellt werden. Aufgeführt werden nur besonders häufige oder spezielle Pflanzen, mehr erfahren Sie in meinem Buch „Madeira - Was hier alles wächst!“ (Oliver Breda Verlag, Duisburg).
Pflanzen in Gärten und Alleen: Die Avenida Arriaga in Funchal ist von zahlreichen Jacaranda-Bäumen gesäumt. Dieser Baum wird etwa 20 m hoch und verliert im Winter seine Blätter. Bevor die Blätter erneut austreiben, blüht der Baum im April und Mai auffallend violett. Ebenfalls häufig ist an Plätzen und Straßen vor allem in Funchal der Afrikanische Tulpenbaum (Spathodea campanulata) zu sehen. Auch er wird 20-25 m hoch, blüht aber ganzjährig. Die Blätter sind dunkelgrün, seine orange-roten Blüten erinnern an Tulpenblüten. In zahlreichen Gärten gedeiht auch die ganzjährig blühende Engelstrompete (Brugmansia aurea), mittlerweile auch zu Hause eine beliebte Kübelpflanze. Der Strauch wird ca. 4 m hoch, seine gelben langen Blüten erinnern tatsächlich an Blasinstrumente. Alle Teile dieser Pflanze sind giftig! Allgegenwärtig und harmlos sind dagegen Hibiskushecken. Ganzjährig blühen sie in den verschiedensten Farben. Fast schon ein Wahrzeichen von Madeira ist die Strelitzie (Strelitzia reginae). Was zu Hause im Blumenladen teuer bezahlt werden muss, dient hier als Schmuck für Autobahnböschungen oder Verkehrsinseln. Sie blüht zwar ganzjährig, hauptsächlich jedoch im Winter und Frühjahr.
Nutzpflanzen: Zwischen Funchal und Calheta sind Feldterrassen mit Bananen allgegenwärtig. Große Plantagen sind auf Madeira jedoch selten, die Pflanzen werden auf kleinen, nicht immer zusammenhängenden Feldterrassen angebaut. Bei der Madeirabanane handelt es sich um die Zwergbanane. Die Stauden dieser Art sind niedriger und daher resistenter gegen den Wind. Die Kulturpflanze Nr. 1 früherer Jahrhunderte war das Zuckerrohr, das bereits von den ersten Siedlern vor über 500 Jahren angebaut wurde. Das „weiße Gold“ brachte einst großen Reichtum auf die Insel. Im Südwesten finden sich heute noch einige Zuckerrohrfelder. Rebstöcke findet man um die ganze Insel verteilt, großflächige Weinberge sollte man jedoch nicht erwarten. Erst vor einigen Jahren begann man auf Madeira mit der Produktion von Tafelwein. Die meisten Trauben werden für den berühmten hochprozentigen Madeira(wein) angebaut.
Küstenvegetation: Ehemals häufig in der Natur zu sehen, heute meist nur noch von Menschenhand gepflanzt ist der Drachenbaum (Dracaena). Schöne Exemplare stehen im Botanischen Garten von Funchal. An der Ponta São Lourenço wurde oberhalb der Prainha ein Gebiet mit kleinen Drachenbäumen aufgeforstet. Der Prächtige Natternkopf (Echium nervosum) wächst ebenfalls an der Ponta São Lourenço (→ Tour 1). Der Strauch wird ca. 1 m hoch. Auffallend sind seine gedrungen kerzenförmigen violetten Blütenstände. Er blüht etwa von Januar bis April. Brachliegende Hänge der trockenen Südküste sind vielfach mit der sukkulenten Fischfangwolfsmilch (Euphorbia piscadoria) bewachsen. Der stark verzweigte Strauch hat schmale blaugrüne Blätter, die er im Frühjahr abwirft, erst im Herbst treiben Blätter neu. Der Milchsaft der Pflanze ist giftig und wurde in der Vergangenheit zur Betäubung von Fischen benutzt, um sie leichter im seichten Wasser fangen zu können. An den gleichen Hängen gedeiht häufig auch der auch aus dem Mittelmeerraum bekannte Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica). Aus den Blüten entwickeln sich im September die stacheligen, essbaren Früchte. Eine kuriose Blume ist das Eiskraut (Kristallmittagsblume; Mesembryanthemum crystallinum). Sie wächst an der Ponta de São Lourenço (→ Tour 1). Die im Prinzip essbare Pflanze wird nur 10-20 cm hoch und hat von April bis Juni weiße bis rosa Blüten. Bei richtiger Sonneneinstrahlung scheint das Gewächs wie von Eiskristallen überzogen. Es handelt sich dabei um Speicherwarzen für Wasser auf Blättern und Stängel. Häufig an Straßenrändern, aber auch auf Brachland und in Gärten ist die Aloe Vera. Die Blätter erinnern an Agaven, sie sind am Rand gezähnt und ca. 30 cm lang. Von Dezember bis Juni zeigen sich die bis zu 80 cm hohen Blütenstände mit gelben röhrenförmigen Blüten. Auf Madeira wird aus der Pflanze ein heilendes Gel hergestellt, das es in fast jedem Supermarkt zu kaufen gibt.
Pflanzen entlang den Levadas: Die Hänge der Südküste, wo die meisten Levadas liegen, wurden seit Beginn der Besiedlung Madeiras systematisch gerodet und terrassiert. Als die Landwirtschaft ihren Stellenwert verlor, lagen viele Flächen und Felder brach. Im 20. Jahrhundert begann man noch während der Salazar-Diktatur mit der Wiederaufforstung. Vorherrschende Vegetation ist ein Mischwald aus Eukalyptus, Akazie und Mittelmeerstrandkiefer, alles schnellwachsende Bäume. Levada-Wächter pflanzten nicht nur der Schönheit wegen Hortensien und die Orientalische Liebesblume (Agapanthus praecox) an. Die Wurzeln dieser Pflanzen dienten zur Wegbefestigung. In feuchten Tälern gedeiht die Zimmerkalla fast wie Unkraut. Häufig ist auch das an Gänseblümchen erinnernde Beschreikraut. Es soll neben der heilenden auch eine magische Wirkung haben.
Pflanzen des Lorbeerwaldes: Auf Madeira gedeihen vier Lorbeerarten. Der eindrucksvollste ist der Stinklorbeer (Til; Ocotea foetens). Er fühlt sich zwischen 1.100 und 1.500 m am wohlsten und kann bis zu 40 m hoch werden. Sein Stamm ist oft knorrig und mit Moosen, Flechten und Farnen bewachsen. Die Blätter haben die typische Lorbeerform, seine Früchte erinnern an Eicheln. Unterhalb des Pico Grande zwischen Encumeada-Pass und Boca do Cerro (→ Tour 21) stehen einige prächtige Exemplare. Eindrucksvoll zeigen sich die gewaltigen Bäume am Fanal (→ Tour 37). Lorbeerwald pur findet man an den Nordhängen des Encumeada-Passes (→Tour 36).
Der Kanarische Lorbeer (Laurus novocanariensis) ist schlanker und wird nur bis zu 25 m hoch. Häufig wächst er auch strauchförmig mit mehreren Stämmen aus einem Wurzelstock. Er bevorzugt Höhenlagen zwischen 1.000 und 1.400 m. Die Blätter haben ebenfalls die typische Lorbeerform, sind allerdings größer als beim Til. Seine Früchte erinnern an Oliven. Die Blätter sind die einzigen, die zum Würzen geeignet sind.
Der Madeira-Mahagoni (Persea indica) gehört ebenfalls zu den Lorbeergewächsen. Er ist auch in engen Tälern der Südküste bis in Regionen um 500 Höhenmeter zu finden. Der Baum wird 15-25 m hoch. Seine Blätter sind bis zu 20 cm lang. Seine Früchte erinnern an winzige Avocados. Ältere Blätter färben sich rot, bevor sie abfallen.
Der vierte Vertreter der Lorbeerbäume ist der Barbusano, auch Kanarisches Ebenholz(Apollonias barbujana). Er kommt selten in Lagen über 700 m vor, wird 10-20 m hoch. Die Blätter sind an den Seiten häufig eingerollt. Zu sehen ist er im Tal des Ribeira do Tristão (→ Tour 35).
Die Zimmerkalla - häufig anzutreffen in feuchten Talgründen
Die Lorbeerwaldzone (→ Kasten Tour 3) von 600 bis etwa 1.500 m ist durch die hohe Luftfeuchtigkeit geprägt. Daher sind die Bäume häufig mit der langen Bartflechte (Usnea barbata) bewachsen. Große Farne wie der Woodward-Farn (Woodwardia radicans) mit imposanten bis zu 3 m langen gefiederten Wedeln bevölkern die Felswände. Auf der feuchten Nordseite fühlt sich der Maiblumenbaum (Clethra arborea) wohl. Der Baum wird nur bis 7 m hoch. Seine Blüten (Juli bis September) erinnern an Maiglöckchen. Im Bereich von Ribeiro Frio (→ Tour 10 und 11) bekommt man ihn zu Gesicht.
Pflanzen im Gebirge: Beeindruckend ist die große Baumheide (Erica arborea) zwischen Pico das Torres und Pico Ruivo (→ Tour 17). Sie wird bis 5 m hoch und bildet einen dicken Stamm. Zwischen März und Mai blüht sie unscheinbar weiß. Einige der alten Bäume sind 2010 einem Großbrand zum Opfer gefallen. Viele Wurzelstöcke treiben jedoch wieder aus. Ein anderes Wahrzeichen ist der Stolz von Madeira (Echium fastuosum). Es handelt sich dabei um eine endemische, nur hier vorkommende Natternkopfart. Sie ähnelt dem Prächtigen Natternkopf der Küstenregion (s. o.). Die Blütenstände sind jedoch schlanker, die Blüten sitzen dichter und leuchten dunkelviolett. Der Busch wird ca. 1,50 m hoch. Er bevorzugt Höhenlagen ab 800 m. An der Straße von Ribeira Brava zum Encumeada-Pass wachsen zahlreiche Exemplare. Eine weitere Besonderheit ist die Madeira-Heidelbeere (Vaccinium padifolium). Der Busch wird mehrere Meter hoch, die Früchte (August bis Oktober) ähneln der bekannten Heidelbeere und sind ebenfalls essbar. Entlang der Levada do Furado (→ Tour 10) wachsen viele Büsche im Schatten von Lorbeerbäumen. Ein anderes Kuriosum ist das von April bis Juli gelbblühende Madeira-Veilchen (Viola paradoxa). Es ist häufig im Bereich des Pico Arieiro zu sehen (→ Tour 17). Ebenfalls inzwischen wieder recht häufig das Felsknabenkraut (Orchis scopulorum). Die Orchidee gedeiht an den Felswänden zwischen Pico do Arieiro und Pico Ruivo (→ Tour 17) und auch am Weg vom Lombo do Mouro zum Pináculo (→ Tour 22). Ebenfalls häufig ist sie im Bereich von Ribeiro Frio (→ Touren 10 und 11).
Tierwelt
Die Tierwelt ist im Vergleich zur Flora eher spärlich. Madeira liegt weit draußen im Atlantik, sodass nur flug- und schwimmfähige Arten es ohne menschliche Hilfe auf die Insel schafften.
Tiere an Land und in der Luft: Bevor der Mensch die Insel betrat, gab es als einheimische Säugetiere nur Fledermäuse. Die ersten Siedler brachten Anfang des 15. Jahrhunderts Kühe, Schafe, Schweine, Ziegen, Kaninchen, Hunde, Katzen und auch Hühner mit. Mäuse und Ratten waren wie überall mit im Schlepptau.
Mit den Schiffen und auf Treibgut kamen Mauereidechsen und der Mauergecko. Schlangen gibt es hingegen nicht.
Etwas artenreicher zeigt sich die Vogelwelt. Häufig kreisen Bussarde über den Tälern, auch Turmfalken (Falco tinnunculus) sieht man. Mit etwas Glück begegnet man abends und nachts einer Schleiereule (Tyto alba) auf der Jagd.
Im Lorbeerwaldgebiet fühlt sich die scheue Silberhalstaube (Columba trocaz) wohl. Die Taubenart ist endemisch, d. h. sie kommt nur auf Madeira vor, und wird bis zu 40 cm groß. Auf dem bislang noch wenig begangenen Caminho do Norte (Tour 36) ist sie noch anzutreffen. Das Gegenstück dazu ist das winzige, ebenfalls endemische Madeira-Goldhähnchen (Regulus madeirensis). Dieser Vogel ist ausgewachsen nur 8 cm groß. Die beste Chance, die Vögel zu sehen, haben Wanderer im Tal des Ribeira da Janela (→ Tour 34) oder bei Ribeiro Frio (→ Touren 10 und 11). Recht häufig und an beliebten Pausenplätzen fast schon lästig-zutraulich ist der Madeira-Buchfink (Fringilla coelebs madeirensis). Etwas scheuer sind die Bachstelzen mit ihrem wippenden Gang.
In tieferen Lagen bis an die Küste trifft man auf den Kanarengirlitz