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„Manchmal beginnt das größte Wunder mit dem ersten Schluck Kaffee …“ Jeden Dezember kehrt Mara Engel nach Fintel zurück – in ihr kleines Weihnachtscafé, das nach Vanille, Hoffnung und Zuhause duftet. Hier findet sie Ruhe, Musik, Freundschaft – und vielleicht mehr, als sie je zu träumen wagte. Doch in diesem Winter verändert sich etwas. Zwischen Schneeflocken, Kerzenlicht und dem sanften Klingen eines Klaviers spürt Mara, dass manche Magie nicht gebraut, sondern gefühlt wird. Und dass Liebe manchmal leiser beginnt, als ein Atemzug im Schnee. Ein kleines Weihnachtsmärchen voller Wärme, Liebe und dem Zauber, an sich selbst zu glauben.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Diese Geschichte ist frei erfunden.
Alle Namen, Orte und Ereignisse sind dem Winter entsprungen,
wie Flocken, die sich für einen Moment zu etwas Echtem formen
und dann wieder davonwehen.
Und doch, zwischen all den Zeilen,
hat sich vielleicht ein Herz eingeschlichen,
das wirklich schlägt.
Jemand, der Lieder kennt, bevor sie gespielt werden,
und der das Leuchten im Alltag nie verloren hat.
Ihr gilt ein stilles Dankeschön –
für Wärme, für Mut und für den Glauben,
dass Wunder immer dort beginnen,
wo jemand sie für möglich hält.
Für alle, die ihr Licht teilen – leise, aber stetig.
Der Himmel über Hamburg ist noch grau, als der Zug sich langsam aus dem Bahnhof schiebt. Mara Engel lehnt die Stirn ans kalte Fensterglas und sieht, wie sich die Stadt in Schemen aus Rauch, Stahl und nassem Asphalt verliert. Ihr Atem malt kleine Wolken an die Scheibe. Sie wischt sie nicht weg.
Neben ihr steht ein Pappbecher, halb geleert, der letzte Espresso aus der Rösterei, in der sie die letzten Wochen gearbeitet hat. Er schmeckt bitterer als sonst – vielleicht, weil Abschiede immer ein wenig bitter schmecken.
In der Tasche liegt ihr Notizbuch. Darin kleben Kaffeeflecken, kleine Zettel, Rezepte und ihre jährliche Dezember-To-do-Liste:
„1. Lichtketten prüfen. 2. Zimtstangen nachbestellen. 3. Nicht wieder alles perfekt machen wollen.“
Sie lächelt über den dritten Punkt. Noch nie hat sie sich daran gehalten.
Der Zug verlässt die Vororte. Beton wird zu Feldern, Laternen zu kahlen Birken. Nebel hängt tief über den Wiesen, als hätte jemand Watte über die Welt gelegt.
Mara lehnt sich zurück. Der Gedanke an ihr kleines Haus im Wald, an das Café „Heideglanz“, lässt ihr Herz höher schlagen und eine wohlige Wärme durchströmt sie. Der Dezember bedeutet für sie kein Stress, keine Hetze – er ist jedes Jahr ihr Rückzugsort.
Dort, wo der Duft von frisch geröstetem Kaffee mit Kiefernharz verschmilzt, wo Kerzen flackern und Tassen klirren. Dort ist sie Mara, nicht „Frau Engel, die Röstmeisterin“.
Sie stellt sich vor, wie sie gleich die Tür öffnet, den vertrauten Geruch einatmet, Giuseppe anknipst. Giuseppe ist ihre alte, leicht launische La Marzocco-Kaffeemaschine.
„Noch eine weitere Saison, alter Freund“, murmelt sie dann immer leise, fast wie ein Ritual.
Draußen ziehen kleine Dörfer vorbei. Sie erkennt vertraute Namen: Hittfeld, Klecken – und bald auch das Schild Lauenbrück. Ihr Herz macht einen kleinen Sprung.
Als der Zug in Lauenbrück einfährt, liegt ein feiner Schneestaub auf den Gleisen. Der Himmel ist wolkenverhangen und über den Dächern hängt Rauch, der nach Holz und Winter riecht. Mara schiebt die schwere Tasche mit den Kaffeebohnen über die Schulter, nimmt ihren großen Koffer und tritt hinaus.
Der kleine Bahnhof wirkt wie aus einem alten Weihnachtsfilm: eine einzelne Lampe über dem Eingang, vereiste Fahrradständer, das Knirschen ihrer Schritte im Schnee. Sie zieht den Schal höher und sucht mit den Augen nach dem vertrauten Wagen.
Da – ein weißer SUV mit schwarzem Dach, an dessen Seitenspiegeln grüne Tannenzweige mit roten Schleifen hängen.
Tessa winkt aus dem Fenster, strahlend, in ihrer unnachahmlichen Mischung aus Elfe und Naturkind.
„Na endlich!“, ruft sie, als Mara die Tür öffnet. „Ich dachte schon, du bleibst im Großstadtwinter stecken!“
„Zug hatte Verspätung. Und du hast da …“ – Mara deutet auf einen der Tannenzweige – „… dein Auto dekoriert?“
„Natürlich! Wenn man schon Leute abholt, dann bitte mit Stil. Außerdem duftet’s nach Fintel, findest du nicht?“
Mara lacht, schüttelt Schnee von der Fischermütze und steigt ein. Im Wagen riecht es nach Rosmarin, Zimt und kaltem Kaffee. Auf dem Rücksitz liegen Gartenhandschuhe und ein kleiner Korb mit Äpfeln aus Tessas Biogarten.
„Erstes Weihnachten in Fintel, hm?“ fragt Mara, während sie sich anschnallt.
„Ja – und ich bin aufgeregt wie ein Kind. Ben und ich haben das Haus endlich fertig geschmückt, sogar den alten Klavierplatz im Wohnzimmer wiederentdeckt. Du musst unbedingt kommen und hören, wie’s klingt.“
„Ich freue mich drauf. Und du musst meinen neuen Kaffee probieren. Ich hab diesmal eine besondere Bohne.“
„Natürlich hast du das“, grinst Tessa. „Bei dir ist selbst Luft besonders.“
Sie fahren los. Die Straße windet sich durch den Wald und auf den Ästen liegt Schnee wie Puderzucker. Die Welt wird stiller, je weiter sie sich von dem Bahnhof entfernen. Nur das Summen des Motors und Tessas leise gesummte Melodie – ein Weihnachtslied, zart und schlicht – füllen den Wagen.
Mara sieht aus dem Fenster. Zwischen den Bäumen glitzern Lichter, vielleicht Eiszapfen, vielleicht etwas anderes. Der Himmel ist inzwischen weicher geworden, ein sanftes Rosa über dem Grau und Weiß der Heide.
„Ich schwöre, hier riecht es schon nach deinem Café“, sagt Tessa plötzlich.
Mara schmunzelt. „Nach Kaffee, Vanille und ein bisschen Wunderglauben?“
„Genau so.“
Für einen Moment ist alles ruhig. Nur das Knirschen der Reifen im Schnee, der Atem der beiden Frauen und das Gefühl, dass der Dezember etwas flüstert, das man noch nicht versteht.
In der Ferne taucht das kleine Holzschild auf: „Café Heideglanz → 300 m“
Mara atmet tief durch.
Der Winter hat sie wieder.
Der Wagen rumpelt über den letzten schmalen Waldweg. Schneeflocken tanzen nun dichter, wie winzige glitzernde Boten, die das Heimkommen feiern. Zwischen den Tannen öffnet sich eine kleine Lichtung – und dort steht es:
das „Café Heideglanz“.
Ein Häuschen aus Holz und Stein, Dach und Fensterrahmen mit weißen Schneegirlanden geschmückt, als hätte der Winter selbst beschlossen, mit zu dekorieren. Unzählige kleine Lichterketten glühen warm durch den Nebel und aus dem Schornstein steigt schon Rauch auf, träge und wohlig.
„Da ist es“, flüstert Tessa ehrfürchtig, als wäre sie vor einer Kapelle stehen geblieben.
Mara spürt, wie ihr Herz ein klein wenig stolpert. Jedes Jahr derselbe Moment – und doch nie gleich.
Wie ein vertrauter Geruch aus der Kindheit, der plötzlich Erinnerungen wachruft, die man gar nicht bewusst gespeichert hatte.
Sie steigen aus. Unter ihren Schuhen knirscht der Schnee.
Der Wind trägt den Duft von gerösteten Kaffeebohnen herüber – ganz zart, als hätte jemand in der Ferne eine Pfanne auf dem Kamin vergessen.
„Giuseppe ist bestimmt beleidigt, weil ich so lange nicht da war“, murmelt Mara lächelnd.
„Wer ist Giuseppe?“ fragt Tessa.
„Meine Espressomaschine. Eine alte La Marzocco. Er redet manchmal mit mir – na ja, mehr durch Geräusche. Wenn er zickt, hat er meistens recht.“
Tessa lacht hell auf. „Das klingt, als würde er perfekt zu dir passen.“
Mara schließt die Tür auf.
Ein sanftes Klingen erklingt – nicht dieses metallische Türglöckchen, sondern ein warmer, klarer Ton, als hätte jemand eine kleine Kristallkugel angeschlagen.
Drinnen ist alles still.
Nur das Ticken der alten Wanduhr. Und der Geruch – eine Mischung aus Vanille, Kaffee, Bienenwachs und getrockneten Orangenschalen.
Tessa entzündet die Kerzen, die überall im Raum verteilt stehen.
Das Licht flackert über alte Holztische, rot-karierte Decken und kleine Vasen mit Tannengrün.
„Willkommen zu Hause“, sagt Tessa leise.
Mara tritt mitten in den Raum, schließt die Augen, atmet tief ein.
„Ich liebe diesen Moment“, flüstert sie. „Wenn alles noch schläft. Als wüsste das Café, dass ich wieder da bin, aber wartet, bis ich’s ihm sage.“
Sie geht hinter den Tresen, legt die Hand auf Giuseppe.
