Malta - Rainer Gippert - E-Book

Malta E-Book

Rainer Gippert

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Beschreibung

Dieser Reiseführer lädt die Gäste Maltas und Gozos auf eine frühgeschichtliche Entdeckungstour ein. Das Archipel verfügt über einen in Bezug auf Alter und Umfang einzigartigen Schatz an archäologischen Denkmälern. Dazu gehören Fundamente und Ruinen von Steinbauwerken aus dem dritten und vierten Jt. v. Chr. (also weit älter als die ersten Pyramiden in Ägypten), Grabstätten, Menhire, Felsengräber und Katakomben in großer Zahl. Aus der Bronzezeit sind Befestigungsanlagen und die rätselhaften "Cart-Ruts", ein Netz von in die Felsoberfläche eingravierten Spurrillenpaaren, das die Inseln überzieht, erhalten geblieben. Alle Denkmäler, ihre Fundorte und Zugangsmöglichkeiten werden detailliert und anschaulich beschrieben und in einen chronologischen und thematischen Überblick gestellt. Der Reiseführer stützt sich auf die aktuellen Erkenntnisse der Archäologie, nicht ohne auch immer wieder spannende Ausblicke über den Tellerrand des wissenschaftlich Beweisbaren hinaus zu wagen. Dabei geht es um die Frage, was uns die Zeugnisse über das Leben der frühen maltesischen Gesellschaften berichten. Als Reiseführer vor Ort eignet sich das Buch vor allem für die Monate Oktober bis April. In den trockenen, heißen Sommermonaten auf Malta bietet es eher eine anregende Lektüre im reisefreundlichen ebook-Format. Mit 21 Fotos, 14 Skizzen und weiterführenden Literaturhinweisen

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Rainer Gippert

Malta

Ur- und frühgeschichtliche Denkmäler

Imprint

Malta. Ur- und frühgeschichtliche Denkmäler Rainer Gippert published by: satzlabor Stefan Gippert Greifswalder Straße 5 10405 Berlin satzlabor.fachsatz.de Copyright: © 2014 Stefan Gippert epub-Ausgabe 1.0 vom Januar 2014

Inhalt
Einführung
1. Die maltesischen Inseln und ihre Besiedlung
Übersichtskarte
Geologie
Landnahme
Entstehung von Landwirtschaft
Besiedlung
Wohnstätten
Handelsverbindungen
Höhlen
»Häuser«
Gemeinschaftsleben
Gräber
2. Epoche der Tempelbauer
Die »Tempel«-Kultur
Architektur
Kultstätten
»Magna Mater«
Errichtung der »Tempel«
Die Leistung der Tempelbauer
Frühe Tempel
Typische Merkmale
Ta 'Ħaġrat (Mġarr)
»Li Skorba« (Żebbiegħ)
Kordin (Corradino)
Santa Verna
Ta 'Marċiena
Die großen Tempel
Die »Ġgantija«
Ħaġar Qim
Mnajdra
Ħal Tarxien
Das Hypogäum von Ħal Saflieni
Weitere Tempelanlagen
Tal-Qadi
Tas-Silġ I
Buġibba
Xrobb il-Għaġin
Borġ in-Nadur I
Vermutete weitere Tempelstätten
Xemxija
Mellieħa
Id-Debdieba
Ħal Ġinwi
Qrendi
»Brochtorff-Circle«
Għajnsielem
Qala
Xewkija
Munxar
L-Imramma
Das Ende der Tempelbau-Kultur
Brandgräber-Kultur von Ħal Tarxien
Ursachen für den Kulturwechsel
3. Malta zur Bronzezeit (2.200 – 800 v. Chr.)
Dolmen
»Borġ in-Nadur«-Phase
Siedlung Borġ in-Nadur
Weitere Siedlungen der Epoche
Dauer der Epoche
»Baħrija«-Phase
4. Spurrillen (»Cart Ruts«)
Erscheinungsbild
Mutmaßungen
Fundorte
Mdina/Rabat
Mtarfa
Binġemma Gap
»Clapham junctions«
Mġarr/Żebbiegħ
Baħrija
Naxxar
San Ġwann
Anhang
Probleme und Methoden der Datierung
Zeittafeln zur Geschichte Maltas
Die maltesischen Megalith-Tempel – Überblick
Literatur
Maltesisch: Aussprache, Ortsnamen

Einführung

Das Bild, das Malta dem Besucher heute bietet, ist stark geprägt durch das Wirken der »Ritter vom Hospital des Heiligen Johannes zu Jerusalem«, des sog. Johanniterordens. Sie bauten während und nach ihrer überaus erfolgreichen Abwehr türkischer Angriffe auf den maltesischen Archipel im 16. Jh. n. Chr. diesen nicht nur zu einem schier unüberwindlichen christlichen Bollwerk gegen die Muselmanen im Zentrum des Mittelmeers aus, sie wussten auch ihre Herrschaft über den Archipel über mehr als zwei Jahrhunderte zu sichern. Die Spuren, die sie bis auf den heutigen Tag hinterlassen haben, sind allüberall unübersehbar.

Daneben sind es vor allem die Engländer gewesen, die Gestalt und Charakter der maltesischen Inseln unverkennbar mitgeprägt haben. Zwar betraten sie das Land erst im Jahre 1800 n. Chr. Sie entwanden es Napoleon, der die Inseln zwei Jahre zuvor selbst der Johanniterherrschaft entrissen hatte, weil sie ihm als Stützpunkt für seinen Eroberungszug nach Ägypten besonders wichtig erschienen. Natürlich erkannten auch die Briten die ungemein große strategische Bedeutung des zentralen Mittelmeerarchipels und bauten ihn im Laufe der Zeit zu einer schier uneinnehmbaren Inselfestung aus. Sie behauptete sich nicht nur im Ersten, sondern sogar auch im Zweiten Weltkrieg, und das trotz der unmittelbaren Nachbarschaft (von Sizilien aus liegt Malta keine 100 km entfernt!) und der anfänglichen Luftüberlegenheit der sog. »Achsenmächte«, Hitler-Deutschlands und Mussolini-Italiens.

Großbritannien gab den maltesischen (Kolonial-)Besitz erst im Jahre 1979 endgültig auf, nachdem die Malteser ihr politisches Selbstbestimmungsrecht – insbesondere unter der Wortführerschaft ihres langjährigen Premier-Ministers Dom(inic) Mintoff – wirkungsvoll zu vertreten gelernt hatten.

Seitdem ist Malta eine autonome Republik, ein selbständiges Mitglied der internationalen Völkerfamilie.

Der maltesische Archipel ist damit zum ersten Mal in seiner Geschichte unabhängig, frei – Denn nicht erst die Briten, die Franzosen, die Johanniter sahen in den Maltesern ihre Untertanen, vor ihnen waren sie in unaufhörlicher Folge (s. Zeittafel zur Geschichte Maltas) den Befehlen der Normannen, der Staufer und auch der Spanier unterworfen. Diese wiederum setzten sich über die Araber, die mehr als 300 Jahre lang über Malta herrschten, nachdem sie es dem Byzantinischen Reich entrissen hatten. Ihre Spuren findet man deutlich noch im heutigen Baustil, vor allem aber in der Sprache der Malteser (einer Mischung aus nordafrikanischem Arabisch und sizilianischem Italienisch).

Anderthalb Jahrtausende (!) vorher schon standen die maltesischen Inseln unter der Botmäßigkeit der Phönizier, danach der Punier, der Karthager. Unter den Römern, die schließlich (in den punischen Kriegen) Karthago besiegten, wurde Malta Römische Kolonie. Sie blieb es etwa 600 Jahre lang. Während dieser Zeit soll es den Apostel Paulus als Schiffbrüchigen auf die Insel verschlagen haben, der die Malteser zum Christentum bekehrte.

Schon beim objektiven Blick über die historisch gesicherten Daten der letzten zweieinhalb Jahrtausende vermag der Betrachter sich eines Schauders nicht zu erwehren: Wie unsagbar schwer müssen doch die Lasten gewesen sein, die der maltesischen Bevölkerung während dieser Zeitspanne zu tragen, besser vielleicht: zu schleppen aufgezwungen wurden! Immer war sie irgendwelchen Herren untertan, ständig absoluten Herrschaftsstrukturen unterworfen, oft genug drückender Sklaverei ausgesetzt. Bis in unsere Tage hinein konnten die Malteser ihr Tun und Lassen niemals selbst bestimmen

Aber wie sehr sich die jeweiligen Besatzungsmächte auch mühten, die Malteser völlig von sich abhängig zu machen, sie möglichst unwissend, ungebildet zu halten, sie in allem also den Zielen ihrer Fremdherrschaft zu unterstellen, zu unterwerfen – es gelang ihnen selbst über Jahrtausende hinweg tatsächlich nicht, ihnen die eigene Identität zu rauben! Im Gegenteil: Alle Pressungen, alles Leid, das sie während dieser unendlich langen Zeit erdulden mussten, schien ihr Zusammengehörigkeitsgefühl nur noch gestärkt zu haben. Sie bildeten und bewahrten sich eine erstaunliche Eigenständigkeit im Denken und Handeln, kapselten sich keineswegs ab, sondern blieben grundsätzlich aufgeschlossen, freundlich, sogar durchaus tolerant – wie jeder Besucher der Inselgruppe es heute noch tagtäglich erlebt.

Und das scheint nun eines der größten Wunder der menschlichen Geschichte zu sein: Die Menschen, die heute die maltesische Inselgruppe bewohnen, tragen offenbar die gleichen Wesensmerkmale, die wir schon ihren Vorfahren zuschreiben müssen, die vor mehr als 5000 Jahren hier lebten und wirkten Das ist umso erstaunlicher, als ihnen von deren Wirken und Wesen keine Kunde überkommen ist Bis vor kaum mehr als 100 Jahren erkannten sie nicht einmal die Spuren, die bis in ihre vorgeschichtliche Zeit zurückführen

Diese liegt immerhin 5 – 6 Jahrtausende vor unserer Gegenwart. Doch erst in neuster Zeit, eigentlich erst seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erschlossen sich Wesen und Ablauf der maltesischen Ur- und Frühgeschichte den Wissenschaftlern, vor allem den Archäologen und Historikern. Der Umfang des Forschungsgebiets ist relativ klein, die Inselfläche Maltas und Gozos umfasst lediglich 316 km2 – ist also etwa von gleicher Ausdehnung wie eine moderne Großstadt. Demgegenüber jedoch ist kaum zu erfassen, wie gewichtig und bedeutend dieses kleine Gebiet für die Entstehung und Fortbildung der Kultur der ganzen Menschheit ist!

Wer Malta wirklich erfassen, verstehen will, muss unbedingt den Spuren folgen, die in seine Urgeschichte führen!

Diese sind breit und dicht über die maltesischen Inseln gestreut und führen den Besucher, der für die Kultur und Geschichte der Menschheit aufgeschlossen ist, zu ungeahnt eindrucksvollen, unvergleichlichen Überresten von Denkmälern, die sein Wissen, seine Kenntnisse bereichern und seine Phantasie vermutlich derart reizen werden, dass er sie immer deutlicher zu erkennen, tiefer zu durchleuchten sucht. Schließlich möchte er verstehen können, was sie dem Steinzeitmenschen bedeuteten, welche Antworten diese Vorfahren von uns allen vielleicht schon gefunden haben auf die Fragen, die auch er noch sich selbst immer und immer wieder stellt: Woher kommt der Mensch – wohin zieht er – wer oder was hält oder führt sein Leben?

Diese Schrift will den Gästen Maltas bei der Spurensuche helfen. Sie sucht nicht nur möglichst anschaulich zu beschreiben, wie sie zu den bedeutenden Überresten der vorgeschichtlichen Kultur der Malteser Zugang finden und was sie dort sehen und betrachten können – sie bietet ihnen auch eine Hilfe an bei dem sicherlich nicht leichten Versuch, die gewonnenen Eindrücke zu ordnen, zu überblicken, sie umfassend zu verstehen. – Da manche »Spuren« wissenschaftlich noch keineswegs abschließend erforscht sind, weitere möglicherweise später erst gefunden werden (können), dürfen allerdings auch unsere zusammenfassenden Überblicke nur als »vorläufig« gewertet werden.

1. Die maltesischen Inseln und ihre Besiedlung