Mama. Frau. Königstochter. - Priska Lachmann - E-Book

Mama. Frau. Königstochter. E-Book

Priska Lachmann

0,0

Beschreibung

"Ich bin nicht gut genug. Ich schaff das nie. Meiner Freundin geht es viel besser als mir." Viele junge Mütter haben diese und andere Lügen im Kopf. Priska Lachmann kennt diese Gedanken ebenfalls nur zu gut und weiß, welche destruktive Macht sie haben können. Deshalb ist es wichtig, ihnen etwas entgegenzusetzen: Worte der Wertschätzung und Ermutigung. Mit Beispielen aus dem eigenen Leben holt Priska Lachmann - selbst dreifache Mama - ihre Leserinnen bei den vertrauten Lügen ab, um ihnen dann zu einem positiven Blick auf sich selbst zu verhelfen. Ein Buch wie eine gute Freundin, ehrlich, mitfühlend und ermutigend.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 158

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Beliebtheit




Über die Autorin

Priska Lachmann, Jahrgang 1986, ist verheiratet und dreifache Mädchenmama. Seit ihrem Theologiestudium an der LEE University im US-Bundesstaat Tennessee und an der Universität Leipzig arbeitet sie als freie Journalistin und Redakteurin in Leipzig. Sie ist außerdem erfolgreiche Bloggerin auf dem Mamablogazin mamalismus.de und Gründerin des Leipziger Familienmagazins „Rosa Krokodil“.

Für meine drei großartigen Töchter

Inhalt

Vorwort von Veronika Smoor

Einleitung

MAMA.

Das ist die schwerste Zeit meines Lebens

Ich bin einsam

Seit ich Kinder habe, ist mein Körper nicht mehr derselbe

Niemand ist so chaotisch wie ich

Ich kann nicht mehr, es ist mir einfach alles zu viel

Ich bin nur noch mit literweise Kaffee überlebensfähig

Ich bin eine schlechte Mutter

Meine Sorgen erdrücken mich

FRAU.

Wir haben kaum noch Sex

Ich bin in nichts richtig gut

Mein Leben hat kein Ziel mehr

Wir haben nicht genug Geld

Meine Träume sind ausgeträumt

Meiner Freundin geht es viel besser als mir

Meine Ehe ist auch nicht mehr das, was sie mal war

Ich kann nur zufrieden sein, wenn alles perfekt ist

Ich bin so deprimiert

KÖNIGSTOCHTER.

Ich bin unzufrieden mit meinem Leben

Meine Angst lähmt mich

Ich schaff das schon alles!

Gott ist so weit weg

Ich schaffe es nie, einfach glücklich zu sein

Ich will nicht immer erwachsen sein müssen

Ich mache dieselben Fehler wie meine eigenen Eltern

Ich bin eine komplette Versagerin

Nachwort einer Mama, Frau und Königstochter: Meine Reise zu mir selbst

Anmerkungen

Vorwort von Veronika Smoor

Meine liebe Leserin,

keine Phase des Lebens ist so gigantisch umwälzend wie die Gründung einer Familie. Theoretisch wissen wir schon so vieles, aber wenn wir dann tatsächlich Richtung Kreißsaal geschoben werden, wenn wir im Wochenbett mit Brustentzündungen kämpfen, plötzlich die Einsamkeit mit Baby in den eigenen vier Wänden spüren, wenn wir uns fremd in unserem eigenen Körper fühlen, wir nicht mehr ein noch aus wissen angesichts der Flut von widersprüchlichen Informationen und Anforderungen, wie denn eine „gute Mutter“ zu sein hat, dann möchten wir uns nur noch auf den Boden legen und eine ganze Weile leise in unser nach Milchspucke stinkendes T-Shirt weinen.

Ja, auch ich lag einige Male völlig erschöpft auf dem Boden des Kinderzimmers, während zwei fröhlich krähende Kleinkinder über mich purzelten und dabei lachten – und mein einziger Gedanke war: „Werde ich jemals wieder schlafen? Und wie viele Stunden hat dieser Tag eigentlich noch?“

Nun sind einige Jahre vergangen und aus den krähenden Kleinkindern sind ganz großartige, verantwortungsbewusste Schulkinder geworden. Ich habe sie überlebt, die einsamen Kleinkindjahre, und blicke staunend und tatsächlich auch wehmütig zurück. Was gäbe ich darum, noch einmal den Karamellduft meines Babys einzuatmen oder dieses übermütige Kleinkindlachen zu hören. Wie gut, dass ich Unmengen an Babyvideos gedreht habe, dass ich das zumindest noch hören (und sehen) kann!

Ungefähr Mitte des letzten Jahrhunderts erfuhr die Großfamilie – das seit Jahrhunderten bewährte Familienmodell – ihren Abstieg. Wir leben heute in Klein- und Kleinstfamilien: jede Familie, oftmals isoliert, in ihrer kleinen Wohnung oder in ihrem Reihenhäuschen. Uns fehlt der Großfamilienverbund. Die Mutter, die Oma, die Tante, die uns Rat geben, die uns im Wochenbett versorgen, unsere Kinder miterziehen, uns trösten und anfeuern.

Ich will hier nicht die Großfamilie romantisieren, denn manchmal kann sie auch ein System sein, in dem man seine Selbstbestimmung an der Haustür abgeben muss. Aber doch sind wir Menschen durch und durch auf Gemeinschaft angelegt. Muttersein darf deshalb keine Angelegenheit der Isolation sein. Fühlt es sich denn nicht auch total unnatürlich an, den ganzen Tag allein mit seinem Kleinkind und den eigenen Fragen und Bedürfnissen zu sein? Was ich mir gewünscht hätte als junge Mutter? Neben mehr Schlaf an erster Stelle: die Solidarität, den Trost und den Rat einer erfahrenen Frau. Wenige von uns können darauf wirklich zurückgreifen und finden sich stattdessen mit ihrem Baby in einer ähnlich überfordernden Situation wie ich damals wieder. Alleine.

Wie gut, dass es Bücher wie dieses gibt, das wie eine gute Freundin daherkommt. Wie gut, dass es eine Stimme gibt, die sagt: „Ich auch!“ Die Stimme meiner lieben Freundin Priska Lachmann, die bereits den Weg der traumatischen Geburten, vollen Windeln und schlaflosen Nächte gegangen ist und nun am Wegrand steht und dein Cheerleader sein will!

Mach dich darauf gefasst, dass du dich auf den nächsten Seiten in einigen Situationen wiedererkennen wirst und erkennst, dass das, was du gerade erlebst, ein kollektives Erleben aller Mütter rund um den Erdball ist. Und dann kannst du üben, dich zu versöhnen mit allem Unfertigen, mit dem Chaos in deinen vier Wänden, mit deinem unperfekten Lebensentwurf, mit dem wenigen Schlaf und den hohen Wäschebergen.

Wir können das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen und die Großfamilie wieder einführen (obwohl ich persönlich das prima fände), aber wir können Frauensolidarität üben. Wir können aus unguten Mustern und belastenden Situationen ausbrechen, indem wir ehrlich werden und unsere Bedürfnisse und unseren Schmerz offen äußern – und unsere leeren Hände öffnen, um sie von unserem Schöpfer neu füllen zu lassen.

Veronika Smoor

Einleitung

Vor ein paar Jahren wurde das Scheitern meines Lebens für alle sichtbar. Ich hatte auf kompletter Linie versagt, und alle in meiner Umgebung konnten dabei zuschauen, wie mein Leben auseinanderfiel.

Ich hatte in meinen eigenen Augen versagt als Mama, Frau und Königstochter. Vor Scham hätte ich mir gern ein Loch gebuddelt und mich eingegraben, aber das kam nicht infrage. Aufstehen, Krone richten und weitergehen! war die Devise. Wie es in meinem Herzen aussah, war jedoch eine ganz andere Sache. Niemandem außer meinen allerengsten Freunden und meiner Familie zeigte ich meine Tränen und meine Verunsicherung.

Manchmal rief ich abends meine Freundin an und fragte sie, ob sie vorbeikommen könne, um mich einfach nur in den Arm zu nehmen. Sie kam zehn Minuten später mit dem Fahrrad angeradelt und legte sich neben mich, nahm mich in den Arm, tröstete und hielt mich. Manchmal rief ich meinen besten Freund an, wenn ich sehr verzweifelt war, und fragte ihn, ob er jetzt sofort für mich beten könne – was er natürlich sofort tat.

Diese intimen Erlebnisse teile ich zum ersten Mal mit jemandem außerhalb dieses engsten Freundeskreises, nämlich mit dir. Sie zeigen eine ganz schwache, verletzliche Seite von mir, die ich nicht sehr mag. Lieber möchte ich strahlend und fröhlich sein. Stark, fest im Glauben, theologisch fundiert und niemals scheiternd. Aber die Wahrheit sieht, wie bei allen anderen auch, anders aus. Denn die Wahrheit kennt Schmerz und Schwäche …

Wir leben in einer Welt, in einem Zeitalter der scheinbaren Perfektion. Auf Instagram werden unsere Fotos gefiltert und vermitteln so genau den Eindruck, den wir von uns preisgeben wollen. Wir wollen den Erwartungen entsprechen, die diese „perfekte Welt“ an uns hat.

Wir sind einer permanenten Flut an perfekten Bildern ausgesetzt, von perfekten Frauen und Müttern und vielen anderen glücklichen, erfolgreichen Menschen. Alles ist voller Lachen und Glückseligkeit.

Noch dazu sind wir überflutet von unterschiedlichen Nachrichten, Meinungen und Überzeugungen, die jeden Tag auf uns einströmen und uns sagen, wie wir leben und uns optimieren sollen. Wir sitzen währenddessen aber in unserem realen Leben. Zwischen angebrannten Töpfen mit Essensresten, vollgespuckten Mullwindeln und ungewaschenen Vorhängen und haben noch dazu immer zu wenig Geld auf dem Konto.

Wir spüren manchmal wenig von dieser Glückseligkeit, die wir vermittelt bekommen, und die ganzen Meinungen, wie wir zu leben haben und was wir zu denken haben, können uns leicht überfordern.

Kennst du diese Verzweiflungsmomente, wenn du dir sehnlichst nur mal fünf Minuten für dich wünschst und dich im Bad einschließt? Weißt du, wovon ich spreche, wenn ich dir erzähle, dass ich manchmal im Bad dann heimlich weinen muss, weil ich so erschöpft und müde bin? So frustriert vom Alltag? So genervt von den Streitereien oder manchmal auch einfach nur so traurig?

Alle möglichen Gedanken schießen mir in diesen Momenten durch den Kopf und machen mir das Leben zusätzlich schwer. Lügen, die sich in meinem Herz festsetzen wollen, negative Überzeugungen, die mich zusätzlich runterziehen. Alles, was ich dann brauche, ist jemand, der diesen Stimmen die Wahrheit über mich entgegensetzt, der mir Worte des Trostes und Mitgefühls schenkt, Worte der Wertschätzung. Jemand, der mir sagt: „Du bist gut genug.“

Genau diese Person möchte ich für dich in solchen Momenten sein. Deshalb schreibe ich dieses Buch. Ich will dich mit den unterschiedlichen Kapitelüberschriften bei deinen vertrauten Gedanken abholen und dir dann zusprechen: „Du rockst das. Du machst das fantastisch. Du bist genug. Gut genug. Und sogar mehr als das: Du bist eine unendlich geliebte, wundervolle Mama, Frau und Königstochter!“

Deine Priska

MAMA.

„Das ist die schwerste Zeit meines Lebens“

Ich schaue hinauf zu den Bergen – woher kann ich Hilfe erwarten? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat! Psalm 121,1–2

Ich war 23, als meine große Tochter geboren wurde. Und ich war damals überhaupt nicht bereit, Mutter zu sein. Ich dachte, ich sei bereit dafür, aber in der Realität war ich es ganz und gar nicht. Schon die Geburt war schwer – der Geburtsbericht des Krankenhauses liest sich wie eine wahre Horrorgeschichte.

So hatte ich eine Risikogeburt, bei der ich fast gestorben wäre. Beinahe wäre ich aufgrund eines Zervixrisses am Gebärmutterhals innerlich verblutet, weil das diensthabende Personal unaufmerksam war beziehungsweise mich nicht so versorgte, wie es nötig gewesen wäre. Meine zuständige Hebamme, die mit Jacke und Stiefeln nach 26 Stunden noch mal in den Kreißsaal kam und eingriff, um die Geburt endlich zu vollenden, und mein Frauenarzt, der vier Stunden später „nur noch mal nach mir schauen wollte“, meinen starken Blutverlust registrierte und dann innerhalb von zwei Minuten eine Not-OP mit Vollnarkose direkt im Kreißsaal durchführte, retteten mir das Leben. Völlig kraftlos und hilflos ließ mich diese Geburt zurück.

Ich konnte in den ersten Tagen danach nicht einmal sitzen, geschweige denn aufstehen. Ich konnte mein Baby nicht allein aus seinem Bettchen heben, geschweige denn allein auf die Toilette gehen. Die Hebammen erlaubten mir nicht, meine Tochter bei mir im Bett zu lassen. Trotz der Diskussionen und meiner verzweifelten Bitten legten sie mein Baby doch immer wieder ins Säuglingsbett zurück. Also musste ich jedes Mal nach jemandem rufen, wenn meine Tochter weinte und ich sie zu mir holen wollte.

Das ist inzwischen elf Jahre her und so etwas ist mir in keinem anderen Krankenhaus und bei keiner anderen Hebamme jemals wieder passiert. Aber diese Erfahrungen hinterließen ein Trauma bei mir, was ich erst bei der Geburt meiner zweiten Tochter als ein solches erkannte. Meinem persönlichen Geburtstrauma war es auch geschuldet, dass ich nach der Geburt meiner ersten Tochter keine direkte Bindung zu ihr aufbauen und ich nicht in vollem Maße für sie da sein konnte.

Ich hatte Schwierigkeiten, mich in meiner Mutterrolle zurechtzufinden. Ich wusste nicht, woran ich merke, dass meine kleine Tochter satt ist; ich wusste nicht, wie ich sie wieder von meiner Brust „wegbekomme“. Ich wusste nicht, ab wann ich Beckenbodentraining machen muss, wie oft man wickelt und dass es statt Fencheltee in der ersten Woche nach der Geburt auch andere Lösungen gibt. Ich war ahnungslos. Hilflos. Überfordert.

Es brauchte Monate und Jahre, bis ich in meiner Rolle als Mama richtig ankam. Diese Monate und Jahre fühlten sich unendlich schwer an. Sie waren dominiert von Tränen, Babygebrüll, schmerzenden Stillbrüsten, Geburtsverletzungen, seelischem Schmerz und dem grundlegenden Gefühl, sich völlig verloren und überfordert zu fühlen. Meine Realität als junge Mama hatte nichts mit dem seligen Familienglück zu tun, wie es einem so oft vorgegaukelt wird. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass ich gerade die schwerste Zeit meines Lebens durchmachte.

Schwere Zeiten kommen meistens unerwartet. Wir können uns nicht darauf vorbereiten und den Schmerz deshalb nicht abfedern. Sie treffen uns von hinten und oft genau da, wo es am meisten wehtut. Wir verabscheuen schwere Zeiten und wollen sie tunlichst vermeiden. Wir wollen die Kontrolle in unserem Leben nicht abgeben müssen und keineswegs den Boden unter unseren Füßen verlieren. Aber schwere Zeiten sind oft genau die Zeiten, in denen wir am meisten wachsen. Zeiten, die wehtun, bringen uns dazu, über uns selbst hinauszuwachsen. Unser Charakter formt sich und unser Herz wird fester. Schwere Zeiten brechen unseren Stolz. Sie machen uns verletzlich und brechen die harte Schale um unser Herz auf, sodass wir empfindsamer werden und unser wahres Selbst authentischer zeigen können.

Und mittlerweile glaube ich, es gibt keine bessere Schule für unseren Charakter und unser Herz als unsere ersten Mamajahre. Vielleicht sollten wir uns von der Idee verabschieden, dass Kinder uns immer nur glücklich machen, und vielmehr erwarten, dass sie uns zu weiseren und stärkeren Persönlichkeiten heranwachsen lassen.

Ich frage mich, wie wir überhaupt auf die Idee gekommen sind, dass Kinder uns glücklich machen müssten? Ist es nicht sogar unfair, unseren Kindern diese Last aufzubürden?

Wenn wir Leid und Schweres aus unserem Leben verbannen wollen, verbannen wir damit auch die Chance auf persönliches Wachstum. Wenn sich etwas schlecht anfühlt, muss es deshalb nicht unbedingt falsch sein. Und wenn Kinder uns eine Zeit lang oder nicht durchgehend glücklich machen, muss die Entscheidung, sie bekommen zu haben, ebenfalls nicht falsch gewesen sein. Genauso wenig wie an dir als Mama etwas falsch sein muss, nur weil du dich nicht permanent im glückseligen Mutterglück wiegst!

Doch niemand hatte mich auf diese Realität vorbereitet. Schmerzende Betonbrüste trafen auf riesige Krankenhauswindeln in Netzschlüpfern und warme Wasserduschen beim Toilettengang. Niemand hatte mir erzählt, dass ich einmal mit Quarkwickeln auf meinen riesigen Brüsten auf unserem Sofa sitzen würde, während ich auf den angekündigten Besuch warte. Niemand hatte mir gesagt, dass ich dankbar sein würde, wenn ich es auch nur in die Dusche schaffen würde. Niemand hatte mir gesagt, wie schwer es sein würde, sich in dem Dschungel aus Informationen über Biomöhren, Pre-Nahrung, Bonding und dem richtigen Schlafverhalten zurechtzufinden.

Ich war erschöpft, oftmals den Tränen nahe und gleichzeitig unsterblich verliebt in dieses zuckersüße Wesen. Ich wollte ihr die Welt zu Füßen legen, alles richtig machen und die beste Mutter ever sein. (Natürlich hat das nicht funktioniert.) Aber ganz ehrlich: Die erste Zeit war wirklich schwer, und ich empfand nicht immer nur das pure Mutterglück, wie ich es mir erträumt hatte.

Aber wie gut ist es, dass sich über die ganze Schwere dennoch dieser rosa Schleier der ersten Verliebtheit legte. Wie gut, dass kleine Babys so zuckersüß sind, so gut duften und die wunderschönsten kleinen Zehen haben, die man sich vorstellen kann!

Das Muttergefühl und die tiefe Liebe zum Kind sind oft nicht von heute auf morgen da. Und das ist okay. Dafür musst du dich nicht schuldig fühlen oder schämen. Du kannst eine wunderbare Mama sein, obwohl du die Zeit gerade als die schwerste deines Lebens empfindest. Und für alles andere lass dir Zeit. Glaub mir, du wächst ganz automatisch in deine Rolle als Mama hinein.

Manche Frauen haben dieses „Mama-Gen“ so stark in sich, dass sie nicht erst in ihre neue Rolle hineinwachsen müssen, aber bei mir war das definitiv nicht der Fall. Ich brauchte Zeit. Aber ich darf vermelden, dass ich inzwischen eine richtige Mama bin. Mit Leib und Seele. Manchmal zu gluckenhaft, manchmal zu nachlässig. Perfekt unperfekt eben. Und bei keinem meiner zwei anderen Kinder habe ich die Anfangszeit jemals wieder als so schwer und heftig empfunden wie bei meinem ersten.

Wie gut, dass wir an unseren Herausforderungen wachsen und wissen dürfen, dass es besser wird. Wie gut, dass sich wahres Mutterglück und die schwerste Zeit deines Lebens vereinbaren lassen!

Vater im Himmel, diese Phase erscheint mir unendlich schwer. Niemals hätte ich gedacht, dass es sich so ermüdend und erschöpfend anfühlen kann, Mutter zu sein. Ich bin enttäuscht, weil ich mir diese Zeit ganz anders vorgestellt habe. Bitte hilf mir, mit meiner Enttäuschung umzugehen. Hilf mir, damit Frieden zu schließen und diese Zeit trotzdem zu genießen.

Ja, vor dir liegt vielleicht die schwerste Zeit deines Lebens, aber früher oder später wirst du auch eines sein: schwer verliebt in dieses kleine Wesen!

Julia:

„Unser Sohn war ein Wunschkind. Allerdings war er kein gut schlafendes, entspanntes Baby, sondern er schrie stundenlang. Jeden Tag. Das war die schwerste Zeit meines Lebens. Nervlich brachte mich das an den Rand des Aushaltbaren. Ich dachte oft nur noch, dass ich will, dass es endlich aufhört. Geholfen hat uns, dass wir uns professionelle Hilfe gesucht haben und eine Osteopathin, die meine Hilflosigkeit aufgefangen hat.“

„Ich bin einsam“

Jesus Christus spricht: „Ihr dürft sicher sein: Ich bin immer bei euch, bis das Ende dieser Welt gekommen ist!“ Matthäus 28,20

Stundenlang allein spazieren gehen, Windeln wechseln, stillen, das Kleinkind versorgen, kochen, den „Mount Washmore“ besteigen, putzen, vielleicht noch etwas arbeiten oder studieren. Die Tage mit Kindern, besonders mit Babys, fühlen sich oft endlos und ziemlich einsam an. Manchmal trifft man eine Freundin, die ebenfalls einen Kinderwagen vor sich herschiebt. Dann spürt man wieder etwas von der alten Freiheit, man fühlt sich verstanden und nimmt am Leben der jeweils anderen teil, aber zwei Stunden später ist man wieder allein zu Hause, wäscht vollgespuckte Lätzchen, kocht Brei und sehnt den Abend herbei.

Nein, natürlich ist es nicht immer so negativ. Ein Baby zu haben ist auch wunderschön. Es legt seine Ärmchen um dich, liebt dich bedingungslos, und wenn es dich anlacht, ist die Welt ein kleines Stückchen besser. Babys sind ein riesiges Geschenk und können einem Momente der tiefsten Glückseligkeit und Erfüllung schenken. Dennoch kann man diese einsamen, leeren Tage nicht einfach ignorieren.

Ich bin nicht gern allein – nur zu Hause fühlt sich das fantastisch an. Allein unterwegs sein mag ich jedoch gar nicht. Zum Glück habe ich immer mindestens ein Kind bei mir, hinter dem ich mich verstecken kann. Ja, ich glaube, ich habe es deshalb verlernt, allein zu sein. Früher war ich gern allein. Ich bin sogar allein ins Kino gegangen, wenn niemand konnte. Ich fand es großartig, allein shoppen zu gehen und mich mit einem Buch ins Café zu setzen.

Jetzt fühlt sich das komisch an. Wenn ich mal kein Kind bei mir habe, so habe ich glücklicherweise immer noch mein Handy und kann damit in Kontakt zu vielen lieben Menschen treten. Das ist auch gut und wertvoll, trotzdem darf das Handy nicht zu einer permanenten Flucht vor dem Alleinsein mit uns selbst werden. Wir müssen neu lernen, diese stillen Zwischenmomente auszuhalten. Nur dann hat der überhaupt eine Chance, mit seiner liebenden Stimme zu uns durchzudringen, der unsere Einsamkeit sieht und sagt: „Ich bin immer bei euch, bis das Ende dieser Welt gekommen ist“ (Matthäus 28,20).

Ich ertappe mich sogar dabei, wie ich auf dem Spielplatz sitze und schon nach zwei Minuten Ruhe mein Handy heraushole, wenn die Kinder gerade spielen und mich nicht brauchen. Ich fühle mich allein. Und das halte ich nicht lange aus. Doch wie war das früher, als ich tatsächlich noch allein war, ohne Kinder? Wieso kann ich heute nicht mehr allein sein, ohne dass es sich irgendwie merkwürdig und einsam anfühlt?

Dabei bin ich im Urlaub doch so gern alleine. Ich flüchte regelrecht in die Einsamkeit und Zurückgezogenheit und liebe es sogar, dort keinen Handyempfang zu haben.