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Ein Erfahrungs- und Erlebnisbericht einer Mutter über das Thema Trennung und der daraus resultierenden Kindesentfremdung. Ein Hilferuf, und ein Versuch, die Sensibilität für das PAS Syndrom bei Jugendamtsmitarbeitern, Anwälten und Richtern zu fördern. Dabei wird das theoretische Wissen um das PAS Syndrom mit dem Erlebten eingewoben. Ein Buch für Betroffene Elternteile, Großeltern und Angehörige von Trennungskindern. Ein Buch, welches vielleicht eine Hilfestellung geben kann, um es als unmittelbar Betroffener selber besser zu machen. Der Versuch, den Bruch des eigenen Kindes mit seiner selbst begreifbar zu machen. Ein Buch, welches vielleicht ein wenig Trost spenden kann. Man ist nicht alleine mit dem Schmerz!
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Elterliche Entfremdung ist eine Form der psychologischen Manipulation von Kindern, bei der ein Kind so programmiert wird, dass es sich von seiner Mutter oder seinem Vater entfernt.
Wie fängt man eine Geschichte an, wenn man 1000 Gedanken, Erinnerungen, Gefühlsausbrüche und Schmerzen im Kopf und im Herzen trägt? Wenn man sich alles von der Seele reden will, für einen selber, für die Betroffenen, Freunde, Familie und unbedingt verstanden werden möchte. Wahrscheinlich einfach erst mal irgendwie darauf los schreiben.
In meiner Geschichte nenne ich meine Tochter Lisa und den Kindsvater Sven. Alle weiteren Beteiligten sind anonymisiert oder tragen geänderte Namen.
Mein liebes Kind. Ich wünsche mir, dass du irgendwann verstehst und verzeihst.
Wir waren eine intakte ‚normale‘ Familie. Zumindest von außen betrachtet. Für die, die uns nicht gut genug kannten. Wir hatten drei prächtige Kinder, einen großen Hund, ein schönes Haus, anerkannte Berufe und einen großen Freundeskreis, eigentlich schien alles perfekt. Wir hatten auch das Glück, noch keine schweren Schicksalsschläge erlebt zu haben. Nun gut, außer dem Tod meiner Schwiegermutter. Obwohl wir nie ein inniges Verhältnis hatten, ist so etwas natürlich immer verdammt traurig. Und die Schwangerschaft mit meinem Sohn 2005/06, die weitaus schwieriger als gewünscht verlief. Vielleicht war das auch ein Grund? Der Anfang der Entfremdung zwischen mir und Sven? Gleich zu Beginn der Schwangerschaft wurde bei mir eine Plazenta praevia totalis festgestellt. Da liegt der Mutterkuchen, der das Kind versorgt, an einer falschen Stelle, direkt vor dem Muttermund. Das kann für Mutter und Kind lebensgefährlich sein. Und so verbrachte ich die Hälfte meiner Schwangerschaft abwechselnd im Krankenhaus oder bei meiner Mutter auf dem Sofa. Da ich absolute Bettruhe verordnet bekommen hatte, jedoch nicht die ganze Zeit im Krankenhaus verbringen wollte, war das die einzige Möglichkeit. Ich hatte ja schon meine kleine Lisa. Sie war zwei Jahre alt zu diesem Zeitpunkt. Papa musste arbeiten, und somit kümmerte sich meine Mama hingebungsvoll um uns. Mir ging es psychisch nicht immer gut in dieser Zeit. Diese ständige Sorge, Angst um das ungeborene Baby! In diesen Monaten war natürlich an eine normale Beziehung nicht zu denken. Es war eine Herausforderung für uns alle. Aber es hat sich gelohnt. Denn mein Söhnchen hat es bis zur 34. Schwangerschaftswoche geschafft, im Mutterleib zu bleiben. Dann musste er per Notkaiserschnitt geholt werden. Und er ist vollkommen gesund! Es folgten natürlich noch ein paar extrem anstrengende Wochen. Pendeln zwischen der Kinderklinik und der Familie zu Hause. Seitdem weiß ich, dass ein gesundes Kind und ein normaler Schwangerschaftsverlauf nicht selbstverständlich sind und ich bin unendlich dankbar dafür. Aber es hatte alles sein Ende. Mit Erfolg und ein wenig Glück. Unser krönender Abschluss war dann meine kleinste Tochter, die 2008 das Licht der Welt erblickte.
Ganz ohne Dramatik und so wie es sein sollte. Aber abgesehen von diesen Ereignissen, war alles prima. Und ich denke, dass uns auch andere, von außen betrachtet, für perfekt hielten. Ich selber fand uns als Familie auch toll. Das Einzige, was nicht mehr so toll war, war unsere Liebe zueinander. Ich habe das schon Jahre zuvor gefühlt. Gefühlt, dass irgendetwas nicht mehr so ist, wie es sein sollte. Wir hatten alle Phasen durchlebt. Alle Paare, die eine Familie gründen, machen das mal durch, würde ich jedenfalls behaupten. Die Phasen vom Hausbau, Stress, Kinder in die Welt setzen, ein zeitweise unbefriedigendes Sexualleben und so weiter. Aber das haben wir immer geschafft. Von einer Phase zur nächsten halt. Ich glaube, wir waren ein Fall von, zu früh geheiratet, geglaubt, es sei die große Liebe! Wie soll man das auch wissen mit 17 Jahren? Vielleicht war sie es ja auch, die große Liebe. Am Anfang zumindest. Zum Schluss auf jeden Fall nicht mehr. Wir haben uns die letzten Jahre so oft gestritten. Die Eifersucht überwog, bei uns beiden! Keiner gönnte dem anderen irgendetwas. Immer Misstrauen, kein gegenseitiger Respekt, es wurde sich beschimpft, ja auch mal geschubst. Ich habe mich die letzten Jahre ungeliebt gefühlt. Wie oft habe ich es angesprochen. Wollte kämpfen. Aber meine Hilferufe wurden nicht gehört. Ich glaube, dass Sven mich da auch schon nicht mehr richtig geliebt hat. Wir taten uns nicht mehr gut. Und irgendwann kommen Zweifel. Da kommt man an einen Punkt wo man denkt, war das alles? Kann sich da noch mal was ändern? Was soll ich tun? Man teilt sich guten Freunden mit. Möchte irgendwelche halbwegs sinnvollen Ratschläge bekommen. Auch eine Therapie hatte ich Sven mehrfach vorgeschlagen. Gute Freunde hatten es natürlich schon lange gemerkt. Auf gemeinsamen Feiern. Am schlimmsten immer dann, wenn Alkohol im Spiel war. Eigentlich konnten wir für eine entspannte Feier nur noch getrennt erscheinen.
Aber als Familie passte es. Wir hatten unsere Aufteilung, wer was macht, gleiche Wünsche und Prinzipien der Kindererziehung. Da passte es. Und so etwas gibt man nicht so leicht auf. Und ich würde sagen, das habe ich auch nicht. Ausschlaggebend für meine ersten ernsthaften Gedanken, diese Ehe zu beenden war, dass ich nicht mehr sagen konnte «Ja, ich liebe diesen Mann» Dafür haben wir zu lange in diesem - wie soll ich das beschreiben - kumpelhaften Verhältnis gelebt. Bewusst aufgefallen war mir das, als Sven seine Dienststelle gewechselt hatte. So ungefähr drei Jahre zuvor. Ab dem Zeitpunkt hatte er sich so sehr verändert. Es kam kein «Ich liebe dich» mehr, Sex nur dann und wann. Auch keine Zuneigung in Form von in den Arm nehmen. Der Ehering wurde nicht mehr getragen. Bei der Arbeit nicht, das war für mich noch in Ordnung. Aber privat? Wenigstens, wenn man mal ausgeht? Da hätte ich es mir schon gewünscht. Ich bat ihn dann, wenigstens mal ein gemeinsames Profilbild bei WhatsApp zu nehmen. Auch das bekam er nicht mehr hin. Wahrscheinlich sollte das damals schon nicht den Anschein erwecken, dass Sven eine intakte Ehe lebte. Da hätte ja jemand traurig sein können? Er begründete es nur so, dass es ihm ums Prinzip ginge. Wenn, dann nur freiwillig und nicht, weil es von mir auferlegt wird. Ich denke, es gibt Schlimmeres, das sich ein Partner wünschen könnte. So kann man sich vorstellen, dass wir nur noch aneinander vorbei lebten. Ich habe mir dann meine Bestätigungen beim Flirten geholt. Ich war irgendwann nahezu süchtig danach. Zu Hause gab es ja nichts. Süchtig nach Erhaschen netter Komplimente! Das führte natürlich dann auch zu noch mehr Unbehagen in unserer Ehe. Obwohl ich seine Eifersucht da gar nicht mehr verstand. Aber ich weiß jetzt, dass Eifersucht nicht unbedingt etwas mit Liebe zu tun hat. Es geht um Loyalität, Bündnistreue und (Selbst)Bestätigung. Doch dazu am Ende des Buches mehr.
Das Ende vom Lied: Ich habe mich verliebt! Habe es die ersten Wochen versucht zu verdrängen. Musste für mich erst einmal herausfinden, was das für Gefühle waren. Ja, aber es waren die wahren Gefühle! Und ich konnte nicht mehr zurück. Ja, ich war meinen Kindern gegenüber egoistisch. Ich habe an mein Glück gedacht, darauf gehofft. Aber ich hatte doch so viel versucht vorher?! Ich wollte einfach nur das Gefühl haben, dass mich jemand liebt und dass ich liebe. Ich kannte das Gefühl nicht mehr. Beides nicht: Geliebt werden und lieben können. Mein heutiger Mann hat damals zu mir gemeint, «nur wer sich selbst liebt, der kann auch lieben» Nach einer langen Zeit ohne Liebe war das nicht leicht. Überhaupt habe ich es mir nicht leichtgemacht. Diese Zeit war schlimm. Schön und schlimm.
Ich wollte meiner Familie nach unserem gemeinsamen schon gebuchten Urlaub alles erzählen. Wir hatten zwei Wochen Inselurlaub mit einer befreundeten Familie gebucht. Alle freuten sich so sehr. Ich habe lange gezögert diesen Urlaub noch anzutreten. Ich habe zu Sven vorher noch gesagt, dass ich mir nicht mehr sicher bin, dass ich nach dem Urlaub eine Auszeit brauche und ob wir den Urlaub lieber sein lassen sollen. Er verneinte und wiegelte ab, so als würde ich nur eine vorrübergehende Grippe haben, die mich nicht klar denken ließ. Ich war mir zwar schon sicher, dass ich diese Ehe beenden würde aber vor dem Urlaub wollte ich die Bombe nicht platzen lassen. Ich wollte jedoch, dass Sven zumindest schon einmal erfuhr, dass so gar nichts mehr in Ordnung war und ich diesen Urlaub in erster Linie wegen der Kinder wahrnehmen wollte. Ich habe auch gedacht, dass ich das den Kindern schuldig sei. Die haben sich so gefreut und schließlich nichts geahnt. Aber dieser Urlaub war die Hölle und eine Lehre fürs Leben! Und hinterher ist man immer schlauer. Fazit: Ich bin alleine ein paar Tage vorher abgereist. Das waren die bis dahin schlimmsten Stunden. Aber es wurde mir nahegelegt, zu gehen. Und ich habe es auch verstanden. Der Stimmung wegen, den Kindern zuliebe. Ich hätte gut so weiterspielen können. Aber Sven konnte es nicht. Und so haben die Kinder auch zu viel Streit mitbekommen. Das war das Erste, was Lisa mir später übelgenommen hat. Dass ich sie dort zurückgelassen habe. Aber ich habe ehrlich gedacht, sie sollte noch ein paar Tage Ruhe haben. Ich wusste ja, was nach dem Urlaub passieren würde und dass danach nichts mehr sein würde wie bisher.
Zu Hause wäre nur eine Mama gewesen, die geweint hätte. Und auch dazu hat man mir vor Ort die Entscheidung abgenommen. Es wurde bestimmend gesagt: «Die Kinder bleiben hier!» Es war so schlimm. Ich hatte nicht vor, meinen Kindern und den Freunden den Urlaub zu vermiesen. Das war wirklich nicht meine Absicht. Es war so, dass ich natürlich auch angespannt, verzweifelt, überfordert war in solch einer Situation. Die Freunde wussten über unseren Zustand Bescheid. Sie hatten aber, glaub ich, noch die Hoffnung, dass der Urlaub uns wieder näher zusammenbringen würde. Die Atmosphäre war scheußlich. Kaum auszuhalten. Sven ließ mich das zur Genüge spüren. Mit Blicken, spitzen Kommentaren, Nachrichten auf dem Handy an mich, die oft unter der Gürtellinie waren. Ich konnte es kaum aushalten. Sobald das erste Bier floss, wurde es schlimmer und schlimmer. Ich glaube, es war der 4. oder 5. Tag als mein Sohn mich sprechen wollte. Er hatte Tränen in den Augen. Er fragte mich, ob Papa mich verlassen würde? Da stand er, mein süßer Kleiner am Pool auf der Urlaubsinsel und machte sich darüber Gedanken! Ich fragte ihn, warum er das glauben würde. Er hätte gesehen, dass Papa einer anderen Frau schreiben würde und immer mit Herzchen Smileys, und das sei nicht das erste Mal gewesen, dass er es beobachtet hätte. Da zerbrach meine aufrechte Fassade. Ich musste auch weinen. Ich konnte doch da nicht weiter so tun, als ob nichts wäre. Und ich erklärte ihm, dass Mama und Papa nach dem Urlaub eine Auszeit bräuchten. Dass wir uns im Moment nicht mehr so gut verstehen würden. Aber dass wir eine Lösung finden und wir beide unsere Kinder so sehr lieben würden und wir sie nie im Stich lassen werden. Da stand er nun, mein Kleiner, mit seinen großen fragenden Rehaugen. Ich wollte das ehrlich nicht! Aber ich habe es nicht mehr geschafft, mein Kind anzulügen. Seitdem nahm alles seinen Lauf. Was soll ich sagen, manches ist schlecht gelaufen, ja. Aber wer macht in solch einer Situation alles richtig? Und zu meinem Egoismus: Ja, man lebt nur einmal und jeder hat den Wunsch, glücklich zu sein, auch das Recht. Sven hat übrigens nur einmal im Gespräch nach seiner Rückkehr gesagt: «Du machst einen Fehler», und er würde den Kindern zuliebe nicht alles «wegschmeißen» und es weiter versuchen. Aber er wüsste auch nicht, ob er mich noch richtig lieben würde. Und wir hatten es schon ein paar Mal versucht, ohne Erfolg auf lange Sicht. Es war zu spät. Er hat es mir sehr einfach gemacht, zu gehen. Er hat nicht gekämpft.
In der Folgezeit habe ich dann auch so manche ungebetene Information erhalten, auf die ich gerne verzichtet hätte, die mich jedoch gleichzeitig darin bestätigt haben, dass ich alles richtiggemacht habe. Es ist sehr verletzend, im Nachhinein von anderen zu hören, was der eigene Mann so gemacht und gesagt hat zu Menschen, die ich gar nicht kannte. Er hat so eine Art Doppelleben geführt und das bereits über 8 Jahre lang. Aber da wird einem dann auch so einiges klar. Sein Verhalten beispielsweise. Das Handy, was plötzlich zum wichtigsten Gegenstand wurde und immer, wirklich immer, am Mann war. Außer in wenigen Momenten, als ich dann auch mal Nachrichten fand, die nicht für mich bestimmt waren. Seine Reaktionen darauf, seine plötzlichen langen Aufenthalte morgens im Bad, auch manchmal bevor er eigentlich zum Sport wollte, es wurde sehr aufs Äußere geachtet, es wurde sich deutlich mehr parfümiert, eine andere Musikrichtung gehört, Distanz zu mir - ach es gab so viele Zeichen! Im Nachhinein hat mich mein Bauchgefühl nicht getäuscht. Und es war nicht nur eine Frau. Eine mir bis dahin unbekannte Quelle ließ mich an diesem Leben nach der Trennung teilhaben. Ich kann nur vermuten, warum. Das Verhalten Sven mir gegenüber, die Art und Weise, wie er die Trennung anderen Menschen dargestellt hatte, kam ganz offensichtlich nicht bei allen Mitmenschen gut an. Das Ungerechte daran ist, dass Lisa davon natürlich nichts weiß. In ihren Augen bin nur ich die Böse. Manchmal hatte ich kurz daran gedacht, ihr das irgendwie zukommen zu lassen. Aber dann wäre ich nicht besser gewesen, und geglaubt hätte sie mir sowieso nicht, denn Sven hat frühzeitig dafür gesorgt, dass ich diejenige bin, der man nicht glauben kann.
Zeitnah nach der Trennung habe ich meine drei Kinder zum Essen ausgeführt und dabei versucht, ihnen die Situation zwischen mir und ihrem Papa zu erklären.
Und wieder einmal haben meine Kinder mich mit ihrer Reaktion überrascht. Fast schon verständnisvoll reagierten sie. Sie hätten ja auch mitbekommen, wie Papa und ich oft gestritten hatten und ich nicht mehr glücklich gewirkt habe.
Die nun folgende Zeit war rückblickend die Schlimmste. Unter einem Dach, aber bereits getrennt. Keiner wollte gehen, jeder kochte für sich, jeder schlief für sich. Das war auch für die Kinder kaum tragbar, diese Atmosphäre. Keiner wusste so recht, wer kümmert sich um was. Die Kinder wollten bei mir bleiben. Deshalb habe ich Sven nahegelegt, vorerst zu seinem Vater zu ziehen. Wo hätte ich auch mit drei Kindern und einem riesigen Hund so schnell hinsollen? Wir haben es noch geschafft, uns auf eine Anwältin zu einigen, die eine Trennungsfolgevereinbarung für uns ausarbeiten sollte. Die Anwältin verfasste für uns das Schriftstück, in dem Svens Auszug auf den Tag genau festgelegt wurde mit der Auflage, dass ich mir innerhalb von drei Monaten eine Wohnung suchen müsste. Andernfalls hätte Sven das Recht, wieder einzuziehen. Ich kann gar nicht sagen, wie erleichtert ich war, als er dann endlich auszog!
