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Aus dem Leben gegriffen
Voll arbeiten oder Vollzeit-Mama? Warum Kinder manchmal peinlich sind und wie man sich in diesen Momenten aus der Affäre zieht? Wie aus Mädchen kleine Zicken werden oder man die lieben Kleinen endlich stubenrein bekommt? Auf diese und andere typische Fragen steuern Mütter in ihrem Leben mit Kindern früher oder später unvermeidlich zu. Doch was tun in solchen Situationen? Na klar, die Freundin fragen! – Das haben Caroline Hamann und Christiane Hoffmann getan. Herausgekommen sind zahlreiche Gespräche der beiden, in denen sie sich humorvoll, authentisch und voller Verständnis für die skurrilen, irrwitzigen, mal traurigen, aber auch oft schreiend komischen Augenblicke des Alltags mit Kindern austauschen. In diesem Buch finden Sie alles, was Eltern irgendwann umtreibt … vom richtigen Lebensmodell über Tipps zur Entschärfung des kindlichen Tobsuchtsanfalls bis hin zur Frage, ob auch Mamis einfach mal Scheißlaune haben dürfen.
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Seitenzahl: 235
Veröffentlichungsjahr: 2014
Caroline HamannChristiane Hoffmann
MamiTalk
Live aus dem Alltagschaos zweier Mütter
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© 2014 by Südwest Verlag, einem Unternehmen der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München.
Umschlaggestaltung: zeichenpool, München, unter Verwendung mehrerer Illustrationen von shutterstock
Layout und Satz: Nadine Thiel | kreativsatz, Baldham
ISBN 978-3-641-12409-0V003
www.suedwest-verlag.de
Für unsere teuflischen Engel Charlotte, Valentina und Victoria
Vorwort
Der ganz normale Alltagswahnsinn
Es geht los: Die ersten Wochen mit Kind
Der liebe Schlaf: Wenn Erholung so bitter nötig wie unerreichbar ist
Eine Mami für alle: Lässt sich Liebe aufteilen wie eine Sahnetorte?
Triefnasen und Fieberbäckchen: Warum sind wir bloß dauernd krank?
Kinderlose Babyhasser: Stören unsere Kinder wirklich immer und überall?
Von Futterverweigerern, Allesfressern und Mäuseportiönchen: Die Sache mit der gesunden Ernährung
So schön kuschlig hier: Wie viele Menschen passen eigentlich in ein Elternbett?
Vielleicht bleiben wir einfach zu Hause: Wenn Urlaub zum Stress wird
Kindergeburtstag leicht gemacht: Glückliche Kinder und zwei Wracks namens Eltern
Krankheit und Krücken: Wenn die Mama ausfällt
Hilfe, wo ist unser Leben hin?
Zu wenig Paar(ungs)-Zeit: Wenn Babys die Liebe strapazieren
Sonnenschein mit Wolkenflecken: Auch Mütter haben ein Recht auf schlechte Laune
Mein Bauch, ein Familienkissen: Der Kampf gegen die Mama-Pfunde
Achtung, Zoff! Wenn die Großen vor den Kleinen streiten
Schlechtes Gewissen garantiert: Zurück in den Job oder nicht?
Zeit fürs Ich: Mamas müssen auch mal egoistisch sein
Krümel und Korrekturwahn: Mütter in der Perfektionsfalle
Wenn aus Seelenbalsam Wahnsinn wird: Shopping mit Kind
Der größte Feind der Mama ist die andere Mama: Wenn Mütter einander das Leben zur Hölle machen
Erziehung – reine Glückssache?
Ja, nein, vielleicht? Wenn die Erziehung anfängt
Matsche, Muhkuh und Mama: Wie viel Spielzeug braucht das Kind?
PEKiP und kein Ende: Müssen schon die Allerkleinsten gefördert werden?
Kluges Kind oder bescheuerte Mami? Wenn plötzlich alle Hochbegabung wittern
Prinzessinnen und Fußballjungs: Der kleine Unterschied und seine Folgen im Kinderzimmer
Das große Zittern: Was tun, wenn mein Kind Angst hat?
Wenn sogar Feen versagen: Gibt es Mittel gegen Schnullersucht?
Schluss mit dem Windelwahnsinn! Jetzt geht’s aufs Töpfchen
Rülpsen, pupsen, kleckern: Wie lernt mein Kind Manieren?
Zum Heulen! Kindern den Tod erklären
Drum prüfe, wer sich ewig bildet: Gibt’s die perfekte Grundschule?
Geliebte Rotzgören
Du Sklavin, ich Bestimmer: Kinder sind Tyrannen
Trotzalarm! Wenn aus dem süßen Baby plötzlich ein Ich wird
Der kleine Klaps: Darf ich mein Kind schlagen?
Hilfe, der Rosa-Virus greift um sich! Wenn sich über Geschmack nicht streiten lässt
Mama, das Häufchen Elend: Wenn Schlafentzug zur Folter wird
Auaaa! Mein Kind haut mich
„Ist dein Willi so groß wie Papas?“ Kinder können so peinlich sein
Danksagung
Quellenverzeichnis
Register
Caroline: Es war dieser Anruf, mit dem meine damals noch sehr frische Schwangerschaft überhaupt erst richtig anfing. Ich stand vor einem Supermarkt in Hamburg, als mich Christiane anrief. Wir kannten uns nur flüchtig. Sie war die Klatschkolumnistin der BILD, ich Nachrichtenmoderatorin beim NDR. An diesem Tag wollte sie mich für ein Interview gewinnen über das Baby, das ich erwartete. Ich lehnte ab. Kaum hatte ich aufgelegt, piepste es. Eine SMS von Christiane: „ICH BIN AUCH SCHWANGER.“
Christiane: Ich hätte Caroline gerne für meine Hurra-ich-bin-schwanger-Story gewonnen. Aber ich konnte nur zu gut verstehen, dass sie diese Nachricht nicht mit ganz Deutschland teilen wollte. Ich war genauso schwanger, aber bis auf den Erzeuger, meine eigenen Erzeuger und meinen Chef wusste davon niemand. Ich war fast vierzig. Kurz vor unserem Telefonat hatte ich nach einem stressigen Morgens-Sido-in-Berlin-abends-Heino-in-Kitzbühel-Tag heftige Krämpfe gehabt. Ich hatte Angst, mein Kind zu verlieren. Und all das wollte ich nicht mit allen teilen. Nur mit Caroline – ab diesem Moment.
Das war der Startschuss. Wir fanden heraus, dass unsere Babys genau in der gleichen Woche zur Welt kommen sollten. Aus Geplänkel wurde ernsthafter Austausch. Manchmal stündlich. Oft auch nachts. Per SMS, Mail, Anruf.
Wir wurden Schwangere und Ko-Schwangere. Wo andere nur googeln konnten, fragten wir einander: Was hilft gegen Schlaflosigkeit? Welcher BH drückt nicht so fies? Welche Babywiege soll es sein? Es gab nichts, worüber wir uns nicht ausgetauscht hätten – und wenn es einfach unsere durch Wassereinlagerungen aufgedunsenen Füße waren. (Christiane trug am Schluss die Turnschuhe ihres Mannes, Caroline Schuhgröße 41 – dabei ist es leider geblieben.)
Dann kam die Woche, die alles veränderte: Christiane bekam ihre Tochter Charlotte, zwei Tage später wurde Caroline Mutter von Valentina. Unser Leben wurde in einem Maße auf den Kopf gestellt, wie wir es uns vorher nicht hätten träumen lassen. Mütter wissen, wovon wir sprechen. Nur eines änderte sich nicht: unser Bedürfnis nach Austausch. Stillen. Zufüttern. Durchschlafen. Krankheiten, Krisen und Krawall mit dem Liebsten.
Denn sowohl für Carolines Mann Boris als auch für Christianes Bernd waren wir als Neu-Mamas irgendwie rätselhaft. Wir sagten etwas – und unsere heiß geliebten Gegenüber dachten, wir sprächen plötzlich Chinesisch (oder seien leicht hysterisch). Bernd fand es total schrecklich, wenn Christiane mit ihm über Dinge wie „Kacka-Konsistenz“ (also den Inhalt von Charlottes Windel) sprechen wollte. Caroline dagegen verstand sofort, warum das wichtig war.
Wie gut also, dass wir beiden Ko-Mamas uns gegenseitig hatten! Mit links hielten wir unsere Babys am Busen, mit rechts tippten wir ins Handy. Wir waren uns gegenseitig Kummerkasten, Jubeltrompete, Taschentuch, Ratgeberin. Außerdem waren wir selten einer Meinung, aber genau das half uns.
Nach einem Jahr fing Christiane wieder an zu arbeiten, und wir erfanden den BILD-Mami-Blog. Darin tauschten wir uns genau über die gleichen Themen aus wie vorher im Privaten, aber nun lasen andere Menschen mit. Und viele von ihnen – das erfuhren wir aus den Kommentaren – hatten exakt dieselben Fragen wie wir. Die Fragen, um die es bei allen Müttern früher oder später geht. Alle, die schwanger sind, alle, die Kinder bekommen, brauchen jemanden, mit dem sie über all die Themen reden können, die sich plötzlich ins Leben gedrängt haben: heftige Weinkrämpfe, volle Windeln, erste Wörter, unerklärliche Wutanfälle.
Wer es nicht selbst erlebt hat, wird vielleicht darüber lachen. Aber Mamis brauchen einfachen jemanden, der sie versteht, zum Fragenstellen, Ausheulen, Diskutieren. Eine Person, die mitleidet und sich mitfreut, weil sie in exakt der gleichen Lebensphase steckt. Wir hatten uns gegenseitig. Andere werdende Mütter finden ihre Ko-Mama im Geburtsvorbereitungskurs (den wir beide gemieden haben wie der Teufel das Weihwasser) oder beim Frauenarzt auf dem Nebenstuhl. Manchmal sogar im Freundeskreis.
Es ist wunderbar, sich mit sich und dem Würmchen nicht allein fühlen zu müssen. Denn ein Kind mag das allergrößte Glück auf Erden sein, aber wir haben es als fast genauso großes Glück erlebt, eine Freundin zu haben, der man einfach alles erzählen und anvertrauen kann und die Rat gibt, wenn man selbst nicht mehr weiterweiß.
Genau deswegen haben wir unseren Blog begonnen, und genau deswegen haben wir nun aus dem Blog dieses Buch gemacht. Wir haben dazu die Blogtexte überarbeitet und erweitert. Vor allem haben wir an vielen Stellen ergänzt, wie sich die Dinge seit dem Zeitpunkt des Schreibens weiterentwickelt haben, was funktioniert hat, was nicht und welche Probleme sich einfach irgendwann in Luft aufgelöst haben. Denn das gab es auch. Außerdem haben wir alles ein wenig sortiert. Sie bekommen jetzt in jedem der großen Themenkapitel einen Einblick in unsere ersten Jahre als Mamis: jeweils von den Anfängen bis – fast – heute.
Und warum das alles? Weil wir hoffen, dass Sie darin die eine oder andere vertraute Situation wiederentdecken, dass Sie darin Trost, guten Rat oder auch einfach einen Anlass zum Lachen finden. Dieses Buch ist gedacht für all die Stunden, manchmal tief in der Nacht, wenn alle um Sie herum sanft schnarchen, nur Sie selbst nicht. Für die Momente der Verzweiflung und Freude, aber auch für die ratlosen Minuten, wenn das Baby schreit – und die Freundin nicht erreichbar ist, die Oma keinen Rat weiß, weil sie diese Erlebnisse irgendwie in die graue Vorzeit verdrängt hat, und der Papa sich entschuldigt, weil er endlich mal wieder ausschlafen muss. Dann kann dieses Buch Ihnen vielleicht helfen – wie eine gute Freundin halt.
Das hoffen wir. Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine genauso vertraute Ko-Mami, wie wir sie ineinander gefunden haben!
IhreChristiane Hoffmann und Caroline Hamann
Wir hatten versucht, alles so perfekt zu organisieren, wie wir es aus unserem Joballtag kannten: Die Wiege stand, das Zimmer war kindersicher und der Fläschchen-Sterilisator schon für die Zeit nach dem Stillen bereit. Doch als wir dann unsere Babys stolz aus der Klinik nach Hause trugen, kam doch alles anders. Wir schliefen kaum noch. Vor allem schliefen wir nicht mehr durch, schliefen nicht mehr allein und schliefen nur noch mit gespitzten Ohren. Unsere Gesichter zeigten dunkle Augenränder und der Bauch viel zu viel Haut … Aus Frauen wurden Mamas.
Wie managten wir das neue Leben? Wie gelang es uns, die ganzen kleinen und mittelschweren Katastrophen des Alltags mit dem heiß geliebten Nachwuchs zu überstehen? Wie geht das überhaupt: die Kinder zum Durchschlafen oder zum Essen zu bringen? Und wie übersteht man das erste Fieber?
Die erste Erkenntnis war: Wir überleben, und die Kleinen erst recht. Sicher, aller Anfang mit Kind ist holprig, aber vor allem eins: schön. Und voller Liebe.
Die zweite Erkenntnis: Perfektionismus ist Mist. Chaos wird zum Normalfall und lässt sich nur mit einer gewaltigen Portion Coolness ertragen.
Und: Ratschläge bekommt man gerne ungefragt. Daher die dritte Erkenntnis: gelassen bleiben! Als Mama weiß man meistens selbst, was richtig ist – auch, wann es guttut, sich die Erfahrungen anderer anzuhören. Wenn Sie Lust haben: Hier kommen unsere.
„Ui“, sagte die brasilianische Pediküre kürzlich, als sie den tiefen Einschnitt sah, den meine bis vor ein paar Wochen noch ultragemütlichen Lieblingsschuhe in meinen Wasser-Waden hinterlassen hatten. Das Tolle: Sie (zweifache Mami; das erste Kind bekam sie mit achtzehn) gönnte mir dann umsonst eine ganz, ganz herrliche Fuß-Unterschenkel-Massage. Groß!
Im Trockner rotieren gerade die Schlafsäckchen, und den Klinikkoffer habe ich fertig gepackt. Jetzt trinke ich Tee, lese gleich, gucke die Tagesschau.
Alles Liebe,
Christiane
das Baby ist noch nicht da, aber an Schlaf ist schon nicht mehr zu denken. Gestern Nacht lag ich um 2, 4 und 7 Uhr wach – die Hebamme sagt, so gewöhnt sich der Körper schon einmal an den Stress nach der Geburt. Sehr beruhigend!
Wenn ich nachts wach liege, bin ich immer völlig überrascht, dass ich in einer Woche schon Mama sein soll. Ist das nicht unfassbar? Heute Nacht hatte ich ein solches Ziehen im Rücken, dass ich schon befürchtete, es geht los.
Wenn du am Montag dein Baby im Arm hältst, werde ich vorstationär aufgenommen. Ich werde sooo sehr an dich denken! Ich bin Mittwochmorgen als Erste dran. Wir haben es niemandem gesagt, nicht mal den Eltern. So versuchen wir, unsere Nervosität zumindest etwas in den Griff zu bekommen. So ein geplanter Kaiserschnitt ist irgendwie ein bisschen wie der Gang zum Schlachter. Manchmal wünschte ich, es kämen jetzt einfach Wehen, und das Baby suchte sich selbst seinen Geburtstermin. Ist schon ziemlich seltsam, wenn man selber darüber bestimmt, oder?
Tschööö!
Caroline
in circa zwölf Stunden werde ich mein Bett verlassen haben … und meinem Schatz einen Toast schmieren, damit er nicht umkippt. Die Aufregung kommt in kleinen Stößen, allerdings mit steigender Schnelligkeit und Intensität. Irgendwie eruptiv. Der Koffer liegt im Auto. Und ich sitze gerade auf dem Sofa, lese Zeitung und zwinge mich, ruhig zu bleiben. Das Thema Schlaf werde ich für heute wohl abhaken.
Ich kann es nicht erwarten – werde langsam irre!
Alles Liebe, bis morgen,
Christiane (plus Inhalt)
Sie ist da!!! Und wunderhübsch. Und gesund. Ein absolutes Wunder. Um 8:33 Uhr erblickte sie das Licht der Welt: 3180 Gramm, 51 Zentimeter. Ihr Name: Charlotte Liel!
Sie wirkte viel zarter, als ich mir vorgestellt hätte – und kann schon super schreien.
Eine tolle Freundin gab mir einen schönen Tipp, den ich heute Morgen nach zwei Stunden Schlaf befolgt habe: Ich habe dem Würmchen einen Brief geschrieben, den sie irgendwann mal lesen kann, wenn sie möchte. In diesem Brief steht, was ich in den Stunden dachte, bevor mein Baby auf die Welt kam. Meine Ängste und Befürchtungen. Meine unbändige Vorfreude. Wie Bernd und ich uns bis zum letzten Morgen uneinig waren, wie unser Kind nun heißen soll. Und wie dankbar ich war, dass endlich die letzten Stunden vor der Geburt angebrochen waren.
Du wirst das alles mindestens ganz genauso unglaublich finden wie ich.
Charlotte ist das großartigste Wesen, das es gibt. Und es ist der Hammer, wenn die Motte am Busen einschläft.
Bernd ist so verliebt! Boris wird’s genauso sein.
Alles Liebe, Bussi – und jetzt drücken wir euch die Daumen.
Die Mama
(Klingt das toll!)
noch vierzehn Stunden … Ich liege im Bett und bin vor Angst und Vorfreude panikstarr. Eben wurde das Bettchen geliefert.
Du bist schon einen ganzen Tag lang Mama. Wie wohl die erste Nacht war?
Ich habe Deinen Rat beherzigt und der Kleinen einen Brief geschrieben … und jetzt heißt es warten.
Hoffentlich kriegt Boris den letzten Flieger aus Paris und verpasst seine Tochter nicht! Und hoffentlich schwillt endlich mein Ringfinger ab, sonst sägen sie mir morgen meinen Ehering ab.
Wie sie wohl aussieht?
Oooh Christiane … Ich denke an Dich und Deine kleine Charlotte.
Panikline
Die Fotos Deiner Tochter sind sooo süß!
Meine schläft. Seit über drei Stunden, weil sie – mal wieder – die Nacht zum Tage gemacht hat. Unsere Nächte sind für mich wegen des Schlafentzugs die reine Folter. Zwinge mich jetzt, fast jede von Charlottes Schlafphasen auszunutzen, um selbst ein wenig zu ruhen. Krieche ziemlich auf dem Zahnfleisch. Aber dann schaue ich die Motte wieder an und bin völlig hin und weg.
Ich werde heute den ersten Spaziergang wagen. Und bin ziemlich aufgeregt!
Seit Charlotte auf der Welt ist, habe ich nicht einmal mehr ferngesehen und seit der Rückkehr aus dem Krankenhaus auch keine Zeitung mehr gelesen. Auf dem Blackberry waren zweihundert Mails aufgelaufen, weil ich irgendwann in der Klinik beschlossen hatte, das Ding nicht mehr anzustellen.
Mama sein ist ganz schön hart! Damit hätte ich niemals gerechnet. Allerdings wird man unendlich belohnt.
Wie ich übrigens aussehe – unfassbar! Selbst nach dem Duschen, Cremen und Auftragen von Wimperntusche und einem Hauch Rouge (muss sein, sonst höre ich von Papa: „Siehst du müde aus. Denk mal an dich!“) wirke ich mindestens so alt, wie ich bin. Allerdings: Die Pfunde schwinden sichtbar.
Nun die Frage: Schläft Valentina nachts??? Was ist Dein Trick? Magie? Zwang? Oder was?
So, Charlotte beginnt zu wimmern. Mutti muss ran!
Kiss
Christiane
einen Zaubertrick? Den hätte ich gerne! Zum Glück nimmt Boris mir mal nachts eine Mahlzeit ab. (Gerade tippe ich mit der rechten Hand, während ich mit der linken abpumpe.) Ansonsten herrscht hier Ausnahmezustand. Die Nächte sind eisenhart. Valentina ist stündlich wach und schläft auch nicht richtig tief ein. Ich habe weder Zeit zum Essen noch zum Duschen, und aus der Jogginghose komme ich gar nicht mehr raus.
Alles ist ganz anders, als ich dachte. Und es fällt mir schwer, mich tagsüber mit dem Baby hinzulegen. Ich sehe dann die Wäschestapel, den dreckigen Boden, das ungespülte Geschirr … Das Schlimmste ist: Alle wollen mich besuchen und das Baby sehen. Und ich – ich möchte am liebsten meine Ruhe haben. Nun habe ich also auch noch ein schlechtes Gewissen gegenüber Freunden und Familie.
Positiver sah dagegen gestern mein erster Gang auf die Waage aus. 11 Kilo sind schon runter, ohne dass ich etwas dafür getan hätte. Wenn das so weitergeht, wiege ich nach der Schwangerschaft weniger als vorher!
Hoffentlich wird es bald besser. Sie ist so süß, aber die Nächte sind sooo hart.
Deine Mitfolter-Genossin
Bernd kann mir nachts nicht helfen, weil er richtig malochen muss. Ich liege im Gäste- (jetzt Kinder-)Zimmer und tue fast die ganze Nacht kein Auge zu. Am Wochenende wollen wir die Familienzusammenführung proben.
Die Hebamme, die gestern da war, hat mir mehr oder weniger verboten, das süße Geschöpf öfter als alle zwei Stunden anzudocken. Sie sagte, das sei schlecht für mich und Charlotte. Ihr Tipp: alle zwei bis vier Stunden. So mache ich es seit gestern. Es funktioniert. Nur nachts nicht.
So, nun zu Dir: DU MUSST SCHLAFEN! Sonst drehst Du durch. Lass den Staub und den anderen Scheiß links liegen. Ich kenne das nur zu genau. Ich kann Unordnung auch nicht ertragen, aber wenn ich in den letzten zwei Tagen nicht jede Stunde zum Nickerchen genutzt hätte, sähe ich noch schlimmer aus. Genauso wichtig ist es, regelmäßig zu essen.
Und: Mir hat ein kleiner Spaziergang echt gutgetan. Kam mir vor wie ein Abenteuer. Ich habe Charlotte immer angeguckt, bei jedem Steinchen, über das wir gefahren sind. Meine Mum hat mich bei Temperaturen, wie wir sie jetzt haben, immer auf dem Balkon schlafen lassen. Die Hebamme hat das Gleiche empfohlen. Ich traue mich noch nicht, aber das kommt noch …
Heute Abend kommt meine Mama und kocht Hausmannskost: Feldsalat, Kalbsbuletten, Kartoffelpüree. Ich drehe durch vor Glück.
Also, ich drücke Dich!
Christiane
ich liege nach unfassbaren sechs Stunden Schlaf (in nur zwei Etappen) im Bett. Mit Cappuccino und Lieblingszeitschriften. Denn: Die Tipps der Hebamme haben funktioniert!!!
Ich glaube, Charlotte findet das Kinderbett noch viel zu groß. Deshalb schläft sie nun im Kinderwagen mit Schlafsack. Dazu habe ich sie an den Füßen begrenzt, und die Hebamme hat sie mit einem Handtuch gepuckt – was brutal aussieht, aber richtig gut wirkt. Die Folge: Charlotte schläft immer noch.
Allerdings: Gestern Abend gegen 22 Uhr war hier Vollalarm. Sie hatte noch ein kleines Hüngerchen, soff allerdings zu viel und zu gierig. Also kotzte sie mit echter Kraft auf meiner Bäuerchen-Schulter.
Danach folgte also wickeln, zweimal umziehen (weil auch noch vollgestrullt). Danach kam sie wieder, weil das Reservoir aufgefüllt werden musste. Nach einem Riesenrülpser endlich: Schlaf. Das zweite Trinken dagegen war ein Klacks – mit folgendem Komaschlaf.
Wenn das heute Nacht wieder so abläuft, sehe ich Licht am Ende des Tunnels. Dafür habe ich aber auch wieder nicht in meinem eigenen Bett im Schlafzimmer gelegen, sondern bei ihr. Was soll’s – Hauptsache, die ganze Familie Hoffmann sieht auch äußerlich glücklich aus.
Ich werde heute unbedingt wieder spazieren gehen! Und in Charlottes Zimmer lüften. Wie sagte die Hebamme? „Das ist viel zu warm!“
Also, ich hoffe, Du kannst Ähnliches erleben.
Ein gestärktes Bussi
Christiane
das musst du mir jetzt mal genau erklären: Wo schläft sie nachts? Und wie lange?
Bei uns war die Nacht wieder schlimm. Ich verstehe einfach nicht, woran es liegt. Hat Valentina mehr Hunger? Ist ihr langweilig? Hat sie Angst?
Tagsüber dagegen ist sie ein Engel und kommt brav alle drei Stunden, um danach tief und fest zu schlafen.
Boris und ich waren das erste Mal mit ihr draußen – ein Abenteuer!
***
So. Die Hebamme war da. Sie kann mir auch nicht helfen.
Das Schlimmste ist: Diese Brüllabende führen dazu, dass mein Mann und ich uns streiten. Ich will Valentina beruhigen, er will zufüttern. Das kränkt mich in meiner Stillehre. Denkt er etwa, ich hätte zu wenig Milch?!
so krass sich das anhört, aber Du solltest nicht auf Deinen Mann hören. Hat sie zugenommen? Wenn ja, dann brauchst Du auch nicht zuzufüttern. Das ist das einzige Kriterium – und natürlich Dein Instinkt!
Wenn du Valentina durch Stillen beruhigen willst, obwohl sie möglicherweise gar keinen Hunger hat, mach es! Meine hat vorhin auch wieder so viel getrunken, dass sie gespuckt hat. Dann ist sie eingeschlafen und natürlich aufgewacht, als ich sie ins Bett legen wollte. Aber ich habe sie so lange im Arm gehalten, bis sie schlief. Die Häschen brauchen unsere Nähe, vor allem, wenn sie ganz weinerlich sind.
Bin heute auch wieder richtig müde. Das Einzige, was hilft, wenn Valentina mich tagsüber nicht schlafen lässt, ist Spazierengehen.
Die anderen sagen: So ruhig wird’s nie wieder. Hallo?!
Wir müssen da jetzt durch. Mich nervt vor allem dieser Spruch der anderen Mädels: „Genieß diese Zeit! So ruhig wird’s nie wieder!“ Hallo?! Ich empfinde das hier als wirklich stressig. Dagegen ist Arbeiten ein Spaziergang bei schönem Wetter.
Bernd hält sich mit Ratschlägen zum Glück ziemlich zurück. Ich würde bei meiner momentanen Gereiztheit sonst bestimmt die Wände hochgehen. Allerdings wird auch er ziemlich nervös, wenn Charlotte weint.
Es ist schon erstaunlich, wie sehr die Zweisamkeit unter so einem Würmchen leiden kann, wie sehr man sich unter Druck setzt und unter Druck gesetzt fühlt.
Das Krasse ist: Ich dachte eigentlich, endlich mal Zeit zu haben. So ein unfassbarer Schwachsinn! Zeit ist das, was mir am meisten fehlt. Ich habe im Moment das Gefühl, der Tag hätte nur noch zwölf Stunden.
Ach, aber jetzt träumt sie hier auf meinem Arm, lässt mich alles vergessen und hoffen, dass sie einfach happy ist.
***
Charlotte hat gerade erstmals nach meinem Handy gegriffen! Und mich zwei Minuten zuvor irrsinnig bekotzt – ich sitze hier vollkommen nass. Jetzt liegt sie auf meinen Beinen und guckt mir beim Schreiben zu …
witzig, wie verschieden die Hasen sind. Ich glaube, Valentina hat erst zwei-, dreimal ein bisschen erbrochen. Das war’s. Dafür schläft sie aber auch keine sechs Stunden.
Gestern Abend hatten wir den üblichen Punk: Ich wollte eine Sendung im Fernsehen anschauen, sie wollte schreien. Sie hat gewonnen … So hab ich also wieder gestillt bis zum Umfallen (beziehungsweise bis zum Ende der Sendung). Danach hat sie zwar bis um 4 Uhr geschlafen, ich bin aber trotzdem total müde, denn sie schläft ja nur in meinen Armen, sodass ich höchstens mal in Halbschlaf falle.
Mein größter Wunsch: Sie soll in ihrem Bettchen schlafen, damit ich wieder bei Papa liegen kann.
Die Wünschelrute
meine unfassbare Tochter hat acht Stunden am Stück geschlafen! Ich bin völlig baff.
Allerdings hatte es die süße Maus gestern auch ein bisschen sehr schwer. Die Omis und Opis waren mal wieder da. Bevor sie kamen, wurde schwer gespuckt. Also noch mal waschen und umziehen. Und beim 17-Uhr-Süffeln bekam sie eine totale Weinattacke und war ganz schwer zu trösten.
Als sie endlich fertig war und ich sie auf dem Arm hielt, knatterte es dermaßen in ihrer Jeans, dass es alle am Tisch hörten und mit einem „Ui!“ kommentierten. Nach circa zehn Minuten wackelte ich zum Wickeltisch – und staunte: Da schwappte es aus ihrer Windel schon gegen meine Bluse. Charlotte war vollgeschissen wie noch nie.
Also baden, für ihre Verhältnisse unglaublich spät. Die Wirkung: einstündiger, komatöser Schlaf. Danach schläfriges Trinken und nochmaliges Tiefschlafen. Als ich erwachte (und sie auch), war’s Viertel vor sechs. Und ich befürchtete schon, meine Uhr wäre kaputtgegangen!
Kiss
Christiane
Premiere! Es ist das erste Mal seit der Neugeborenenzeit, dass meine Motte einfach so friedlich in ihrem Kinderwagen auf dem Balkon eingeschlafen ist – ganz ohne Fahren, Ruckeln, Zuckeln, Schaukeln oder Im-Arm-Liegen. Endlich sitze ich mal in der Sonne … Und das, nachdem ich heute schon zwei große Spaziergänge mit Charlotte gemacht habe: im Kinderwagen und im Baby-Björn.
Genießt das Wetter!
Kiss
C (mit beginnendem Dekolletee-Brand)
An dieser Stelle hatten wir also die ersten Wochen und Monate überlebt – ohne Blessuren, Viren und sonstiges Grauen.
Caroline war in erster Linie neidisch darauf, dass Christianes Tochter durchschlief. Christiane hätte gerne etwas weniger gestillt und ihrer Tochter seltener dabei zugesehen, wie sie die Muttermilch in hohem Bogen auf Mutter, Sofa, Wand oder Damenhandtasche an der Käsetheke spuckte.
Die Väter-Männer waren verliebt in ihre Töchter – allerdings nicht immer in die Mamas, was ihnen im Nachhinein überhaupt nicht zu verübeln ist. Schließlich spielten wir unseren leidgeplagten Männern manchmal ganz schön mit. Christiane zum Beispiel, in Sachen Bakterien wegen des Babys leicht hysterisch, begrüßte ihren Mann nach einer fünftägigen Dienstreise statt mit einem warmherzigen Kuss mit den eiskalten, herrischen Worten: „Schuhe aus und Hände waschen.“
Es klang, als spräche sie mit einem renitenten, vollgematschten Kindergartenjungen. Nein, zum Glück hat er nicht die Scheidung eingereicht …
Wir wachten teilweise schon ganz schön besessen über unsere Brut. Würden wir es heute anders machen? Manches hoffentlich, das meiste nicht. Babys rufen extreme Gefühle in einem hervor: große Liebe, große Wut, große Enttäuschung, großes Verantwortungsgefühl – und manchmal eben auch große Hysterie.
Tatsächlich war alles anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Wir waren nicht mehr dieselben Frauen wie vor der Schwangerschaft, auch wenn wir uns das ursprünglich felsenfest vorgenommen hatten.
Doch plötzlich war da diese doofe Fixiertheit auf ein kleines Wesen. Wir wollten es beschützen und verhielten uns dabei manchmal peinlich, unlogisch, eigenartig. Und merkten es erst, wenn wir uns darüber austauschten.
Alles ist eine Phase!
Was wir in dieser ersten Zeit gelernt haben: Alles ist eine Phase! Die Brecherei, die Schlaflosigkeit, die mangelnde Gelassenheit, die Sexlosigkeit, das Sich-unattraktiv-Finden: eine Phase – sowohl beim Würmchen als auch bei der Mama.
Phase. Dieses Wörtchen haben wir uns gegenseitig vorgebetet wie ein Mantra. Alles geht irgendwann vorbei – und dann wartet eine neue Herausforderung.
In Christianes Fall waren das nach knapp zwölf Monaten die mit vielen Tränen begleitete Eingewöhnung in die Kita und der Wiedereinstieg in den Job. Und bei Caroline?
es ist 20 Uhr, und ich gehe jetzt ins Bett, völlig ausgepowert von meiner fast Einjährigen.
Ich wusste bislang nicht, wann und wie ich es Dir sagen soll: Nachdem wir für Valentina fast drei Jahre Anlauf gebraucht haben, sollte es diesmal wohl etwas schneller gehen. Ich bin schwanger. Heute habe ich bereits Köpfchen und Bauch gesehen. Ganze 2,17 cm warten darauf, mich weitere zwei Jahre nicht schlafen zu lassen.
Die bald zweifache Mama
am Wochenende waren wir mit Valentina auf dem Ponyhof. Während wir noch einparkten, schrie mein Mann geschockt: „Caroline, da liegt eine Frau im Auto und bewegt sich nicht!“
Ich stieg aus, um die Situation genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Wahrheit war: Dort schlief eine Frau den Schlaf, den sie zu Hause ganz offensichtlich nicht bekommen hatte. Hinten im Auto klemmten zwei verwaiste Kindersitze. Ihren Mann hatte sie wahrscheinlich mit den Kindern zum Ponyreiten geschickt.
Boris war entsetzt, ich dagegen spielte mit dem berauschenden Gedanken, es ihr direkt nachzumachen. Da saß eine wie ich! Denn auch ich fand mich jederzeit bereit, in eine Art Kurzkoma zu fallen. Ich war glücklich, nicht alleine zu sein.
8,22 Stunden Schlaf machen uns zu zufriedenen, ausgeglichenen Menschen: so weit die Meinung der Schlafforscher. Doch wie sieht das bei jungen Müttern aus? Was macht ein Schlaf von 2 + 3 + 1 Stunden aus einem menschlichen Wesen? Die Antwort ist: Wir entwickeln uns zu schlecht gelaunten, teilweise hirnlosen Lebewesen, die zwar die nötigsten Aufgaben erledigen können, zu mehr aber auch nicht mehr in der Lage sind. Vom Menschsein sind wir da weit entfernt; vom Frausein ungefähr so weit wie die Erde vom Mars.
Warum ich nach fast einem Jahr mit Valentina jetzt wieder mit diesem Thema anfange? Ganz einfach, in meinem Bauch wächst Baby Nummer 2 heran und stört schon jetzt meine Nächte. Ich wandere herum, weil es strampelt und sich dreht und mich darauf vorbereitet, was danach kommt.
Ich weiß noch, wie verzweifelt ich war, als mir die ersten ebenso frischen Mütter (allen voran Du) erzählten, ihre Kinder schliefen nun durch – nach gerade einmal sechs Wochen. Es fühlte sich an wie ein Affront: Alle wissen, wie es geht, nur unser Kind nicht!
Ich las Bücher dazu und versuchte zu googeln, was wir falsch machten. Doch die einzige Antwort, die ich im Internet fand (und die sich auch mit der Empfehlung meines Kinderarztes deckte), lautete: Lassen Sie Ihr Kind schreien. Nehmen Sie es nicht aus seinem Bett, und gehen Sie immer wieder mit beruhigenden Worten aus dem Zimmer.
Ein Kind ist so, wie es ist.
Für meinen Mann und mich klang das wie eine Anleitung aus einem Folterhandbuch. Mit diesem Nein zu dem Beststeller Jedes Kind kann schlafen lernen1 standen wir allerdings ziemlich allein da.
