Man wird doch mal darüber bellen dürfen - Barbara Saß - E-Book

Man wird doch mal darüber bellen dürfen E-Book

Barbara Saß

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Beschreibung

Wie sieht ein Hund die Welt? Was ist ihm wichtig, was unbegreiflich? Im täglichen Auf und Ab von Freud und Leid beweist der Hund seine uneingeschränkte Treue zu dem Menschen, der ihn ernährt und umsorgt. Und wird er krank, leiden beide - Tier und Mensch.

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Seitenzahl: 86

Veröffentlichungsjahr: 2014

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www.tredition.de

Barbara Saß

Man wird doch mal darüber bellen dürfen

Ein Hundeleben

www.tredition.de

© 2014 Barbara Saß

Umschlaggestaltung, Illustration: Barbara Saß © Bildrechte: Barbara Saß (Privatarchiv) Satz, Korrektorat: Corinna Podlech, Hamburg

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

Paperback       

ISBN 978-3-8495-8130-5

Hardcover       

ISBN 978-3-8495-8131-2

e-Book       

ISBN 978-3-8495-8132-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Darf ich mich vorstellen?

Ich bin Clooney. Sogar ein Schauspieler wurde nach mir benannt. Zwar begreife ich nicht, warum der Typ sich ausgerechnet einen Hundenamen ausgesucht hat – doch ist das mein Problem?

Ich bin nicht aus Deutschland. Bin entführt worden, sozusagen ein Emigrant. Eigentlich hatte meine Hundemama sich für mich ja eine andere Karriere gewünscht, sollte ein Schauspieler werden, doch der Part war leider schon besetzt. So ist das nun mal.

Da kommen die Deutschen mit ihrem Zaster, zahlen und schleppen einen über die Grenze – so weit weg, dass meine Hundemama mich garantiert nie wiederfinden würde. Ich weiß schon, so weit reicht ihr Geruchssinn nun auch wieder nicht und ich wette, inzwischen hat sie mich auch schon vergessen, weil sie sich aus lauter Kummer wieder neue Babys angeschafft hat. Und die schleppen die Deutschen dann wieder über die Grenze. Das nennt man ja wohl Entführung. Ist das denn überhaupt erlaubt?

So lebe ich nun hier in dieser Stadt, die sie Hamburg nennen und die so viele Hunde hat, dass man sich schon wieder heimisch fühlen kann.

Die Menschen hier in Hamburg heißen alle „Hallo“. Ziemlich einfallslos.

Bei uns Hunden ist das anders. Wir haben alle einen Namen und wie ich schon erklärt habe, meiner ist Clooney.

Auf dem Weg über die Grenze habe ich mich ganz eng an mein Frauchen gekuschelt, denn obwohl ich mich so gefreut hatte, dass sie sich für mich entschieden hatte, bekam ich dann doch Angst hier in der Fremde. Ich konnte ja nicht ahnen, wohin die Reise geht.

Nicht auszudenken, wenn die mit mir nach Transsilvanien gefahren wären. Dort lebt nämlich der Graf Dracula, der den Menschen und ganz bestimmt auch den Hunden das Blut aussaugt. Na, Gott sei Dank hat Frauchen auch Angst vor dem.

Und ziemlich doof fand ich dann auch, dass mein Frauchen mehrmals am Tag mit mir auf den Hof gegangen ist. Dort sind wir dann immer im Kreis rumgelaufen.

Bis heute hab ich nicht begriffen, was das zu bedeuten hatte. Ist wohl so üblich in Deutschland. Wenn wir dann endlich wieder in die Wohnung durften, habe ich mich vor Erschöpfung erstmal entleert.

Ich habe rotbraune lange Haare, weiße Pfoten und drei weiße Tupfen oberhalb der Nase. Meine Augen sind braun, meine Nase auch. Keine schwarze Nase – wie die meisten Hunde – nein, meine Nase ist braun. Mein Familienname ist: ‚Under the red Sky’.

Ich glaube, ich bin viel hübscher als diese spindeldürren, hochbeinigen und überaus ängstlichen Tiere, die ich manchmal vom Fenster aus sehe und die mein Frauchen Rehe nennt.

Wenn ich sie beobachte, belle ich sie an. Man muss sich doch begrüßen, gehört sich einfach so, doch die sind hochnäsig – bellen nie zurück, bleiben für wenige Minuten stehen, schauen mich blöd an und laufen dann schnell weg. Unhöflich dieses Verhalten. Oder haben die etwa Angst vor mir?

Blödsinn. Vor mir muss man doch keine Angst haben. Bin ganz lieb, ganz friedlich – meistens wenigstens.

Mein Frauchen

Wenn mein Frauchen arbeitet, muss ich zu Oma. Sie macht da irgendetwas, das Oma Gott sei Dank ablehnt. Ich wüsste verdammt noch mal gern, wo sie da immer hingeht, und dass das was Unanständiges sein muss, leuchtet doch jedem Hund ein. Warum sonst nimmt sie mich nie dorthin mit. Macht sie nicht. Weigert sich schlichtweg. Da kann ich noch so treu, so verliebt gucken. Wenn sie da hingeht, schiebt sie mich ab. Ich weiß genau, das ist etwas, das sie genießt, doch mir gönnt sie diesen Genuss nicht, will ihn allein auskosten. Nicht zu fassen, wie viele Stunden sie dort immer verbringt. Kann scheinbar nicht genug kriegen davon.

Neulich hab ich sie genau beobachtet. Sie blieb sehr lange im Bad, hat sich irgendetwas ins Gesicht geschmiert und in die Haare gesprüht. Es roch so gut, dass mir ganz schwindelig davon wurde und ich dachte schon, jetzt gehen wir ganz groß aus, doch dann wurde wieder nichts draus. Ich durfte nicht mit.

Hab schon mal versucht, mich im Auto zu verstecken, mich festzuklammern, doch sie kann ganz schön brutal sein. Packt mich und schiebt mich raus. Und dabei wollte ich doch nur einmal wissen, ob Arbeit wirklich so schön ist.

Ich seh’s ihr an, wenn sie mich wieder mal allein lassen will. Sie hat dann so ein Schlechtes-Gewissen-Gesicht und die liebevollen Versprechungen, dass sie bald wieder kommt, helfen dann auch nicht weiter. Nicht mir und ihr auch nicht. Ich stehe dann vor ihr und wedle mit dem Schwanz, schau sie verzehrend an, springe an ihr hoch und gebe ihr ein Küsschen. Was soll ich sonst noch anstellen — mehr geht nicht.

Wenn sie dann sagt: „Sei brav Clooney und warte, Frauchen kommt bald wieder“, bin ich beleidigt, ziehe den Schwanz ein, verkrieche mich hinter dem Bett und verfalle in Depressionen.

Auch wenn ich zu Oma muss, lässt sie nicht mit sich reden. Ich hab’s schon mit allen Tricks versucht. Hab mich krank gemeldet, doch es half nichts. Mich schlafend gestellt, half auch nichts. Da wird man aus seinem Tiefschlaf gerissen, ins Auto gezerrt und ab zu Oma.

Ich glaube, mein Frauchen ist ziemlich arm. Zunächst dachte ich, ich hab’s gut getroffen, doch wenn ich’s recht betrachte, hätte ich mir doch lieber ein Frauchen mit Kindern gewünscht, da fällt nämlich immer was vom Tisch runter, wenn die essen.

Frauchen ist nicht nur arm, sie ist auch noch geizig. Zweimal am Tag wird mein Napf gefüllt und wenn ich nicht genau aufpass, dann fress ich auch noch die Kartoffeln oder das Gemüse mit, das Frauchen mir da unterjubeln will. Sie denkt wohl, ich merk das nicht.

Kann sie sich denn gar nicht vorstellen, dass so ein ausgewachsener Hund Fleisch braucht, um bei Kräften zu bleiben? Kommt die mir doch immer wieder mit diesem Grünzeug – bin doch kein Kaninchen. Hin und wieder eine Wurzel, die nehm ich schon an, auch wenn sie mir die als Stöckchen anbietet und denkt, ich merk das nicht. Schmeckt man doch, hat nicht diesen holzigen Geruch, schmeckt eigentlich nach nichts. Auch wenn ich die Wurzel zwischen meine Pfoten nehm und so wie ein Stöckchen halte, ist das noch lange kein Grund, mir einreden zu wollen, dass das ein Stöckchen ist.

Leckerli hat mein Frauchen auch gekauft, doch die versteckt sie - ist eben geizig. Sie steckt sich doch auch mal zwischendurch was in den Mund, nur bei mir wird gespart. Und dann sagt sie immer, dass sie mich ganz doll lieb hat, soll man das denn glauben?

Da muss ich eben bei anderen aufpassen.

Wenn wir spazieren gehen und so ein „Hallo“ in die Jackentasche greift, bin ich sofort da, mach Sitz und schau sie ganz treu mit meinen braunen Augen an und dann holt das „Hallo“ meistens ein Leckerli aus der Tasche, weil man mir schon ansieht, dass ich am Verhungern bin. Es lohnt sich natürlich immer, sofort zur Stelle zu sein.

Wenn Frauchen mit Papa und Freunden in ein Restaurant geht, darf ich mit. Dieses Privileg hab ich mir hart erkämpft, musste beweisen, dass ich ganz brav sein kann. Ich liege dann artig unter dem Tisch und ertrage das langweilige Gequatsche und nur, weil das immer noch besser ist, als allein zu Haus rumzuliegen.

Eine verdammte Quälerei ist so ein Restaurantbesuch allerdings schon. Man liegt da unter dem Tisch, es duftet himmlisch nach den Köstlichkeiten aus aller Welt und man darf nicht betteln.

Als ich es versuchte, wurde ich bedroht und es hieß: „Wenn du keine Ruhe gibst, kommst du ins Auto.“

Neulich bin ich fast ausgeflippt. Da bestellten sie sich doch tatsächlich Käse. Ich denke noch, ich höre nicht richtig. Käse, mein Lieblingsgericht. Machen sie das nun absichtlich, um mich zu ärgern oder denken sie nicht daran, wie einem zumute ist, wenn da oben Käse gegessen wird und man liegt als armer Hund unter dem Tisch und leidet? Ich – ganz cool - hab es geschafft, hab mich beherrscht und mich in mein Käseland geträumt.

Einmal gab’s allerdings Ärger. Ich musste was unternehmen. Man kann sich doch nicht alles gefallen lassen. Am Ende heißt es dann noch, das ist gar kein richtiger Hund, ist nur ein armer Trottel.

Da hatte die Kellnerin im Restaurant mir eine Schüssel Wasser hingestellt. Ganz für mich allein versteht sich und da kommt doch so ein blöder Hund an unseren Tisch und ich denke gerade, was will der hier, soll bloß abhauen, da guckt er mich so scheel an und trinkt aus meinem Napf. Ich nicht lange gefackelt und bin auf ihn los. Der Feigling zieht den Schwanz ein und rennt weg. Na also, geht doch.

Trotzdem wollen sie mich immer dabei haben, brauchen eben einen Aufpasser. In dieser großen Stadt, in der doch soviel passiert, wird so manch ein Hund von der Polizei bezahlt, um die Menschen zu beschützen. Endlich hat man erkannt, dass es ohne uns nicht geht.

Ich geh natürlich brav mit ins Restaurant, verrate auch nicht, dass es mir immer noch lieber ist, unter dem Tisch zu liegen und zu leiden, weil die berauschenden Gerüche mich fast um den Verstand bringen, als allein zu bleiben.

Allein zu Haus ist furchtbar. Kommt zwar selten vor, dass sie mich abschieben, doch man weiß ja nie, ob sie jedes Mal wiederkommen. Und ich glaub, ich würd’s nicht ertragen, wenn sie mich irgendwann verließen. Darf gar nicht daran denken, sonst fang ich jetzt schon an zu heulen und das wär ja wirklich blöd. Ist doch gar nichts passiert.

Ich möchte irgendwann mal in einem Zirkus auftreten. Auf dem Baumstamm zu balancieren trainiere ich täglich und tanzen kann ich auch schon, auch wenn’s noch ein wenig holprig ist. An die Tanzkünste von Nurejews Hund kommt allerdings keiner ran. Dennoch hab ich mir vorgenommen, tüchtig zu üben. Kein Wunder, dass er so gut tanzen konnte, hatte ja einen brillanten Lehrmeister.