9,99 €
Vorsicht, Realsatire! Dieses Buch erzählt die kuriosen Geschichten hinter den wilden Schlagzeilen aus aller Welt: Ein Betrunkener, dem es gelingt, in der Wüste den einzigen Baum im Umkreis von 400 Kilometer umzunieten. Der Mann, der eine einstweilige Verfügung gegen Gott beantragt. Ein Papagei als Mordzeuge. Der Anwalt, der sich erschießt, um seinen Mandanten zu verteidigen. Die Babysitterin, die die Kinder mit zum Banküberfall nimmt. Ein Pole, der beim Kampftrinken zusammenbricht, einen Herzinfarkt erleidet, für tot erklärt wird – und wenig später von innen an die Kühlzelle klopft. Ein Best-of absonderlicher Schlagzeilen, komischer Ereignisse und faszinierender Geschichten. Unglaublich, aber wahr!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 199
Veröffentlichungsjahr: 2018
Misha Verollet
Unglaubliche, aber wahre Geschichten
Die besten (und lustigsten!) Geschichten schreibt das Leben selbst.
Misha Verollet erzählt mit großartigem Humor die kuriosen Geschichten hinter den wilden Schlagzeilen aus aller Welt: ein Betrunkener, dem es gelingt, in der Wüste den einzigen Baum im Umkreis von 400 Kilometern umzunieten. Ein Junge, der in einem Überraschungsei Crystal Meth findet. Ein Papagei als Mordzeuge. Ein Pole, der beim Kampftrinken zusammenbricht, einen Herzinfarkt erleidet, für tot erklärt wird – und wenig später von innen an die Kühlzelle klopft. Ein Best-of absonderlicher Schlagzeilen, komischer Nachrichten und faszinierender Geschichten. Unglaublich, aber wahr!
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Februar 2018
Copyright © 2018 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Umschlaggestaltung ZERO Media GmbH, München
Umschlagabbildung FinePic®, München
ISBN 978-3-644-40224-9
Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation
Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.
Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Printausgabe.
Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.
www.rowohlt.de
Ich habe ein Hobby – ich sammle interessante Geschichten: kuriose, lustige, traurige, spektakuläre, unfassbare, unglaubliche, absonderliche, außergewöhnliche, aber immer wahre Schlagzeilen und Ereignisse. Geschichten also, bei denen man denkt: «Kannste dir nicht ausdenken, so was.» Und das stimmt: Kannste nicht. Sie sind wahr.
Im 19. Jahrhundert definierte John B. Logart, Lokalredakteur der New York Sun, was eine Nachricht ausmacht: «Wenn ein Hund einen Mann beißt, ist das keine Nachricht, weil es so häufig geschieht. Aber wenn ein Mann einen Hund beißt, ist das eine Nachricht.» Darum geht es in diesem Buch. Ein Bär, der einen Mann angreift? Höchstens ein Achselzucken wert. Aber ein Mann, der mit einem Hund einen Bären angreift, ist definitiv eine Nachricht. Übrigens: Der Hund überlebt, so viel kann ich verraten, ich bin ja nicht blöd, ich möchte ja, dass Sie dieses Buch kaufen und lesen.
Dieses Buch ist eine Sammlung vieler solcher interessanten Geschichten. Egal, ob witzig oder tragisch (oder tragikomisch), beeindruckend oder berührend, brandaktuell oder historisches Ereignis, es eint alle Geschichten, dass sie uns in eine surreale Welt entführen, in der, nur so als Beispiel, Kühe durch Dächer fallen, Menschen einen Bombenfund nicht melden, um die Nachbarn nicht zu wecken, und Kinos, in denen der Film Noah laufen soll, einen Wasserschaden haben. Klassische Realsatire. Viele Storys sind das, was man lynchesk nennt. «Als lynchesk», erklärte der Autor David Foster Wallace den Begriff in einem Artikel über, richtig, den Regisseur David Lynch, «bezeichnet man eine bestimmte Art Ironie, bei der sich das Makabre und das Banale, also das Alltägliche so vereinen, dass offenbart wird, wie viel Anteil Ersteres an Letzterem hat.» Kurz: Dieses Buch ist eine (hoffentlich unterhaltsame) Chronik des Unvermögens des Menschen, einen Tag zu überleben, ohne etwas sehr, sehr Dummes zu tun. Oder wie es der französische Mathematiker, Physiker und Philosoph Blaise Pascal ausdrückte: «Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.»
Davon konnte Lawrence von Arabien ein Lied singen. Er verlor die erste Fassung des Manuskripts seines Mammutwerkes Die Sieben Säulen der Weisheit im Zug. Und musste das komplette Buch noch einmal schreiben. Zum Glück gibt es heute das Internet, das die ganzen wunderbaren Fundstücke für uns speichert.
Ich wünsche Ihnen auf Ihrer Entdeckungsreise durch dieses Museum der kuriosen Nachrichten genauso viel Spaß, wie ich beim Sammeln hatte!
«Nichts ist komischer als das Unglück, zugegeben.»
Samuel Beckett
Weltrekord-Wels! Italiener zieht Fluss-Monster aus dem Po (Focus Online) +++ Jenaer Polizei ist zufrieden: Beim Pokalderby nur Pfefferspray, Flaschenwurf und Hitlergruß (Thüringische Landeszeitung) +++ Florida Man Who Had Sex with Dolphin Says It Seduced Him (Deccan Chronicle) +++ Man drowns at lifeguard tryouts in Orleans (Cape Cod Times) +++ Großbrand: Gaffer essen Brötchen der Feuerwehr (NDR) +++ Could dildo drones be the future of masturbation? (Dazed Digital) +++ Frau darf ihre Tochter nicht Cyanide nennen (DRadio Wissen) +++ Woman recently diagnosed as allergic to herself (ABC) +++ Wal-Erbrochenes macht Fischerpaar reich (Spiegel Online) +++ FedEx employee falls asleep loading plane in Memphis, wakes up in Texas (News Channel 3 Memphis) +++ Man spotted running nude with bells hanging from his genitals (Fox 13 Salt Lake City) +++ Hipsterbärte gefährden Brandeinsätze in Bad Hersfeld (HR Online)
Bayern. Bundesland der unbegrenzten Unmöglichkeiten. Die deutschen Südstaaten. Nur in Bayern konnte man es für eine gute Idee halten, ein Volksfest zu erfinden, das ausdrücklich zum Ziel hat, anderthalb Millionen Menschen abzufüllen. Nur in Bayern konnte es passieren, dass ein Politfunktionär einer christlichen Partei einen christlichen Pfarrer dunkler Hautfarbe rassistisch beleidigt und Morddrohungen gegen den Kirchenmann provoziert. Nur in Bayern konnte es einen Landesvater wie Franz Josef Strauß geben, der einst sagte: «Die Erziehung der Kinder ist eine Uraufgabe, eine von Gott den Eltern auferlegte Pflicht, ist ihr ureigenstes Recht.» Vermutlich ist es deshalb auch nur folgerichtig gewesen, dass die folgende Geschichte in Bayern passierte.
Es begab sich in Landshut, so erzählt die Süddeutsche Zeitung, dass eine Mutter ihrer Uraufgabe nachzukommen versuchte, ihrer von Gott auferlegten Pflicht, ihr siebenjähriges Kind dazu zu bewegen, ins Bett zu gehen; allein, das Kind wollte nicht. «Dabei beleidigte das Mädchen die Mutter und bewarf sie mit verschiedenen Gegenständen», schreibt die SZ. Die Mutter rief daraufhin die Polizei. Wie man das in Bayern eben so macht, wenn man vom Kind mit Gegenständen beworfen wird. Hilfsbereit wie immer rückten die Gesetzeshüter alsbald an und deeskalierten. Nach einer «Zahnreinigung unter amtlicher Aufsicht» wanderte die junge Delinquentin in Begleitung der Polizei ins Bett. Immerhin stürmte nicht gleich ein Sondereinsatzkommando die Wohnung, wie sonst in Bayern, wenn es um Bagatellen geht.[1]
Die Filmindustrie und ihre Zuschauer wissen ein geschickt eingefädeltes Vermögensdelikt zu würdigen. Oceans’s 11, The Italian Job, Der Große Eisenbahnraub, The Insider – alles Filme über möglichst kreativen Diebstahl. Wenn über die Versicherungen hinaus niemand ernsthaft zu Schaden kommt, schätzen wir Zuschauer einen unterhaltsamen Raub.
Einer der großartigsten Raubzüge der letzten Jahre war so genial wie unspektakulär. Kein Hollywood-Blockbuster-Format. Eher Wolf-Haas-Verfilmung, nachts, im Dritten. Umso wichtiger, dass er hier entsprechend Würdigung findet.
Die Publikation Liverpool Echo berichtete erstmals über die Vorkommnisse in einer Asda-Filiale im englischen Ellesmere Port. Die Asda Stores sind eine Supermarktkette, die von den Brüdern Fred und Peter Asquith gegründet wurde (was hat es eigentlich mit Supermärkten und Brüdern auf sich?). Asda hat in England nach Tesco den größten Marktanteil. In Ellesmere Port steht einer ihrer sogenannten Supercenter, eine Filiale mit besonders großer Ladenfläche und Sortiment. Unter anderem betreibt der Supermarkt inmitten seiner Verkaufsfläche eine Postfiliale, in der es neben den üblichen Dienstleistungen, wie dem Versand von Briefen und Paketen, auch Umschläge zu erwerben gibt. Ich fasse zusammen: In einem Supermarkt steht unweit der Regale mit DVDs und CDs eine Post, die Polsterumschläge und den Versand frankierter Umschläge im Angebot hat. Bevor man mit seiner Ware zur Kasse muss. Was könnte da großartig schiefgehen?
Die ganze Geschichte kam ans Tageslicht, als Kunden eines Tages fragten, weshalb Umschläge nur noch auf Anfrage erhältlich waren. Die durchaus amüsierten Mitarbeiter erzählten eine Geschichte, die es bis in The Independent schaffte:
Unbekannte erwarben Polsterumschläge aus dem Sortiment des Supermarktes und schickten sich via Postfiliale die neusten DVDs und Blue-Rays selbst zu. Technisch Diebstahl, menschlich Gold. So einfach, und doch so genial. Klar, kein Filmstoff. In der Geschichte ist auch mit Phantasie keine Explosion oder Verfolgungsjagd unterzubringen. Aber nichtsdestotrotz dürfte diese Meldung als eines der schönsten Verbrechen überhaupt gelten. Und sie zeigt eine Lücke im Strafrecht: Klar, Strafe muss sein, aber es sollte sich strafmindernd auswirken, wenn es sich um ein solch kreatives Vermögensdelikt handelt.[1]
Der «Arbre du Ténéré» war der berühmteste Baum der Sahara. In der Ténéré-Wüste gelegen, überlebte er jahrzehntelang – allein. Im Umkreis von 400 Kilometern gab es keinen anderen Baum. Er hatte sich so tief in den Boden gegraben, wie Notre-Dame hoch ist, um an Wasser zu gelangen. Die Überreste des «Arbre du Ténéré» sind heute in einem bewachten Mausoleum in der Hauptstadt des Niger zu besichtigen.
Er starb, als ein betrunkener Libyer durch die Sahara raste und es fertigbrachte, genau in diesen Baum hineinzufahren. In den einzigen Baum im Umkreis von 400 Kilometern. Mehr muss man über die Menschheit eigentlich nicht wissen.[1]
Häufig ist die Schlagzeile bereits die ganze Geschichte. Aber manchmal entpuppt sich die Headline als irreführend. Oder lässt die Leserinnen im Unklaren über das wahre Motiv einer Tat. So war es auch bei der Schlagzeile der China Daily, der ersten und größten englischsprachigen Tageszeitung Chinas: «Man seeks fake son to trick aged mother», war da zu lesen. Und natürlich assoziiert man da gleich den Enkeltrick und sonstigen betrügerischen Schabernack herbei. Aber dann las ich mich rein und entdeckte eine schöne, wenn auch tragische, fast schon filmreife Geschichte.
Huang Xiaoyongs Sohn war 2009 mit 21 Jahren an einer kongenitalen Muskeldystrophie gestorben. Der Großmutter des Jungen wollte man aber die Pein ersparen und erzählte ihr stattdessen, er sei zu einer langwierigen Behandlung in einer anderen Stadt. Großmutter und Enkel hatten ein besonders enges Verhältnis: Sie hatte den Jungen nach der Scheidung der Eltern großgezogen. Und so brachte es niemand übers Herz, der Großmutter die Wahrheit über das Ableben ihres geliebten Enkels zu sagen.
Eine Zeitlang ging die Scharade gut. Doch die Großmutter schöpfte schließlich Verdacht, bis sie im Frühjahr 2016 mehr wissen wollte. Verzweifelt behauptete der Vater des Verstorbenen, es ginge dem Jungen besser, er könne jetzt mit Hilfe eines Stockes wieder gehen. Die Großmutter bestand darauf, den Jungen zu sehen.
Huang Xiaoyong wusste daraufhin keine andere Lösung, als einen öffentlichen Aufruf zu starten. Er suchte einen Mann im Alter seines Sohnes, der den Verstorbenen gegenüber der Großmutter spielen könnte. Diese war nahezu blind, und Huang Xiaoyong hoffte, sie erfolgreich täuschen zu können. Danach sollte der Großmutter vermittelt werden, dass der Sohn für einige Jahre ins Ausland müsse, um seine Behandlung abzuschließen.
Enttäuschenderweise verriet der erste Bericht nicht, wie die Geschichte weiterging. Aber Gott sei Dank erschien später ein Artikel in der Daily Mail, der uns den Ausgang erzählt:
Huang Xiaoyong fand tatsächlich einen falschen Sohn durch den Medienaufruf. Wang Feng, aus der gleichen Stadt wie die Familie, hatte in etwa das richtige Alter, um den Sohn mimen zu können. Nachdem sich Wang Feng gemeldet hatte, übte er gemeinsam mit Huang Xiaoyong den Gang und die Bewegungen ein, die nötig würden, die Großmutter zu täuschen. Klassisches Method-Acting. Kurz darauf wurde das Treffen organisiert. Um nicht durch den fremden Körpergeruch aufzufliegen, rieb Huang Xiaoyong den falschen Sohn mit einem Sirup aus wilden Disteln ein.
Der Plan ging auf: Dem Bericht zufolge war es ein emotionales Treffen. Zu keinem Zeitpunkt schöpfte die Großmutter Verdacht. Andererseits: Vielleicht tat sie es ja doch. Und entschied für sich selbst, der Geschichte Glauben zu schenken.[1]
Alles zurücklassen und komplett neu anfangen: neues Land, neuer Name, neues Leben. Vor allem dann eine attraktive Option, wenn man dem langen Arm des Gesetzes entfliehen möchte. Um das neue Glück perfekt zu machen, ist eine Maßnahme unabdinglich: Es gilt, den eigenen Tod erfolgreich vorzutäuschen.
Für Bennie, einen Mann aus Florida, schien genau das der einzige Ausweg. Bennie, der gegen das Betäubungsmittelgesetz verstieß, hatte immer mehr Angst aufzufliegen. Er entwickelte eine regelrechte Paranoia vor der Polizei. Sein Gefühl sagte ihm: Die Behörden waren ihm auf der Spur und würden ihn jeden Augenblick verhaften. Also fasste Bennie einen Plan. Er musste verschwinden.
Eines Tages war er mit seiner Frau am Strand. Bennie schwamm hinaus. Nervös beobachtete seine Frau, wie er sich immer mehr vom Strand entfernte, bis ihn die Fluten verschluckten. Panisch rief Bennies Frau um Hilfe. Doch weder Rettungsschwimmer noch Küstenwache konnten etwas tun. Seine Leiche blieb verschwunden, er wurde für tot erklärt.
Fast forward 20 Jahre. Ein Polizist hält in North Carolina einen Autofahrer an. Bei der Überprüfung der Angaben schöpft der Beamte Verdacht. Er verhaftet den Mann. Auf der Wache dann die Beichte: Der Verhaftete gibt an, ebenjener Bennie zu sein, der vor vielen Jahren angeblich ertrunken war. In Wahrheit hatte er seinen Tod nur vorgetäuscht, um der Fahndung zu entgehen.
In den letzten 20 Jahren hatte er sich ein komplett neues Leben aufgebaut, ein eigenes Geschäft gegründet und neu geheiratet. Sein altes Leben habe er zurückgelassen, weil er Angst davor gehabt hatte, dass die Polizei ihn aufgrund seines Drogenhandels verhaften würde.
Nur: Die Polizei war ihm nie auf der Spur gewesen. Die Behörden hatten Bennie überhaupt nicht auf dem Radar gehabt. Der ganze Schlamassel war völlig unnötig gewesen.[1]
Ironie. Eine Definition lautet: paradoxe Situation, wie in Ironie des Schicksals oder der Geschichte. Viele der Geschichten in diesem Buch triefen nur so vor Ironie. Aber manche Nachrichtenmeldungen und Begebenheiten treiben es geradezu auf die Spitze.
Im englischen Exeter zum Beispiel freuten sich 2014 zahlreiche Kinogänger auf die Premiere von Noah, ein Film über die gleichnamige Sintflut. Leider musste die Vorstellung abgesagt werden, weil das Kino unter Wasser stand: Eine defekte Eismaschine hatte das Gebäude geflutet.
In Neufundland raste ein Mann in einen Elch, weil er bei einem anderen Unfall mit einem Elch gegafft und dadurch seinen Elch übersehen hatte. Insgesamt gab es innerhalb von 80 Minuten auf der gleichen Strecke fünf Unfälle mit Elchbeteiligung. (W)elch Chaos.
Der Chef der Drogenfahndung in Helsinki wurde 2016 zu 10 Jahren Haft verurteilt. Grund: Er war in Personalunion gleichzeitig Chef eines Drogenhändlerrings gewesen.
In kaum einer Schlagzeile manifestierte sich Ironie 2016 wie in dieser Meldung auf oe24.at: «Frau geschockt: Totes Huhn in Chicken McNugget entdeckt.» Tatsächlich fand sie eine Feder in ihren Nuggets. Dass ihr Essen mal ein Huhn gewesen sein konnte, war ihr zuvor wohl nicht in den Sinn gekommen.
In einem Ort namens Kangaroo Flat in Australien wurde Sam Walter beim Joggen von einem Känguru getroffen, das ein Auto angefahren und durch die Luft geschleudert hatte. Nur einen Abend zuvor hatte Sam Känguru-Steak gegessen. Wie jemand bei Twitter schrieb: «Die australischste Nachrichtenmeldung aller Zeiten.»
Man nannte Patrick Edlinger den «Gott der Freeclimber», auch «Spiderman der Schluchten». Er war einer der Pioniere des Kletterns ohne Sicherung. In seiner Karriere erschloss er zahlreiche Routen und turnte an unzähligen Steilwänden entlang. Er überlebte alle Kletterpartien. Patrick Edlinger starb, als er in seinem eigenen Haus eine Treppe hinunterfiel.
Ein irakischer Flüchtling hatte allen Widrigkeiten zum Trotz seinen Sinn für Humor und eine gehörige Portion Selbstironie nicht verloren. Er kaufte sich ein T-Shirt mit dem Aufdruck «I’m Muslim, don’t panic» und plante, seine Heimmitbewohner zu erheitern. Einige von ihnen dachten jedoch, er mache sich wirklich über ihren gemeinsamen Glauben lustig. Der muslimische Mann wurde von drei anderen Muslims krankenhausreif geprügelt.
George Harrison, Gitarrist der Beatles, war bis zu seinem Tode ein begeisterter Gärtner. In Erinnerung an ihn pflanzte man einen Baum in einen Park in Los Angeles. Zehn Jahre später starb auch der Baum – aufgrund eines Käferbefalls. Oder wie die Viecher auf Englisch heißen: Beetles.
Auf Malta wurden Ende 2016 die Dreharbeiten zur Verfilmung einer Flugzeugentführung unterbrochen – durch eine Flugzeugentführung.
Csanád Szegedi ist einer der Gründer der ungarischen Jobbik-Partei. Die Partei ist berüchtigt für ihre rassistische Politik, ihren Nationalismus und vor allem für ihren Antisemitismus. In zahlreichen Reden wetterte er gegen Juden und verbreitete antisemitische Verschwörungstheorien. Dann fand er heraus, dass seine Oma mütterlicherseits Jüdin und Auschwitz-Überlebende ist. Csanád Szegedi besucht jetzt regelmäßig die Synagoge und bekennt sich offen zum Judentum.
Zwei Frauen in Oak Hill, USA, wurden verhaftet, nachdem die Polizei an ihrer Tür ein Schild entdeckt hatte, das Verrätern und Spitzeln mitteilte, dass sie nicht willkommen seien. Die Polizei zählte zwei und zwei zusammen, durchsuchte das Haus und fand ein umfangreiches Drogenlager. Immerhin: Verpfiffen worden waren sie nicht.
Ein US-Politiker beschwerte sich öffentlich über die Eichhörnchenplage in seiner Stadt. Kurz darauf war er auf seinem Fahrrad unterwegs, als ihm ein Eichhörnchen in die Speichen sprang. Der Mann flog über sein Lenkrad, brach sich die Nase, zog sich eine Schädelfraktur zu und schlug sich eine Handvoll Zähne aus. Er bezeichnete den Angriff des Eichhörnchens als Selbstmordattentat.
Aber das größte Pech hatten zwei Diebe, die im Osten Frankreichs ein McDonald’s-Restaurant überfielen. Was sie nicht wussten: 11 Mitglieder einer französischen Anti-Terror-Spezialeinheit aßen dort grad zu Mittag. Keiner der Diebe entkam.[1]
Stellen Sie sich vor: Sie sind abends allein im Wald unterwegs, die Dunkelheit bricht an, Sie sind allein. Plötzlich, zwischen den Bäumen, nehmen Sie eine Bewegung wahr. Nervös schauen Sie genauer hin. Was Sie sehen, lässt Ihnen das Blut in den Adern gefrieren. Ein Mann ist dort im Dunkeln zugange. Er vergräbt etwas und verschwindet dann.
Genau das passierte einer Spaziergängerin in Achern. Als sie mit ihrem Hund beim Friedhof von Sasbach unterwegs war, lief sie in ebenso eine Szene. Zur Sicherheit rief sie die Polizei. Die Beamten exhumierten das frische Grab behutsam und fanden eine kleine Kiste, auf der jemand handschriftlich «Gurki» und das aktuelle Datum vermerkt hatte. Was würden die Beamten in der grusligen Kiste entdecken? Einen Hamster? Einen Vogel? Gar ein Kind?
Nichts davon: Was die Polizei in der Kiste entdeckte, untertraf alle Erwartungen. Eine verschimmelte Gewürzgurke. Der Übergang in die Ungenießbarkeit war dem Besitzer offenbar sehr nahe gegangen. Gemäß dem Motto «Die Würde des Gürkchens ist unantastbar» schließt die Polizeimeldung mit den Worten: «Die Polizisten entsorgten andächtig das ‹verblichene› Gemüse und setzten ihre Streife fort.»[1]
Es gibt so einiges an Technologie, das die Jugend von heute nicht mehr kennt: Audiokassetten, Disketten, Wählscheibentelefone, Telefonhäuschen. Selbst Institutionen, mit denen Menschen in meinem Alter groß geworden sind, verlieren mit jedem Jahr mehr und mehr an Relevanz und verschwinden aus dem Stadtbild. Videotheken zum Beispiel. Noch in den frühen nuller Jahren besaß ich Mitgliedsausweise für mehrere Videotheken in Bielefeld. Freilich entlieh ich DVDs und nicht VHS-Kassetten. Aber schon damals waren Dinge aus der Mode gekommen, die wenige Jahre zuvor noch zum guten Ton gehörten. Das Zurückspulen der Kassette zum Beispiel war Pflicht gewesen und wurde mit 2 DM pro nicht zurückgespulter Videokassette bestraft. Und auch die Gefahr, dass man die Kassette nicht abspielen konnte, weil das Magnetband ausgeleiert war, war dank DVD bereits ein Ding der Vergangenheit.
Wer ausgeliehene Filme nicht fristgerecht zurückbrachte, musste eine Strafe zahlen. Und die summierte sich, je länger man sich der Rückgabe widersetzte. Tja, unglaublich aus heutiger Sicht und vor allem für die Jugend von heute, die mit Netflix, Amazon Prime und Popcorntime aufwächst, wo man höchstens Gefahr läuft, abgemahnt zu werden, wenn man sich nicht mit VPN zu schützen weiß. So was wie VPN hatten wir nicht. Wer in Verzug geriet, der musste zahlen oder in ein Land ohne Auslieferungsabkommen flüchten, da konnte man sich nicht anonym rauswinden, schließlich hatte man seine Adresse angegeben.
Das wurde einem Mann in North Carolina zum Verhängnis, wie die New York Daily News zu berichten weiß. James Meyers geriet eines Morgens in eine Verkehrskontrolle, weil eines seiner Rücklichter kaputt war. Nachdem der Beamte Meyers’ Namen durch die Datenbank gejagt hatte, teilte er dem verdutzten Fahrer mit, dass es einen ausstehenden Haftbefehl auf seinen Namen gebe. Dem Fernsehsender WSOC zufolge sagte der Polizist:
«Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich Ihnen das sagen soll, aber es gibt einen Haftbefehl gegen Sie aus dem Jahr 2002. Anscheinend haben Sie den Film Freddy Got Fingered ausgeliehen und nie zurückgebracht.»
Es gibt mit Sicherheit viele Gründe, James Meyers verhaften zu lassen. Nicht zuletzt sein fragwürdiger Filmgeschmack. Freddy Got Fingered, ernsthaft? Der war bereits 2001 nicht witzig. Der Filmkritiker Roger Ebert sagte gar, der Tag käme niemals, an dem ein Film als witzig angesehen würde, in dem der Hauptdarsteller einem Pferd einen runterholt, ein Reh häutet, um es anzuziehen, und ein neugeborenes Kind durch einen Kreißsaal schleudert. Und das war nur die erste Hälfte. Freddy Got Fingered erhielt fünf Goldene Himbeeren, unter anderem als schlechtester Film, für das schlechteste Drehbuch und den schlechtesten Darsteller. 2010 war er als schlechtester Film des Jahrzehnts nominiert.
Aber sein Filmgeschmack war nicht der Grund. Nein, es gab einen Haftbefehl, weil Mr. Meyers die VHS-Kassette nicht zurückgebracht hatte, der Schlingel. James Meyers, so wird berichtet, lachte auf (was, welch Ironie, kein Zuschauer von Freddy Got Fingered jemals getan hatte). Dem Polizisten war es furchtbar unangenehm. Aber es war tatsächlich korrekt. Obwohl es die Videothek gar nicht mehr gab, wurde James Meyers wegen einer nicht zurückgebrachten Videokassette polizeilich gesucht.
Sowohl Meyers als auch der Polizist nahmen’s mit Humor. Der Delinquent durfte seine Tochter zur Schule bringen, bevor er sich freiwillig stellte und im Polizeirevier mit Handschellen und allem Pipapo verhaftet wurde. Die Geschichte machte schnell die Runden, und der Schauspieler und Produzent des Films, der zu Recht in Vergessenheit geratene Comedian Tom Green, versprach, die Strafe – bis zu 200 Dollar – zu übernehmen. Ob bei der Gerichtsverhandlung die Frage behandelt wurde, ob Meyers denn wenigstens die Kassette zurückgespult hatte, ist nicht überliefert. Immerhin: Das Verfahren wurde eingestellt.[1]
Barney, Held der Serie Barney und seine Freunde, ist – und ich zitiere direkt aus der Wikipedia – «ein lila Dinosaurier, der gemeinsam mit anderen Plüsch-Sauriern und (realen) Kindern, der Sesamstraße nicht unähnlich, mit seinen Liedern und optimistisch-freundlichen Grundhaltung Lerninhalte vermittelt». Barney singt Lieder wie Ich mag dich, du magst mich, hat eine DVD namens Spring und Sing mit Barney auf den Markt geworfen und zieht sich an und verhält sich generell so, wie man sich den örtlichen Kinderfänger vorstellt. Bei IMDb hat die Serie eine Wertung von 3,5 von 10 Sternen und damit nur 1,5 Sterne mehr als Daniel, der Zauberer, dieses filmartige Vehikel, mit dem irgendwer irgendwann mal am Daniel-Küblböck-Zug andocken und Geld verdienen wollte. In einer Amazon-Rezension einer Barney-DVD schreibt eine Mutter: «ACHTUNG, Kinder wollen meist mittanzen, Platz frei für Barney und seine Kids! Meine Tochter schwingt immer ihren Pamperspopo und ist von Barney begeistert», und im Prinzip ist das alles, was man über Barney wissen muss.
Nun stelle man sich vor, man müsste Barney gucken. Nicht nur kurz, auf YouTube, aus Neugierde, weil man gerade ein Kapitel namens Barney gelesen hat. Sondern täglich. Sieben Tage die Woche. Das ganze Jahr, Monat für Monat. 12 Jahre lang. Genau das passierte Martin.
Martin fiel der Washington Post zufolge mit 12 Jahren in eine Art Wachkoma, die man Total Locked-in Syndrome nennt: Der Mensch ist nach außen hin katatonisch. Für die Außenwelt ist nicht erkennbar, ob der Patient bei Bewusstsein ist, ob er etwas hört oder sieht, wie viel er mitbekommt. Der Mensch ist Gefangener des eigenen Körpers mit kaum einer Möglichkeit, sich mitzuteilen.
Angenommen, man leidet am Locked-in Syndrome. Man kann sich nicht bewegen, man kann nicht reden, aber ist bei vollem Bewusstsein. Und niemand bekommt es mit. Stattdessen läuft im Fernseher im Pflegeheim, in dem man tagsüber untergebracht ist, jeden Tag Barney und seine Freunde. 12 Jahre lang. Da bekommt 12 Years a Slave eine völlig neue Bedeutung. Ironischerweise war es diese Folter, die Martin aus seinem Wachkoma holte.
Ohne Ausweg mit dem lila Albtraum konfrontiert, versuchte er, sich mit Gedanken und Tagträumereien abzulenken. Er beobachtete das Sonnenlicht und lernte, die Uhrzeit anhand seines Verlaufs zu deuten. Dieses Gehirntraining hatte Auswirkungen auf seine Gesundheit im Allgemeinen: Langsam, aber sicher besserte sich Martins Zustand. Als er 26 war, konnte er sich mittels eines Computers seiner Familie verständlich machen. Heute ist Martin Unternehmer, verheiratet und Autor der Biographie Als ich unsichtbar war: Die Welt aus der Sicht eines Jungen, der 11 Jahre als hirntot galt.
