Mann und Frau - Gesa Lindemann - E-Book

Mann und Frau E-Book

Gesa Lindemann

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Beschreibung

Gesa Lindemann kritisiert in ihrem Beitrag zum Kursbuch 173 die gesellschaftliche Unterscheidung von Mann und Frau. Auf Basis einer sprachkritischen Auseinandersetzung mit den Begriffen "Professor" und "Professorin" verdeutlicht die Oldenburger Soziologin, dass Männlichkeit und Allgemeinheit zusammengedacht werden, während Weiblichkeit eine Sonderform darstellt.

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Seitenzahl: 19

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Gesa Lindemann

Mann und Frau

Warum man Geschlechter unterscheidet

Mann und Frau? Für viele ist es fraglich, ob die Geschlechterdifferenz überhaupt noch von Bedeutung ist. Geschlecht spiele zwar noch in Interaktionen eine Rolle, aber für die Struktur der Arbeitsteilung etwa ist die Geschlechterunterscheidung unwichtig. Mit Ausnahme der Arbeitsteilung bei der Fortpflanzung gibt es keine gesellschaftlichen Funktionen, die für Frauen oder Männer grundsätzlich unzugänglich oder gar tabu sind. Frauen und Männer können im Prinzip in gleicher Weise Elternurlaub nehmen, können in der Medizin oder im Kindergarten arbeiten, können auch in Wirtschaft oder Politik zunehmend Spitzenpositionen besetzen usw. Im Grunde genommen bräuchten wir nicht dauernd zwischen Männern und Frauen zu unterscheiden. Die Gesellschaft würde auch funktionieren, wenn wir es nicht täten. In der akademischen Soziologie gilt es daher für viele als ausgemacht, dass Menschen an der Geschlechterdifferenz eher aus Nostalgie festhalten, aus Gewohnheit oder weil sie auf der Suche nach einem/einer Sexualpartner/in sind.

Um zu begreifen, inwiefern die Geschlechterunterscheidung dennoch gesellschaftlich von Bedeutung ist, muss man etwas weiter ausholen. Wenn man die Geschlechtsunterscheidung als Unterscheidung ernst nimmt, geht es um zweierlei: zum einen darum, zwischen Männern und Frauen zu unterscheiden, andererseits darum, den Bereich festzulegen, in dem diese Unterscheidung gültig sein soll. Ich möchte dies anhand einer (erfundenen) Geschichte verdeutlichen.

Sozialwissenschaftler des Exzellenzclusters »Herausbildung normativer Ordnungen« an der Goethe Universität Frankfurt am Main fanden heraus, dass sich im Frankfurter Zoo Schimpansenmänner extrem abwertend und aggressiv gegenüber den Frauen ihrer Gruppe verhielten. Dies käme unter anderem dadurch zum Ausdruck, dass die dominanten Männer sich stets die appetitlichste Nahrung schnappen würden. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt forderte deshalb auf Grundlage der Forschungsergebnisse den Zoodirektor auf, sich umgehend für eine umfassende Chancengleichheit einzusetzen. Andernfalls müsste er zurücktreten, denn die Duldung eines derart frauenverachtenden Verhaltens wäre in einer öffentlichen Institution nicht tragbar.

Die Geschichte klingt komisch, weil die Geschlechterunterscheidung hier bei nicht menschlichen Wesen angewendet wird. Im Rahmen der menschlich-gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse ist es für Konservative selbstverständlich: Zwischen den Geschlechtern soll so unterschieden werden, dass es einerseits zwei unterschiedliche Geschlechter gibt, dass aber andererseits Männer und Frauen als Menschen gleich sein sollen. Aus diesem Grund sollten sie auch die gleichen Zugangschancen zu erstrebenswerten Gütern haben. Dieses Zusammenspiel von Gleichheit und Differenz ist ein Merkmal der Geschlechterunterscheidung bei Menschen, aber nicht bei Schimpansen oder Ratten.