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MÄNNERBEKENNTNISSE Wie Männer Beziehungen leben – Geschichten über geheime Sehnsüchte und nackte Tatsachen "Es ist wahr, dass wir nicht zu schätzen wissen, was wir haben, bis wir es verlieren, aber es ist auch wahr, dass wir nicht wissen, was wir vermissen, bis es uns begegnet." Unbekannter Verfasser Vorwort Wie kommt eine Frau dazu, Geschichten aus Männersicht zu schreiben? Gute Frage! Ehrlich gesagt hat mich ein Mann auf diese Idee gebracht. Ich fand das Thema spannend und begann zu recherchieren. Meine Neugierde war geweckt! Männer und Kennenlernen. Männer und Liebe. Männer und Beziehung. Männer und Sex. Männer und Job. Männerbekenntnisse. Geschichten. Liebesgeschichten. Im Juli diesen Jahres hatte die Zeitschrift GEO folgende Titelstory: Frau Mann Der Unterschied, der k(l)einer ist. Die Quintessenz des Forschungsberichtes: Mann und Frau sind sich ähnlicher, als wir denken. Das Ergebnis klingt logisch und wirft viele liebgewonnene Annahmen über den Haufen. Beim Schreiben der Männerbekenntnisse ist mir Ähnliches aufgefallen: Menschen sind verschieden, egal ob Mann oder Frau. Die nachfolgenden Geschichten haben einen wahren Kern, der Rest ist frei erfunden. Name, Alter, Beruf, Stadt … der Männer sind aus der Fantasie heraus entstanden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig. Ein Aspekt, mit dem so oft eine Liebesgeschichte beginnt, fiel mir ebenfalls beim Schreiben auf. Er ist uralt. Ich sage nur: "Bitte lächeln!" Ab sofort, beim Einkaufen, an der Tanke, auf der Straße beim Laufen, am Arbeitsplatz, wenn Sie private E-Mails schreiben, wo immer Sie sind und was immer Sie tun. Denn Sie wissen nicht, wem Sie in der nächsten Sekunde begegnen.
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Seitenzahl: 139
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Carola Huber
Männerbekenntnisse
Wie Männer Beziehungen leben
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
MÄNNERBEKENNTNISSE
Für Dich
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Familienbande – Losgelöst von alten Seilen in eine neue Liebe
Chaka! Mit dir entweder ganz oder gar nicht
Träume – Mein Lebenselixier reicht für zwei
Für immer und doch nicht ewig
Ziele – Kopf über Herz mit Herz
Zukunftsmodell – Ich bau dir ein Schloss
Kommunikation – Wer spricht, der liebt
Gedankensterne über die Liebe und das Leben
Mit Notenschlüssel ins Herz
Grenzen der Möglichkeiten
Danke
Vorschau
Impressum neobooks
Wie Männer Beziehungen leben – Geschichten über
geheime Sehnsüchte und nackte Tatsachen
Impressum
Autorin: Carola Huber
Kontakt: www.carolahuber.net
Erstveröffentlichung: Oktober 2012
Der Text aus diesem Buch darf nicht ohne Genehmigung vervielfältigt werden.
Bei Zitaten aus dem Buch setzen Sie bitte einen Link auf die Homepage der Autorin www.carolahuber.net
Copyright
Text: Carola Huber
Cover: Ralf Freitag
Es ist wahr, dass wir nicht zu schätzen wissen,
was wir haben, bis wir es verlieren, aber es ist auch wahr,
dass wir nicht wissen, was wir vermissen,
bis es uns begegnet.
Unbekannter Verfasser
Wie kommt eine Frau dazu, Geschichten aus Männersicht zu schreiben? Gute Frage! Ehrlich gesagt hat mich ein Mann auf diese Idee gebracht. Ich fand das Thema spannend und begann zu recherchieren. Meine Neugierde war geweckt! Männer und Kennenlernen. Männer und Liebe. Männer und Beziehung. Männer und Sex. Männer und Job. Männerbekenntnisse. Geschichten. Liebesgeschichten.
Im Juli diesen Jahres hatte die Zeitschrift GEO folgende Titelstory: Frau Mann Der Unterschied, der k(l)einer ist. Die Quintessenz des Forschungsberichtes: Mann und Frau sind sich ähnlicher, als wir denken. Das Ergebnis klingt logisch und wirft viele liebgewonnene Annahmen über den Haufen.
Beim Schreiben der Männerbekenntnisse ist mir Ähnliches aufgefallen: Menschen sind verschieden, egal ob Mann oder Frau. Die nachfolgenden Geschichten haben einen wahren Kern, der Rest ist frei erfunden. Name, Alter, Beruf, Stadt … der Männer sind aus der Fantasie heraus entstanden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.
Ein Aspekt, mit dem so oft eine Liebesgeschichte beginnt, fiel mir ebenfalls beim Schreiben auf. Er ist uralt. Ich sage nur: „Bitte lächeln!“ Ab sofort, beim Einkaufen, an der Tanke, auf der Straße beim Laufen, am Arbeitsplatz, wenn Sie private E-Mails schreiben, wo immer Sie sind und was immer Sie tun. Denn Sie wissen nicht, wem Sie in der nächsten Sekunde begegnen.
Ich wünsche Ihnen anregende Gedanken beim Lesen der Männerbekenntnisse und, falls Sie ihn noch nicht haben, dass Sie ihn finden, Ihren Tropfen im Meer!
Herzlich,
Ihre Carola Huber
Familienbande - Losgelöst von alten Seilen
in eine neue Liebe
Vincent, Händler, 51 Jahre, Antwerpen
Chaka! Mit dir entweder ganz oder gar nicht
Jim, Marketingleiter, 38 Jahre, Frankfurt
Träume - Mein Lebenselixier reicht für zwei
Bernd, Autohändler, 49 Jahre, Köln
Für immer und doch nicht ewig
Friedrich, Designer, 67 Jahre, München
Ziele - Kopf über Herz mit Herz
Klaus, Großhändler, 37 Jahre, Garmisch
Zukunftsmodell - Ich bau dir ein Schloss
Michael, Bauingenieur, 49 Jahre, Kassel
Kommunikation - Wer spricht, der liebt
Ferdinand, promovierter Jurist, 44 Jahre, Heidelberg
Gedankensterne über die Liebe
und das Leben
Aphorismen zum Nachdenken und Träumen
Mit Notenschlüssel ins Herz Thomas, Musiker, 32 Jahre, Würzburg
Grenzen der Möglichkeiten
Julius, Arzt, 40 Jahre, Düsseldorf
Danke
Vincent, Händler, 51 Jahre, Antwerpen
Es war im Spätsommer 1997. Unsere Mutter hatte zu ihrem runden Geburtstag eingeladen. Wenn bei uns gefeiert wird, dann immer sehr groß. Auch zu diesem Fest wurden 300 Gäste eingeladen. Die Gästeliste setzte sich aus Familienmitgliedern, Freunden und engen Geschäftspartnern zusammen. Die Tischordnung spielte mir eine sehr attraktive Frau als Tischnachbarin zu. Ihr bezauberndes Aussehen erhöhte die Taktung meines Herzens auf Anhieb. Ihr eng anliegendes, schwarzes Corsagenkleid brachte ihre Figur aufs Schönste zur Geltung, ihre langen brünetten Locken fielen auf ihre nackten Schultern. Ich verliebte mich auf der Stelle in diese wunderschöne Frau, und wir feierten an diesem Abend lang und ausgiebig. Meine Mutter verfolgte in den folgenden Wochen genau, wie sich meine Beziehung zu Maya entwickelte.
Wir kannten uns ein halbes Jahr, da hielt ich in aller Form um ihre Hand an. Ich komme aus einer reichen Händlerfamilie, alle aus meiner Familie handeln mit irgendetwas. Mit Möbeln, Diamanten oder Blumen. Bis zu meinem 39. Lebensjahr hatte ich ein flottes Leben. Ich liebe das Risiko im Sport, je schneller das Auto, je höher die Wellen, je steiler der Abhang, desto besser. Bei aller Freiheit, die ich genoss, gab es bei uns ein ungeschriebenes Gesetz: Wenn die Familie tagt, hat man zu erscheinen. Bei Familienfeiern war Anwesenheitspflicht. Die Pflichttermine, wie ich sie nannte, hielten sich von der Anzahl pro Jahr im Rahmen. Es war immer besser, zu diesen Terminen zu erscheinen, als den Groll der Familienbande, allen voran meiner Mutter, auf sich zu ziehen. Im Familienverbund hatte jeder zu funktionieren, jeder hatte seine unveränderbare Rolle. Ich kann nur ahnen, dass meiner Mutter mein flottes Leben nicht mehr gefiel, je mehr ich auf die 40 zuging. Sie wollte, dass ich endlich heiratete und eine Familie gründete. Das sagte sie nicht offen. Sie zeigte ihren Willen durch Gesten und Nichtbeachten.
Rasse, Klasse, Masse, dieses Sprichwort gilt auch im 21. Jahrhundert. Händlerfamilien kennen sich. Die unverheirateten Sprösslinge sollen eine gute Partie machen. Es kommt durchaus vor, dass neben der Trauung zweier Menschen auch zwei Firmen fusionieren und so zu einem größeren Handelsunternehmen aufsteigen. Arrangierte Zweckehen kennt man sonst nur aus dem Nahen Osten. Wenn ich erzähle, dass es solche Arrangements auch im Westen gibt, ernte ich nur ungläubiges Kopfschütteln.
Natürlich war, im Nachhinein betrachtet, die Sitzordnung am Geburtstag meiner Mutter reines Kalkül gewesen. Der Sohn braucht eine Frau, und zwar eine standesgemäße. Meine Mutter plante, die beiden Familienunternehmen ebenfalls zu einem ernsten Konkurrenten zusammenzuführen.
Bis zum Tag unserer Hochzeit wusste ich nicht, dass unsere Ehe Mayas zweite Ehe sein würde und sie einen kleinen Sohn im Alter von fünf Jahren mit in unsere Ehe brachte. Zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens lief ihre Scheidung noch. Ich selbst war damals in einer festen Beziehung, jedoch war die Frau in den Augen meiner Mutter nicht standesgemäß. Meine Freundin verstand sich nicht mit meiner Mutter, sie redete ihr nicht nach dem Mund. Die Familiengepflogenheiten, von meiner Mutter vorgegeben, akzeptierte sie, hielt sich jedoch nicht immer daran. Ich wollte niemals eine Frau mit Kind heiraten, eine Frau mit schon gelebtem Leben. Ich wollte nur gemeinsame Kinder und niemals als Ersatzvater fungieren. Bei Freunden hatte ich zu oft mitbekommen, dass ihre Beziehungen zu Frauen mit Kindern schwierig waren. Ich erlebte, dass meine Freunde aus der engen Mutter-Kind-Beziehung ausgeschlossen waren. Die Beziehung zwischen Mann und Frau litt darunter. Harmonie kam selten auf.
Maya führte ein ebenso flottes Leben wie ich, das verband uns. Weit weg von allen Normen zu leben, soweit die Familienbande dies zuließ. Nächtelang durchtanzen, kurz nach Paris oder London zum Frühstück jetten, in den Alpen schwarze Pisten hinunterdonnern, das war unsere Welt. Dabei war Maya jedoch nicht spontan, alles musste vorher abgesprochen und organisiert werden. Ich bin eher der Typ: ins Auto setzen, losfahren, der Sonne entgegen.
Unsere Hochzeit war gigantisch. Wir feierten ein rauschendes Fest in einem schlossähnlichen Anwesen in Deutschland mit Band und Feuerwerk. Ich war überglücklich und wahnsinnig verliebt in meine schöne Braut. Wenn ich heute unsere Hochzeitsfotos anschaue, erkenne ich einen zufriedenen, fast schon süffisanten Zug um den Mund meiner Mutter. An diesem Tag hatte sie ihre Wunschschwiegertochter bekommen. Sicherlich liefen die Gespräche über einen gemeinsamen Marktauftritt der beiden Traditionsunternehmen hinter verschlossenen Türen schon.
Ich kaufte ein Haus für uns, es wurde repräsentativ eingerichtet. Es dauerte nicht lange, da war Maya schwanger. Über diese Nachricht war ich sehr glücklich, denn es war unser erstes gemeinsames Kind. Johann, Mayas Sohn aus erster Ehe, liebte mich sehr, und ich liebte ihn ebenfalls. Aber wenn Maya mit ihm zusammen war, waren sie und Johann wie eine Person, und ich lief nebenher. Es war nicht möglich, diese intime Mutter-Sohn-Bindung zu lockern und mich zu integrieren. Alles, was ich vorher bei meinen Freunden miterlebt hatte und wogegen ich mich entschieden hatte, holte mich nun ein.
Erst unmerklich, dann immer stärker, mischten sich meine Schwiegereltern in unsere Ehe ein. Das verstärkte sich, als Luisa geboren wurde. Sie mischten sich in unsere Beziehung ein, schrieben uns vor, was wir essen sollten, welche Designer-Marken wir tragen sollten. Und sie mischten sich massiv in die Erziehung von Luisa ein. Wir lebten im goldenen Käfig. Maya und ich entfernten uns immer weiter voneinander, auch sexuell lief fast nichts mehr, nach zwei Jahren Ehe. Maya betreute die beiden Kinder, sonst hatte sie keine weitere berufliche
Verpflichtung. Wenn ihr langweilig war, telefonierte sie mit ihren Jet-Set-Freunden auf der ganzen Welt.
Zu dieser Zeit arbeitete ich sehr viel, war beruflich viel auf Reisen. Es lief gut, aber wir hatten auch hohe Fixkosten, die alle bezahlt werden mussten. Ich wurde immer unzufriedener in unserer Ehe, und die Einmischung meiner Schwiegereltern in Erziehungsfragen brachte das Fass dann zum Überlaufen. Immer öfter rastete ich aus und wir schrien uns nur noch an. Der Cocktail aus Streit und Einmischung der Schwiegereltern verbitterte mich, meine Nerven lagen immer mehr blank. Dazu kam unsere mittlerweile schlechte körperliche Beziehung, ich vermisste unsere Zärtlichkeit sehr. So lief es immer weiter bis zu einem Abend im Juli.
Ich kam gegen 20 Uhr von einer Geschäftsreise nach Hause, Luisa und Johann lagen schon in ihren Betten. Leise öffnete ich die Kinderzimmertür, trat ein und schloss die Tür wieder. Luisa stand in ihrem Bettchen. Sie sah mich mit ihren himmelblauen Augen strahlend an und streckte mir ihre kleinen Ärmchen entgegen. Nach drei Tagen Geschäftsreise freute ich mich sehr, sie zu sehen, und drückte sie fest an mich. In diesem Moment wurde die Kinderzimmertür aufgerissen. Maya stand in der Tür und schaute mich wutentbrannt an.
„Das hast du jetzt davon, jetzt ist sie wieder wach“, schrie sie mich an. Ein Wort gab das andere, bis ich ihr eine knallte. Wir standen beide wie angewurzelt voreinander und starrten uns kalt an. Meine Entschuldigung für die Ohrfeige bemerkte sie mit den Worten: „Das wirst du schon noch sehen“, die sie mir im Weggehen zurief. Mit dem Kind auf dem Arm ging ich die Treppe hinunter. Luisa und ich kuschelten auf dem Sofa und darüber schliefen wir ein. Morgens um sechs Uhr, die Sonne schien friedlich durch die Fenster, wachte ich mit dem Kind im Arm auf. Ich musste los, eine zweitägige Geschäftsreise stand an, morgen Nachmittag würden wir über alles reden. Denn mir war klar geworden, dass ich so nicht mehr weiterleben wollte. Luisa legte ich schlafend in ihr Bettchen, gab ihr einen zarten Kuss, duschte, und war aus der Tür.
Am nächsten Tag hatte ich unseren Streit halb vergessen. Auf der Rückfahrt hatte ich in einem Blumenladen einen Blumenstrauß besorgt. Ich schloss unsere Haustür auf und traute meinen Augen kaum, was ich sah. Ich ging in den Flur, ins Wohnzimmer, in den ersten Stock, in alle Zimmer. Ich lief immer schneller und konnte es nicht glauben. Das ganze Haus war leer! Alle Möbel, auch die gesamte Küche, alles war ausgeräumt. Nur ein Sideboard, das ich schon als Jugendlicher besaß und das mit meinen Büchern und CDs gefüllt war, stand hinter der Tür im Wohnzimmer.
Ich fühlte mich gar nicht und meine erste Reaktion war Lachen. Ich begriff eine ganze Weile nicht, was passiert war. Auf der Treppe sitzend spürte ich eine Ohnmacht, gepaart mit einer unglaublichen Wut, in mir aufsteigen. Lange saß ich auf der Treppe, bis ich die Tatsache, dass Maya mit den Kindern und sämtlichen Möbeln verschwunden war, in mir aufnehmen konnte. Was dann folgte, war ein automatischer Ablauf, wie ich ihn tagein, tagaus im Beruf erledigen muss: Ich organisierte. Diesmal neue Möbel für mich. Durch meinen großen Freundeskreis lief es wie ein Lauffeuer: Vincent sitzt im leeren Haus und braucht Sessel, Sofa, Herd, Kühlschrank, Bett, Schrank, Decken, Wäsche, Lampen. 24 Stunden später hatte ich eine bunt zusammengewürfelte Einrichtung zusammen. Mein Essteller stand auf einer Apfelsinenkiste, über die ich ein weißes Handtuch geworfen hatte. Es war noch nicht einmal Shabby Chic, aber ich hatte alles da, was ich zum täglichen Leben und zum Funktionieren brauchte. Darüber war und bin ich meinen Freunden noch heute sehr dankbar.
Anschließend begann der größte Alptraum meines Lebens. Nicht nur, dass meine Familie, vor allem meine Mutter, mir die größten Vorhaltungen machte. Das war noch erträglich. Mir ging es vor allem darum, meine Tochter wiederzusehen, die ich seit mittlerweile zwei Wochen nicht gesehen hatte. Maya war mit den Kindern in dieser Nacht- und Nebelaktion in eine Stadt nach Deutschland gezogen, die 250 km entfernt lag. Das hatte ich durch einen Detektiv herausbekommen. Ich setzte mich ins Auto und fuhr hin. Der Versuch, meine Tochter zu sehen, schlug fehl. Ich wurde abgewiesen wie ein Schwerverbrecher. Von innen hörte ich Luisas helle Stimme rufen, denn sie hatte mich durchs Fenster gesehen.
Auf der Rückfahrt musste ich auf dem Seitenstreifen der Autobahn anhalten. Ein Weinkrampf, einem Nervenzusammenbruch nahe, durchschüttelte mich. Es war, als würde mir mein Herz blutig in tausend Stücke gerissen. Ich hatte solche Sehnsucht, meinen kleinen Schatz Luisa fest an mich zu drücken und meine Nase in ihr weiches Haar zu pressen.
Wieder zu Hause, war ich ruhelos und etwas trieb mich innerlich an, mich mit dieser Situation nicht abzufinden. Am nächsten Tag rief ich beim Jugendamt und dem zuständigen Gericht an. Ich setzte alle Hebel in Bewegung, damit ich meine Tochter wiedersehen konnte. Das Jugendamt gab mir die Auskunft: „Das können Sie vergessen. Sie haben Ihre Frau zusammengeschlagen. Das war ein Riesenfehler.“ Es war eine Ohrfeige gewesen, die mir sofort leidgetan hatte. Und für die mich auch sofort bei Maya entschuldigt hatte. „Damit kommen Sie nicht durch“, wurde ich abserviert.
Nein, damit wollte ich mich nicht zufriedengeben. Ich recherchierte im Internet und stieß auf den Weißen Ring. Schon am nächsten Tag fuhr ich dorthin und erzählte meine ganze Geschichte. Der Mitarbeiter beim Weißen Ring begriff die Situation sofort. Aufgrund seiner Tätigkeit erhielt die Mitarbeiterin beim Jugendamt eine Abmahnung, später wurde sie fristlos entlassen. Zudem erreichte der Weiße Ring, dass ein gemeinsames Gespräch zwischen Maya, Luisa und mir stattfinden konnte, gemeinsam mit der neuen zuständigen Frau vom Jugendamt sowie dem Herrn vom Weißen Ring. An diesem Termin kam Luisa mir freudestrahlend entgegengelaufen und rief immerzu: „Papa, Papa!“ Endlich hatte ich meinen kleinen Schatz auf dem Arm! Sie schlang ihre Ärmchen um meinen Hals und drückte so fest zu, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Ich herzte und küsste sie und war überglücklich.
Nach diesem Treffen dauerte es noch ein halbes Jahr bis zur Gerichtsverhandlung, in der ich Luisa nicht sah. Meine Arbeit lief irgendwie nebenher, meine Mutter setzte mir mit ihren harten Kommentaren sehr zu. Tief in meinem Herzen jedoch hatte ich die Liebe gespeichert, die mir meine Tochter Luisa an unserem letzten Treffen so intensiv gegeben hatte. Daran glaubte ich und auch daran, dass ich alles schaffen würde. Schaffen musste. Ich wollte um Luisa kämpfen, darum, sie zu sehen und in Kontakt mit ihr zu bleiben. Das bedeutete mir alles auf der Welt.
Aus irgendeinem Grund, den ich heute nicht mehr weiß, wurde der Gerichtstermin ausgesetzt. Ich setzte wieder alle Hebel in Bewegung, arbeitete eng mit dem Weißen Ring zusammen und auf deren Anraten auch mit einem Gutachter. Ich erwirkte einen Zwangsbesuchstermin, an dem alle Anwälte, Behörden und der Gutachter anwesend waren.
In der Nähe des neuen Wohnortes meiner Ex-Frau wurde das Treffen auf der grünen Wiese arrangiert. Die Jugendamtsmitarbeiterin, der Gutachter, der Mitarbeiter vom Weißen Ring, die Anwälte und der Richter standen mit Maya und Luisa am Treffpunkt. Ich musste meinen Wagen in einiger Entfernung parken, jemand öffnete die Fahrertür und ich stieg aus. In dem Moment, als Luisa mich erblickte, lief sie los und rief wieder „Papa, Papa!“. Ich lief ihr entgegen, nahm sie auf den Arm und weinte wie noch nie in meinem Leben. Ein Jahr lang hatte ich meinen Sonnenschein nicht gesehen. Die beteiligten Personen standen am Wegesrand und sahen uns zu. Alle Berichte, die Maya über mich abgegeben hatte, dass Luisa ihren Vater nicht mag, sogar Angst vor ihm hätte, verloren durch diese innige Geste ihre Wirkung. Mit dem Kind auf dem Arm ging ich zu ihnen hin, übergab Luisa wieder ihrer Mutter und sprach zum Richter und zur Jugendamtsleiterin: „In meinem ganzen Leben bin ich noch nicht so gedemütigt worden wie heute.“
Der kurzfristig anberaumte Gerichtstermin ergab für mich ein Besuchsrecht auf Lebenszeit alle 14 Tage am Wochenende. Der Gutachter fragte ich, ob mir niemals aufgefallen sei, dass Maya dem Alkohol mehr als normal zusprechen würde. Ich verneinte. Anfangs war ich wohl zu verliebt gewesen, anschließend war ich durch die permanente Einmischung der Schwiegereltern und unsere andauernden Streits abgelenkt gewesen.
