Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Ob Jana den perfekten Mann ihres Lebens gefunden hat? Den liebsten, sportlichsten, lustigsten, fleißigsten, humorvollsten, handwerklich Begabtesten aller Männer? Der ihr die Sterne vom Himmel holt? Oder wenigstens den Himmel auf Erden bereitet? Da ist sie sich noch immer nicht sicher. Denn oft wird sie eines Besseren belehrt. Aber vielleicht wird ja mañana (Morgen) alles anders. Ebenso stolpert sie mindestens genauso häufig über ihre eigenen Unzulänglichkeiten. Sei es im Urlaub, in den eigenen vier Wänden, mit Freunden, bei der Arbeit, mit Verwandten, im alltäglichen Wahnsinn oder den lieben Familienmitgliedern. Jana kann ihren Mann, ihr Leben und sich selbst nur mit einer gehörigen Portion Humor ertragen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Veröffentlichungsjahr: 2021
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Ob Jana den perfekten Mann ihres Lebens gefunden hat? Den liebsten, sportlichsten, lustigsten, fleißigsten, humorvollsten, handwerklich Begabtesten aller Männer? Der ihr die Sterne vom Himmel holt? Oder wenigstens den Himmel auf Erden bereitet? Da ist sie sich noch immer nicht sicher. Denn oft wird sie eines Besseren belehrt. Aber vielleicht wird ja mañana (Morgen) alles anders.
Ebenso stolpert sie mindestens genauso häufig über ihre eigenen Unzulänglichkeiten. Sei es im Urlaub, in den eigenen vier Wänden, mit Freunden, bei der Arbeit, mit Verwandten, im alltäglichen Wahnsinn oder den lieben Familienmitgliedern.
Jana kann ihren Mann, ihr Leben und sich selbst nur mit einer gehörigen Portion Humor ertragen.
Brigitte Hofmann erzählt auf sehr amüsante Weise Geschichten aus ihrem Alltag. Aus ihnen klingt viel Situationskomik heraus. Sie besitzt einen gesunden Humor, den sie auch bitter nötig hat. Sie nimmt sich selbst, ihre Mitmenschen, sowie ihren Ehemann nicht allzu ernst.
Vita
Brigitte Hofmann, 1969 geboren in Würzburg ist Musiklehrerin, Ergotherapeutin und Autorin. Sie hat einen erwachsenen Sohn, ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Frankfurt und auf Fuerteventura.
MannJana
für
Armin & Jannik
Erstausgabe März 2021
Ich bin in diesem Urlaub doch eingespannter und angespannter als sonst. Vielleicht liegt es an den Katzen, die wir dieses Jahr gleich mitgebucht haben. Seit Jahren suchen wir uns unser Urlaubsdomizil über eine Plattform im Internet aus. Das heißt, wir tauschen unser Haus für drei Wochen gegen ein anderes Haus. So zahlen wir nur eine kleine dreistellige Mitgliedsgebühr im Jahr und den jeweiligen Flug, wenn es ins Ausland geht. Es ist eine wunderbare Art ein anderes Land und die Einwohner kennen zu lernen. Oft tauschen wir auch unsere Autos. Das spart auch nochmal Kosten und man hat gleich einen fahrbaren Untersatz vor der Tür. Aber nein, es ist kein Frauentausch, wie mein Mann oft von Freunden mit leuchtenden Augen gefragt wird. Ich darf also auch mit.
Wir nahmen die Versorgung der Katzen, die dort lebten, in Kauf. Ja, gleich mehrere, denn nur eine wäre doch viel zu langweilig. Auch nicht zwei. Das wäre keine Herausforderung. Drei - wäre ja geradezu lachhaft. Vier - damit fangen wir erst gar nicht an. Fünf - das klingt doch mal spannend. Obwohl in der Beschreibung stand, dass mit dem Haustausch auch ein Haustiersitter für fünf Katzen gesucht wird, habe ich diesem Urlaub zugestimmt. Nachdem mein Göttergatte mir dann das Domizil mit 3 Schlafzimmern, 3 Bädern, eigenem Pool und Außenjacuzzi gezeigt hat, waren die Tiere nur noch Nebensache. Ich hatte als Kind mal zwei Katzen und das war wirklich kein Problem. Das bisschen füttern, mal ein Katzenklo sauber machen, was soll‘s. Und nachdem unser erwachsener Sohn doch auch noch mal in den Genuss eines gesponserten Urlaubs kommen wollte, noch dazu in Florida, waren auch die Streicheleinheiten und Liebkosungen der Tiere gewährleistet. Also sagten wir zu und freuten uns schon riesig auf den Urlaub.
Nachdem fast alles mit den Verträgen unter Dach und Fach war, erschien es unerheblich zu sein, dass wie aus dem Nichts auch noch fünf draußen Katzen zum Versorgen dazu kamen. Ob nun ein, fünf oder zehn Tiere. Das ist ja nun wirklich egal. Völlig unerheblich erschien Achim, meinem Mann, auch die Tatsache, mir gegenüber zu erwähnen, dass er eine Katzenhaarallergie hat. Er meinte, die hatte er früher mal. Also jetzt nicht mehr. Na klar. Weil wir keine Tiere haben, hat er auch keine Allergie mehr. Was für eine Logik. Leider bestätigte ihm der Arzt dann, dass er unbedingt täglich Tabletten in dem Katzen-verseuchten-USA-Haus nehmen muss. Die machen zwar sehr müde, aber das ist ja egal, denn im Pool und Whirlpool braucht er ja nicht viel Energie zum Rumhängen. Am besten sollte er auch nicht zu sehr in die Nähe der Katzen kommen. Kein Problem, dann mache ich den ganzen Mist eben alleine…
Hier leben alle 10 Katzen noch, selbst nach meiner Behandlung oder wegen meiner Behandlung. Julian, mein Sohn hat Angst, dass ich sie alle auf Diät gesetzt habe. Keine Ahnung wie er auf die Idee kommt. Aber sie bekommen tatsächlich nur selten irgendwelche Leckerlis, denn nach der Abreise der Hausbesitzer hatten sich schon zwei Katzen übergeben und eine hatte Durchfall auf dem Teppich... Das hat mir fürs Erste gereicht.
Das Versorgen der Katzen ist echt sehr zeitaufwendig, deshalb habe ich Achim das Kochen hier im Urlaub übertragen. Das Essen schmeckt doch erstaunlich gut, obwohl mein Mann kocht. Julian meinte glatt, wie in einem Zehn Sterne-Restaurant. Hallo?? Nur weil sein Vater mal kocht und es einigermaßen genießbar ist, muss man ja nicht so übertreiben. Aber vielleicht will er ihn nur bei der Stange halten und hat Angst, dass er sonst diesen Dienst übernehmen muss, wenn Achim dazu keine Lust mehr hat.
Es war also tatsächlich eine Arbeitserleichterung. Besonders, wenn man die Küche nicht mehr, vor dem Kochen, nach dem Kochen oder während des Kochens, betrat. Ebenso sollte man sich nur mit geschlossenen Augen das Nötigste, wie beispielsweise ein Glas Wasser, holen. Obwohl selbst das nach wie vor schwierig ist, da die Spüle komplett mit benutztem Geschirr voll steht und man nur an den Hahn mit Trinkwasser kommt, wenn man das Glas sehr schräg hält und auch mit einem halb vollen Wasserglas zufrieden ist.
Am meisten Spaß hatte mein Mann mit dem elektrischen Abfallzerkleinerer in der Küche. Das ist ja typisch in amerikanischen Küchen. DiekleinenGemüse- und Obstabfälle muss man nicht mit einem Tuch aus der Spüle herausnehmen, sondern lässt Wasser aus dem Hahn fließen, während man auf einen Knopf drückt, der dann das Ganze kleinhäckselt. So viel zur Theorie... Mein Einwand, dass ich da nicht alles reinwerfen würde, wurde barsch unterbrochen durch das mir bekannte Geräusch des Schredderns. Zwei Tage lang freute sich Achim über diesen Vorgang der Abfallbeseitigung. Wieso mühsam mit dem Müllbeutel durch das ganze Haus zur Tonne in der Garage laufen, wenn man es doch mit soo viel Spaß und wenig Aufwand direkt an Ort und Stelle entsorgen kann.
Irgendwann kam er dann angeschlichen und zeigte mir ganz kleinlaut die Bescherung. Die Spüle stand dreiviertel voll mit Wasser und Essensresten. Was für ein Anblick. Das Sieb, das vorher indem Spülbecken lag, hatte er vorsorglich zur Seite gelegt. Wozu das denn überhaupt nötig wäre, doch nur wenn einem etwas mal aus Versehen ins Waschbecken fiel, um es zu retten, dass es nicht auch noch geschreddert wird. Ich war da anderer Meinung.
Er fragte mich, ob ich eine Ahnung hätte, wieso das denn jetzt nicht mehr abfließen würde... Vielleicht, weil er alles gehäckselt hat, was ihm in den Weg kam? Nun kamen seine Handwerkerfähigkeiten zum Einsatz. Er schraubte das Abflussrohr auf. Immerhin stellte er vorsorglich einen Eimer darunter. Leider war der Eimer etwas klein und kein Lappen weit und breit zum Aufwischen der Sauerei. Ehrlich gesagt, ich hatte nichts anderes erwartet und mich ein bisschen amüsiert. An diesem Abend fand das Essen ca. zwei Stunden später statt. Der Abfluss funktionierte immer noch nicht. Dafür konnte ich aber im Auffanggefäß begutachten, was er alles versucht hatte zu schreddern: Karotten, Limonen, Trauben, Birnen… So viel Obst und Gemüse essen wir sonst in einer ganzen Woche nicht.
Den Inhalt des Eimers entsorgte er dann in der Toilette. Dazu klappte er doch tatsächlich auch die Klobrille hoch und schüttete mit viel Schwung die ganze Suppe in die Toilettenschüssel. Und … daneben. Denn er hatte sich einen besonders schönen Eimer ausgesucht, mit einem Rand aus lauter Löchern.
Auch zwei Tage später hatte sich noch nichts getan in Sachen freier Abfluss. Das Wasser stand noch immer dreiviertel voll in der Spüle. Achim schöpfte es nun fleißig ab, so dass kein Tropfen Brühe mehr im Waschbecken vorhanden war und war froh nicht mehr überlegen zu müssen, welche Handwerkerfähigkeiten noch in ihm schlummern. Dann stellte er pflichtbewusst die Spülmaschine an und ging schlafen.
Am nächsten Tag stand das Wasser wieder, wie durch ein Wunder, im Spülbecken. Achim guckte wie ein hypnotisiertes Kaninchen auf den Schlamassel und konnte es nicht fassen. Er hatte doch jeden Tropfen Wasser entfernt. Also half alles nichts und wir ließen uns im Geschäft zwecks eines Mittels zum Rohrreinigen beraten. Und siehe da - der Abfluss funktionierte wieder. Das beruhigte uns doch alle sehr, denn schließlich machten wir hier in einem fremden Land, in einem fremden Haus Urlaub. Seitdem hat Achim leider seine Kochkünste etwas eingestellt. Macht wohl nicht mehr so viel Spaß in der Küche ohne das Schreddern der Gemüseabfälle.
Das Haus hier im Hinterland von Florida kommt mir vor wie ein riesiges Katzenklo. Wo man geht und steht, sieht man nur Katzentoiletten. Von dem Geruch mal ganz abgesehen. Und das, obwohl ich zwei- bis drei- bis vier- bis hundertmal täglich deren Exkremente entsorge. Allerdings nicht ganz im Sinne von Marion, deren Katzen wir hüten, pflegen, liebkosen, streicheln, schimpfen, darüber stolpern,… Sie hat mir noch vor der Abreise gezeigt, wo ich mich im Garten in die Büsche schlagen soll, um dort ganz weit hinten die Katzenscheiße ins Gebüsch zu kippen. Ich habe immer die Hoffnung, auf dem Weg dorthin nicht schon in irgendwelchen Katzenkot zu treten. Denn das macht sich besonders gut, wenn ich ein kurzes, dünnes Sommerkleidchen und Flipflops trage.
Das Grundstück hier misst ca. 3000 Quadratmeter. Zwei Meter ums Haus ist gerodetes Land mit einer mehr oder weniger gepflegten Rasenfläche. Von da aus geht ein schmaler, unwegsamer Pfad ins Nirgendwo. Rechts und links vom Trampelweg, den man nur erahnen kann, sind meterhohe Büsche mit Dornen. Ich möchte nicht wissen, welche Viecher mir in diesem ganzen Urwald in die Schuhe und an meinen Beinen hochkrabbeln und ob ich überhaupt je wieder aus diesem Nichts auftauchen werde. Aber wer weiß, was Achim den Hausbesitzern dafür gezahlt hat, dass ich hier permanent mit gefühlten tausend Katzen beschäftigt bin oder mir beim Entsorgen der Tierexkremente irgendein gestörter Typ mit Gewehr im Gebüsch auflauert.
Ehrlich gesagt hatte ich schon bei der Ankunft so ein beschissenes Gefühl, nachdem wir am Flughafen von Marion und Dietmar abgeholt wurden. Mein Gefühl verstärkte sich, besonders nachdem wir die belebte Straße verließen, in eine Nebenstraße abbogen und es immer dunkler wurde. Es waren nur noch vereinzelt Häuser zu sehen. Nach dreißig Minuten bogen wir in einen Feldweg ein. Auf meinen kleinen Witz, dass dies ja wie in einem Horrorfilm ist, indem der Fahrer jeden Moment anhält und uns alle umbringt, war plötzlich Stille. Es sagte niemand mehr etwas. Mit anderen Worten, wir sind absolut in der Wildnis in den USA gelandet.
Absolute Ruhe.
Beängstigende Ruhe.
Tagsüber.
Nachts.
Außer Katzenmiauen nichts.
Also gut, ich sollte ihnen doch etwas mehr zu essen geben. Dann wäre wenigstens komplett Ruhe.
Ich bin in meiner vorherigen Berichterstattung etwas vom Thema abgekommen. Dann berichte ich eben jetzt von unseren Schlaf- und Wohnverhältnissen. Also: das Haus ist im Bungalowstil gebaut. Auf einem riesig großen Grundstück, in der Wildnis, weg von jeglicher Art der Zivilisation. Am Horizont zu erahnen sind nur zwei Häuser und eine Laterne. Der Rest ist Urwald, keine Menschenseele weit und breit. Im Dunkeln lauscht man auf jedes Knistern, Knacken, Röcheln, Kotzen und Kacken der Katzen.
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich mittlerweile jeder einzelnen Katze aufgrund der Formgebung, der Konsistenz, des Geruchs und der Farbgebung das Erbrochene zuordnen kann? Eine schafft es doch tatsächlich ihre Exkremente zweifarbig auszuscheiden. Julian meinte, ich solle mich mal bei einer Sendung wie „Wetten, dass?” anmelden. Ich würde garantiert als Gewinner hervorgehen.
Tatsächlich schweife ich doch immer wieder vom Thema ab und berichte unweigerlich von den Vierbeinern hier. Die Katzen scheinen mich doch mehr zu beschäftigen, als ich dachte. Wer weiß, vielleicht habe ich aber auch einen Dauersonnenstich davongetragen. Wenn es sowas gibt, dann habe ich es bestimmt. Das Haus hat: ein großes Wohnzimmer, drei Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer, drei Bäder und eine offene Küche mit Essbereich, dazu einen eigenen kleinen Außenpool mit einem Jacuzzi. Die letzten beiden Dinge sind ein Traum. Würde ich sofort mitnehmen, wenn ich könnte.
Leider ist das wunderschön große Schlafzimmer mit angrenzendem traumhaftem Bad mit vier Katzentoiletten verseucht, denn dort verbringen vier Katzen ihre Nacht. Julian hat einen Abend versucht mit den Katzen im Bett zu schlafen.
Keine Chance.
Nachts ist für die fünfte Katze ein Bad reserviert. Es liegen ein Körbchen und tausend Katzenhaare in der ansonsten hübschen Badewanne und ein weiteres Katzenklo steht für die angenehm intensive Geruchsbildung zur Verfügung. Wie gut, dass wir uns für ein Tauschhaus mit drei Schlafzimmern entschieden haben. Von denen wir nur zwei wegen der Katzen nutzen können. Da mein Göttergatte schnarcht und wir auch zuhause in getrennten Räumlichkeiten übernachten, schläft er deshalb in diesem Urlaub auf einer aufblasbaren Matratze im Arbeitszimmer. Auch schön, dass wir - auf dem Papier - drei Bäder zur Verfügung haben, wovon tatsächlich nur eines benutzt werden kann, da die beiden anderen Waschräume von den Katzen belegt sind.
Dieses Mal kann ich mich irgendwie gar nicht richtig entspannen. Und das liegt nicht nur an den vielen Katzen und den damit verbundenen Aufgaben. Ich bin hier nie richtig „angekommen“ und vertrage die Hitze leider überhaupt nicht.
Ein anderes Manko: Der Haustauschpartner hat Achim und Julian auch noch sein Diensthandy aufs Auge gedrückt und meine beiden Männer darum gebeten doch die eingehenden Anrufe entgegenzunehmen.
Nachdem Achim sich dann alle Anrufe mit den jeweiligen Anliegen notiert hat und einmal täglich den Haustauschpartner über alle Inhalte informiert hat, kam eine kurze, knackige, heftige Mail von ihm, dass wirimmerrangehen sollen und ihm sofortBericht erstatten sollen... da er schon Beschwerdemails bekommen hat. Ich habe mich ziemlich darüber aufgeregt und hätte am liebsten den ganzen Tausch abgebrochen. Aber Achim ist ja sehr gutmütig und hat daraufhin zurückgemailt, dass wir schließlich auch Urlaub haben und nicht immer rangehen können und es vielleicht besser wäre eine Rufumleitung zu installieren. Nach wie vor leitet Achim täglich die Nachrichten weiter, dass Ruhe ist. Sowas ist uns noch nie passiert...
Ebenso ist es anders mit einem erwachsenen Sohn in Urlaub zu fahren, der ja dann insgesamt doch 9 Wochen in unserer Nähe war und ist (zuhause und Florida). Semesterferien können sich doch ganz schön in die Länge ziehen.
Dazu kommt noch, dass ich mich hier etwas anders ernähre als zuhause und Achim ja sowieso. Der macht fast täglich Eier mit Bacon zum Frühstück, kauft für jeden Tag Kuchen, Würstchen, Fleisch. Wenn wir mal Essen gehen, dann Pizza oder Burger... Und zwangsläufig esse ich dann etwas mit, wenn es nichts anderes in der Nähe gibt.
Einmal waren wir extra für mich in einem wunderschönen Einkaufszentrum. Neben den vielen Bekleidungsläden und Schuhgeschäften, gibt es dort auch unterschiedliche kleine Restaurants und ich freute mich schon, dass ich endlich mal wieder etwas Indisches oder Thailändisches für meinen Magen bekam. Doch es gab weit und breit kein "vernünftiges Essen" für mich. Es war ein besonders hübscher Shoppingcenter mit lauter einzelnen, abgetrennten Luxusgeschäften, die man auch jeweils nur von außen betreten konnte. Leider hatte ich nicht das Geld dazu, mir hier etwas zu kaufen und außerdem hatte ich zwei Männer dabei, die überhaupt nicht gerne einfach nur Gucken und sich an den schönen Dingen (überflüssig, wer braucht denn sowas) erfreuen. Und zu guter Letzt gab es auch dort nur das Übliche zu essen… Juchhu, schon wieder eine Pizza. Immerhin mit einem Salat dazu. Einem Nichts von Salat.
Das was ich hier wirklich genieße, ist der Pool, der Jacuzzi und einen wunderschönen Ausflug mit dem Boot, als sogar Delfine eine Stunde um uns herumgeschwommen sind.
Es war atemberaubend.
Nun stand ich also da, bereit für einen wundervollen Urlaubstag, freute mich bei 35 Grad Hitze auf das kühle Nass des Pools, schaute in das herrlich bläulich schimmernde Wasser und erstarrte.
Es war grün.
Grün wie ein Tümpel.
Man konnte den Boden nicht mehr sehen. Kleine Algenpünktchen schwammen an der Oberfläche. Was war das?? Vor einer Woche hatte ich bei meinem Schatz nachgefragt, ob denn bei dem Pool irgendetwas zu beachten sei. Ob wir ihn irgendwie säubern müssten oder Reinigungsmittel verwenden müssten. Nein, nein, wir müssen gar nichts beachten. Alles wäre o.k. Nur ab und zu mit dem Schwimmbadschrubber ein bisschen am Boden entlang gleiten und das war es. Sonst nichts. Darum kümmere er sich schon, denn schließlich habe ich ja mit den Katzen genug zu tun. Wie recht er doch hatte.
Vor fünf Tagen machte ich ihn darauf aufmerksam, dass sich die Farbe des Wassers im Becken leicht verändert hat. Es war etwas trüber als sonst. Nein, es wäre alles o.k., was ich denn schon wieder habe. Sicherlich sieht es nur so aus, da die Sonnenstrahlen in einem anderen Winkel auf das Wasser fallen. Ich soll mich doch nicht so anstellen und nun endlich entspannen.
Also ignorierte ich meine Bedenken und schwamm was das Zeug hielt. Tag für Tag. Nach zehn Tagen stellte sich heraus, dass es doch viel mehr Arbeit gewesen wäre diesen Pool in Schuss zu halten. Er rückte mit einem Riesenbehälter voll Chemikalien und diversen Messinstrumenten an. Es sah aus wie in einem Chemielabor. Er nahm mit Julian Proben vom Poolwasser, tröpfelte irgendwelche Farbstoffe rein, beratschlagte sich mit ihm und kippte irgendeine blaue Chemikalie ins Wasser. So. Das müsste genügen. Nun durften wir zwei Tage lang unser privates Schwimmbecken nicht benutzen. Und dann müsste man mal sehen. So genau könne er nicht sagen, wann wir wieder ins Wasser könnten. Na super. Aber wir hatten Glück, es gab ja noch den Jacuzzi…
Ja, wir haben noch den Jacuzzi. Bis auch hier Proben entnommen wurden und der PH-Wert wohl viel zu niedrig war. Da Julian Leistungskurs Chemie hatte, erzählte er uns ein paar nette Anekdoten was alles so passiert, wenn man sich in so einem Gewässer aufhält: man wird zu einem Skelett. Bei uns sei es wohl noch nicht soo schlimm, aber man sollte doch etwas vorsichtig sein… Also auch kein Whirlpool mehr. Und wir haben noch eine Woche Urlaub.
Als nächstes kam die Dusche: Auch diese wurde stark von uns beansprucht. Überbeansprucht. Denn als ich schön eingeseift darunter stand, sagte mir Julian, dass es wohl etwas nach Schwefel riecht und ich mich vielleicht besser heute nicht waschen sollte. Am besten soll ich bis morgen warten. Leider ging das ja nun nicht mehr. Also duschte ich mich mit dem Geruch von faulen Eiern ab. Danach erläuterte Achim mir, dass der Tank für das eigene Quellwasser wohl nicht so viel Liter Wasser umfasst, dass es für das Duschen von drei Leuten hintereinander reichte. Wie gut, dass ich das im Vorhinein gesagt bekam.
Heute ist unser zwanzig-jähriger Hochzeitstag oder besser gesagt: Kennenlerntag. Wir haben uns mal dafür entschieden diesen Tag zu feiern statt unseren Hochzeitstag. Denn der dritte Oktober, unser Kennenlerntag, ist bei uns in Deutschland ja schon ein Feiertag. Das ist dann schon per se etwas Besonderes. Und man hat den Tag nur für Zweisamkeit: Keiner von uns muss zur Arbeit fahren, keine Gartenarbeit, kein Mann, der vor dem Fernseher rumlungert oder mit dem Laptop im Internet unterwegs ist und im Urlaub ist es ja sicherlich noch toller, denn wir sind ja schon zu zweit, allein. Na ja, fast allein. Wären da nicht der immer super gelaunte Sohn (wann ist nochmal das Ende der Semesterferien??) und die tausend Katzen. Entweder haben sie Hunger, sind gerade dabei sich zu übergeben oder irgendwo liegt ein Durchfallhaufen herum.
Ich bin also schon in einer absolut romantischen Stimmung. In der romantischsten Stimmung, die es auf der Welt gibt. Morgens um sieben Uhr. Was für eine Zeit zum Aufstehen. Das habe ich mir in meinem Urlaub auch anders vorgestellt. Zumal ich überhaupt kein Freund von frühem Aufstehen bin. Für mich ist es also quasi mitten in derNacht. Und so fühle ich mich auch heute Morgen. Ich laufe schlaftrunken in die Küche um diverse Katzen als erstes zu versorgen... Nicht erst ins Bad, um mich für den heutigen Tag hübsch zu machen, vielleicht sogar zu schminken, die Haare kunstvoll zu föhnen oder verspielte Locken zu drapieren… Hat bei vierzig Grad eh alles keinen Sinn. Innerhalb von fünf Minuten ist bei mir die ganze Schminke verlaufen und die Haare sehen aus wie bei einem begossenen Pudel. Und das ist noch die bessere Variante. Denn oft sehe ich hier aus, wie wenn ich aus Versehen in die Steckdose gegriffen hätte.
Hoffentlich hat Achim mich noch nicht gehört und ich kann mich nachher wenigstens noch mal kurz duschen, kämmen und etwas anziehen, bevor er mich sieht. Denn schließlich ist ja heute ein besonderer Tag. Für mich jedenfalls. Für die Kakerlake, die mir gleich in der Küche entgegengesprungen ist, scheinbar auch. Ging ja schon gut los. So, nun tappte auch mein Göttergatte in die Küche, kam auf mich zu, ging an mir vorbei, machte sich einen Kaffee, nickte mir kurz zu und verschwand mit einem Buch unter dem Arm auf die Terrasse. Hallo?? Ich bin auch noch da. Heute ist ein besonderer Tag.
Allerdings kam er nicht weit. Ein ohrenbetäubender Alarmton erklang, er verschüttete seinen Kaffee, wir rannten los Richtung Schlafzimmer und überlegten fieberhaft, was nun einzugeben war in den Ziffernblock der Alarmanlage mit diversen Schaltern. Wir hatten fünf Sekunden Zeit, ansonsten würde der Sheriff kommen. Fünf Sekunden sind ganz schön kurz. Noch kürzer so früh am Morgen. Und am kürzesten, wenn man vor 14 Tagen mal irgendwo auf dem Blatt Papier mit den Instruktionen der Haustauscher gelesen hat, was zu tun ist, wenn man aus Versehen den Alarm ausgelöst hat. Da standen die Worte „No Panic“... Damit war wohl gemeint, dass wir nicht in Panik ausbrechen sollten, ne, na klar nicht, wir waren völlig ruhig.
Unsere Gehirne liefen auf Hochtouren. Eine Sekunde, zwei Sekunden, drei Sekunden, vier Sekunden. Schnell drückten wir die Ziffern, die wir sonst beim nach Hause kommen eingeben und hofften, dass es auch die Richtigen für den Alarm waren. Wir hatten Glück.
Nun konnten wir uns endlich gratulieren zum zwanzig-jährigen Jubiläum. Naja, beinahe. Denn um die Ecke kam Julian und meinte, wir könnten ihn gerne das nächste Mal etwas sanfter wecken, nicht gleich mit irgendwelchen lauten Sirenen. Wir erklärten die Situation, er meinte, wir sollten doch cool bleiben, alles kein Problem und ging wieder in sein Zimmer zum Weiterschlafen. Achim machte sich einen neuen Kaffee und ging zum Entspannen nach draußen auf seinen Relax-Stuhl.
Ich wischte die verschüttete Flüssigkeit seines warmen Getränks auf, versorgte die fünf Drinnen-Katzen, säuberte die Katzenklos, wischte Erbrochenes, Urin und Durchfall weg und richtete das Fressen für die Draußen-Katzen. Dann ging ich mit den Hausschuhen nach draußen, merkte es erst, als meine Füße klatschnass waren und versorgte stoisch die restlichen fünf Katzen. Auf dem Weg zurück fiel mir der Futterlöffel in hohem Bogen in den Pool und ich konnte erstmal nach ihm tauchen. Klar musste ja auch gleich die tiefste Stelle sein. Nicht vorne an den Treppen, wo ich mich nur bücken brauchte. Für heute war ich bedient. Aber es lohnte sich nun wenigstens zu duschen.
So, jetzt ging es mir schon wesentlich besser und ich freute mich endlich auf unseren besonderen Tag und auf Achim. Der saß mittlerweile tief versunken mit geschlossenen Augen und Kopfhörern auf seinem Relax-Stuhl und wollte nicht gestört werden. Es lief irgendeine Scheißübertragung vom Fußball.
Ich wartete geduldig bis zum Mittag, bis zum Nachmittag, bis zum Abend. Vielleicht kam noch eine besondere Überraschung. Gibt ja auch für abends tolle Events: Parasailing bei Sonnenuntergang, Candlelight-Dinner auf einem Schiff, Musical im Theater,... So um achtzehn Uhr fiel ihm ein, dass er unseren Kennenlerntag wohl vergessen hat. Er zauberte noch eine Karte hervor und umarmte mich liebevoll. Na bitte, geht doch. Ich kenne doch meinen Mann. Er schenkt mir oft Blumen oder einen Gutschein zum Essen gehen, wenn wir Jubiläum haben.
Sicherlich verbarg sich hiervon etwas in der grünen Karte. Wieso eigentlich schon wieder grün? Reichte es nicht, dass er mittlerweile alles in grün besaß und leider auch noch anzog? Neongrün wurde von ihm zurzeit (seit zwei Jahren) bevorzugt. Es war seine absolute Lieblingsfarbe. Da war es völlig unerheblich, dass Julian und ich ihn darauf aufmerksam machten, dass ihm diese Farbe so gar nicht steht. Diese Aussage wird ignoriert und ein grünes T-Shirt angezogen. Am besten noch die passende Hose und Schuhe dazu. Naja, wenigstens finde ich ihn dann überall. Er leuchtet immer schön aus der Menge der dezent geschmackvoll gekleideten Menschen heraus.
Ich freute mich schon so, was er sich für mich als Überraschung ausgedacht hat. Zwanzig Jahre glückliche Beziehung sind schon etwas Außergewöhnliches. Ich öffnete voller Spannung den grünen Umschlag und zog das Papier heraus. Auf der Karte saß ein Ehepaar auf der Bank. Die Frau freut sich, strahlt ihren Mann an und sagt, wie schön es doch ist, schon so lange glücklich zusammen zu sein. Der Mann schaut stoisch auf den Boden und erwidert, dass er sich nun ein Bier holt…? Ich denke lieber nicht darüber nach, was er mir damit sagen will. Nur so viel, der Abend ist für mich gelaufen.
Spätabends kam Achim noch mal in mein Schlafzimmer, um nach mir zu sehen. Immerhin machte er ein besorgtes Gesicht. Es war ihm wohl doch ein bisschen unangenehm, wie die ganze Sache gelaufen ist. Er machte nicht viele Worte, sondern legte sich zu mir und nahm mich in den Arm. Nun war ich wieder einigermaßen versöhnt. Er fing an mich liebevoll zu streicheln. Immer mehr und immer intensiver. Ich ließ mich völlig darauf ein, dachte an gar nichts und genoss jede seiner Berührungen. Bis… Ja, bis ich ein leises Klopfen an der Schlafzimmertüre vernahm, die Türe in Sekundenschnelle aufgerissen wurde und ich eine Stimme hörte: „Wo soll nochmal der Rohrreiniger hin?”
Welches Rohr, welcher Reiniger? Ich wurde mit Lichtgeschwindigkeit auf den Boden der Tatsachen und der harten Realität geworfen. Ah, jetzt fiel es mir wieder ein. Ich werde, glaube ich, meinem Sohn doch hier keine Erledigung einer Aufgabe mehr zumuten. Oder zumindest darauf achten, dass er sie sofort ausführt und damit meine ich sofort. Denn ich habe ihn schon vor zwei Tagen gebeten, den Reiniger von der Küchenspüle ins Regal in der Garage zu stellen.
So viel zu Zweisamkeit und Romantik im Urlaub.
Mein Mann war so lieb und hat einige Male im Urlaub gekocht. Er hat dabei sehr auf abwechslungsreiche, ausgewogene und vitaminreiche Ernährung geachtet. Hat er jedenfalls behauptet. Da er Nudeln in allen Variationen liebt, gab es: Nudeln mit Ei, Nudeln mit Tomatensoße, Nudeln mit Ei, Nudeln mit Tomatensoße, Nudeln mit Ei, Nudeln mit Tomatensoße,... Er fand, dass Gemüse und Salat eindeutig überbewertet werden und in keinster Weise zu seinen zahlreichen Kombinationen passen. Auch nicht, wenn diese unübersehbar im Kühlschrank auf ihre Zubereitung warten.
Seit diesem Urlaub koche ich doch nun wieder liebend gerne selbst. Allerdings wird es wohl die nächste Zeit erstmal keine Nudeln geben.
Gestern Nacht war ich zwar schon sehr müde, wollte aber noch nicht so früh auf mein Straflager (Schlafplatz), deshalb habe ich mich noch an den Laptop gesetzt und ein bisschen im Internet gesurft. Mittlerweile habe ich mich schon ein wenig an die Couch gewöhnt. Aber eben nur ein wenig. Da ist es von Vorteil, wenn ich hundemüde bin und mein Körper froh ist, einfach in Liegeposition zu sein. Egal wo. Dann klappt es besser mit dem Schlafen.
Vor lauter Langeweile und Übermüdung bin ich dann im Netz auf die Angebotsseite eines Discounters gestoßen. Meines Lieblingsdiscounters. Er hatte doch tatsächlich etwas im Angebot, das mein Mann dringend benötigte. Eine neue Geldbörse. Aus seiner purzelten immer die Geldmünzen durch ein Loch heraus. War zwar manchmal ganz praktisch, denn dann wusste ich immer, wo er war. Fast so wie bei Hänsel und Gretel. Die Spur der kleinen, runden Messingteilchen zog sich oft durchs ganze Haus. Niedlich. Wenn sie nur nicht immer liegen bleiben würden und auf das Aufheben meinerseits warteten.
Das war die Gelegenheit. Nur wie kam ich an die neue Geldbörse heran? Wir waren ja noch in Florida, nachts um ein Uhr. Bei meinem Zielobjekt war es jetzt bereits sieben Uhr morgens, wegen der Zeitverschiebung. In einer Stunde wurde die Einkaufsbude in Deutschland geöffnet und die Menschen stürmten an den Tisch mit den Angeboten und weg waren die wunderschönen, günstigen Portemonnaies und ich war weiterhin dazu verdammt die kleinen Münzen im ganzen Haus, im Auto, auf dem Gehweg aufzuheben. Aber schnell mal zurückfliegen? Quatsch. Kostet zu viel und ich wäre zudem auch zu spät dran. Jemanden beauftragen sie zu kaufen? Gute Idee. Aber wen? Die Wahl fiel auf meine Schwiegereltern. Für ihren Sohn würden sie das bestimmt machen.
Ich schlich also nachts zu meinem Handy und schrieb meinem Schwiegervater eine Whatsapp mit der Bitte den Einkaufsladen zu stürmen. Dazu schrieb ich, dass es eine Überraschung für Achim sein sollte. In dem Moment kam mein Mann schlaftrunken aus dem Schlafzimmer und fragte mich, ob alles in Ordnung sei und wieso ich nicht schon schlafe. Jaja. Klar. Alles bestens. Alles prima.
Ich liebe es, Überraschungen zu machen. Ich malte mir schon aus, wie ich die Geldbörse heimlich von meinen Schwiegereltern in Empfang nahm, sie schön einpackte ein Schleifchen darum band und noch eine Karte mit lieben Worten dazulegte. Ein kleines Geschenk quasi nachträglich zu unserem Kennenlern-Jubiläum. Der wird Augen machen. Dazu musste ich mich nur noch ein paar Tage gedulden. Am besten kein Wort darüber verlieren. Einfach an was Anderes denken, ans Aufräumen, Packen, letzter Tag am Pool und im Jacuzzi. Kann ja nicht so schwer sein einfach mal die Klappe zu halten und nicht gleich alles herauszuposaunen, so wie ich es sonst immer mache. Diesmal nicht. Ich habe Geduld. Ich bin verschwiegen. Ich möchte ihn überraschen. Ich werde ihn überraschen.
