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MARCO POLO E-Books sind besonders praktisch für unterwegs und sparen Gewicht im Reisegepäck!
E-Book (ePub) basiert auf: 16. Auflage 2025
Urlaub ab der ersten Seite: Marco Polo Reiseführer Brasilien Ob Aktiv-Urlaub oder Entspannung pur, ob kurze Alltagsflucht oder langer Traumurlaub: Dein MARCO POLO Reiseführer ist der ideale Begleiter, wenn du die Welt erkundest.
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ERLEBE LOS!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 166
Veröffentlichungsjahr: 2025
1 KARNEVAL
Ob in Rio, Salvador oder Olinda: Der rauschhafte Karneval ist ein unvergessliches Erlebnis und wird ganz groß gefeiert!
Tipp: Die Kamera oder das teure Handy besser im Hotel lassen ...
Brasilien verstehen
2 CORCOVADO
Zu Füßen der Christusstatue in Rio de Janeiro stockt dir der Atem angesichts der Ausblicke.
Tipp: Für gute Fotos von der Terrasse zu Füßen der Christusstatue muss es ein klarer Tag sein.
Der Südosten
3 SALVADOR
Die afrikanischste Stadt des Landes steckt voller Musik, Magie und Geheimnisse.
Tipp: Ein perfekter Ort für ein Foto der glitzernden Allerheiligen-Bucht samt Salvadors Unterstadt ist neben der oberen Station des Lacerda-Fahrstuhls.
Der Nordosten
4 SÃO PAULO
Die heimliche Hauptstadt Brasiliens begeistert mit ihrem Angebot an Kultur und Kulinarik.
Der Nordosten
5 LENÇÓIS MARANHENSES
In der gewaltigen Dünenlandschaft des Nationalparks im Nordosten fühlst du dich wie auf einem anderen Planeten.
Der Nordosten
6 AMAZONAS
Vom Opernhaus in Manaus mit dem Boot zur Urwaldlodge: tief eintauchen in die Kultur und Natur Amazoniens.
Amazonien
7 BRASÍLIA
Oscar Niemeyers kühne Moderne: Die Hauptstadt vom Reißbrett ist ebenso ungewöhnlich wie faszinierend (Foto).
Tipp: Fensterplatz reservieren und im Anflug die Kamera zücken. Mit Glück kannst du aus der Luft die Flugzeugsilhouette der Stadt festhalten.
Der Westen
8 PANTANAL
Die Region mit ihren kristallklaren Flüssen, Lagunen und ihrer üppigen Tierwelt – Jaguare, Ameisenbären, Aras, Tukane, Kaimane und Vogelschwärme – ist das größte Feuchtgebiet der Erde.
Der Westen
9 WASSERFÄLLE VON IGUAÇU
Die Wasserfälle von Iguaçu sind aus jeder Perspektive ein gewaltiges Naturschauspiel, aber der Panoramablick von der brasilianischen Seite ist nicht zu toppen.
Tipp: Vor Ort übernachten, dann hast du die Fälle am frühen Morgen oder bei Mondschein für dich.
Der Süden
10 BAROCK IN MINAS GERAIS
Religiöse Pracht und barocker Überfluss künden in Minas Gerais vom einstigen Goldrausch – eine romantische Reise in die koloniale Vergangenheit.
Erlebnistouren
Die 10 besten Highlights
DAS BESTE ZUERST
... grün & fair
... Low Budget
... mit Kindern
... typisch
SO TICKT BRASILIEN
Entdecke Brasilien
Auf einen Blick
Brasilien verstehen
Klischeekiste
ESSEN, SHOPPEN, SPORT
Essen & Trinken
Shoppen & Stöbern
Sport
DEIN MARCO POLO URLAUBSPLANER
DER SÜDOSTEN
São Paulo
Rund um São Paulo
Rio de Janeiro
Rund um Rio de Janeiro
Belo Horizonte
Rund um Belo Horizonte
DER NORDOSTEN
Salvador
Rund um Salvador
Recife
Rund um Recife
Natal
Rund um Natal
Fortaleza
Rund um Fortaleza
São Luís
Rund um São Luís
AMAZONIEN
Belém
Rund um Belém
Manaus
Rund um Manaus
DER WESTEN
Brasília
Rund um Brasília
Pantanal
Rund ums Pantanal
DER SÜDEN
Curitiba
Rund um Curitiba
Cataratas do Iguaçu
Florianópolis
Rund um Floripa
ERLEBNISTOUREN
Entlang der grünen Küste: die Costa Verde Westlich von Rio
Barock und Moderne in Minas Gerais h
An der Korallenküste
GUT ZU WISSEN
Ankommen
Weiterkommen
Im Urlaub
Notfälle
Wichtige Hinweise
URLAUBS FEELING
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IMPRESSUM
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BESSER PLANEN MEHR ERLEBEN!
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Dank Zuckerhut sofort zu erkennen, welche Metropole hier glitzert
DIE WELT ENTDECKEN - UND SCHÜTZEN
Bei den spannenden Touren von Eat Rio in Kooperation mit lokalen Händlern über Märkte und durch Restaurants lernst du exotische Früchte und Gerichte kennen.
Der Südosten
André Thuronyi kam in den 1970ern ins Pantanal. Der Pionier des Ökotourismus in dem Feuchtgebiet baute die nachhaltige Araras Eco Lodge inklusive Tierbeobachtung auf.
Der Westen
Ein einmaliges Erlebnis ist der Aufenthalt in einer Lodge mitten im Amazonaswald. Viele dieser Unterkünfte haben sich den Schutz des Dschungels zum Auftrag gemacht oder unterstützen Bildungsarbeit, z. B. die Uakari Lodge oder die Cristalino Jungle Lodge.
Amazonien
Die renommierte Tanzkompanie Balé Folclórico da Bahia bringt dir die Kultur der Schwarzen Bahias nahe. Über eine Stiftung werden junge Leute aus armen Gemeinden im Tanz ausgebildet.
Der Nordosten
Auf der Flussinsel Marajó haben sich traditionelles Handwerk und indigene Kunst erhalten. Kleine Manufakturen verarbeiten Büffelleder, Ateliers fertigen die berühmte Marajoara-Keramik (Foto).
Amazonien
Unter den vielen kleineren Weingütern im Vale dos Vinhedos ist das der Familie Mariani besonders sympathisch. Sie betreibt Biolandwirtschaft, hat einen urigen Hofladen und einen schönen Weinberg, den du besuchen kannst.
Der Süden
FÜR DEN KLEINEN GELDBEUTEL
Die Besuche von Zuckerhut und Corcovado haben ihren Preis. Der Blick von den Aussichtspunkten des Mirante Dona Marta in Rios Stadtteil Santa Teresa ist dagegen kostenlos. Vor dir liegen Zuckerhut und Guanabara-Bucht, im Rücken breitet die Christusfigur ihre Arme aus.
Der Südosten
Der Ibirapuera-Park in São Paulo (Foto) ist für die Paulistas das, was der Central Park für die New Yorker ist. Joggen, schlendern, Basketball spielen, skaten, eine Kunstausstellung besuchen ... Und sonntags gibts Gratiskonzerte auf der Freiluftbühne.
Der Südosten
Der Karneval in Salvadors Altstadt ist bunt, vielfältig und kostenlos – anders als die großen Blocos de Trio oder der Besuch in einem Camarote. Bunte Afrogruppen, ausgelassene Fanfarentrupps und verrückte Minitrios sind in den Kopfsteingassen unterwegs.
Brasilien verstehen
Der Zuckerhut ist ein Muss für jeden Rio-Besucher, aber wenn die Schlange lang und das Budget knapp ist: Den davor gelegenen Morro da Urca kannst du zu Fuß erklimmen – kostenlos. Auch von dort ist der Blick auf Stadt und Meer schon beeindruckend.
Der Südosten
In São Paulo gibt es tolle kostenlose Kulturangebote, vom japanischen Kulturzentrum Casa do Japão bis zum Museu de Arte Contemporânea. Fast alle Museen in Brasilien haben übrigens einen Tag mit freiem Eintritt.
Der Südosten
SPANNENDES FÜR GROSS & KLEIN
Tiefblaue Doktorfische, schwebende Rochen, gigantische Tintenfische – das Aquario Marinho in Rios Hafengegend ist das größte Meeresaquarium Südamerikas. Rund 8000 Tiere beleben die 25 Meerwassertanks – nicht nur für Kinder ein Erlebnis (Foto)!
Der Südosten
Von Dezember bis Februar kannst du zuschauen, wie die frisch geschlüpften Schildkröten am Strand ins Meer entlassen werden. Und im Hauptquartier des Projeto Tamar zum Schutz der Meeresschildkröten in Praia do Forte sind das ganze Jahr über Meerestiere in Becken und Aquarien zu sehen.
Der Nordosten
Steil-, Looping- und Tunnelrutschen: Der Beach Park Fortaleza, die ultimative Wasserspaßanlage mit eigenem Meeresstrand und eigener Hotelanlage, liegt ein paar Kilometer östlich der Stadt am Meer.
Der Nordosten
Das Museu da Amazônia am Stadtrand von Manaus ist eigentlich ein riesiges Stück begehbarer Regenwald. Es gibt kindgerechte Erlebnispfade, Aquarien mit vielen bunten Amazonasfischen und einen Aussichtsturm, von dem man weit über den Dschungel schaut und Papageien sichten kann.
Amazonien
Die Beto Carrero World, eine Art brasilianisches Disneyland, liegt bei Florianópolis im Süden. Früher ist der Namensgeber Beto Carrero mit einem Zirkus durchs Land gezogen, heute gibt es hier Tiershows und Fahrgeschäfte.
Der Süden
DAS ERLEBST DU NUR HIER
Krebse knacken, frittierten Fisch essen, flirten, mit Freunden lachen, im Familienkreis zusammensitzen – der Besuch einer Strandbar gehört zu den liebsten Beschäftigungen der Brasilianer am Wochenende, z. B. in der Barraca do Loro in Salvador.
Der Nordosten
Samba und Brasilien, das gehört einfach zusammen. Einige der besten Samba-rodas gibts nach Büroschluss in Rio: Tische und Stühle werden auf die Straße gestellt, für Essen und Trinken sorgen flinke Kellner und tolle Musiker heizen die Stimmung an.
Der Südosten
Die Kellner tragen Pluderhosen und säbeln von langen Spießen das Grillfleisch auf die Teller. Rodízios heißen diese Grillrestaurants, die es in ganz Brasilien gibt. Die besten gehören zur Kette Fogo de Chão, ein besonders schönes Lokal ist jenes in Rio.
Der Südosten
Die ununterbrochenen Fangesänge, die Ekstase bei einem Tor, das kollektive Aufstöhnen bei einer vergebenen Chance: All das hast du garantiert so ausgelassen noch nie erlebt. Wer keine Tickets für einen Stadionbesuch ergattert, besucht in São Paulo das Museu do Futebol.
der Südosten
Capoeira, der brasilianische Kampftanz, wird in Schulen und Sportstudios trainiert. Oft gibt es einen Tag in der Woche, an dem roda ist und Gäste willkommen sind. Manchmal treffen sich capoeiristas auch spontan zu einer roda auf der Straße (Foto).
Brasilien verstehen
Farbenfroh, phantasievoll und ausgelassen: Karneval in Rio
Tropisches Idyll am Atlantik: Badebucht an der Costa Verde bei Paraty
„Der erste Eindruck … ist der einer verwirrenden Üppigkeit“, schrieb der Schriftsteller Stefan Zweig nach seinem ersten Besuch in Brasilien 1936. Brasilien, das sind Superlative und Kontraste, atemraubende Natur, die Mischung der Kulturen und die Ekstase des Karnevals. Aber Brasilien verstört auch durch seine Gegensätze: von Arm und Reich, Agrobusiness und intakter Natur, Lebensfreude und alltäglicher Gewalt.
So viel Fläche, dass fast ganz Europa hineinpassen würde, das größte Regenwaldgebiet der Erde, der längste Fluss, so viele Tier- und Pflanzenarten wie in ganz Europa zusammen, 212 Mio. Menschen mit Hautfarben in allen Tönen, unterschiedlichster Herkunft und Kultur, die im Lauf der Zeit ins Land kamen bzw. als Sklaven aus Afrika hierher verschleppt wurden. Rund 1,7 Mio. Indigene leben heute noch in Brasilien; sie gehören rund 270 Völkern an. Ihre Lebensräume werden von der Agrarund Minenindustrie bedroht.
1500
Pedro Álvares de Cabral landet im Süden Bahias
1763
Rio wird Hauptstadt der neuen portugiesischen Kolonie
1808
Portugals König João VI flieht vor Napoleon aus Lissabon nach Rio und schlägt – einzigartig in der europäischen Geschichte – seinen Hof in der Kolonie auf
1822
Sein Sohn ruft als Pedro I. die Unabhängigkeit aus und wird Kaiser
1888/89
Ende der Sklaverei; Brasilien wird Republik, der Kaiser abgesetzt
1960
Die neue Hauptstadt Brasília wird eröffnet. Das Land erlebt einen Modernisierungsschub
1964
Das Militär putscht und hält sich 20 Jahre an der Macht; Menschenrechtsverletzungen
2003
Luiz Inácio Lula da Silva wird als erster Arbeiter Präsident
2023
Lula da Silva wird erneut Präsident. Brasilien erholt sich wirtschaftlich und gesellschaftlich von der Präsidentschaft des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro
2027
Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Brasilien
Den Südosten dominieren die Millionenstädte Rio de Janeiro und São Paulo, deren Gegensätzlichkeit man auch als flüchtiger Besucher sofort erkennt: beim Anflug auf São Paulo ein endloses Hochhausmeer – beim Anflug auf Rio die Spitzen der Berge, die dicht gedrängten Häuser der Favelas, die Buchten, in denen das Blau des Meers aufblitzt. Die Wirtschaft gibt den Takt vor in den Hochhausschluchten São Paulos, während der Alltag in Rio noch immer vom Strand und vom Überlebenskampf in den Favelas geprägt ist. Das Hinterland Rios und São Paulos ist hügelig und ländlich und je weiter es in die Berge von Minas Gerais geht, desto barocker und katholischer wird es.
Der nach Europa und Afrika zeigende Nordosten Brasiliens beginnt mit Bahia und endet in São Luís kurz vor der Amazonasmündung. Dazwischen liegen 3300 km Strände, palmengesäumt, mit Dünen, Steilküsten, Buchten: Urlaubsparadiese für Touristen aus aller Welt, aber auch Standorte für immer mehr Windräder. Das Sertão genannte Inland ist trocken und bergig. Manchmal regnet es mehrere Jahre nicht. In Bahia ist Brasilien Afrika am nächsten. In Salvador wurden die meisten Sklaven an Land gebracht, bis heute sind über 85 Prozent der Einwohner afrikanischer Herkunft. Die Altstadt mit ihren prächtigen Barockkirchen und Kolonialhäusern ist ebenso Weltkulturerbe wie der Samba und der Kampftanz Capoeira.
Je weiter man nach Westen kommt, desto grenzenloser scheint das Land. Da sind die Ebenen, die für Rinderzucht und Getreideanbau genutzt werden, und die Cerrados, die Savannen des trockenen Planalto, auf dem sich die Hauptstadt Brasília erhebt. 40 000 Bauarbeiter stampften die Stadt in vier Jahren aus der roten Erde. Der Wildnis des Westens kommt man im Pantanal nahe, dem größten Überschwemmungsgebiet der Welt, dessen Tierreichtum seinesgleichen sucht. Nördlich des Pantanal beginnt das größte Regenwaldgebiet der Welt, das Amazonasbecken. Es bedeckt fast die Hälfte Brasiliens, ein Ökosystem mit eigenen Gesetzen. In den letzten 40 Jahren sind rund 15 Prozent der Regenwaldfläche verloren gegangen – eine Fläche mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Illegale Abholzungen für Rinderzucht und Sojaanbau, für die Holz- und die Minenindustrie sowie Landspekulation sind dafür verantwortlich. Seit 2023 stärkt Präsident Lula da Silva die Überwachung – die Zerstörung hält aber an.
Rio Grande do Sul, der Süden Brasiliens, ist die Region der europäischen Einwanderer. Dort, an der Grenze zu Argentinien und Uruguay, liegen die weiten Ebenen der Pampa. Hier kämpften die stolzen Gauchos für ihre Unabhängigkeit. Wagnis und Weite liegen neben Tradition und Enge. Auf dem Land leben die Nachfahren der deutschen und italienischen Immigranten teilweise noch wie ihre Großeltern. Hier gibt es Canyons und Wasserfälle, Hortensien und Kiefern, subtropische Sommer und Winter, in denen es sogar schneien kann.
Seit 1988 hat Brasilien eine demokratische Verfassung. Mit Luís Inácio Lula da Silva stand von 2003 bis 2010 erstmals ein Arbeiterführer an der Spitze des Landes und der Aufstieg zu einer Industrienation schien möglich. Die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 standen symbolisch für den Aufschwung des Lands. Wirtschaftsreformen jedoch blieben auf der Strecke und der Filz zwischen Politik und Wirtschaft mündete in einen Korruptionsskandal. Immer neue Enthüllungen über die Verflechtungen von Politikern mit Großunternehmen führten bei den Brasilianern zu tiefem Frust und in der Folge 2018 zur Wahl des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro – trotz seiner Nähe zum Militär und teils menschenverachtender Äußerungen. Bolsonaro schwächte als Präsident gezielt den Umweltschutz und ermunterte illegale Holzfäller und Goldgräber, in den Regenwald vorzudringen. Seine Regierung vernachlässigte auch das Bildungs- und Gesundheitssystem und Brasiliens Ansehen in der Welt litt unter Bolsonaros rüdem Auftreten. 2022 hatte die Mehrheit der Wähler genug und hob erneut Lula da Silva ins Präsidentenamt. Er setzte seine Politik des sozialen Ausgleichs fort, Bildung und Umweltschutz wurden wieder gestärkt und Brasiliens Wirtschaft erlebte einen Aufschwung, der die allgemeine Stimmung verbesserte.
„Ach, so lange lebst du schon hier? Dann bist du ja Brasilianerin!“ In der Wahrnehmung der meisten Brasilianer gehört jeder, der nicht nur seinen Urlaub in Brasilien verbringt, schnell dazu. 212 Mio. Menschen leben in dem Land mit kontinentalen Ausmaßen, Menschen unterschiedlichster Herkunft und Hautfarben. Portugiesen, Italiener, Spanier, Deutsche, Japaner, Araber, Juden – die trockene Statistik fasst zusammen: Rund 56 Prozent haben eine dunkle Haut, knapp 43 Prozent sind weiße Brasilianer, etwa ein Prozent sind asiatischer oder indigener Abstammung.
Während der Kolonialzeit brachten die Portugiesen rund 8 Mio. afrikanische Sklaven ins Land. So erklären sich über 140 Bezeichnungen der Hautfarbe beim Zensus, die in zwei Kategorien zusammengefasst werden: schwarz und dunkel (pardo). Im Jahr 1500 lebten geschätzt 4–10 Mio. Indigene in Brasilien, heute sind es noch knapp 2 Mio.
Eine Tonschüssel mit gelbem Maniokmehl, darauf im Kreis angeordnete Chilischoten – daneben eine Schnapsflasche, der Rest einer niedergebrannten Kerze und ein rotes und ein schwarzes Tuch: An mancher Straßenkreuzung finden sich am Montagmorgen solche Opfergaben. Gewidmet sind sie Exu, dem Hüter der Wegkreuzungen. Die afrikanischen Sklaven brachten ihren Glauben mit in die Neue Welt.
Als candomblé bezeichnet man die religiösen Praktiken zu Ehren der afrikanischen Götter. Die Sklaven wurden von den Kolonialherren zwangsgetauft. Das verhinderte nicht, dass sie weiter ihren Göttern huldigten, im Notfall „versteckt“ hinter dem Bild eines katholischen Heiligen. So entstand der Synkretismus, wie man die Vermischung verschiedener Religionen nennt. Umbanda ist die Vermischung afrikanischer Götter mit katholischen Heiligen und dem Spiritismus – verbreitet in Rio de Janeiro und im Süden. Wer von macumba spricht, meint meist schwarze Magie.
Wenn Mestre Sabiá in die roda springt, dann wird der Rhythmus schneller, der Gesang lauter. Hier ist einer der Besten am Start. Begonnen hat er 1985, noch als kleiner Junge, in seiner Heimatstadt Salvador. Heute jettet der Capoeirista nach New York, Paris, Israel, China – und lebt in Spanien. Capoeira hat die Welt erobert, wurde von der Unesco zum Immateriellen Kulturerbe erklärt; die Wurzeln aber liegen in Bahia.
Kampf und Tanz, Gesang und Percussion, Improvisation und Akrobatik vereinen sich in der Capoeira, ursprünglich eine Kampftechnik, mit der die Sklaven unter dem Deckmantel von Musik und Tanz ihre Körper stählten.
Bei einer Capoeira stehen zwei Kontrahenten in einem Kreis (roda) und versuchen, ihr Gegenüber mit schwingenden Schritten, Tritten und Schlägen, echten und angedeuteten, zu dominieren.
Das Geschehen wird bestimmt vom berimbau, dem mit einer Metallsaite bespannten Musikbogen mit einer Kalebasse. Zur musikalischen Begleitung gehören auch die atabaque genannte Fasstrommel und das Schellentamburin. Die Umstehenden singen und klatschen den Rhythmus. Ginga heißt die wiegende Grundbewegung des Kampftanzes, sie ist weich, fließend, mal schnell, mal langsam, andeutend und strukturierend zugleich. Die capoeira Angola ist die traditionelle, langsame Variante mit vielen Andeutungen und Ritualen, während die capoeira regional schneller, athletischer und artistischer wirkt.
Das klingt befremdlich? Gar keine Frage, aber in einer Stadt wie Rio nicht wirklich überraschend, denn hier kleben die Häuser der Armen regelrecht an den steilen Hängen mit Blick auf Stadt und Meer. Favelas heißen die wild und spontan gewachsenen Wohnviertel der armen Brasilianer in den Städten. Der Name geht zurück auf einen Hügel in Zentrumsnähe, den Morro da Favela, auf dem sich Ende des 19. Jhs. Kriegsveteranen aus dem armen Nordosten ansiedelten. In den unübersichtlichen Wohngebieten entstanden später Drogenmafias, die die Gemeinden mit Waffengewalt beherrschen. Der wachsende Einfluss von Milizen (auch auf die Politik) in Rio hat zu einer weiteren Verschärfung der Konflikte geführt.
Festa de Yemanjá aus der Umbanda-Tradition: Ein Priester tanzt zu Ehren der Meeresgöttin
Nichts kann zu groß, zu schräg, zu aufwendig sein im bunten, lauten, wilden Karneval von Rio
Karneval, ein Fest so gigantisch und farbenfroh wie das Land. Die Portugiesen brachten den entrudo (Fasching) in die Neue Welt. Daraus wurde in den Tropen durch den Einfluss der Sklaven und ihrer Nachfahren der farbenprächtigste Karneval der Welt. Ob bei der Parade der Sambaschulen oder im Straßenkarneval – die Zurschaustellung der brasilianischen Lebensfreude ist ein einmaliges Erlebnis.
Höhepunkt in Rio de Janeiro sind die zwei Nächte (So/Mo), in denen die zwölf besten Sambaschulen durch das Sambódromo ziehen. Du kannst auf der Tribüne dabei sein oder sogar bei einer der Sambaschulen mitmachen (Tickets und Infos auf rio-carnival.net). Umsonst auf der Straße sind die Umzüge der Karnevalsgruppen im Stadtzentrum, in Santa Teresa, Copacabana und Ipanema. In den letzten Jahren erlebte der Straßenkarneval eine Renaissance – mitfeiern ausdrücklich erwünscht. Selbst im sonst eher nüchternen São Paulo wird immer wilder gefeiert, auf der Straße und in den Sambaschulen (Fr/Sa), genau wie in Manaus oder Macapá.
In Salvador herrscht sieben Tage lang Ausnahmezustand: Riesige trios elétricos – so heißen die von Sattelschleppern gezogenen fahrbaren Bühnen, auf denen Musikgruppen spielen – schieben sich durch die Straßen. Begleitet werden sie von Tausenden Tanzenden in den jeweiligen blocos. Entlang der Karnevalsmeilen sind Tribünen (camarotes) aufgebaut. Karten für blocos und camarotes: centraldocarnaval.com.br. Viele kleinere Musikund Karnevalsgruppen präsentieren sich im Pelourinho-Viertel – familiärer, entspannter, aber nicht weniger ausgelassen. Am späten Freitagnachmittag versammeln sich die Trommler Olodums vor der Casa de Olodum, am Sonntagnachmittag zelebrieren die Filhos de Gandhi das Eröffnungsritual auf dem Pelourinho.
Auch in Olinda und Recife wird auf der Straße gefeiert. Auf einer Bühne am Ponto Zero in der Altstadt Recifes präsentieren sich jede Nacht Frevo-, Maracatu- und Mangue-Beatguppen. Das Treffen der riesigen Pappmachépuppen ist einer der Höhepunkte des Karnevals in den engen Gassen von Olinda. Ausnahmezustand überall – das Programm von neun Städten ist hier zu finden: blocosderua.com
Oder auf Brasilianisch: Vidas negrasimportam. Obwohl die brasilianische Bevölkerung eine wilde Mischung von Menschen unterschiedlichster ethnischer Herkunft ist, gibt es rassistische Diskriminierung. Das wollten die Brasilianer lange nicht wahrhaben, aber die statistischen Daten belegen die großen sozialen Diskrepanzen zwischen Brasilianern heller und dunkler Hautfarbe. Armut hat eine Farbe – und
