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Die vierte Ausgabe von Nebulosa fragt danach, welche Qualitäten und Quantitäten das Maßnehmen bzw. das Maßgeben in der Gegenwart erreicht haben, wie und welche Sichtbarkeiten durch Anwendung welcher Verfahren und Strategien zu welchem Zweck erzeugt werden, also wie Maße des Sichtbaren gegeben werden, und wer sie gibt.
Die Beiträge rekurrieren auf die Geschichte sozialer, politischer, kultureller und wirtschaftlicher Diskurse des Maßnehmens und Maßgebens und fragen beispielsweise nach der Rolle von Maßen als Analysetechniken in den Konstitutionsprozessen des Sozialen, so in der ‚Selbstoptimierung‘ oder beim ‚Ethno-Marketing‘. Aus philosophischer Perspektive wird das Maß in der Wahrnehmung des Kunstwerks bei Heidegger und Blanchot und andererseits als Selbstmaß von Geist bzw. Gesellschaft bei Hegel bzw. Marx untersucht. Im Feld der Kunst wird das Entwerfen von Maßgeblichem sowohl auf der Produktionsseite in Formen der Projektarbeit als auch der Rezeptionsseite in den Maßgaben erscheinender und dargestellter Körper betrachtet.
Im künstlerischen Beitrag wird ein bisher unbekanntes Manifest nach Walter Benjamin gegeben. Das Forum verhandelt den Themenschwerpunkt der vorangegangenen Ausgabe: Gespenster aus vier kritischen und neue Gedanken eröffnenden Perspektiven.
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Seitenzahl: 254
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Nebulosa – Zeitschrift für Sichtbarkeit und Sozialität
04/2013
Maßnehmen / Maßgeben
Nebulosa
Zeitschrift für Sichtbarkeit und Sozialität
04/2013
Maßnehmen / Maßgeben
Herausgegeben von Eva Holling, Matthias Naumann und Frank Schlöffel
Neofelis Verlag
Nebulosa−Zeitschrift für Sichtbarkeit und Sozialität
04/2013: Maßnehmen / Maßgeben
Hrsg. v. Eva Holling / Matthias Naumann / Frank Schlöffel
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2013 Neofelis Verlag UG (haftungsbeschränkt), Berlin
www.neofelis-verlag.de
Alle Rechte vorbehalten.
Umschlaggestaltung: Marija Skara
E-Book-Format: epub, Version 2.0
ISSN: 2193-8490
ISBN: 978-3-943414-28-8
Erscheinungsweise: zweimal jährlich
Jahresabonnement 20 €, Einzelheft 12 €
Erhältlich in Ihrer Buchhandlung oder direkt beim Neofelis Verlag unter:
Ein Abonnement verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn die Kündigung nicht mindestens drei Monate vor Ende des Kalenderjahrs erfolgt ist.
Inhalt
Eva Holling / Frank Schlöffel / Matthias Naumann
Homo Meter/ Land und Redner_innen ein Maß geben / Keiner soll entkommen/Die aktuelle Ausgabe
Hannelore Bublitz
Vermessung und Modi der Sichtbarmachungdes Subjekts in Medien-/Datenlandschaften
Frank Engster
Maßgeblichkeit für: sich selbst
Das Maß bei Hegel und Marx
Bojana Kunst
Das zeitliche Maß des Projekts
Jörg Thums
Manifest für eine Apperzeption in der Zerstreuung
Christian Sternad
Das Maßlose des Werkes
Martin Heideggerund Maurice Blanchot über den Ursprung des Kunstwerkes
Fanti Baum
All this Useless Beauty oder das Maß durchqueren
Mirus Fitzner
Maßnehmen als rassistische Praxis
Warum das Konzept „Ethno-Marketing“auf rassistischen Grundannahmen basiert
Peter J. Bräunlein
Gelehrte Geisterseher.Anleitungen für den gepflegten Umgang mit Gespenstern
Gerald Siegmund
Gespenster-Ethik,oder warum Gespenster das Theater lieben
Julian Blunk
Die Gespenster bleiben nebulös
MałgorzataSugiera
Gespenst und Zombie als Denkfiguren der Gegenwart
Abbildungsnachweise
Call for Papers
Homo Meter: Über Maße
Den Idealen der Französischen Revolution ordnet das Hessische Eichamt die Einführung von gemeinsamen Maßen zu. Innerhalb von eingedeutschter ‚Einheit, Freiheit und Brüderlichkeit‘ scheint sich die Idee der vereinten Nation besonders in einem gemeinsamen Maßstab auszudrücken, der die Kleinstaaten vereinigen konnte, ohne die jeweiligen Herrschenden zu gefährden.1 Das Amt nennt Großherzog Ludwig (X.) von Hessen und bei Rhein als Initiator des neuen Maße- und Gewichtegesetzes von 1817, das der Vielfalt Einhalt und Referenz gebieten sollte. Es legt die Einführung des Dezimalsystems fest und die Entnahme der Grundmaße von Naturkonstanten.2 Damit agiert Ludwig mit seinem Gesetz noch vor der Einführung der von Frankreich initiierten, 1875 beschlossenen Convention du Mètre, die das Maßnehmen innerhalb der teilnehmenden Staaten regelt – auch heute noch. Kontrollierende Institutionen wie das Eichamt Hessen sind an die Unterzeichnung der Meterkonvention gebunden, welche im Système International d’Unités (SI) die sieben Grundmaße der Länge, Masse, Zeit, Stromstärke, thermodynamischen Temperatur, Stoffmenge und Lichtstärke für die Unterzeichnenden definiert. Maß gaben dabei zuallererst nicht nur Naturmaße, sondern auch sichere Referenzkörper, Ur-Maße, die heute in einer Platin-Iridium-Ausgabe3 vorliegen und im Bureau International des Poids et Mesures (BIPM4) unweit von Paris sicher verwahrt werden. Diese Verwahrung ist eine der in der Convention aufgelisteten Aufgaben der Maß-Institution, neben der Kontrolle und Kommunikation der Vereinheitlichung, der Forschung und der Anpassung der Maßstäbe an technische Entwicklungen.
Die Maßstäbe wurden also zunächst der Natur entnommen, um sie dann an anderes zu Messendes ab- und als Grundlagen an alle weiterzugeben, die Teil des Maßstabes sind – so definiert sich über Jahre hinweg eine maßgebende Autorität samt eines hohen bürokratischen Aufwands zur Organisation kollektiven Messens: offizielle ‚Bekenner‘-Unterzeichnungen werden gesammelt, regelmäßige Treffen der Generalkonferenz für Maße und Gewichte (CGPM) finden statt, Forschung und kontinuierliche Verbesserung der Paragraphen werden vollzogen und kommuniziert, um die Maße auf der Höhe der Zeit zu halten (1908 etwa war es nötig geworden, Stromstärke hinzuzufügen). Mit forscherischer Fantasie werden die Naturkonstanten im Laufe der Zeit immer spezifizierter. Statt von einem Erdmeridianquadranten ausgehend, bemisst sich die Länge eines Meters nun durch den Weg, den Licht als immer gleich schnelles in einer bestimmten Zeit zurücklegt.5Alle anderen Grundmaße sind – in ihrer Bemessung teilweise abhängig voneinander – ebenfalls Naturkonstanten, nur das Kilogramm bemisst sich noch am Objekt des Prototypen. Hier wird an einer Definition über eine Naturkonstante gearbeitet, denn „its long-term stability is not assured.“6So lange bleibt die Definition von 1889 weiter in Kraft: „The kilogram is the unit of mass; it is equal to the mass of the international prototype of the kilogram.“7Hier kommt das Maß immer wieder auf sich selbst zurück, ohne externen Referenzpunkt. Als eigenständiges System wird es so am deutlichsten; es erklärt und legitimiert sich selbst, ist Abmachung der Leute, die sich anschließen. Doch die Arbeit am Maß, die im Hintergrund des alltäglichen Messens geschieht, hat sich auch selbst Maßstäbe gesetzt, die ständig erweitert, aktualisiert und publiziert werden. So z. B. im „24th Meeting of the General Conference on Weights and Measures (2011)“, wo eine „redefinition of a number of units of the International System of Units (SI)“
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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