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Ein Moderator, eine Kuppelshow – ein Gefängnis. Radiostar Mäx soll das nächste große Erfolgsformat moderieren: „Handfeste Bäuerin findet dingfesten Bruder“ – eine Mischung aus Love-Show, Knastreport und völliger Entgleisung. Und mittendrin: er selbst. Was als mediales Trash-Abenteuer beginnt, wird für Mäx schnell bitterer Ernst. Denn der einzige Häftling, der freiwillig mitmacht, ist Richard: brillant, manipulativ, lebensgefährlich. Und er hat seine ganz eigenen Pläne. Allmählich verschwimmen die Grenzen zwischen Unterhaltung und Albtraum. Die Show läuft – und plötzlich steht nicht nur die Quote auf dem Spiel, sondern Mäx’ eigenes Leben. Was als zynisches Medienspektakel beginnt, wird zu einem tödlichen Spiel, in dem Mäx’ Verstand bis aufs Äußerste strapaziert wird. Denn in einer Welt, in der alles nur eine Inszenierung ist, gibt es nur eine ungeschriebene Regel ... Bissig, düster, schwarzhumorig – ein Roman über Medien, Macht und den Moment, in dem eine Reality-Show außer Kontrolle gerät.
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Seitenzahl: 234
Veröffentlichungsjahr: 2026
Sascha Heeren
Impressum
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN: 978-3-95894-367-4 (Print)
© Copyright: Omnino Verlag, Berlin / 2026 Am Friedrichshain 22 / 10407 Berlin / [email protected] www.omnino-verlag.de
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„Hey, Mäx … wie geht’s dir?“ „Herr Mathey, können Sie mich hören? Versuchen Sie, zu nicken. Sie sind im Krankenhaus, aber alles ist in Ordnung. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.“ „Ich soll dich auch ganz lieb von den Kollegen grüßen, Mäx, hörst du?“
Knastbruder Richard ist vierunddreißig Jahre alt und kommt gebürtig aus einem sehr weit entfernten Landstrich. Der sarkastische Rädelsführer Richard, nur sein etwas jüngerer Bruder darf ihn Rick nennen, lebt in seiner eigenen, vierzehn Quadratmeter großen Zelle, in der die Übergänge zwischen Wohn- und Schlafbereich fließend verlaufen. Wo der sympathische Junggeselle auch auftaucht, gibt es immer einen Grund zum Lachen, deshalb hat der humorvolle Landstreicher mit dem spöttischen Nischenhumor nicht viele Freunde. Nach drei gescheiterten Mordversuchen, einer Tötung im Affekt und zahlreichen Körperverletzungen ist der aufgeschlossene Richard allerdings wieder allein. Im Anschluss an seine Haftstrafe kann er es sich sehr wohl wieder vorstellen, sein gewohntes Leben fortzuführen. Bis dahin wäre allerdings für seine gesellige und kontaktfreudige Natur auch eine rein platonisch-postalische Beziehung erwünscht.
Das schwache Sonnenlicht, das durch die Jalousien der Praxis von Dr. Wendt fiel, lag in schmalen Streifen auf dem Dielenboden und zeichnete ein Gitter aus Licht und Schatten. Es war die Art von Raum, in dem die Zeit stillstand, gefangen zwischen den schweren Teakholzregalen voller antiquarischer Bücher und dem leisen Klappern des Samowars in der Ecke. „Und? Wie ist es Ihnen sonst so ergangen? Wir haben uns eine Weile nicht mehr gesehen, oder?“ Dr. Wendt, ein Mann, der in Max’ Erinnerung immer einen Hauch von Kamillentee und altem Leder trug, goss die Tasse seines Gegenübers auf. „Möchten Sie noch Tee?“ „Ja danke“, murmelte Max und starrte in seine Tasse, als könnte er darin die Antworten auf seine unausgesprochenen Fragen finden. „Was ist passiert?“, fragte Wendt direkt, ohne Umschweife. Seine Stimme war ruhig und ohne Urteil. „Ein neuer Job.“ Max’ Antwort war kurz, und das war schon zu viel. In der kleinen Praxis kehrte eine bedrückende Ruhe ein, die nur vom lauter werdenden Schnauben des kochenden Samowars unterbrochen wurde. „Ein neuer Job? Haben Sie Ihr Arbeitsverhältnis beendet?“, fragte Wendt besorgt nach. „Nein, kein neuer Arbeitgeber. Nur ein neues Programm, das ich moderiere.“ Max grinste, ein Lächeln, das eher nach einem Witz über ihn selbst aussah. Er wusste, warum er nicht gekündigt hatte. Die Antwort war nicht einfach. Wendt registrierte den Ausdruck auf Max’ Gesicht, der so schnell wieder verblasste, wie er gekommen war. Max wünschte sich das beruhigende Schnauben des Samowars herbei, dieses monotone Geräusch, das alles übertönte. „Der Sender schickt mich aufs Land. Ich weiß nicht, wohin genau und was kommt, also kann ich nicht sagen, ob es gut wird.“ Er lächelte gezwungen, eine Berufskrankheit, der er nicht entkommen konnte. „Ländliche Gegenden haben ihren eigenen Reiz“, sagte der Doktor, während er Notizen machte. „Ich habe lange als Landarzt gearbeitet. Es war interessant.“ „Das ist genau das, was ich befürchte.“ Max’ Lachen war leer. Interessant – was sollte das schon heißen? „Und was genau ist das für ein Job? Können Sie das schon sagen?“ „Wir nennen das Format. Ist im Grunde nur ein billiger Fernsehabklatsch. Nichts Neues, nur anders verpackt und seltsam kombiniert.“ Freakshow, dachte Max. Wendt blickte auf. Er führte die Tasse zum Mund, seine Notizen lagen wie immer fest auf dem überschlagenen Bein. Emotionslos sagte er: „Sie mögen dieses Format nicht.“ „Das trifft es recht gut.“ Max lehnte sich zurück. „Das ganze Vorhaben ist Blödsinn, der sich aber profitabel verkaufen lässt“, was die kalte Kalkulation war, die man in diesem Business brauchte. „Ob wir damit auf Sendung gehen oder nicht, an der zunehmenden Verdummung und Verrohung unserer Mitmenschen ändert sich nichts“, was die zynische Erkenntnis war, die sich ihm ungewollt aufgedrängt hatte. „Und wenn man damit Geld verdienen kann, wäre ich der Letzte, der sich gegen seinen Chef wehrt.“ Doch am Ende gewann die pragmatische Entscheidung. „Verdummung und Verrohung“, wiederholte Wendt nachdenklich. „Was sollen Sie den dummen Mitmenschen zum Fraße vorwerfen?“
„Nur das, was sie auch verdienen und äußerst unbequem im Hals stecken bleibt.“ Max lachte. „Ich vermute, dass selbst so etwas auf Gefallen stoßen wird. Wir leben in seltsamen Zeiten. Es wird eine Mischung aus Knastreport und Verkupplungsshow. Das, was die Leute eben sehen wollen.“ „Die Realität?“ „Die Realität und noch viel mehr.“
Willi Brahms Büro strahlte gleißend hell, ein künstliches, steriles Weiß, das jede Oberfläche bis zum letzten Staubkorn ausleuchtete. Hinter der breiten Fensterfront, die eine unpersönliche Skyline preisgab, lag die Welt da draußen wie ein abstraktes Gemälde. Die moderne Einrichtung – glattpoliert, kühl und ohne persönliche Note – spiegelte die Seele des Mannes wider, der hinter einem ebenso minimalistischen Schreibtisch hektisch auf und ab patrouillierte. „Mäx, wir brauchen dringend etwas Neues!“, rief er und stoppte seine unruhige Patrouille. Die Luft in dem großen, leeren Raum vibrierte von seiner Energie. „Was genau?“, fragte Max beiläufig, seine gute Erziehung verbarg sein tiefes Desinteresse. „Ich bin fast fertig, aber es fehlt noch etwas.“ Brahm, der in der Radiobranche als der Mann galt, der aus Scheiße Gold machte, setzte sich in seinen luxuriösen Sessel. Er lehnte sich hinter seine ordentlich strukturierte Arbeitsplatte und nahm, noch bevor er ganz zur Ruhe kam, den Kugelschreiber zwischen die Lippen. „Knast, aber ohne diese miesepetrigen Weiber“, setzte er seine Gedanken fort. Der Kugelschreiber war bereits halb verschlungen. „Das hat damals schon keiner geglaubt“, sagte Max. „Aber es hat funktioniert“, rief sein Boss, während er leicht im Sessel wippte. „Fahren wir fort: ein ehrlicher Knast, eine ländliche Gegend.“ „Die Außenmauern sind ziemlich hoch. Ein idyllischer Panoramablick zwischen den Gitterstäben wird schwierig.“ Max dachte routiniert nach. Was für ein Schwachsinn! Seine gute
Erziehung war schon lange dahin, und von Interesse brauchte man hier erst gar nicht anzufangen. „Genau“, rief Brahm, nun sichtlich aufgeregt. „Was bei denen ankommt, ist der ländliche Duft der Freiheit. Frauen und Bäuerinnen! Die bringen wir rein. Passende Optik zum Geruch! Ledige, natürlich.“ Schwachsinn. Max spürte einen Anflug von Übelkeit. „Wie bitte? Ich verstehe nicht ganz.“ Er fragte sich, ob Arbeitsverweigerung ihn den Job kosten könnte. Sein Chef hätte ihn nie entlassen. Brahm war der Ideengeber, aber ohne Max’ Stimme wäre das alles nichts gewesen. Ein absurder Gedanke. Willi Brahm blickte Max direkt in die Augen, ein durchdringender Blick ohne Regung, der seine Gedanken verriet. Man konnte förmlich hören, wie sein Hauptrechner im Hintergrund ratterte. Plötzlich leuchtete eine neue Idee auf. „Handfeste Bäuerinnen, das ist gut“, sagte er. „Jetzt brauchen wir nur noch einen starken Titel.“ Er stand auf und ging den Pfad hinter seinem Sessel auf und ab. „Mäx, das wird dein Ding – der Empfang, die Realität, deine direkte Art. Das passt perfekt zusammen.“ Max konnte seinen verwirrten Gesichtsausdruck nicht verbergen. „Mir fehlt es noch ein wenig an Klarheit. Was wollen wir machen?“ Brahm verharrte und richtete seinen Blick nach draußen. „Handfeste Bäuerin findet dingfesten Bruder!“ „Findet was?“ „Na, findet Knastbruder! Das hat absolut nichts mit Suchen zu tun, wo sollen die armen Jungs auch hin? Wir haben einen Titel: Handfeste Bäuerin findet dingfesten Bruder. Genial!“ Max verspürte ein nervöses Zucken. Wie passend. „Wir haben einen Titel. Wofür genau?“
„Dies wird eine umfassende Sendereihe: Die ultimative Kuppelshow“, verkündete Brahm. „Live in der Morgensendung, den Nachmittagssendungen und Zusammenfassungen am Wochenende. Schluss mit dem Geräuscheraten, das haben alle Sender. Wir sind der Radiosender, der sich auf Singles mit speziellen Berufen konzentriert.“ Max konnte diesem Vorhaben nur wenig Positives abgewinnen, außer dass es Brahm glücklich machte. „Habe ich das richtig verstanden: Wir wollen allen Ernstes Bauerntöchter an schwere Jungs vermitteln?“ „Nein, Mäx, du zäumst das Pferd von der falschen Seite auf“, entgegnete Brahm. „Radio 1-1-0 ist die letzte Rettung für Singles mit Problemberufen und vermittelt schwere, nach Optik lechzende Jungs an griffige, bekannt duftende Kuhmädels.“ „Na, das ist natürlich etwas ganz anderes.“ Noch viel größerer Schwachsinn. „Ja, das ist in der Tat eine erfrischend neue Idee“, sagte er und lehnte sich in seinen Sessel mit einem breiten Grinsen, das Max als Zeichen krankhafter Selbstliebe erkannte. „Das ist bescheuert! Das weißt du“, sagte Max. „Ja, sicher“, erwiderte Brahm, „und genau deshalb wird es funktionieren.“
Das schwache Licht des späten Vormittags zeichnete immer noch Gitter aus Schatten auf den Boden der Praxis. Der Raum schien Max nun noch kleiner vorzukommen, als er mit nervöser Anspannung die Worte seines Chefs verarbeitete. „Er hat gesagt, dass wir etwas Neues brauchen.“ Er hielt kurz inne und blickte zum Samowar, der den Eindruck erweckte, ebenfalls auf eine Fortsetzung zu warten. „Dabei meinte er nichts Neues. ‚Bäuerin trifft Knastbruder‘ ist aus meiner Sicht nichts anderes als eine Variation des Altbekannten.“ „Ihr Chef?“, fragte Dr. Wendt, neugierig auf den Samowar blickend. „Ja, mein Chef setzt dem Ganzen die Krone auf.“ „‚Handfeste Bäuerin findet dingfesten Bruder‘“, sagte Wendt und lächelte sanft. „Das klingt für mich weniger nach einer Kuppelshow. Eher nach einem Format, das lang verschollene Geschwister wieder zusammenführt.“ „Selbst das gab es schon oft. Ein ‚Bruder‘ verleiht der Sendung zu viel Familienflair. Meiner Meinung nach sollte die Liebe im Mittelpunkt stehen oder zumindest grundlegende Triebe.“ Wendt kritzelte Notizen auf seinen Block und starrte dabei auf Max. „Und?“ „Mäx, es geht hier nicht um Liebe“, zitierte Max die Worte seines Chefs. „Damit verdienen wir kein Geld. Wir brauchen Elend. Niemand schaut oder hört sich Liebe an, weil sie neidisch macht. Aber Elend zeigt den Menschen, dass es anderen schlechter geht. Das zieht die Zuschauer an – in Farbe und/ oder angenehmem Ton.“ Max lächelte breit und selbstsicher, sein Gegenüber stimmte zu, genau wie der Samowar.
„Ihr Chef nennt Sie immer noch Mäx?“ „Ja, so wie alle anderen auch.“ Max’ Lächeln verblasste. Die Aussprache mit dem deutlich lesbaren, anprangernden Ä in der Mitte – es war nur ein heuchlerisches Mäx, sehr weit entfernt von der entspannten amerikanischen Art oder gar von Maximilian, seinem eigentlichen Namen. „Wollten Sie das nicht ändern?“ „Schon, aber ich habe es bisher nicht geschafft. Es ist schwer, Menschen zu neuen Gewohnheiten zu bringen.“ Max setzte sich aufrechter hin, seine Stimme war nun leiser. „Ich rauche wieder.“ Der Doktor notierte. „Herr Mathey, haben Sie nicht vor Kurzem aufgehört?“ „Vor fünf oder sechs Monaten. Scheint wie eine Ewigkeit.“ Wendt hielt die Hand an Max’ Tasse. „Noch etwas Tee?“ „Ja bitte.“ „Warum?“ Tee und Zucker standen bereit. Max sah in die Augen seines Arztes und lachte, ein kurzes, lautes Geräusch. „Ich weiß es nicht. Es war nicht die körperliche Sucht, sondern vielleicht das Gefühl der Bereicherung, das ich wieder wollte.“ „Warum Bereicherung?“ „Ich bin süchtig, weniger um die Sucht zu befriedigen, sondern um eine zu haben. Etwas Beständiges. Morgens ist sie schon da und kratzt, wie ein Haustier. Lässt man die Tür offen, ist sie weg.“ Er zögerte. „Ich bin wieder süchtig. Putziges, kleines Ding. Noch nicht ausgewachsen. Ich bin nicht stolz darauf, aber ich hoffe, bald wieder einen verlässlichen Partner zu haben. Es ging auch ohne und sogar gut, doch die Sucht lässt sich schwer verdrängen.“ „Das Verdrängte kommt immer ans Licht, nicht?“, flüsterte Wendt fast.
„Einmal Raucher, immer Raucher. Böse Zungen könnten behaupten, dass Exraucher nur verkappte Raucher sind und es auch immer bleiben. Aber wer würde so etwas schon wagen?“ Max empfand dies als einen guten und treffenden Zynismus. Sein Arzt würdigte es mit einem dezenten Lächeln, das einen Hauch von verstehendem Lausbubencharme enthielt. Er notierte nur wenige Worte. Die Sitzung war zu Ende.
Der Anreisetag. 22. November, 11:05 Uhr. Max schloss die Praxistür vorsichtig hinter sich. Das leise Klicken des Schlosses überraschte ihn auch dieses Mal. Der Himmel über Hamburg war bleiern, und der scharfe Novemberwind trug die Feuchtigkeit der tief hängenden, grauen Wolken mit sich. Auf dem engen, überfüllten Parkplatz präsentierte der nasse Asphalt den letzten, noch nicht lang zurückliegenden Regenschauer. Max bewegte sich wie ein Schatten. Mit hochgeklapptem Mantelkragen, der sein unordentliches, dunkelblondes Haar kontrollierte und ihn vor dem beißenden Wind schützte, und einer Zigarette im Mund, die seine Nervosität verriet, wich er den Hindernissen aus. Seine Augen, ein kühles Grau, wirkten abwesend und glasig, als er den Rauch in den kalten, feuchten Nebel blies, der seinen Atem begleitete. Er wollte nicht auffallen, die Welt sollte ihn übersehen, ein Geist zwischen den geparkten Metallhüllen. Am Ende des Parkplatzes wartete Paul, Anfang zwanzig, mit einem ungestümen, jungenhaften Gesicht und kurzen, hellblonden Haaren, die nachlässig zur Seite frisiert waren. Pünktlich wie befohlen. Doch sein schräg geparkter Wagen, ein unverkennbarer Ausdruck jugendlicher Arroganz, verriet die Ordnungswidrigkeit. Max spürte ein Gefühl der Resignation. Er war aus der Enge der Praxis entkommen, nur um in eine neue Art von Enge zu taumeln, die jetzt auf ihn wartete. „Du rauchst wieder“, schallte es aus einer Parkbucht. Max verlor kurz den Überblick im dichten Verkehr. „Ich grüße dich auch! Der Spaß kostet mindestens fünfzehn Euro.“
„Geht aufs Haus.“ „Haben wir alles?“ „Ja, ich bin dabei. Das reicht.“ Paul zündete sich ebenfalls eine Zigarette an. „Freu dich nicht zu früh“, sagte Max und schnippte seinen Stummel in den Berufsverkehr. „Darf ich die noch aufrauchen? Zum Glück hat keine Politesse deinen Umweltverstoß gesehen.“ Paul grinste. „Vergiss nicht, es war schon immer verboten, Kippen in der Gegend zu verteilen.“ Max öffnete die hintere Tür des Kombis. „Rauch zu Ende. Wir müssen los“, antwortete Max, das Lächeln gezwungen, dann eingefroren. Und weg. „Wer ist das?“, fragte er und sah die Gestalt auf dem Beifahrersitz regungslos an. „Samner“, antwortete der Fremde selbst und stieg aus. Max’ Augen weiteten sich. Das Gesicht kam ihm nicht nur bekannt vor. Manches fragt man ohne Grund. „Das ist der Polizist, der dich vermutlich bei deinem fragwürdigen Handeln beobachtet hat“, sagte Paul. „Während du das mit ihm klärst, warte ich hier. Und rauche.“ Samner trat näher. Seine Stimme war rauchig und klar. „Herr Mathey, ich möchte darauf hinweisen, dass Ihre Handlungen eine Umweltverschmutzung und eine Gefährdung darstellen. Eines der Fahrzeuge hätte getroffen werden können, mit schwerwiegenden Folgen. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können.“ „Kennen wir uns?“ „Herr Mathey, natürlich. Wir haben uns mal gesehen. Erinnern Sie sich?“ Samner trat noch näher. „Haben Sie Feuer?“ Max gab ihm Feuer und zündete sich eine neue Zigarette an. Samner zog erstaunlich lange an seiner eigenen, bis direkt
an den Filter, bevor er die Überreste auf den Boden fallen ließ. „Aber deswegen bin ich nicht hier.“ Max warf seinen Coffee-to-go-Becher, der zuvor seine Jackentasche ausgebeult hatte, achtlos auf Samners Zigarette. „Entledigung von Altlasten. Das Übliche eben.“ „Er kommt mit!“, rief Paul aus dem Auto vom Rücksitz aus. Max’ Blick fuhr von Paul zu Samner. „Er kommt mit?“ „Von ganz oben abgesegnet“, ergänzte Paul begeistert. Max schlug die Autotür mit solcher Wucht zu, dass das Fahrzeug bebte. Er sah das Adrenalin vor seinen Augen tanzen. „Und Sie kommen mit?“ „Ich freue mich, dass Sie sich erinnern, Herr Mathey“, sagte Samner. „Das erspart uns die Höflichkeitsfloskeln.“ „Ich hatte gehofft, dass irgendwer, vielleicht ein fähiger Beamter, unseren Schwachsinn blockieren würde. Das Gegenteil ist der Fall. Scheinbar verdienen wir alle dieses Format. Wenn Sie wegen ihm hier sind, muss ich Sie enttäuschen. Sie kennen ihn wohl besser als ich.“ Max warf seine Zigarette direkt neben das Fahrzeug. Samner schob seine Jacke beiseite und präsentierte eine Pistole im Holster. „Ich bin nur der Aufpasser, nicht der Bewerter. Es ist vorteilhaft, dass ich dieses Mal das Geschehen aus der ersten Reihe beobachten kann. Das ist ein Fortschritt im Vergleich zum letzten Mal.“ War das sein Ernst? Max öffnete die hintere Tür und beugte sich zu Paul hinein, der vor Schreck und mit offenem Mund die Wut im Gesicht seines Chefs bestaunte. „Wer sind die Gefangenen, die an diesem Blödsinn beteiligt sind?“, fragte Max ohne Rücksicht. Pauls Stimme war dünn, kaum zu verstehen, als er eine Mappe aus dem Kofferraum hinter sich wühlte. Max riss sie ihm aus der Hand, überflog die Blätter und fand
sofort, was er nicht hatte finden wollen: Ihn. „Das ist nicht euer Ernst!“, rief Max und schlug die Tür zu. Paul blieb allein im Wageninneren zurück. „Er ist der einzige Freiwillige“, erklärte der Polizist ruhig. „Die anderen werden wir befehlen oder locken.“ „Aber warum er? Sie kennen ihn. Das kann nicht wahr sein! Wenn ihn einer kennt, dann doch Sie!“ Max überflog noch einmal die Unterlagen: Knastbruder Richard ist vierunddreißig Jahre alt … Der sarkastische Rädelsführer Richard … Max öffnete die Tür erneut. „Was ist das?“ Paul schluckte. „Das ist für die Damen. Der Chef hat es genehmigt. Soll locker und freundlich wirken. Wir haben erst einen, aber die anderen Häftlinge kommen bestimmt auch noch.“ Die Tür flog wieder zu. „Also, wenn uns dieser eine nicht reicht, dann weiß ich auch nicht“, rief Max. „Ja, das wird schon – wie beim letzten Mal.“ Max zerrte an seinem Hemdkragen, öffnete zwei Knöpfe und präsentierte mit glasigen Augen eine breite und tief eingerissene Narbe, die sich vom Schlüsselbein bis zur gegenüberliegenden Brustwarze erstreckte. „Und in Anbetracht der ursprünglichen Ausmaße sieht das doch wieder recht passabel aus, Herr Mathey.“ Die Knarre sieht passabel aus, dachte Max. Er zwang sich, das Hemd und den Gesichtsausdruck wieder zurechtzurücken. „Wir müssen.“
Max fuhr aufs Land hinaus. Mit jedem Kilometer wurde der Traum seines Chefs von einer ländlichen Idylle sichtbarer. Doch die Idylle hatte eine düstere Note. Die Luft war erfüllt von einer beißenden, novembergrauen Kälte, und regengeschwängerte Wolken pressten den Himmel zu einer trägen Decke herab. Erst als er die imposante, monströse Struktur der Vollzugsanstalt im kargen Flachland erblickte, die wie eine unheilvolle Festung aus dem Nebel ragte, erschloss sich ihm das Gesamtbild. Trotz seiner inneren Abwehr drängten sich ihm die inzestuösen Ähnlichkeiten zwischen Gefängnis und Bauernhof auf. Er wusste, er würde hier auf Vertrautes stoßen, was ihn zu einem Teil des Ganzen machte. Die holprige Schotterstraße zwang ihn, das Fahrzeug weit vor der Anstalt abzustellen. Der großflächige Parkplatz war verlassen, wirkte ramponiert und tot. Über allem lag eine gespenstische Stille, die nur vom Knirschen der Reifen unterbrochen wurde. Max spürte den kalten Hauch, der sich von den massiven Mauern ausbreitete und sich in die vermeintliche Wärme des Kombis drückte. „Warum hältst du hier, Mäx? Wollen wir uns Blasen laufen?“, protestierte Paul von der Rückbank, seine Stimme unpassend heiter in der drückenden Stille. „Bleib ruhig. Hast du mehr Zeit zum Qualmen.“ Max betrachtete die gespenstisch leere Freifläche zwischen dem Auto und dem Eingang. „Zeit für eine ganze Schachtel, oder?“, kommentierte Samner. Die Strecke reichte nicht einmal für eine Zigarette, bevor sich die Eingangstür öffnete. Ein Mann mit einem breiten
Lächeln kam auf sie zu. „Ich gehe recht in der Annahme, dass Sie Mäx von der Morning-Show sind? Toll! Wir hören hier alle regelmäßig Radio.“ Max konnte kaum auf die rasante Begrüßung reagieren, bevor der imposante Mann ihm übertrieben die Hand schüttelte. „Und Sie sind …?“ „Das ist Herr Voss“, informierte Paul von der Seite. „Der Leiter der Vollzugsanstalt.“ „Peter Voss, aber nennen Sie mich Peter. Ich hatte Sie mir älter vorgestellt.“ „Passiert häufiger. Das ist der Radio-Effekt.“ Peter legte eine Hand auf Max’ Schulter, Paul tat dasselbe. Gänsehaut machte sich breit. „Meinen Assistenten kennen Sie bereits, und Herrn Samner muss ich Ihnen wohl nicht vorstellen.“ „Ihr Assistent hat alles sehr gut und fachgerecht vorbereitet“, lobte Peter mit heiterer Stimme. „Es ist erfreulich, dass alles reibungslos funktioniert hat.“ „Loben Sie ihn bitte nicht zu früh, Peter“, bemerkte Max nüchtern. „Wir haben noch nicht begonnen.“ Peter wurde einen Moment ernster, ohne sein heiteres Auftreten zu verlieren. „Anfangs dachte ich, Ihr Besuch wäre privater Natur, jedoch …“ „Das muss ich verneinen“, sagte Max, sein Blick wanderte über Pauls fragendes Gesicht. Paul war zu jung, um es zu wissen. „Ich bin aus beruflichen Gründen hier, was wahrscheinlich auch besser ist.“ Peter öffnete die Glastür. „Folgen Sie mir bitte ins Gebäude. Ich zeige Ihnen die relevanten Bereiche, dann können wir beginnen. Haben Sie Einwände?“ „Das klingt nach einem Plan. Ich schlage vor, dass Herr Samner und mein Assistent vorausgehen. Wenn Sie dann noch
kurz ein paar Sekunden Zeit für mich hätten, wäre das sehr freundlich.“ Max positionierte sich so, dass Paul und Samner problemlos ins Gebäude gehen konnten. Peter schob Max näher an seine Seite und instruierte die anderen. „Gehen Sie geradeaus durch, dort ist ein Empfangsschalter. Klingeln Sie, die Herren sind informiert. Bis später.“ Peter zeigte auf einen Aschenbecher neben dem Eingang. „Schlechtes Wetter, oder? Gehen wir hierhin.“ „Der Raucherbereich“, stellte Max neutral fest. „Er soll abschreckend wirken.“ Peter bot Max eine Zigarette an. „Kennen Sie die gelben Raucherzonen an Bahnhöfen?“ „Gelbe Raucherzonen haben sich nicht durchgesetzt. Eine Linie am Boden hindert niemanden am Rauchen, genauso wenig wie Pissbereiche im Swimmingpool funktionieren.“ Max bekam Feuer. „Ja, das könnte zutreffen. Ich nehme an, Sie möchten nicht über den Konflikt zwischen Rauchern und Nichtrauchern sprechen. Auch nicht über Badeanstalten.“ Peters Grinsen verschwand langsam. „Sie wissen, was Sie hier tun?“, fragte Max, seine Stimme neutral. „Worauf beziehen Sie sich genau?“ Peter lächelte wieder. „Handelt es sich bereits um eines dieser Interviews? Die dann auch ausgestrahlt werden, für die Sendung?“ „Nein, das hier ist kein Interview.“ Max’ Tonfall wurde scharf, er hoffte, das Lächeln zu entfernen. Es gelang ihm nicht. „Ach, wirklich nicht. Nun gut, wir führen also ein rein privates Gespräch?“ Peters Lächeln verschwand endlich. Max’ Anspannung ließ nach.
„Warum machen Sie solch einen Scheiß mit?“, fragte Max, seine Stimme bebte. „Ich meine dieses armselige Gefangenen… Schauspiel!“ „Das fragen Sie mich? Müsste ich nicht eher fragen, was Sie hier machen?“ „Ich arbeite hier! Das ist mein Job!“ „Und was denken Sie, Mäx, was ich hier mache? Ich bin ebenfalls bei meiner Arbeit. Die Form haben Sie oder Ihr Sender vorgegeben“, konterte Peter. „Es geht mir einzig und allein um Ihren Freiwilligen. Den kann man doch nicht auf andere Menschen loslassen. Allein die Vorstellung sollte strafbar sein.“ „Es ist verständlich, dass Sie auf Richard anspielen. Ich möchte, dass Sie die Situation hier professionell betrachten.“ „Das kann ich nur, solange keine Menschen gefährdet werden. Haben Sie ihn unter Kontrolle?“ „Ich habe Richard so weit unter Kontrolle, wie es möglich ist.“ „Und Sie glauben, das reicht aus? Um jemanden in seine Nähe zu lassen?“ „Sie müssen mir vertrauen. Richard hat sich geändert, zumindest für seine Verhältnisse. Er spielt eine wichtige Rolle, Mäx! Die Jungs wegzuschließen, ist nicht genug. Es geht darum, wie wir nach außen wirken. Wir sind durch hohe Mauern abgekapselt, aber sie sind immer noch Menschen.“ Peter nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette. „Ihre Aktion, diese Radiosendung, schafft Transparenz. Menschen mögen keine Dinge, die sie nicht sehen oder verstehen können.“ „Ich sage Ihnen, welche Rolle Ihr Freiwilliger spielen wird: Er wird Sie und alles hier ins Verderben stürzen.“
„Das denken Sie, aber ich bin zuversichtlicher. Gerade weil er ein solches Kaliber ist, werden ihn die Leute in ihr Herz schließen. Und wenn uns das gelingt, wird es ein Leichtes sein, auch minderschwere Verbrecher zu integrieren. Warten Sie es ab.“ „Ich mache meinen Job und werde dafür bezahlt. Aber glauben Sie mir: Dieser Mann ist nicht zu kontrollieren – weder von Ihnen noch von dieser Anstalt!“ Max wusste, dass auch dieser Vorstoß gescheitert war. Schon beim Anblick der vielen Zigarettenstummel im Aschenbecher musste er sich eingestehen, dass er sich diese Situation selbst eingebrockt hatte. Er hätte von Anfang an ablehnen sollen. Gar nicht hier sein. Doch egal, wie er versuchte, die Situation gedanklich zu ändern, das Ergebnis war stets dasselbe: Tod, Zerstörung und andere negative Auswirkungen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als zu hoffen. Doch am Ende bleibt auch der Hoffnung kein anderes Ende erspart. Alles nur eine Frage der Zeit.
Bäuerin Claudia ist fünfundzwanzig Jahre alt und kommt aus dem angrenzenden Umland. Die quirlige Jungbäuerin Claudi, wie Freunde sie nennen, sorgt gemeinsam mit ihrem Vater für rund neunzig Kühe und vierzig Kälber und tut alles dafür, damit sich ihre Tiere wohlfühlen. Das große Hobby von Claudia sind Tierschauen, an denen sie auch selbst teilnimmt. Als unternehmungslustiger, fröhlicher und naturverbundener Typ sehnt sich Claudia nach einem jungen Mann, der mit ihr das Leben in vollen Zügen genießt – und der sie nimmt, wie sie ist: Natur pur. Wirst du von Bäuerin Claudi gefunden?
Zuvor im Auto. Nachdem Max die Autotür zugeschlagen hatte, spürte er einen Adrenalinschub, der jedoch schnell einem Gefühl der Beklemmung wich. Die eisige Novemberkälte drang durch die Ritzen, und der nasse Wind zerrte an den Scheiben, als würden draußen unsichtbare Hände versuchen, ins Innere zu gelangen. Max blickte nach rechts. Auf dem Beifahrersitz richtete sich Samner ein, sein Gesicht eine unbewegliche Maske aus Skepsis und belustigter Neugier. Er schien das absurde Spektakel mit einer stoischen Ruhe zu beobachten. Hinten saß Paul, ein breites, ungestümes Grinsen auf dem Gesicht, die jugendliche Begeisterung fast unerträglich. Für ihn war dies ein aufregendes Abenteuer, ein neues Format, ein potenzieller Quotenerfolg. Max spürte, wie die Anspannung zwischen den Dreien den Innenraum füllte. Er startete den Motor, dessen Geräusch die Stille zerschnitt. Während er auf die Straße fuhr, dachte er nur daran, wie gefährlich und schwachsinnig diese ganze Idee war. Schnell hatten sie die Stadt verlassen. Die graue, triste Landschaft, die an den Scheiben vorbeizog, spiegelte seine eigene innere Leere wider. Sie alle fuhren in eine Absurdität, aus der es kein Entrinnen gab. „Paul, wie haben wir uns das Ganze vorgestellt? Bekomm’ ich freundlicherweise eine Einweisung?“, fragte Max beiläufig und umklammerte das Lenkrad. Bei 190 km/h auf der leeren Autobahn gab ihm die Geschwindigkeit ein Gefühl von Freiheit. „Der Chef will, dass wir es wie immer machen – nur besser.“ „Okay, was genau verbessern wir?“
„Wir nehmen das Übliche auf: Interviews, erste Begegnungen und unsere Kennenlernfeier“, erklärte Paul. „Dafür nutzen wir diesen Camcorder.“ Er zog einen silbernen Winzling aus seiner Tasche und schwenkte ihn. „Für den Live-Stream und den Web-Reporter. Der Chef wollte etwas Neues. Richtig schön retro.“ Paul öffnete den Camcorder und filmte das Innenleben des Kombis. „Wem das pure Anhören unseres Gruselkabinetts nicht genügt, der bekommt den passenden Rest veranschaulicht.“ „So habe ich mir das ungefähr vorgestellt. Abgesehen davon, die Leute wollen ihren Moderator auch mal in echt sehen, Mäx.“ „Das Internet ist keine neue Erfindung, das weißt du, oder?“, sagte Max und lachte, diesmal weniger gezwungen. Es stellte sich Routine ein, wie immer. „Ist mir klar, ich bin ja nicht von gestern! Aber meine Idee gefiel dem Chef. Da staunst du, was?“ Paul grinste, filmte die immer ländlicher werdende Landschaft. „Die Profile sind online. Der Zuhörer kann die Gefangenen und die Waldschönheiten sehen und selbst verkuppeln.“ „Und das bedeutet?“ „Der Zuhörer legt die Paare fest. Man kann sich sein eigenes Elend zusammenstellen. Das Elend nach seinem Geschmack – wie bei einem guten Pizzaservice! Das macht den Unterschied. Bei den üblichen Formaten musst du als Zuschauer alles nehmen, wie es ist. Gesteigertes Elend hilft immer.“ „Da sich nicht alles ins Unendliche steigern lässt …“, begann Max. „Soll nun der Zuhörer seinen Cocktail selbst mixen“, ergänzte Paul mit einem unterdrückten Lächeln, als er durch seine Akten blätterte.
„Ist das nicht ein bisschen …?“ „Kann sein.“ „Wir haben nur einen Freiwilligen. Es gibt keine Auswahl.“ „Das ist uns bewusst. Wir haben vorübergehend Alibikandidaten aufgeführt, die später ersetzt werden.“ „Bescheißt ihr also die Teilnehmer und das Publikum?“ „Ja, das tun wir. Wir können das Ganze später anpassen und die Freiwilligen umbenennen. Das wird die Sendung abrunden.“ „Und übrigens möchte das Publikum getäuscht werden“, sagte Max. Obwohl ihn die Situation beunruhigte, fühlte er sich in seinem Element. Routine. Aber hier war er zu tief involviert, um unbeschadet aus der Sache herauszukommen. Auch das wurde ihm jetzt klar, ein ganz neues Gefühl. Er war bereits zu lange Teil dieser Show. Mäx war die Show. Paul sah auf und Max bemerkte Samner, der sich auf dem Beifahrersitz bewegte. Er stellte sich vor, wie diese Unterhaltung für einen Außenstehenden klang. Samner war vermutlich froh, eine Waffe dabei zu haben. „Meine Herren, Ihr Job ist beeindruckend anspruchsvoll, mein Respekt dafür“, sagte der polizeiliche Helfer. Er schüttelte leicht den Kopf und schloss wieder die Augen.
