Mehr Zeit - Jake Knapp - E-Book + Hörbuch

Mehr Zeit Hörbuch

Jake Knapp

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Beschreibung

Sie haben genug von vollgestopften Terminkalendern, übertriebener Geschäftigkeit und ständiger Ablenkung? Sie wollen wieder die Kontrolle über Ihre Zeit und Aufmerksamkeit – dann halten Sie das richtige Buch in Ihren Händen! Die Google-Venture-Entwickler und Autoren des Bestsellers Sprint, Jake Knapp und John Zeratsky, liefern hierzu ein narrensicheres 4-Stufen-System, mit dem sich Zeit gewinnen lässt. Keine Sorge – die Autoren fordern weder, dass man das Smartphone aus dem Fenster wirft oder verteufeln Social Media, noch wird verlangt, dass man seinen Lifestyle komplett umkrempelt. Stattdessen demonstrieren sie, wie man optimal auf die Anforderungen der modernen Welt reagiert und bereits mit kleinen Veränderungen in seiner Umgebung und im Alltag die Konzentrationsfähigkeit steigert, seine Energie optimal einsetzt und so Mehr Zeit für das gewinnt, worauf es wirklich ankommt.

Das Hörbuch können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

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Zeit:6 Std. 57 min

Sprecher:Sebastian Pappenberger

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MEHRZEIT

Jake Knapp | John Zeratsky

MEHRZEIT

Wie man sich auf das Wichtigste konzentriert

Übersetzung aus dem Englischenvon Almuth Braun

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

3. Auflage 2023

© 2018 by Redline Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

© der Originalausgabe 2018 by Jake Knapp and John Zeratsky.Die englische Originalausgabe erscheint 2018 bei Currency, einem Imprint der Crown Publishing Group, einer Abteilung der Penguin Random House LLC, New York, unter dem Titel Make Time.

Dieses Buch beinhaltet unter anderem die Gedanken des Autors zu den Themen Ernährung und Sport. Sie dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bevor Sie eine Diät beginnen oder sich sportlich betätigen, sollten Sie zunächst Ihren Arzt konsultieren.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Übersetzung: Almuth Braun,

Redaktion: Christiane Otto, München

Umschlaggestaltung: Laura Osswald, München

Umschlagabbildung: shutterstock.com/89studio, shutterstock.com/Vector farther, shutterstock.com/Evgeniya Alekseeva

Satz: ZeroSoft, Timisoara

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN Print 978-3-86881-731-7

ISBN E-Book (PDF) 978-3-96267-073-3

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96267-074-0

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.redline-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Imprints unter www.m-vg.de

Inhalt

EINFÜHRUNG

Die meiste Zeit verbringen wir auf vorprogrammierte Weise

Wir sind die Zeitfanatiker

Hintergrundstory Teil 1: Das ablenkungsfreie iPhone

Hintergrundstory Teil 2: Unsere fanatische Suche nach mehr Zeit

Vier Lektionen aus dem Design-Sprint-Labor

WIE DAS MAKE-TIME-SYSTEM FUNKTIONIERT

Das Make-Time-System besteht lediglich aus vier Schritten, die täglich wiederholt werden

Highlight: Beginnen Sie jeden Tag mit der Bestimmung eines Fokuspunkts

Laserstrahlmodus: Blenden Sie Ablenkungen aus, um Zeit für Ihr Highlight zu gewinnen

Energie tanken: Nutzen Sie Ihren Körper, um Ihr Gehirn wieder aufzuladen

Rückblickende Betrachtung: Wie Sie Ihr System nachjustieren und verbessern

Die Make-Time-Taktiken: Auswählen, ausprobieren, wiederholen

Es muss nicht perfekt sein

Die »Jeden Tag«-Methode

HIGHLIGHT

Die verpassten Monate

Welches wird das Highlight Ihres heutigen Tages sein?

Drei Methoden, mit denen Sie Ihr Highlight auswählen

Vertrauen Sie bei der Auswahl Ihres Highlights auf Ihren Instinkt

Highlight Taktiken

WÄHLEN SIE IHR HIGHLIGHT AUS

1. Schreiben Sie es auf

2. Und täglich grüßt das Murmeltier (oder »Wiederholen Sie das Highlight von gestern«)

3. Erstellen Sie eine Rangliste Ihrer Prioritäten

4. Bündeln Sie Kleinkram

5. Die Vielleicht-Liste

6. Die Burner-Liste

7. Führen Sie einen persönlichen Sprint durch

NEHMEN SIE SICH ZEIT FÜR IHR HIGHLIGHT

8. Planen Sie Ihr Highlight zeitlich ein

9. Blockieren Sie Zeit in Ihrem Terminkalender

10. Komprimieren und schieben Sie Ihre Termine

11. Sagen Sie im Notfall kurzfristig ab

12. Sagen Sie einfach Nein

13. Strukturieren Sie Ihren Tag

14. Werden Sie ein Morgenmensch

15. Spätabends ist eine gute Zeit für Ihr Highlight

16. Setzen Sie sich ein Limit und gehen Sie nach Hause

LASERSTRAHLMODUS

Verliebt in die E-Mail

Die Neuausrichtung von YouTube

Warum Infinity Pools so unwiderstehlich sind

Warten Sie nicht darauf, dass die Technologie Ihnen Ihre Zeit zurückgibt

Errichten Sie Ablenkungsbarrieren

Laser Taktiken

SIE BESTIMMEN ÜBER IHR SMARTPHONE

17. Probieren Sie das ablenkungsfreie Smartphone aus

18. Loggen Sie sich aus

19. Deaktivieren Sie die Benachrichtigungsfunktion

20. Bereinigen Sie Ihren Homescreen

21. Tragen Sie eine Armbanduhr

22. Lassen Sie Ihre technischen Geräte im Büro

HALTEN SIE SICH VON INFINITY POOLS FERN

23. Melden Sie sich morgens nicht an

24. Blockieren Sie Ablenkungskryptonit

25. Ignorieren Sie die Nachrichten

26. Legen Sie Ihr Spielzeug weg

27. Verzichten Sie im Flugzeug auf WLAN

28. Verwenden Sie eine Zeitschaltuhr für das Internet

29. Deaktivieren Sie das Internet

30. Vorsicht vor Zeitkratern

31. Tauschen Sie vermeintliche gegen echte Gewinne ein

32. Verwandeln Sie Ablenkung in nützliche Tools

33. Werden Sie zu einem Gelegenheitsfan

BREMSEN SIE DEN E-MAIL-VERKEHR

34. Beantworten Sie E-Mails am Ende des Tages

35. Planen Sie E-Mail-Zeit ein

36. Leeren Sie einmal pro Woche Ihren Posteingang

37. Behandeln Sie elektronische Nachrichten wie Briefe

38. Lassen Sie sich Zeit mit der Beantwortung

39. Dimmen Sie Erwartungen

40. Richten Sie ein E-Mail-Konto nur zum Versand ein

41. Nehmen Sie sich eine Auszeit

42. Sperren Sie sich selbst aus

MACHEN SIE FERNSEHEN ZU EINER »BESONDEREN GELEGENHEIT«

43. Verzichten Sie auf Nachrichtensendungen

44. Verbannen Sie Ihren Fernseher in die Ecke

45. Tauschen Sie Ihren Fernseher gegen einen Projektor aus

46. Sehen Sie selektiv fern und nicht alles, was geboten wird

47. Machen Sie das, was Sie lieben, zu etwas Besonderem

FINDEN SIE IN DEN FLOW-ZUSTAND

48. Schließen Sie die Tür

49. Setzen Sie sich selber eine Frist

50. Zerlegen Sie Ihr Highlight

51. Erstellen Sie Ihren eigenen »Laser-Soundtrack«

52. Machen Sie die Zeit sichtbar

53. Widerstehen Sie der Versuchung ausgefallener Tools

54. Beginnen Sie auf Papier

BLEIBEN SIE IM FLOW

55. Notieren Sie ablenkende Fragen für später

56. Achten Sie bewusst auf einen Atemzug

57. Seien Sie gelangweilt

58. Innere Blockade? Geben Sie nicht auf

59. Nehmen Sie sich einen freien Tag

60. Engagieren Sie sich mit Leidenschaft

ENERGIE TANKEN

Sie sind nicht nur Intellekt

Sie wachen vom Brüllen eines Säbelzahntigers auf

Der moderne Lebensstil ist rein zufällig entstanden

Verhalten Sie sich wie ein Höhlenmensch, um Energie zu tanken

Energie Tanken Taktiken

BLEIBEN SIE IN BEWEGUNG

61. Machen Sie täglich Sport (ohne es zu übertreiben)

62. Gehen Sie zu Fuß

63. Fordern Sie sich

64. Schieben Sie ein superkurzes Work-out ein

ESSEN SIE RICHTIGE NAHRUNG

65. Ernähren Sie sich wie ein Jäger und Sammler

66. Legen Sie sich viel Grün auf den Teller

67. Essen Sie nur, wenn Sie Hunger haben

68. Haben Sie immer einen gesunden Snack dabei

69. Essen Sie dunkle Schokolade, wenn Sie etwas Süßes wollen

OPTIMIEREN SIE IHREN KOFFEINPEGEL

70. Wachen Sie erst einmal auf, bevor Sie Koffein zu sich nehmen

71. Trinken Sie Kaffee, bevor Sie schlappmachen

72. Machen Sie einen Koffein-Nap

73. Halten Sie sich mit grünem Tee fit

74. Pushen Sie Ihren Energiepegel für Ihr Highlight

75. Lernen Sie, wann Sie Ihren letzten Kaffee trinken sollten

76. Trennen Sie Koffein und Zucker

KLINKEN SIE SICH AUS

77. Genießen Sie die freie Natur

78. Versuchen Sie zu meditieren

79. Lassen Sie Ihre Kopfhörer zu Hause

80. Gönnen Sie sich echte Pausen

PERSÖNLICHE, UNGETEILTE AUFMERKSAMKEIT

81. Verbringen Sie Zeit mit Ihrer Sippe

82. Bildschirmfreie Mahlzeiten

SCHLAFEN SIE IN EINER HÖHLE

83. Benutzen Sie Ihr Schlafzimmer zum Schlafen

84. Simulieren Sie den Sonnenuntergang

85. Machen Sie einen kurzen Power-Nap

86. Verpassen Sie sich selber keinen Jetlag

87. Setzen Sie sich selbst zuerst die Sauerstoffmaske auf

RÜCKBLICKENDE BETRACHTUNG

Machen Sie sich Notizen, um Ihre Ergebnisse zu verfolgen (und schonungslos ehrlich zu sein)

Selbst kleine Veränderungen haben eine große Wirkung

BEGINNEN SIE »IRGENDWANN « HEUTE

KURZANLEITUNG ZUR ZEITGEWINNUNG

MUSTERTERMINKALENDER

LEKTÜREEMPFEHLUNGEN FÜR ZEITFANATIKER

TEILEN SIE IHRE TAKTIKEN, FINDEN SIE RESSOURCEN, UND KONTAKTIEREN SIE UNS

DANKSAGUNG

BILDNACHWEISE

MUSTERBLATT FÜR MAKE-TIME-NOTIZEN

TESTLESER DIESES BUCHES

Einführung

So reden die Menschen heute:

Und so sieht unser Terminkalender aus:

Den ganzen Tag klingelt das Telefon:

Und abends sind wir sogar fast zu müde für Netflix:

Blicken Sie jemals auf den Tag zurück und fragen sich: »Was habe ich heute eigentlich gemacht?« Stellen Sie sich in Ihren Tagträumen je Projekte und Aktivitäten vor, die Sie eines Tages machen werden – aber irgendwie kommt »eines Tages« nie?

Dieses Buch handelt davon, wie man das hektische moderne Leben entschleunigt; es geht darum, wie man Zeit für die Dinge gewinnt, die wirklich wichtig sind. Wir glauben, dass es möglich ist, sich weniger gestresst zu fühlen, sich weniger ablenken zu lassen und den Augenblick mehr zu genießen. Das klingt vielleicht ein wenig esoterisch und abgehoben, aber wir meinen es ernst.

Mehr Zeit hat nichts mit Produktivität zu tun. Es geht nicht darum, mehr zu erledigen, die To-do-Liste schneller abzuarbeiten oder Ihr Leben outzusourcen. Vielmehr ist es ein System, das Ihnen dabei helfen will, mehr Zeit Ihres Tages für die Dinge zu gewinnen, die Ihnen wichtig sind – ob es darum geht, mehr Zeit mit Ihrer Familie zu verbringen, eine Sprache zu lernen, einen Nebenerwerb aufzubauen, sich ehrenamtlich zu engagieren, einen Roman zu schreiben oder das Videospiel Mario Kart zu beherrschen. Wofür Sie die gewonnene Zeit auch immer verwenden wollen, wir glauben, dass Mehr Zeit Ihnen dabei helfen kann. Augenblick für Augenblick und Tag für Tag können Sie die Kontrolle über Ihr Leben behalten beziehungsweise zurückgewinnen.

Zunächst wollen wir aber darüber sprechen, warum unser Leben heute so stressig und chaotisch ist. Und warum es wahrscheinlich nicht Ihre Schuld ist, wenn Sie sich ständig gestresst und abgelenkt fühlen.

Im 21. Jahrhundert konkurrieren zwei mächtige Kräfte um jede Minute Ihrer Zeit. Die erste bezeichnen wir als »Busy Bandwagon«; das ist die Kultur der ständigen Geschäftigkeit, der überquellenden Postfächer, überfüllten Terminkalender und endlosen To-do-Listen. Die Mentalität hinter dem Busy Bandwagen lautet, dass Sie jede Minute Ihres Lebens produktiv sein müssen, wenn Sie die Anforderungen eines modernen Arbeitsplatzes erfüllen und in einer modernen Gesellschaft funktionieren wollen. Sobald Sie nachlassen, fallen Sie zurück, und das können Sie nie mehr aufholen.

Und dann ist da noch der »Infinity Pool«. Infinity Pools sind Apps und andere Quellen, deren Inhalte sich ständig erneuern. Wenn Sie sie mit einer Wischbewegung aktualisieren können, ist es ein Infinity Pool. Wenn Sie sie streamen können, ist es ein Infinity Pool. Diese Endlosschleife an rund um die Uhr verfügbarer und aktualisierbarer Unterhaltung ist die »Belohnung« für die Erschöpfung, die unsere unentwegte Geschäftigkeit auslöst.

Ist unentwegte Geschäftigkeit aber tatsächlich nötig? Ist endlose Ablenkung wirklich eine Belohnung? Oder haben wir alle auf Autopilot geschaltet?

Die meiste Zeit verbringen wir auf vorprogrammierte Weise

Beide Kräfte – der Busy Bandwagon und die Infinity Pools – sind so mächtig, weil sie zu unserer Standardeinstellung geworden sind. Im Techno-Sprech bedeutet Standardeinstellung die werksmäßige Voreinstellung eines fabrikneuen Geräts. Wenn man sie nicht aktiv verändert, dann funktioniert das Gerät eben mit der vorinstallierten Standardeinstellung. Wenn Sie zum Beispiel ein neues Mobiltelefon kaufen, sind auf Ihrem Bildschirm E-Mail- und Webbrowser-Apps vorinstalliert. Die Standardeinstellung sieht vor, dass Sie über jede neu eingehende Nachricht informiert werden. Das Mobiltelefon hat einen voreingestellten Bildschirmschoner und einen Standardklingelton. Alle diese Funktionen wurden von Apple, Google oder einem anderen Hersteller vorinstalliert; Sie können die Standardeinstellungen verändern, aber das macht Mühe, und deswegen belassen wir es oft dabei.

Fast alle Aspekte unseres Lebens werden von Standardverhaltensmustern bestimmt, die den Standardeinstellungen auf technischen Geräten gleichen, und sie machen Ablenkung und Stress zum Normalzustand. Wenn Sie sich also überwältigt und zerrissen fühlen, ist das kein persönliches Versagen, sondern üblicherweise nur eine Kombination aus nicht hinterfragten Standardverhaltensmustern, die gegen Sie arbeiten. Niemand blickt auf einen leeren Terminkalender und sagt: »Die beste Methode, meine Zeit zu verbringen, ist, den Terminkalender mit allen möglichen Meetings vollzustopfen!« Niemand sagt: »Das Wichtigste sind heute die Launen und Einfälle anderer Leute!« Natürlich nicht. Das wäre völlig verrückt. Wegen der nicht hinterfragten Standardverhaltensmuster machen wir aber genau das. Am Arbeitsplatz werden für jede Besprechung standardmäßig 30 oder 60 Minuten angesetzt, auch wenn die zu lösenden Fragen eigentlich nur einer kurzen Absprache bedürfen. Standardmäßig bestimmen andere Leute, wie unser Terminkalender gefüllt wird, und standardmäßig geht man davon aus, dass wir damit einverstanden sind, dass jeden Tag ein Meeting das nächste jagt. Unsere übrige Arbeit wird standardmäßig von E-Mail- und Messaging-Systemen bestimmt, und standardmäßig prüfen wir ständig unsere Postfächer und antworten sofort auf alle Nachrichten.

Reagieren Sie sofort auf alles, seien Sie stets ansprechbar. Nutzen Sie Ihre Zeit, seien Sie effizient und erledigen Sie mehr. Das sind die Standardregeln des Busy Bandwagon.

Wenn wir vom Busy Bandwagon abspringen, lauern uns um die Ecke schon die Infinity Pools auf. Während der Busy Bandwagon uns standardmäßig mit einer unaufhörlichen Flut von zu erledigenden Aufgaben überschwemmt, stresst uns der Infinity Pool standardmäßig mit endlosen Ablenkungen. Unsere Mobiltelefone, Laptops und Fernseher sind angefüllt mit Spielen, Social Feeds und Videos. Alles ist nur eine Berührung mit der Fingerspitze weg und unwiderstehlich bis zur Sucht.

Facebook aktualisieren, durch YouTube browsen, ständig die neuesten Nachrichten lesen, Candy Crush spielen und Serien ansehen, bis der Arzt kommt. Das ist das Standardverhalten, das hinter den gefräßigen Infinity Pools lauert, die jeden Krümel Zeit verschlingen, den der Busy Bandwagon noch übrig gelassen hat. Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Mensch mindestens vier Stunden pro Tag mit dem Smartphone beschäftigt ist und mindestens vier weitere Stunden fernsieht, ist Ablenkung praktisch ein Vollzeitjob.

Und da stehen Sie nun zwischen dem Busy Bandwagon und den Infinity Pools, die Sie beide in ihre jeweilige Richtung zerren und in der Mitte auseinanderreißen wollen. Aber was ist mit Ihnen? Was wollen Sie eigentlich von Ihren Tagen und Ihrem Leben? Was würde passieren, wenn Sie diese Standardeinstellungen einfach verändern und Ihre eigenen Regeln aufstellen würden?

Willenskraft ist keine Lösung. Wir haben versucht, dem Sirenengesang dieser Kräfte zu widerstehen, und wissen, dass es unmöglich ist. Außerdem haben wir viele Jahre in der Technologieindustrie gearbeitet und kennen diese Apps, Spiele und Geräte gut genug, um zu wissen, dass Sie ihrer Verführungskraft am Ende erliegen.

Auch Produktivität ist keine Lösung. Wir haben versucht, unsere Arbeit bestmöglich zu rationalisieren, Zeit herauszuschinden und unsere To-do-Listen um weitere Aufgaben zu ergänzen. Das Problem ist, dass es immer weitere Aufgaben gibt, die darauf warten, erledigt zu werden. Je schneller Sie in Ihrem Hamsterrad laufen, desto schneller dreht es sich.

Es gibt aber einen Weg, um Ihre Konzentration und Aufmerksamkeit von den konkurrierenden Ablenkungen zu befreien und die Kontrolle über Ihre Zeit zurückzugewinnen. Und davon handelt dieses Buch. Mehr Zeit bietet einen Rahmen für die Entscheidung, worauf Sie sich fokussieren wollen, die Energie aufzubringen, das auch zu tun, und den Kreislauf der Standardverhaltensmuster zu durchbrechen, damit Sie Ihren Lebensstil selber bestimmen können und wieder Herr über Ihre eigene Zeit sind. Selbst wenn Sie aber keine vollkommene Kontrolle darüber haben – und das gilt für die meisten von uns –, können Sie auf jeden Fall Ihre Aufmerksamkeit steuern.

Wir wollen Ihnen dabei helfen, Ihre eigenen Standardeinstellungen zu bestimmen. Wenn Sie neue Gewohnheiten entwickeln und Ihre innere Einstellung verändern, können Sie aufhören, auf die Reizüberflutung der modernen Welt zu reagieren, und beginnen, aktiv Zeit für die Menschen und Aktivitäten zu schaffen, die Ihnen wichtig sind. Hier geht es nicht darum, Zeit zu sparen, sondern sich die Zeit für wichtige Dinge zu nehmen.

Die in diesem Buch vorgestellten Ideen können Ihnen Platz in Ihrem Terminkalender, Ihrem Kopf und Ihren Tagen verschaffen. Dieser Platz kann Ruhe und Klarheit in Ihren Alltag bringen und Raum für neue Hobbys und die auf »irgendwann« verschobenen Projekte eröffnen. Ein wenig mehr Freiraum in Ihrem Leben könnte sogar die kreativen Energien freisetzen, die Sie eingebüßt oder gar nicht erst entwickelt haben. Aber bevor wir dahin kommen, würden wir gerne erklären, wer wir eigentlich sind, warum wir so von den Themen Zeit und Energie besessen sind und wie dieses Buch zustande kam.

Wir sind die Zeitfanatiker

Wir sind Jake und JZ.1 Wir sind keine Raketen bauenden Milliardäre wie Elon Musk, gut aussehende Renaissance-Männer wie Tim Ferriss oder geniale Topmanager wie Sheryl Sandberg. Die meisten Ratschläge zu Zeitmanagement werden von geradezu übermenschlichen Supermännern und Superfrauen verfasst. Auf diesen Seiten werden Sie aber nichts Übermenschliches finden. Wir sind ganz normale, fehlbare Menschen, die wie alle anderen in Stress geraten und Opfer vielfältiger Ablenkungen sind.

Was unsere Perspektive so außergewöhnlich macht, ist der Umstand, dass wir Produktdesigner sind, die viele Jahre in der Technologieindustrie verbracht und dazu beigetragen haben, Dienste wie Gmail, YouTube und Google Hangouts zu entwerfen. Als Designer bestand unsere Aufgabe darin, abstrakte Konzepte (zum Beispiel »Wäre es nicht cool, wenn sich die E-Mails automatisch sortieren würden?«) in reale Lösungen (zum Beispiel Gmails Priority Inbox) zu verwandeln. Dafür mussten wir verstehen, wie sich Technologie in unseren Alltag integriert und diesen verändert. Diese Erfahrung bietet uns Einsichten in die Verführungskraft von Infinity Pools und Erkenntnisse über die Dinge, die wir tun können, damit sie uns nicht beherrschen.

Vor einigen Jahren wurde uns klar, dass wir Design auch auf etwas Unsichtbares anwenden können: die Art und Weise, wie wir unsere Zeit verbringen. Wir begannen, Teams bei Google und anderen Unternehmen dabei zu helfen, ihre Tage anders zu gestalten, damit sie sich auf ihre wichtigsten Prioritäten konzentrieren konnten. Und wir verwendeten den Designprozess auch bei der Entwicklung dieses Buches. Doch anstatt Technologie oder Geschäftschancen als Ausgangspunkt zu nehmen, begannen wir bei den bedeutendsten Projekten und den wichtigsten Menschen in unserem Leben.

Wir versuchten, jeden Tag ein wenig Zeit für unsere eigenen wichtigsten Prioritäten zu gewinnen. Wir hinterfragten die Standardverhaltensmuster, die den Busy Bandwagon kennzeichnen, und richteten unsere To-do-Listen und Terminkalender neu aus. Wir stellten die Standardverhaltensmuster im Hinblick auf die Infinity Pools infrage und bestimmten neu, wie wir Technologie verwenden. Unsere Willenskraft hat Grenzen, daher muss jedes Redesign leicht handhabbar sein. Wir konnten uns nicht von jeder Pflicht befreien, also arbeiteten wir mit Eingrenzungen. Wir experimentierten, erzielten Erfolge und mussten Rückschläge einstecken, und im Verlauf der Zeit lernten wir.

In diesem Buch stellen wir Ihnen die Prinzipien und Taktiken vor, die wir entdeckt haben, und präsentieren zahlreiche Geschichten über unsere menschlichen Irrtümer und unbeholfenen Lösungen. Wir fanden, die folgende Episode sei ein guter Ausgangspunkt:

___________________

1 In diesem Buch steht »JZ« für John Zeratsky. Nicht zu verwechseln mit dem Musiker und Geschäftsmogul Jay-Z. Versuchen Sie bitte, nicht enttäuscht zu sein.

Hintergrundstory Teil 1: Das ablenkungsfreie iPhone

Jake

Es war im Jahr 2012; meine beiden Söhne spielten mit einer Holzeisenbahn in unserem Wohnzimmer. Luke (8 Jahre) setzte emsig die Gleisabschnitte zusammen, während Flynn (Kleinkind) auf eine Lokomotive sabberte. Plötzlich hob Luke seinen Kopf und fragte:

Seine Frage zielte nicht darauf ab, mir Schuldgefühle zu machen; er war einfach nur neugierig. Aber ich hatte keine gute Antwort. Ich meine, bestimmt hatte ich irgendeine Ausrede dafür, gerade in jenem Moment meine E-Mails zu checken, aber eben keine gute. Ich wollte präsent sein und diese kostbare Qualitätszeit mit meiner Familie genießen, und dennoch saß ich da und starrte auf mein iPhone. Den ganzen Tag hatte ich mich darauf gefreut, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, und nun, da dieser Moment endlich gekommen war, war ich gedanklich eigentlich woanders.

In diesem Moment wurde mir etwas klar. Es war nicht so, dass ich mich kurz hatte ablenken lassen; ich hatte ein größeres Problem.

Mir wurde klar, dass ich tagtäglich reagierte: auf meinen Terminkalender, meinen E-Mail-Eingang und den endlosen Strom an neuen Informationen im Internet. Zahllose Momente wie diese vergab ich einfach - aber für was eigentlich? Damit ich eine weitere Nachricht beantworten oder einen weiteren Punkt auf meiner To-do-Liste abhaken konnte?

Diese Erkenntnis war frustrierend, weil ich bereits versuchte, eine bessere Balance zu finden. Als Luke im Jahr 2003 geboren wurde, hatte ich mir fest vorgenommen, produktiver zu arbeiten, um mehr Qualitätszeit zu Hause verbringen zu können.

Im Jahr 2012 hielt ich mich für einen Meister der Produktivität und Effizienz. Es gelang mir, meine Arbeitsstunden auf ein vertretbares Maß zu beschränken, und ich war jeden Tag zum Abendessen zu Hause. So sah Work-Life-Balance aus - glaubte ich zumindest.

Wenn es so war, warum machte mich mein achtjähriger Sohn dann darauf aufmerksam, dass ich abgelenkt war? Wenn ich in der Arbeit stets alles im Griff hatte, warum fühlte ich mich dann immer so gestresst und zerrissen? Wenn ich morgens bei 200 E-Mails von meinem Team anfing und sie am Ende des Tages vollständig abgearbeitet hatte, war das dann wirklich ein erfolgreicher Tag?

Und plötzlich dämmerte es mir: Produktiver zu sein bedeutete nicht, die wichtigste Arbeit zu erledigen; es bedeutete lediglich, schneller auf die Prioritäten anderer Menschen zu reagieren.

Als Folge der ständigen Onlinepräsenz war ich für meine Kinder nicht präsent genug. Und ich verschob ständig mein großes »Irgendwann«-Ziel, ein Buch zu schreiben. Tatsächlich schob ich es jahrelang vor mir her, ohne auch nur eine einzige Seite zu schreiben. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, in dem Meer aus E-Mails, Status-Updates und Selfies anderer Leute, die beim Mittagessen saßen, Wasser zu treten.

Ich war nicht nur von mir selbst enttäuscht, ich war richtiggehend sauer. In einem Wutanfall schnappte ich mir mein Mobiltelefon und deinstallierte Twitter, Facebook und Instagram. Als nach und nach jedes dieser Icons von meinem Bildschirm verschwand, fühlte ich eine große Last von mir weichen.

Dann starrte ich auf die Gmail-App und fletschte die Zähne. Vergessen Sie nicht, dass ich zu der Zeit bei Google arbeitete und Jahre mit dem Gmail-Team zusammengearbeitet hatte. Dennoch wusste ich, was ich zu tun hatte. Ich erinnere mich noch immer an die Nachricht, die auf meinem Bildschirm aufleuchtete und mir beinahe ungläubig die Frage stellte, ob ich sicher wäre, dass ich die App wirklich löschen wollte. Ich schluckte schwer und tippte auf »Löschen«.

Ich erwartete, mich ohne meine Apps nervös, angespannt und isoliert zu fühlen. In den Tagen danach bemerkte ich tatsächlich eine Veränderung. Erstaunlicherweise fühlte ich mich aber nicht gestresst, sondern erleichtert. Ich fühlte mich befreit.

Ich hörte auf, beim leisesten Anzeichen von Langeweile reflexartig nach meinem iPhone zu greifen. Die Zeit mit meinen Kindern verlangsamte sich auf positive Weise. »Auweia«, dachte ich. »Wenn mich das iPhone nicht glücklicher macht, was ist dann mit all den anderen Dingen?«

Ich liebte mein iPhone und all die futuristische Macht, die es mir verlieh. Aber ich hatte dabei alle Standardverhaltensmuster akzeptiert, die mit einem Smartphone einhergehen und die mich ständig zu dem glänzenden kleinen Gerät in meiner Hosentasche hinzogen. Ich fragte mich, wie viele weitere Bereiche meines Lebens überprüft, neu ausgerichtet und neu gestaltet werden mussten. Welche weiteren Standardverhaltensmuster übernahm ich blind und wie konnte ich diese eigenverantwortlich ändern?

Kurz nach meinem iPhone-Experiment trat ich eine neue Arbeitsstelle an. Ich arbeitete weiterhin unter dem Dach des Google-Konzerns, nun aber bei Google Ventures, einem Risikokapitalgeber, der in externe Startups investierte. Und dort lernte ich an meinem ersten Tag einen Typen namens John Zeratsky kennen.

Anfangs hatte ich mir vorgenommen, ihn nicht zu mögen. John ist jünger und - seien wir ehrlich - attraktiver als ich. Und was noch unausstehlicher an ihm war, war die Tatsache, dass er einfach eine unerschütterliche Ruhe besaß. John war nie gestresst. Wichtige Arbeit erledigte er immer vor Fristende und fand daneben auch noch Zeit für andere Projekte. Er stand morgens früh auf, erledigte seine Arbeit frühzeitig und ging abends früh nach Hause. Und immer lächelte er. Wie zur Hölle machte er das?

Nun, am Ende kam ich mit John beziehungsweise JZ, wie ich ihn nenne, super aus. Ich entdeckte schon bald, dass er ein Seelenverwandter war - mein Bruder im Geiste, wenn man so will.

Genau wie ich war JZ vom Busy Bandwagon desillusioniert. Wir sind beide technikverliebt und haben Jahre damit verbracht, suchtauslösende Tech-Services zu entwickeln (als ich bei Gmail arbeitete, war er bei You-Tube). Aber uns beiden dämmerte auch, dass diese Infinity Pools zu erheblichen Lasten unserer Aufmerksamkeit und Zeit funktionierten.

Und genau wie ich war JZ fest entschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. In Bezug auf dieses Thema war er eine Art Obi-Wan Kenobi, nur dass er anstatt einer Kutte Jeans und karierte Hemden trug. Und anstelle der MACHT glaubte er an das, was er als »das System« bezeichnete. Das hatte beinahe etwas Mystisches. Er wusste nicht genau, was es war, aber er glaubte an seine Existenz: ein simples System zur Vermeidung von Ablenkungen und Energieverlusten und zur Gewinnung von Zeit.

Ich weiß, auch in meinen Ohren klingt das irgendwie seltsam. Aber je mehr wir darüber sprachen, wie ein solches System aussehen könnte, desto öfter ertappte ich mich dabei, dass ich nickte. JZ beschäftigte sich intensiv mit den frühesten Epochen der Menschheitsgeschichte und evolutionärer Psychologie und erkannte, dass ein Teil des Problems in der großen Kluft zwischen unseren archaischen Wurzeln als Jäger und Sammler und unserer verrückten modernen Welt wurzelte. Er betrachtete das Problem durch die Brille des Produktdesigners und kam zu dem Schluss, dass dieses »System« nur funktionieren würde, wenn es unsere Standardverhaltensmuster durchbrechen und den Zugang zu Ablenkungen erschweren würde, anstatt sich darauf zu verlassen, dass wir diese mit reiner Willenskraft bekämpfen.

»Verdammt«, dachte ich. Wenn wir ein solches System entwickeln könnten, wäre es genau das, wonach ich suchte. Also tat ich mich mit JZ zusammen, und das war der Anfang unserer Zusammenarbeit.

Hintergrundstory Teil 2: Unsere fanatische Suche nach mehr Zeit

JZ

Jakes ablenkungsfreies iPhone erschien mir ein wenig extrem, und ich gebe zu, dass ich es anfangs gar nicht erst versucht habe. Aber als ich mich schließlich dazu durchrang, fand ich es klasse. Und so begannen wir gemeinsam nach anderen Möglichkeiten zur Neugestaltung zu suchen -nach Wegen, unser Standardverhaltensmuster von »abgelenkt und zerstreut« in »fokussiert« zu verändern.

Ich begann damit, dass ich nur einmal die Woche Nachrichten las, und stellte meine Schlafgewohnheiten so um, dass ich zu einem Morgenmenschen wurde. Ich experimentierte mit sechs kleinen Mahlzeiten und versuchte es anschließend mit zwei Hauptmahlzeiten. Ich probierte verschiedene sportliche Aktivitäten aus, vom Langstreckenlauf über Yoga bis zu täglichen Liegestützen. Ich überredete sogar meine Programmierfreunde dazu, mir maßgeschneiderte Apps für To-do-Listen zu entwickeln. Währenddessen trug Jake ein ganzes Jahr seinen täglichen Energiepegel in Excel-Tabellen ein, in dem Versuch herauszufinden, ob er besser Kaffee oder grünen Tee trinken oder besser morgens oder abends Sport treiben sollte, und sogar ob er gerne andere Leute um sich hat (die Antwort: ja ... meistens).

Aus diesem besessenen Verhalten lernten wir eine ganze Menge, aber uns interessierte mehr als die reine Feststellung, was sich für uns bewährte; wir glaubten noch immer an die Idee eines Systems, das jeder individuell an sein eigenes Leben anpassen konnte. Und um das zu finden, brauchten wir neutrale Testpersonen. Das Glück wollte, dass wir das perfekte Labor hatten.

Während Jake bei Google arbeitete, entwickelte er einen sogenannten »Design Sprint«. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Arbeitswoche, die vollkommen neu ausgerichtet wird. Ein Team setzt sich fünf Tage lang zusammen, sagt alle anderen Termine ab und konzentriert sich ausschließlich auf die Lösung eines einzigen Problems unter Befolgung einer spezifischen Checkliste an Aktivitäten. Das war unser erster greifbarer Versuch, kein Produkt, sondern Zeit neu zu gestalten. Und es funktionierte. Der Design Sprint wurde rasch im ganzen Google-Konzern übernommen.

Im Jahr 2012 begannen wir, gemeinsam Design Sprints bei Start-ups aus dem Portfolio von Google Ventures durchzuführen. In den folgenden Jahren waren es mehr als 150 solcher Sprints, an denen fast tausend Leute teilnahmen: Programmierer, Ernährungsexperten, CEOs, Baristas, Landwirte etc.

Für zwei Zeitfanatiker wie uns war die ganze Sache eine beeindruckende Chance. Wir hatten die Gelegenheit, eine Arbeitswoche neu zu gestalten und von vielen Hundert Hochleistungsteams von Start-ups wie Slack, Uber und 23andMe zu lernen. Viele der Prinzipien, die in diesem Buch vorgestellt werden, wurden von den Entdeckungen inspiriert, die wir bei diesen Sprints machten.

Vier Lektionen aus dem Design-Sprint-Labor

Unsere erste Lektion lautete, dass etwas Magisches geschieht, wenn man seinen Tag mit einem einzigen wichtigsten Ziel beginnt. An jedem Sprint-Tag konzentrierten wir uns auf einen einzigen wichtigen Fokuspunkt: Am Montag erstellte das Team eine Problemanalyse, am Dienstag skizzierte jeder Teilnehmer eine einzige Lösung, am Mittwoch entschied das Team über den besten Lösungsvorschlag, am Donnerstag entwickelte es einen Prototyp und am Freitag wurde er getestet. An jedem Tag wurde ein ehrgeiziges Ziel erreicht, und zwar immer nur ein einziges.

Dieser Fokuspunkt sorgt für Klarheit und Motivation. Wenn Sie ein ehrgeiziges, aber erreichbares Ziel ansteuern, dann haben Sie am Ende des Tages etwas erreicht. Sie können es abhaken, sich zurücklehnen und zufrieden nach Hause gehen.

Eine weitere Lektion aus unseren Design Sprints lautete, dass wir produktiver arbeiteten, wenn wir alle Kommunikationsgeräte aus dem Raum verbannten. Da wir unsere eigenen Regeln bestimmten, konnten wir Laptops und Smartphones verbieten, und der Unterschied war geradezu phänomenal. Ohne die ständige Ablenkung von E-Mails und anderen Infinity Pools richtete sich die gesammelte Konzentration aller Anwesenden auf die zu lösende Aufgabe. Das Standardverhaltensmuster wurde auf Fokussierung umgestellt.

Außerdem lernten wir, wie wichtig Energie für klares Denken und fokussierte Arbeit ist. Bei unseren ersten Design Sprints arbeiteten die Teams bis spätabends und Energieeinbrüche wurden mit gezuckerten Energieriegeln bekämpft. In dem Maße, wie die Woche voranschritt, sackte der allgemeine Energiepegel aber unweigerlich ab. Infolgedessen nahmen wir entsprechende Feinjustierungen vor und stellten fest, dass Dinge wie ein gesundes Mittagessen, ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft, häufige kurze Pausen und ein leicht verkürzter Arbeitstag dazu beitrugen, während der gesamten Woche einen hohen Energiepegel zu wahren, was zu effektiverer Arbeit und besseren Ergebnissen führte.

Und schließlich lehrten uns diese Experimente die Macht der eigenen praktischen Erfahrung. Mithilfe von Experimenten konnten wir den Prozess verbessern, wobei uns die Erfahrung, die Ergebnisse der Veränderungen aus erster Hand zu erleben, ein tiefes Vertrauen gab, das wir nie entwickelt hätten, wenn wir uns darauf beschränkt hätten, über die Experimente und Erfolgsergebnisse anderer zu lesen.

Im Rahmen unserer Sprints arbeitet ein ganzes Teams konzentriert eine Woche lang zusammen, aber uns war sofort klar, dass es keinen Grund gab, warum eine Einzelperson ihren eigenen Tag nicht auch auf der Basis dieser Prinzipien neu gestalten können sollte. Diese Lektionen bildeten die Grundlage für dieses Buch.

Selbstverständlich gab es kein Patentrezept zur Perfektion. Gelegentlich wurden wir immer noch vom Busy Bandwagon mitgeschleift und gerieten in den Sog der Infinity Pools. Einige unserer Taktiken wurden zu erfolgreichen Gewohnheiten, andere dagegen klemmten und versagten. Indem wir unsere täglichen Ergebnisse näher untersuchten, wurde uns klar, warum wir an irgendeiner Stelle stecken geblieben waren. Die Experimentiermethode ermöglichte uns auch, nachsichtiger mit unseren eigenen Fehlern umzugehen. Schließlich war jeder Fehler nur ein Datenpunkt, und wir konnten am folgenden Tag immer einen neuen Versuch unternehmen.

Trotz unserer gelegentlichen Rückschläge erwies sich das Make-Time-System als robust und widerstandsfähig. Wir stellten fest, dass wir mehr Energie und Platz im Kopf besaßen als je zuvor und dass wir in der Lage waren, größere Projekte in Angriff zu nehmen – die Art von Vorhaben, die wir stets auf »irgendwann« verschoben hatten, weil wir nie die Zeit dafür fanden.

Jake

Ich wollte damit beginnen, mich abends dem Schreiben zu widmen, merkte aber, dass die Versuchung, mich einfach vor den Fernseher zu setzen, zu groß war. Also probierte ich verschiedene Dinge aus und veränderte mein Standardverhaltensmuster, schloss das DVD-Gerät in den Kleiderschrank und kündigte mein Netflix-Abo. Mit der so gewonnenen Zeit begann ich, einen Abenteuerroman zu schreiben, den ich nur unterbrach, um unser Buch Sprint zu schreiben. Schreiben war etwas, das ich schon als Kind machen wollte, und mir die Zeit dafür einzuräumen, fühlte sich toll an.

JZ

Seit Jahren träumten meine Frau Michelle und ich davon, gemeinsam einen ausgedehnten Segeltörn zu unternehmen. Also kauften wir ein altes Segelboot und begannen, unsere Wochenenden damit zu verbringen, es zu reparieren. Wir wendeten dabei die gleiche Taktik an wie bei den Sprints, das heißt, wir konzentrierten uns jeden Tag auf eine Aufgabe und reservierten dafür Zeit in unseren Terminkalendern. Auf diese Weise lernten wir eine Menge über die Wartung von Dieselmotoren, Strom und Meeresnavigation. Inzwischen sind wir schon von San Francisco nach Südkalifornien, Mexiko und darüber hinaus gesegelt.

Wir waren von unseren Ergebnissen so begeistert, dass wir anfingen, über die Make-Time-Techniken, die sich für uns bewährten, zu bloggen. Viele Hunderttausend Menschen lesen diese Posts, und viele von ihnen schreiben uns. Natürlich gibt es darunter auch solche, die uns mitteilen wollen, dass wir selbstgerechte Armleuchter sind, aber die überwältigende Mehrheit der Antworten waren inspirierend und beeindruckend. Die Leute erlebten mithilfe von Taktiken wie der Deinstallierung von Apps auf ihrem Smartphone und der Priorisierung einer einzigen Aufgabe pro Tag dramatische Veränderungen. Sie gewannen neue Energie und fühlten sich zufriedener. Die Experimente bewährten sich für viele Menschen, nicht nur für uns! Ein Leser schrieb uns: »Es ist schon seltsam, wie leicht mir die Veränderung gefallen ist.«

Und genauso ist es: Die Kontrolle über die eigene Zeit und Aufmerksamkeit zurückzugewinnen, kann merkwürdig leicht sein. Wie Jake von seinem ablenkungsfreien iPhone lernte, erfordern diese Veränderungen keine anstrengende Selbstdisziplin. Die Veränderung ergibt sich einfach daraus, dass Sie Ihr Standardverhaltensmuster verändern, Barrieren errichten und die neu gewonnene Zeit anders gestalten. Je öfter Sie das versuchen, desto mehr erfahren Sie über sich selbst und desto besser wird das System.

Das Make-Time-System ist keine Anti-Technologie. Immerhin sind wir beide Tech-Nerds. Wir würden Sie nie auffordern, sich vollkommen aus sozialen Medien und der modernen Kommunikation zu verabschieden, Ihr ganzes Leben neu auszurichten oder zum Eremiten zu werden. Sie können Ihren Freunden nach wie vor auf Instagram folgen, Nachrichten lesen und E-Mails versenden. Indem Sie die automatischen Standardverhaltensmuster in unserer von Effizienz besessenen und ablenkungsreichen Welt infrage stellen, können Sie jedoch das Beste der Technologie nutzen und die Kontrolle zurückgewinnen. Und sobald Sie wieder die Kontrolle haben, können Sie das Spiel verändern.

Wie das Make-Time-System funktioniert

Das Make-Time-System besteht lediglich aus vier Schritten, die täglich wiederholt werden

Die vier täglichen Schritte des Make-Time-Systems bauen auf den Lektionen auf, die wir aus unseren Design Sprints, unseren eigenen Experimenten und den Mitteilungen unserer Leser gezogen haben, die das System ausprobiert haben und uns an den Ergebnissen teilhaben ließen. Hier ist eine grobe Skizze, wie jeder Tag aussehen sollte:

Der erste Schritt besteht darin, ein einziges Highlight auszuwählen, um den Tag zu priorisieren. Als Nächstes wenden Sie spezifische Taktiken an, um wie ein Laserstrahl auf das Highlight fokussiert zu bleiben. Wir werden Ihnen eine Auswahl an Tricks vorstellen, mit denen Sie die vielfältigen Ablenkungen einer rund um die Uhr vernetzten Welt ausblenden können. Im Verlauf des Tages werden Sie immer wieder Energie tanken, um die Kontrolle über Ihre Zeit und Ihre Aufmerksamkeit zu wahren. Und schließlich werden Sie mithilfe einiger weniger Notizen über den Tag reflektieren.

Und nun wollen wir diese vier Schritte näher betrachten:

Highlight: Beginnen Sie jeden Tag mit der Bestimmung eines Fokuspunkts

Der erste Schritt besteht darin zu bestimmen, wofür Sie Zeit schaffen wollen. Jeden Tag wählen Sie eine einzige Aktivität aus, der Sie oberste Priorität einräumen und die Sie in Ihrem Terminkalender schützen. Das kann ein wichtiges arbeitsbezogenes Ziel sein, zum Beispiel eine Präsentation zu beenden. Sie können aber auch eine private Aktivität auswählen, zum Beispiel das Abendessen zu kochen oder Ihren Garten zu bepflanzen. Ihr Highlight kann auch etwas sein, das Sie nicht unbedingt machen müssen, aber gerne machen möchten, zum Beispiel mit Ihren Kindern zu spielen oder ein Buch zu lesen. Ihr Highlight kann aus mehreren Schritten bestehen; die Fertigstellung einer Präsentation kann zum Beispiel beinhalten, dass Sie die abschließenden Bemerkungen schreiben, die Folien fertigstellen und einen Probedurchlauf machen. Indem Sie »Präsentation fertigstellen« zu Ihrem Highlight des Tages machen, verpflichten Sie sich dazu, alle dafür erforderlichen Schritte zu erledigen.

Natürlich ist das Highlight nicht das Einzige, das Sie an jedem Tag erledigen, aber es hat höchste Priorität. Mit der Frage »Welches ist mein heutiges Highlight?« stellen Sie sicher, dass Sie Zeit auf Dinge verwenden, die für Sie wichtig sind, und nicht den gesamten Tag damit vertun, auf die Prioritäten anderer Leute zu reagieren. Wenn Sie ein Highlight bestimmen, versetzen Sie sich in eine positive, proaktive innere Haltung.

Damit Ihnen das gelingt, stellen wir Ihnen hier unsere bevorzugten Taktiken vor, um ein tägliches Highlight auszuwählen und die Zeit zu schaffen, es umzusetzen. Das allein reicht jedoch nicht aus. Sie müssen außerdem darüber nachdenken, wie Sie auf Ablenkungen reagieren, die Ihre Aufmerksamkeit zerstreuen wollen, und darum geht es im nächsten Schritt.

Laserstrahlmodus: Blenden Sie Ablenkungen aus, um Zeit für Ihr Highlight zu gewinnen

Ablenkungen wie E-Mails, soziale Medien und die neuesten Nachrichten sind allgegenwärtig und werden es auch bleiben. Sie können nicht in einer Höhle leben, alle Ihre technischen Geräte wegwerfen und der Technologie vollkommen abschwören. Aber Sie können neu bestimmen, wie Sie die Technologie nutzen wollen, um den Reaktionskreislauf anzuhalten.

Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Technologie so umgehen, dass Sie sich in den Laserstrahlmodus versetzen können. Kleine Veränderungen, zum Beispiel sich aus Social-Media-Apps auszuloggen oder bestimmte Zeiten für die Bearbeitung des E-Mail-Eingangs festzulegen, können eine riesige Wirkung haben. Dafür bieten wir Ihnen spezifische Taktiken.

Energie tanken: Nutzen Sie Ihren Körper, um Ihr Gehirn wieder aufzuladen

Um fokussieren und Zeit für wichtige Dinge gewinnen zu können, benötigt Ihr Gehirn Energie, und diese Energie erhält es, indem Sie Ihren Körper pflegen.

Aus diesem Grund besteht die dritte Komponente des Make-Time-Systems darin, Ihre Batterie mit Sport, guter Ernährung, Schlaf, Ruhe und persönlicher Interaktion aufzuladen. Das ist nicht so schwierig, wie es klingt. Der Standardlebensstil des 21. Jahrhunderts ignoriert unsere Evolutionsgeschichte und beraubt uns aller Energie. Mit ein paar kleinen Veränderungen können Sie diese Standardverhaltensmuster jedoch durchbrechen und neue Energie tanken.