Mein Freund Tarik - Christian Ehlert - E-Book

Mein Freund Tarik E-Book

Christian Ehlert

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Beschreibung

Ein kleiner Wolfswelpe liegt hilflos und alleine im Schnee unter einer Tanne. Ranger Tom findet ihn und beschließt, den kleinen mit nach Hause zu nehmen, um ihn dort zu pflegen. Dabei ist es strengstens verboten, Wilde Tiere zu Hause zu halten. Doch Tom will ihn nicht seinem Schicksal überlassen und setzt sein Vorhaben in die Tat um. Bis das Tier aber soweit ist, um alleine in der Wildnis zu überleben, hat Tom noch viele Hindernisse zu überwinden. Der Lohn ist eine Freundschaft zwischen Mensch und Tier, die beiden das Leben rettet.

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Seitenzahl: 77

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Christian Ehlert

Mein Freund

TARIK

Ein Wolf lernt leben 1

Vorwort

Dies ist die Geschichte von Tarik dem Wolf, dem ein Ranger das Leben gerettet hat. Völlig hilflos und ohne Kraft, lag er unter der Tanne im Schnee. Als Tom ihn fand, hatte er kaum noch eine Chance zu überleben. Sein Vorhaben, den kleinen Wolf gesund zu pflegen und dann wieder auszusetzen, wurde allerdings von vielen Hindernissen vereitelt. Denn schon sehr bald wurde aus der Zuneigung zu dem Tier eine tiefe Freundschaft, die auf unvorstellbare Weise auf Gegenseitigkeit beruhte. Namen von Personen, Orten und Einrichtungen, sind genau wie diese Geschichte frei erfunden.

Übereinstimmungen von Personen und/oder Handlungen sind zufällig und nicht übernommen.

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Inhalt

Sammy, Jacky und ich Seite 4

Tarik Seite 10

Turbulente Zeiten Seite 32

Der verletzte Rebell Seite 44

Abschied von Tarik Seite 55

3

Sammy, Jacky und ich

Mein Name ist Tom. Ich lebe schon seit meiner Kindheit hier in Kanada und werde wohl auch mein ganzes Leben hier verbringen. Wer in Kanada lebt und die Wildnis liebt wird es verstehen, allen anderen sei gesagt: kommt einmal hierher und lasst euch von der Schönheit und der unberührten Natur Beeindrucken.

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Hier ist alles zu finden, was die Natur zu bieten hat. Riesige Waldgebiete, Berglandschaften und Seegebiete, durchziehen das Land. Die Hauptstadt heißt Ottawa. Hier treffen zahlreiche Menschen aus den verschiedensten Nationen zusammen. Im Allgemeinen ist es ein sehr offenes Land, jeder ist willkommen. Kanada liegt im Norden von Nordamerika. Im Westen grenzt der Pazifik, im Osten der Atlantik und im Norden der arktische Ozean an. Richtung Süden liegen die USA. Fast die Hälfte des nordamerikanischen Kontinentes macht Kanada aus.

Ich habe vor acht Jahren meine Frau Sammy geheiratet, sie ist genau wie ich ein Naturfreund und würde nie wieder mit dem Stadtleben tauschen. Wir haben uns als Kinder oft in den Wäldern herumgetrieben und gespielt, bevor irgendwann Liebe daraus wurde. Sammy ist genau so alt wie ich, wir sind beide fünfundvierzig und haben bisher, eine wunderschöne Zeit hier zusammen verlebt. Mein Vater Sadrick, ist mit zweiundfünfzig Jahren bei einer Bärenattacke ums Leben gekommen, meine Mutter Lisa hat einen Hirntumor leider 5

nicht überlebt. Sie lebte noch vier Jahre nach Vaters Tod auf unserer alten Farm, bevor sie dann in einer Klinik in Ottawa an ihrem Leiden starb. Meine Eltern haben nie viel besessen, wir hatten nur unsere Farm, hier am Sandy Lake, die Vater selbst gebaut hatte und unseren alten Ford-Truck, der Dank steter Pflege immer noch läuft. Inzwischen ist er 24 Jahre alt und zuverlässig wie eh und je. Ich habe all das übernommen, was meine Eltern sich im Laufe der Jahre mühsam erarbeitet haben. Viele Dinge, wie alte Bilder und andere altbackene Gegenstände sind auf dem Speicher gelandet und dort werden sie auch bleiben, denn sie sind auch ein wichtiges Stück Erinnerung an meine Kindheit. Sammy's Eltern haben sich getrennt, schuld waren Alkohol und Geldsorgen.

Sammy's Dad lebt in Ottawa in einer Einrichtung für Alkoholkranke und hat jeden Kontakt abgebrochen. Von der Mutter hat man seit der Trennung nie wieder etwas gehört.

Sammy und ich, leben jetzt hier in dem Haus, das ich von meinen Eltern geerbt habe. Von außen und innen haben wir jeden Stein umgedreht und alles renoviert, repariert und so schön gemacht, wie es uns möglich war. Viel Geld haben wir auch heute nicht, denn wir müssen hauptsächlich, mit dem auskommen, was Sammy mit ihrem Job im Krankenhaus 6

verdient. Sie hatte keine andere Wahl und musste die Frühschicht übernehmen, ansonsten hätte sie diesen Job nicht bekommen. Ihr Boss Mr. Franker ist ein knallharter Geschäftsmann und hat nur das Finanzielle im Auge. Wer in seine Klinik kommt und behandelt wird, entscheidet er nach gründlicher Prüfung der Bonität seiner Patienten. Ich habe hier einen Job als Territorial-Deputy gefunden, und damit das nützliche mit dem praktischen verbunden. Zum einen, verdiene ich Geld, wenn auch nicht besonders viel, zum anderen bin ich als Naturfreund in meinem Element. Meinen alten Beruf als Holzfäller musste ich aufgeben, der Rücken hat es mir unmöglich gemacht, diesen Beruf weiter auszuüben. So streife ich nun, jeden Tag, durch mein mir zugeteiltes, fast 100

Quadratkilometer großes Revier, beobachte Tiere, schütze sie vor Wilderern und kümmere mich auch um den Baumbestand.

Unsere Farm, ist am Rande des Sandy Lake gelegen, eingerahmt von mächtigen Wäldern und weit entfernt von der nächsten Verkehrsstraße. Unseren Strom bekommen wir durch zwei Generatoren, die ihre erzeugte Energie in große Akkus speichern. Wasser ist hier zum Glück reichlich vorhanden und wird mittels einer Pumpe von der Hauptleitung unten an der Straße zu uns hochgepumpt.

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Heizen können wir mit unserem Kamin im Wohnzimmer und dem Allesbrenner im Anbau. Er sorgt auch für warmes Wasser, da er direkt mit dem Kessel verbunden ist. Allerdings ist es auch wichtig, die Generatoren und die Heizanlage immer am Laufen zu halten. Holz haben wir das ganze Jahr, denn durch meinen alten Beruf als Holzfäller bekomme ich noch immer meine sogenannte Fäll Prämie. Die beträgt einen Kubikmeter Festholz pro Monat. Zusätzlich sammeln wir mit Erlaubnis Bruchholz, das beim Fällen meistens herunterfällt und dann liegenbleibt. Diesel für die Generatoren haben wir draußen im 2.000 Liter-Tank, der regelmäßig von einem Tankwagen aus der Stadt aufgefüllt wird. Es ist schon lange im Gespräch, eine Stromleitung hierher zu legen, allerdings scheiterte es an den enormen Kosten, die wir dann selbst tragen müssten. Eine finanzielle Unterstützung von der Stadt, können wir nicht erwarten und so haben wir uns entschieden, damit noch zu warten, bis es uns wieder etwas besser geht. Eigentlich sind wir hier einsam, es gibt in fünf Kilometern östlich von uns noch eine weitere Farm, sie gehört Jacky Willer, der zugleich unser Nachbar und auch bester Freund ist. Mit ihm und seiner Frau verbringen wir öfter mal einen Nachmittag am See, um zu grillen, und uns über die wichtigsten Neuigkeiten zu 8

unterhalten. Auch wenn es darum geht, sich gegenseitig zu helfen, kann sich jeder auf den anderen verlassen. Und das ist sehr wichtig hier in dieser Wildnis und Einsamkeit. Jacky ist in Lakefield, als Verkäufer von Motorsägen und Zubehör beschäftigt und hat durch das Holzfäller Handwerk in der gesamten Umgebung viel zu tun. So kommt er auch immer an die neuesten Geschichten aus der Umgebung ran. Unsere hauptsächliche Verbindung, ist das Funkgerät. Es ist immer auf Standby, wenn jemand etwas braucht, oder Kontakt aufnehmen will, so macht er das auf Chanel 17, dem Hauptkanal. Das, hört jeder und sollte der Gerufene mal nicht antworten, so wird er es von Freunden erfahren, dass er gerufen wurde. Und genau hier, in dieser wunderschönen Gegend, ereignete sich eine Geschichte, die eine Freundschaft zwischen zwei Wesen beschreibt, wie sie verschiedener nicht sein könnten: Mensch und Wolf

Tarik

Meine Geschichte von Tarik, beginnt an einem frühen Morgen im Januar 1970. Wie jeden Morgen bin ich schon früh auf den 9

Beinen. Ich stand mit einem Becher heißem Kaffee auf der Veranda und beobachtete den Sonnenaufgang, als Sammy von hinten ihre warmen Arme um mich schlang und mich mit einem zärtlichen Kuss in den Nacken begrüßte. ,”Guten Morgen mein Schatz. Na, gut geschlafen?" "Ja, danke, " sagte ich und sah tief in ihre leuchtenden dunkelblauen Augen."

Kaffee ist fertig, wir können gleich frühstücken," sagte ich mit einem verschmitzten Lächeln zu ihr und strich mit einem Finger sanft über ihre Wange.

Wir hatten jeden Morgen unsere Routine, was auch gut war, denn so hatten wir immer noch genügend Zeit, uns bei einem gemütlichen Frühstück zu unterhalten, bevor jeder von uns seinen Verpflichtungen nachkommen musste. Wie immer, war ich schon sehr früh auf den Beinen, denn das war die Gewohnheit von meinem alten Job, wo ich teilweise vor Sonnenaufgang schon oben im Wald war, um die Bäume für die Fällung vorzubereiten. Bevor die Waldarbeiter mit ihrer Arbeit anfangen konnten, mussten die Bäume markiert sein, die Sägen einsatzbereit und das Werkzeug parat sein. Das war damals bis zu diesem Unfall meine Verantwortung. Zwei teilweise morsche Fichten, die eng zusammenstanden, sollten 10

an diesem Tag gefällt und zersägt werden, damit sie im Holzwerk sortiert und verwertet werden konnten. Ich hatte bereits sogenannte Keilschlitze in die Stämme gesägt, in denen dann die Holzfäller die Keile einschlagen, um die Bäume in die Fallrichtung zu steuern. Gerade als die Jungs mit dem Truck ankamen, knackte es fürchterlich hinter mir und ich drehte mich erschrocken herum. Ich hatte keine Chance, die mächtige Tanne kippte genau in meine Richtung und schlug laut krachend direkt neben mir auf den Boden. Die Äste, die in meine Richtung zeigten, erwischten mich am Rücken und ich wurde weggeschleudert. Das war noch Glück im Unglück, denn der Baum hätte mich auch voll erwischen können. So habe ich lediglich eine Wirbelstauchung erlitten und kann seitdem diesen Job nicht mehr ausüben. Wir tranken unseren Kaffee und diskutierten, was heute noch zu erledigen war. Sammy sagte, sie wolle nach der Arbeit noch einkaufen. Schließlich machte sie sich fertig, um mit unserem Truck zur Arbeit zu fahren. "Mach's gut und fahr' vorsichtig!"

rief ich ihr nach, als sie in den Wagen kletterte. Ihr fröhliches Winken sagte mir, dass sie so vergnügt und unbekümmert war wie immer. Ich trank meinen Kaffee aus, zog meine dicke Holzfällerjacke an, die ich von meinem alten Job noch 11