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Dass eine langfristige Vermögensbildung in der heutigen Zeit nur noch durch kluge Aktienanlage zu erreichen ist, ist vielen klar. Vor allem vor dem Hintergrund von Nullzinsen, Inflation und Krisen. Doch wenn es um die konkrete Umsetzung geht, herrscht Unsicherheit. Zudem haben Aktien in Deutschland nach wie vor ein Imageproblem und werden als komplex und riskant abgestempelt. Uwe Sander räumt in diesem Buch mit diesen Vorurteilen auf und zeigt, wie man gut geplant mithilfe von Aktien langfristig ein Vermögen aufbauen kann. Vom ersten Aktienkauf über die 10 Grundsätze der Hoch-Tief-Mut-Strategie bis hin zum passenden Portfolio, bestehend aus Aktien und kostengünstigen ETFs. Für ein erfolgreiches Investment ist es von zentraler Bedeutung, Kontrolle über die eigenen Emotionen während unterschiedlicher Marktlagen zu erlangen, denn nur so kann man auch in turbulenten Marktphasen einen kühlen Kopf bewahren. Ergänzt wird das Buch durch klare Empfehlungen für unterschiedliche Anlageschwerpunkte in verschiedenen Lebensphasen wie Berufsstart, Familiengründung oder Ruhestand. Egal, ob Sie die ersten Schritte in die Börsenwelt machen oder bereits Vorerfahrungen besitzen, dieses Buch gibt Ihnen wertvolle Werkzeuge an die Hand, mit denen Sie Ihr Vermögen stetig vermehren können.
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Seitenzahl: 233
Veröffentlichungsjahr: 2022
UWE SANDER
MEIN GELD,MEIN PLAN,MEIN LEBEN
UWE SANDER
Wie man mit Aktien ohne Stressreich und zufrieden werden kann
FBV
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Originalausgabe, 1. Auflage 2022
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Redaktion: Judith Engst
Korrektorat: Silvia Kinkel
Umschlaggestaltung Pamela Machleidt, München
Umschlagabbildung: Getty Images/Daniel Roland
Satz: ZeroSoft, Timisoara
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-95972-569-9
ISBN E-Book (PDF) 978-3-98609-080-7
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-98609-081-4
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Vorwort
Kapitel 1: Einleitung
Kapitel 2: Finanzplanung und Ausgabenbegrenzung
2.1 Reichtum ist planbar
2.2 Ausgabenbegrenzung
2.3 Wenn der Beruf keine Berufung mehr ist
2.4 Work-Life-Balance und sanfter Frugalismus
2.5 Meine Finanzplanung nach Lebensdekaden
2.6 Die Finanzkompetenz von Kindern stärken
Kapitel 3: Warum sind Aktien alternativlos?
3.1 Sparbuch
3.2 Gold und Edelmetalle
3.3 Immobilien
3.4 Staatsanleihen
3.5 Unternehmensanleihen
3.6 Mischfonds
3.7 Wandelanleihen
3.8 Kryptowährungen
3.9 Schleichende Kapitalvernichtung
3.10 Vergleich der Assetklassen
Kapitel 4: Aktien kaufen mit Plan
4.1 Was sollte ich vor dem ersten Aktienkauf tun?
4.2 Jährlich 1000 € sparen mit der richtigen Broker-Wahl
4.3 Die Wahl des richtigen Brokers
4.4 Typische Fehler vermeiden
4.5 Mein Plan: Die Hoch-Tief-Mut-Strategie
4.6 Vergleich Hoch-Tief-Mut-Strategie – gängige Empfehlungen
4.7 Checkliste zum Aktienkauf
4.8 Jagdreviere für Fortgeschrittene: Nebenwerte
4.9 Wann ist es Zeit, umzuschichten?
4.10 Optionsscheine und Zertifikate
Kapitel 5: Fundamentalanalyse und technische Chartanalyse
5.1 Die wichtigsten Kennzahlen
5.2 Langfristige Chart-Betrachtung
5.3 200-Tageslinie beziehungsweis GD-200 oder MA-200
5.4 Unterstützungs- und Widerstandslinien
Kapitel 6: Aktien handeln mit gutem Gewissen
6.1 Warum ich als Aktionär ein gutes Gewissen haben sollte
6.2 Was bedeutet ESG?
6.3 Weitere Kriterien für Nachhaltigkeit
6.4 Checkliste nachhaltige Aktien
6.5 Nachhaltige Aktien und ETFs
Kapitel 7: Aktienfonds und ETFs
7.1 Aktienfonds und ETFs im Vergleich
7.2 ETFs als Fundament
7.3 ETF-Sparpläne
7.4 ETFs nach Indizes
7.5 ETFs nach Regionen
7.6 ETFs nach Branchen
7.7 Dividendenstarke ETFs, ausschüttend
7.8 Faktor-ETFs
7.9 Checkliste für die ETF-Auswahl
7.10 Weitere ETPs
Kapitel 8: Aktien auswählen
8.1 Mit einem guten Fundament starten
8.2 Aktien-Auswahl nach Regionen
8.3 Aktien-Auswahl nach Branchen
8.4 Dividendenstarke Aktien
8.5 Nebenwerte-Aktien
8.6 Anlageideen für jede Lebensphase
8.7 Mein Portfolio-Management
8.8 Rechtlicher Hinweis
Kapitel 9: Aktien entspannt handeln dank mentaler Stärke
9.1 Behavioral Finance
9.2 Das Wesen der Börse begreifen und akzeptieren
9.3 Schritte zu wachsender mentaler Stärke
9.4 Wege zu mehr Zufriedenheit
9.5 Der Crash als Chance zur Outperformance
Kapitel 10: Anhang
10.1 Aktuelles Börsenlexikon
Meine Mutter Beate Sander, bekannt als Deutschlands Börsen-Oma, Bestsellerautorin und erfolgreiche Aktionärin, war so überzeugt von ihrer Strategie, dass sie keine Gelegenheit ausließ, um möglichst viele Menschen auf die Wichtigkeit und Alternativlosigkeit einer selbstbestimmten, planvollen Aktienanlage hinzuweisen.
In ihren zahlreichen Internetauftritten und Büchern – allen voran dem Bestseller »Der Aktien- und Börsenführerschein« – leben ihre Ideen weiter.
Mein eigenes Anlageverhalten wurde maßgeblich von Beate beeinflusst. Mehr als zwanzig Jahre lang tauschten wir uns über das Börsengeschehen aus – und so war mein Erfolg an der Börse kein Zufall, sondern das Ergebnis einer guten Planung und einer hervorragenden Mentorin. Meine Planung fußte auf ihrer fundierten, langfristig ausgerichteten Strategie. Meinen Lehrerjob habe ich inzwischen an den Nagel gehängt, um mich voll und ganz dem Thema Börse widmen zu können. Da ich mittlerweile an der Hochschule als Dozent Wirtschaftswissenschaften lehre, bleibe ich auch wissenschaftlich auf dem neuesten Stand.
An dem unglaublichen Potenzial, das von Beates Ansatz ausgeht, möchte ich Sie gerne teilhaben lassen. Dazu werde ich an konkreten und leicht verständlichen Beispielen die wichtigen Grundsätze erläutern, die es Beate und mir ermöglicht haben, langfristig ein Vermögen auf- und auszubauen.
Die sozialen Medien sind voll von unseriösen und dubiosen Empfehlungen zu waghalsigen und hochriskanten Anlageempfehlungen. Gleichzeitig wird Panik verbreitet und vor platzenden Spekulationsblasen gewarnt. Banken wiederum versuchen, ihre eigenen Produkte zu platzieren, die häufig mit hohen Gebühren einhergehen.
Gut beraten ist da, wer sich unabhängig und vielfältig informiert, auch bei Menschen, die selbst als Privatanleger aktiv sind, den wissenschaftlichen Hintergrund kennen und nur das empfehlen, was sie selbst erfolgreich praktizieren.
Wer nicht gut investiert, verliert langfristig einen beachtlichen Teil seines Geldvermögens. Selbst in Zeiten, als man für Festgeldanlagen noch 2 oder 3 Prozent Zinsen bekam, reichte die Rendite fast nie aus, um die Preissteigerung auszugleichen. Inzwischen gibt es so gut wie überhaupt keine Zinsen mehr, und Sparer werden stattdessen mit Strafzinsen, sogenannten Verwahr-Entgelten gequält.
Dass man durch eine geschickte Geldanlage selbst bei begrenzten finanziellen Voraussetzungen ein Vermögen aufbauen kann, ist vielen Menschen bekannt und dazu gibt es auch schon reichlich Literatur. Allerdings sind die vielen und komplizierten Informationen oft unseriös und mitunter schwer zu verstehen. In diesem Buch werde ich zeigen, dass es auch für Privatanleger in jeder Lebensphase gute und solide Möglichkeiten zum Vermögensaufbau gibt.
In zahlreichen Gesprächen habe ich erfahren, dass der finanzielle Reichtum oft abgekoppelt von der Lebenszufriedenheit ist. Mein Ansatz besteht deshalb darin, finanziellen Erfolg im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung mit der Lebenszufriedenheit in Einklang zu bringen. Dieser Ansatz ermöglicht es mir, als Aktionär gut und beruhigt zu schlafen – trotz oder besser gesagt aufgrund einer gut gestreuten und langfristig ausgerichteten Anlage.
Da Emotionen wie Angst und Panik, aber auch Euphorie bei der Geldanlage zu großen Fehlern führen können, zeige ich Wege auf, wie man störende Emotionen wahrnehmen und kontrollieren kann, um in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren. Turbulenzen an den Finanzmärkten lassen mich ziemlich kalt, wenn ich weiß, dass ich ein gut diversifiziertes und widerstandsfähiges Depot aufgebaut habe, das langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit eine gute Rendite bringen wird. Vorübergehende Krisenphasen kann ich auf dieser Grundlage gut aussitzen.
Wenn man langfristig ein Vermögen aufbauen will, ist es hilfreich, möglichst früh einige grundlegende Überlegungen anzustellen. In diesem Zusammenhang werden immer wieder Begriffe wie Risikoneigung, Anlagehorizont, Vermögensdecke, Renditeerwartung und Lebensalter genannt.
Dabei wäre es jedem Anleger am liebsten, in jedem Lebensabschnitt, zu jeder Zeit und unabhängig von der persönlichen Situation eine hohe Rendite ohne Risiko zu erzielen. Hohe Rendite ohne Risiko ist allerdings nicht möglich, auch wenn dies in unseriösen Quellen immer wieder angepriesen wird.
Wer hingegen geduldig, diszipliniert und gut informiert vorgeht, bringt wesentliche Voraussetzungen für einen langfristigen, finanziellen Erfolg mit. Der folgende Auszug aus dem Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts am Beispiel des DAX zeigt, dass man vor allem dann mit ordentlichen Renditen rechnen kann, wenn man lange genug in Aktien investiert.
Ein Rechenbeispiel zum Renditedreieck: Wer Ende 2011 auf den DAX setzte und das Investment zehn Jahre hielt, erreichte jährlich eine durchschnittliche Rendite von +10 Prozent, insgesamt also mehr als eine Kursverdopplung aufgrund des Zinseszins-Effektes. Ähnlich hohe und teilweise sogar noch höhere Renditen konnten auch mit dem MDAX, mit global ausgerichteten ETFs etwa auf den MSCI World oder auf nordamerikanische Indizes wie den S&P 500 erzielt werden.
Dabei will ich nicht verschweigen, dass unter den vielen Jahren mit positiver Rendite auch einzelne mitunter sehr »madige Jahre« dabei sind. In den vergangenen zehn Jahren reichte die Ein-Jahres-Rendite im DAX von minus 18 Prozent bis plus 29 Prozent. Entscheidend ist für mich der langfristige Zeitraum, der im Renditedreieck unten rechts zu finden ist. Die dort ausgewiesenen jährlichen Renditen von plus 7 bis plus 10 Prozent entsprechen ungefähr den Werten, die man auch für wesentlich längere Betrachtungszeiträume berechnen kann. In der folgenden Tabelle zeige und vergleiche ich dies an den Zehn-Jahres-Renditen der vergangenen 90 Jahre aus DAX und S&P 500.
Grafik: selbst nachgebildeter Auszug aus dem DAX-Renditedreieck,Quelle: Deutsches Aktieninstitut, www.dai.de
Langfristige Chart-Entwicklungen des DAX und des S&P 500*
Zeitraum (jeweils von/bis 1. Handelstag im Januar)
DAX(Performance-Index)
S&P 500(Kursindex)
1932–1942
+ 7,0 %
1942–1952
+ 167,4 %
1952–1962
+ 200,6 %
1962–1972
- 3,6 %
+ 43,9 %
1972–1982
+ 1,1 %
+ 20,5 %
1982–1992
+ 221,4 %
+ 239,8 %
1992–2002
+ 218,7 %
+ 175,1 %
2002–2012
+ 14,4 %
+ 8,9 %
2012–2022
+ 161,5 %
+ 273,2 %
* Alle Angaben ohne Gewähr. Eigene Zusammenstellung auf Grundlage der Daten von www.finanzen.net
Beim S&P 500 (Kursindex) werden die Dividenden im Gegensatz zum DAX (Performance-Index) nicht berücksichtigt, sie machen beim S&P 500 im jährlichen Durchschnitt knapp 1 Prozent aus, aber auch das summiert sich in einer Dekade schnell auf 10 Prozent. Dennoch war die Performance des S&P-500-Index in den vergleichbaren Zeiträumen meist besser als die des DAX.
Mit Ausnahme des Zeitraums von 1962 bis 1972 brachten alle Dekaden eine positive Rendite, häufig war diese sogar dreistellig. Bei diesen langen Betrachtungszeiträumen erkennt man aber auch, dass es keine Garantie für eine üppige Rendite gibt, sondern lediglich eine hohe Wahrscheinlichkeit.
Kurz- und mittelfristige Rücksetzer gehören untrennbar zur Aktienanlage dazu. Sie lassen sich nicht vermeiden. 2020 setzte die Coronakrise die Aktienmärkte gewaltig unter Druck, doch die Erholung danach setzte schnell wieder ein. 2022 sorgten der Ukraine-Konflikt und die gestiegene Inflation für Verunsicherung.
Damit man in Phasen rückläufiger Kurse keine Fehler begeht, bedarf es mentaler Stärke, die sich zu einem gewissen Grad trainieren lässt, darauf gehe ich in Kapitel 9 des Buches genauer ein. Auch das Studium langfristiger Kursverläufe hilft enorm, »risikokompetent« zu werden. Mit Risikokompetenz ist gemeint, Risiken besser abschätzen zu können und die eigene Verunsicherung dadurch zu verringern.
Erfolg ist kein Glücksfall, sondern das Ergebnis einer guten und langfristigen Planung. Es ist spannend, sich schon vor oder während der beruflichen Ausbildung auszurechen, wie viel Geld man in seinem »Berufsleben« verdienen kann, selbst wenn dies mit vielen Unwägbarkeiten verbunden ist.
Da ich mich für ein Hochschul-Studium entschied, bezog ich erst mit 26 Jahren im Referendariat ein regelmäßiges, festes Gehalt. Zuvor war ich auf Nebenjobs in den Semesterferien oder an den Wochenenden angewiesen.
Da ich als Lehrer verbeamtet war, waren meine Einkünfte gut planbar. Mit einem durchschnittlichen Netto-Einkommen von ca. 2500 Euro pro Monat konnte ich in 25 Berufsjahren Gesamteinkünfte von ca. 750.000 Euro erzielen. Hätte ich bis zur Pension als Lehrer »durchgearbeitet«, wären die gesamten Nettogehalt Einkünfte der 40 Berufsjahre – wie in vielen anderen Berufen auch – auf über 1 Million Euro angestiegen.
Diesen Wert, den man im Laufe eines Lebens erwirtschaftet, kann man auch als »Humankapital« bezeichnen. Zu den eigenen Einnahmen kommen eventuell noch weitere Unterstützungen und nicht planbare Einkünfte z. B. im Rahmen einer Erbschaft dazu.
Der Begriff Humankapital überbetont den finanziellen Aspekt, der an die Leistungsfähigkeit eines Menschen geknüpft ist. Daneben messe ich anderen Bereichen, wie Kreativität, dem Empfinden von Glück und Zufriedenheiten, der sozialen Verbundenheit, eine mindestens genauso hohe Bedeutung zu.
Wie viel finanziellen Erfolg man aus seinen Einkünften generiert, lässt sich mit verschiedenen Stellschrauben regulieren. Genauso wichtig wie die Einkommensseite ist es dabei, die Ausgaben zu prüfen.
»Von Millionären kann man das Sparen lernen.«
Diesen gängigen Spruch kann ich vollständig auf meine Mutter übertragen, die sich drei Mal überlegt hat, ob sie etwas wirklich benötigt, bevor sie einen Kauf tätigte.
Die Ausgabenbegrenzung schafft erst die Voraussetzung für den rechtzeitigen und konsequenten Anlageplan. Um diese These zu stützen, könnte ich gleich mehrere Beispiele aus meinem Bekanntenkreis aufzählen. Trotz eines vergleichbaren Einkommens saß das Geld bei einigen Menschen aus meinem Umfeld locker. Es kam ständig zu Spontankäufen, und für Urlaubsreisen wurden teilweise fünfstellige Beträge ausgegeben. Umgekehrt ist es hingegen oft so, dass ein Sparplan diszipliniert. Das Geld, das sich auf dem Girokonto gar nicht erst anhäuft, wird dann auch nicht für unnötigen Schnickschnack ausgegeben.
In diesem Kapitel zeige ich einige Möglichkeiten auf, wie ich meine Ausgaben von Anfang an beschränkt habe, um auch schon in jungen Jahren mit geringen Einkünften eine hohe Sparquote zu erzielen.
Je höher die Sparquote ist, desto stärker kann man in die Zukunft investieren.
Die folgenden Punkte halte ich darüber hinaus für gute Ansatzpunkte, um jungen Menschen dabei zu helfen, Finanzkompetenz zu entwickeln. Sie fußen allerdings auf meiner bzw. auf unserer individuellen Situation als Familie und sind daher nicht für jeden Menschen in jeder Lebenslage passend.
In der Studentenzeit gewöhnte ich mir einen sparsamen Lebensstil an – und ich gewann in dieser Zeit bereits die für mich prägende Erkenntnis, dass ein intensives und erfüllendes Leben nicht an materiellen Konsum geknüpft sein muss. Aus der Glücksforschung weiß man, dass ein gewisses Grundeinkommen wichtig ist, um vor finanziellen Sorgen geschützt zu sein. Ein weiterer finanzieller Zuwachs führt dann aber kaum zu noch mehr Zufriedenheit – wenn überhaupt.
Quelle: Alexas_Fotos auf Pixabay (lizenzfrei)
Schon beim Berufseintritt entschied ich mich für eine Teilzeit-Anstellung mit 75 Prozent und gleichzeitig für eine hohe Sparquote von meist 20 bis 30 Prozent.
Da ich mehr freie Zeit hatte, brauchte ich auch etwas weniger Geld. Essen konnte ich mir selbst zubereiten, Einkäufe konnte ich gut vorbereiten, um mich vor unnötigen Impulskäufen zu schützen.
Außerdem hatte ich genug Zeit, Preise und Qualität zu vergleichen. Soziale Kontakte konnte ich gut pflegen – und ich verspürte auch nicht den Druck, eine starke berufliche Belastung durch teure Kurzurlaube ausgleichen zu müssen.
Meine hohe Sparquote disziplinierte das Ausgabeverhalten und so habe ich mir das weit verbreitete überflüssige Konsumverhalten nie angewöhnt. Gleichzeitig fühlte ich mich ziemlich frei und unabhängig.
Der Konsumverzicht sollte natürlich nicht zwanghaft werden. Das Leben ist etwas Besonderes, da ist es schon wichtig, sich ab und zu etwas gönnen zu dürfen. Für die mir besonders wichtigen Bereiche – wie z. B. Kunst und Kultur – war ich jederzeit bereit, Geld in die Hand zu nehmen. So bin ich rückblickend sehr froh, auf vielen großen (Rock-)Konzerten und anderen kulturellen Events (Ausstellungen, Theateraufführungen, Lesungen etc.) gewesen zu sein.
Auch das Reisen ist mir wichtig. Allerdings bevorzuge ich naturnahe Campingurlaube, häufig in der Umgebung, teilweise auch in Österreich, Norditalien, Frankreich und Ungarn.
Dabei galt und gilt immer: Der Weg ist das Ziel. Routen werden in der Regel mit vielen Zwischenetappen geplant, sodass jeder Tag ein Urlaubstag ist – und die Entspannung sofort bei Aufbruch beginnt. Das Dachzelt ist dabei unser ständiger Begleiter seit 1999.
Mit kostspieligen Hobbys konnte ich mich nie anfreunden. Radfahren, Schwimmen und Stand-Up-Paddeln im Sommer, Langlaufen im Winter und wandern ganzjährig gibt es fast zum Nulltarif. Schallplatten und CDs lassen sich günstig auf Flohmärkten beschaffen – und dort wird man auch Dinge, die man nicht braucht, gut los. Flohmärkte hatten daher schon seit langer Zeit eine anziehende Wirkung auf mich, zumal auch dort der soziale Kontakt mindestens eine genauso wichtige Rolle spielt wie der Konsum, abgesehen davon, dass eine Weitergabe nicht benötigter Konsumgüter besonders nachhaltig ist.
Statt teuer zum Essen zu gehen, genossen und genießen meine Familie und ich bei schönem Wetter ein Picknick im Freien sowie gemeinsames Brunchen mit Freunden. Wir sparen dabei nicht an der Qualität der Grundnahrungsmittel, die oft auch aus regionalem und biologischem Anbau stammen. Allerdings nutzen wir vor allem saisonale Produkte und wählen in der Regel die günstigere »Bück-Ware« und verzichten weitgehend auf Marken-Produkte.
Quelle: eigene Aufnahmen der letzten Urlaube
Auf Statussymbole verzichte ich gerne, was man auch meinem jeweiligen Auto gut ansehen konnte: 126 Bambino, Citroen 2 CV (Ente), Seat Marbella, Lada Samara, Dacia Sandero und inzwischen ein Dacia Dokker.
Mit Sparpreis-Angeboten lassen sich Fernverbindungen mit Fernbussen oder Bahnen zu günstigen Preisen buchen und Kinder unter 15 Jahren können oft kostenlos mitgenommen werden.
Nicht nur bei den Nahrungsmitteln, sondern auch bei Kleidung, Elektronik und bei der Wahl des Kraftfahrzeuges lässt sich durch das Umgehen von Markenartikeln eine Menge Geld sparen.
Einer der größten Ausgabeposten und somit auch das größte Sparpotenzial ist mit der Auswahl der eigenen Wohnung verbunden. Um einerseits Geld zu sparen, andererseits aber auch sozial in hohem Maße verbunden zu bleiben, wohnte ich auch nach dem Studium noch jahrelang in Wohngemeinschaften. Auch die erste gemeinsame Wohnung, die ich dann nach drei Jahren im Lehrerberuf gemeinsam mit meiner Frau bezog, war mit 48 m2 nicht sehr groß. Sie hatte aber trotz baulicher Mängel ihren Charme, lag zentral und war von der Miete her sehr günstig. Um mit dem geringen Platz besser auszukommen, half ein Hochbett.
Die jahrelange, hohe Sparquote ermöglichte es meiner Familie und mir, nach der Geburt der Tochter von der günstigen Mietwohnung direkt in ein einfaches, staatlich gefördertes Reihenhaus zu ziehen, das damals im Jahr 2005 für rund 300.000 Euro zu kaufen war. In den zehn Jahren Berufstätigkeit hatte ich bereits über 70.000 Euro angespart, auch mithilfe von Aktien.
Zusammen mit den Ersparnissen meiner Frau und der Unterstützung meiner Mutter war die damals von der Bank geforderte Eigenkapitalquote von 30 Prozent für uns gut zu erreichen. In den zehn Jahren nach diesem Kauf stockte ich dann meine Arbeitszeit vorübergehend auf 100 Prozent auf. Das Häuschen konnte dadurch mit einer besonders hohen Tilgungsrate von 7 Prozent und der damals noch üppigen Eigenheimzulage bereits nach zwölf Jahren komplett abgezahlt werden. Durch den Wegfall der Tilgung bzw. der Miete konnte ich die Sparquote noch weiter erhöhen – und von nun an floss mit 80 Prozent der Großteil des verfügbaren Kapitals direkt in Aktien. Die restlichen 20 Prozent, die in Form von Cash vorliegen, bilden einen Puffer für Rücklagen.
Nachdem das Haus abgezahlt war, konnten wir beide unsere Arbeitszeit wieder auf ca. 70 Prozent reduzieren – und wir gewannen dadurch etwas zurück, was für uns einen viel höheren Gegenwert als Geld hat, nämlich mehr Zeit für die Familie, mehr Zeit für Freunde und mehr Zeit für uns. Ein weiteres Ziel für mich bestand darin, früher aus dem Lehrerberuf auszuscheiden.
In den ersten Berufsjahren und später auch bei der Familiengründung waren die Annehmlichkeiten, Vergünstigungen und Sicherheiten, die mit dem Beamtentum verbunden waren, sehr hilfreich. Erst viele Jahre später störten mich die beruflichen Einschränkungen und Gängelungen immer mehr. Manche Bekannte sagten, das ist »Jammern auf hohem Niveau«. Das mag stimmen. Aber man sollte nicht unterschätzen, wie problematisch es werden kann, wenn man sich von Jahr zu Jahr immer weniger mit den übertragenen beruflichen Aufgaben identifizieren kann. Bei mir hatten sich zudem die Rahmenbedingungen stark verändert.
Nicht jeder hat das Glück, langfristig eine Berufung in seinem Beruf zu finden. Bei meiner Frau, die ebenfalls als Lehrerin arbeitet, ist das so. Auch ich empfand den Lehrerjob in den ersten Berufsjahren als sehr erfüllend. Allerdings änderte sich das im Laufe der Zeit. Die Arbeitsbedingungen in meiner Schule verschlechterten sich im Laufe der Jahre drastisch. Die Schule, eine ehemalige Realschule, inzwischen Gemeinschaftsschule, wurde zur Brennpunktschule, nachdem drei angrenzende Hauptschulen und eine »Förderschule« geschlossen wurden. Wir Lehrer konnten den vielen Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen überhaupt nicht mehr gerecht werden. Die Klassen waren groß, das Gebäude aus den 1960er-Jahren baufällig und heruntergekommen. Die Räume heizten sich im Sommer massiv auf, Dämmung und funktionierende Rollos gab es nicht. Rückblickend macht es mich traurig, dass ein reiches Industrieland den Betrieb einer solchen Schule überhaupt zulässt! Pädagogisch fühlte ich mich aufgrund meiner Zusatzqualifikationen zwar kompetent, als Fortbildner für Lehrkräfte war ich im Bereich Classroom Management tätig und hatte oft auch einen guten Draht zu den Kindern, deren Eltern und dem Schulpersonal. Trotzdem kam ich immer häufiger an meine Belastungsgrenzen.
Die Konflikte zwischen den Kindern nahmen zu und wurden immer aggressiver ausgetragen. Es war dann kaum noch möglich, die Probleme aus dem Schulalltag nicht mit nach Hause zu nehmen. Die zunehmende psychische Belastung, der Lärm, der Personalmangel, der zu zahlreichen Mehrarbeitsstunden und Parallel-Aufsichten führte, war für mich wie auch für viele andere aus der Schulgemeinschaft kaum noch zu ertragen. Nachmittags zwei Klassen mit 55 pubertierenden Jugendlichen in zwei Räumen parallel naturwissenschaftlich unterrichten zu müssen, das war für mich keine Ausnahme mehr, sondern es wurde zur Regel. Da ich mit Physik ein sogenanntes Mangelfach unterrichtete, durfte ich mich als Beamter nicht von meiner Schule weg versetzen lassen. Selbst meine Abordnung als Dozent an die Hochschule konnte wegen des Lehrkräftemangels nicht mehr verlängert werden. Ich hätte nach der jahrelangen, erfolgreichen und erfüllenden Abordnung wieder an die Schule zurückkehren müssen. Und so reifte mein Wunsch, vorzeitig aus dem Lehrerberuf auszuscheiden.
Dank der Zusatzqualifikationen hatte ich schon seit geraumer Zeit einen Austritt aus dem engen Korsett des Beamtentums und den Beginn der Freiberuflichkeit im Hinterkopf. Grundlage dafür war eine Erkenntnis, die sich durch das ganze Leben zog: Zeit ist viel wichtiger als Geld und Luxus. Anders betrachtet liegt der wahre Luxus darin, Zeit zu haben für das, was einem wichtig ist.
Nach Beates Tod war ich eine der vierzehn Personen, die im Nachlass bedacht wurden. Ich wurde dadurch zwar nicht zum Millionär, hatte aber ungefähr so viel geerbt, wie ich benötige, um die finanzielle Lücke zu schließen, die sich durch den vorzeitigen Dienstaustritt ergab. Danach zögerte ich keine Sekunde und setzte sofort das Kündigungsschreiben an meinen Chef auf. Das war vor einem Jahr.
Eine immense Last fiel danach von mir ab. Seither genieße ich meine neu gewonnene Unabhängigkeit und die Freiheit. Obwohl sich meine Arbeitszeit dadurch nicht reduziert hat, empfinde ich die Freiberuflichkeit als viel anregender als das Beamtendasein, weil ich nun selbstbestimmt entscheiden kann, was ich wann zu tun habe.
Auch ohne die Erbschaft hätte ich den Ausbruch aus dem Hamsterrad wagen können, weil ich mir bereits zuvor über Jahre Rücklagen aufgebaut hatte. Ich bin mir inzwischen sicher, dass ich den ungeliebten Job auch ohne Erbschaft gekündigt hätte. Übergangsweise hätte ich dann aber erst noch nach einer beruflichen Anstellung gesucht, bevor ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hätte.
Finanzielle Rücklagen bedeuten für mich in erster Linie nicht Luxus, sondern sie geben mir Freiheit. Mit Freiheit wiederum verbinde ich die Möglichkeit, das zu tun, was ich für wichtig halte, und genug Zeit für meine Familie, meine Freunde und für mich selbst zu haben.
Jeder Mensch, der Geld anlegt, findet andere Motive für sein Investment, und es lohnt sich durchaus, darüber genauer nachzudenken, um die Motivation auch in den unvermeidbaren schwierigen Zeiten aufrechtzuerhalten und die Sparquote hochzuhalten.
Für mich war es eine Vielzahl von Gründen, die mich schon frühzeitig zum Investieren brachte:
berufliche Freiheit, Möglichkeit der Selbstständigkeit, Weiterbildung
berufliche Auszeit, Sabbatical, vorzeitiger Berufsaustritt
Ausbildung der Kinder
sorgenloser Ruhestand, Schließen der Rentenlücke
Anderen Menschen wären vielleicht Luxusgüter wie ein tolles Auto, wertvoller Schmuck etc. wichtiger, und das will ich auch gar nicht werten. Allerdings war und ist mein Grundansatz mit einer bescheidenen Lebensweise gut vereinbar.
Einen sparsamen Lebensstil mit klar definierter Ausgabenkontrolle beschreibt man heutzutage mit dem Begriff »Frugalismus«. Frugal zu leben, bedeutet für mich nicht Verzicht, sondern vielmehr Freiheit, freie Zeit, Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit.
Denn dieser »Verzicht« ist nicht erzwungen, sondern selbstgewählt – und von meiner Wahrnehmung her ein Ausbruch aus den Verlockungen der Konsumgesellschaft, der sich richtig gut anfühlt. Mein Sparwille hat auch nie verhindert, dass ich mir bzw. wir uns auch ab und zu mal etwas Kostspieliges leisteten – und das auch konnten. Aber kostspielige Unternehmungen sind immer etwas Besonderes und werden nicht zur Gewohnheit.
Aus der Glücksforschung weiß man, dass das Erleben von Glück und Zufriedenheit nur bedingt mit den finanziellen Grundlagen zusammenhängt. Ab einem Netto-Einkommen von ca. 2500 bis 3000 Euro steigt die Zufriedenheit kaum noch an, wenn die Einkünfte weiter steigen.
So gesehen ist es ideal, wenn man sich zum Mittelstand bzw. zum gehobenen Mittelstand zählen darf. In einer Partnerschaft kommen zudem noch Synergieeffekte zum Tragen: Die Wohnungsmiete kann gemeinsam bezahlt werden, Haushaltsgeräte müssen nicht doppelt angeschafft werden. Auch das senkt die Kosten.
So steuert auch meine Frau ein zusätzliches Einkommen bei, ansonsten wäre die Sparquote und die hohe Sondertilgung nicht gleichzeitig möglich gewesen.
Statistisch gesehen gehören meine Frau und ich zur Mittelschicht – und daran hat die Erbschaft nicht viel geändert, da dieses Erbe vor allem die Finanzierungslücke schließt, die durch meinen Austritt aus dem Beamtenverhältnis verbunden ist. Ohne diese Erbschaft hätte mein Plan für die nächsten Jahre etwas anders ausgesehen.
Die Arbeitszeit im Lehrerberuf hätte ich schrittweise reduziert – und im Gegenzug die Nebentätigkeiten im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ausgeweitet. Leider sind die Richtlinien dazu sehr streng.
Quelle: Gerd Altmann auf Pixabay (lizenzfrei)
Wenn man früh genug damit anfängt, Geld zur Seite zu legen und sinnvoll anzulegen, kann man früher aus dem Hamsterrad der Arbeit entfliehen. Das ist vor allem für diejenigen verlockend, die noch nicht in den Genuss gekommen sind, selbstbestimmt zu arbeiten, sondern sich als Angestellte oder Beamte einem hierarchischen System unterordnen müssen.
Mein Ziel ist es dabei nicht, als Privatier ausschließlich von den Ersparnissen zu leben, sondern freiberuflich den Tätigkeiten nachzugehen, die ich für sinnvoll und erfüllend halte.
Nach meinen Berechnungen hätte ich die »Einkommens- und Renten-Lücke« durch das angesparte Aktienvermögen auch ohne Erbe in weniger als zehn Jahren schließen können. Das ging nun etwas schneller, wobei ich gerne betone, dass Beate so vorausschauend war, ihr Erbe auf eine größere Anzahl an Personen zu verteilen, wohlwissend, dass zu viel Vermögen auf einmal einen negativen Einfluss auf die Persönlichkeit haben kann sowie träge und unzufrieden macht.
Mein Vater war, was die Lebensplanung angeht, auch ein gutes Vorbild für mich. Er hatte sich ebenfalls etwas früher aus dem Berufsleben verabschiedet und trat mit 63 Jahren in den Vorruhestand ein. Das gab ihm die Möglichkeit, sein Leben als Pensionär noch über einen Zeitraum von rund 20 Jahren genießen zu können. Als er danach schwer erkrankte, begleitete ich ihn in seiner letzten Lebensphase, da ich ihn in unmittelbarer Nachbarschaft in einem Mehrgenerationenhaus anmeldete. So konnte ich ihn häufig besuchen.
Während meiner Zivildienstzeit in den Jahren 1989 und 1990 in der Neurologie-Station im Krankenhaus hatte ich schon in jungen Jahren intensiven Kontakt mit schwerkranken Menschen gehabt. In dieser Zeit hatte ich mich intensiv mit den grundsätzlichen Fragen über das Leben und den Tod auseinandergesetzt. Die Station versorgte damals schwerpunktmäßig Menschen mit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und AIDS. Die Krankheits-Verläufe waren damals oft tödlich und so verstarben einige der mir lieb gewonnenen Patienten mitunter sehr schnell.
Diese Erfahrungen bestärkten mich sehr nachhaltig darin, das Leben intensiv zu leben und einen eigenen Plan zu entwickeln. Dieser Plan besteht auch darin, dem Beruf und der Arbeitszeit nicht zu viel Gewicht zu verleihen, sondern auf eine ausgewogene Mischung aus Freizeit, sozialer Zeit in der Gemeinschaft bzw. im Kreis der Freunde und Familie sowie der freien Zeit zu achten.
Mit Interesse verfolge ich inzwischen auch die FIRE-Bewegung. FIRE steht hier für »Financial Independence – Retire Early«, was so viel bedeutet wie »finanzielle Unabhängigkeit – früher in Rente«.
Aus zahlreichen Gesprächen gewinne ich zunehmend den Eindruck, dass die klassische Trennung von Berufsleben und Ruhestand so nicht mehr zeitgemäß ist. Der Trend geht vielmehr in Richtung eines fließenden Überganges. Außerdem wird vielen Arbeitnehmern im Laufe des Berufslebens immer wichtiger, dass sie die Arbeitsbedingungen als weniger belastend empfinden und dass sie bei der Arbeit ein höheres Maß an Selbstbestimmung haben.
Wenn jeder sein ganzes Leben aus der Zukunft rückblickend betrachten könnte, wären sicherlich noch viel mehr Menschen dazu bereit, diesen Ausbruch aus dem Hamsterrad vorzunehmen und nicht Jahre der kostbaren Lebenszeit dafür zu opfern, einer Tätigkeit nachzugehen, die sie belastet oder gar krank macht.
Quelle: dietcheese auf Pixabay (lizenzfrei)
Alter
Zeitraum
Lebensphase, Plan
Einnahmen pro Monat*(*inflationsbereinigt, umgerechnet in Preise vom 01.02.2022)
Ausgaben pro Monat*(*inflationsbereinigt, umgerechnet in Preise vom 01.02.2022)
Sparquote
0-25
Vor 1995
Kindheit, Jugend und Adoleszenz
Bis 1000 Euro (Taschengeld, Ferienjobs, Zivildienst)
Bis 900 Euro (längerfristiges Ansparen auf erste größere Anschaffungen, z. B. Auto)
10 Prozent (Durchschnitt)
25-35
1995-2005
Beginn der Berufstätigkeit als Lehrer für Wirtschaftslehre etc., frugaler Lebensstil, Hochzeit
Lehrergehalt, netto ca. 2500 Euro
1700 Euro (Warm-Miete in WG, gemeinsamer 2-Zi-Wohnung 500 Euro)Versicherungen 400 Euro, Kultur und Freizeit, Rücklagen für Auto etc. 400 Euro, Nahrungsmittel 400)
32 Prozent Beginn des Aktienhandels
35-45
2005-2015
Familiengründung
Lehrergehalt, netto ca. 3000 Euro
1800 Euro (Versicherungen 500 Euro, Kultur und Freizeit, Renovierung, Rücklagen 400 Euro, Nahrungsmittel 500 Euro, Kinder 400 Euro)
40 Prozent für Tilgung und Sondertilgung
45-50
2015-2020
Berufliche Neuorientierung, Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule
Lehrergehalt, netto ca. 2700 Euro (Teilzeit)
1900 Euro
