Mein Kopf, ein Universum - Carmen Kroll - E-Book

Mein Kopf, ein Universum E-Book

Carmen Kroll

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Beschreibung

Das Universum von Carmen Kroll, aka Carmushka, ist turbulent, liebevoll und aufregend. In ihrem ersten Buch erzählt sie ihre persönliche Geschichte, vom Scheitern und von Erfolgen, von großen und kleinen Wünschen, die sie sich mal mehr, mal weniger nach Plan erfüllt. Immer mit dabei: ihre ganz eigenen Wunder, die ihr durch Manifestation begegnen.

Carmen teilt konkrete Tipps und Denkanstöße, die dich deinem eigenen Wunschuniversum näherbringen. Das wartet nämlich nur darauf, entdeckt zu werden!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 357

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Mein Kopf, ein Universum

Von Tagträumen, Wunschdenken & kleinen Wunde(r)n

von

Carmen Kroll

IMPRESSUM

Mein Kopf, ein Universum

1. überarbeitete Auflage, 2. Gesamtauflage

© 2024 humblebutbold by CE Community Editions GmbH

Weyerstraße 88-90

50676 Köln

Der Titel erschien zuletzt 6/2021 in der 1. Auflage bei Heinen Lovebrands.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk, Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger aller Art, auszugsweisen Nachdruck oder Einspeicherung und Rückgewinnung in Datenverarbeitungsanlagen aller Art, sind vorbehalten. Vervielfältigungen dieses Werkes für das Text- und Data-Mining bleiben vorbehalten.

Die Inhalte dieses Buches sind von Autorin und Verlag sorgfältig erwogen und geprüft, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Eine Haftung von Autorin und Verlag für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

Die Autorin hat dieses Buch nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dass sich dennoch kleine Fehler ihren Weg ins Buch gebahnt haben, kann nicht ausgeschlossen werden. Diese sind nun Teil des unperfekt perfekten Wunschuniversums.

Der Verlag und die Autorin übernehmen hierfür keine Haftung.

Projektkoordination: Christina Götz

Manuskript-Konzept & beratende Autorin: Lilly Adam

Kummerkasten: Karolina Kroll

Lektorat: Saskia Hirschberg

Gestaltung: Marie Vanhofen, Anina Fröschel

Cover-Foto: Nancy Ebert

Make-up Cover Foto: Anne-Marie Dargas

Layout und Satz Erstausgabe: Svenja Kavermann

Satz Neuausgabe: Franziska Junghans, Ka & Jott

Gesetzt aus der Minion Pro von Robert Slimbach und der Futura PT von Isabella Chaeva, Paul Renner, Vladimir Andrich und Vladimir Yefimov.

Gesamtherstellung: humblebutbold by CE Community Editions GmbH

ISBN 978-3-96096-444-5

www.humblebutbold.de

Für Mathilda

Bitte beachte:

Die anonymisierten Fragen des Kummerkastens stammen aus der Carmushka-Community und wurden von meiner Tante und Psychologin Karolina beantwortet. Im Kummerkasten findet sich keine gegenderte Sprache, da er konkrete Situationen einzelner Personen abbildet. Die Ratschläge zeigen eine subjektive Meinung, deren Anwendung auf eigene Verantwortung erfolgt.

Was du auf den folgenden Seiten liest, ist eine Art Tagebuch. All die Geschichten und Erinnerungen stammen direkt aus meinem Kopf und werden aus meiner Perspektive erzählt. Da nicht alle meine Erlebnisse nur von mir allein handeln, gibt es noch weitere Blickwinkel, die hier jedoch nicht abgedruckt sind.

Vorwort

Die Sache mit dem Universum

Ich möchte dir meine Geschichte richtig erzählen. Doch wie fängt man so etwas Wichtiges bloß an? Ich wünsche mir, dass du sie nicht nur liest, sondern auch fühlst, etwas für dich mitnimmst und dich zwischen den Zeilen vielleicht sogar selbst ein wenig wiederfindest. Darum versuche ich es mal so:

Ich kann alles erreichen, was ich nur will.

Gib mir bitte noch ein paar Zeilen Zeit, um dir diesen plumpen Einstieg zu erklären. Er hat seine Berechtigung, denn ich habe ein Geheimnis. Es ist kein gewöhnliches und soll nicht länger eines bleiben. Dieses Geheimnis will gehört und mit der ganzen Welt geteilt werden.

Womit wir bei der zweiten großen Verkündung dieses Vorwortes angelangt wären:

Ich kann mir Wünsche erfüllen.

Um genau zu sein, erfülle nicht ich mir diese Wünsche. Den Part übernimmt mein ganz persönliches Universum für mich. Ein Universum, das ich nicht greifen kann, das oft mit den merkwürdigsten Mitteln arbeitet, mich vor Überwältigung teilweise komplett sprachlos dastehen lässt und mir doch all meine sehnlichsten Wünsche nach und nach erfüllt.

Klingt fantastisch, oder? Vielleicht sogar zu fantastisch, um wahr zu sein. Doch ich kann dich beruhigen: Weder habe ich den Verstand verloren, noch werde ich dich in diesem Buch unter­bewusst in einen Kult locken. Ich möchte dir etwas ganz Einfaches und zugleich doch so Kompliziertes beweisen.

Stünde ich jetzt auf einer Bühne und wäre ein Motivationscoach, würde ich wohl sagen: »Ich habe mein Wunschuniversum gefunden und DU kannst das auch, wetten?«. Hört sich erst mal schrecklich überheblich an, aber diese provokante Behauptung trifft es nun mal auf den Punkt.

Bereits als Kind war mir bewusst, dass ich alles, was ich mir in meinen kühnsten Träumen vorstellte, auch erreichen konnte. Weltbühnen, Traumprinzen, Schlösser – kein Hindernis war zu groß für die kleine Carmen mit ihren riesigen Zielen. Ich konnte alles schaffen!

Damals hatte ich noch keine Ahnung, wer oder was dieser Wunscherfüller war. Das Gesetz der Anziehung oder Die Kraft der positiven Gedanken waren mir noch keine Begriffe. Aber ganz ­intuitiv tat ich das, was diese beiden Theorien ziemlich genau beschreiben: Ich glaubte aus voller Überzeugung an mein Glück, an mein Schicksal und an mich selbst. So oft hatte ich schon beobachten können, wie meine Gedanken zu Dingen wurden, wie meine Wunschträume plötzlich Form annahmen und mich in meinem Glauben an dieses »Irgendwas ist da« bestärkten.

Es war mir schon immer egal, ob andere meine Denkweise naiv finden. So wie ich die Welt sah, und auch heute noch sehe, war sie keinesfalls naiv, sondern Realität.

Dieses »Irgendwas ist da« ergab aber erst dann plötzlich einen Sinn, als das Buch The Secret von Rhonda Byrne in mein Leben trat und all meinen unerklärlichen Gefühlen einen Namen gab. Meine Tagträume waren Visualisierungen. Meinen festen Glauben daran, dass meine Wünsche sich erfüllen, nannte man Manifestieren und der geheimnisvolle Wunscherfüller war in Wirklichkeit mein Universum.

Mein Universum – was bedeutet das denn eigentlich genau? Dieses Universum ist keine unsichtbare Kraft, die dir all deine Wünsche in den Schoß legt. Es ist keine Hermine, die mit Wutschen und Wedeln alles herbeizaubert. Auf gewisse Weise ist mein Wunscherfüller schon magisch, aber dabei geht es eben um die Art von Magie, für die du selbst zuständig bist.

Alles beginnt immer mit einer Sehnsucht, die so groß ist, dass sie sich nicht mehr ignorieren lässt. Einem Bann, dem du dich nicht entziehen kannst, geschweige denn willst. Von dieser all­umfassenden Kraft, die mich mal mehr und mal weniger spürbar schon mein Leben lang begleitet, spreche ich hier. Sie steckt in jedem Wort und in jeder meiner Geschichten.

In den folgenden Kapiteln möchte ich dir zeigen, wieso ich an meiner Anfangsaussage festhalte. Jedes Kapitel zeigt dir einen Wunsch, den ich an mein Universum geschickt habe. Das Erfüllen dieser Wünsche war nicht immer einfach oder schnell – eigentlich nie, wenn ich ehrlich bin. Du wirst irgendwann beim Lesen von mir erfahren, wie verzweifelt ich teilweise war, warum ich manchmal nicht mehr weiterwusste, was genau diese Situation mit mir gemacht hat und wie sehr ich mir teilweise wünschte, einige ­meiner Wünsche so niemals ausgesprochen zu haben. Doch das gehört auch zu meiner Reise dazu. Manchmal musste ich erkennen, dass ich in einer Sackgasse steckte und einige Wünsche nicht deshalb existieren, um erfüllt zu werden, sondern um mir eine Lehre zu sein. Im Nachhinein lässt sich das natürlich immer leicht sagen und klingt auch ganz schön clever. Doch bis zu dieser Einsicht ist es meist ein langer, holpriger Weg.

Ich habe längst nicht alles gelernt, was es zu wissen gibt, und nicht alle meine Wünsche habe ich mir schon erfüllt. An einigen arbeite ich noch. Sie schwirren schon wild umher. Ich kann sie jeden Tag spüren und irgendwann, daran glaube ich ganz fest, werde ich sie einfangen und mir erfüllen. Wenn die Zeit reif ist … Wenn ich bereit bin … Denn, wenn ein Wunsch so groß ist, dass er mitten aus dem Herzen und ganz tief aus der Seele kommt, dann ist das mit dem Erfüllen nie leicht. Große Wünsche bedeuten eben große Hürden, großes Wachstum und große Momente, die Teil einer Geschichte werden. Dieser Geschichte.

Richtig wünschen will gelernt sein

Bevor ich mich nun emotional vor dir ausziehe und meine sehnlichsten Wünsche offenbare, möchte ich noch ein paar Zeilen damit verbringen, dir die Mechanik des Wünschens zu erklären. Denn ja, man kann dabei tatsächlich so einiges falsch machen. Und das hat Konsequenzen.

Ich habe mir diese Vorgehensweise nicht selbst ausgedacht. Sie stammt aus dem Buch The Secret von Rhonda Byrne. Ich lege jedem, der sich wirklich mit seinem Universum auseinandersetzen möchte, die Worte der Autorin ans Herz, denn dieses Buch hat meine Sicht auf die Welt und auf die Rolle, die ich in ihr spiele, komplett verändert!

Gleiches zieht Gleiches an – dieser Gedanke ist wichtig. Halte ihn für einen Moment fest.

Um die Verbindung zwischen Wunsch und Universum zu erklären, vergleicht Byrne sie mit einem Fernsehturm und einem Fernsehgerät. Der Fernsehturm sendet eine Frequenz (den Wunsch) an ein Fernsehgerät (das Universum). Das Gerät wandelt die empfangene Frequenz schließlich in ein Bild um (den erfüllten Wunsch). Dies kann jedoch nur dann geschehen, wenn die vom Fernsehturm ausgehende Frequenz auch empfangen werden kann. Absender und Empfänger müssen also auf derselben Frequenz funken, um das richtige Bild zu liefern.

Auch ohne Fernsehmetapher behalten wir die Idee der Frequenz erst mal bei. Bei einem Wunsch und all unseren Gedanken handelt es sich nämlich tatsächlich um nichts anderes als messbare Frequenzen, die wir in unser Umfeld senden. Sie schwirren so lange frei herum, bis sie auf ein passendes Gegenstück treffen. Ein Ereignis, ein Objekt, ein Mensch – funken Sender und Empfänger auf derselben Frequenz, haben wir einen Treffer. Womit wir nun schon beim ersten Schritt des Wünschens angekommen wären:

Die Essenz des Wunsches finden

Unser Universum wertet nicht. Das heißt: Es zweifelt nicht an, ob die Worte, die empfangen werden, wirklich so gemeint sind. Das Universum nimmt den formulierten Wunsch, leitet ihn ungefiltert an sein Gegenstück weiter und kehrt als erfüllter Wunsch zu dir zurück. Das Universum ist unfehlbar, doch wir Menschen sind es nicht. So kann es leicht geschehen, dass die Erfüllung aufgrund von Formulierungsfehlern unsererseits anders aussieht als erwartet.

An einem banalen Beispiel möchte ich dir zeigen, wie das zu verstehen ist. Nehmen wir mal an, du sendest folgenden Wunsch in dein Universum: In meinem Kühlschrank steht ein HimbeerJoghurt. Dein Universum macht nun, was dein Universum halt tut und sendet dir diesen Joghurt. Dieser ist statt frisch und lecker jedoch abgelaufen und halb aufgegessen. Was ist da passiert?

Der Wunsch war nicht konkret genug formuliert. Er hat nicht die Essenz des Wunsches ausgedrückt. Passender wäre folgende Formulierung gewesen: Ich genieße einen frischen Himbeer-Joghurt.

Joghurt hin oder her – es ist nicht leicht, die Essenz unserer Wünsche auf Anhieb konkret zu formulieren. Oft wissen wir nicht einmal, was genau wir uns wünschen. Und das ist okay, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Sobald es nicht mehr nur um abgelaufene Nahrungsmittel geht, sondern um unser Leben, sollten wir unsere Worte präzise wählen. Manchmal blockieren scheinbar ausweglose Situationen und Sorgen unser Entscheidungsvermögen. Erst wenn wir einen Ausweg aus einer schwierigen Lage finden, können wir klar denken. Damit dir dieser Schritt vielleicht ein wenig leichter fällt, findest du im Anschluss an jedes Kapitel einen thematisch passenden Kummerkasten. Gefragt von lieben Menschen aus meiner Community, beantwortet von meiner Tante und Psychologin Karolina.

Verneinungen in positive Aussagen verwandeln

Statt an einem Joghurt demonstriere ich dir diesen Schritt anhand eines liebevollen Dickhäuters. Bereit?

Ich möchte, dass du jetzt nicht an einen rosa Elefanten denkst.

Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit entsteht genau in diesem Moment ein Bild von einem rosa Riesen vor deinem inneren Auge. Genau so funktioniert auch das Universum. Es sieht, hört und fühlt die Gedanken, mit denen du dich beschäftigst. Egal, in welchem Zusammenhang. Byrne zieht statt des rosa Elefanten ein weiteres Beispiel heran:

»Ich will nicht zu spät kommen«, funkt auf der Frequenz:

Ich will Verspätung

(vgl. Byrne 2006, S. 29)

Die Gedanken, die in dem Moment des Wünschens ausgesandt werden, kreisen um die Verspätung. Du funkst Verspätung, du erhältst sie. Statt dir zu wünschen, nicht zu spät zu kommen, sende die Worte: »Ich erreiche mein Ziel rechtzeitig« direkt ins Universum.

Denke also nicht an das, was du nicht willst. Negative Gedanken bringen dich im Leben und in deinem Wunsch nicht weiter!

Wünsche in der Gegenwart formulieren

Hier greifen wir nun die Aussage Gleiches zieht Gleiches an wieder auf. Wenn wir unseren Wunsch für die Zukunft formulieren, dann funken wir nicht auf der richtigen Wellenlänge. Unser Universum wird diesen Wunsch immer für etwas Zukünftiges halten, das niemals erreicht werden kann. Ich möchte einen Joghurt genießen, sagt aus, dass dies noch nicht geschehen ist. Der Joghurt-Genuss liegt in unbestimmter Zukunft und ist für das Universum somit unerreichbar. Formuliere deine Wünsche im Präsens und signalisiere somit, dass sie genau in diesem Moment schon wahr sind.

Besonders dieser Punkt ist mir zu Beginn schwergefallen. Das wirst du in diesem Buch an manchen Stellen auch lesen. Es fühlt sich anfangs nicht natürlich an, etwas zu behaupten, was (noch) nicht den Tatsachen entspricht. Doch ich habe gelernt, meine Wünsche als eine gewünschte Realität anzuerkennen, die zwar noch nicht greifbar ist, es aber früher oder später sein wird.

Sei bereit, deinen Wunsch zu empfangen

Deinen Wunsch in der Gegenwart zu formulieren, ist schon sehr gut, doch, wenn du weiterhin so lebst, als läge die Erfüllung in der Zukunft, sendest du gemischte Signale aus. Lass deinen Wunsch zu einem Teil deines Alltages werden und beweise deinem Universum, dass du bereit bist, ihn zu empfangen.

Im Anschluss an jede meiner Geschichten zeige ich dir, wie ich mein Leben geändert habe, um meinem Wunsch näher zu kommen. So manche Aktion fühlte sich zu Beginn schon etwas verrückt an, aber mit der Zeit erschuf ich neue Routinen, die zu meiner Realität wurden.

Mit einer dieser Wunsch-Routinen mache ich mir mein Universum jederzeit zugänglich und auf eine ganz persönliche Weise greifbar. Ich muss nicht alles sehen können, um daran zu glauben. Mein Universum ist unsichtbar und doch existent. Es materialisiert sich mit jedem Wunsch, den es mir erfüllt. Trotzdem wollte ich etwas bei mir tragen, das das Unsichtbare sichtbar macht, und habe mich für ein symbolisches Tattoo entschieden. Aber nicht ­irgendeins oder von irgendwem, nein, ein Star-Tätowierer sollte mir 2016 mein Wunschsymbol unter die Haut stechen – seinen Namen lasse ich aus gutem Grund außen vor.

Jedenfalls saß ich um zehn Uhr abends in einem stylischen ­Studio irgendwo in Manhattan und ließ mir einen Kreis tätowieren. Einen Kreis? Ja, einen Kreis. Dieses simple Symbol steht für Vieles: für den Mond, das Karma und alles, was mein Universum umfasst. Ein lückenloser Kreis, der kein Glück und keinen Wunsch verliert – so war die Idee. Ich kann nicht sagen, ob es an seinem Arbeitspensum, der späten Uhrzeit oder daran lag, dass mein einfaches Symbol vielleicht unter der Würde des berühmten Tätowierers war, doch mein teurer Kreis hatte eine Lücke. Das merkte ich natürlich erst am nächsten Tag beim Abziehen der Schutzfolie. Einem Nervenzusammenbruch war ich nur entgangen, weil mein damaliger Freund und heutiger Ehemann Niclas mich bereits aus dem Hotelzimmer in Richtung Flughafen schob, als ich den Makel entdeckt hatte und mir keine Zeit mehr blieb, unter Tränen durchzudrehen. Das war wahrscheinlich der erste und einzige Tag, an dem mich meine Flugangst vor einem Totalausfall bewahrt hat.

Aber um zum Wesentlichen zurückzukehren: Den Kreis habe ich mir in Deutschland schließen lassen und so endlich meinen symbolischen Wunscherfüller erhalten. Das Tattoo auf meinem linken Unterarm ist Teil meines Rituals geworden. Möchte ich ­einen Wunsch aussenden, spreche ich ihn laut aus und drücke meinen rechten Zeigefinger in die Mitte des Kreises. Er ist eine Art Button für mich und meine ganz persönliche Leitung ins Universum.

Ob du eine solche Verbindung brauchst und wie deine Variante aussieht, ist komplett dir überlassen. Aber bis du das herausgefunden hast, lasse ich dir meinen Kreis im Anschluss an dieses Vorwort da. Wenn dir danach ist, selbst einen Wunsch loszuschicken, kannst du meinen Button gerne benutzen. Wir sorgen dann gemeinsam dafür, dass er wahr wird!

Die Theorie ist nun überstanden und die Anleitung ist komplett. Du verfügst über die perfekte Vorlage. Wie du sie umsetzt, liegt nur an dir.

Weil es mir zu Beginn meiner Wunschkarriere selbst recht schwerfiel, richtig zu wünschen, habe ich das Workbook Wenn das Universum antwortet entwickelt. Es soll dir ergänzend zu meinen Erfahrungen eine Stütze sein und dich Schritt für Schritt begleiten, damit du dich auf deinem Weg quer durchs Universum zurechtfindest.

Probiere dich aus und lasse Fehler zu. Auch ich habe meine Wünsche oft unkonkret, verneinend oder schlichtweg halbherzig formuliert. Die Konsequenzen taten oft weh, doch lehrten sie mich, bedachter zu sein und meine Fehler zu korrigieren.

Ich erlaube mir, zu scheitern, zu reflektieren, umzudenken und meinen Wünschen hinterherzujagen. Erlaube du dir das auch!

Und damit willkommen in meinem Universum – jetzt wird’s magisch.

Kapitel 1

Liebes Universum, ich erfahre bedingungslose Liebe

Die große Liebe finden zu wollen, ist nicht wirklich ein ausgefallener Wunsch. Wahrscheinlich ist er sogar auf der Sternschnuppen-, Wimpern- und Geburtstagskerzenliste unangefochten auf Platz 1. Das macht ihn für mich aber nicht weniger besonders. Wenn sich so viele Menschen nach der großen Liebe sehnen, scheint es nicht sehr viele zu geben, die sie tatsächlich finden. Und mein Leben mit unerfüllter Liebe zu verbringen, kam für mich zu keinem Zeitpunkt infrage.

Ich bin ein Trennungskind oder besser gesagt: Meine Eltern waren auch vor meiner Geburt nie wirklich ein festes Paar. Das bedeutet aber nicht, dass ich keine liebevolle Erziehung genossen habe. Meine Mutter schenkte mir all die Liebe, die sie entbehren konnte und mein Vater vergötterte mich als seine kleine Prinzessin. Doch ganz egal, wie sehr mich meine Eltern, jeder auf seine Weise, aus tiefstem Herzen lieben, ich sehnte mich immer nach der familiären Idylle, die ich bei meinen Freund*innen sah.

Unser Familienleben benötigte viel Koordination und das fühlte sich für mich jeden Tag, egal ob Geburtstag oder regulärer Montagmorgen, nach Arbeit statt unbeschwerter Liebe an.

Meine Vorbilder für eine glückliche Beziehung und ein intaktes Elternhaus beschränkten sich also auf Filme, Märchen und meine eigene Vorstellungskraft.

Mama und Papa lieben mich, aber sie lieben sich nicht. Es fiel mir immer schwer, das zu akzeptieren. Wieso konnten sie nicht wie die anderen Eltern zusammenleben, mit mir in den Urlaub fahren, die Feiertage als kleine, glückliche Familie verbringen? Bei anderen funktionierte es doch schließlich auch … Das konnte ich als Kind einfach nicht nachvollziehen.

So sehr ich mir damals wünschte, dass sie, wenn auch nur meinet­wegen, ein Paar waren, desto mehr verstand ich mit dem Älterwerden, wieso das nicht so einfach war. In einer Beziehung geht es schließlich um so viel mehr als Happy-Family-Spielen. Meine Eltern waren kein Liebespaar und ich lernte damit umzugehen. Doch für mein eigenes Leben wollte ich unbedingt einen anderen Weg einschlagen. Ich wollte dieses märchenhafte Gefühl spüren, welches ich mir in meinen romantischsten Träumen ausmalte. Doch was musste ich dafür genau tun?

Nach dieser Antwort suchte ich (kleiner Spoiler, ich habe sie gefunden!), solange ich mich zurückerinnern kann. Als junges, unsicheres Mädchen fand diese Suche noch eher in meinen Gedanken statt. Von einem wunscherfüllenden Universum hatte ich damals noch nie etwas gehört, geschweige denn von der Kraft, die es innehat. Wie ich meine Sehnsüchte formulieren und mich bereitmachen musste, um die Erfüllung meiner Wünsche empfangen zu können, wusste ich nicht. Doch auch ohne dieses Wissen tat ich unbewusst genau das Richtige. Ich malte mir die Begegnung mit meinem Traumprinzen in den lebendigsten Farben aus, verwandelte das Rattern des Schulbusses in die Melodie meines Hochzeitsliedes und erschuf mir meine eigene kleine Welt, in der die Liebe die Hauptrolle spielte. Egal, wie »richtig« meine Gedankengänge laut Universum-Wunsch-Formel waren, so wirklich real wurde mein Märchen nicht auf Anhieb.

Meine erste Beziehung, wenn man sie als solche betiteln konnte, ging ich mit zwölf Jahren ein. So schnell diese begonnen hatte, so schnell war ich auch wieder über sie hinweg. Denn plötzlich gab es da diesen einen Jungen, dem keiner das Wasser reichen konnte: Bill Kaulitz.

Und das meine ich komplett ernst. Es handelte sich nicht um eine kleine Fanschwärmerei. Ich war mir sicher, ihn eines Tages zu heiraten. Er war mein Mann fürs Leben und das glaubte ich länger, als ich jetzt hier zugeben werde. Nachdem ich Monate damit verbracht hatte, den Fernseher anzuschmachten, ohne meinen Bill je live gesehen zu haben, geschweige denn den ersehnten Ring am Finger zu tragen, musste ich mir eingestehen, dass es Zeit wurde, in das echte Leben zurückzukehren.

Wieder in der Realität angekommen (wenn auch mit dem Backup-Plan, Tokio Hotel auf Abruf durch den Monsun zu folgen), verbrachte ich mehr Zeit mit meinen Schulfreund*innen und Menschen, die nicht ganz so unerreichbar waren. So fand ich mich als Dreizehnjährige mit einem Zelt, einem Schlafsack und einer Schüssel Nudelsalat bepackt auf einer Gartenfete wieder.

Ich verliebte mich schon immer schnell. Und das mit allem, was mein Herz zu bieten hat. Sobald ich eine Chance witterte, jemandem meine Liebe schenken zu können, ergriff ich sie. So auch damals auf dieser Feier, auf der ich Lenni traf: Lenni, der nicht wirklich Lenni heißt, riss mich mit seiner geschulterten Gitarre und seinem ansteckenden Lachen an diesem Abend aus meiner Bill-Phase, als hätten die Gefühle für mein Teenie-Idol nicht das geringste Gewicht gehabt. Wir redeten stundenlang über nichts und alles, kuschelten am Lagerfeuer und ich schmachtete ihn durch meine rosarote Brille an, während er auf seiner Gitarre zupfte. Zwischen uns war es gleich so vertraut. Nach einer kurzen, kalten Nacht in getrennten Zelten stand für uns fest: Wir sind jetzt Freund und Freundin. Wow, so schnell kann es gehen – mein Wunschuniversum arbeitete damals schon unter Hochdruck!

In den anschließenden Wochen verbrachten wir kaum einen Tag getrennt voneinander. Sahen wir uns einmal nicht, klingelte spätestens nachmittags das Festnetztelefon und wir hingen stundenlang an der Strippe. Meine Mutter musste ganz schön erfinderisch werden, um das Telefon und mich wieder aus meinem ­Zimmer zu bekommen. Unsere Schnellschussentscheidung, ein Liebespaar zu sein, wurde immer realer und hielt länger, als ­irgendwer in unserem Umfeld je gedacht hätte.

Der erste Kuss fand in seinem unordentlichen Jugendzimmer ein wenig verschämt auf der Bettkante statt. Zwar stellten wir uns beide noch ziemlich unbeholfen an, aber die Schmetterlinge in meinem Bauch gaben Vollgas und mir wurde ganz schwindelig. So fühlte sie sich also an, die Liebe, von der alle sprachen.

Lenni und ich gingen auf dieselbe Schule und verbrachten die Fünfminutenpausen damit, uns verknallte Blicke zuzuwerfen und rumzuknutschen, bis die Schulklingel uns wieder auseinanderriss. Wir waren das typische Teenie-Pärchen, das allen auf die Nase binden musste, wie glücklich es war. Carmen allein gab es nicht mehr. Ich wurde von Carmen zu Carmen und Lenni. Aus dem Ich wurde ein Wir und ich liebte es.

Was wir hatten, war besonders und noch viel schöner, als ich es mir in meinen kühnsten Fantasien hätte ausmalen können. Wenn wir mal nicht jede freie Minute beieinander sein konnten, schrieben wir uns Briefe. Wir malten uns unsere Zukunft aus und schämten uns nie zu sagen, was wir füreinander fühlten. Lenni erfüllte mir sogar einen Traum, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich ihn hatte. Er schrieb mir ein Liebeslied:

Babygirl, ich muss einfach an dich denken.

Ich will dir mein ganzes Leben schenken.

Ich weiß, ich bin manchmal hart zu dir,

doch ich hoffe, durch diesen Satz verzeihst du mir.

Ich verzeihe dir auch, was immer passiert.

Jetzt sag nix. Ich will nicht, dass ich dich verlier.

Das ist unsere eigene Lovestory

und ich hoffe, du glaubst mir jedes Sorry.

Schenke dir meine Liebe als Gegenleistung, hier mein Herz,

geh mit mir durchs Leben, ich nehm dir jeden Schmerz.

Hach, die erste große Liebe.

Wieso erzähle ich das alles? Immerhin möchte ich keinen Herzschmerz-Teenie-Roman schreiben. Doch diese Geschichte gehört zum großen Ganzen. Ohne sie hätte ich nie gelernt, was wahre Liebe ist und wie schnell diese zerbrechen kann. Denn so romantisch und perfekt die Beziehung mit Lenni war, so sehr habe ich mich auch vom schönen Schein blenden lassen. Nach fünf Jahren fand ich heraus, dass er mich betrog. Ohne vorher jemals auch nur das geringste Fünkchen Misstrauen empfunden zu haben, entdeckte ich eines Tages einen Gürtel, der eindeutig nicht meiner war, in seinem Zimmer. Als ich ihn mit dem Teil konfrontierte, machte er sich nicht mal die Mühe, abzustreiten, mit einer anderen geschlafen zu haben. Es schien keine große Sache für ihn gewesen zu sein, mich zu betrügen und unsere Beziehung von sich aus zu beenden, nachdem ich es herausgefunden hatte. Und das machte es zu einer noch größeren für mich. Mit dem Beziehungsende stand alles, was für mich in den vergangenen Jahren zu meinem Lebensmittelpunkt geworden war, auf dem Spiel: meine glückliche Ersatzfamilie, der gemeinsame Freundeskreis, mein Vertrauen zu ihm und in mich selbst und mein Urteilsvermögen. Ich war nicht bereit, das alles aufzugeben. Ich wollte ihn nicht verlieren, meinen geglaubten Seelenverwandten. Mein Herz weigerte sich, ihn gehen zu lassen und so schwor ich, den Seitensprung zu ­verzeihen, wenn er mich nur weiterhin lieben würde. Ich lief ihm hinterher und schmiss all meine Prinzipien und meinen Stolz über Bord, bloß, um nicht ohne ihn zu sein. Er hatte mir doch versprochen, mir sogar vorgesungen, mich niemals verletzen zu wollen und dass egal, was passiert, wir beide über allem stehen würden ... Und er? Er hatte das Interesse an mir verloren und ließ mich von einem auf den anderen Moment einfach so hinter sich. Damit war der letzte Takt unserer Lovestory verklungen und ich nicht mehr sein Babygirl.

Mein Herz war gebrochen und ich war allein nicht in der Lage, es zu reparieren. Ich wusste nicht mal wirklich, wer ich ohne Partner an meiner Seite war. Ich stellte alles infrage, was ich in den letzten fünf Jahren gefühlt und gedacht hatte.

Wie konnte ich mich bloß dermaßen in einem Menschen täuschen? Hatte er mich überhaupt jemals so sehr geliebt, wie ich dachte? Hatte er dieses Lied wirklich für mich geschrieben oder für ein anderes Mädchen, das er sich an seine Seite wünschte?

Ich fand keine Antworten mehr. Mein Leben und alles darin war nur noch ein großes Fragezeichen. Someone like you von Adele lief in Dauerschleife. Ich suhlte mich in meinem Herzschmerz und ich erlaubte mir, zu leiden. Hoffnungslos schluchzend in Selbstmitleid zu versinken, erschien mir mehr als angemessen.

In den vergangenen Jahren war ich so damit beschäftigt gewesen, ein Wir zu sein, dass ich mich nicht mehr bemüht hatte, herauszufinden, was ich mir vom Leben und der Liebe so dringend wünschte. Doch damals hatte ich keine Kraft, über die Dinge nachzudenken, die mir in der Beziehung gefehlt hatten, und was hätte anders laufen müssen. Der einzige Gedanke, den ich als frischgetrennte Achtzehnjährige fassen konnte, war:

Liebes Universum, ich möchte nicht allein sein

Ich ging also auf Dates, die oft enttäuschend statt charmant waren, nutzte den Übergang vom Abitur zum Studium, um meinen Freundeskreis neu aufzubauen und sorgte dafür, dass ich immer von Menschen umgeben war.

Besonders in den ersten Monaten nach der Trennung misstraute ich jedem und hatte alle Mühe, meine frisch errichtete Mauer hinter einer fröhlichen Fassade zu verstecken. Auf den ersten Blick erschien ich als eine lebenslustige Germanistik-Studentin, die gerne feierte, neue Menschen kennenlernte und sowieso recht unbeschwert durchs Leben ging. Genau das Bild wollte ich von mir vermitteln. Bloß nicht zu tiefgründig werden, das könnte schiefgehen und wehtun. Doch irgendwann fühlte ich mich in meiner oberflächlichen Sorglos-Rolle nicht mehr wohl. Ich wollte wieder wahre Emotionen zulassen, Menschen nicht nur in Gruppen und bei ausgelassener Stimmung treffen, sondern echte Gespräche führen. Also baute ich meine Mauer nach ein paar Semestern Stück für Stück ab. Mit Anfang zwanzig verliebte ich mich zum ersten Mal nach der Trennung von Lenni endlich aufs Neue.

Allerdings verbrachte mein neuer Freund seine Abende am liebsten mit seinen Jungs in der Kneipe. So ging ich eben mit meinen Mädels tanzen. Ein romantisches Date bestand für ihn aus Pizza und Film, wohingegen ich gerne unterm Sternenhimmel die ganze Nacht gequatscht hätte. Ich liebte Magie und Spiritualität, er sah die Welt eher realistisch. Er entfloh dem Alltag öfter mal mit Gras, ich tagträumte vor mich hin. Wir waren ganz eindeutig verschieden und genau diese Dynamik sorgte dafür, dass ich mich auf eine Beziehung mit ihm einlassen konnte. Denn die Karten lagen offen auf dem Tisch. Ich wusste, worauf ich mich einließ, und konnte mein Verlangen nach Harmonie stillen, indem ich die Themen, bei denen wir uns uneinig waren, einfach vermied. So gut es eben ging. Unsere Unterschiede waren so offensichtlich, dass ich dieses Mal erst gar nicht in Versuchung kam, uns zu idealisieren und schließlich am Boden zerstört zu sein, wenn der schöne Schein verblassen würde. Eine so naive Sichtweise auf die Liebe erlaubte ich mir nach Lenni nicht mehr.

Es soll nicht so klingen, als wäre ich bloß in der neuen Beziehung gewesen, um nicht allein zu sein. Zwar trieb mich dieser Gedanke ursprünglich in seine Arme, aber mein damaliger Freund war witzig, umarmte mich, wenn ich es brauchte, brachte mir Nervennahrung, wenn das Studium anstrengend war und wenn ich ganz lieb fragte, schaute er sogar Disney-Filme mit mir. Trotz unserer Unterschiede liebte ich ihn und er liebte mich mit all meinen Eigenarten.

Nach drei Jahren Beziehung glich meine emotionale Mauer nur noch einem Gartenzaun und mit einem mutigen Schritt trat ich auch noch die letzten Latten nieder: Wir wollten zusammenziehen.

Doch bevor ich mit ihm in eine gemeinsame Wohnung ziehen konnte, sollte sich eine Sache ändern: Das Gras musste aus seinem und damit auch aus meinem Leben verschwinden. Trotz all meiner Harmoniebedürftigkeit konnte ich diesen einen Streitpunkt nicht ignorieren. Für mein Empfinden war er zu oft und zu lange mit seinen Kifferfreunden unterwegs und kam entweder high, betrunken oder beides gleichzeitig mitten in der Nacht zurück. Beinahe routinemäßig ging ich ihm und seiner hitzköpfigen Art jedes Wochenende aus dem Weg und schlief in meiner eigenen Wohnung auf der Couch statt in meinem Bett. Die morgendlichen Entschuldigungen und Versprechen, sich zu bessern, hatte ich so oft gehört, dass seine Aussagen irgendwann jegliche Bedeutung für mich verloren. Aber leere Worte würde ich nicht mit in unsere gemeinsame Wohnung nehmen und so sah er schließlich ein: Für mich und unsere Zukunft wollte er sich ändern! Also traute ich ihm dieses eine Mal noch.

Wir packten unser Hab und Gut aus unseren Single-Wohnungen in Umzugskartons und bezogen unsere eigenen vier Wände voller Lust auf alles, was sie uns zu bieten hatten. Dieser Schritt war wie ein kleiner Neuanfang. Wir lernten nochmal ganz andere Seiten aneinander kennen und schwebten in einer »Alles neu, alles frisch«-Blase. Zumindest für eine Weile.

Auch nach dem Umzug waren wir noch immer zwei Individuen, die versuchten, eins zu sein. Wirklich gelingen wollte uns das jedoch nicht. Wir hatten in vielen Lebenslagen grundverschiedene Ansichten, und je mehr Zeit wir miteinander verbrachten, desto offensichtlicher wurde es, dass diese Beziehung keinem von uns guttat. Mein Bauchgefühl wusste es schon lange vor dem Zusammenziehen, doch mein Herz wollte noch an den schönen Momenten festhalten. Darum redete ich mir ein, ihn verändern zu können, und dass wir uns zu dem Paar aus meinen Wünschen entwickeln würden. Tag für Tag wurde diese Hoffnung immer leiser und ein anderes Gefühl schlich sich stattdessen in mein Herz: Angst. Angst, dass unsere Beziehung nicht die große Liebe war. Angst, die Kontrolle zu verlieren. Angst, dass er die Kontrolle über sich verliert, wenn er mal wieder bekifft und gereizt war.

Bis es schließlich geschah: Es war ein Abend wie viele andere zuvor. Mein damaliger Freund war mit seinen Kumpels unterwegs und ich blieb in unserem Zuhause zurück. Irgendetwas in mir wollte diesmal nicht, dass ich es mir auf der Couch gemütlich machte und einen weiteren Harry Potter-Marathon startete. Über den ganzen Abend hinweg raste mein Herz wie wild und ich wurde das Gefühl nicht los, etwas unternehmen zu müssen. Nachdem ich einige Male ziellos alle Räume abgegangen war, kam ich schließlich an der Kommode im Schlafzimmer an. Dies wäre er, der Ort, an dem er das Gras verstecken würde, falls sein Versprechen nur eine Lüge wäre. Wollte ich wirklich die Freundin sein, die die Habseligkeiten ihres Mannes durchstöberte? Oder wollte ich die Freundin sein, die trotz großer Zweifel vertraute?

Ich öffnete die unterste Schublade und hielt keine drei Sekunden später seinen Notvorrat in den Händen. Ab dem Zeitpunkt machte sich mein Körper selbstständig, und bevor ich mich ­versah, landete der Inhalt des Tütchens in der Toilette und einen Wasserstoß später in der Düsseldorfer Kanalisation.

Okay Carmen, jetzt hast du deine Bestätigung. Und was nun?

Mir wurde schlagartig bewusst, in welche Lage ich mich gebracht hatte. Innerlich bereitete ich mich auf die Konfrontation vor, die mich erwartete, und redete mir in den Stunden vor seiner Heimkehr immer wieder Mut zu. Ich wollte meinen Standpunkt vertreten, war darauf gefasst, dass er mich anschreien würde. Doch ich würde mir jedes einzelne beleidigende Wort merken und ihm am nächsten Tag nüchtern den Spiegel vorhalten.

Hörst du, was du sagst, wenn du betrunken bist? Wie du reagierst, wenn du bei einer Lüge ertappt wirst? Merkst du, wie weh du mir tust?

Nervös mit den Beinen hibbelnd, erwartete ich ihn an unserem kleinen Küchentisch. Meine Hände waren schwitzig, mein Mund trocken und ich spürte meinen schnellen Herzschlag.

Sein Schlüssel verfehlte das Ziel ein paar Mal knapp und rastete schließlich im Schloss ein. Er war betrunken und verwundert, mich dort im Halbdunkeln sitzen zu sehen. Normalerweise war ich schon im Bett, wenn er länger unterwegs war oder eben in weiser Voraussicht bereits mit der Bettdecke auf der Couch.

»Was ist los? Wieso schläfst du nicht?«, fragte er mich, während er mit dem Rücken an der Wand lehnend, seine Schuhe von den Füßen streifte und sie in die Ecke kickte.

Der ganze Mut, den ich mir zugesp­­­rochen hatte, platzte nun aus mir heraus: »Du hast mich angelogen, mal wieder! Von wegen, ich bin dir wichtiger als das dumme Zeug! Von wegen, du willst dich ändern! Auf welcher Grundlage denn – auf Lügen und noch mehr Lügen? Ich hab keine Lust mehr, die gutgläubige Freundin zu spielen, die ständig wegguckt. Dein scheiß Gras schwimmt wahrscheinlich schon im Klärbecken.« Puh, das musste raus! Außer Atem und in Wuttränen aufgelöst erwartete ich seine vernichtenden, von Alkohol befeuerten Worte. Doch was nun geschah, war mehr als der verbale Schlag ins Gesicht, mit dem ich gerechnet hatte. Dieses Mal blieb es nicht bei Geschrei.

Er lehnte noch immer an der Wand, aber sah mich direkt an. Jegliche Zuneigung und Liebe war aus seinem Blick gewichen. Er stieß sich leicht schwankend ab und kam rüber zu mir an den Tisch. Mit den Händen stützte er sich auf die Platte und beugte sich zu mir herunter: »Sag das nochmal.«

Ich wurde immer kleiner und immer stiller auf meinem Stuhl.

»Hör auf zu heulen! Was fällt dir ein, dich in meine Angelegenheiten einzumischen?«

»Du hast es mir versprochen«, entgegnete ich kleinlaut. »Ich wollte nur, dass …«

Er gab mir keine Chance, den Satz zu beenden. Ich spürte seinen groben Griff in meinen Haaren und einen Sekundenbruchteil später, wie mein Kopf auf den Tisch aufschlug.

Diese Nacht bescherte mir meinen absoluten Tiefpunkt und war gleichzeitig der Wendepunkt, der alles in meinem Leben veränderte. Es fiel mir damals und fällt mir auch heute noch schwer, zu akzeptieren, dass dieser Vorfall ein Teil meiner Geschichte ist – ich wurde Opfer häuslicher Gewalt.

Noch in derselben Nacht warf ich ihn raus, für immer. Es ging alles so schnell und gleichzeitig so unglaublich langsam. Meine Realität raste ungefiltert auf mich zu. Ich war plötzlich eine von diesen Frauen, die es so weit hatte kommen lassen. Wie konnte ich nur? Diese Gedanken waren auf einmal mein stetiger Begleiter.

In den folgenden Wochen tat ich kein Auge zu. Ich wusste, dass ich nicht schuld war. Er war derjenige, der völlig ausgerastet war. Er hatte mit seiner Gewalt gegenüber mir alles zerstört, was wir uns in den vergangenen Jahren gemeinsam aufgebaut hatten.

Aber da waren auch diese anderen Gedanken, die sich immer wieder in meinen Kopf schlichen: Hatte ich ihn unnötig provoziert? Hatte ich seine Reaktion heraufbeschworen? Hatte ich überreagiert? War ich doch nicht so unschuldig, wie ich mir einredete?

Glaub mir, ich würde mein damaliges Ich am liebsten schütteln, anschließend ganz fest in den Arm nehmen und sagen: »Natürlich nicht! Du bist hier das Opfer! Wenn du dich jetzt zum Sündenbock machst, zerstört es dich!«

Zwischen all den Selbstvorwürfen und der Wut gegen alles, was mich an diesen Punkt gebracht hatte, traf ich in einem klaren Moment endlich den Entschluss: Das würde mir nie wieder zustoßen!

Die Entwicklung, die ich hier in wenigen Zeilen schildere, hat mir damals alles abverlangt. Herauszufinden, wie man nach so einem Erlebnis weitermacht, und zwar in der Praxis, nicht nur in der Theorie, war für mich eine große Herausforderung. Ich wusste, dass ich stark sein musste, aber diesen Gedanken umzusetzen, war schwer.

Nachdem die räumliche Trennung mit allen unbequemen Faktoren endlich über die Bühne gegangen war, war ich plötzlich allein. Wieder war eine Beziehung daran gescheitert, dass mir Leid zugefügt worden war. Doch anders als die Male zuvor, hatte ich keine Kraft mehr, um mich selbst und meine Gefühle herumzutänzeln. Also stellte ich mich zur Rede: Carmen, was ist los mit dir? Weißt du überhaupt noch, was du willst? Nein?! Dann ist es genau jetzt an der Zeit, das herauszufinden!

Also lernte ich als Erstes, allein zu sein, nur mit mir selbst. Ich musste wissen, wer Carmen ohne Beziehung ist. In den letzten Jahren hatte ich mich aus den Augen verloren.

Um mich persönlich weiterzuentwickeln, stürzte ich mich nicht mehr mit Adele in den Herzschmerz, sondern hörte auf das, was in mir zerbrochen war und Zeit zum Heilen brauchte. Ich musste alte Muster ablegen. Sie waren wie lästige Déjà-vus, die mich nicht los- und weiterziehen lassen wollten. Um aus ihnen auszubrechen, musste ich etwas völlig Untypisches für mich tun. Statt mich in eine neue toxische Beziehung zu stürzen, kümmerte ich mich ausschließlich um mich selbst. Ich schnappte mir meinen inneren Schweinehund und machte Sport. Mistete mein Zimmer aus und erlaubte mir nicht, in alten Erinnerungen zu versinken und siehe da: Mit jedem Tag, an dem ich mir selbst die Stirn bot, wurden die Déjà-vus seltener.

Eines Tages, bei einer mittlerweile routinemäßigen Aufräumaktion, fiel mir das Buch The Secret von Rhonda Byrne in die Hände. Meine Mutter hatte es mir zum sechzehnten Geburtstag geschenkt und ich hatte seither mal mehr, mal weniger interessiert darin geblättert. Doch nun, umzingelt von aussortiertem Dekokram und partnerlosen Socken, überkam mich das Bedürfnis, es zu lesen und mir jedes einzelne Wort zu Herzen zu nehmen. Das Gesetz der Anziehung hatte mich nach nur wenigen Seiten in den Bann gezogen und mit jeder neuen Zeile erkannte ich: Streng genommen war mein Wunsch, nicht allein zu sein, wahr geworden. Das Erfüllen war also nicht die Schwierigkeit, ich sendete einfach auf der falschen Frequenz den falschen Wunsch in mein Universum! Es lag tatsächlich an mir, meinen Wunsch noch präziser zu formulieren. Doch dafür musste ich zunächst herausfinden, was für mich wahre Liebe beinhaltete: Ich möchte die Art Liebe spüren, die sich nicht erklären oder entschuldigen muss, die nicht kämpfen muss, um gehalten zu werden, die erwidert wird – ganz egal, welche Steine das Leben mir in den Weg legt. Ich wünsche mir eine Liebe, die verzeiht und die geduldig ist. Leidenschaft, die nicht erlischt, sondern mit den Jahren stärker wird.

Was ich wollte, wusste ich also. Und ich hatte keine Lust mehr zu warten. Aber eine entscheidende Voraussetzung fehlte noch: Ich musste mich selbst bedingungslos lieben lernen. Erst, wenn ich mir selbst die Liebe schenken konnte, die ich von einem Partner erwartete, würde ich mir erlauben, mein Herz erneut zu öffnen. Das lehrte mich jeder Ratgeber, jedes Pinterest-Zitat und jede Freundin, bei der ich einen Teil meiner Last abladen durfte. Diese neue Sicht auf die Liebe fühlte sich richtig an.

Liebes Universum, ich erfahre bedingungslose Liebe. Von mir, nur für mich

In der Theorie stand mein Plan fest, jetzt galt es, ihn in meinem Alltag umzusetzen. Ich musste mich selbst austricksen und mir vormachen, dass ich schon all das lebte, was ich als Wunsch in mein Universum geschickt hatte. Jeden Tag arbeitete ich weiterhin daran, meine alten Muster zu durchbrechen und mir neue Routinen zu schaffen. Routinen, die von Positivität und Dankbarkeit bestimmt waren und kaum Raum für Verlustängste und Selbstzweifel ließen. Ich ermahnte mich zu mehr Achtsamkeit, sobald ich merkte, dass negative Gedanken mein Tun bestimmten. Nahm ein Bad, schaltete das Handy aus oder ging eine Runde mit Hörbuch auf den Ohren spazieren. Statt mich über Pickel aufzuregen, sah ich meinem Spiegelbild in die Augen und sagte mit fester Stimme: »Du bist schön, du bist einzigartig. Du bist perfekt, so wie du bist. Und wenn du jetzt eine Tafel Schokolade isst, liebe ich dich vielleicht noch ein bisschen mehr.«

Nun befand ich mich in der wichtigsten Beziehung meines ­Lebens – in der mit mir selbst. Gut, meine Baby-Katze Jola gehörte noch dazu. Wir zwei, wir brauchten keinen Mann. Wir kamen ganz gut allein zurecht. Aber nur, weil ich keinen brauchte, hieß das nicht, dass ich keinen wollte. Denn trotz allem war ich der Liebe nicht überdrüssig. Ich wusste: Irgendwo da draußen wartet genau diese Liebe auf mich, die ich mir ersehne! Also machte ich mich bereit.

Dafür spielte ich mein neues Leben nach, tat so, als führte ich schon meine perfekte Beziehung. Meine Wohnung betrat ich mit einem »Hallo Schatz, ich bin zuhause!« und erzählte meiner Katze stellvertretend, wie mein Tag war, welche Events ich besucht hatte, welche Chancen sich mir boten, wie mich das Leben jeden Tag ein bisschen mehr anlächelte.

Während ich in den Monaten nach dem Schlussstrich unter meiner letzten toxischen Beziehung genau beobachtete, wie ich mit mir selbst umging und mein Leben in die richtige Richtung lenkte, wurde ich auch von außen beobachtet.

Seit jeher hatte ich die größte Angst davor, allein zu sein und nun musste ich herausfinden, dass ich dies zu keinem Zeitpunkt war – welch grausame Ironie. Jeder meiner Schritte wurde verfolgt. Der Mann, den ich mit aller Kraft aus meinem Kopf und Herzen verbannt hatte, überwachte mich aus dem Auto, beobachtete mich durchs Fenster unserer ehemaligen gemeinsamen Wohnung – und er ließ mich seine Anwesenheit in jedem einzelnen Moment spüren. Er fand heraus, wann ich wo auf welchen Veranstaltungen war, in wessen Begleitung ich mich befand und um wie viel Uhr ich erschöpft wieder nach Hause kam. Er verfolgte mich wie ein Schatten und ging sogar noch weiter: Er kontaktierte meine Freundinnen mit Updates über all meine Schritte, nachdem ich ihn auf allen Kanälen blockiert hatte. Er spielte ein Machtspiel mit mir. Zwar hatte ich meine Gedankenwelt weitestgehend im Griff, doch mein Ex wollte noch immer die Fäden meines Alltags ziehen. Er konnte nicht akzeptieren, dass ich einen Weg eingeschlagen hatte, der mich sehr weit von ihm entfernte. Er schien noch immer nicht zu verstehen, dass er Schuld am Aus unserer Beziehung hatte.

Trotz meiner neu gewonnenen Selbstständigkeit und dem Mut, mein Leben so zu führen, wie ich es mir erträumte, fühlte ich mich nicht sicher, weder auf dem Weg zum Supermarkt noch in meinem eigenen Zuhause.

Ich wollte ihm nicht den Platz in meinem Alltag zugestehen, den er sich zu erkämpfen versuchte. Also verwehrte ich ihm, ein Teil meines Lebens zu sein, indem ich keinen Gedanken mehr an ihn und seine Obsession mit mir verschwendete. Wenn ich nur lange genug durchhielt, würde er schon den Spaß an mir verlieren. Stattdessen schaffte ich zunehmend Raum für den ganz besonderen Menschen, der mir früher oder später geschickt werden würde. Wann immer mein Universum mir zutraute, bereit zu sein. Es stellte sich heraus, dass dieser Zeitpunkt eher früher als später eintreffen sollte.