Mein Leben mit Anna von IKEA – Hochzeit - Thomas Kowa - E-Book

Mein Leben mit Anna von IKEA – Hochzeit E-Book

Thomas Kowa

5,0
4,99 €

Beschreibung

Meine Traumfrau, meine Schwiegereltern und ich

Matthias und Anna wollen endlich heiraten. Um Annas geschiedene Eltern wieder zusammenzubringen, sollen diese die Hochzeit organisieren. Dumm nur, dass ihr Vater und ihre Mutter völlig unterschiedliche Vorstellungen von einer perfekten Hochzeit haben.
Doch auch die Eltern von Matthias tragen nicht dazu bei, die Situation zu entspannen. Während seine Mutter davon überzeugt ist, dass die Verlobte von Matthias nur erfunden ist, hat sein Vater noch nie ein Heimspiel seines Fußballclubs verpasst. Weil ein solches ausgerechnet am Tag der Hochzeit stattfindet, weigert er sich zu kommen. Schließlich steht bei einer Hochzeit das Ergebnis von vornherein fest – glaubt er jedenfalls …

Erste Leserstimmen
„ausgesprochen humorvoll und gekonnt überspitzt“
„Locker-flockiger Schreibstil und ein herzerfrischender Humor!“
„spaßig, kurzweilig und originell – Thomas Kowa in Höchstform“
„ich habe bisher alle Anna von Ikea-Bänder verschlungen und musste auch bei diesem wieder herzlich lachen“

Weitere Titel dieser Reihe
Mein Leben mit Anna von IKEA (ISBN: 9783960871590)
Mein Leben mit Anna von IKEA – Verlobung (ISBN: 9783960872580)
Mein Leben mit Anna von IKEA – Junggesellenabschied (ISBN: 9783960873631)

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 199

Bewertungen
5,0 (1 Bewertung)
1
0
0
0
0



Über dieses E-Book

Matthias und Anna wollen endlich heiraten. Um Annas geschiedene Eltern wieder zusammenzubringen, sollen diese die Hochzeit organisieren. Dumm nur, dass ihr Vater und ihre Mutter völlig unterschiedliche Vorstellungen von einer perfekten Hochzeit haben. Doch auch die Eltern von Matthias tragen nicht dazu bei, die Situation zu entspannen. Während seine Mutter davon überzeugt ist, dass die Verlobte von Matthias nur erfunden ist, hat sein Vater noch nie ein Heimspiel seines Fußballclubs verpasst. Weil ein solches ausgerechnet am Tag der Hochzeit stattfindet, weigert er sich zu kommen. Schließlich steht bei einer Hochzeit das Ergebnis von vornherein fest – glaubt er jedenfalls …

Impressum

Überarbeitete Neuausgabe März 2019

Copyright © 2020 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH Made in Stuttgart with ♥ Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-557-4 Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-562-8

Covergestaltung: ARTC.ore unter Verwendung von Motiven von: freepik.com: © freepik.com/wedding couples pixabay.com: © OpenClipart-Vectors/27422 Lektorat: Daniela Höhne

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Unser gesamtes Verlagsprogramm findest du hier

Website

Folge uns, um immer als Erster informiert zu sein

Newsletter

Facebook

Instagram

Twitter

Youtube

Mein Leben mit Anna von IKEA – Hochzeit

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

wird man in Japan zu einer Hochzeit eingeladen, müssen die Teilnehmer für viel Geld eine Eintrittskarte kaufen.

In England bringt nicht der Schornsteinfeger Glück, sondern es bringt ihm Glück, wenn er die Braut küsst. Und wahrscheinlich eine hohe Rechnung für die Reinigung, denn auch auf der Insel heiratet man in Weiß.

Die Massai schmieren der Braut Kuhdung auf den Kopf, um zu prüfen, wie sie die Herausforderung der Ehe meistern wird. Letzteres mag erst einmal weit hergeholt klingen, aber spätestens, wenn der Nachwuchs seine primären Ausscheidungsorgane entdeckt, zeigt sich die praktische Relevanz dieser Prüfung.

In Schweden hingegen darf jeder Hochzeitsgast die Braut oder den Bräutigam beliebig oft küssen, jedoch nur dann, wenn der oder die Zukünftige die Räumlichkeiten gerade verlassen hat. Da sollte man sich jeden Besuch auf dem WC gut überlegen.

Aber warum erzähle ich das alles?

Tja, wir feiern jetzt gleich zusammen eine Hochzeit in Schweden. Und wie ich Matthias Käfer kenne, wird das nicht ohne Fettnäpfchen, Missverständnisse und kleinere Katastrophen ablaufen.

Trotzdem wird er wie immer sein Bestes geben, also schauen wir mal, ob es reicht …

PS: Wer – wie ich – schon wieder vergessen hat, was alles geschehen ist, der findet auf den nächsten Seiten eine kurze Zusammenfassung. Und wer die Serie noch gar nicht kennt, kann sich hier bequem auf den aktuellen Stand bringen. Aber Vorsicht: Spoilergefahr!

Was bisher geschah

Matthias Käfer, Vollzeitsingle, Bankangestellter auf Bewährung und Besitzer eines inkontinenten Geschirrspülers, lernt bei IKEA die nette schwedische Kundenberaterin Anna kennen. Doch sieht Matthias eine hübsche Frau, bekommt er den Mund nicht mehr auf.

Also kontaktiert er Anna online. Durch ein Missverständnis gerät er an die virtuelle Kundenberaterin Anna von Ikea und glaubt am Ende, sie habe sich mit ihm verabredet.

Weil Matthias denkt, das Date finde bei IKEA statt, trifft er dort die echte Anna und verliebt sich in sie.

Doch er sagt es ihr nicht.

Als Anna eine Stelle als Lehrerin in Schweden angeboten bekommt, geht sie schweren Herzens zurück.

Fast zeitgleich verliert Matthias seinen Job bei der Sparkasse. Der Klempner Kemal, dem er einige Werbeslogans getextet hat, stellt ihn als neuen Werbeleiter an und erlaubt ihm, von überall aus zu arbeiten.

Matthias besucht Anna in Schweden und die beiden werden ein Paar.

Kaum ist Matthias zu Anna nach Göteborg gezogen, merkt er, dass im Land der Elche und Billy-Regale einiges anders ist als daheim.

Außerdem hat sich der ex-porschefahrende Ex-Freund von Anna, Viggo, in den Kopf gesetzt, seine große Liebe zurückzuerobern. Der Millionärssohn gibt sich umweltbewusst und überredet Anna, mit ihm auf eine Klimakonferenz ins tiefste Grönland zu fahren.

Derweil muss Matthias die Firma seines Chefs Kemal retten, der alles auf ein neues Produkt gesetzt hat: Dönereis. Und das mitten im Winter.

Matthias entwirft eine Werbekampagne, doch diese scheitert, weil das Eis furchtbar schmeckt.

Auch ein Relaunch als Dönersuppe geht in die Hosen, allerdings kann Kemal das Fertigungsverfahren verkaufen. Die Firma und der Job von Matthias werden gerettet.

Am Ende erkennt Anna, dass Viggo sich nie geändert hat und der rücksichtslose Egoist ist, der er immer war.

Schließlich, an Heiligabend, macht Matthias Anna einen Heiratsantrag – und sie nimmt an.

Nach seinem Junggesellenabschied wacht Matthias Käfer in einem fremden Bett auf, neben ihm schlafen zwei nackte vietnamesische Stripperinnen mit einem ziemlich großen Geheimnis und vor ihm steht ein Pappaufsteller von George Clooney, an dessen Ohr ein Hamster knabbert.

Vierundzwanzig Stunden zuvor denkt Matthias noch, er werde seiner Verlobten Anna stets treu bleiben. Da weiß er allerdings nicht, wer seinen Junggesellenabschied organisiert: Alexa, die digitale Assistentin, die alles besser weiß und doch von nichts eine Ahnung hat.

Matthias’ Freund Video-Paule dokumentiert die Feier per Video und schneidet daraus den Film Fear and Loathing in Ludwigshafen, mit dem er seine Videothek retten will.

Währenddessen feiert Anna ihren Junggesellinnenabschied in Amsterdam, auf den sich ihr Ex-Freund Viggo als Stripper einschleust.

Viggo hat zudem den beiden vietnamesischen Ladyboys eine unerhörte Summe geboten, sollten sie Matthias dazu bringen, mit ihnen ins Bett zu steigen.

Schließlich eskaliert die Party und Matthias kann sich hinterher an nichts mehr erinnern.

Nachdem er am nächsten Morgen den Trailer von Fear and Loathing in Ludwigshafen gesehen hat, glaubt er, die beiden Ladyboys wären erfolgreich gewesen.

Dann jedoch erkennt Matthias, dass Video-Paule Alexa gekapert und alles nur inszeniert hat, um seinen Film zum Erfolg zu führen. Mit Hilfe von Alexa beweist er, dass er Anna nie betrogen hat.

Trotz Viggos Intrigen ist Anna ihm ebenso treu geblieben. Matthias und Anna beginnen, ihre Hochzeit zu planen und sind so naiv zu glauben, dieses Mal würde schon nichts schiefgehen …

1

Heiraten und Kuahkälbern muaß schnell geh.Lebensweisheit aus dem Bayerischen Wald

»Eine Hochzeit ist das einzige Fest in eurem Leben, an dem alle eure Freunde und Verwandten zusammenkommen, um gemeinsam darüber zu lästern«, sagt Morten.

Ich bin versucht zu nicken.

Mache ich natürlich nicht, denn Anna blickt von dem Papierstapel in ihrer Hand auf und schaut ihren alten Greenpeace-Kumpel Morten entgeistert an. »Wie kannst du nur so unromantisch sein?«

»Genau«, pflichte ich ihr bei. »Total unromantisch.«

Morten streicht sich seinen grauen Pferdeschwanz glatt. »Das nennt man Lebenserfahrung.«

»Oder Unerfahrenheit«, sagt Anna. »Schließlich hast du nie geheiratet.«

Morten zuckt mit den Schultern und lächelt. »Es hat eben noch kein Blauwal meinen Antrag angenommen.«

»Sei froh drum«, sage ich. »Das wäre wahrscheinlich die einzige Hochzeit, die noch schwieriger durchzuführen wäre als unsere.«

»Unsere Hochzeit ist nicht verzwickter als andere auch«, sagt Anna. »Männer sind nur häufig überfordert, sobald es komplex wird.« Sie blickt Morten und mich an. »Deswegen übernehmen meistens Frauen die Organisation einer Hochzeit.« Anna legt den Papierstapel auf den Couchtisch vor sich und sortiert ihn. »Also: Wenn wir alle unsere Freunde und Verwandte einladen, kommen wir auf zweihundertdreiundzwanzig Gäste.« Anna lächelt versonnen.

Ich möchte gern mitlächeln, doch irgendein Bereich in meinem Hirn weigert sich. Außerdem können wir Männer sehr wohl mit Komplexität umgehen – hätten wir sonst die Abseitsregel erfunden, das Dosenpfand und Windows Vista? »Hast du vorhin nicht ausgerechnet, dass unser Budget nur für zwanzig Gäste reicht?«, frage ich.

Jetzt lächelt auch Anna nicht mehr.

Willkommen bei unserer Hochzeitsplanung.

Seit ich Anna letzte Weihnachten in unserem schönen Häuschen in Göteborg einen Heiratsantrag gemacht habe – den sie freudig angenommen hat –, gleicht unser Leben einem Sprung beim Bungee-Jumping.

Erst gab es ziemlich viele Hochs, doch nun überwiegen die Tiefs.

Wenn unser Seil nicht so stark wäre, hätten wir vielleicht schon aufgegeben, aber wenigstens nehmen Anna und ich die ganzen Ups and Downs mit Humor.

Bisher.

Okay, es war von Anfang an eine Prise Sarkasmus dabei, die sich inzwischen zu einer Drei-Kilo-Gewürzmischung entwickelt hat. Und die schmeckt auf keiner Hochzeitstorte gut.

Hinzu kommt, dass jede Dienstleistung und jedes Produkt, das den Stempel Hochzeit trägt, mindestens das Dreifache kostet.

Man kann das leider schlecht umgehen, ein Fotograf beispielsweise, den man für eine Geburtstagsparty gebucht hat, merkt spätestens, wenn er das Brautkleid sieht, dass er sich auf einer Hochzeit befindet.

Ebenso wird es das Restaurant mitbekommen, in dem die Feier veranstaltet wird, der Schneider des Hochzeitskleids, und auch der Juwelier ist in der Lage, Eheringe von anderen zu unterscheiden.

Also kann man das entweder bezahlen, oder eine Hochzeit feiern, von der die Gäste hinterher sagen werden, sie habe sich nicht festlich angefühlt.

Ich für meinen Teil würde Anna auch nur ganz allein auf einem einsamen Sandstrand heiraten. Vorausgesetzt dort herrschen nicht minus fünfundvierzig Grad wie im Winter in Nordschweden.

Aber für Anna ist eine Hochzeit in erster Linie ein Familienfest und damit hat sie natürlich recht.

Was aber leider keines unserer Probleme löst.

»Vielleicht solltet ihr erst einmal die einfachen Entscheidungen treffen«, sagt Morten. »Zum Beispiel wann ihr heiratet.«

»Im Winter kosten viele Angebote nur die Hälfte«, sagt Anna.

»Dann kannst du mich nach den Hochzeitsfotos gleich draußen als Weihnachtsmann stehen lassen«, sage ich. »Weil ich dann festgefroren bin. Und nach dem obligatorischen Gruppenfoto meine Freunde und Familie gleich mit.«

»In dem Fall solltet ihr besser nur mit zwanzig Gästen heiraten«, sagt Morten. »Dann halten sich die Verluste an der deutschen Gästefront in Grenzen.«

Weil wir Deutsch sprechen, bin ich mir nicht sicher, ob Morten das absichtlich so formuliert hat, oder ob es ein Versehen war.

Morten ist eigentlich ein toller Kerl, aber wahrscheinlich freut ihn unterbewusst unser Leid, weil er sich so in seinem selbstgewählten Singledasein bestätigt fühlt.

Anna ignoriert seine Bemerkung und winkt ab. »Ihr Südländer seid viel zu empfindlich«, sagt sie und obwohl sie geographisch im Recht ist, ist die Mentalität von Deutschen und Südländern so gegensätzlich wie die von Darth Vader und Benjamin Blümchen.

»Also gut«, seufzt Anna schließlich. »Dann heiraten wir eben im Sommer.« Sie blättert in einem Kalender. »Am besten am Anfang der Sommerferien, damit wir noch in die Flitterwochen gehen können. Aber auch nicht ganz am Anfang, damit wir noch Zeit für die Vorbereitungen haben.« Sie schlägt ein Kalenderblatt auf. »Also ist der beste Termin für die Feier: Samstag, der 14. August.«

»Das ist ja schon in drei Monaten?«, frage ich.

»Du wolltest doch im Sommer heiraten.«

»Dann machen wir das so.«

»Gut.« Anna nickt. »Zivile Trauung einen Tag davor.«

»Also Freitag, der 13.?«

Anna beißt sich auf die Lippe.

»Was ist?«, frage ich. »Du bist doch nicht abergläubisch, oder?«

Anna schüttelt den Kopf. »Ich nicht, aber meine Mutter.«

2

Heirat halbiert unsere Leiden, verdoppelt unsere Freuden und vervierfacht unsere Ausgaben.Englisches Sprichwort

Ich schaue Anna verwundert an und mir fällt auf, dass ich zwar viel über Anna weiß und sie über mich, aber dass sie meine Eltern gar nicht kennt.

Und ich die von Anna auch nicht.

Da meine Eltern immer noch glauben, ich habe meine Freundin nur erfunden, habe ich das Thema einfach ausgespart.

Ich hoffe, Anna hatte keine ähnlichen Gründe.

Ich weiß nichts über ihre Eltern, außer dass sie beide nach Kanada ausgewandert sind.

Was von den Temperaturen nicht wirklich eine Verbesserung zu Schweden darstellt.

»Wie abergläubisch ist deine Mutter denn?«, frage ich.

»Wenn sie aus Versehen mit dem linken Fuß aufgestanden ist, bleibt sie lieber im Bett.« Anna reibt sich das Kinn. »Außerdem geht sie nie ohne ihre Energiesteine aus dem Haus. Ich sag zwar immer zu ihr, die Dinger kosten viel zu viel Kraft, weil fünf Kilo Steine trägt man ja nicht im Vorbeigehen, aber sie lässt sich trotz ihrer ständigen Rückenschmerzen nicht belehren. Vielleicht liegt es aber auch an ihren ganzen …« Anna runzelt die Stirn. »Was ist der Plural von Talisman?«

Ich seufze. »Und dein Vater?«

»Der ist protestantisch. Freitag, der 13. ist für ihn ein Tag wie jeder andere.«

»Dann kann er doch deine Mutter überzeugen, oder?«

Anna wirft mir einen skeptischen Blick zu, schaut dann auf ihre Uhr. Schließlich murmelt sie irgendetwas davon, dass in Kanada jetzt morgens sei. »Wir rufen einfach meine Eltern an, das ist ohnehin überfällig.« Anna klappt ihren Laptop auf. »Per Videotelefon, dann sehen sie dich auch mal.«

Morten verdrückt sich in die Küche, um Tee zu kochen und den Tigerkaka aus dem Ofen zu nehmen, schwedischer Marmorkuchen. Derweil öffnet Anna Skype und klickt auf das Hochzeitsbild ihrer Eltern. Es tutet und kurz darauf hört man eine weibliche Stimme etwas auf Schwedisch sagen.

Anna entgegnet etwas, wahrscheinlich, dass ihre Mutter das Video einschalten soll. Jedenfalls erscheint auf dem Bildschirm eine blonde Frau Mitte fünfzig, die ein ziemlich farbenfrohes Oberteil trägt und mindestens drei augapfelgroße Energiesteine um ihren Hals hängen hat, aber sie lächelt freundlich.

Sie erblickt mich und sagt auf Deutsch: »Das ist ja schön mit eurer Hochzeit. Ich freue mich schon, dich kennenzulernen, Matthias. Ich bin Margareta.«

»Ich freue mich auch«, antworte ich, zumal Annas Mutter zufrieden und unkompliziert aussieht.

»Dann kann ich mein Deutsch endlich mal wieder nutzen«, sagt sie. »Mein Vater stammte ja ursprünglich aus Hamburg.«

»Wo ist denn Papi?«, fragt Anna.

Margareta beißt sich auf die Lippe. »Wisst ihr denn jetzt schon, wann ihr heiratet?«

»Samstag, 14. August, zivile Trauung einen Tag früher.«

Margareta lächelt. »Das ist ja schon bald. Schön.«

»Der Termin ist also okay?«, fragt Anna.

Margareta nickt. »Klar. Wie viele Gäste wollt ihr einladen?»

»Das ist eben eine Frage des Budgets.«

Margareta winkt ab. »Das ist keine Frage. Ich zahle selbstverständlich die Hälfte. Und ich habe natürlich auch ein paar Anregungen für eine perfekte Hochzeit.«

Das läuft doch gut, denke ich gerade, als Anna wieder fragt. »Wo ist denn Papi?«

»Habt ihr denn schon einen Priester?«, fragt Margareta schnell. »Ich werde euch da jemand ganz Speziellen vermitteln. Das wird ein unvergessliches, spirituelles Erlebnis …«

»Die letzten Male als ich angerufen habe, war Papi auch nie da«, entgegnet Anna.

»Und ihr müsst unbedingt in der freien Natur heiraten, am besten am Meer, mit einer Bootsfahrt für alle Gäste«, sagt Margareta. »Ich kenne da noch einen sehr schnittigen Kapitän von früher.«

»Was ist mit Papi?!«, ruft Anna.

Margareta beißt sich wieder auf die Lippe. Das scheint in der Familie zu liegen. »Hab ich dir das noch nicht erzählt?«, fragt sie schließlich. »Wir sind geschieden.«

»Was?« Anna blickt ihre Mutter geschockt an. »Ihr seid doch beide zusammen nach Kanada ausgewandert!«

»Ja, aber ich nach Ostkanada und er nach Westkanada.«

3

Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?Friedrich Wilhelm Nietzsche, deutscher Philosoph

»Warum habt ihr mir nicht von der Scheidung erzählt?«, fragt Anna, nachdem sie sich wieder gefangen hat. »Ich bin eure Tochter!«

»Wir wollten nicht, dass du dich als Scheidungskind fühlst.«

»Ich bin dreißig!«

»Was hätte es geändert, dass du von der Scheidung weißt?« Margareta reibt an einem ihrer Energiesteine. »Du hättest dir nur Gedanken gemacht. Aber du bist selbst für dein Glück verantwortlich und wir für unseres.«

Anna atmet tief aus. »Und seit wann seid ihr geschieden?«

»Als die Scheidung durch war, sind wir nach Kanada ausgewandert, eben in verschiedene Landesteile. So mussten wir niemandem etwas erklären und konnten komplett neu anfangen.« Margareta strahlt dabei, als sei das eine besonders geniale Idee gewesen.

»Wieso habt ihr euch überhaupt scheiden lassen?«, fragt Anna. »Es war doch immer recht harmonisch daheim.«

»Es war harmonisch, weil ich immer nachgegeben habe«, antwortet Margareta. »Außerdem gab es da diesen Schornsteinfeger.« Sie lächelt versonnen. »Ich dachte, es bringt Glück, wenn ich mit ihm ins Bett gehe.«

»Na, das hat ja super geklappt«, seufzt Anna.

»Wieso?«, fragt Margareta. »Ich bin jetzt glücklicher als zuvor.« Sie zuckt mit den Schultern. »Dummerweise hat dein Vater unser Schlafzimmer per versteckter Videokamera überwachen lassen.«

Anna rollt mit den Augen. »Das hättest du dir doch denken können, oder?«

»Kind, man denkt nicht in jeder Situation nach, das wirst du auch noch lernen.«

»Und wer von euch hatte die Idee, mir die Scheidung zu verheimlichen?«

»Wie du weißt, war dein Vater schon immer sehr bedacht darauf, dass nach außen hin alles in Ordnung ist«, antwortet Margareta. »Und ich fand auch, dass es besser für dein Karma wäre, wenn du es nicht erfährst.«

»Um mein Karma kann ich mich schon selbst kümmern«, seufzt Anna. »Und bei der Hochzeit tretet ihr dann als glückliches Paar auf, oder wie habt ihr euch das vorgestellt?«

Margareta reibt wieder über einen ihrer Energiesteine. »Das haben wir uns noch gar nicht vorgestellt, schließlich gab es bisher noch nicht mal Hochzeitseinladungen, oder?«

Anna beißt sich schuldbewusst auf die Lippe. »Die kommen, sobald wir wissen, wen wir alles einladen.«

»Wie auch immer, das Universum wird schon eine Lösung für uns bereithalten«, sagt Margareta. »Vielleicht tun wir einfach so, als wären wir eine Kommune, die freie Liebe praktiziert?«

Anscheinend wird das Anna zu viel, jedenfalls wechselt sie ins Schwedische und ich glaube zu verstehen, dass es besser ist, wenn ich mich kurz in die Küche verdrücke und Morten helfe.

Kaum habe ich die Küche betreten, deutet Morten auf den Laptop mit dem Videotelefonat im Wohnzimmer. »Was ist denn da grad los?«, flüstert er.

»Anna hat gerade erfahren, dass ihre Eltern geschieden sind.«

»Tja, wir Schweden reden eben nicht viel.« Morten zuckt mit den Schultern.

Als das Videotelefonat endet, serviert Morten den Tee sowie den Tigerkaka und ich gehe wieder zu Anna und lege meinen Arm um ihre Schulter. »Ich fasse es nicht!«, sagt sie. »Da muss ich heiraten, um zu erfahren, dass meine Eltern geschieden sind.«

»Ich dachte immer, ich wäre der Geheimniskrämer in der Familie«, sage ich.

»Tja, seine Eltern kann man sich eben nicht aussuchen.« Anna seufzt.

Ich nehme ein Stück Tigerkaka und beiße hinein. »Allerdings.«

»Wieso?« Anna schaut mich skeptisch an. »Was ist mit deinen Eltern?«

»Mein Vater interessiert sich nur für Fußball«, sage ich. »Das letzte Mal, dass ich ihn ohne Trikot gesehen habe, war bei meiner Konfirmation. Aber auch nur bis zum Essen, weil dann herauskam, dass er das Ding unter dem Hemd versteckt hatte.« Ich nehme noch ein Stückchen Tigerkaka. Auch wenn der Name ungute Assoziationen weckt, schmeckt der Kuchen wirklich lecker.

»Das mit dem Fußball ist sein einziges Problem?«, fragt Anna.

Ich nicke vorsichtig. »Wenn mein Vater nicht gerade ein Spiel verpasst, ist er einigermaßen in Ordnung.«

»Und deine Mutter?«

»Du kennst Alice Schwarzer?«, frage ich.

»Das ist diese Super-Emanze, oder?«

»Meine Mutter ist zehnmal schlimmer.«

Anna winkt ab. »So extrem wird sie schon nicht sein.«

»Sie hat zwei Wochen lang nur geweint, weil sie keine Tochter geboren hat, sondern mich.«

»Das war bestimmt nur der Baby-Blues. Aber danach hat sie dich doch sicher ins Herz geschlossen, oder?«

»Ich würde eher sagen, ich wurde geduldet. Ihre einzige Konzession war, dass ich keine Röcke tragen musste, aber dafür hatte ich mit Barbiepuppen zu spielen.« Ich seufze. »Und an Fasnacht musste ich immer als Biene Maja gehen. Erst nachdem mich in der ersten Klasse alle ausgelacht hatten, habe ich mich geweigert.« Ich schüttle den Kopf. »Im Grunde ist es ein Wunder, dass ich keine bleibenden Schäden davongetragen habe.«

Morten mustert mich. »Ist das so?«

»Jedenfalls will ich im Gegensatz zu dir keinen Wal heiraten.«

Morten zuckt mit den Schultern. »Vielleicht bin ich so durchgeknallt, weil meine Eltern so normal waren. Und ihr seid so normal, weil eure Eltern so durchgeknallt waren.«

Ich nicke, Anna auch und zwar voller Überzeugung.

»Außerdem hat meine Mutter Die Ärzte gehört«, sage ich.

»Aber das ist doch eine coole Band«, antwortet Anna.

»Ja, aber sie hat immer nur einen Song gehört. Schwanz ab, runter mit dem Männlichkeitswahn.«

Anna und Morten lachen, doch ich lache nicht, denn ich habe den Song in meiner Jungend mehr als tausendmal hören müssen und bekomme jetzt noch Aggressionen, wenn er läuft.

»Und was ist mit deinem Vater?«, wechsle ich das Thema und schaue Anna an. »Dreht er Videos, wenn er selbst das Schlafzimmer überwacht?«

Anna seufzt. »Aus meiner Kindheit existieren über zehntausend Fotos. Und das war vor der Zeit der Digitalkameras. Er hat alles dokumentiert, von der Geburt über den ersten Brei, meine hilflosen ersten Laufversuche, das erste Mal auf dem Töpfchen – wundert mich eigentlich, dass er nicht auch beim ersten Kuss dabei war.«

»Aber das ist doch toll«, sage ich. »Also, bis auf den ersten Kuss.«

»So toll ist das nicht, wenn du mehr Zeit vor dem Objektiv verbringst, als mit dem Vater dahinter.« Sie nimmt einen Schluck Tee. »Außerdem hat er aus allem einen Wettbewerb gemacht. Schon als Dreijährige ging es darum, wer den höheren Turm baut, er oder ich. Er hat mich nicht ein einziges Mal gewinnen lassen, bis ich ihn im Alter von acht Jahren endlich geschlagen hab, mit einem drei Meter Lego-Turm in unserem Garten, den ich mit Sekundenkleber verstärkt hatte. Und dann meinte er nur: Okay, jetzt steht es 1248:1.«

»Immerhin habt ihr zusammen eine Menge Türme gebaut.«

»Von wegen. Er hat in seinem Zimmer gebaut und ich in meinem und erst wenn wir fertig waren, wurde die Höhe verglichen.« Ich sehe Zorn in Annas Blick. »Zufällig war sein Turm immer ein wenig höher als meiner. Ich habe erst mit acht geschnallt, dass er mein Zimmer per Video überwacht hat. Dann habe ich als Nächstes nur einen kleinen Turm in meinem Zimmer und einen großen im Garten gebaut.«

»Er hat dich die ganze Zeit beschissen?«, frage ich. »Die eigene Tochter?«

Anna nickt und nimmt wieder ihren Laptop. »Deswegen wird es Zeit, dass er endlich etwas zurückzahlt.«

4

In der Wahl seiner Eltern kann man nicht vorsichtig genug sein.Paul Watzlawick, österreichisch-amerikanischer Kommunikationswissenschaftler

Immerhin hat Annas Mutter ihr die neue Skype-Adresse ihres Vaters verraten, so dass sie ihn direkt per Videotelefonie anrufen kann.

»Er war übrigens auch mal Deutschlehrer«, sagt sie. »Dann hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und eine Firma für Überwachungstechnik gegründet.«

Morten verdrückt sich wieder dezent in die Küche und Anna klickt auf die Skype-Adresse ihres Vaters.

Er nimmt das Gespräch an und schaltet natürlich gleich das Video ein. Er ist Mitte fünfzig, grauhaarig und recht gutaussehend, sieht man mal von dem Wohlstandsbauch ab. »Hallo, Papi«, begrüßt Anna ihn zu meiner Überraschung auf Deutsch. Sie deutet auf mich. »Das ist mein Verlobter Matthias.«

Ihr Vater schaut ein wenig überrumpelt drein. Er streicht sich durch das graue Haar und es wirkt, als zwinge er sich zu lächeln. »Schön dich kennenzulernen, Matthias. Ich bin Holger.«

»Ich freue mich auch«, sage ich.

»Ich rufe dich wegen unserer Hochzeit an«, sagt Anna. »Die Feier ist am Samstag, 14. August, zivile Trauung einen Tag vorher.«

»Am Freitag, dem 13.?« Er blickt überrascht auf. »Na, mir soll es recht sein.«

»Wir haben allerdings noch ein paar Budgetprobleme«, sagt Anna.

Holger reibt sich langsam das Kinn, als müsse er sich erst eine Antwort überlegen. »Als ich so alt war wie du, wollte ich unbedingt einen Porsche fahren«, sagt er schließlich. »Doch ich hatte das Geld nicht. Und was hab ich gemacht?«

Anna zuckt mit den Schultern.

»Ich hab meine eigene Firma gegründet, einige harte Jahre durchlebt, doch zack, grade mal zwanzig Jahre später hatte ich den Porsche.«

»Hast du den nicht nach drei Monaten an eine Wand gesetzt?«

»Das war beim Einparken und auch nur, weil der keine Heckkamera hatte.« Er winkt ab. »Außerdem geht es darum gar nicht. Es geht darum, dass sich nicht jeder Wunsch sofort erfüllt, sondern erst wenn man etwas dafür tut.«

»Willst du mir jetzt sagen, dass ich noch zwanzig Jahre auf die Hochzeit warten soll?«

Annas Vater reibt sich die Stirn und antwortet etwas auf Schwedisch, von dem ich nur das Wörtchen Viggo verstehe.

Anna läuft vor Wut rot an. »Du meinst also, mit Viggo hätte ich diese Probleme nicht gehabt?«, wiederholt Anna seine Worte. Allerdings in Deutsch, so dass auch ich sie verstehe, was ihrem Vater sichtlich unangenehm ist. »Das mag sein«, sagt sie schließlich. »Aber Viggo ist ein selbstsüchtiger, ehrloser Aufschneider, der nichts vorzuweisen hat außer Geld.« Anna redet sich so in Rage, dass sie fast außer Atem ist. »Matthias mag zwar keine Reichtümer besitzen, aber er ist der Mann, den ich liebe.«

Okay, es mag romantischere Liebeserklärungen geben, aber mir wird trotzdem gerade ganz warm ums Herz.

Holger reibt sich das Kinn. »Wir haben dich eigentlich so erzogen, dass du auf eigenen Beinen stehst«, antwortet er. »Meine Eltern – Gott hab sie selig – haben das auch so gemacht, das ist quasi Familientradition.«

Anna atmet tief aus. »Traditionell tragen die Eltern der Braut die Kosten der Hochzeit.«

»Jetzt wollen wir mal nicht päpstlicher sein als der Papst«, antwortet Holger. »Die Eltern von Matthias werden doch sicher auch ein paar Euro beisteuern, oder?«

Anna schaut zu mir und ich schüttle den Kopf. »Margareta zahlt die Hälfte der Hochzeit«, sagt Anna.

»Soso?« Holger reibt sich wieder das Kinn. Wenn man in sein Gehirn schauen könnte, würden sich dort jetzt wahrscheinlich ein paar Rädchen drehen. »Dann zahle ich natürlich 51 Prozent«, sagt er schließlich.

»Die Hälfte reicht.«

»51 Prozent oder gar nichts«, entgegnet er. »Wenn ich schon Geld investiere, möchte ich natürlich meine Vorstellungen einbringen, damit mein Teil der Hochzeit zu einer Success-Story wird. Ihr müsst unbedingt in der Stadt heiraten, diese Landeier bekommen so was ja nie organisiert. Und die W-Lan-Abdeckung ist in der Pampa auch eine Katastrophe.«

Anna blickt ihn kühl an. »Über die Details setzen wir uns dann mit dir in Verbindung.«

»Nein, nein«, sagt er und schüttelt den Kopf. »Über die Details setze ich mich mit euch in Verbindung.« Er lächelt siegessicher. »Du weißt doch, wenn ich etwas anpacke, dann richtig.« Er holt einen Block heraus. »Wie viele Gäste ladet ihr ein?«

»Zweihundertdreiundzwanzig«, seufzt Anna.

»Also dann.« Holger schreibt etwas auf seinen Block. »Ich melde mich morgen mit einer To-do-Liste für euch und einem ersten Budgetplan.«

»Super«, platzt es aus mir heraus, doch Anna wirkt alles andere als begeistert.

»Dann kannst du mir morgen auch gleich noch das Video von eurer Scheidung schicken.« Sie wirft ihm einen durchdringenden Blick zu, den ich so noch nie an ihr gesehen habe. »Hast du ja sicher auch dokumentiert.«

5

Der Fußball ist einer der am weitesten verbreiteten religiösen Aberglauben unserer Zeit. Er ist heute das wirkliche Opium des Volkes.Umberto Eco, italienischer Schriftsteller

»Alles okay?«, frage ich und nehme Anna in den Arm.

Sie nickt. »Er hätte von sich aus nie erwähnt, dass sie sich geschieden haben«, sagt sie. »Obwohl ihm klar sein musste, dass ich es weiß, wenn ich ihn auf seiner neuen Adresse anrufe.« Sie schüttelt den Kopf. »Vielleicht verstehst du jetzt, warum ich es nicht mag, wenn man mich anlügt oder mir etwas verheimlicht.«

Ich stimme zu und mache mir drei Knoten in meine Hirnwindungen, dass ich das nie vergesse. Morten kommt wieder aus der Küche, er hat noch einmal Tee aufgesetzt und schenkt jedem eine Tasse ein.

Anna nimmt einen Schluck. »Und deine Eltern können sich wirklich nicht finanziell an der Hochzeit beteiligen?«

Ich schüttle den Kopf. »Ich habe als Jugendlicher nicht mal Taschengeld bekommen und musste von den fünf Mark, die ich pro Stunde für Nachhilfestunden verdient habe, daheim die Hälfte abgeben.« Ich reibe mir die Stirn. »Zudem sind beide Rentner und jedes Mal, wenn ich sie anrufe, beschweren sie sich, dass die Rente vorn und hinten nicht reicht. Sie haben mir nicht mal geholfen, als ich damals pleite war und den Flug nach Schweden zu dir nicht zahlen konnte.« Ich seufze. »Außerdem glauben sie ohnehin, dass ich dich nur erfunden habe.«

Anna nimmt wieder ihren Laptop. »Dann sykpen wir sie jetzt auch an und sie sehen, dass ich echt bin.«

»Skypen? Meine Eltern besitzen nicht mal ein Handy.«