Mein lustvolles Leben - Anna M Gluth - E-Book

Mein lustvolles Leben E-Book

Anna M Gluth

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Beschreibung

DAS THEMA Treffpunkt Swingerclub – was für die einen Sodom und Gomorrha, ist für die anderen gelebter Alltag, doch immer wieder neu, immer wieder aufregend, denn darum geht es beim Swingen: möglichst viele sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern zu suchen – sich sexuell auszuleben, Neues auszuprobieren, immer wieder Grenzen zu überschreiten, die Neugier zu stillen, um die Suche nach dem Kick. In Pärchenclubs leben sexhungrige Männer und Frauen ihre Fantasien aus, hier ist Raum für ebenso anonyme wie intime Treffen, für Partnertausch, flotte Dreier, GangBangs, FKK, Begegnungen mit dem eigenen Geschlecht, exhibitionistische und voyeuristische Erlebnisse, SM-Spiele und alles, was in der Gruppe eben mehr Spaß macht als zu zweit. Langweilig wird es nie, denn Gleichgesinnte, die die Freuden des Swingerlebens in vollen Zügen genießen, finden sich immer. DAS BUCH Über zwanzig Jahre gibt es ihn nun schon – der Erfolg spricht für Marions Pärchenclub in einer deutschen Großstadt. Die Chefin hat zum 21. Geburtstag des Etablissements einen kleinen erlesenen Kreis eingeladen, nämlich die sechs lebenslustigsten und genussfreudigsten ihrer weiblichen Stammkunden, um mit ihnen noch einmal ihre gemeinsamen Nächte Revue passieren zu lassen. So verschieden die sieben Frauen auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie haben sich der Promiskuität mit Leib und Seele verschrieben, sie stehen zu ihrer Neigung und leben sie schamlos aus, ohne Rücksicht auf moralische Konventionen und gesellschaftliche Tabus. Im roten Salon plaudern die sieben Damen bei Champagner über lustvolle, zuweilen auch angenehm schmerzhafte Erlebnisse im Club, sie erzählen von den erotischen Fantasien, die sie in die Tat umsetzen konnten und von den Wünschen, die sie sich für die Zukunft bewahrt haben. Unerschöpflich scheint der Fundus an Geschichten und amourösen Abenteuern, denn die Damen lassen kein Thema aus: der Männer bestes Stück, Stellungen und Stimmungen, nymphomanische Krankenschwestern, der Reiz, mehrere Männer gleichzeitig zu beschäftigen, die erstaunlichsten Wege zum Orgasmus, spezielle Vorlieben und die fehlende Notwendigkeit zum Smalltalk, wenn man doch auch gleich zur Sache kommen kann – und die unbändige Lust, die jede der sieben oft überkommt.

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Seitenzahl: 252

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Anna Maria Gluth Marion & Udo Meyer

MEIN LUSTVOLLES LEBEN

Intimes aus dem Swingerclub

Schwarzkopf & Schwarzkopf

Vorspiel

Es waren einmal sieben Frauen

Im August 2006 war ein gemütliches Kellerlokal im Stadttei l Hohenfelde der Schauplatz des intimsten Jubiläums der Hamburger Firmengeschichte. Der älteste Swingerclub der Stadt, der Alster-Pärchen-Treff am Mühlendamm 43, feierte seinen 21. Geburtstag. Eingeladen hatte Klubchefin Marion nur einen kleinen, erlesenen Kreis: die sechs lebenslustigsten Plaudertaschen unter ihren weiblichen Stammgästen, mit denen sie die Nächte dieser 21 Jahre noch einmal Revue passieren ließ.

Während draußen auf dem Mühlendamm der Verkehr vierspurig in Richtung Uhlenhorst oder Lübecker Tor rollte, hatten Marion und ihre Freundinnen einen Verkehr ganz anderer Art im Sinn. Bei Champagner und kaltem Buffet aalten sich die sieben in den Polstern des Roten Salons, dem am intensivsten genutzten Raum des Hauses, bewunderten die Piercings und raffinierten Rasuren der Freundinnen und schwelgten in Erinnerungen an die Höhepunkte der Vergangenheit – so, wie es Frauen nur tun, wenn sie unter sich sind und kein Blatt vor den Mund nehmen müssen.* Ein ständiges Gekicher, Gegacker und Getuschel erfüllte den Salon, als ob sie alle gerade erst volljährig geworden wären.

Doch Marion hatte vorgesorgt. Damit das Fest nicht rasch unter einer Fülle von immer gleichen Plattheiten (»Mannomann, hatte der einen« oder »So alt und noch so scharf«) verflachte und ausfranste, hatte sie jeder ihrer Freundinnen als Hausaufgabe jenes Spezialthema zugeteilt, für das sie im Klub als Expertin gilt – sei es nun die Anatomie, die Nymphomanie oder die Neigung zum eigenen Geschlecht. Rings um Marion herum schwangen sich an jenem Abend folgende Damen auf ihre Steckenpferde:

Sabine (46), aschblond am ganzen Körper, mollige Ehefrau eines Hamburger Juweliers, ist leidenschaftliche Autodidaktin in männlicher Anatomie. Sie spricht von dem nie nachlassenden Reiz, den »das Ding an sich« und sein Format auf Frauen ausübt und bedauert nur, dass es »nicht ohne den Mann zu haben ist, der immer mit dranhängt«.

Anne (37), Krankenschwester in der Chirurgie einer schleswig-holsteinischen Klinik, laut Marions Mann Udo »so klein wie ein Hering zwischen den Ohren« und flink wie Quecksilber, ist ein Opfer ihres Berufs. Ständig sieht sie sich verfolgt von den erotischen Vorurteilen, denen ihre Zunft ausgesetzt ist – und genießt es, diese Vorurteile Punkt für Punkt zu bestätigen. Flirten oder Small Talk vorn an Marions Tresen hält sie für Zeitverschwendung, sie kommt erst dann zur Ruhe, wenn sie alle zwölf Räume des Klubs genutzt hat.

Angelika (31), zierlich und enthaart, die Jüngste der Siebenerbande, ist eine bekennende Nymphomanin mit einem hohen Verschleiß an Vibratoren und elektrischen Zahnbürsten. In fröhlichster Offenheit berichtet sie, wie sie und ihresgleichen den ständigen Juckreiz bekämpfen und warum bei ihr ein Orgasmus nie alleine kommt: »Wegen bloß einem mache ich mir doch nicht die ganze Arbeit.«

Karin (63), bei einer Körpergröße von 1,76 Metern 95 Kilo schwer, zählt zu Marions vielen weiblichen Gästen der Altersklasse U70, die es im Klub genießen, keine Hemmungen mehr haben zu müssen. Ihr Motto heißt »Man soll nichts ungenutzt stehen lassen« und deshalb ist sie immer die Erste, die sich ins Getümmel stürzt. Oft hat sie noch nicht einmal an ihrem Gin Tonic genippt, da teilt sie sich schon aufs Intimste den Barhocker mit einem Nebenmann.

Susanne, eine drahtige weißblonde Mittfünfzigerin von der noblen Elbchaussee, ist eine Bewunderin des weiblichen Geschlechts (»Jede ist da unten schön«) und schließt das eigene dabei keineswegs aus. Und weil ihr die Natur einen kräftigen Schuss Exhibitionismus – oder, wie es in diesen Kreisen heißt: Zeigefreudigkeit – mitgegeben hat, führt sie Klub-Novizinnen gern in allen Details das vor, was die bisher nur aus dem eigenen Handspiegel im Badezimmer kannten.

Helga, eine Dressurreiterin irgendwo zwischen dreißig und sechzig mit schwarzem Pagenschnitt, beteiligt sich meist nur als Voyeurin an dem Treiben in Marions Klub – am liebsten dann, wenn sich ihr Mann, ein schwerreicher Spediteur, seinen bisexuellen Neigungen hingibt. Detailgenau schildert sie die Spiele »dieser perversen Schweine«, wie sie sie liebevoll nennt – Spiele, bei denen sie sich mitunter so weit vergisst, dass ihr Mann die Gespielen bei ihr einführen darf. Die Freundinnen hören es gerne.

Marion schließlich, Herz, Leib und Seele des Alster-Pärchen-Treffs, lässt sich am besten mit den Worten eines pensionierten Kapitäns aus Cuxhaven beschreiben: »Blond und alles.« Augen und Mund sind so ausgeprägt, dass man sich nur schwer entscheiden kann, wohin man zuerst schauen soll. Ihrem Mutterwitz, ihrer Schlagfertigkeit und ihrer angeborenen Warmherzigkeit ist es zu verdanken, dass der Klub – im Gegensatz zu vergleichbaren Hamburger Etablissements kurzlebiger Art – seit 21 Jahren sein Stammpublikum hat. Und weil Marion mit Udo ein fantasievoller Ehemann zur Seite steht, überraschen die beiden ihr Publikum nicht nur ständig mit der Umgestaltung der zwölf Hobbyräume, darunter einer Arztpraxis mit Gynäkologenstuhl, Dark Room, Sado-Maso-Kammer mit Käfigen und Andreaskreuz und einer Sektbar zum Entspannen nach der Sauna, sondern auch mit Themenabenden wie dem Gangbang, von dem zu schwärmen Frauen wie Sabine oder Angelika nicht aufhören können.

* – Anmerkung des Herausgebers: Eine genaue Nachzählung ergab, dass – nach Füllwörtern wie »und«, »ich« und »wir« – der Begriff »Schwanz« von den Damen am häufigsten in den Mund genommen wurde. Insgesamt ermittelten wir 1102 Nennungen, 43,7 Prozent entfielen allein auf Sabine, mit weitem Abstand folgten Anne (16,3) und Karin (15,8), ganz am Ende der Skala rangierte Susanne mit 0,2 Prozent. In zähen Verhandlungen brachten wir die Erzählerinnen dazu, dieses ordinäre »Seven-Letter-Word«, wo immer es möglich war, zu umschreiben, lediglich in jenen Fällen, wo es unverzichtbar für das Verständnis des Textes war, ließen wir es stehen. Schwieriger gestalteten sich die Verhandlungen über das weibliche Pendant von »Schwanz«. Ausgerechnet zwei der Damen aus Hamburgs High Society, Helga und Susanne, bestanden auf jenem hässlichen Ausdruck, den manche mit einem »V« am Anfang schreiben, obwohl der Duden ein »F« fordert. Vor allem Susannes Argument war nur schwer zu widerlegen: »Meine heißt so, hat schon immer so geheißen, wenn ich die jetzt in meinem Alter noch umtaufe, hört sie nicht mehr auf mich.« Nachdem alle unsere pelzigen Vergleiche aus dem Tierreich (»Bärchen«, »Pussy«, »Maus«, »Muschi«) mit dem Hinweis auf die Intimrasuren der meisten von ihnen (Marion: »90 Prozent der Frauen, die zu uns kommen, sind rasiert«) abgelehnt worden waren, einigten wir uns schließlich auf Annes Kompromissvorschlag »Pflaume«, den Susanne sofort zu einem »Pfläumchen« verniedlichte. In manchen Ohren mag das zu saftig und vollmundig klingen, doch die Kultivierteren unter uns denken dabei an Pflaumenbäume, Zwetschgenwasser und Obstkuchen. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt.

Erstes Kapitel

Sabine

Das Ding an sich

»Marion, was ich dich ewig einmal fragen wollte: Wie viele hast du schon in deinem Leben stehen sehen? Hunderte, Tausende, fünftausend womöglich?« Die Hobby-Anatomin Sabine schluckt, selbst ihr, der leidenschaftlichen Sammlerin, der es stets mehr auf Quantität als auf Qualität ankommt, scheint die Zahl ein wenig hoch gegriffen. Doch Marion bleibt gelassen.

»Nur fünftausend? Damit kommst du nicht aus. Häng eine Null dran, dann bist du näher an der Wahrheit.« Und während die Freundinnen hintenüberfallen vor Lachen und dabei alles bloßlegen, was die zu Hause gebliebenen Ehemänner mitgeheiratet haben, beginnt die Klubchefin mit ihrer Hochrechnung.

»Wir haben mindestens 200 Tage im Jahr geöffnet. Ein Dutzend Männer pro Abend ist niedrig gegriffen, nehmt allein die Gangbangs, da sind es oft zwanzig und mehr. Macht knapp gerechnet 2400 pro Jahr und das multipliziert mit den 21 Jahren, die wir den Klub führen. Wie viel hast du jetzt, Sabine? Und wenn ihr bedenkt, dass es für mich ein Leben auch vor dem Klub gab – da läppert es sich zusammen, umso mehr, als ihr noch die ganzen Franzosen im FKK-Urlaub jeden Sommer dazurechnen müsst.«

»Aber denen am Strand steht er doch nicht, das dürfen die nicht in aller Öffentlichkeit, die wenigsten jedenfalls trauen sich das, und nur solche zählen in meiner Statistik.« Sabine betreibt ihre Forschungen zwar nur mit leichter Hand, aber was sie zwischen die Finger bekommt, wird gewissenhaft erfasst und in einer dicken Kladde, inzwischen schon der vierten, notiert. Jeder einzelne Herr mit Format und Form, Ausdauer, Technik, Hautfarbe, Alter und Produktionsausstoß, dazu Tag, Uhrzeit und Ort des Geschehens – eine wahre Enzyklopädie des männlichen Geschlechts. Sollte sie sich eines Tages zur Ruhe setzen, will sie das Werk der Anthropologischen Fakultät der Universität Hamburg stiften.

»Glaub mir, Sabine, da hat man als Frau seine Möglichkeiten, man muss nur wollen. Dieser Marokkaner zum Beispiel in Cap d’Agde, dem sah man schon in Ruhestellung an, was der bringt, fast bis zum Knie hing er ihm, da war ich nicht die Einzige, die es wissen wollte. Natürlich geht das nicht gleich an Ort und Stelle, aber wozu gibt es schließlich Hotelzimmer, wo man erst mal nachmessen kann, ob man sich nicht verschätzt hat. Und verschätzt hatte ich mich am Strand tatsächlich, fünfundzwanzig Zentimeter hätte ich ihm vorher gegeben, allerhöchstens dreißig.«

»Ich wäre die Letzte, die sich über die Kleinigkeit von dreißig Zentimetern beklagt«, spottet Sabine, und Karin, die Älteste in der Runde, nickt ein bisschen wehmütig.

»Aber es waren sage und schreibe fünfunddreißig, sogar noch ein paar Millimeter mehr, ein Glück, dass ich einen Zollstock eingepackt hatte und nicht bloß ein Lineal. Wisst ihr noch Mike von den Crazy Boys mit seinem Bauarbeiter-Strip neulich? So ein Geschütz hatte der Marokkaner auch, fast noch ein bisschen dicker, und genauso gut wie Mike ist er damit umgegangen. Die beiden, das waren für mich absolut die Größten, wenn man einmal von meinem schwarzen Dick absieht, aber der spielt sowieso außer Konkurrenz.«

»Ach ja, Mike.« Die kleine Angelika schaut versonnen in ihren Schoß, wo ein paar dunkle Stoppeln sprießen, weil Friseuse Mona, die mit dem sensiblen linken Daumen, seit drei Tagen keine Zeit für einen Hausbesuch hatte. »Erinnert mich nicht daran, ich glaube, ich spüre ihn jetzt noch.«

»Jammer doch nicht rum.« Sabine scheint immer noch neidisch zu sein, dass Angelika damals die Schnellste war. »Wer hat ihm schließlich am Tresen schon den Hintern entgegengestreckt und dann auch noch derart damit gewackelt, dass er gar nicht mehr anders konnte? Und geschrien und gekeucht hast du, dass Marion die Musik hochdrehen musste, damit man dich nicht draußen auf dem Mühlendamm hörte. Wir dachten schon, er kommt dir vorne zum Mund wieder heraus.«

Angelika reibt sich so tief und erinnerungsschwer, dass ihr auf die Schnelle keine schlagfertige Antwort einfällt. Doch da glättet Gastgeberin Marion auch schon die Wogen: »Ich kann dich so gut verstehen und ihr anderen tut es doch auch. Mann, was war das für ein Strip, den Mike hingelegt hat, die Chippendales sind nichts dagegen. Der ist ihm ja schon beim Tanzen hart geworden. Erinnert ihr euch, als er nur noch seinen Tanga anhatte? Da ist fast der Kopf oben rausgekommen, so lang war er. Und als Angelika mit ihm durch war, seid ihr doch alle hinter ihm her in die Dusche, um auch noch was abzubekommen.«

Endlich hat Angelika ihre Sprachlosigkeit überwunden. »Jedenfalls war ich nicht so egoistisch wie die Tussie beim Mr. Pimmel neulich und habe für euch alle an Mike was drangelassen. Erinnerst du dich noch, Marion? Ich denke, wenn man so eifersüchtig ist, sollte man fortbleiben aus dem Klub. Erst uns den Mund wässrig machen mit den Spielsachen von ihrem Mann, und dann alles für sich allein haben wollen, das ist gegen die Regeln.«

Marion erinnert sich genau, nicht nur an die Eifersucht der Ehefrau, sondern auch, dass sie ihr ein Schnippchen schlug und schließlich doch noch auf ihre Kosten kam. Auf die Idee für den Wettbewerb war, wer sonst, Sabine gekommen, auch den unmissverständlichen Titel »Mr. Pimmel« hatte sie sich, wie immer nur an das eine denkend, ausgedacht. Die Regeln waren denkbar einfach: Marion hatte zehn Paare eingeladen, die Frauen durften mit vereinten Kräften die Männer in Hochform bringen, dann wurde abgemessen. Der Sieger brachte es auf 26 Zentimeter Länge bei kapitalen sechs im Durchmesser und wurde mit einer Flasche Champagner prämiert, der kleinste in der Runde bekam als Trostpreis einen fünf Zentimeter kurzen Dildo.

Alle waren von Sabines Idee und den von ihr ausgeklügelten Durchführungsbestimmungen begeistert gewesen. Die Damen hatten zuerst ihre eigenen Männer für den Wettbewerb präpariert und waren dann reihum gegangen, um einfühlsam, aber nicht zu stürmisch zu überprüfen, ob alles zum Besten stand. Bis die Partnerin des späteren Siegers ihr eigenes Süppchen zu kochen begann. Zwar überzeugte sie sich ebenfalls von der Standfestigkeit der Konkurrenz, doch sobald sich eine andere des Werkzeugs bemächtigen wollte, auf das nur sie, wie sie glaubte, einen Anspruch hatte, waren Sabines Regeln vergessen. Alles an ihrem Mann beanspruchte sie für sich: die Mobilisierung mit Hand und Mund, die Messung und schließlich die Siegesfeier, die das Paar unter Ausschluss der anderen im Roten Salon vollzog.

Doch sie hatte ihre Rechnung ohne Marion gemacht. Jetzt am Jubiläumsabend gesteht sie ihren Freundinnen, was bisher nur Mr. Pimmel selbst wusste: »Ich habe durch das Guckloch zugeschaut, wie sie sich über ihren Kerl hermachte, sie hatte es wahnsinnig eilig, das mit den neun anderen hat sie wohl mächtig angetörnt. Weil sie genauso schnell wieder vorne war, um Wodka nachzutanken, konnte ich ihn mir unter der Dusche greifen und habe ihn hinter den Vorhang zum Dark Room gezogen. Er brauchte gar nichts zu machen, erst ging ich vor ihm in die Knie, dann er hinter mir. Ich sage dir, Sabine, das war ein würdiger Preisträger, der hätte auch dir rundum gutgetan.« Ein giftiger Blick der Anatomin trifft sie, sekundenlang ist alle Freundschaft vergessen.

Susanne hat den Blick aufgefangen. Weil ihr jeder Streit, schon gar unter Frauen, zutiefst zuwider ist, macht sie sich ans Schlichten. Und natürlich weiß sie nach so vielen Jahren gemeinsamer Erlebnisse, wie sie Sabine bei der Stange halten kann. »Marion, Anne und ihr anderen, ihr wisst doch, dass Sabine im September 47 wird. Wollen wir ihr dann nicht das Gleiche schenken wie neulich dieser Fotograf seinem Model? So viel wie eine 23-Jährige schafft unsere Sabine doch lässig. Und notfalls helfen Angelika und Karin mit, wenn ihr die Männer über den Kopf wachsen.«

Tatsächlich war Marion vor ein paar Wochen von einem alten Stammgast, einem Fotografen bei einem Hochglanzmagazin, um Hilfe gebeten worden. Und von dieser Hilfestellung redet noch heute der ganze Klub, vor allem die Männer. Seine Freundin wünsche sich zu ihrem 23. Geburtstag Männer satt, mindestens 20 davon und keiner unter 20 Zentimetern. Auf die Schnelle hatte Marion zwar nur 16 Männer auftreiben können, die die Längenvorgabe erfüllten. Doch weil jeder der Herren rasch für seinen Vorreiter in die Bresche sprang, wenn den die Kraft verließ, und weil dem Geburtstagskind als einziges Kleidungsstück eine schwarze Augenbinde zugebilligt worden war, verlor es rasch die Übersicht.

Da lag sie nun auf dem Rücken, nackt und bloß, wie ein Seestern gespreizt und dadurch den kritischen Blicken der weiblichen Konkurrenz am Tresen ausgesetzt, während sich die Männer hinter dem, der ihr gerade sein Geburtstagsgeschenk zuschob, aufreihten und sich eigenhändig bei Laune hielten. Um bei der stürmischen Gratulationscour nicht von der Liege gestoßen zu werden, klammerte sie sich links und rechts an zwei weiteren Herren fest und zwar an deren bereitwillig entgegengestreckten Haltegriffen, welche prompt von Helga auf ihrem Barhocker als »Ersatzteile« bespöttelt wurden. Zwei Stunden lang schrie die junge Dame buchstäblich wie am Spieß, ehe der fotografierende Freund ihr eine kurze Atempause gönnte und ihr ein Glas Cola einflößte. Doch erst nach weiteren zwei Stunden und inzwischen gut 50 Geschenken wurde ihr die Binde gelöst, damit sie die Verheerung, die sie unter den 16 Gratulanten angerichtet hatte, mit eigenen Augen sehen konnte.

Alle geben sich einen Moment lang, je nach Temperament seufzend oder kichernd, den Erinnerungen an jenen Abend hin, bis Helga sie in die Gegenwart zurückruft: »Marion, wie hast du das nur auf die Schnelle geschafft, 16 Ersatzteile zusammenzutrommeln, und dann auch noch so große? Stell dir vor, Angelikas Pflaume fängt wieder mal an zu jucken, wie lange bräuchtest du dann, dass sie voll auf ihre Kosten kommt?« Ohne auf den Einwand aus der Ecke (»Aber sie juckt doch schon die ganze Zeit, seht doch her«) zu achten, antwortet Marion wie aus der Pistole geschossen: »Kein Problem, nicht das geringste. Innerhalb von einer Stunde hatte ich sie zusammentelefoniert. Erst einmal habe ich Schwanz-Paul angerufen, der hat immer Lust, außerdem hat der ein paar ähnlich gut behangene Freunde. Der Nächste war der stramme Max aus dem Pornofilm, der wollte gleich ein halbes Dutzend starker Kollegen mitbringen und der Rest erledigte sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda. »Auch ne Art von Oralverkehr«, flüstert Sabine so laut, dass es jede hören kann.

»Vergiss nicht, dass ich auch noch einen beigesteuert habe.« Karin wäre die Letzte, die ihr Licht unter den Scheffel stellen würde. Schon gar nicht, wenn es sich um ihren Untermieter handelt, den sie derart hätschelt und verwöhnt, dass er ihr seit elf Jahren die Stange hält. Je nach Stimmung erzählt sie zwei Varianten von ihrer ersten näheren Bekanntschaft mit ihm, mal mit, mal ohne ihre Tochter. Und obwohl ihre Freundinnen beide Versionen zur Genüge kennen, hören sie immer wieder gerne zu. Heute ist die kürzere an der Reihe:

»Benno wohnte damals gerade vier Wochen bei mir, ich musste mich erst einmal daran gewöhnen, wieder einen richtigen Kerl im Haus zu haben, nachdem ich diesen klebrigen Sportjournalisten rausgeschmissen hatte. Ich war gerade beim Schlachter gewesen, der mit den angeblich besten Weißwürsten Deutschlands, und weil die Schlange ausnahmsweise mal nicht bis auf die Straße ging, hatte Benno noch nicht mit mir gerechnet. Er hatte die Nacht vorher wohl ziemlich gezecht, deshalb war er gerade erst aufgestanden. Da steht er in der Küche, brüht sich seinen Kaffee auf und hat nichts an als sein kurzes T-Shirt mit irgend so einem irischen Dichter auf der Brust. Und darunter, ich hab mich im ersten Moment ziemlich verjagt, steht seine Morgenlatte, so ein Kaliber hatte ich lange nicht mehr gesehen, war wohl der Restalkohol, der noch drinsteckte.« Obwohl die anderen wissen, wie es ausgeht, lauschen sie erwartungsfroh, nur in der Ecke wimmert Angelika: »Es juckt, es juckt, warum juckt es bloß immer so.«

Karin nimmt einen tiefen Schluck aus ihrem Champagnerkelch, der »Restalkohol« hat sie inspiriert: »Beide starren wir uns entgeistert an, er mit beiden Händen vor der Latte, dann ergreife ich die Flucht nach vorn. ›Lassen Sie man, das ist nicht der erste nackte Mann, den ich da sehe. Die Hände nehmen Sie besser für den Wasserkessel, die Fenster beschlagen ja schon.‹ Das hat er ganz schnell begriffen. Danach ging er Zähneputzen, ich lehnte in der Badezimmertür und schaute mir seelenruhig seinen Bauchnabel an und das hat Benno, wie er später erzählte, derart angemacht, dass er ihm die ganze Zeit stand. Hinterher brauchte ich im Schlafzimmer eine geschlagene halbe Stunde, um diesen Anblick zu verarbeiten.«

Das Spielchen trieben die beiden wochenlang weiter. Jeden Werktag Punkt sieben und am Wochenende gegen zehn klopfte Karin an der Tür des Mieters, der kam erst ins Badezimmer, wenn »der da« aufgestanden war. In der Tür wartete die Wirtin, hochgeschlossen, aber tiefbewegt, und starrte immer nur auf das eine, ehe sie im Schlafzimmer verschwand. Bis Karin eines Sonntags die Flucht nach vorn ergriff. Wieder einmal hatte Benno eine lange Nacht hinter sich und wieder einmal glaubte sie die Auswirkung von Restalkohol zu erkennen.

»Da nahm ich allen Mut zusammen. ›Kann es sein, dass er heute noch länger ist als sonst? Dicker ist er auf jeden Fall, das sehe ich von hier aus.‹ Worauf er vorschlug: ›Dann messen Sie doch einfach nach und morgen vergleichen wir.‹ Seitdem weiß ich, dass er es bei idealen Bedingungen über die 20 Zentimeter schafft, aber selbst an schlechten Tagen auf mindestens 18,5 kommt. Danke übrigens, Marion, dass du ihn bei der Geburtstagsparty neulich mit eingeschmuggelt hast. Aber bei dem Nonstop-Verkehr hat das Girl sicher nicht gemerkt, dass da womöglich knapp zwei Zentimeter an ihrer Mindestforderung fehlten.«

Dass es nicht bei dem täglichen Abmessen bleiben würde, war bei der Veranlagung der beiden abzusehen. Schon am Montag, als Karin beim Vergleich zum Vortag tatsächlich den Kürzeren zog, wagte sie den nächsten Schritt. »Ich schlug ihm vor, dass ich mit einer Massage noch ein bisschen mehr herauskitzeln könnte, doch was dabei herauskam, ist das, was ihr alle von den Männern kennt. Zum Glück machten wir es über dem Waschbecken, deshalb konnte ich hinterher alles gleich abspülen und ihn auch. Aber weil ich damals noch nicht wagte, ihm mehr von mir anzubieten – schließlich war ich schon über 50 und er nicht einmal 25 –, musste ich dann immer gleich ins Schlafzimmer. Das dreckige Grinsen von dem Kerl hättet ihr sehen sollen.«

»Und du hast ihm bis dahin tatsächlich nie deine Pflaume gezeigt?« Angelika würde, um sich von ihrem Juckreiz abzulenken, zu gerne die längere Version, die mit der Tochter, hören. Aber jetzt geht Marion dazwischen, damit ihre Gesprächsrunde nicht in einen endlosen Monolog ausufert, sie kennt Karin und ihre Freude an intimen Details schließlich lange genug: »Schluss jetzt, das wissen wir alle zur Genüge, wie Renate mitspielen wollte und Mutter und Tochter sich dann beim Melken abwechselten. Und dass ihr dann alle drei im Bett gelandet seid und wie Renate ihm an Karin gezeigt hat, was auch eine Frau jenseits der Fünfzig für schöne Sachen hat. Aber bisher hören wir die ganze Zeit nur von Riesenlümmeln, ich finde, auch die Kleinen können aufregend sein, sie kitzeln so schön und sehen auch so niedlich aus.« Worauf Sabine schnippisch einwirft: »Ach was, das ist doch alles nur Kleinkram. Wenn eine Frau zwischen einem großen Kräftigen und einem Kleinen wählen kann, nimmt sie immer den Großen, hundertprozentig. Nur in der Not frisst der Teufel Fliegen.«

Susanne will sich rasch für die quengelnde Angelika in die Bresche werfen – »Ach, lass Karin doch, sie kann so spannend erzählen, wie Renate da unten aussieht, ich kann es nicht oft genug hören und unsere Leser wollen es sicher auch wissen« –, doch Marion bleibt unerbittlich. »Wenn die Leser es so genau wissen wollen, können sie ja selbst in den Klub kommen und Karin live erleben. Aber jetzt sind endlich auch mal die Schwänzchen an der Reihe, sonst trauen die sich nicht hierher, weil sie Angst haben, sie kommen nicht durch Sabines Längenkontrolle. Erzähl doch mal, Anne, wie du neulich mit den zwei Japanern hier im Roten Salon auf der Schaukel warst.«

»Ja, das war komisch. Eigentlich wollte ich ihm einen Korb geben, als mich der kleinere von beiden am Tresen angebaggert hat, weil ich seit diesem Reinfall auf der Reeperbahn keinen Bock mehr auf Japaner habe.« Anne spreizt den kleinen Finger ihrer linken Hand ab: »Nicht einmal so groß war der damals und der hier hatte sich ein Hasenpfötchen oder so was in die Hose gestopft, um falsche Tatsachen vorzuspiegeln, das sah ich sofort. Aber dann dachte ich: Anne, du bist Krankenschwester, in unserem Beruf muss man sich auch um die verzweifelten Fälle kümmern, also Augen zu und durch. Und weil er auf den Weg in den Roten Salon noch einen Landsmann aufgegabelt hat, ist es dann doch noch ganz lustig geworden, und das alles nur wegen dieser tollen Schaukel.«

Marion lächelt geschmeichelt, denn schließlich war es ihre Idee, im Salon eine Schaukel aufzuhängen und die rettete Anne den Abend mit den Japanern. »Wieder zwei Nieten gegriffen, dachte ich, als ich ihnen die Hosen herunterzog. Kleiner als mein 13-jähriger Vetter Horst damals in Konstanz, den ich immer mit seinem ›Mückenbein‹ gehänselt habe. Aber zwei sind doppelt soviel und also auch doppelt so dick wie einer und in der Not wird jede Krankenschwester erfinderisch. Also ließ ich den einen auf die Schaukel klettern, dann setzte ich mich auf seinen Schoß, lehnte mich rückwärts gegen seine Brust und führte das bisschen, was zwischen seinen Beinen stand, bei mir ein. O.k., besser als das auf der Reeperbahn war es schon, aber Platz war da unten drin noch reichlich. Also ließ ich den anderen sich vor uns hinstellen, der zog die Schaukel an sich heran, bis der Winkel genau richtig war für ihn und dann hinein mit ihm. Und weil ich die Schaukel mit dem Hintern sachte ins Schwingen brachte, machte ich aus zwei halben Portiönchen zumindest eine einzige, aber ganz anständige Portion. Hat richtig schön gekitzelt, das Ganze, wie du gesagt hast, Marion.«

Bei zwei Männern gemeinsam in Aktion wird Helga hellhörig: »Das hat ihnen wohl gefallen, diesen perversen Schweinen, sich in dir aneinander zu reiben. Aber was war das denn nun für einer auf der Reeperbahn, spann uns doch nicht den ganzen Abend auf die Folter, du Luder.« Anne, der jede Ziererei fremd ist, lässt sich nicht lange bitten.

»Es fing damit an, dass mich meine Kollegin Gudrun dazu überredet hat, mit ihr mal auf den Strich zu gehen. Also setzten wir uns in ziemlich verwegenen Klamotten in eine Hotelbar auf der Reeperbahn, die Slips hatten wir schon vorher ausgezogen, schließlich sollte das ja für die Herren kein heiteres Beruferaten werden. Als Erste begriffen zwei japanische Geschäftsleute, was wir wollten. Nicht einmal austrinken durften wir, so eilig hatten sie es, mit uns aufs Zimmer zu gehen. Erst drückten sie jeder dreihundert Mark in die Hand, im nächsten Moment standen sie nackt vor uns. Der von Gudrun ging ja noch einigermaßen, der war immerhin größer als das Mückenbein von Horst, aber meiner – du lieber Gott. Er muss wohl gemerkt haben, dass ich nichts, aber auch absolut gar nichts gespürt habe, denn hinterher hat er sich entschuldigt: Japaner hätten nun einmal so kleine, weil sie immer nur Reis zu essen bekämen. Die Europäer hätten es besser, von Kartoffeln würde man eben einen kräftigen Oschi bekommen, die gäben ordentlich Sahne auf den Löffel. Ich war so wütend über diesen Blödsinn, dass ich ihn anblaffte: ›Und die Italiener haben so lange dünne, weil sie Spaghetti essen, und die Schwaben so kurze Buebespitzle wegen der Schupfnudeln.‹ Fast hätte ich ihm seine Geldscheine zurückgegeben, aber dann fiel mir ein, dass sie zusammengerollt doppelt so dick waren wie das, was der Japaner in der Hose hatte.« Alle lachen, am lautesten Angelika, die sich, während Anne erzählte, etwas Erleichterung verschafft hat.

Als das Lachen abebbt, ist für Sabine die Zeit gekommen, mit ihrem Fachwissen zu protzen. »Ach Anne«, sagt sie herablassend, »das hätte ich dir gleich sagen können. Du musst doch nur auf ihre Nasen schauen, dann kannst du dir die ganze Arbeit sparen. Was meinst du wohl, warum die von da hinten unsere Männer ›Langnasen‹ schimpfen? Die haben ja fast ein Loch mitten im Gesicht, so winzig sind ihre Nasen. Aber die Natur hat das gut eingerichtet, denn ihre Frauen sind genauso klein da unten. Erinnert ihr euch an das koreanische Ehepaar letztes Jahr? Sie hat sich bloß gottergeben auf den Rücken gelegt, dann ist sie von der ganzen Mannschaft durchgezogen worden, weil sie so eng wie keine von uns war, während ihr kleiner Zipfelmann danebenlag und ihr Händchen gehalten hat. Meine Freundin Silke aus Kiel hatte Mitleid mit ihm, hat es aber bald aufgeben. ›Ach diese armen kleinen Chinesen‹, hat sie immer nur gesagt, dabei war er doch Koreaner. Aber ich sag’s euch, an ihren Nasen sollt ihr sie erkennen.«

»Ja ja, so wie die Nase des Mannes, so sein Johannes«, sagt Marion versonnen. »Einen wahreren Spruch hat es nie gegeben. Wisst ihr noch den kurzen Lothar, der mit seiner kräftigen Knubbelnase? Dick wie mein Unterarm war der, eine richtige Keule. Man musste sich nur hinknien, dann schob er ihn ganz langsam von hinten rein und hielt still. Wenn sich bei ihm was bewegte, dann war es die Frau, nicht wahr, Sabine?«

»Der brauchte sich nicht zu bewegen, der füllte einen so aus, dass mehr gar nicht nötig war. Für mich jedenfalls. Alles, was am Mann zählt, hatte ich intus, den Rest hätte er gerne am Tresen zurücklassen können, der störte nur.« Angelika wirft ihr einen verständnisvollen Blick zu, derart angespornt doziert Sabine weiter.

»Dass die Schwarzen die besten sind, wissen wir fast alle spätestens seit unserem Burger-Brater Dick, da wird uns Marion sicher gleich mehr erzählen können. Kommt wohl aus dem Sudan, denn dort sollen sie mit 23,7 Zentimetern im Durchschnitt die Größten haben. Nein, Karin, im Durchschnitt, nicht im Durchmesser. Dahinter kommen gleich die nordafrikanischen Araber, auch wenn Marions Marokkaner aus Agde sicher eine Sonderausgabe war, die meisten, die ich kenne, hatten gerade mal um die zwanzig. Und was unsere Männer betrifft, da halte ich es trotz Lothar mit den großen Schlanken. Die haben die Längsten und dazu passend auch die richtige Dicke, einer wie der andere. Ich jedenfalls habe bei denen noch keine Ausnahme von der Regel erlebt und glaubt mir, das waren einige. Aber wolltest du uns nicht von Dick erzählen, Marion, der war schließlich deine Entdeckung, du hast in hier eingeführt.«

»Na gut, wenn du mich so nett bittest. Also: Es war im letzten Sommer, so gegen halb elf, eine der heißesten Nächte damals, deshalb hatte ich nur das Nötigste an, als ich mal kurz zum Auto rausmusste. Kommt mir doch auf dem Bürgersteig ein kräftiger Schwarzer entgegen, elegant wie ein Tänzer mit einem richtigen Knackarsch und alle Muskeln dort, wo sie sein sollten. Ich weiß sofort, das ist ein ganz Großer, also spreche ich ihn an, ob er nicht auf ein Bier zu uns hereinkommen will. Gerne, sagt er, aber nur auf eine Stunde, sonst wird meine Frau eifersüchtig, die wartet schon zu Hause auf mich. Nun, in einer Stunde lässt sich einiges bewegen, und so war es dann auch. Samtweiche Haut hatte er, einen rabenschwarzen Penis« – sie spricht das in diesen Räumen unübliche Fremdwort aus, als wollte sie sich gleich vor ihm hinknien – »mit gefühlten 30 Zentimetern und einer etwas helleren Eichel, wie zum Reinbeißen. Und als er dann anfing, fühlte er sich wie ein Quirl an, eine ständige Rührbewegung im Teig, es war die kürzeste Stunde meines Lebens. Das ist ein Mann, der einem wirklich alle Wünsche erfüllt, nur schade, dass er so eine eifersüchtige Frau hat. Was könnten wir in zwei oder drei Stunden mit ihm alles anfangen, sogar Angelika käme auf ihre Kosten.« Angelika seufzt, Anne auch:

»Als Krankenschwester machte ich es mir erst einmal in dem gynäkologischen Stuhl bequem und ließ Dick sich davorstellen. Runter auf die Knie, kommandierte ich, und zeig, was du von Medizin verstehst. Ich sage euch, nie vorher ist ein Arzt so behutsam mit ihr umgegangen, ganz sachte und zart. Und als Koch verstand er was vom Rühren und Verquirlen, nur anders als bei Marion, weil er ja vor mir auf den Knien lag. Glaubt mir, er war nicht der erste Schwarze in meinem Leben, aber ich werde lange suchen müssen, bis ich mal wieder so einen finde.«