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Bäuerin Leni beackert zusammen mit ihrem Mann und den drei Kindern einen Bio-Bauernhof mit 18 Milchkühen im Voralpenland. Sie weiß, was es heißt sich selbst und die Familie zu versorgen. Rund ums Jahr zeigt sie, was im Garten zu tun ist: aussäen, pflanzen und pflegen, aber auch ernten und verarbeiten. Damit das, was unsere Omas über die Selbstversorgung noch wussten, nicht weiter in Vergessenheit gerät. Leni‘s Motivation ist der Anbau von eigenem Obst, Gemüse und Kräutern. Gleichzeitig gibt der Garten ihr Erdung und verbindet sie mit den Kreisläufen des Lebens. Jeder Tag im Garten lässt sie spüren, wie gut es sich anfühlt, mit der Natur zu gärtnern.
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Seitenzahl: 330
Veröffentlichungsjahr: 2019
Magdalena Kühn
Mit Bäuerin Leni
durchs Gartenjahr
Garten ist mehr als nur das Nutzen von Lebensmitteln. Er bereichert die Seele, erdet die Gefühle und sensibilisiert die Wahrnehmung.
Meine ersten Gartenerinnerungen stammen vom elterlichen Bauernhof mit einem großen Obst- und einem großen Gemüsegarten. Heute würde man es Selbstversorger-Garten nennen. Als Kind kannte ich das Wort gar nicht, die Gärten waren einfach da. Sonderlich begeistert waren meine Geschwister und ich nicht, wenn es um das Aufsammeln von Obst oder die Ernte von Johannisbeeren ging. Mit einem tiefen Aufatmen trugen wir dann der Oma ihren Klappstuhl und die Schüssel zu den Beerensträuchern, denn für Oma war die Ernte etwas Schönes. Wir konnten es einfach nicht verstehen. Heute versteh ich es.
Auf einem Bauernhof in Oberbayern bin ich mit vier Geschwistern aufgewachsen, erlernte später den Beruf Hauswirtschafterin, und legte darin meine Meisterprüfung ab.
Nun bin ich Mutter von drei Kindern und führe mit meinem Mann seit 25 Jahren einen Bio-Bauernhof mit 18 Milchkühen im bayerischen Voralpenland. Zu unserem Betrieb gehören 25 ha Grünland, 7 ha Landschafts-Pflegefläche, 6 ha Wald und ein Gemüseacker. Wir sind zugleich Ausbildungsbetrieb für den Beruf der Hauswirtschaft, weil es mir ein Anliegen ist, dieses Wissen weiterzugeben. Die Fähigkeit, Gemüse selbst anzubauen und Sortenvielfalt zu bewahren sowie die Unabhängigkeit von agrarindustriellen Entwicklungen ist unsere Motivation für den Gemüseanbau.
Wann die Freude am Garten entstand, weiß ich nicht. Als Kind wollte ich Blumenbinderin werden, den Beruf habe ich damals selber erfunden. Als Jugendliche erkannte ich aber, dass das Gärtnern mit körperlicher Arbeit verbunden war – auch nicht besonders verlockend. Und dann war sie doch auf einmal da, die Begeisterung für den Garten. Für meine Oma und meine Mutter war die Bewirtschaftung eines Hausgartens und die Verwendung der Ernte hingegen immer eine selbstverständliche Aufgabe. Knüpfen auch Sie wieder an dieses Tun und Wissen an! Vieles ist in Vergessenheit geraten, weil es irgendwann nicht mehr gebraucht und daher nicht weitergegeben wurde. Die Werte der Menschen sind immer dem Wandel unterworfen, sodass wir jetzt wieder feststellen, dass Lebensmittel, der Umgang mit Boden oder Naturerfahrungen unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden sehr wohl beeinflussen.
Anfangen und lernen
Dieses Buch soll Ihnen die Tore für die Vielfalt eines Gartens und das Verständnis für ihn öffnen. Es ist nicht von Bedeutung, wie viel Platz Sie für Gemüse haben, sondern dass Sie den Mut haben, etwas anzufangen. Der Garten ist oft so, wie er gerade ist. Das muss man annehmen lernen. Nein, bei mir können Sie keinen perfekten Garten sehen. Den habe ich nicht, weil ich nicht weiß, wie ein perfekter Garten auszusehen hat. Garten ist das Erleben von Zeit. Der Garten als Entschleuniger schenkt mir Zeit, Ruhe und Erdung. Ob ich nun jäte oder abends nach der Stallarbeit durchgehe, etwas pflege, oder nur betrachte. Als Motivation für den doch nötigen Krafteinsatz steht an erster Stelle immer noch die Erzeugung von Gemüse und Obst für die Ernährung.
Legen Sie Ihre Messlatte an Erwartungen nicht zu hoch, denn der Erfolg ist im Garten nicht nur an riesigen Erntemengen zu messen, die einem zum Schluss zu viel werden können. Sie dürfen einfach tun, und wenn es nicht optimal war, dann probieren Sie es halt noch einmal anders. Ein Garten ist ständig im Wachsen und Verändern und deshalb darf auch der Gärtner ständig an seinen Aufgaben wachsen und sich und sein Tun verändern.
So wünsche ich Ihnen viele Gartenjahre, erfahrungsreich und in unendlicher Vielfalt.
Leni Kühn
So abwechslungsreich ein Garten ist, in der Gestaltung, in der Nutzung oder in der Bearbeitung, so abwechslungsreich werden auch Ihre Gefühle für ihn sein. Sie werden ihn lieben und achten, vielleicht auch stöhnen und zweifeln. Sicher wird Ihr Leben aber durch den Garten intensiver.
Der Garten ist die Begegnung mit der Natur in einer Form, die uns tief prägt. Durch das Zusammenspiel vom Menschen, der sich durch seine Kreativität einbringt und das Wesen von Pflanzen, die uns nähren, heilen und versorgen, entsteht eine Symbiose, die nicht immer mit dem Verstand erklärt werden kann.
Arbeit und Verwurzelung
Ein Garten ist genauso lebendig wie Sie und ich, und keine Beziehung wird nur rosa oder grau sein. Es ist Ihre selbst gewählte Blickrichtung, welche Gefühle er hervorruft. Doch wann ist das Arbeit? Wann ist es Freizeit? Leider ist in unserer Gesellschaft Arbeit immer negativ belastet. Dafür wurde der Ausgleich mit Freizeit geschaffen. Solange Sie glauben, der Garten macht viel Arbeit, solange macht er auch viel Arbeit. Doch ein Garten ist ein Wunder und ein Geschenk. Was würde passieren, wenn wir unsere Einstellung zu unserem Tun ändern, oder grundsätzlich überlegen, was uns durch dieses Leben trägt. So wird sich auch Ihre Einstellung zur Gartenbewirtschaftung ändern. Sie werden es einfach tun, dabei merken, dass das Berühren der Erde Ihnen viele neue Erfahrungen schenkt. Die neue Betrachtung der Pflanzen, von der Wurzel bis zur Blüte, oder das große Geheimnis des Werdens und Vergehens, das im Boden vollendet wird und für unsere Augen und manchmal auch für unseren Verstand unsichtbar ist. Sie bekommen die Chance, den Naturkreislauf und den Jahreslauf durch das Greifen begreifen zu können. Immer tiefer dringt man dabei in das Geflecht der Symbiose von Pflanzen, Tieren und Menschen ein. Dabei werden auch Sie sich verwurzeln, an Ihrem Platz und in Ihrem Leben.
Verantwortung übernehmen für fruchtbaren Boden, für den Platz, auf dem man lebt und für den Frieden, der alles lebenswert macht.
Kleine Schritte, große Ausdauer
Wenn Sie gerade noch am Überlegen sind, etwa nach dem Motto, „Gemüseanbau habe ich noch nie gemacht“, möchte ich Sie auf folgendes hinweisen. Der größten Fehler, den Sie als Anfänger machen können, ist nicht den Mut zu haben anzufangen. Beginnen Sie mit kleinen Schritten, es reichen oft schon ein kleines Beet oder einige Töpfe für die ersten Versuche. Mit jedem Erfolg werden die Töpfe mehr und mit jeder Niederlage wächst der Kampfgeist. Überfordern Sie sich nicht, indem Sie gleich in die Vollen gehen, sondern machen einfach jedes Jahr etwas mehr. Mit der Erfahrung wächst nicht nur die Ausdauer, sondern auch die Begeisterung für ausgefallenes Gemüse oder besondere Blumen.
Seien Sie nicht enttäuscht, wenn nicht alles auf Anhieb klappt, denn es wird nicht alles nach Ihren Vorstellungen funktionieren. Im Garten mischen viel zu viele Faktoren mit. Es ist nicht immer nur das Ziel das Entscheidende, sondern oft der Weg dorthin. So ist auch die intensive Begegnung mit der Natur bei der Gartenarbeit eine wertvolle Zeit.
Egal wie groß die Anbaufläche ist, ob ein Gemüseacker oder nur kleine Pflanzgefäße zur Verfügung stehen, es kommt auf das Tun an.
Nahrungs- oder Lebens-Mittel
Wie ausschlaggebend die richtige Ernährung für unsere Gesundheit ist, wissen wir alle. Was aber letztlich richtig ist, darüber zerbrechen sich die Experten den Kopf. Die verschiedenen Ernährungsformen werden immer mehr, von Trennkost bis Vegan. Und doch ist weniger ausschlaggebend, wie wir essen, sondern was wir essen. Und alles, was Sie essen, hat seinen Ursprung im Boden und ging auf die Pflanzen über. In Ernährungslehre habe auch ich die verschiedenen Vitamine und Mineralstoffe sowie deren Aufgabe in unserem Körper kennengelernt. Und trotzdem entstehen, obwohl kein Mangel an Nährstoffen durch genaue Bedarfszahlen und volle Kühlschränke gegeben ist, immer mehr und immer neue Krankheitsbilder. Welcher Nährstoff fehlt uns jetzt? Oder ist es womöglich gar kein Nährstoff, der in unsere Ernährungswissenschaft passt? Vielleicht produzieren wir zu viele Nahrungs-Mittel, um nach Kalorientabellen satt zu werden, statt Lebens-Mittel mit Inhaltsstoffen, die wir noch nicht erfassen und somit begreifen können.
Bewusst einkaufen
Nutzen Sie Ihre liebevoll zusammengetragenen Vorräte und lassen Sie sich beim Einkauf nicht zu unnötigen Käufen verleiten.
Der klassische Hausgarten ist jederzeit schnell erreichbar, bei der Ernte von Salat oder Kräutern, bei Pflegearbeiten oder nur zum Reinschauen.
Bestimmt erspüren Sie als Gärtner dieses Geheimnis. Das Geheimnis der Ordnung in jeder Zelle einer Gelben Rübe, die Kraft des Sonnenlichtes, die Lebendigkeit einer Pflanze oder das Unsichtbare im Boden. Zur gesunden Ernährung gehört ein natürlicher Anbau, eine Verarbeitung, die den Wert einer Pflanze würdigt und eine Zubereitung, die die Familie mit Dank annimmt und schätzt.
Ob Sie nun einen Garten besitzen, eine kleine Fläche Land bewirtschaften oder Ihr Gemüse in einer Holzkiste anbauen, Ihnen sollte bewusst sein, dass Sie in ökologische und ökonomische Abläufe, ja sogar in die Weltwirtschaft eingreifen. Sie verändern Ihr Einkaufsverhalten, die Gestaltung Ihrer Freizeit und Ihr Bewusstsein für Umwelt und deren Vernetzungen.
Verwurzelt in der Kunst
Uns allen vertraut ist die Symbolik von Pflanzen. Die rote Rose für die Verliebten oder der Lorbeerkranz für den Sieger. Da jeder der allseits bekannten Blumen ein Charakter oder eine Aussage zugeordnet ist, konnten auch die Menschen, die nicht lesen konnten, verstehen, was vermittelt werden soll.
Betrachten Sie die zahlreichen Stuckarbeiten und Malereien mit Blättern, Blüten und rankenden Gewächsen in Kirchen, oder auf Gemälden, in der Buchmalerei oder auf Ihrem Kaffeegeschirr, dem Stoffmuster, im Schmuck und in der Schmiedekunst. Dass viele Blumen und Bäume in Liedern, Märchen, Sagen und Gedichten eine Hauptrolle spielen, zeigt auch, wie sehr der Mensch sich mit Pflanzen verbunden fühlt und sie ein Teil seines Lebensumfeldes sind.
Für Pflanzen habe ich nicht viel übrig ~ wer so denkt, muss sich unter seiner Bettdecke verkriechen, und diese darf dann auch nicht geblümt sein.
Der Mensch entwickelt sich
Dass wir nicht die ersten waren, die diesen Planeten besiedelten, sondern dass vor uns die Pflanzenwelt, später die Tiere und dann erst wir dran waren, müssen wir respektieren. Dabei fühlte sich der Mensch immer als ein Baustein in dem Gesamtkomplex von Natur und Kosmos. Tausende von Jahren war dieser Mensch darin verwurzelt, beheimatet und entwickelte sich. Bruchteile davon können wir in Naturvölkern noch feststellen. Die Selbstverständlichkeit, ein Teilchen vom Ganzen zu sein, wird einem bewusst, wenn wir nur den Kreislauf unseres eigenen Lebens betrachten. Sobald unser Körper seine Aufgabe für dieses Leben erfüllt hat, geht er wieder in Boden über. So wie auch Sie im Gartenjahr ein stetiges Werden und Vergehen erleben und dies in Selbstverständlichkeit und Harmonie.
Dass Pflanzen, und nicht nur Heilpflanzen, für uns ein Geschenk sind, und wir als Gegengeschenk Dankbarkeit, Ehrfurcht und Rücksichtnahme zurückgeben sollten, fiel den Menschen früher leichter, als in unserer Zeit. In der riesigen Zeitspanne der Entwicklung des Menschen ist der Mensch erst im letzten Jahrhundert mit der Industrialisierung immer mehr von seiner bisherigen Lebensart abgewichen. Dass in seinem innersten Wesen eine tiefe Sehnsucht nach Garten und Natur vorhanden ist, ist nachvollziehbar. Es ist nie zu spät, wenn man etwas ändern will. Derzeit erlebe ich eine richtige Aufbruchstimmung rund um Gartenthemen, die Motivation etwas zu ändern und die Begeisterung mit Erde und Pflanzen neue Kenntnisse zu gewinnen. Eine Begeisterung mit verschiedenen Hintergründen. Ob aus wirtschaftlichen Gründen, um Kosten zu sparen, aus gesundheitlichen Gründen, um abzuschalten oder aus ernährungsphysiologischen Gründen, um gute Qualität zu erhalten. Auf dem Land werden kleine Ackerflächen angemietet und in den Städten entfaltet sich das Urban Gardening. Um dabei zu sein, brauchen Sie nur Saatgut und Begeisterung. Wie auch die ersten Ergebnisse ausfallen, Sie ernten nicht nur Gemüse, sondern auch viele Erfahrungen. Besonders wertvoll ist es, wenn Sie Kindern das Vertrauen zu unserer Natur und deren Potenzial wieder vermitteln.
Was Sie vom Garten nicht zu befürchten brauchen, ist: Er wird nicht beleidigt sein, wenn Sie aus Unwissenheit etwas anders machen, als es in den Lehrbüchern steht. Er wird Ihnen immer wieder die Chance geben, etwas zu ändern und es von Neuem zu versuchen. Genießen Sie Ihren Garten mit allen Sinnen: mit den Augen, den Ohren, Ihren Händen, mit der Nase und dem Gaumen. So ist Garten ein Genuss.
Um seinen Garten zu verstehen, muss man seine Sprache lernen und diese auch sprechen. So begreift man die Zusammenhänge und Verflechtungen von Pflanzen, Tieren und Menschen. Und dieses Wissen ist geheimnisvoll, faszinierend und unendlich.
Boden ist eigentlich zu schade, um ihn mit Füßen zu treten. Wir begehen in täglich. Boden, der uns trägt, der Pflanzen nährt und Halt gibt. Er speichert für uns Wasser, baut Blattmasse auf und wandelt gelebte Substanzen wieder in Humus um.
Die Vielfalt des Bodens
Eigentlich ist Gartenbau ganz einfach, ein paar Samen in den Boden geben und los geht’s. Auf den gleichen Boden kann man auch sein Haus bauen, die Straße und einen Parkplatz für das Auto. Und weil es so einfach ist, wird dies auch umgesetzt. Wir verbrauchen sehr viel Boden für Straßen und Bebauungen und erzeugen dabei aus fruchtbarer Erde unfruchtbare Fläche. Auf der einen Seite nimmt die Bevölkerung zu, somit auch der Bedarf an Lebensmitteln, auf der anderen Seite wird immer mehr Boden verbaut. Da könnte man fast meinen, wir haben zu viel und bekommen ihn immer wieder nach. Doch so einfach ist es dann doch nicht.
Über Jahrtausende ist die Erdoberfläche, die aus reinem Gestein bestand und permanent Wind und Wetter ausgeliefert war, verwittert. Darauf konnten sich dann erst Mikroorganismen und später Flechten ansiedeln. Durch das stetige Absterben und die Zersetzung konnte immer wieder eine neue Grundlage für die nächsten Pflanzen entstehen. So ist Ihr fruchtbarer Boden, etwas vereinfacht, im Gemüsegarten entstanden. Alles klingt logisch und nachvollziehbar, und warum ist alles doch nicht so einfach? Es ist der Faktor Zeit. Obwohl unser Planet etwa 12 600 km Durchmesser hat, ist nur die äußerste Schicht von 10–30 cm fruchtbare Erde.
Schicht für Schicht
Dass Ihr Gartenboden von oben bis unten nicht gleich aufgebaut ist, merken Sie bereits beim Pflanzen von Sträuchern oder eines Baumes. Wenn Sie ins Erdreich graben, kann dies ganz schön steinig werden, da Ihr Gartenboden in mehreren Schichten aufgebaut ist. Ganz oben befindet sich eine Auflage organischen Materials – Pflanzenreste, die zunächst noch abgebaut werden. Der fruchtbare Teil der Erdschichten ist der Oberboden. Hier befindet sich die Humusschicht, in der der Großteil der Wurzeln und die meisten Bodenlebewesen vorhanden sind.
Nach dieser Bodenschicht kommt der Unterboden, auch Mineralschicht genannt. Hier hat sich der Humus aus dem Oberboden mit verwitterten Gesteinsresten vermischt. Der Boden kann noch durchwurzelt werden.
Es sollte uns bewusst werden, wie wir Menschen im Allgemeinen mit fruchtbarer Erde umgehen. Denn nicht nur, dass dies eine sehr dünne Schicht ist, sondern auch nur eine kleine Fläche. Die Erdoberfläche besteht zu 71 % aus Wasser und zu 29 % aus Land. Von dieser Landfläche kann wiederum nur ein Drittel landwirtschaftlich genutzt werden. Der Boden ist nicht nur die Grundlage für unsere Ernährung, sondern hat auch die Aufgaben Niederschläge zu speichern und Schadstofffilter für unser Grundwasser zu sein. Wenn der Boden nicht mehr aufnahmefähig für Niederschläge ist, weil er nicht mehr lebendig genug oder versiegelt ist, werden unsere Probleme mit Überschwemmungen zunehmen. Wertvoller Boden kann auch bei Starkregen weggeschwemmt werden, sobald die Erdoberfläche ungeschützt frei liegt. Genauso gut kann diese Flächen durch Sonneneinstrahlung austrocknen oder die feinen Humusteilchen vom Wind davon geweht werden.
Braucht wenig Platz, wächst schnell, sollte aber rechtzeitig geerntet werden – nur zarte, junge Kohlrabi schmecken richtig gut. Deshalb pflanzt ein Genießer alle vier Wochen nach.
Zu allen positiven Eigenschaften des Bodens kommt noch die Gabe eines sehr guten Gedächtnisses hinzu. Er kann sich nach über 1000 Jahren noch erinnern, wo eine Römerstraße verlaufen ist, eine Besiedelung war oder wie im Mittelalter Ackerbau betrieben worden ist. Erst recht merkt er sich, wenn im Garten der Boden verdichtet oder die Erde rücksichtslos behandelt wird. Ein rücksichtsvoller, einfühlsamer Umgang mit Ihrem Boden wird Ihnen Ihr Stück Land mit Fruchtbarkeit danken.
Keine Pflanze ohne Boden, kein Boden ohne Pflanze.
Pflanzenwünsche
Würde man Sie fragen, welche Grundbedürfnisse gegeben sein müssen, damit für Sie ein Leben grundsätzlich möglich ist, wären es überraschend ähnliche Antworten, die auch Pflanzen geben würden. Deren Lebensbedingungen bestehen aus:
−Temperatur: Die Pflanze braucht Wärme für die Fotosynthese, zum Keimen, Wachsen und Atmen. Sie erhält ausreichend davon, wenn Sie die richtigen Sorten und den richtigen Standort wählen. Bei Bedarf kann man dies anpassen, etwa die Pflanzen abdecken oder Bodenwärme durch Mulchen erhalten.
−Wasser: Die erforderlichen Nährstoffe können Pflanzen nur in Wasser gelöst aufnehmen. Auch für den Vorgang der Fotosynthese ist es nötig. Richtiges Gießen, Standortwahl und Bodenbeschaffenheit sind hier zu berücksichtigen. Auch Hacken oder Mulchen begünstigen die Bodenfeuchtigkeit.
−Luft: Zur Atmung und für die Fotosynthese ist für die Pflanze Luft erforderlich. Durch Bodenlockerung kann Luft im Boden gehalten werden.
−Licht: Für Keimung, Wachstum und Fotosynthese braucht die Pflanze Licht. Die richtige Standortwahl und ausreichend großer Pflanzabstand sind zu beachten. Ein rechtzeitiges Ausschneiden oder Unkrautentfernung bringen Licht an die Pflanze.
−Nährstoffe: Für ein gesundes Wachstum und zur Fotosynthese sind verschiedene Nährstoffe nötig. Diese können über Düngung und durch Humuszufuhr verabreicht werden.
Regenwasser – für uns umsonst, für Pflanzen ideal. Bei der Gießkannen-Methode wird die Wassermenge sichtbar und man bekommt ein Gefühl für den Wasserbedarf einer Pflanze.
Richtig gießen
Ohne Wasser geht es nicht, das werden Sie gerade in trockenen Sommer leidig erfahren. Um jedoch die Gießarbeiten zu erleichtern und trotzdem die Pflanzen ideal zu versorgen, sollten einige Grundsätze beachtet werden. Sauberes Trinkwasser wird immer kostbarer, daher sollte auch im Garten achtsam damit umgegangen werden. Damit erweisen Sie der Umwelt und nebenbei Ihrer Haushaltskasse einen guten Dienst.
Pflanzen bestehen zu 85–95 % aus Wasser. Alle Zellen sind auf Wasser angewiesen, da sie mit dem Wasser auch alle notwendigen Nährstoffe aufnehmen. Gießen Sie lieber selten, dafür aber kräftig – lieber klotzen, statt kleckern. Wenn Sie 1 l Wasser pro m2 verwenden, wird dabei nur etwa 1 cm Bodenschicht befeuchtet. Da aber die meisten Pflanzen ihre Wurzeln in einer Tiefe von 10–30 cm ausbreiten, brauchen Sie 10–20 l für eine sinnvolle Wassergabe. Dafür dürfen Sie aber anschließend ein paar Tage Gießpause einlegen. Ihre Pflanzen lernen sehr schnell, dass sie tief wurzeln müssen, um an Wasser zu gelangen. Bei zu häufigem, oberflächlichen Gießen, erziehen Sie die Pflanzen hingegen dazu, ihre Wurzeln nur oberflächlich auszubreiten. Bei jedem Gießen muss mit Verlusten durch Verdunstung gerechnet werden. Wird deshalb mit einer geringen Gießmenge gearbeitet, steht der Großteil des Wassers für die Pflanzen gar nicht zur Verfügung.
Einmal Hacken, spart dreimal gießen – heißt es. Deshalb werden nicht nur im zeitigen Frühjahr, sondern auch während der Vegetationszeit durch mehrfaches Hacken die offenen Kapillarröhrchen im Boden geschlossen, Wasser kann nicht mehr bis an die Oberfläche steigen und dort verdunsten. Dadurch wird die Bodenfeuchtigkeit in der Erde zurückgehalten. Diese Wasserverdunstung kann zusätzlich durch Mulchen verringert werden.
Der beste Zeitpunkt zum Gießen ist der kühle Morgen, die Pflanzen sind noch nicht erhitzt und der Boden kühl. Oft ist dies aus beruflichen Gründen schwierig, doch dann gießt man am Abend – keinesfalls um die Mittagszeit. Beim Gießen mit der Gießkanne kann gut temperiertes und weiches Regenwasser verwendet werden. Nutzen Sie beim Gießen auch Gelegenheit, um Ihre Pflanzen zu begutachten. Achten Sie beim Wässern mit dem Gartenschlauch darauf, dass der Wasserstrahl sehr fein ist. Ein starker Strahl kann zarte Blätter leicht verletzen. Das kalte Leitungswasser dabei nicht auf erhitzte Pflanzen spritzen – wer will schon eine kalte Dusche.
Einmal hacken, ersetzt dreimal gießen. Regelmäßiges Bodenlockern verhindert, dass die Feuchtigkeit aus dem Boden nach oben verdunstet.
Wasser sparen
Erziehen Sie sich und Ihre Pflanzen zum sparsamen Gießen. Auf meinem Gemüseacker gieße ich nie. Nur beim Pflanzen werden die Ballen gründlich gewässert.
Unten ist viel los
Wenn Sie Ihren Gartenboden, ob es das Gemüsebeet oder die Rasenfläche ist, genauer betrachten, werden Sie schnell merken, dass Sie nicht alleine im Garten sind. Nehmen Sie sich einmal die Zeit und beobachten für einen längeren Zeitraum das Getummel und Gekrabbel. Boden ist mehr als nur eine Stellfläche, er ist voller ineinandergreifender Komplexe. Das Leben oben sehen wir und manchmal verstehen wir es. Doch unter der Erdoberfläche ist auch alles voller Leben und Lebewesen. Nur hier tun wir uns mit dem Verstehen schwerer. Wir sehen es nicht, können es nicht greifen, und begreifen darum so vieles nicht. Der Blick durch ein Mikroskop kann offenbaren, dass sich in einer Handvoll Gartenerde mehr Lebewesen befinden, als es Menschen auf der Erde gibt. Ob es nun Regenwürmer, Tausendfüßler, Insektenarten, Milben, Springschwänze oder Fadenwürmer sind oder die Welt der Mikroorganismen. Diese Welt, in der in einem Fingerhut voll Erde, 1000 Einzeller, 100 000 Algen, 400 000 Pilze oder 600 000 Bakterien Platz haben.
Keines dieser Lebewesen ist umsonst auf oder in der Erde, und alle haben ihren Anteil daran, Mineralien aus dem Boden, Pflanzenteile oder abgestorbene Lebewesen in Humus zu verwandeln, aus dem wieder neues Leben entstehen kann. Daher braucht dieses Umfeld größte Wertschätzung. Viele der Bakterien leben um und an den Wurzeln von Pflanzen, ergänzen und ernähren sich durch ihre Stoffwechselprodukte oder gliedern sich in eine Kette ein, an deren Prozess viele Bodenlebewesen beteiligt sind. Je intensiver Sie sich mit der Entstehung von fruchtbarem Boden beschäftigen, desto leichter fällt es Ihnen, Ihren Gartenboden richtig zu behandeln.
Bodentiere sind unscheinbar und doch unentbehrlich für den Naturkreislauf. Ob Asseln oder Springschwänze, es sind meist unscheinbare Arbeiter im Garten.
Wurzelwachstum
Wohl eine der größten Faszinationen ist die Lebendigkeit von Wurzeln. Einerseits weil sie in völliger Dunkelheit existieren, und wir diese Welt ohnehin schon als geheimnisvoll empfinden. Anderseits weil uns bewusst wird, wie eine Pflanze tasten, empfinden und reagieren kann. Die Fähigkeiten einer Wurzel sind weitaus mehr als die Aufgaben der Verankerung im Boden oder die Wasser- und Nährstoffaufnahme. Jede Wurzel verfügt über zigtausend Wurzelspitzen, die alle eine Aufgabe haben. Dieses gigantische Netzwerk arbeitet zusammen mit Mikroorganismen, mit Bodentieren und anderen Pflanzenwurzeln. Welche Signale und Absprachen unter der Erde stattfinden, können wir mit unserem Denken nicht mehr erfassen. Doch dass eine Weizenpflanze ein Wurzelsystem von vielen Metern hat, oder dass eine Gelbe Rübe, vielen besser als Karotte oder Möhre bekannt, bis zu einen Meter mit ihren Feinwurzeln in die Tiefe geht, das ist messbar. Kräftige und gesunde Wurzeln sind die Voraussetzung für kräftiges und gesundes Gemüse. Darum müssen Sie als Gärtner den Boden für die Selbstständigkeit der Pflanzen gut behandeln. Wenn etwa die Bodenporen zusammengepresst werden, weil Sie im nassen Erdreich auf den Beeten stehen, wird der Boden schlechter durchlüftet, es entsteht Sauerstoffmangel und das Wurzelwachstum sowie die Lebendigkeit der Bodenorganismen werden gehemmt.
Jungpflanzen mit vielen Feinwurzeln wachsen nach der Pflanzung schnell weiter. Trockene Wurzelballen unbedingt vor dem Pflanzen gut wässern.
Superwürmer
Auch wenn Sie täglich im Garten lockern und gießen, es wäre alles umsonst, wenn Sie nicht die Unterstützung des Regenwurmes hätten. Denn unermüdlich bohrt er sich durch die Erdschichten. Er nimmt dabei Boden und Pflanzenteilchen auf, verdaut diese, verkittet sie mit Ton in seinem Verdauungstrakt und scheidet wertvolle Ton-Humus-Komplexe aus. Durch das Graben entstehen Röhren, die wichtige Leitungsbahnen für Luft und Wasser sind. Dabei werden auch die verschiedenen Erdschichten miteinander vermischt. Sie können nicht genug von diesen unterirdischen Gärtnergehilfen haben, deshalb fördern Sie deren Lebensraum, indem Sie Böden durch Mulch vor dem Austrocknen schützen. Trockene und verdichtete Böden werden nämlich von ihnen gemieden. Lassen Sie den Regenwurm Humus erzeugen, indem Sie ihm Pflanzenreste zur Verfügung stellen. In einem Kubikmeter guten, mit Regenwürmern belebtem Boden können Röhrengänge bis zu einer Gesamtlänge von 900 Metern entstehen. Sie erhalten fruchtbaren Humus für den Garten, und eine schnelle Wasserableitung bei Starkregen.
Was wäre der Gärtner ohne Regenwurm ~ er wäre ein armer Wurm.
Dem Boden einen Namen geben
Über alles wird detailliert gesprochen, von den vielen Tomatensorten, dem ausgefallenen Salat oder dem Obstbaum. Man weiß den Namen, hoffentlich, und kann dadurch Vergleiche ziehen, Fachsimpeln oder ein Urteil fällen. Doch der Gartenboden bleibt schlicht der Gartenboden. Dabei hat auch er seine Unterschiede, seine Eigenheiten und seine Besonderheiten.
Leider können wir uns unseren Gartenboden nicht aussuchen. In jeder Gegend ist er anders, und auch von Garten zu Garten ist er unterschiedlich. Sicherlich würden wir bei einem Gartenboden-Wunschkonzert einen idealen Bodenaufbau wählen: locker, humusreich und tiefgründig. Die Tatsache bleibt, dass Sie sich mit dem vorhandenen Boden in Ihrem Garten anfreunden müssen, so wie er ist. Ob er nun steinig oder humusreich, schwer oder locker ist, doch mit Geduld und Zeit können Sie jeden Boden aufwerten.
Damit der Anbau von Gemüse gelingt, dürfen Sie nicht das Gemüse auswählen und den Boden danach richten, sondern Sie wählen das Gemüse, das für die Gegebenheiten in Ihrer Gegend, also Klima und Boden, geeignet ist. Darum müssen Sie zuerst wissen, welcher Boden Ihnen zur Verfügung steht.
Etwas feuchte Erde verkneten und in der Handfläche rollen – sandiger Boden zerfällt, lehmiger lässt sich bleistiftdick ausrollen und Tonboden lässt sich noch weiter formen.
Leichter Sandboden
Sandböden sind sehr leicht zu bearbeiten, und erwärmen sich im Frühjahr schnell. Da sie sehr locker sind, hält dieser Bodentyp das Wasser aber nicht sehr lange, sodass er schnell austrocknet. Dabei werden auch die Nährstoffe mit ausgewaschen. Aus einem solchen Boden können Sie mit der Einarbeitung von Kompost über mehrere Jahre einen guten Gartenboden gewinnen.
Mittelschwerer Lehmboden
Diese Böden haben durch ihre Mischung aus verschiedenen Korngrößen wie Sand, Schluff und Ton die perfekten Garteneigenschaften. Sie können Wasser und somit die Nährstoffe gut halten, werden durch ihre Lockerheit gut durchwurzelt und der Boden erwärmt sich zudem sehr schnell.
Schwerer Tonboden
Hier müssen Sie den Boden mit der Zeit aufwerten, da er sich schnell verdichtet und dadurch auch schlecht belüftet wird. Durch die Einarbeitung von Quarzsand oder Maurersand und durch den Anbau von Gründüngungspflanzen kann der Boden verbessert werden.
Um welche Bodenart es sich in Ihrem Garten handelt, können Sie leicht selber bestimmen. Nehmen Sie dafür ein etwa haselnussgroßes Bodenstück und rollen es in der Handfläche. Wenn der Boden sehr trocken ist, feuchten Sie ihn leicht an und kneten ihn durch. Können Sie nun daraus eine bleistiftdicke Rolle formen, ist es ein mittelschwerer Sandboden. Wenn die Rolle auch noch dünner funktioniert, haben Sie einen schweren Tonboden. Lässt sich gar nichts rollen, sondern zerfällt, besitzen Sie einen leichten Sandboden.
Doch nicht nur die Bodenart beeinflusst das Wachstum, auch die Anreicherung der Nährstoffe im Boden spielt eine große Rolle. Wie viel noch gedüngt werden muss, oder ob ein Mangel eines Düngers vorliegt, kann man mithilfe einer Bodenprobe feststellen. Die Untersuchung wird in einem Labor durchgeführt, und Sie bekommen den Ist-Zustand sowie eine Düngeempfehlung. Alle 3–5 Jahre ist eine Bodenuntersuchung empfehlenswert. Für diese Bodenuntersuchung graben Sie nach der Ernte oder im Frühjahr vor dem Anbau aus 25 cm Tiefe etwas Erdreich aus. In einer Fläche werden mehrere Einstiche vorgenommen. Dabei wird jeweils immer die gleiche Menge vermischt und in der Regel etwa 500 g abgepackt und versendet. Für den Gemüsebereich, das Blumenbeet oder das Beerenobst werden eigene Proben erstellt, da deren Bedürfnisse unterschiedlich sind.
Bevor eine Diagnose in die Welt gesetzt wird, bedarf es einer genauen Untersuchung
Für die Bodenprobe wird von mehreren Stellen im Garten die Erde gut durchmischt, bevor ein kleiner Teil für das Labor abgefüllt wird.
Wenn wir vor dem Speiseteller sitzen, und auch noch gesundheitsbewusst sind, wird vom eigenen Energiebedarf bis zum Nährstoffgehalt des Essens alles abgeklärt und aufeinander abgestimmt. Nicht anders verhält es sich im Gemüsegarten. Der eine will das, der andere mag es nicht – fast wie bei der eigenen Familie.
Wer will was, und wer braucht was
Auch Pflanzen haben verschiedene Bedürfnisse für ein gesundes Wachstum, gute Erträge, schönes Aussehen und für eine gute Qualität, die wiederum für unsere eigene Gesundheit eine Voraussetzung ist. Diese Nährstoffe entnimmt die Pflanze aus dem Boden, die aber wieder rückgeführt werden müssen, um den fruchtbaren Boden zu erhalten. Dabei benötigt sie einige Hauptnährstoffe und eine Reihe von Spurenelementen. Sie müssen also den Boden düngen, nicht die Pflanze. Doch auch hier gilt, dass viel nicht immer viel hilft und ein Mangel genauso ungesund ist wie ein Überschuss an Nährstoffen.
Genaues Dosieren, ist ein Muss bei der Verwendung von Spezialdünger. Abwiegen oder Abmessen ist die Voraussetzung für gesunde Pflanzen.
Spurenelemente
Diese werden zwar nur in geringen Mengen von den Pflanzen benötigt, dürfen aber nicht fehlen, da sie für die Pflanzengesundheit mit verantwortlich sind. In einem mit Kompost gedüngten Garten ist selten ein Mangel zu erkennen.
−Magnesium: Ist an der Bildung von Blattgrün beteiligt. Ein Mangel ist an vertrockneten Blatträndern und an gelben, braunen Flecken zwischen den Blattrippen erkennbar. In Steinmehl ist Magnesium enthalten.
−Eisen: Wird zur Bildung von Blattgrün und für den Stoffwechsel benötigt. Eine Gelbfärbung von Blättern kann ein Zeichen von Eisenmangel sein. Dabei werden auch die Blattadern als grünes Netz sichtbar. Ein Kalküberschuss bindet Eisen und macht es nicht mehr verfügbar für die Pflanzen.
−Weitere Spurenelemente: Sind für Eiweißaufbau, den Wasserhaushalt der Zelle oder für die Atmung zuständig.
Für den Hausgarten reicht als Grunddüngung meist schon ein guter Kompost. Wenn der Kreislauf funktioniert, gibt man dem Garten zeitversetzt wieder zurück, was einmal geerntet wurde. Auch nährt der Kompost das Bodenleben, um einen aktiven Boden zu erhalten. Im Frühjahr benötigt der Boden pro m² im Durchschnitt 5 l Kompost, womit dann der Phosphor- und Kaliumgehalt gedeckt sind. Für die stickstoffbedürftigen Gemüsepflanzen muss zusätzlich noch organischer Stickstoff verabreicht werden.
In der Regel sind alle Hausgärten ausreichend mit Nährstoffen versorgt, wenn nicht sogar überdüngt. Deshalb fördern Sie lieber das Bodenleben und führen Sie regelmäßig eine Gründüngung zur Bodenverbesserung durch.
Hauptnährstoffe
Stickstoff (N)
Phosphor (P)
Kalium (K)
Kalk (Ca)
Aufgaben
Blattbildung, Blattgrün, Wachstum
Blüten, Frucht, Samenbildung, Eiweißbildung, Reifung
Festigung des Pflanzengewebes, reguliert Wasserhaushalt, stärke- und zuckerbildend
neutralisiert den Boden, Festigung des Pflanzengewebes, Humusbildung, Bodenlockerung, regt Bodenleben an
Pflanzen
Blattgemüse, Kohlgemüse
Fruchtgemüse, Salat, Blumen
Kartoffel, Hackfrüchte
Mangel
helle Blattfarbe, kümmerlicher Wuchs
geringer Blüten- und Fruchtansatz, rotbraune Blattverfärbung, schlechte Wurzelbildung
Pflanzen wachsen nicht, gehen ein, Blattränder werden braun und fallen ab, werden empfindlich bei Frost und gegen Schädlinge
geringe Widerstandsfähigkeit, schlechte Wurzelbildung, Boden wird sauer
Überschuss
schwammiges Gewebe, „schießen ins Blatt“, Pflanze reift nicht aus, schlechte Lagerfähigkeit
Stoffwechselprobleme, Pflanzen können Eisen und Kupfer nicht aufnehmen, Wachstumsstörungen
Wuchshemmungen, Magnesium- und Kalkmangel im Boden kann die Folge sein
verdrängt Kali, Boden wird stark alkalisch, Festlegung von Nährstoffen und Spurenelementen
Dünger
Schmetterlingsblütler wie Erbsen, Bohnen und Klee sammeln Stickstoff mit Hilfe von Knöllchenbakterien, Hornspäne
Bei gutem Bodenleben selten ein Mangel. Tierischer Dünger wie Hühnermist.
Bei gutem Bodenleben selten ein Mangel. Geflügelmist, Schweinemist, getrockneter Rinderdung, Holzasche.
Kohlesaurer Kalk, Magnesiumkalk, Gesteinsmehl
Eine Hand wäscht die andere, könnte man sagen, denn wir wollen Pflanzenreste verwerten, brauchen Dünger für unseren Garten und die Bodenorganismen brauchen eine gute Ausgangslage zum Leben. Und dafür benötigen sie Nährstoffe, Wasser, Sauerstoff und einen günstigen pH-Wert.
Ein gelungener Kompost ist der Punkt, an dem sich der Kreislauf eines Gartens, einer Pflanze wieder schließt. Einen solchen werden auch Sie erhalten, wenn Sie den Komposthaufen nicht als Abfallhaufen, sondern als Schatzkiste des Gärtners sehen. Mit dieser Sichtweise oder auch Einsicht bekommen Sie wertvollen Dünger von der Natur geschenkt, entlasten zugleich Ihren Geldbeutel, da keine Investitionen für Erde oder Dünger getätigt werden müssen, und Sie gliedern sich in einen Naturkreislauf ein, der genial und spannend ist.
So ganz umsonst werden Sie all dies nicht bekommen, ein wenig müssen Sie schon dazu beitragen. Dabei handelt es sich um den Arbeitsaufwand beim Sammeln sowie den Aufbau und die Pflege des Komposthaufens. Der Rest wird für Sie erledigt – so würde es bei einem Dienstleistungsunternehmen heißen. Und das Kleinlebewesen-Unternehmen eines Komposthaufens arbeitet gut, kostenlos, vergibt Aufträge an Bakterien weiter und denkt selbstständig an alles.
Ein guter Kompost kann den Humusgehalt im Garten erhöhen und aktiviert dabei auch noch ein lebendiges Bodenleben. Gutes Bodenleben sorgt wiederum für eine lockere, krümelige Bodenstruktur, dadurch wird Ihr Boden fruchtbar, die Pflanzen können ihn besser durchwurzeln und dieser Boden kann auch Wasser besser aufnehmen und speichern. Dabei führen Sie die Nährstoffe, die aus dem Garten durch die Ernte entnommen wurden, wieder zurück und können somit dauerhaft die Nährstoffversorgung sichern. Ein guter Kompost hat eigentlich nur Vorteile, und wenn man die Umweltproblematik betrachtet, wenn es um Abfallentsorgung und Verwertung oder Torfabbau geht, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass jeder sich bemüht und kleine, ökologisch sinnvolle Kreisläufe schafft.
Bieten Sie Ihren Bodenlebewesen nur das Beste an. Denn ein guter Kompost braucht auch gute Zutaten. Nicht jedes organische Material ist für das Kompostieren im Hausgarten gut geeignet.
−Geeignetes Material: Gemüse- und Obstreste aus Garten und Küche, Gras, Gehölzschnitt, Laub, Stauden- und Balkonpflanzen.
−Eingeschränkt geeignetes Material: gespritzte Schalen von Südfrüchten, gekaufte Schnitt- und Topfblumen, Papier, Kaffeesatz mit Filterpapier, Teebeutel.
−Nicht geeignetes Material: Essensreste, kranke und befallene Pflanzen, Holzasche, behandeltes Holz, Kleintierstreu, versamende Unkräuter.
Da Südfrüchte, Schnittblumen oder Topfblumen mit Pflanzenschutzmittel behandelt werden, unter anderem um Schimmelbildung beim Transport zu unterbinden, würden auch diese in Ihren Kompost gelangen. Bei Essensresten besteht die Gefahr, dass damit auch unerwünschte Tiere, vor allem Ratten, angelockt werden. Wenn Sie Ihren Bioeimer mit Zeitungspapier auskleiden, kann diese ruhig auf den Kompost landen, nur Glanzpapier hat da nichts zu suchen.
Kompostaufbau
Eine gute Erwärmung des Kompostes ist die Voraussetzung für eine bessere Qualität und kann am besten erreicht werden, indem Sie Ihren Kompost in einem Arbeitsgang aufsetzen. Wenn immer nur ab und zu Kompostmaterial abgelegt wird, können die Bakterien nicht richtig arbeiten. Deshalb sammeln Sie zuerst und setzen Ihren Kompost im Herbst auf, wenn sehr viel Material anfällt. Das ist leider nicht immer möglich. Beim kontinuierlichen Befüllen während des Jahres sollten Sie daher besonders auf eine ordentliche Arbeitsweise Wert legen.
Wichtig und unverzichtbar ist Kompost, das Gold des Gärtners. Wenn dieser gut erreichbar ist, erleichtert es seine Nutzung, die Pflege und die Wertschätzung.
Wenn Sie sich für Ihren Kompost Zeit nehmen und diesen gut und regelmäßig pflegen, wird die natürliche Umsetzung ganz von alleine funktionieren. Käufliche Zusätze sind dabei nicht notwendig. Verwenden Sie ganz bewusst auch die Abfälle Ihrer Gartenkräuter im Kompost. Häufig sind es Fehler beim Kompostieren, die zu Problemen beim Kompost führen. Eine Geruchsbelästigung entsteht, wenn durch zu wenig Sauerstoff nicht abgebaut wird, sondern das organische Material in Fäulnis oder Gärung übergeht. Dies kann passieren, wenn Sie zu viele weiche und nasse Abfälle gerade aus der Küche ungleichmäßig verteilen und dann diese Schicht zu dick ist. Der Rottevorgang wird auch verhindert, wenn Ihr Kompost insgesamt zu nass ist. Dies kann bei viel und feuchtem Rasenschnitt vorkommen, der sich verdichtet.
Kompostrezeptur
Das Geheimnis eines guten Kompostes sind die vielen verschiedenen Schichten. Man nehme zuerst etwas zerkleinerten, knackigen Gehölzschnitt, belege diesen mit etwa 10 cm angewelktem Rasenschnitt und verteile darüber gleichmäßig Pflanzenreste nach Wahl. Mit einer Schaufel kann nach Wunsch in regelmäßigen Wiederholungen mit alten, nicht verrotteten Kompostresten geimpft oder mit Erdresten angereichert werden. Bekömmlich für jegliche Mikroorganismen sind Küchenabfälle, Eierschalen und Herbstlaub. Regelmäßige Schichten aus Baum-, Rosen- oder Heckenschnitt bringen eine luftig lockere Komponente in das Werk. Wiederholungen mit Rasenschnitt, Blattwerk aller Art und Mist sind äußerst anregend für den Kompost. Eine Handvoll Steinmehl verleiht die nötige Würze. Ein gesundheitsbewusster Kompost legt zudem Wert auf Kräuter aus dem eigenem Garten. Um das perfekte Aroma zu erlangen, wird als Abschluss die gesamte Oberfläche mit Erde oder Rasenschnitt abgedeckt.
Als Garnitur wirken verschiedene Kürbisse äußerst dekorativ, wenngleich sie einige Nährstoffe abziehen. Auf ein appetitliches Äußeres und guten Geruch legen weniger die Regenwürmer, sondern die Nachbarn großen Wert.
Schicht für Schicht wird der Kompost aufgesetzt. Grobes und feines Material wechseln sich dabei ab. Frischen Rasenschnitt nur dünn auflegen oder vorher antrocknen lassen.
Im Verlauf des Rotteprozesses bearbeiten verschiedene Bodenlebewesen das Pflanzenmaterial. Zu Beginn der Abbauphase erzeugen Bakterien durch starke Stoffwechseltätigkeit im Idealfall von Temperaturen bis zu 70 °C. Dabei werden Keime und viele Unkrautsamen abgetötet. Im Anschluss sinkt die Temperatur, es beginnt die Umbauphase und Pilze durchziehen das Pflanzenmaterial. Die Temperatur sinkt weiter, Bodentiere wie Asseln, Kompostwürmer, Springschwänze oder Milben zersetzen das Material. Wenn der Kompost nach etwa zwei Monaten von neuem vermischt wird, beschleunigt man den Prozess. Ob Sie im Frühjahr den Kompost durchsieben, hängt vom Bedarf und Ihren Ansprüchen ab. Grobes, nicht verrottetes Material kann wieder für den nächsten Kompost verwendet werden. Gutes Gelingen!
Erst sammeln, dann schichten
Sie können Ihre Gartenabfälle im Kompostbehälter während des Jahres sammeln, und dann bei Bedarf eine Miete von 1,50 m Breite und höchstens 1,50 m Höhe anlegen. Bei ausreichender Menge kann man auch in kleinere Kompostsilos umschichten.
Attraktive Kompostplätze
Der beste Platz für einen Kompost ist mit Sicherheit nicht im letzten Winkel Ihres Gartens. Doch oft wird gerade dieser Platz gewählt, meistens weil Kompost mit Abfall gleichgesetzt wird, oder da kein passender Platz geeignet erscheint. Ein gut zugänglicher und sauberer Platz wird den Kompost hingegen zum Erfolgserlebnis machen.
Die Größe des Kompostes richtet sich nach der Größe Ihres Gartens. Letztendlich soll das gesamte Pflanzenmaterial darin Platz haben, vom Gemüsebeet bis zum Rasenschnitt. Als Größe können Sie mit 5–10 % Ihrer gesamten Gartenfläche als ungefähres Maß kalkulieren. Suchen Sie einen lichten, geschützten Halbschatten für den Kompostplatz. Wenn Sie keinen natürlichen Sonnen- und Regenschutz in Form eines Blätterdaches haben, können Sie sich bei Bedarf mit einer Abdeckung aus Brettern oder Vlies behelfen.
Ein Haus für Bodenlebewesen
Ob Sie Ihren Kompost nun ordentlich auf der Erde als Miete ansetzen, oder einen Behälter benutzen, im Rottevorgang ist hier wenig Unterschied. Der Unterschied liegt eher in der Optik.
Der gesamte Kompostplatz hat bei der Verwendung von Behältern ein eher sauberes Erscheinungsbild und es kann etwas platzsparender kompostiert werden.
Was wird im Garten für ein großer Aufwand mit Dekorationen betrieben. Ausstellungen, Kataloge und Zeitschriften sind nur voll damit. Machen Sie nicht nur Gartendeko, sondern auch Kompostdeko. Versuchen Sie den Platz um den Kompost mit einfachen Mitteln nett zu gestalten und Sie werden sehen, je einladender es Ihnen gelingt, desto lieber geht auch jeder hin. Als Sichtschutz können Sie einige Pflanzkübel mit Blumen aufstellen, eine Johannisbeerhecke pflanzen oder dekorativen Zierrat anbringen. Wer handwerklich geschickt ist, befestigt kleine Zaunelemente mit etwas Abstand davor. Diese können aus einem Weidengeflecht sein oder aus alten Holzbrettern, die verziert ausgeschnitten und als Stehlen befestigt sind. Wenn Sie Kinder fragen, die hätten mit Sicherheit Freude daran, diese einfachen Holzelemente mit Farbe und Pinsel anstreichen und bemalen zu dürfen. Vielleicht findet sich auch noch ein Platz, an dem eine kleine Schaufel oder ein alter Handfeger gelagert werden können.
Ein gelungener Humus lebt. Kompostwürmer und weitere Bodenlebewesen wandeln durch ihre Verdauung Pflanzenmasse in wertvollen Kompost um.
Nah und trocken
Doch der beste Platz wird nicht angenommen, wenn er umständlich zu erreichen, oder alles um ihn herum feucht oder verschmutzt ist. Befestigte Wege ermöglichen Ihnen auch bei Regenwetter und im Winter einen angenehmen Zugang.
Verwendung je nach Reifegrad
Reifegrad
Beurteilungskriterien
Verwendung
Rohkompost
Materialien sind angerottet, es hat kaum eine Zersetzung stattgefunden
Mulchmaterial bei Starkzehrern, Flächenkompost
halbreifer Kompost
Materialien sind nur zum Teil zersetzt, Temperatur ist schon stark gefallen, Kompostwürmer sind aktiv
bei starkzehrenden Gemüsekulturen zur Beetvorbereitung 2–3 Schaufeln/m
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Reifekompost
keine Kompostwürmer mehr, Waldbodengeruch, lockere und krümelige Struktur, dunkle Farbe, alle Bestandteile sind zersetzt
für Gemüse und Blumenbeete geeignet
