Mein Wende-Tagebuch - Eberhard Weiland - E-Book

Mein Wende-Tagebuch E-Book

Eberhard Weiland

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Beschreibung

Das Tagebuch enthält die Schlagzeilen eines jeden Tages der Wende-Zeit in Deutschland, wie sie in Presse, Funk oder TV veröffentlicht wurden. Das tägliche Fortschreiben der Ereignisse gibt beim Lesen einen bewegenden Eindruck, man kann nachfühlen, was damals wirklich geschehen ist. Ergänzt werden die deutschen Daten durch Zusatzinformationen zum Umbruch in der UdSSR und in Osteuropa sowie zum parallel dazu mit einem Überfall Iraks auf Kuwait beginnenden Golfkrieg. So wird die ganze Komplexität der Ereignisse nachvollziehbar.

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Seitenzahl: 176

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Den Mitgestaltern der Wende in Deutschland gewidmet.

Die Ereignisse in der DDR zur Wende von der Grenzöffnung 1989 bis zum Tag der deutschen Einheit am 03.10.1990

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Tagebuch der Ereignisse der Umgestaltung in der DDR bis zur Einheit Deutschlands (1989/90)

Vorwort

Man glaubt es kaum, aber es sind bald 25 Jahre vergangen, seit der Zeit der Wende in der DDR, die dann mit der Einheit Deutschland am 03.10.1990 ihren krönenden Abschluss fand. Manch einer denkt zurück und fragt sich, wie war das damals eigentlich. An Einzelheiten kann sich kaum jemand, selbst wenn er diese Zeit erlebt hat, im Detail erinnern. Und die „Nachgebohrenen“ fragen nach, wollen von Zeitzeugen wissen, was wirklich alles geschah und das in möglichst chronologischer Sicht. Hätte da nicht früher mal jemand ein Tagebuch führen können, was eine Übersicht über das Geschehene erlaubt? Und deshalb habe ich aus meinen Unterlagen meine altes „Wendetagebuch“ herausgesucht, das den Zeitraum von den ersten Wende-Demonstrationen mit „Wir sind das Volk!“ (1989) bis hin zum „Tag der Deutschen Einheit“ im Oktober 1990 umfasst. Das Tagebuch enthält die Schlagzeilen eines jeden Tages, wie sie in Presse, Funk oder TV veröffentlicht wurden. Die Auswahl erfolgte vor 25 Jahren rein subjektiv und wurde im Nachhinein unverändert übernommen. Das tägliche Fortschreiben der Ereignisse gibt beim Lesen einen bewegenden Eindruck, man kann nachfühlen, was damals wirklich geschehen ist. Ergänz werden die deutschen Daten noch durch Zusatzinformationen zum Umbruch in der UdSSR und Osteuropa sowie zum parallel dazu mit einem Überfall Iraks auf Kuwait beginnenden Golfkrieg. So wird die ganze Komplexität der Ereignisse nachvollziehbar.

Ich wünsche viel Freude beim Lesen, vielleicht kommt bei diesem oder jenem Leser eine Erinnerung an dieses für Deutschland so wichtige Jahr zurück.

Jena, November 2013           Eberhard Weiland

Tagebuch der Ereignisse der Umgestaltung in der DDR bis zur Einheit Deutschlands (1989/90)

August/September 1989

19.08. 1989:

Ungarn öffnet zum Picknick der Europa-Union seine Grenze zu Österreich.

700 DDR-Bürger fliehen in den Westen (Beginn der Massenflucht).

22. 08. 1989:

Schließung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag, nachdem 140 DDR-Flüchtlinge auf das Gelände vorgedrungen sind. Ihnen folgen noch weitere 3.400 Personen über den Zaun.

11.09.1989:

Gänzliche Öffnung der Grenze Ungarns zu Österreich. Massenflucht von DDR-Bürgern

setzt ein. – Gründung der Oppositionsgruppe „Neues Forum“ in Berlin.

20.09.1989:

Die BRD-Botschaft in Warschau wird wegen Überfüllung durch DDR-Flüchtlinge ebenfalls geschlossen.

30.09.1989:

Ausreise der Flüchtlinge aus den BRD-Botschaften von Prag und Warschau mit Sonderzügen in die Bundesrepublik Deutschland.

Oktober 1989

03.10.1989:

Ansprache von Manfred Gerlach (LDPD) über Karl von Ossietzky mit kritischen Worten zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

Inzwischen sind schon wieder 4.500 DDR-Flüchtlinge in der BRD-Botschaft in Prag.

Bundes-Außenminister Hans Dietrich Genscher verkündet die Ausreisegenehmigung,

die Ausreise erfolgt mit Zügen der Deutschen Reichsbahn über Dresden, Plauen und Hof.

05.10.1989:

„Zeitweilige Aussetzung des pass- und visafreien Reiseverkehrs in die CSSR“ zur Verhinderung einer Fortsetzung der Massenflucht.

06.10.1989:

Kampfgruppen der SED in „Leipziger Volkszeitung für Waffengewalt gegen die Konterrevolution.

Großaufmarsch der Freien Deutschen Jugend (FDJ) vor Honecker und Gorbatschow in Berlin.

Gorbatschow bei Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des Faschismus (Neue Wache) in Berlin: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“

07.10.1989:

Parade und Vorbeimarsch an Regierung zum 40. Jahrestag der DDR in Berlin (Honecker und Gorbatschow auf der Tribüne).

Demonstrationen in Berlin und Leipzig, einzelne VP-Übergriffe auf Demonstranten.

Spaltung der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (USAP) in SPU und USAP.

09.10.1989:

„Tag der Entscheidung“! Das Eingreifen des Staatsapparats mit Waffengewalt wird verhindert. (Von wem?)

Erste Großdemonstration in Leipzig (zehntausende Teilnehmer). Rufe: “Wir sind das Volk! Wir bleiben hier!“

Aufrufe zu Ruhe und Besonnenheit sowie zum Dialog.

„Leipziger Appell“: Aufruf aus Gewandhaus zu gewaltfreien Demonstrationen (noch vor der Großdemonstration).

11.10.1989:

Erklärung des Politbüros des ZK der SED an das Volk der DDR („Der Sozialismus braucht Jeden!“ Für Reformen zur Verhinderung der weiteren Auswanderung von DDR-Bürgern in die Bundesrepublik. Für die Führung durch die SED: „DDR, Sozialismus und Frieden, Demokratie und Freiheit gehören für Immer zusammen!“

12.10.1989:

Der Konsistorialpräsident und Stellv. Vorsitzende der evangelischen Kirchenleitungen der DDR, Manfred Stolpe, tritt ein für: einen attraktiven Sozialismus, Reformen, eine selbständige DDR unabhängig von der BRD, Demokratie, Reisefreiheit (aber gegen Ausreisen!).

16.10.1989:

Demonstrationen in Leipzig, Dresden und Plauen (in Leipzig bereits über 100.000 Teilnehmer, der Nahverkehr wird lahmgelegt). Der OB Berghofer spricht zu den Demonstranten und den Vertretern der „Gruppe der 20“. Über Ungarn gehen wieder 1.800 DDR-Bürger in die BRD.

Die SED startet eine Gesprächskampagne in den Betrieben („Die Stimmung unter den Kollegen hat sich geändert!“).

Das Präsidium der CDU der DDR tagt in Berlin und bekennt sich zum Mittragen des sozialistischen Staats und seiner Politik.

17.10.1989:

Erstmals erscheint eine ADN-Meldung zu den Demonstrationen in Leipzig.

Der Politische Ausschuss der LDPD fordert einen breiten Dialog und generelle Reisemöglichkeiten für alle DDR-Bürger.

In Berlin findet eine Studentendiskussion über notwendige Reformen mit mehr als 4000 Teilnehmern statt.

Ca. 1.000 DDR-Bürger flüchten täglich über die Grenze nach der CSSR und Polen (von dort Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland).

18.10.1989

Gründung der politischen Vereinigung „Demokratischer Aufbruch“ in Jena.

Erich Honecker wird nach 18 Jahren als Staats- und SED-Chef abgesetzt.

Auch Günter Mittag und Joachim Hermann werden abgesetzt (Rücktritt „aus gesundheitlichen Gründen“).

Egon Krenz wird zum neuen Generalsekretär des ZK der SED gewählt.

19.10.1989:

CDU-Vorsitzender Gerald Götting spricht im Fernsehen zum Neuen Aufbruch und grüßt dessen Mitgestaltung. Egon Krenz und Günter Schabowski sind im VEB Werkzeugmaschinen-Kombinat 7. Oktober“ zur Bürgerdiskussion.

Treffen von Egon Krenz mit Landesbischof Werner Leich im Jagdschloss Hubertusstock bei Berlin.

Einberufung der 10. Volkskammertagung für den 24. Oktober 1989.

Ungarn schafft die gesetzlichen Grundlagen für ein Mehrparteiensystem.

20.10.1989:

Demonstration mit Kerzen in Dresden von Kreuzkirche durch die Innenstadt (ca. 20.000 Teilnehmer). Journalistengespräch im Berliner VP-Präsidium zu den Ereignissen vom 7./8. Oktober.

Bischof Hempel von der Synode der Sächsischen Landeskirche stellt öffentlich den Führungsanspruch der SED in Frage.

Ehemalige DDR-Flüchtlinge können erstmals straffrei in die DDR zurück.

Die seit dem 19.11.1988 verbotene SU-Zeitschrift „Sputnik“ wird in der DDR wieder um Vertrieb zugelassen.

21.10.1989:

Demonstrationen in vielen Städten der DDR (besonders in Plauen und Berlin) für Meinungsfreiheit und Reisefreiheit („Egon, mache etwas draus!“)

Diskussion der SED-Spitze mit der Bevölkerung in Berlin.

22.10.1989:

Beginn der „Gespräche am Karl-Marx-Platz“ (Diskussionen im Gewandhaus Leipzig).

Neuerliche Ausreise von „Botschaftsflüchtlingen“ aus Warschau in die BRD.

23.10.1989:

Höhepunkt der Montagsdemos in Leipzig (mehr als 300.000 Teilnehmer). Teilweise

Plakate für Wiedervereinigung von Deutschland (noch geringer Anteil), „Volksfeststimmung“.

Berliner Bischof Dr. Forck in Marienkirche für Geduld, Gewaltlosigkeit und Konsequenz bei der Umgestaltung.

24.10.1989:

10. Tagung der Volkskammer. Egon Krenz wird mit 26 Gegenstimmen zum Vorsitzenden des Staatsrates gewählt.

Vor der Volkskammer demonstrieren Tausende Berliner gegen die Wahl von Krenz.

Das Politbüro des ZK der SED empfiehlt (auf 9. Tagung) dem Ministerrat der DDR die

Ausarbeitung eines Reisegesetztes für die DDR-Bürger. Wolfgang Mischnik (Vorsitzender der FDP-Fraktion im Bundestag) bei Manfred Gerlach.

Film- und Fernsehschaffende der DDR fordern mehr Meinungsfreiheit.

25.10.1989:

Die Demonstrationen in Leipzig gehen erstmals über den „Ring“.

26.10.1989:

DDR-Bürger aus Prager Botschaft der BRD können aus CSSR direkt in die BRD ausreißen (Ausreise innerhalb von 24 Stunden).

Demonstrationen in Jena und Neubrandenburg für Dialog zur Neugestaltung der DDR.

(für freie Wahlen und Zulassung des „Neuen Forums“). Groß-Demonstration in Erfurt („Demokratie – jetzt oder nie!“).

Telefongespräch zwischen Egon Krenz und Bundeskanzler Helmut Kohl.

Minister für Hoch- und Fachschulwesen, Böhme, verkündet Plan einer Hochschulreform.

27.10.1989:

Tagung der Außenminister des Warschauer Paktes in Warschau.

Staatsrat der DDR verkündet Amnestie für wegen Republikflucht Inhaftierte.

GMD Kurt Masur beginnt mit der Veranstaltungsreihe „Dialog im Gewandhaus“.

Der 1. Sekretär des FDJ-Zentralrats, Aurich, kündigt ein neues FDJ-Profil und –Programm an („FDJ für ganze Jugend offen.“).

Die FDJ-Fraktion verlangt von Volkskammerpräsident Horst Sindermann die sofortige Einberufung der Volkskammer-Vollversammlung.

DDR-Rechtsanwälte fordern eine höhere Rechtssicherheit in der DDR.

DDR-Ministerpräsident Willy Stoph in TV-Interview für Wirtschaftsfortschritt in der DDR.

28.10.1989:

Demonstration in Prag (3.000 Demonstranten) – Start der tschechischen Wende infolge eines brutalen Polizeieinsatzes.

Die Ungarischen Kampfgruppen geben alle ihre Waffen an die staatliche Armee ab.

Die Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens „Aktuelle Kamera“ beginnt mit einer neuen Sendegestaltung.

29.10.1989:

Die Ärzte der DDR fordern Maßnahmen gegen den Krankenpflege-Notstand in der DDR.

30.10.1989:

Beginn einer zweitägigen Beratung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) Über den Inhalt der künftigen Gewerkschaftsarbeit.

Letze TV-Sendung „Der Schwarze Kanal“ von Karl Eduard von Schnitzler (nach 30 Jahren)

Auf Montagsdemo in Leipzig (mit mehr als 300.000 Teilnehmern) treten erstmals Sprecher des „Neuen Forums“ mit Megaphonen auf. (Forderung: „Die Verantwortlichen für die Krise in der DDR zur Verantwortung ziehen und Privilegien abschaffen!“).

Das Institut für Denkmalpflege fordert Maßnahmen zum Erhalt der Altstädte in der DDR.

Einwohnerforum mit OB Span in Jena (gegen SED-Machtmonopol, Wehrkundeunterricht, für Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie für Wehrersatzdienst).

Erste nichtgenehmigte Kundgebung in Moskau gegen Repressalien und den KGB.

31.10.1989:

CDU der DDR fordert Legalisierung des „Neuen Forums“ Brief an Innenminister Dickel).

FDGB für Erhalt der Arbeiter- und Bauernmacht sowie für Sozialismus.

Der VEB Carl Zeiss Jena stellt teilweise seine militärische Produktion auf eine zivile Fertigung um.

Der Präsident der Akademie der Wissenschaften spricht sich für eine begrenzte Amtszeit führender Politiker aus. Kuba spricht sich gegen die „befremdliche Entwicklung“ in der sozialistischen Staatengemeinschaft aus.

Die SPD (BRD) bricht wegen der Prager Ereignisse den Kontakt zur KPTsch ab.

November 1989

01.11.1989:

Der LDPD-Vorsitzenden Manfred Gerlach trifft Martin Bangemann / FDP und fordert den Rücktritt der DDR-Regierung.

Gründung des Ortsverbands des „Demokratischen Aufbruchs“ in Jena.

Der Vorsitzende der IG-Metall im FDGB, Karl Nennstiel, tritt wegen Korruption zurück.

Wiedereinführung der Pass- und Visa-Freiheit für CSSR-Reisen. (Neue Ausreisewelle Über CSSR in die BRD).

Treffen von Egon Krenz mit Michail Gorbatschow in Moskau. (Gorbatschow: „Die Perestroika wird zum Erfolg geführt!“)

In Polen wird eine Umbenennung der PVAP von der eigenen Parlamentsfraktion gefordert.

02.11.1989:

Kurzbesuch von Egon Krenz in Warschau.

Der Ministerrat veröffentlicht neue Verordnung über Umweltdaten (Veröffentlichung in Presse beginnt).

Rücktritt des CDU-Vorsitzenden Gerald Götting und des NDPD-Vorsitzenden Horst Hohmann.

Rücktritt des FDGB-Vorsitzenden Harry Tisch, neue Vorsitzende A. Kimmel.

Schweigemarsch für Demokratie in Berlin.

Egon Krenz trifft Martin Bangemann / FDP, den Vize-Präsidenten der EG-Kommission.

Rücktritt der Volksbildungsministerin Margot Honecker (Einreichung am 20.10.89) wird vom Ministerrat bestätigt.

03.11.1989:

Egon Krenz spricht zu den Bürgern der DDR im Fernsehen (aktuelle Lage + Beruhigung).

Sondersitzung des Politbüros der SED. Dabei Rücktritt von Kurt Hager, Hermann Axen,

Erich Mielke, Alfred Neumann und Erich Mückenberger.

Rücktritt des Leipziger OB Seidel

04.11.1989:

Großkundgebung in Berlin mit 500.000 Teilnehmern (Org. durch Künstlerverband)

Dabei Forderungen: Kein Führungsanspruch durch SED, freie Wahlen, Einführung des Zivildienstes, keine Aufmärsche und Fahnenapelle, kein Schulfach Staatsbürgerkunde.

06.11.1989:

Veröffentlichung des 1. Entwurfs eines neuen Reisegesetzes (allg. Ablehnung in der Bevölkerung).

Die neue FDGB-Vorsitzende A. Kimmel schlägt die Einführung der 40 Std.-Woche vor.

Abschaffung der obligatorischen, vormilitärischen Ausbildung.

07.11.1989:

Die LDPD verfasst ein Aktionsprogramm zur demokratischen Erneuerung in der DDR.

Rücktritt des Ministerrats der DDR.

Bisher größte Demonstration in Leipzig. Forderungen: freie Wahlen, Reisen ohne Einschränkungen, Legalisierung „Neues Forum“.

08.11.1989:

Die FDJ veröffentlicht ihre Forderungen zur „Wende“: Reform der Wirtschaft und des Bildungswesens, Hochschulreform, „singbare“ Nationalhymne, neue Jugendweihe.

Rücktritt des Politbüros des ZK der SED. Neuwahl mit Bestätigung von Egon Krenz als Generalsekretär der SED.

Registrierung des „Neuen Forums“.

Großdemonstration des Eichsfelds in Heiligenstadt.

Forderungen: Abschaffung Grenz-Sperrgebiet, freie Wahlen, Einsatz von Stasimitarbeitern zu praktischer Arbeit in der Wirtschaft.

09.11.1989:

Öffnung der Grenzen der DDR zur BRD. Erstmals Ausreise aller DDR-Bürger ohne Genehmigungen nach dem Westen möglich!

Günther Schabowski zu Journalistenfrage bzgl. des Termins der Grenzöffnung im Fernsehen: „ Ich denke, ab sofort....!“

Volksfest in West-Berlin.

Gründung der Jugendorganisation „Christlich-demokratische Jugend“ (CDJ).

10.11.1989:

Info von „elf99“: Hermann Axen zu Privaturlaub mit Flugzeug in den USA (Kosten des Flugzeugstandplatzes 10.000 US-$ pro Tag!)

Generalstaatsanwalt Wendland schlägt einen Volkskammer-Ausschuss zur Untersuchung von Amtsmissbrauch vor.

Erste Ausgabe von halbjährlichen Ausreise-Visa.

Eröffnung erster neuer Grenzübergänge von der DDR nach BRD und West-Berlin.

Willy Brandt (SPD): „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört!“

Gründung der SPD-Ortsgruppe Jena.

11.11.1989:

Massenreisen nach West-Berlin. Viele Thüringer Reisen nach Hof, Lichtenfels und Bamberg.

Ansturm auf die Visa-Ausgabe-Stellen. (DDR-Bürger brauchen für Ausreise im Pass oder Personalausweis einen Visa-Stempel. Dieser sollte sie als „Schwarze Schafe“ kennzeichnen!)

12.11.1989:

Die SED verkündet die Einberufung eines Außerordent lichen Parteitages anstelle einer zuvor geplanten Parteikonferenz (Parteitag gestattet ZK-Absetzung!).

SED verkündet ein „SED-Aktionsprogramm“.

Erster großer Reise-Sonntag von DDR-Bürgern in die Bundesrepublik und nach West-Berlin. DDR-Reise-Züge werden in der BRD in Volksfeststimmung begrüßt.

13.11.1989:

11. Volkskammertagung in Berlin. Die SED entscheidet die Stichwahl des Präsidenten der Volkskammer der DDR zu Gunsten von Dr. Günter Malenda /DBD (statt des LDPD-Chefs Prof. Manfred Gerlach. -„Wenn nicht Arbeiter, dann Bauern an die Spitze!“)

Auf der Montags-Demo in Leipzig mit 150.000

Teilnehmern wird der SED-Machtanspruch symbolisch in einem Sarg zu Grabe getragen.

14.11.1989:

Die Sperrzonen an der DDR-Grenze zur BRD werden aufgehoben.

Abbau weiterer Grenzanlagen und Eröffnung von neuen Grenzübergängen.

Hans-Peter Minetti tritt als Präsident des Verbandes der Theaterschaffenden zurück.

Die „Neue Zeit“ veröffentlicht als erste DDR-Zeitung BRD-TV-Programme.

15.11.1989:

Die DDR richtet ein Aufnahmelager für Rückkehrer aus der BRD ein.

Gründung des „Bundes der Selbständigen“ (private Unternehmer) in Berlin gegründet (Ziel: Einführung der sozialen Marktwirtschaft).

16.11.1989:

Ablösung der 1. Bezirkssekretäre der SED in Frankfurt, Dresden, Leipzig u. Potsdam.

Rücktritt von Ilse Thiele, der Vorsitzenden des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands (DFD).

Staatsbank der DDR verkündet. „Es besteht kein Grund zur Währungsreform!“

Rechtsanwalt Dr. Gregor Gysi fordert Änderung § 1 der Verfassung (weg mit dem Führungsanspruch der SED).

17.11.1989:

12. Volkskammertagung: Wahl einer neuen Regierung unter Dr. Hans Modrow.

Regierungserklärung und Wahl des neuen Ministerrats.

Der amtierende Bildungsminister bildet eine Arbeitsgruppe zur Schaffung eines neuen Bildungsgesetzes.

Konstituierung eines LDPD-Jugendverbandes in Berlin.

18.11.1989:

Es existieren inzwischen 60 geöffnete Grenzübergangsstellen nach BRD / West-Berlin.

Konstituierende Sitzung des neu gewählten Ministerrates der DDR.

Erste genehmigte Kundgebung des „Neuen Forums“ auf dem Dimitrov-Platz in Leipzig.

19.11.1989:

„Demokratie jetzt“ fordert Volksentscheid zur Führungsrolle der SED.

Das Präsidium des Verbandes der Journalisten tritt zurück. Einsetzung eines Volkskammer-Ausschusses gegen Amtsmissbrauch von Führungskräften.

20.11.1989:

Egon Krenz zieht aus Wandlitz, dem Wohnsitz des Politbüros und des ZK der SED, aus.

Protestdemonstration der Behinderten in Leipzig (Rollstuhlfahrer usw.)

Große Montags-Demo mit 200.000 Teilnehmern in Leipzig.

Erstmals Forderung nach Wiedervereinigung Deutschlands. Außerdem Forderung nach Einführung einer Länder-Struktur in der DDR mit einem „Freistaat Sachsen“.

21.11.1989:

Der neue Verteidigungsminister Heinz Hoffmann kündigt eine Militärreform in der Nationalen Volksarmee (NVA) an.

Egon Krenz hält in einem TV-Interview am SED-Führungsanspruch fest.

22.11.1989:

Hauptvorstandstagung der CDU der DDR. Forderungen: Freie Wahlen bis Mitte 1990,

Auflösung der Kampfgruppen, Einführung Zivildienst, Selbstverwaltung der Städte und Gemeinden,

Maßnahmen gegen den Ausverkauf der DDR, Einführung einer ökologischen Wirtschaft, Änderungen am Unterrichtsfach Staatsbürgerkunde.

BRD-Minister Seiters schlägt Devisenfonds für Westreisen von DDR-Bürgern vor.

23.11.1989:

Aufführung des lange verbotenen DEFA-Spielfilms „Die Spur der Steine“ im Beisein von

Egon Krenz und dem Film-Hauptdarsteller Manfred Krug. Ministerrat beschließt auf seiner Tagung ein neues Zollregime für die DDR sowie die Einführung der 5-Tage-Schulwoche ab März 1990.

24.11.1989:

Die LDPD streicht die Anerkennung der Führungsrolle der SED aus der Präambel ihrer

Satzung.

Der ehem. Wirtschaftsverantwortliche Günter Mittag wird aus der SED ausgeschlossen.

Gründung der „Grünen Partei der DDR“.

Neue Zollverordnung der DDR (mit Erweiterung der Ausfuhrverbote) in Kraft gesetzt.

Österreicher Bundeskanzler Franz Vranitzky zu Gast bei Ministerpräsident Modrow.

25.11.1989:

Treffen des CDU-Vorsitzenden der DDR Lothar de Maiziere mit den Bundespolitikern Volker Rühe und Erich Diepgen.

Egon Krenz besucht Leipzig und Führt Gespräche mit den Bürgern.

Der Bürgerrechtler Rudolf Baro kehrt in die DDR zurück.

Außerordentliche Tagung des ZK der KPTsch wegen Massenkundgebungen in Prag.

26.11.1989:

Wende in der CSSR. Präsident und ZK der KPTsch zurückgetreten.

Lothar de Maiziere trifft den Österreicher Bundeskanzler Franz Vranitzky und Walter Wallmann, Ministerpräsident von Hessen.

Manfred Gerlach (LDPD-Chef) trifft den FDP-Vorsitzenden Otto Graf Lambsdorff.

27.11.1989

Treffen von Ministerpräsident Hans Modrow mit der FDGB-Vorsitzenden A. Kimmel.

(FDGB will in der Volkskammer bleiben).

S. Hirschfeld wird neuer OB in Erfurt (für R. Seibert).

Veröffentlichungen über das Jagdanwesen von Harry Tisch (Ex-FDGB-Chef).

DDR-Presse kündigt an: „Weihnachtsteller 1989 so bunt wie noch nie!“

Montags-Demo in Leipzig: Erstmals werden alle Gegner der deutschen Wiedervereinigung ausgepfiffen.

Zweistündiger Generalstreik in der CSSR.

28.11.1989:

Der Schriftsteller Stefan Heym verliest den Aufruf „Für unser Land“.

Veröffentlichung eines neuen FDJ-Statuts. (Die FDJ ist nicht mehr der Kampfreserve der SED.)

Aufdeckung des Warenabtransports vom SED-Sperrbezirk Wandlitz.

Veröffentlichung über die Luxus-Residenz und Jagdanwesen von Willi Stoph an der Müritz.

29.11.1989:

FDGB-Ausschluss des ehem. Vorsitzenden Harry Tisch.

Rücktritt des Präsidiums und des

Sekretariats des FDGB-Bundesvorstandes.

Rücktritt des Präsidiums des Kulturbundes der DDR.

CDU-Chef Lothar de Maiziere trifft den belgischen Außenminister Eyskens.

Schriftliche Veröffentlichung des Aufrufs „Für unser Land“ (von Stefan Heym, Christa Wolf u.a.) löst alternative Gegenappelle aus.

Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl veröffentlicht einen 10- Punkte-Plan zur Deutschland-Politik mit dem Ziel der Wiedervereinigung Deutschlands.

30.11.1989:

Auflösung der Regierungsflugstaffel der Interflug.

Veröffentlichung eines neuen Reisegesetzes für DDR-Bürger (2. Fassung).

Die Untersuchungskommission zur Aufklärung der VP-Übergriffe am 7. Oktober will ihre Arbeit wegen Behinderungen einstellen.

Veröffentlichung über Honecker-Objekte in Drewitz und Melake.

Dezember 1989

01.12.1989:

13. Volkskammer-Tagung: Die Volkskammer der DDR streicht den Führungsanspruch der SED aus der DDR-Verfassung.

Die Bezirksleitung Gera der SED fordert den Parteiausschluss für ihren ehemaligen 1. Sekretär Herbert Ziegenhahn.

Auftritt von Wolf Biermann in Leipzig (1. DDR-Auftritt nach Ausbürgerung)

Neues Gesetz für die Einfuhr von PKW aus dem nichtsozialistischem Wirtschaftsgebiet (NSW) tritt in Kraft. Gruppe des „Neuen Forums“ Karl-Marx-Stadt ruft auf zum Generalstreik (wie in der CSSR), da die Veränderungen in der DDR zu langsam vor sich gehen.

Erstes Treffen der deutschen Fußballverbände von Ost und West (DVF und DFB).

Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den ehem.

1. Sekretär der SED- Bezirksleitung Erfurt, Gerhard Müller.

02.12.1989:

Der Hessische Ministerpräsident Walter Wallmann trifft in Jena CDU-Vertreter.

Die DDR-Führung bedauert erstmals offiziell den Truppeneinmarsch in die CSSR von 1968.

Erstmals Direktsonderzüge von der DDR nach West-Berlin (als Endbahnhof).

Anti-SED-Demonstration vor ZK-Gebäude in Berlin.

In Jena Forderung des Einzugs der Kreispoliklinik in das Gebäude der SED-Kreisleitung.

Auflösung der Kampfgruppen in der CSSR und Abbau der Grenzsperren zu Österreich.

03.12.1989:

Sondersitzung des ZK der SED: Rücktritt des Politbüros und des ZK der SED. Bildung

eines Arbeitsausschusses zur Vorbereitung eines Parteitages (mit Dr. Gysi, M. Wolf u.a.).

Anordnung von Untersuchungshaft für ehem. SED Politiker: G. Mittag, H. Tisch, G. Müller.

12 ehem. Spitzenfunktionäre werden aus der SED ausgeschlossen: u.a. Erich Honecker, Günter Mittag, Harry Tisch, Herbert Ziegenhahn, Erich Mielke, Gerhard Müller, Hans Albrecht.

Menschenkette (der „Aktion Sühnezeichen“) für entschlossenere demokratische Erneuerung in der DDR.

Gründung des Unabhängigen Frauenbundes der DDR.

Einleitung einer Fahndung nach Ex-Staatssekretär Schalck-Golodkowski wegen Veruntreuung von Volksvermögen in Mio-Höhe.

04.12.1989:

Groß-Demo in Leipzig mit Forderungen nach: Deutscher Einheit, Rücktritt von Egon Krenz, Umweltschutz und Auflösung der SED.

Leipzig: Marsch zur Stasi-Zentrale und Sicherung von Beweismaterial.

Die CDU erklärt offiziell ihren Austritt aus dem „Demokratischen Block“ der Parteien, auch die LDPD tritt aus diesem Block aus.

Gorbatschow informiert Modrow, Krenz und Fischer über den Sowjetisch-amerikan. Gipfel (mit G. Bush) in Malta: „Der Kalte Krieg ist vorbei!“

Erfurter verhindern Verbrennung von Stasi-Unterlagen in der Erfurter Stasi-Zentrale.

05.12.1989:

Die Volkspolizei (VP) übernimmt die Waffen der „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“.

Aktionen gegen Aktenvernichtung in Stasi-Büros in der ganzen DDR.

Erich Honecker und andere Funktionäre werden in Wandlitz unter Hausarrest gestellt.

Treffen von MP Modrow mit Bundesminister Seiters: Wegfall von Zwangsumtausch und Visum-Pflicht für BRD-Bürger bei Einreise in die DDR ab 1990.

Generalstaatsanwalt Wendland und sein Stellvertreter treten zurück.

Info, daß Einnahmen von Sondermüll-Deponien auf SED-Konten flossen statt wie geplant In den Umweltschutz.

06.12.1989:

Egon Krenz tritt als Staatsratsvorsitzender zurück.

Amtierend übernimmt Prof. Manfred Gerlach (LDPD) diese Funktion.

Der geplante SED-Parteitag wird auf den 08.12.1989 vorverlegt.

Rücktritt Gerald Göttings (CDU) als Präsident der Liga für Völkerfreundschaft.

Warnstreiks in Plauen und Klingenthal.

Die Deutsche Reichsbahn wird selbständige Wirtschafts einheit und erhält den neuen Generaldirektor H. Keddy.

In CSSR taucht Forderung auf „Sozialistisch“ aus dem Staatsnamen zu streichen.

07.12.1989:

Prof. Manfred Gerlach empfängt eine Parlamentarier-Delegation aus den USA.

Konstituierung eines Ausschusses zur Verfassungsänderung.

Schließung und Versiegelung mehrerer Stasi-Dienststellen wegen Aktenvernichtung.

„Demokratisches Forum“ tritt gegen Anarchie und Selbstjustiz auf.

Gründung der CSPD in Leipzig.

Schalck-Golodkowski In West-Berlin in U-Haft (Er hatte sich nach Rechtshilfeersuchen der DDR selbst gestellt).

08.12.1989:

Beginn des SED-Sonderparteitages in Berlin.

Generaldirektor des Kombinates VEB Carl Zeiss Jena, Wolfgang Biermann, abgesetzt. (Amtierender GD wird Klaus-Dieter Gattnar).

Einrichtung eines Konstituierenden Ausschusses zur Wahlgesetzerarbeitung.

09.12.1989:

SED Sonderparteitag beschließt Abschaffung des

Zentralkomitees und des Politbüros der SED. Dr. Gregor Gysi wird zum neuen SED-Vorsitzenden gewählt. Die Partei soll umbenannt, aber nicht aufgelöst werden (bei PT-Fortsetzung am 17./18.12. 1989.

Die NDPD gründet den Jugendverband „Deutscher Regenbogen“

Das „Neue Forum“ erhält die Genehmigung zur Herausgabe einer eigenen Wochenzeitung.

Rücktritt des FDGB-Bundesvorstandes. Der FDGB beschließt eine neue Beitragsordnung mit Nettolohnbezug ab 1990.

Wirtschaftsberatung unter Leitung von MP Hans Modrow.

Forderung nach Gründung eines sozialistischen Unternehmerverbandes in der DDR.

Telefonat zwischen Dr. Gysi und Gorbatschow. Gysi für „unangetastete Grenze“ zwischen DDR und BRD.

Gorbatschow tritt noch gegen Wiedervereinigung Deutschlands auf.

10.12.1989:

Gorbatschow verzichtet auf Führungsanspruch der KPdSU in der Sowjetunion.

Die NDPD schließt ihren ehem. Vorsitzenden Heinrich Hohmann aus der Partei aus.

DDR-MP Heinz Modrow trifft sich in Dresden mit dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Dr. Lothar Späth.

Dr. Gregor Gysi erklärt den SED-Vorstand nur als vorübergehend bis zum Parteitag im Frühjahr 1990.

In CSSR tritt Staatspräsident Husak zurück, es gibt eine neue Regierung ohne KP-Mehrheit.

11.12.1989:

Treffen der 4 Alliierten Kontrollmächte in West-Berlin (erstmals seit 1971).

Seit Jahresbeginn 1989 sind 317.548 DDR-Bürger in die BDR übergesiedelt.

Einziehung der Schusswaffen leitender Funktionäre der DDR ist abgeschlossen.

BRD-Arbeitgeber-Präsident Murmann fordert einen Wechselkursmechanismus.