Meine Arktis - Sebastian Ströbel - E-Book

Meine Arktis E-Book

Sebastian Ströbel

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Beschreibung

Das Begleitbuch zur Terra-X-Doku "Meine Arktis"! Für viele von uns steht die Arktis für das pure Abenteuer: Klirrende Kälte, unendliche Weite, majestätische Gletscher – auch den beliebten Schauspieler Sebastian Ströbel, bekannt als Markus Kofler in der ZDF-Erfolgsserie "Die Bergretter", zieht der hohe Norden Europas magisch an. Schon als kleiner Junge träumte er von den Expeditionen mutiger Frauen und Männer, die es gewagt haben, ins ewige Eis vorzustoßen. Seit jeher leben Menschen in der Arktis, trotzen den lebensfeindlichen Bedingungen und dunklen Wintern. Wie schaffen sie es, dort zu (über)leben und vor welchen Herausforderungen stehen sie heute? Denn das 21. Jahrhundert droht die Arktis zu zerstören und zu entzaubern. Nirgendwo sonst auf der Welt zeigt sich der Klimawandel drastischer. Fieberhaft versuchen WissenschaftlerInnen herauszufinden, welche Auswirkungen das für uns alle haben wird. Doch damit nicht genug: das abschmelzende Eis legt Bodenschätze und Schifffahrtsrouten frei, die Begehrlichkeiten wecken. In der Arktis treffen Europa, die USA und Russland aufeinander, das Sehnsuchtsziel scheint ein Spielball machtpolitischer und wirtschaftlicher Interessen zu werden. Die Leidtragenden: Mensch und Natur. Was also muss passieren, um diese einzigartige Landschaft, die Tiere und Menschen in der nördlichen Polarregion zu erhalten und zu schützen?  Für die zweiteilige Terra-X-Doku "Meine Arktis" reist Sebastian Ströbel an weltabgeschiedene Orte und trifft dort Menschen, die ihm Aufschluss über seine vielen Fragen geben können. Sein Bericht bringt uns die Bewohner der lebensfeindlichen Region am nördlichsten Ende Europas näher, lässt uns die Dreharbeiten hautnah erleben und macht uns gleichzeitig die Gefährdung des einzigartigen Naturraums Arktis bewusst.

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Seitenzahl: 176

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Impressum

© eBook: 2025 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

© Printausgabe: 2025 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Verbreitung durch Film, Funk, Fernsehen und Internet, durch fotomechanische Wiedergabe, Tonträger und Datenverarbeitungssysteme jeglicher Art nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Leserservice:

GRÄFE UND UNZER Verlag

Grillparzerstraße 12

81675 München

www.graefe-und-unzer.de

Text: Sebastian Ströbel mit Kathrin Thoma

Redaktion und Projektmanagement: Susanne Kronester-Ritter

Projektmanagement und Lektorat: Rosemarie Elsner

Korrektorat: Andrea Lazarovici

Bildredaktion: Petra Ender, Fabian Riedel

Covergestaltung: ki36 Editorial Design, Bettina Stickel, München

Kartographie: Huber Kartographie GmbH, www.kartographie.de

eBook-Herstellung: Liliana Hahn

ISBN 978-3-8464-1049-3

1. Auflage 2025

GuU 8-1049 10_2025_02

Bildnachweis

Coverabbildung: Nicole Giesa (Porträt), Getty Images (Landschaft)

Fotos: Alamy Stock Photo: Science History Images, Underwood Archives, Julia Waschenbach; Alfred-Wegener-Institut: Esther Horvath; Getty Images; Giesa, Nicole; imageBROKER; imago images: Delimont Danita, Gemini collection; Köppl, Martin; laif: Arcticphoto, Patrick Junker, Fautre Stanislas/Le Figaro; mauritius images: Wojcik Adrian, Delimont Danita, Hemis.fr, Olaf Krüger, Norbert Rosing, Science Source, TopFoto; NASA; ndF Entertainment: David Enge, Florian Epple; privat (David Enge); picture-alliance: AP, Leemage, Ullstein Bild; plainpicture; privat (Aviaja Fontain); privat (Sebastian Ströbel); privat (Andreas Trügler); Sámediggi: Siv Eli Vuolab; shutterstock; Sør-Varanger kommune; stock.adobe.com; Uni Graz: Tzivanopoulos; Visit Norway: Sven-Erik Knoff; Visit Svalbard: Jarle Roessland; Westend61: Strigl Egmont; Wikimedia Commons: Chessrat; Das Foto von Alex Eickelmann ist Teil der Porträtserie »Women of Arctic Science« von Esther Horvath.

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Die Terra-X-Filme sind in der ZDF Mediathek unter folgendem Link abrufbar: https://www.zdf.de/terra-x-366

Wichtiger Hinweis

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So schön kann ein Eisberg sein, wenn er vom Licht malerisch in Szene gesetzt wird. Aufgenommen wurde dieses Foto im Kongsfjord im Nordwesten der Insel Spitzbergen.

Die Arktis aus der Luft: eine riesige Kraterlandschaft aus Schnee, Eis und Wasser. Oder poetischer ausgedrückt: eine surreale Sinfonie in Weiß und Blau

Eisbären und Arktis: zwei, die zusammengehören und heftig bedroht sind. Der Klimawandel lässt die Eisdecke schmelzen, die für beide überlebenswichtig ist.

Polarlichter über Longyearbyen – eine Spielerei der Natur: Die zarten Schleier in Blau, Grün oder Rosa wirbeln durch die Lüfte, führen ihren Tanz auf und verlassen die Himmelsbühne wieder. Dass sie fast nur in den Polarregionen zu sehen sind, liegt am Magnetfeld der Erde und den von der Sonne ausgestoßenen elektrisch geladenen Teilchen.

Grönland – Heimat der Inuit, einer indigenen Volksgruppe, die hier seit rund 4500 Jahren lebt und sich den extremen Bedingungen angepasst hat. Jagd und Fischfang haben das Land geprägt und sind heute noch ein wichtiger Wirtschaftszweig.

UNTERWEGS IN DER ARKTIS

Unzählige Dickschnabellummen bevölkern einen Felsen auf Spitzbergen. Diese Zugvögel gehören zur Familie der Alke und kommen nur zum Brüten an die Steilküsten.

DIE ARKTIS: EIN GROSSES GEHEIMNIS DER NATUR

Die Arktis – allein der Name hat schon immer viele Bilder in meinem Kopf erzeugt. Bilder von spektakulärer Natur und unbändiger Wildheit. Und obwohl sie auf mich eine solche Anziehungskraft ausübte, war sie mir stets ein Rätsel geblieben.

Während der Vorbereitung zu dieser Reise merkte ich, wie wenig ich eigentlich über die Arktis weiß. Trotz aller Fakten, die ich über dieses gigantische Areal um den Nordpol gehört oder gelesen habe, blieb sie mir ein Geheimnis. Sie war für mich wie eine Art riesiges weißes, unbeschriebenes Blatt. Ich habe mich gefragt: Ist sie ein Land? Eine Insel? Nur Eis? Gehört da noch etwas dazu? Ich hatte keine Ahnung. Dabei haben mich die Geschichten der Polarforscher schon als Kind immer gefesselt. Die Rivalität zwischen Scott und Amundsen, den Entdeckern der Antarktis, hat mich in ihren Bann gezogen. Erzählungen über die beiden Pioniere habe ich regelrecht verschlungen – und dabei oft Arktis und Antarktis durcheinandergebracht. Was ist oben, was unten? Wo leben die Pinguine, wo die Eisbären? Und wie hieß noch mal der Mensch, der als Erster den Nordpol erreicht hat? Kaum jemand weiß, dass es der Brite Wally Herbert war, und zwar erst am 6. April 1969. Robert Edwin Peary, ein Amerikaner, hatte das zwar schon 1909 von sich behauptet, konnte aber nie eindeutige Beweise vorlegen.

Ich finde solche Heldengeschichten faszinierend, besonders dann, wenn sie auf Selbstüberschätzung oder Täuschung beruhen. Viele dieser Entdecker haben nicht nur unglaubliches Leid über ihre Expeditionsteams gebracht, sondern auch über die Inuit und die Schlittenhunde, die sie mitnahmen. Und das alles für ein Stück Ruhm, für Nationalstolz, für den Sieg im Wettlauf um unberührte Gebiete.

Trotz aller Faszination für die Arktis ist mir bewusst, wie wenig ich doch über diese Polarregion weiß.

Auf dem Weg zwischen Longyearbyen und Mine Nr. 7 trainiert eine Frau ihre Schlittenhunde.

KALT. KLAR. KOMPLEX

Früher dachte ich: Arktis, das bedeutet minus 50 Grad, also kalt und unbewohnbar. Aber das stimmt so nicht. Es gibt Regionen, in denen man durchaus gut leben kann. Natürlich ist es kalt und im Winter dunkel, aber dafür gibt es diese taghellen Sommer mit ihren endlosen Mittsommernächten. Die Dunkelheit hat ihren eigenen Zauber. Früher hat man sich darauf vorbereitet, gejagt, Vorräte angelegt, sich Geschichten erzählt.

Die Inuit sind wahre Meister im Geschichtenerzählen. Auch sonst sind sie ein wortreiches Volk. Es ist bekannt, dass sie eine Vielzahl von Wörtern für das Wort »Schnee« haben. Da gibt es eigene Begriffe für »Schnee am Boden«, »leichter Schnee«, »weicher Schnee«, »frisch gefallener Schnee« und viele andere mehr. Heute ist es wie bei uns: Man hat ein Handy und guckt Netflix. Globalisierung, Kapitalismus, Individualisierung prallen auf die sozialen Strukturen der indigenen Bevölkerung. Aus dem »Wir« wird mehr und mehr ein »Ich«. Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse auf dieser Reise: die Sorgen, Ängste, der tägliche Überlebenskampf – im Kern unterscheiden sich diese Themen nicht von unseren. Der Unterschied liegt in den Bedingungen, nicht in den Bedürfnissen. Jedoch leben die meisten Menschen dort mit mehr Bescheidenheit, ohne Anspruchshaltung, dafür mit mehr Dankbarkeit.

»Doch der Klimawandel hinterlässt auch in der Arktis, vielleicht gerade dort, tiefe Spuren.«

Doch der Klimawandel hinterlässt auch in der Arktis, vielleicht gerade dort, tiefe Spuren. Sie ist eine Wetterküche mit globaler Wirkung. Die Region erwärmt sich drei- bis viermal schneller als der weltweite Durchschnitt. Auf Grönland liegt eine bis zu 3000 Meter dicke Inlandeisschicht. Wenn sie komplett schmilzt, steigt der Meeresspiegel weltweit um bis zu acht Metern – das ist gewaltig! Wie Corona die Digitalisierung beschleunigt hat, beschleunigt der Klimawandel durch das Schmelzen des Eises neue Handelswege: Nordost- und Nordwestpassage. Beide könnten für die Weltwirtschaft entscheidend werden. Russland könnte wieder zum Global Player aufsteigen, wenn diese Routen schiffbar werden. Noch ist es nicht so weit, aber die Veränderungen geschehen schnell. Gleichzeitig werden Rohstoffe wie Seltene Erden, Uran, Öl und Gas freigelegt, was neue Begehrlichkeiten weckt.

DIE ARKTIS GEHT UNS ALLE AN

Viele kennen mich als Markus Kofler aus der ZDF-Serie »Die Bergretter« oder durch die Terra-X-Dokumentation »Meine Alpen«. Für mich ist die Arktis die logische Konsequenz der Berge. Ich weiß, welche Anziehungskraft die Berge ausüben, aber kaum ein Ort fesselt die Menschen so sehr wie die Arktis. Jeder, dem ich erzählte, dass ich dorthin reisen darf, auch nach Grönland, bekam leuchtende Augen. Selbst Menschen, die sonst nie verreisen oder nach Abenteuern suchen. Ihnen ging es wie mir: Ich war sofort Feuer und Flamme, als das Thema aufkam. Die Arktis ist nicht so fern, wie sie scheint. Und: Ihre Zukunft betrifft uns alle.

Es lohnt sich, den Blick auf sie zu richten – sie hat lange genug im Eis geschlafen. Jetzt ist es Zeit hinzuschauen. Die Großmächte tun es längst. Wenn wir sie nicht bald zu bewahren versuchen, wird es zu spät sein. Dann sind die Förderrechte vergeben, und das Gebiet wird fremdbestimmt – von Kräften, denen die Arktis und ihre gigantische Natur vermutlich herzlich egal sind.

Was ist die Arktis – außer kalt?

Die Arktis muss man sich bildlich wie einen riesigen weißen Deckel auf der Nordhalbkugel vorstellen. Ein gigantisches Areal aus Eis und Schnee, Fels und Meer.

Das grönländische Fischerdorf Aappilattoq, eingebettet in eine einzigartige Fjordlandschaft

Polarkreis ist da, wo die Sonne im Sommer 24 Stunden lang über dem Horizont steht oder im Winter 24 Stunden lang unter dem Horizont bleiben kann, und das wochenlang – ab 66° 33’ 55’’ nördlicher Breite. Alles darüber zählt dazu: der Arktische Ozean, Inselgruppen wie Spitzbergen oder Grönland und die nördlichsten Zipfel von acht Staaten – Kanada, Dänemark (über Grönland), Finnland, Island, Norwegen, Russland, Schweden und den USA (über Alaska). Diese acht Länder bilden gemeinsam den Arktischen Rat – ein zwischenstaatliches Gremium, das seit 1996 die wichtigste Plattform für Zusammenarbeit in der Region ist. Im Zentrum seiner Aufgaben stehen Themen wie Klimawandel, Umweltschutz, nachhaltige Entwicklung sowie der Schutz der Lebensweise indigener Gemeinschaften. Militärische Fragen werden dabei ausdrücklich ausgeklammert. Neben den Mitgliedstaaten sind auch indigene Organisationen ständige Teilnehmer, etwa der Inuit Circumpolar Council (Inuit-Polarkreisrat). Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 ist die Arbeit des Rates allerdings stark eingeschränkt, da die westlichen Mitgliedstaaten ihre Zusammenarbeit mit Russland weitgehend ausgesetzt haben.

Unwirtlich. Extrem. Dünn besiedelt

Trotz ihrer Größe von rund 20 Millionen Quadratkilometern ist die Arktis dünn besiedelt. Nur bis zu vier Millionen Menschen leben hier, viele von ihnen in kleinen Küstensiedlungen. Ein Teil gehört zu indigenen Völkern, den Athapasken, Ewenken, Inuit, Jakuten, Nenzen, Samen und Tschuktschen. Sie leben seit Jahrhunderten nicht gegen, sondern mit den harten Bedingungen des Nordens: mit Kälte, Wind und Dunkelheit. Winter ohne Licht, Sommer ohne Nacht. Temperaturen, die selbst im wärmsten Monat kaum über 10 Grad Celsius steigen. Die Arktis ist nicht nur extrem, sondern auch extrem wichtig, denn sie beeinflusst das gesamte Klimageschehen der Erde. Man kann sie sich wie einen natürlichen Thermostat vorstellen. Solange ihre Schnee- und Eiskappen intakt sind, reflektieren sie einen großen Teil der Sonneneinstrahlung zurück ins All – ein Effekt, den man »Albedo« nennt. Schmilzt das Eis, verschwindet diese weiße Schutzschicht. Dann nehmen dunklere Wasser- und Landflächen mehr Wärme auf. Das Ergebnis: Noch schnelleres Schmelzen. Noch mehr Wärme. Ein selbstverstärkender Kreislauf.

Die Arktis beeinflusst das Weltklima, aber nicht nur über Eis und Licht, sondern auch über das Wasser. Man kann sich das wie ein riesiges Förderband im Ozean vorstellen, angetrieben vom kalten, salzigen Wasser rund um Grönland. Dieses Wasser ist besonders schwer, weil es ebenso kalt wie salzreich ist. Es sinkt in die Tiefe und sorgt dafür, dass warmes Wasser aus südlicheren Regionen wie dem Atlantik nachfließt. Das Ganze nennt man thermohaline Zirkulation – »thermo« steht für Temperatur, »halin« für Salz. Die Arktis muss man sich als weltumspannenden Kreislauf vorstellen, der Wärme und Energie über die Meere verteilt. Ohne dieses System sähen unsere Klimazonen völlig anders aus: Europa wäre deutlich kälter, Teile Westafrikas noch trockener und Nordamerika unberechenbarer. Doch das Gleichgewicht gerät zunehmend ins Wanken. In den vergangenen Jahren haben Messreihen gezeigt: Teile der Barents- und Karasee erwärmen sich inzwischen bis zu siebenmal schneller als der globale Durchschnitt. Die gesamte Arktis etwa dreimal so stark. Forscherinnen und Forscher bezeichnen das als »arktische Verstärkung« – ein harmlos klingender Begriff für eine Entwicklung, die das Klimasystem völlig durcheinanderwirbelt. Besonders deutlich zeigt sich all das in Grönland – einer Region, in der Eis, Klima und geopolitisches Interesse aufeinandertreffen. Die Insel ist fast vollständig mit Eis bedeckt, manche Schichten sind bis zu drei Kilometern dick. Doch dieses Eis verliert an Masse – jedes Jahr ein Stück mehr. 2024 war das Minus mit rund 55 Gigatonnen vergleichsweise gering, aber der Trend ist eindeutig: Der Meeresspiegel steigt. Gleichzeitig wächst das wirtschaftliche Interesse an dem, was unter dem Eis liegt: Seltene Erden, Kobalt, Uran – Rohstoffe, die für Windräder, Smartphones oder Batterien gebraucht werden. Der industrielle Blick der Welt richtet sich verstärkt nach Norden und auf Rohstoffe, die lange unerreichbar waren.

Blick auf den majestätischen Ilulissat-Eisfjord: Seit mehr als 20 Jahren gehört er zum UNESCO-Welterbe.

Eine Handvoll Häuser

Spitzbergen – oder auf Norwegisch Svalbard – liegt rund 1000 Kilometer östlich von Grönland, mitten im Nordatlantik. Eine Inselgruppe, meist vom Nebel umhüllt und ständig dem Einfluss arktischer Tiefdruckgebiete ausgesetzt. Besonders im Winter sind Stürme häufig und können heftig sein. Trotzdem ist Spitzbergen heute einer der wichtigsten Orte für die Arktis-Forschung. Der Hauptort Longyearbyen zählt etwa 2500 Einwohner und Menschen aus mehr als 50 Nationen. Noch weiter nördlich liegt Ny-Ålesund, ein Ort mit gerade einmal einem Dutzend Häusern. Er ist die nördlichste, ganzjährig bewohnte Forschungsstation der Welt. Hier messen Wissenschaftler, was woanders noch nicht sichtbar ist: wie schnell das Klima kippt. Denn Spitzbergen ist ein Brennpunkt der Erwärmung, Gletscher schmelzen, Permafrost taut auf und wird instabil. Mit ihm könnten Methangase freigesetzt werden, die den Klimawandel weiter beschleunigen. Auch wirtschaftlich steht Svalbard vor einem Wandel. Gruve 7, die letzte aktive Kohlemine der Insel, soll 2025 schließen. Damit endet die fossile Ära – symbolisch und faktisch. Neue Schwerpunkte entstehen: Forschung, Satellitenkommunikation, Tourismus.

Und immer wieder: Geschichte. Von hier aus startete 1926 der norwegische Forscher Roald Amundsen mit dem Luftschiff »Norge« – und überflog als erster Mensch verlässlich den geografischen Nordpol. Zwei Tage später erreichte er Alaska. Eine Fahrt über absolutes Neuland.

Weiter südlich von Spitzbergen beginnt das norwegische Festland. Nordnorwegen ist ein Landstrich aus Fjorden, Felsen und Fischereihäfen. Hier liegt Tromsø, die größte Stadt der Region mit etwa 78.000 Einwohnern. Sie nennt sich selbst »Tor zur Arktis« – und das zu Recht. Tromsø ist ein logistisches Zentrum für Forschung, Fischerei und Satellitentechnik – viele Missionen starten von hier in Richtung Barentssee, dem fischreichsten Meer der Welt. Ganz im Osten Nordnorwegens liegt Kirkenes, ein norwegischer Außenposten an der Grenze zu Russland, geprägt von Eisenerzabbau, Hafenwirtschaft und einem Alltag zwischen Kooperation und geopolitischer Spannung.

Grönlands schmelzender Eisschild, Spitzbergens Permafrost-Labore und Nordnorwegens Energie- und Fischressourcen spiegeln drei Facetten einer Region, die Klimaschlüssel, Rohstoffreservoir und ein Ziel für Individualreisende zugleich ist. Und deren Wandel sich längst auf allen Kontinenten bemerkbar macht.

Blick auf die Arktis mit den Polregionen

EINE DOKUMENTATION: DER GEWISSE DREH

Eine Dokumentation zu drehen ist immer eine Herausforderung. Einerseits will man seine eigene Sicht auf die Dinge vermitteln, andererseits dabei so objektiv wie möglich bleiben. Ein Zwiespalt.

Kurzum, ich möchte, dass die Zuschauer meinen Blick nachempfinden können – aber eben nicht, indem ich alles erkläre oder kommentiere, sondern indem man die Welt durch meine Augen erlebt. Möglichst unmittelbar. Und trotzdem so objektiv wie möglich. Auch wenn das streng genommen gar nicht geht. Schon die Auswahl der Themen ist eine Entscheidung – sich für etwas zu entscheiden bedeutet zwangsläufig, gegen etwas anderes zu sein.

Ich versuche, mich jeder Doku möglichst naiv, fast kindlich zu nähern. Ich will mich nicht zu sehr vorbereiten, sondern offen bleiben. Für die Menschen. Für die Natur. Für das, was mir begegnet. In der Arktis war das besonders schwierig. Oft gab es eine massive Sprachbarriere. Viele Menschen, vor allem an der Ostküste Grönlands, sprachen nur Inuktitut. Manche konnten kaum Englisch oder nur wenig Dänisch – was nicht gerade zu meinen Kernkompetenzen zählt. Bei wissenschaftlichen Themen wird es zusätzlich kompliziert. Wir brauchten Dolmetscher, und das verwässert vieles. Trotzdem wollte ich ein echtes, authentisches Erlebnis schaffen. Und das war nicht einfach. Denn anders als bei Dreharbeiten mit erfundenen und gespielten Charakteren und Handlungen ist hier nichts vorbereitet. Kein Strom, kein Licht, keine Maske, keine Garderobe, kein Catering. Man ist zu fünft unterwegs, drei Wochen lang, nahezu ohne Privatsphäre. Natürlich hat man mal eine ruhige Minute. Aber im Grunde ist man permanent »on«. Ich muss jederzeit bereit sein, auf Menschen zuzugehen, mich mit ihnen zu unterhalten, interessiert sein. Ich mag das – es gehört zu meinem Wesen: Neugierde auf Menschen, auf Geschichten, auf Wissen …

BRÜCKEN BAUEN – AUSTAUSCH FÖRDERN

Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, Brücken zu bauen. Zu den Menschen vor Ort, aber auch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Da liegt oft Misstrauen in der Luft, auf beiden Seiten. Die Wissenschaftler sagen: »Wir sind wie Kassandra – wir sehen, was kommt, aber niemand hört uns.« Und die anderen verstehen sie nicht oder glauben ihnen nicht. Genau hier sehe ich meine Aufgabe: diesen Austausch zu fördern.

Die Menschen sollen spüren, dass wir nicht gekommen sind, um sie bloßzustellen. Wir wollen verstehen, was sie tun, was sie bewegt, was sie gelernt haben. Und was wir von ihnen lernen können. Wenn ich bei einer Doku jemanden treffe – wir nennen diese Menschen Protagonisten – und merke: Obwohl vorher alles abgesprochen war, hat die Person eigentlich gar keine Lust auf uns, dann wird’s schwierig. Das kommt häufiger vor, als man denkt. David, unser Regisseur, sagt dann oft: »Das könnte heute ein bisschen haarig werden.« Aber genau weiß man es nie. Wenn es tatsächlich so ist, geht es zuerst darum, Vertrauen aufzubauen, und zwar nicht erst, wenn die Kamera läuft. Ich gehe auch ohne Kamera auf die Menschen zu, rede mit ihnen, stelle Fragen, interessiere mich wirklich. Wir reden über Familie, über das Leben, über ganz andere Themen. Ich will verstehen, wer da vor mir steht. Nur so kann ich Vorbehalte abbauen. Wenn jemand merkt: Der interessiert sich wirklich für mich – dann kann etwas entstehen. Es ist ein Geben und Nehmen. Was brauchst du, was wünschen wir uns? Man darf nie aufhören, neugierig zu sein. Nur so lassen sich Brücken bauen.

Das Schönste ist, wenn plötzlich etwas aufbricht. Wenn ein echtes Gespräch entsteht. Wenn man spürt: Da ist gerade eine Begegnung. Vielleicht nur für ein paar Stunden, aber danach ist etwas anders. Bei mir, bei meinem Gegenüber. Weil wir etwas geteilt haben: Gedanken, Erfahrungen, eine Stimmung.

Offen sein für Menschen und ihre Geschichten – das ist es, was mich antreibt.

NATUR AUF DEM SILBERTABLETT

Genau das treibt mich an. Das macht mich glücklich. Das ist der Grund, warum ich Dokumentationen mache – und Bücher wie dieses. Wenn mir jemand sagt: »Du bist Schauspieler? Wahnsinn, so viel Text lernen!«, dann antworte ich: »Der Text ist das Einfachste.« Die eigentliche Kunst liegt woanders. In der Arktis liegt die Natur quasi auf dem Silbertablett. Sie ist spektakulär, beeindruckend, überwältigend. Aber das Eigentliche, das Wesentliche – das sind die Menschen. Ihre Geschichten, ihre Erlebnisse, ihre Gedanken, ihre Gefühle. Ich will Geschichten von Menschen erzählen – für Menschen.

In der Arktis lässt Natur einen still und demütig werden. Und: Man schaut anders auf die Welt, wenn man erkennt, wie verletzlich sie ist.

AUFBRUCH IN UNBEKANNTES TERRAIN

Unter mir Wolken- und Eismeer. Meine Reise in arktische Gefilde, für mich absolutes Neuland, hat begonnen.

VORBEREITUNGEN, VORFREUDE UND REISEFIEBER

Wie vor jeder größeren Reise gibt es viel zu erledigen: Packen, sortieren, Checklisten abhaken, letzte Besorgungen. Hinzu kommt: Ich will mich voll und ganz auf das Abenteuer Arktis einlassen, weil mir dieses Reiseziel so sehr am Herzen liegt.

Die Dreharbeiten für die 16. und 17. Staffel der »Bergretter« sind seit einer Woche abgeschlossen. Am Wochenende war ich noch in Leipzig und Malente, Promo für mein »Bergretter«-Buch und die neue Staffel, die Ende des Jahres im Fernsehen läuft. Danach ging’s mit Sack und Pack zurück nach Hamburg. Und jetzt ist es fast so weit: In drei Tagen beginnt meine Reise in die Arktis.

30.10.2024 – Hamburg - Elsfleth /Bremen

Mental habe ich mich kaum vorbereiten können. Zu Hause ist noch viel zu erledigen, und ich will jede freie Minute mit meiner Frau und den Kindern verbringen. Trotzdem wird es höchste Zeit, meine Packliste durchzugehen. Ich habe nur einen 40-Liter-Rucksack. Die Ansage lautet: Wir sind ständig unterwegs, also nur das Nötigste mitnehmen! Aber was ist das Nötigste in der Arktis? Ich habe keinen blassen Schimmer. Nur eines ist klar: Meine Klimmzugstange muss mit. Ohne Sport ist es schwierig für mich.