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Alexandra Gregus gewann im Frühjahr 2017 die 9. Staffel des TV-Abnehmformats The Biggest Loser. Das ist doppelt bemerkenswert: Sie ist die erste weibliche Gewinnerin und außerdem die mit der bisher höchsten Gewichtsabnahme von 51,4 Prozent Ihres Körpergewichts. Gregus war schon als Kind leicht übergewichtig. Es folgten zahlreiche Diäten und immer wieder der Jo-jo-Effekt, bis sie schließlich an The Biggest Loser teilnahm, ihr Gewicht halbierte und anschließend hielt. In ihrem Buch erklärt sie, wie sie das geschafft hat, worauf sie bei ihrer Ernährung achtete und wie sehr Sport ihr geholfen hat – mittlerweile arbeitet sie sogar selbst als Trainerin. Mit ihrer Geschichte motiviert sie Abnehmwillige, es ihr gleichzutun und endlich dauerhaft Gewicht zu verlieren.
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Seitenzahl: 157
Veröffentlichungsjahr: 2018
ALEXANDRA GREGUS
ALEXANDRA GREGUS
Meine 44 besten Tipps zum Abnehmen
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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Für Fragen und Anregungen
Wichtiger Hinweis
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Originalausgabe
2. Auflage 2019
© 2019 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
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Redaktion: Claudia Fregiehn
Umschlaggestaltung: Laura Osswald
Umschlagabbildung: Stephan Pick Photography
Illustrationen im Innenteil: Shutterstock.com: BesticonPark, Happy Art, Cube29, bsd, Artur. B, Picture Window, Redline Vector, Kid A, davooda, ConceptVectorDesign, Iconic Bestiary, matius, Introwiz1, Genestro, ksenvitaln, HN Works, AVIcon, Vadim Almiev, Pensiri, howcolour, MicroOne, Ctrl-X, Sabuhi Novruzov, Imagination lol, yut548, Santitep Mongkolsin, a Sk, Lazuin, tomes, metsi, Wonderful Pixel, Oxy_gen
Layout und Satz: inpunkt[w]o, Haiger (www.inpunktwo.de)
Druck: GGP Media GmbH, Pößneck
eBook: ePubMATIC.com
ISBN Print 978-3-86883-572-4
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-0277-6
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-0278-3
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Mein Arschtritt – wie ich zu The Biggest Loser kam
Gefangen im eigenen Körper – ich will raus!
Ärger einfach runterschlucken? – Wie mich mein falsches Essverhalten fett und krank gemacht hat
Wer bin ich? Und wer will ich sein? – Der neue Fokus auf mich selbst
Kalorien, Energieumsatz und Fett – wie funktioniert eigentlich Abnehmen?
Dranbleiben – gesunde Ernährung statt Diät
Meine Tipps und Regeln zum Abnehmen
1. Was willst du erreichen? Fokussiere dich beim Abnehmen auf dein persönliches Ziel!
2. Welchen Einsatz bist du bereit zu leisten?
3. Ich würde ja gern abnehmen, aber …
Wie du mit dem Abnehmen endlich loslegst!
(statt ständig Ausreden zu erfinden)
4. Hole dir zum Abnehmen jede Hilfe, die du kriegen kannst!
5. Akzeptiere, dass du nie wieder so essen wirst wie früher!
6. Kenne deinen Energieumsatz!
7. Finde heraus, wie viele Kalorien in deinem Essen stecken – und dokumentiere alles in einem Ernährungs tagebuch
8. Erzeuge dein Kaloriendefizit durch Essen UND Sport!
9. Treibe mindestens viermal in der Woche Sport
10. Mache eine Mischung aus Kraft- und Ausdauer training!
11. Meide industriell verarbeitete Lebensmittel
12. Lies dir die Zutaten von jedem Lebensmittel durch, das du kaufst
13. Was du nicht eingekauft hast, kannst du auch nicht essen
14. Ersetze Zucker durch andere Süßungsmittel
15. Spare beim Salz
16. Baue in deine neue Ernährung die richtigen Kohlenhydrate und jede Menge Ballaststoffe ein
17. Gesunde Ernährung bedeutet nicht automatisch kalorienarme Ernährung
18. Lerne die Handlehre, um vernünftige Portionsgrößen zu essen!
19. Iss ausreichend Eiweiß
20. Genieße dein Essen bewusst und mache es dir dabei schön
21. Entscheide dich, wie oft am Tag du etwas isst
22. Plane deine Mahlzeiten im Voraus
23. Höre auf, Fruchtsäfte oder Softdrinks zu trinken!
24. Trinke viel Wasser!
25. Trinke wenig Alkohol
26. Keine Snacks zwischendurch!
27. Putze dir nach dem Essen die Zähne
28. Wenn du Hunger oder Appetit hast, trinke erst einmal etwas
29. Trinke ab und an einen warmen Tee
30. Iss weniger (rotes) Fleisch
31. Iss keine Kohlen hydrate mehr am Abend!
32. Schlafe dich stark und satt!
33. Quäle dich und gehe in jedem Training an deine Grenze!
34. Konfrontiere dich mit deinem Gewicht
35. Erwarte bei der Rückbildung deiner Haut keine Wunder
36. Kaufe dir jede Menge Kochbücher
37. Folge keinem Ernährungstrend
38. Nahrungs ergänzungs mittel können beim Abnehmen sinn voll sein
39. Lasse dich nicht von Abnehmwunderpillen oder -pülverchen verführen
40. Solltest du Raucher sein, lass es bleiben
41. Dokumentiere die Fortschritte, die dein Körper macht
42. Überprüfe, wie gut du deinen Plan umgesetzt hast!
43. Belohne dich für deine Abnehmerfolge
44. Glaube an dich!
Mein neuer Körper, mein neues Leben – was Sport und gesunde Ernährung mir gebracht haben
Mein neues Ich
»Ich heiße Alexandra und ich wiege 103,4 Kilo.«
Als ich diesen Satz zu Beginn der TV-Sendung The Biggest Loser aussprechen musste, empfand ich Scham und Wut. In diesem Augenblick stand ich, nur mit einer Trainingshose und einem limettenfarbenen Bustier bekleidet, auf einer großen Waage in einem Weinlager in Andalusien. Es war der Moment, in dem bei jedem Kandidaten des berühmten Abnehmwettbewerbs das Startgewicht ermittelt wurde. Obwohl beim Wiegen nur die anderen Kandidaten und die Coaches mit dabei waren, hatte ich das Gefühl, auf meinem unförmigen Körper auch die Blicke der Millionen TV-Zuschauer zu spüren. Blicke der Sensationsgier, des Entsetzens und des Ekels.
Auf der Waage neben mir stand mein Schwager David. Mit ihm zusammen bildete ich, so wie die anderen Kandidaten auch, ein Zweierteam, das Team Limette. Wir hatten bereits die erste Challenge hinter uns, bei der alle Kandidaten der Show fünf Kilometer durch die Hitze Andalusiens marschieren mussten. Die Challenge sollte darüber entscheiden, welche Teams in der ersten Woche in der schönen Luxusunterkunft mit Pool wohnen durften und welche in dem spartanisch eingerichteten Zeltlager hausen mussten. Auf dem Weg in unser Quartier mussten wir durch Gülle kriechen, schwere Holzbalken schleppen und stapeln und über ein meterhohes Hindernis klettern. David und ich kamen als Erste an.
Allein wäre ich niemals auf die Idee gekommen, mich für The Biggest Loser zu bewerben. Ich kannte die Sendung schon und war von den Leistungen der Teilnehmer oft schwer beeindruckt. Wer wie ich jahrelange Diäten hinter sich hat, weiß genau, was die Kandidaten auf sich nehmen müssen, um so schnell so viel Gewicht runterzubekommen. Ich war immer wieder fasziniert davon, wie sehr sich die Erscheinung der Kandidaten im Lauf der Sendung veränderte, und insgeheim dachte ich: »Das willst du doch auch.« Ich konnte mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, mich selbst eines Tages halbnackt vor einem Millionenpublikum zu zeigen oder gar in Tränen auszubrechen, wie es zwangsläufig passiert, wenn man an seine Grenzen gehen muss oder diese womöglich sogar überschreitet. Ich hatte zudem auch gemerkt, dass das Tempo, in dem die Kandidaten abnehmen mussten, immer höher wurde. Gab es früher noch The Biggest Loser-Staffeln, die sich über acht Monate hinzogen, waren es 2016 nur noch sechs Monate. Im Jahr 2017, als ich an der Show teilnahm, dann sogar nur noch fünf Monate. Ein Höllentempo. Konnte das gesund und sein und vor allem einen nachhaltigen Effekt haben?
Dafür, dass ich letzten Endes tatsächlich in die Sendung kam, war vor allem mein Schwager David verantwortlich. David hatte damals mit einem Übergewicht von mehr als 140 Kilogramm zu kämpfen und war entschlossen, sich für The Biggest Loser zu bewerben. Und tatsächlich, die Produktionsfirma zeigte auch bald Interesse an ihm. Das Problem: In der Staffel 2017 sollten zu Beginn der Sendung Zweierteams an den Start gehen. David brauchte also einen Partner. Als er mich fragte, ob ich das nicht sein wolle, war ich hin- und hergerissen. Einerseits sah ich die Sendung als große Chance, mein Gewichtsproblem endlich in den Griff zu bekommen. Andererseits würde ich dafür den Preis bezahlen, mich in aller Öffentlichkeit entblößen zu müssen. So wie in dem Moment, in dem ich nur mit einer Trainingshose und einem limettenfarbenen Bustier bekleidet auf der großen Waage stand und am liebsten im Boden versunken wäre:
Ich schämte mich, dass mich jeder so sehen konnte, wie ich war: fett und – in meinen Augen – auch abstoßend. Ich war wütend auf mich selbst, dass ich mich über die Jahre so hatte gehen lassen und mich nun in dieser peinlichen Situation befand. Das Letzte, woran ich damals auf der Waage dachte, war, dass ich The Biggest Loser womöglich gewinnen könnte. Ich war eine der »leichtesten« Kandidatinnen von allen, und ich hatte in den früheren Staffeln gesehen, dass die Kandidaten mit dem geringsten Startgewicht meist auch sehr früh ausschieden. Genau davon ging ich auch bei mir aus. Mein Trainer Ramin Abtin bestätigte mir später meine Beobachtung und machte mir gleich zu Beginn unserer Zusammenarbeit im Bootcamp klar, dass ich härter an mir arbeiten müsste als die anderen, um die ersten Wochen zu überstehen. Doch es gab noch einen anderen Grund, aus dem mir ein Sieg in der Sendung utopisch schien: Ich war eine Frau. Und noch nie zuvor hatte eine Frau bei The Biggest Loser gewonnen. Zwar hatten es Kandidatinnen immer mal wieder bis ins Finale geschafft, am Ende hatten aber immer die Männer die Nase vorn. Mir persönlich war das egal. Ich wollte in der Sendung gar nicht gewinnen. Mein Plan war ein ganz anderer: Für mich sollte die Sendung mein persönlicher Anfang sein, mein Arschtritt, den ich brauchte, um endlich mit dem Abnehmen anzufangen.
»Willkommen in deinem neuen Leben.« Dieser Satz fällt in der Final-show von The Biggest Loser immer dann, wenn die Kandidaten noch einmal ihrem alten übergewichtigen Ich gegenübertreten. Für Außenstehende mag dieser Satz kitschig und übertrieben klingen. Aber er ist wahr. Mein Leben mit Normalgewicht ist ein vollkommen anderes, besseres als das mit massivem Übergewicht. Ich fühle mich fitter, ich bin selbstbewusster und wieder ein viel aktiverer Mensch. Und ich bin endlich wieder ich selbst.
In der Zeit, als ich mehr als 100 Kilogramm wog, hatte ich das Gefühl, ein anderer Mensch zu sein. Jemand, den ich selbst gar nicht kannte und der ich auch nicht sein wollte. Mit jedem Kilo, das ich zunahm, veränderte ich mich nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Ich entwickelte eine immer größere Abneigung und sogar Hass gegen mich selbst. Ich wurde immer introvertierter und zog mich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Statt mit meinen Freundinnen auszugehen und Spaß zu haben, wie man das mit Mitte zwanzig so macht und wie ich es eigentlich auch gern getan hätte, veranstaltete ich lieber DVD-Abende bei mir zu Hause. Vor die Tür zu gehen, mich in der Öffentlichkeit zu zeigen – das war der pure Stress für mich. Draußen hatte ich immer das Gefühl, die Blicke der Leute zu spüren. Ständig kreisten meine Gedanken darum, was andere wohl über mich und meinen fetten Körper dachten.
Ich hatte auch nur noch funktionale Kleidung – Jeans und Schlabber-T-Shirts. Kleider, in denen ich mich selbst attraktiv fand, passten mir schon lange nicht mehr, und ich wollte auch erst gar keine in meiner Übergröße kaufen, weil ich ja eigentlich abnehmen wollte. Wenn ich jedoch daheim vor dem Spiegel stand und sah, wie wieder ein bisschen mehr Fett über den Hosenbund schwappte, dachte ich nur: Wie ekelhaft. So kann ich mich draußen doch nicht zeigen. Also war die Laune für den Abend mal wieder im Keller und ich blieb zu Hause.
Nach einem anstrengenden Arbeitstag hatte ich auch meist gar nicht mehr die Kraft für andere Aktivitäten, geschweige denn Lust darauf. Wenn ich mich dann doch einmal aufraffte, um etwas zu unternehmen, war es mir viel zu anstrengend. Stattdessen fing ich lieber an zu nähen – ein Hobby, bei dem ich mich kaum bewegen musste und die ganze Zeit über sitzen konnte. Eine Beziehung konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr vorstellen. Ich fand mich ja selbst weder ästhetisch noch anziehend. Wie sollte mich da ein Mann gut finden? Glücklich war ich dabei allerdings nicht. Stattdessen fühlte ich mich in meinem Körper gefangen und war gefrustet. Und was machte ich, wenn ich gefrustet war?
Noch mehr essen.
Es soll ja Menschen geben, die vergessen zu essen, wenn sie Stress haben. Ich bin keiner von dieser Sorte. Im Gegenteil, wenn ich früher besonders viel zu tun hatte oder emotional aus der Bahn geworfen wurde, war Essen mein Mittel, um wieder runterzukommen. Ich aß, wenn ich mich ausgepowert oder schlecht fühlte. Hier ein Stück Kuchen, dort eine Laugenbrezel. Kartoffelchips und Pizza gingen sowieso immer. Über die Jahre hatte ich mir dieses Muster angewöhnt. Ging ich zum Beispiel mit meiner Schwester shoppen und fand nach stundenlanger Suche nichts Passendes zum Anziehen für mich, tröstete ich mich eben in einem Café mit einem Eisbecher. Es hat mir halt auch immer gut geschmeckt. Essen hat mich glücklich gemacht. (Das macht es heute noch. Aber auf eine vollkommen andere Art und Weise als damals.) Im ersten Moment haben mir Eis, Pizza, Sahnetorte oder Schokolade immer unheimlich viel Befriedigung verschafft und meine negativen Gefühle überlagert. Solange ich all die leckeren Sachen aß, fühlte ich mich wohl. Denn ich aß nicht einfach nur zu viel und die falschen Dinge, ich schluckte mit jedem Bissen auch meine schlechte Stimmung hinunter und lenkte mich von meinen eigentlichen Problemen ab. Sobald ich aber aufhörte zu essen, kamen der Stress und die negativen Gefühle sofort wieder zurück.
Ich machte mir stattdessen Vorwürfe, dass ich schon wieder so viel gegessen, ach was, in mich hineingestopft hatte, obwohl ich das doch eigentlich gar nicht mehr wollte. Je länger mein Gedankenkarussell kreiste und je schlechter meine Gefühle mir selbst gegenüber wurden, desto stärker wurde mein Verlangen nach einem kleinen Stückchen Glück. Eine Praline vielleicht? Oder ein kleiner Schokopudding?
Mit der Zeit geriet ich in einen Teufelskreis, in dem ich mein Essverhalten gar nicht mehr unter Kontrolle hatte. Auch körperlich kam ich immer mehr an meine Grenzen. Schnell mal zur Bushaltestelle oder zum Auto laufen – das ging bald gar nicht mehr. Jedes Mal wenn ich mich die Treppen zu meiner Wohnung hochquälte – ich wohne in der dritten Etage –, dachte ich, mich trifft der Schlag. Selbst das Zubinden der Schuhe fing an, mir schwerzufallen. Ein erstes Alarmsignal für mich war, als mein Arzt Bluthochdruck bei mir diagnostizierte und meinte, der müsse medikamentös eingestellt werden. Das mulmige Gefühl, das mich deswegen immer mal wieder beschlich, versuchte ich zu verdrängen. Ich redete mir ein, dass dieser Bluthochdruck erst dann zu einem ernsthaften Problem werden würde, wenn ich jahrelang darunter litte. Aber so weit würde es nicht kommen. Ich würde ja schon bald abnehmen. Ich dachte: Jetzt nehme ich erst mal die Pillen und morgen fange ich mit der Diät an, damit der Bluthochdruck auch ohne die Tabletten nicht mehr da ist. Morgen. Ganz bestimmt. Aber dieses Morgen wurde niemals zu einem Heute. Ich schaffte es höchstens mal, zwei oder drei Tage lang vernünftig zu essen, doch dann kam mir wieder irgendwas dazwischen. Die Geburtstagsfeier einer Freundin, Stress bei der Arbeit …
Es dauerte nicht lange und mein mulmiges Gefühl zu dem Bluthochdruck verwandelte sich in Angst. Einmal sagte mein Augenarzt während der Untersuchung fast beiläufig: »Sie wissen aber schon, dass Sie Bluthochdruck haben, oder?« Er hatte es an meinem Augenhintergrund ablesen können. Ich fiel aus allen Wolken. Ich hatte dem Augenarzt nichts von meinem Bluthochdruck und den Tabletten, die ich dagegen nahm, erzählt. Hätten die Medikamente das Problem nicht eigentlich lösen sollen? Ganz offensichtlich hatte mein massives Übergewicht bereits meinen Körper in Mitleidenschaft gezogen. In mir wuchs die Furcht vor einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt. Von diesem Moment an wusste ich genau, dass ich etwas gegen mein Übergewicht tun musste. Trotzdem fühlte ich mich wie gelähmt, den ersten Schritt zu machen. Während ich früher noch mit radikalen Diäten binnen Wochenfrist immer mal wieder ein paar Kilo abnehmen konnte, schaffte ich das mit Ende zwanzig nicht mehr. Ich fand einfach den Einstieg nicht mehr. Ich konnte mich nicht mehr dazu aufraffen, eine Diät anzufangen und durchzuziehen. Wozu auch? Da ich früher nach meinen Diäten sofort wieder in alte Ess- und Bewegungsmuster gefallen war, hatte ich die Kilo danach meist genauso schnell wieder drauf, wie ich sie verloren hatte. Der Jo-Jo-Effekt lässt grüßen.
Ich kann bis heute nicht sicher sagen, ob ich ohne die Teilnahme an The Biggest Loser je wieder auf ein normales Gewicht gekommen wäre. Dass ich es geschafft habe und seit mehr als einem Jahr mein Wunschgewicht halte, verdanke ich im Wesentlichen zwei Dingen: Erstens dem bereits angesprochenen Tritt in den Hintern, der die Sendung für mich war, und zweitens der Tatsache, dass ich in den fünf Monaten gelernt habe, wie Abnehmen wirklich funktioniert. Dauerhaft und ohne Jo-Jo.
The Biggest Loser ist vor allem eine Show. Die TV-Sendung soll möglichst viele Menschen unterhalten. Um das zu erreichen, werden natürlich die Qualen und Strapazen, die Konflikte und die emotionalen Zusammenbrüche der Kandidaten besonders in den Mittelpunkt gestellt. Doch es passieren in dieser Sendung auch Dinge mit einem, die die Kamera nicht festhält und wohl auch gar nicht festhalten kann.
Dazu muss man wissen, dass es im Camp keinen Fernseher und kein Handy gab. Wir waren in der Zeit bei The Biggest Loser vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Bei mir waren das ganze zwei Monate, in denen ich weder mit Freunden noch mit meiner Familie sprechen konnte. Mit der Isolation hatte ich sehr zu kämpfen. Wenn ich einen furchtbaren Tag habe – und davon gab es einige im Camp –, dann möchte ich das am Abend loswerden und mich mit jemandem austauschen. Klar hatte ich mit meinem Schwager im Camp eine Vertrauensperson dabei, die immer gemeinsam mit mir gekämpft hat, immer für mich da war und mich immer unterstützt hat. Doch wir waren nicht so eng miteinander, als dass ich mich bei ihm mal ausweinen und meine Emotionen komplett rauslassen konnte. Normalerweise finde ich in Zeiten, in denen es mir nicht so gut geht, immer bei meinem Lieblingsmenschen Halt, bei meiner Schwester. Es fiel mir unheimlich schwer, dass ich meine Erfahrungen und Erlebnisse aus dem Camp nicht sofort mit ihr teilen konnte.
