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Vier skurrile Heimsuchungen, in die Peter Wipper nicht ganz unschuldig hineingerät. Turbulent-leichte Unterhaltung voller Wortwitz, die Shopping-Phobien, Technikverliebtheit und nicht zuletzt den Ich-Erzähler selbst genussvoll auf die Schippe nimmt. "Der Hosenkrieg" - Peter Wippers Shopping-Phobie lässt einen eigentlich harmlosen Samstag in der Kölner Innenstadt zum turbulenten Einkaufsabenteuer werden. In "Wie man ein Gartenhaus baut" plant Peter Wipper ganz akribisch, aber das Projekt läuft bald völlig aus dem Ruder. "Das interessanteste Restauranterlebnis" - sein abenteuerlicher Bericht macht Peter Wipper zum Star inmitten einer eigentlich langweiligen Runde. Der Kauf eines Saugroboters stellt das Familienleben der Wippers völlig auf den Kopf in "Mein Freund Excavus".
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Seitenzahl: 55
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Peter Wipper
Meine vergnüglichsten Katastrophen
Vier heiter-ironische Kurzgeschichten mit allerlei Skurrilitäten
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Der Hosenkrieg
Wie man ein Gartenhaus baut
Mein Freund Excavus
Das spannendste Restauranterlebnis
Nachwort zum Nashorn
Impressum neobooks
Das Wochenende war versaut, bevor es überhaupt angefangen hatte. Ganz gleich, wie anstrengend die Arbeitswoche auch gewesen war und wie sehr ich eigentlich mal null Stress gebrauchen konnte, meine Frau sprach diesen grauenvollen Satz an einem Freitagabend ohne jedes Erbarmen aus: „Du brauchst mal wieder neue Hosen.“
„Nun“, wird sich vor allem die weibliche Leserschaft fragen, „wo ist das Problem?“. Falls aber tatsächlich einer der männlichen Leser sich das auch fragen sollte, gehört er vermutlich zu diesen verweiblichten Typen, die nur für eine blöde Hose begeistert von einer Boutique zur nächsten rennen. Daher zur Erläuterung für die „Wo ist das Problem?“-Frager: Echte Männer alter Schule geben niemals ihre bestens eingetragenen Hosen schon nach wenigen Jahren einfach so auf für so eine kratzende Neuware. Und dann ist da noch der Horror des Einkaufs selbst, wo man zerquetscht zwischen Kleiderständern das stumpfsinnige Gequatsche von Verkäufern und Ehefrau ertragen muss. Und statt dass man für diese Qualen so eine Art Schadenersatz bekommt, muss man auch noch am Ende womöglich einen halben Wochenlohn opfern.
Ich ahnte, es war zwecklos, protestierte aber dennoch wie ein kleiner Junge, der zum Friseur muss. „Ich habe den ganzen Schrank voller Hosen, kaum habe ich mal eine Hose ein paar Mal angehabt, geht bei dir der Daumen nach unten und sie ist angeblich völlig unbrauchbar.“ Es folgte ein Kurzvortrag meiner Frau über meinen Kleiderschrank als Karrierekiller: alles voller peinlicher Klamotten, mit denen ich mich im Büro blamieren würde. Und außerdem: Ich könnte mich ja auch mal für SIE hübsch machen. „Hallo? Mit einer Hose?“, warf ich ein. Aber es war hoffnungslos, in den Augen meiner Frau duldete das Thema keinen Aufschub mehr. „Nächstes Wochenende!“, schlug ich als Kompromiss vor, worauf meine Frau mich daran erinnerte, dass dann ihre Mutter Geburtstag habe. Ich sehnte mir Schwiegermutters Geburtstag verzweifelt schon für dieses Wochenende herbei.
Eigentlich kann man nach Auffassung meiner Frau auch in unserem Wipperfürth Hosen kaufen, aber das war mir viel zu verbindlich. In der Anonymität der Kölner Haupteinkaufsstraße "Schildergasse" kann man nämlich einfach wortlos oder mit einem dahin genuschelten „Tschö!“ jederzeit aus großen Läden flüchten. In einer Kleinstadt ist der Inhaber oft um einiges engagierter und in seiner Ehre gekränkt: „Wie, Ihnen gefallen meine Hosen nicht? Bevor Sie gehen, ich hab‘ da noch eine, warten Sie mal …“
Zunächst hatte ich erst einmal Frau und Töchter gleich bei Ankunft in Köln zum Essen einladen wollen, aber das war den Dreien zu früh, was natürlich Quatsch ist, man kann ja auch mal vor elf zu Mittag essen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir es dann auch bei dem Essen und einem kurzen Besuch im Buchladen bewenden lassen und anschließend wieder nach Hause fahren können.
Aber meine Frau war so richtig in Shopping-Kampfstimmung und hatte einen klaren Marschbefehl für uns vier: Schildergasse, und dort ins verglaste riesen Flaggschiff-Haus eines führenden Textilhändlers, das passender Weise die furchterregende Form eines überdimensionalen Walfisches hat. „Oh Herr, er will mich fressen!“, dachte ich an das Bibelwort, als wir mit den Menschenmassen durchs Portal gespült wurden. Der laut Altem Testament vom Wal verschluckte Jona hatte es ja vergleichsweise noch gut getroffen: SEIN Wal war vermutlich nicht von oben bis unten mit Kleiderständern vollgestopft gewesen.
Ich neige eigentlich nicht zu Klaustrophobie, ich kann in engen Fahrstühlen stehen oder mich bestimmt auch notfalls durch irgendwelche Höhlen quetschen, aber diese Kleiderständer sind etwas ganz anderes. Sie stoßen Staub und Gerüche aus, lassen einen schwer atmen, und wenn man ihnen zu nahe kommt, klebt plötzlich so ein lebloser Ärmel an einem. Und so manch ein Kunde ist bestimmt schon unverschuldet in Kleiderständer-Labyrinthe geraten, aus denen er abends vom Personal befreit werden musste.
Meine Töchter hatten es gut, sie durften sich im Untergeschoss im Kinderbereich vor einen großen Fernseher setzen, wobei die Ältere genervt tat, so einen peinlichen Kinderkram sehen zu müssen. Ich erklärte ihr, wie gerne ich mit ihr tauschen würde, als meine Frau und ich die Rolltreppe, meinem Schicksal entgegen, nach oben nahmen.
Ich hätte einer Wurzelbehandlung beim Zahnarzt den Vorzug gegeben, wenn ich nur hätte wählen dürfen. Aber durfte ich ja nicht, sondern musste jetzt wie ein kleiner Junge herumstehen, damit jeder an mir herumfummeln konnte. So ein Hosenverkäufer-Gequatsche ist eh nichts für schwache Nerven, kein Satz ohne das Wort „Hose“! Aber der Typ war ein solch krasser Fall, dass mir dabei langsam übel wurde. Er machte den Hosenkauf zu einer so komplizierten Sache, dass der Kauf einer Luxusyacht vermutlich ein Klacks dagegen ist. Offensichtlich bestand für ihn, diesen neurotisch Hosenfixierten, die Welt nur aus guten Hosen, schlechten Hosen und dann irgendwann allen Nicht-Hosen, wie Menschen, Häusern, Autos und so weiter.
Meine Frau diskutierte dann mit dem Verkäufer mein Problem – natürlich nicht mit mir, ich war jetzt nur noch anzuziehendes Objekt. Größe 52 passe nicht, ich bräuchte schon 54. Dann müssten aber die Hosenbeine gekürzt werden. Der Verkäufer stellte fachmännisch korrekt fest, dass meine Beine eben etwas kürzer seien. Meine Frau musste natürlich widersprechen: „Früher passte 52. Es sind ja nicht die Beine geschrumpft, sondern doch wohl eher der Bauch ein wenig gewachsen.“
Nach gefühlten zwei Kilometern Wanderung durch endlos viele Kleiderständer gab es endlich eine Hose für mich. Der Verkäufer und meine Frau waren gleichermaßen entzückt: „Da haben wir ja Glück, gerade noch eine in 54.“ Es war so eine richtig steif-kratzige Hose ohne jeden Tragekomfort, das konnte ich schon am Stoff fühlen. Aber sie war angeblich genau die Richtige für mich. Daher gab es in der informellen Abstimmung unter uns Dreien eine Zweidrittel-Mehrheit für diese Hose. Dass ICH sie würde tragen müssen, gab mir kein Vetorecht, das war ja wohl eine riesen Schweinerei. Aber die beiden hatten die Rechnung ohne mich gemacht. Ich hatte nämlich schon eine Weile einen Bügel mit durchaus tragbarer Hose bei der ganzen langen Wanderung durch die Kleiderständer mitgenommen, sehr zum Missfallen meiner Frau, die diese als „eher grenzwertig“ bezeichnete, was auch immer das heißen mochte.
