Mensch, wie lebst du? - Silvana Betschart - E-Book

Mensch, wie lebst du? E-Book

Silvana Betschart

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Beschreibung

Dieses Buch ist eine Art Zukunftsvision. Es handelt von Achtsamkeit und von einer neuen Richtung. Es befasst sich mit den Chancen, die es zu erkennen und zu ergreifen gilt. In diesem Buch geht es um Suffizienz, um einen zukunftsfähigen Weg und um ein anderes Leben. Es geht um die Frage nach dem «richtigen Leben». Jeder kann sich inspirieren lassen. Wie lebe ich jetzt und wie könnte ich mein Leben in Zukunft gestalten? Welchen Beitrag kann ich im Hier und Jetzt in meinem Umfeld leisten? Was kann ich tun, damit kommende Generationen eine lebenswerte Zukunft haben? www.milstolpe.net

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Seitenzahl: 114

Veröffentlichungsjahr: 2021

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AUFTAKT

Wir schreiben das Jahr 2018, Meteorologen sagten Sturm an, und wahrlich, es stürmt. Im Wetterbericht wurde bekanntgegeben: Gefahrenzonen gibt es in der ganzen Schweiz.

Die Natur war schon immer unberechenbar, gnadenlos, voller Gefahren, bewundernswert schön, seit Jahrmillionen anpassungsfähig und daher voller Überraschungen. Hat der Mensch vergessen, dass er ein Teil davon ist?

Trotz Sturmwarnung stellen die Menschen den Karton schön gebündelt auf die Strassen. Gemäss Abfallkalender steht nämlich die Kartonsammlung an. Doch der Sturm verteilt die Kartonbündel in alle Himmelsrichtungen. Es ist amüsant, oder handeln diese Zweibeiner damit eher unüberlegt, beinahe arrogant?

Die Fakten und Berechnungen sind klar und jeder, der sich um die Zukunft seiner Kinder und Grosskinder sorgt, hat all diese Risiken erkannt, oder etwa nicht? Unzählige Dokumentarfilme zeigen, was der Mensch alles schon kaputtgemacht hat, respektive laufend, schleichend mit seinem alltäglichen Lebensstandard zerstört. Eine Aufzählung, bei der es mir kalt über den Rücken läuft:

Bis ins Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung auf 9,8 Milliarden Menschen ansteigen.

Vier von fünf Personen werden im Jahr 2050 auf der Südhalbkugel leben.

In zwanzig bis dreissig Jahren sind die Ölreserven restlos aufgebraucht.

Kriege werden ausbrechen, weil die Ressourcen ausgehen.

Seit 2018 sind in Frankreich für Säuglinge elf Impfungen Pflicht. Die Folgen und Nebenwirkungen sind NICHT ausgiebig erforscht.

Wie viele Menschen sind offensichtlich oder hinter den Kulissen krank? Für die meisten Menschen gibt es immer noch NUR die offensichtlichen Krankheiten mit einer Diagnose, die physisch oder psychisch bedingt ist.

Doch wie krank sind wir Menschen in der heutigen Gesellschaft wirklich?

Krankenkassenprämien steigen – möchte die Gesellschaft, dass der Mensch krank ist oder immer wieder krank wird?

Krankheit gab es schon immer, wo aber ist unsere natürliche Gesundheit geblieben, also unsere natürliche Einstellung zu Krankheit und Gesundheit? Es braucht eine Balance zwischen beiden Polen, denn beide sind Bestandteil unseres Lebens.

Haben wir vergessen, dass wir auch sterben werden? Jeder von uns hat seine Zeit als Gast auf diesem Planeten. Lebewesen wie Pflanzen und Tiere wissen das und wehren sich nicht dagegen, weil es natürlich ist. Weiss der Mensch das noch? So viele Menschen werden am Leben erhalten, obwohl sie sterben möchten, weil sie merken, dass die Zeit dafür gekommen ist.

Essen wir den Planeten auf? Für die Produktion von 1 kg Fleisch werden 10 kg Futtergetreide und mehr als 100 l Wasser benötigt. Die Böden für Futtergetreide werden meist in Monokulturen bebaut, nach einigen Jahren sind sie ausgelaugt. Danach werden sie synthetisch gedüngt, gar genmanipulierte und angeblich resistentere Samen von Futtergetreide werden gesät. Leider besitzt dieses Saatgut viele Jahre lang zu wenig Abwehrkräfte. Die Folge ist, dass Unmengen von Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden müssen. Chemie gerät also direkt in den Boden und auf das Futtergetreide (Soja) von Mastvieh, um den Menschen mit Fleisch zu versorgen. Unsere Realität.

In Brasilien mussten die meisten Bauern ihr eigenes Land verkaufen, um ihre Familien zu ernähren, um zu überleben. Nun arbeiten sie selbst auf diesen Feldern und sind der Chemie ausgesetzt, werden krank. Es fehlt an Nahrungsmitteln für den Menschen. Zum Beispiel fehlt es an Gemüse oder Obst, da die meisten Felder nur für Futtergetreide oder Palmöl eingesetzt werden. Die Auftraggeber dieses Vorgehens? Europa und Amerika.

Leben wir doch einfach vegetarisch, oder noch besser vegan. Ein Hoch auf alle Menschen, die das aus Überzeugung tun. Ihnen gilt mein ehrlicher Respekt. Was aber ist mit all den Lebensmitteln, welche von Übersee importiert werden, damit der Mensch die Nährstoffe zu sich nehmen kann, welche die tierischen Produkte natürlich beinhalten? Wie viele Ressourcen brauchen wir dafür?

Es gibt noch weitere nennenswerte Punkte in dieser Aufzählung, etwa die CO2-Emissionen, der Stromverbrauch, das Internet und die Abhängigkeit von diesem, die Wasserverschmutzung und die Aufbereitung von Trinkwasser.

Warum, so fragt man sich, findet das World Economic Forum (WEF) seit Jahr und Tag keine Einigung in den Themen des Klimawandels? Ständig werden klare Ziele einige Jahre nach hinten verschoben. Wie lang soll das noch so gehen?

Die Uhr tickt jede Sekunde. Es werden gute Abkommen beschlossen, die überzeugen, doch genügen diese? Im Wesentlichen geht es schon lange nicht mehr um landespolitische Fragen wie die Einbürgerungsinitiativen, Arbeitsplatzbeschaffung, die No-Billag-Initiative, Arbeitslosigkeit, Armut im Alter – es geht um den grossen Begriff Klimawandel.

Klimawandel, wenn man das Phänomen so nennen darf, gab es schon immer. Die Menschheit wurde vor rund 70 000 Jahren von extremen Klimabedingungen, einer starken Trockenperiode in Ostafrika, beinahe ausgelöscht. Damals gab es weltweit nur noch knapp 2000 Menschen.

Doch noch nie wurde der Mensch vom Menschen ganz ausgelöscht, jedenfalls reichen unsere Nachforschungen nicht so weit zurück. Das Schlimmste wäre meiner Meinung nach, wenn diese Ausrottung nur auf einen Grund zurückgeführt werden könnte, nämlich Faulheit.

Wir haben in unserer Entwicklung einen enorm grossen Wissensschatz erlangt. Sollte dieser nicht ausreichen, um im Einklang mit unserer eigenen inneren Natur (Psyche) und unserer äusseren Natur (Umwelt) zu über-leben?

Wir müssen das Rad nicht zu weit zurückdrehen, damit alle wieder Jäger und Sammler sind, um im Einklang mit der Natur zu leben. Doch klar ist, dass sich in Zukunft (fast) keine mehr Autofahrerin, Erdölverbraucher oder Shopping-Held nennen kann (sollte).

Unsere Realität zeigt oft, dass machtvolle Positionen, sei es in der Politik, in der Wirtschaft oder gar in Familien, zu Selbstzwecken ausgenutzt werden. Oft bieten sie eine Bühne für die eigene Psyche. Hans-Joachim Maaz beschreibt sehr detailliert, wie die menschliche Psyche funktioniert, wie es geschehen konnte, dass es mehr Normopathen gibt als Menschen mit einer natürlichen Gesundheit. Wie sich die menschliche Psyche in der Politik widerspiegelt. Gute und bodenständige Menschen scheuen sich vor dem aktiven Politisieren und halten sich deshalb bewusst zurück. Maaz, der Psychoanalytiker und Psychiater aus Halle, ist bekannt für seine brillanten, zukunftsweisenden Analysen kollektiver Zustände – vom «Gefühlsstau», einem Psychogramm der DDR, bis zur «narzisstischen Gesellschaft», einer Psychoanalyse unserer Leistungsgesellschaft.

Politik und Wirtschaft bleiben voneinander abhängig. Möchte die Gesellschaft so abhängig sein? Lohnt es sich, eine Lösung zu finden und unsere Ressourcen zu bewahren mit den Mitteln, die jedes Land zur Verfügung hat?

Einige Länder und deren Einwohner ahnen noch nichts von ihren grossen und sagenhaften Möglichkeiten. Sollte es nicht unser Ziel sein, die Kräfte zu sammeln, um unser Land zu stärken und mit den Nachbarländern die Erfahrungen, Ideen und Lösungen austauschen, bevor die Ölreserven ausgehen und ein Krieg ganz sicher vor der Türe stehen wird?

Wir stehen uns oft selbst im Weg. Einerseits legen wir grössten Wert auf eine intakte Umwelt, reine Luft, sauberes Wasser und möglichst naturbelassene Lebensmittel. Andererseits möchten wir auch nur den Discountpreis bezahlen. Wir sind alle richtige Schnäppchenjäger, also leider sehr beeinflussbar.

Wo beginnen wir also? Spielt ja keine Rolle, der Mensch hatte schon immer Probleme, immer andere, oder waren es irgendwie immer dieselben? Doch in der Natur bei Tieren hat man noch nie beobachtet, dass die alten, erfahrenen Alphatiere den Nachwuchs arschkalt die Selbstzerstörung lehrten. Leider ist dies beim Menschen zu beobachten.

Wir sollten versuchen, mit dem Kopf der Kinder zu denken, ihre Perspektiven einzunehmen. Wenn wir das tun, stehen nicht rein materielle Überlegungen im Vordergrund. Der erwachsene Mensch wollte schon immer das Leben des Nachwuchses sichern. Heute geht es bei Gedanken und Handlungen um die Fragen: Was kann ich meinen Kindern vererben? Wie kann ich ihnen ein gutes Leben sichern, damit sie möglichst sorglos sind?

Kinder denken nicht so. Was Kinder wirklich brauchen, ist Liebe, Zeit und Geborgenheit. Sie sollten von der ersten Sekunde an schon im Leibe der Mutter für voll und ernst genommen werden. Sie sollten sich selbst entdecken und kennenlernen dürfen, mit möglichst wenig Fremdbeeinflussung. So sichern wir zumindest ihre natürliche Gesundheit, die schon so vielen Menschen verloren haben. Daraus erwächst dann das, was wir an wirklicher Lebensbefähigung und Grundlage mitgeben können. Die Bildung nicht nur die des Kopfes, sondern gleichermassen auch des Herzens, der Talente und des Charakters. Unabhängig von angeborener Krankheit, Beeinträchtigung oder Behinderung.

Die meisten Eltern versuchen das sicherlich und möchten NUR das Beste für ihren Nachwuchs. Doch welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern? Eine ausgebeutete und dazu hoch verschuldete?

Unsere Pflicht wäre es doch ganz klar, unseren Kindern eine lebensfähige und lebenswerte Welt zu hinterlassen. Diese Verantwortung haben wir, hat unsere Generation sträflich vernachlässigt – aus kurzsichtiger Gier und Eigennutz.

Jetzt und heute sind wir aufgerufen, diese Fehler mit allen Kräften so weit wie möglich wiedergutzumachen. Wo sind unser nachhaltiges Denken und Handeln geblieben, das uns unsere Vorfahren in die Wiege gelegt haben? Wir müssen zwingend dahin zurückkehren, ansonsten sollte keiner mehr den Begriff Nachhaltigkeit verwenden. Dieser wurde schon zu oft für Werbezwecke missbraucht.

Wo beginnen wir also?

Wie wäre es mit unserem Bewusstsein? Ich bin mir bewusst, dass sehr viele Menschen sich bewusst sind, dass ihr Bewusstsein glasklar ist. Wir sind uns also alle bewusst, dass wir so nicht weiterleben können.

Gut.

Genügt aber nicht.

Blöd.

Wo beginnen wir also?

Wie wäre es mit unserer Einstellung? Was wäre, wenn wir unseren Lebensstil so anpassen würden, dass wir im Einklang mit der Natur lebten und somit vor allem überleben können? Meine Einstellung ist, dass sehr viele Menschen mittlerweile genau diese Einstellung haben.

Gut.

Genügt aber nicht.

Blöd.

Wo beginnen wir also?

Wie wäre es mit unserem Wissen? Alle Generationen zusammen haben einen riesigen Wissensschatz erarbeitet im Lauf der menschlichen Entwicklung, das wissen wir.

Gut.

Genügt aber nicht.

Blöd.

Wo beginnen wir also?

Wie wäre es mit Hilfsmitteln? Mittlerweile haben wir so viele verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, es sollte doch ein Kinderspiel sein, diese anzuwenden?

Gut.

Genügt aber nicht.

Blöd.

Wo beginnen wir also?

Wie wäre es mit Techniken? Unendlich viele technisch gut ausgebildete Menschen inklusive Spezialisierung in einem Fachgebiet sind vorhanden. Technik technisch anzuwenden, sollte doch rein technisch möglich sein.

Gut.

Genügt aber nicht.

Blöd.

Wo beginnen wir also?

Wie wäre es mit Zeit? Wenn wir unseren Lebensstil so anpassen wollen, dass die Welt lebensfähig und lebenswert bleibt, benötigen wir viel Zeit. Wir benötigen Zeit, damit die Welt mit dem Menschen unser Zeitalter überlebt. Nehmen wir uns also die Zeit dafür.

Gut.

Genügt aber nicht.

Blöd.

Wo beginnen wir also?

Wie wäre es mit Fantasie? Klar ist, solange wir in unserem bisherigen Lebensstil weiterleben, bleibt unsere Zukunft ungewiss. Der Mensch hat schon so oft in seiner Geschichte durch seine Ideen und Fantasien neue Welten geschaffen. Bitte vergesst nicht, wir haben es hier mit dem Menschen zu tun. Der oft denkt, er sei so vielfältig wie der Rest der Welt. Wir benötigen also sehr viel Fantasie.

Gut.

Genügt aber nicht.

Blöd.

Wo beginnen wir also?

INHALTSVERZEICHNIS

Auftakt

Unser Bewusstsein

Menschliches Leben

Konsumbewusstsein

Unsere Einstellung

Menschliche Psyche

Artgerecht

Unser Wissen

Natur- und Wildnispädagogik

Schulfrei

Unsere Hilfsmittel

Natural Horsemanship

Unsere Sinne, unsere Unterstützung

Unsere Techniken

Energiewende

Permakultur

Unsere Zeit

Jetzt und ein Leben lang

Die folgenden sieben Generationen

Unsere Fantasie

Verrückte Ideen: Was wäre, wenn?

Leben im Alter

Danksagung

Quellenangaben

Zur Autorin

UNSER BEWUSSTSEIN – MENSCHLICHES LEBEN

Das wichtigste menschliche Bedürfnis ist, gewollt, verstanden, bestätigt, versorgt und beschützt zu werden. Einfach gesagt: Von den ersten Sekunden an, schon im Mutterleib, für voll und ganz genommen und geliebt zu werden. Bestenfalls haben wir eine Mutter mit der Einstellung: Ich liebe dich, weil du mein Kind bist. Das heisst, ich sorge für dich, ich beschütze dich, ich bin neugierig auf dich und bemüht, dich zu verstehen und zu erkennen. Ich spiegle dich und übermittle dir meine interessierte Zuneigung mit der Intention, dass es dir gut geht. Das ist die ideale, liebende Einstellung einer Mutter, damit das schon vorhandene Selbst sich gut und unverzerrt entfalten kann.

Mutter und Kind bilden anfangs eine exklusive Zweierbeziehung mit einer möglichst optimalen Bindungsqualität. Zu dieser Dyade kommt der Vater als Dritter hinzu. Mit dieser Triangulierung bietet das Väterliche neue Beziehungserfahrungen und neue Erlebnisinhalte. Damit sind für das Kind weitere Selbstentfaltungschancen möglich. Dabei ist es wichtig, dass die Mutter diese Erweiterung wohlwollend bejaht und aktiv unterstützt. Die Bindungssicherheit des Kindes wird dadurch nicht in Frage gestellt. Die Hauptfunktion des Väterlichen, nämlich sich für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes einzusetzen, indem er Selbstständigkeit und Weltgestaltung fordert, wird so vervollständigt.

Zusammen mit der Liebe gehört Freiheit zu, den grössten Sehnsüchten des Menschen, aber leider auch zu den grössten Illusionen. Wichtig zu verstehen ist, dass äussere Lebensbedingungen keine innere Freiheit schenken. Im eigentlichen Sinne sucht der Mensch nach innerer Freiheit. Verantwortlich für die Erfahrung von innerer Freiheit und Autonomie des Kindes ist die prinzipielle Einstellung der Mutter zu ihrem Kind: Werde, wer du bist und sein willst.

Frei ist der Mensch, der Verhaltensanforderungen und Entscheidungen nach seinen Möglichkeiten beantworten und verantworten kann. Frei ist der Mensch, der tun kann, was er will, oder sich aus Einsicht zurückhält.

Wie schon erwähnt, wäre das der Idealfall. Leider gewinnen heute falsche Freiheitverheissungen immer mehr an Gewicht und werden teilweise sogar zur Lebensgrundlage. Freiheit durch Geld, Macht, Glauben oder eine Ideologie.

Selbst demokratische Verhältnisse und die Menschenrechte sichern keine Freiheit, da dies äusserliche Konstrukte oder Systeme sind.

Die Realität sieht meistens so aus: Es kann sein, dass die Eltern unfähig sind, das liebende, sich entwickelnde Kind freizulassen, ohne dieses zu bestätigen. Der Fokus liegt meistens darauf, dass das Kind sich durch Wohlverhalten und Anpassung an die übermittelten Erwartungen, Regeln und Normen die elterliche «Liebe» verdient, gar Bestätigung erarbeiten muss. Die Ursachen hierfür können verschieden sein, etwa ökonomische Zwänge, der gesellschaftliche Normendruck, ideologische, religiöse oder moralische Verpflichtungen. Auf diesem Weg erhält das Selbst keine Chance, sich insgesamt frei zu entfalten, es entwickelt sich höchstens in die erwünschte oder geforderte Richtung. Die Wahrnehmung des Kindes wird auf diese Weise von sich weg geleitet. Es orientiert sich an den Beziehungspersonen und wendet sich von der Innenorientierung der Aussenorientierung zu, dem von den anderen Erwünschten oder Benötigten.