Merdensch & Mammalia - Tommy Kwetsch - E-Book

Merdensch & Mammalia E-Book

Tommy Kwetsch

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Beschreibung

In diesem Buch vermischt sich Fiktion mit wahrhaft Erlebtem. Im Wesentlichen soll die Handlung den Leser zum Nachdenken bewegen. "Die ersten Testleser grübeln sogar noch bis heute", behauptet der Autor mit voller Überzeugung. Wer sich über seine Gesundheit ernsthafte Gedanken macht, sollte diese Geschichte lesen. Eber Merdensch und seine Ehesau Mammalia leben mit ihrer Rotte auf dem wunderschönen Planeten "Laurasia", welchen sie sich mit etwa 4 Milliarden anderen Schweinen teilen. Er befindet sich in der selben Galaxie wie unsere Erde, der Milchstraße. Grüne Landschaften, üppige Wälder, Berge, Flüsse, Seen und Meere machen das Leben auf diesem Himmelskörper liebenswert. Es ist eine wunderschöne Welt. Die Ähnlichkeiten zur Erde sind äußerst verblüffend. Sie leben zusammen in einer zweistöckigen Bretterbude mit Keller in einem der Vororte von Schwallendorf, im Kreis Schwadeburg. Während seiner langen Lebensjahre hat Merdensch schon viel erlebt und ist ein logisch denkender Eber. Er lebt gerne mal auf etwas größeren Haxen, liebt gutes Fressen, Kaffee, Kuchen und sieht sich selbst zwar als großzügig, aber nicht verschwenderisch an. Mammalia ist ein paar Monate älter als ihr Eheeber Merdensch. Sie besitzt ein paar Kilos mehr auf den Rippchen, was ihr jedoch vorzüglich gut steht. Als eine sehr gefühlvolle Sau (Sternzeichen Krebs) liebt sie es, ihre Herde um sich zu wissen. Die armen Schweine müssen innerhalb eines Jahres so einiges erleben. In diesem Jahr haben sie fröhliche, als auch sehr bedrückende Abenteuer zu überstehen. Sie machen leidvolle Erfahrungen, aber gewinnen tiefgründige Erkenntnisse über ihre Gesundheit und dass sie eigentlich biologischen Naturgesetzen, den 5bn folgen. Eber Merdensch prüft Heilkunde Aussagen aufgrund verschiedener Erlebnisse und nennt Fallbeispiele. Merdensch und Mammalia müssen sogar, aufgrund individueller Krankheiten, mit Chemotherapie behandelt, mehrfach dem Tod ins Auge schauen.

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Seitenzahl: 177

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Tommy Kwetsch

Merdensch & Mammalia

Zwei arme Schweine

Wo sind wir?

Einige Jahre zuvor - Im April

Letztes Jahr - Januar

Letztes Jahr - Februar

Letztes Jahr - März

Letztes Jahr - April

Letztes Jahr - Mai

Letztes Jahr - Juni

Letztes Jahr - Juli

Letztes Jahr - August

Letztes Jahr - September

Letztes Jahr - Oktober

Letztes Jahr - November

Letztes Jahr - Dezember

Dieses Jahr - Januar

Dieses Jahr - Februar

Dieses Jahr - März

Haftung - Links - Büchertipps

Wo sind wir?

Wir befinden uns in einer Welt voller Schweine, etwa 40.000 Lichtjahre von hier entfernt, in der gleichen Galaxie, welche als Milchstraße bezeichnet wird. Evolutionsbedingt haben sich hier auf „Laurasia“ Schweine durchgesetzt und den selben Lebenszyklus durchlebt wie die Menschen auf der Erde.

Grüne Landschaften, üppige Wälder, Berge, Flüsse, Seen, Meere. Es ist eine wunderschöne Welt - hier gibt es keine Grenzen, alles scheint in purer Harmonie abzulaufen. „Laurasia“ ist ein wenig kleiner als die Erde und hat sogar 2 Monde. Es gibt allerdings nur 2 Kontinente, welche durch zwei Weltmeere getrennt werden. Im Osten ist Linnaterra, hier lebt Merdensch mit seinem Rudel, welches zur Gattung der Hausschweine gehört. Im Westen liegt Borraterra, dort sind zum größten Teil die artverwandten Wildschweine ansässig. Allerdings haben sich im Laufe der Zeit die Populationen ziemlich vermischt. Zum besseren Verständnis findet der Leser auf den nächsten Seiten eine kleine Illustration dieser Welt. Auf diesem bezaubernden Planeten gibt es ebenfalls die uns bekannten Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst nebst Winter. Ein Tag hat 24 Stunden, eine Stunde 60 Minuten, eine Minute 60 Sekunden. Die Ähnlichkeit zur Erde ist wirklich äußerst verblüffend.

Im Laufe der Zeit haben sich in den verschiedenen Regionen der Kontinente die unterschiedlichsten Religionen gebildet. So mussten im Südosten die Säue einen Schleier tragen, um ihre Körper zu verbergen, obendrein waren sie auch nur die Hälfte Wert. Eber hatten das Sagen. In der Politik wurde diese Weltanschauung zugleich gesetzlich verankert. Im Nordosten, sowie im kompletten Westen dieser Welt waren Säue sowie Eber gleichberechtigte Bewohner des Planeten, dürfen die Schule besuchen, studieren und sich weiter bilden. Leider werden hier derzeit Kriege geführt. Früher war es, um Landgebiete oder um überlebenswichtige Ressourcen zu gewinnen. Heute kämpft man eher gegen die Andersdenkenden, meist aus religiösen, nicht nachvollziehbaren, Gründen.

Die Wirtschaft blüht, man bezahlt seinen Beitrag für das öffentlich-rechtliche Fernsehen und große Unternehmen machen Wahnsinnsumsätze. In den letzten paar Jahrhunderten erwarb auch die Forschung große Erkenntnisse über alles Mögliche. Es heißt, man wisse mehr als je zuvor über Schweine, deren Anatomie nebst deren Krankheiten. Die Universumserkundung hat gleichfalls riesige Fortschritte gemacht, es gibt zwei große Weltraumorganisationen. Zwei Unternehmereber aus Borraterra versuchen zudem, den Weltraum-Tourismus auf den Weg zu bringen. Mittlerweile besucht man in regelmäßigen Abständen die zwei Monde und bringt Gesteinsproben nach „Laurasia“, um die Entstehung und Entwicklung des Sonnensystems noch intensiver erforschen zu können. Adalbert Schweinstein hatte in diesem Bereich große Theorien aufgestellt, welche nach und nach bewiesen werden sollen. Die Wissenschaft ist ein großes Thema, immer mehr Schweine studieren in den verschiedensten Bereichen. Vorwärts immer, rückwärts nimmer, lautet die Devise.

Die Währung in Borraterra ist der Schwollar, in Linnaterra wird mit dem Schweuro bezahlt. Schweinebanken regeln die Finanzen und regieren hierbei mit harten Pfoten über die geschäftlichen Abläufe. Die Politik hat schon lange nicht mehr den richtigen Blick auf des Volkes Willen. Mittlerweile haben die Zentralschweinebanken ihre Zinsen auf fast 0% gestellt, um den Schweinebanken die benötigten Gelder zu spenden. Von den Ottonormalschweinen kommen aber leider nur die wenigsten an günstige Kredite heran, es sei denn diese haben ein riesiges Einkommen, bereits etwas auf der hohen Kante, ein Grundstück, eine andere Immobilie, oder einen Bürgen, der zur Sicherheit seine Pfote ins Feuer legt. Von den niedrigen Zinsen profitieren daher nur die Macher.

Etwa 4 Milliarden Schweine beherrschen hier das Geschehen. Merdensch ist einer von ihnen. Er ist ein normales Hausschwein mit einem ausreichenden Einkommen und einem durchschnittlich großen Freundeskreis. Er hat auch eine Sau mit dem schönen Namen Mammalia, sie ist ein paar Monate älter als er und besitzt ein paar Kilos mehr auf den Rippchen, was ihr aber vorzüglich steht. Sie hat Arzthelferin, also medizinische Fachangestellte gelernt und arbeitet schon ihr ganzes Leben in diesem Beruf. Wegen ihrer Ferkel hatte sie sich jedoch nie an einen Arbeitgeber gebunden und wurde daher gerne als Vertretung für kranke oder trächtige Genossinnen eingesetzt. Im Laufe der Zeit kennt sie nun viele Ärzte aus den verschiedensten Bereichen. Merdensch liebt seine Sau über alles. Sie ist eine gefühlvolle, äußerst empathische Sau. Für ihre Rotte ist sie zu jeder Tages- plus Nachtzeit zur Stelle und immer bemüht, ein harmonisches Zusammensein zu arrangieren. Besonders an den Feiertagen, wie an Weihnachten und Ostern, hat sie gerne die gesamte Rotte um sich gesammelt. Wer selbst ein Rudel führt, weiß wieviel dafür abverlangt wird, dass es nicht immer einfach ist. Zusammen haben sie vier Ferkel. Zwei Säue dazu zwei Eber. Ihre Würfe sind mittlerweile schon erwachsen und gehen ihrem gewohnten Tagesablauf nach.

Mammalia's erstes Ferkel, die Jungsau BiNa, hat selbst zwei Säue mit den Namen Isa sowie Mia geworfen. Beide gehen noch in die Schule, Isa in die 6. und Mia, welche 2 Jahre jünger ist, in die 4. Klasse. BiNa betreibt eine Tankstelle in Schwallendorf und fühlt sich da ziemlich eingespannt, sodass ihr Ruf nach Urlaub alle drei Monate deutlich zu hören ist. Letztes Jahr hat sie sich von ihrem Eber ErWo scheiden lassen. ErWo war schon irgendwie lustig, aber auch sehr anstrengend. Früher sind alle zusammen, jeweils im Januar, ein paar Tage in Wellnessurlaub, oder in den Schnee gefahren. Man freute sich immer mal ErWo zu sehen, war aber auch froh ihn nach 4 Tagen wieder los zu sein. Die Unstimmigkeiten zwischen ihnen wurden von Jahr zu Jahr größer, von daher kann jeder die Trennung wohl auch nachvollziehen. Derzeit ist BiNa mit einem Unternehmereber aus Schwallendorf liiert, der sich mit seinem Bruder auf Bautenschutz und Malerei spezialisiert hat. Beide planen ihre Hochzeit, welche noch in diesem Jahr stattfinden soll. Jippi - es gibt wieder etwas zu feiern.

Mammalia's zweites Ferkel, die Jungsau MiMa, ist mit MaMo verheiratet. MaMo ist nur wenige Wochen älter. Die Hochzeit der beiden war letztes Jahr. Zu Beiden mitsamt deren wunderschöner Hochzeit gehen wir später etwas näher ein. Denn es gibt einiges darüber zu erzählen.

Mammalia's drittes Ferkel, der Jungeber ReNo, arbeitet bei BiNa an der Tankstelle in Schwallendorf. Er hat in einer hiesigen Getränkefirma Einzelhandelskaufeber gelernt. Leider hat er das Arbeiten nicht erfunden und macht seinen derzeitigen Job, weil er es eben tun muss. Er hängt am Liebsten mit befreundeten Ebern ab und spielt bis spät in die Nacht ein Onlinespiel, wo man sich gegenseitig abschlachten muss. Darüber hinaus auch noch Punkte dafür bekommt. Angeblich sollen die Spieler sehr viel Geld damit verdienen, wenn es Zuschauer gibt, die dem Geschehen einfach nur beiwohnen. Mit seinem eigentlich doch sehr schlauen Kopf könnte er so viel mehr erreichen, wenn er nur wollte. Aber jedes Schwein findet im Laufe der Zeit seinen Weg, ist seines Glückes Schmied, denkt sich Merdensch. Außerdem spielt ReNo sehr gerne Haxenball und besucht regelmäßig die Trainingseinheiten in Schwallendorf. Da ist er mit viel Begeisterung und Engagement dabei.

Mammalia's viertes Ferkel, der Jungeber ToBo, befindet sich momentan in einer Ausbildung zum Kaufeber für Versicherungen und Finanzen. Er ist ein sehr ruhiger Typ. Als er noch jünger war merkte man garnicht, dass er überhaupt anwesend ist. Er war einfach nur da. Er macht sein Ding, und ihm gefällt es während der Arbeit feinen Zwirn zu tragen. Anzüge auf Hemden stehen ihm aber auch verdammt gut. Sein durchtrainierter, schlanker Ferkelkörper passt zweifellos noch überall rein. Wie sein Bruder ReNo spielt er gerne an seiner Konsole und hängt am Wochenende überwiegend mit seinen Freunden ab oder geht auf Partys.

Um den Zusammenhalt zu stärken haben Merdensch und Mammalia, jeweils samstags, „Brunch“ eingeführt. Brunch ist ein Mittelding aus Frühstück samt Mittagfressen. Merdensch kreiert gerne Trüffelei mit Knollen, einschließlich einer abwechselnden Fleischbeilage, zur zusätzlichen Sättigung. Da Schweine Allesfresser sind, ist die Auswahl an Möglichkeiten schier unendlich. Er holt regelmäßig frische Brötchen vom Bäcker, oder hat auch selbst mal welche gebacken. Es dauerte aber einige Zeit bis die genießbar, beziehungsweise nicht so hart waren. Man wird beim Brunch auf dem Laufenden gehalten, was jeden derzeit so beschäftigt. Hierbei wird immer viel gelacht. Mittlerweile sind MiMa und MaMo ausgezogen, sie fehlen beim Brunch. Die männlichen Ferkel ReNo und ToBo lassen sich zudem nur noch blicken, wenn sie gerade mal hungrig sind. Meistens kommen sie 10 Minuten später, nachdem Mammalia sie beigerufen hat. Merdensch vermutet, dass sie Angst haben etwas helfen zu müssen. Meistens müssten sie ihr Computerspiel noch zu Ende spielen.

Diese lustige Schweinefamilie hat sich auch einen Schweinehund mit dem Namen Fiete zugelegt. Wie kam es dazu? Ihre Jungsau MiMa wohnte damals noch bei Merdensch und Mammalia in deren Bretterbude. In ihrem Kopf reifte der Gedanke, sich eine Katze zum Kuscheln zu holen. Mammalia war von dieser Idee nicht all zu sehr begeistert. Sie liebt zwar Tiere über alles, aber Katzen sind ihr zu eigensinnig, hören nicht und machen, ihrer Meinung nach, mit ihren scharfen Krallen vieles kaputt. Sie besprach ihre Bedenken mit MiMa und sie beschlossen anschließend, sich einen Schweinehund zuzulegen. Merdensch wurde dann vor vollendeten Tatsachen gestellt.

Das Internet durchstöbern, können Mammalia und MiMa gut. Sie suchten nach einem kleinen Mischlingswelpen ohne Unterfell, damit der Stall nicht mit Haaren übersäht wird. Sie fanden tatsächlich ein bebildertes Inserat eines Züchters, der kleine Wollknäule in Weiß, mit schwarzen Flecken anbot. „Meine Güte sind die süß. Klein, niedlich, zum Knuddeln, so einen wollen wir“, träumten sie im Kanon. Weil Säue immer das haben wollen, was in deren Schweineköpfe herumschwirrt, rief Mammalia dort umgehend an. Es war nur noch ein Rüde da, alle Anderen wären schon vergeben. „Egal, die sind einfach zu goldig. Bitte reservieren sie den für uns, wir holen ihn heute noch ab“, besprach Mammalia mit dem Züchter.

Bei dem Züchter angekommen, war die kleine Herde draußen, zum gemeinsamen Pippi machen. Er zeigte ihnen ihren Welpen, der hektisch mit seinen Geschwistern herum hüpfte. Merdensch, Mammalia und MiMa waren sofort in ihn verliebt. Es war ein wenig regnerisch, so war er ziemlich nass, deshalb hüllten sie den Kleinen in eine Decke. Auf dem Rückweg fing es an, sehr merkwürdig zu riechen. Genau genommen stank es bis zum Himmel. Der kleine Schweinehund Fiete hatte mächtig Angst. Er zitterte und pupste unentwegt, dann noch das halb nasse Fell. Sogar für Schweine war der üble Geruch gewöhnungsbedürftig. Die Fenster des Wagens mussten von Zeit zu Zeit geöffnet werden, die Fahrt hätte sonst niemand überstanden.

Es kam wie erwartet, MiMa ging den ganzen Tag arbeiten, Fiete musste zu Mammalia. Die anfangs große Euphorie ließ bei MiMa schnell nach, es war für sie mehr Arbeit als gedacht. Sie wollte darüber hinaus jedes Wochenende mit MaMo ausgehen, ein bisschen feiern. Da blieb nur wenig Zeit für den Schweinehund. Mammalia nahm ihn natürlich sehr gerne in ihre Obhut. So wohnt er fortan bei ihr und Merdensch, er ist nun fester Bestandteil der Rotte.

Fiete ist nicht ihr erster Schweinehund. Vor ihm hatten sie einen weiblichen Schäfer-Collie-Mix, die leider im hohen Alter verstarb. Sie war wesentlich größer als Fiete, eine treue Seele, dazu absolut gehorsam. Sie ging des öfteren alleine Gassi, spurtete wie ein geölter Blitz einhundert Meter in Richtung Feld, erledigte ihr Geschäft und rannte wieder zurück. Bei Fiete ist so etwas undenkbar. Ihn losgelassen und … weg ist er. Es hilft nicht mal ein lautes Gegrunze, er wirkt da wie taub. Eigentlich ist es ein lieber Schweinehund, wenn er nicht so anstrengend wäre. Sein Gepiepse und Gejammer, wenn Mammalia mal aus dem Haus ist, sind nur zu ertragen, wenn ein Schwein mit ausreichend guten Nerven gesegnet ist. Zum Glück ist er aber leicht durchschaubar und in seinem Verhalten sehr berechenbar, wie Schweinehunde nun mal so sind. Wenn er zu weit geht, genügt ein kurzes Grunzen, damit er in Deckung geht. Ruhe ist. Wenn ihn Mammalia mal vom Tisch mitfressen lässt, verweigert er zwei Tage lang seine eigene Nahrung, weil er denkt, dass noch etwas Besseres kommt. Ein verwöhnter Schweinehund ist das.

Zusammen leben sie in einer zweistöckigen Bretterbude mit Keller in Nidderschween, einem der Vororte von Schwallendorf. Schwallendorf ist eine Arbeiterstadt im Kreis Schwadeburg, mit vier Vororten und insgesamt etwa fünfundzwanzigtausend Mitbürgern. Die meisten Einheimischen arbeiten in einer der zahlreichen Fabriken. Hier wird zum Beispiel die leckere Schokolade der Firma Cerderro hergestellt, dessen vielseitige Produkte nach ganz Laurasia exportiert werden. Cerderro Knutschis sind bestimmt überall bekannt. Dort arbeiten sehr viele der Säue in sogenannten Haussauenschichten, um Waffeln aus den Maschinen zu holen, Nüsse in Schokolade zu schmeißen oder einfach nur das fertige Ergebnis zu kontrollieren. Die meisten Eber arbeiten in einer Fabrik, einer sogenannten Eisengießerei, die vornehmlich für die Herstellung von Fahrzeugteilen vor Ort ist. Weiterhin haben sich ein paar Speditionen, Werkstätten und jede Menge Einzelhändler angesiedelt.

Auf 180 Quadratmetern haben Merdensch und seine kleine Herde genügend Platz, um sich, wenn nötig, mal aus dem Weg gehen zu können. Einen Garten haben sie auch. Als die Ferkel noch kleiner waren hat Merdensch, jedes Jahr im Sommer, ein Schlammloch gegraben. Zunächst hatte dieses eine runde Form mit einen Durchmesser von 3 Metern. Das Plantschbecken wurde von Jahr zu Jahr größer und ovaler, bis plötzlich keiner mehr rein wollte. Mit der Größe sank nämlich auch die Temperatur des Schlammes, da half auch keine sonnenregulierte Heizung mehr. Nun befindet sich an dieser Stelle ein ovaler Kreis ohne Rasen. Das Grundstück ist mit einer hohen Hecke umrandet. Merdensch hasst es, alle zwei Wochen den Rasen zu mähen und zweimal im Jahr die Hecke mittels Heckenschere trimmen zu müssen. Es ist immer eine Schweinearbeit die mehrere Tage dauert, bis er damit fertig ist. Er macht es jedoch in Etappen, weil Bewegung quasi irgendwie gut tut und gesund ist. Körperliche Arbeit ist nun mal nicht sein Ding. Er ist eher ein Denker ... denkt er.

In seinen langen Lebensjahren hat Merdensch schon viel erlebt, und er ist ein logisch denkender Eber. Na ja nicht immer, er lebt gerne mal auf etwas größeren Haxen. Er hat in jedem Zimmer einen großen Flachfernseher und fährt gerne in den Urlaub. Gibt also das Verdiente schnell wieder aus. Er sieht sich selbst zwar als großzügig, aber nicht verschwenderisch an. Sein Vater AfLo, seine Mutter DoRia sowie eine seiner zwei Schwestern, CoNa, leben nun schon seit Ewigkeiten auf einer verführerisch schönen Insel namens Pigoriffa, mitten im Laurasiffic. Laurasiffic ist eines der Weltmeere, welches die beiden Kontinente Linnaterra von Borraterra auf „Laurasia“ trennt. Merdensch's Schwester CoNa hat einen Eber, zudem ein weibliches kleines Ferkel. Auf Pigoriffa überwintern gerne die älteren Schweine und genießen dort ihren Lebensabend. Durch das kontinuierlich wärmere Klima wird dieses Eiland gleichfalls „Insel des ewigen Frühlings“ genannt. In diesem Gefilde herrscht ein gemütliches Flair, die Einwohner lassen sich nicht hetzten. Sie halten mittags gerne Siesta, um bei den häufigen Fiestas am Abend länger durchhalten zu können.

Seine andere Schwester SiVa, eine gelernte Bürokaufsau, wohnt mit ihrem Lebenseber, sowie einem ihrer zwei Söhne ebenfalls in Schwallendorf. Sie ist zufrieden mit dem was sie hat. Der Andere ihrer Söhne lebt mittlerweile wieder bei ihrem Ex-Eber, von ihm hatte sie sich schon vor langer Zeit getrennt. SiVa lässt sich gerne bemitleiden. Merdensch's Auffassung nach ist sie unglücklich über ihr Leben, mitsamt dessen Verlauf. Sie erlitt vor einigen Jahren einen Schlaganfall und beherrscht seitdem das Lesen und Schreiben nur noch zu 80%, das bessert sich aber wieder im Laufe der Zeit, heißt es. Sie bezieht nun Invalidenrente und muss damit ihren Alltag bestreiten. Ihr neuer Eber unterstützt sie wo es nur geht, obendrein passen sie gut zusammen.

Merdensch hatte nach seiner Schulzeit eine Ausbildung zum Energiegerätemechaniker, sowie anschließend zum Elektroanlageninstallateur absolviert. Weil er nicht zur Keilerrarmee wollte, hängte er eine Ausbildung zum Lokomotivführer an, da man dort Beamter im Staatsdienst war und nicht eingezogen werden durfte. Damals wurden noch die Eber dazu gezwungen das Revier zu verteidigen, falls Schweine gegenseitig über sich her fallen sollten. Er konnte es sich einfach nicht vorstellen, mit zwanzig Kilo Marschgepäck auf dem Rücken durch den Matsch zu kriechen, oder als Zivildienstleistender im Altersheim arbeiten zu müssen. Überdies noch zu einem Hungerlohn. Durch verschiedene Lebensumstände ist Merdensch letztlich Softwareentwickler geworden. Ja, auch Schweine haben Computer, Internet und sogar WLAN.

Vor ewigen Jahren hatte er zusammen mit seinem Vater und seiner Schwester CoNa eine Firma gegründet. Ursprünglich stellten sie eine Börsen-Software her, mit deren Hilfe die Anleger aktuelle Aktien- und Fondskurse einlesen und ihr aktuelles Portfolio auswerten konnten. Da hier die Konkurrenz zu groß war, haben sie diese nach ein paar Jahren eingestellt und sich einer Websoftware zugewandt, welche speziell für den Verkauf von „Artikel für Volljährige“ gedacht ist. Der Gesetzgeber achtet mit einem Ferkelschutzgesetz darauf, dass diese Artikel nicht für Minderjährige zugänglich sind. In erster Linie werden dort Filme und Spiele gehandelt. Hier kommt das Haupteinkommen her. Das Webportal besteht noch heute und ist mächtig gut besucht. Es gibt hier immer was zu tun oder zu verändern, denn in diesem Bereich schläft die Konkurrenz nicht.

Einige Jahre zuvor - Im April

Da lag er nun, in seinem Patientenbett der Universitätsklinik Schwadeburg und überlegte, warum ausgerechnet er, mit seinen wenigen Lenzen, durch den Notarzt und mit der Blaulicht blinkenden Krankenkutsche hierher transportiert werden musste. Schwadeburg ist übrigens die Kreisstadt des Landkreises, in dem Merdensch und Mammalia leben. Mit etwa achtzigtausend dort wohnenden Schweinen ist Schwadeburg ein kleines, überschaubares Städtchen. Wobei bestimmt zwanzigtausend davon Studierende sind, denn an jenem Ort befindet sich die älteste, noch existierende, protestantisch gegründete, Universität von Laurasia.

Merdensch's Schmerzen waren annähernd stark wie ein Erdbeben, fast unerträglich. Ohren, Kiefer, Hals und Schweinebrustbereich drückten dermaßen, als würden 20 Kilo Tröge auf seiner Brust abgestellt. Er riss sich förmlich die Kleidung vom Leib, als die Schmerzattacken akut waren. Die Symptome wiesen auf einen Herzinfarkt hin, was sich auch nach einer Blutuntersuchung und einem Elektrokardiogramm als richtig herausstellte. Genau genommen hieß die Diagnose: NSTEMI der Vorderwand, also ein Myokardinfarkt ohne ST-Strecken-Hebung im EKG. Eine Arterie wurde mit einem Stent erweitert, damit sein Herz wieder ordentlich durchblutet werden konnte.

Der Stent diente als Gefäßstütze. Er sollte die Gefäße offen halten, in dem der Arzt mit einer Ballonerweiterung eine Engstelle aufdehnte. Bei seinem Stent handelte es sich um ein Edelstahlgeflecht von etwa zwei Zentimetern Länge. Der Wutzedoktor platzierte unter Röntgenkontrolle dieses Metallgeflecht über einen Ballon-Katheter an der Engstelle. Durch Druckbefüllung des Ballons mit Kontrastmittel entfaltete sich der Stent, der auf dem Ballon saß. Als bei der Untersuchung das Kontrastmittel in Merdensch lief und sich in seinem Körper verbreitete, wurde ihm schlagartig so warm, dass er mehrfach hinter einander seine Blase entleeren musste. Merdensch machte Schweinerei, es war ihm peinlich.

OK, er hatte die typisch verdächtigen Voranzeichen ignoriert. Er rauchte Pfeife, hatte höheren Blutdruck, desweiteren schlechte Cholesterinwerte. Zumindest entnahm er das den Angaben während den Voruntersuchungen. Sein Gewicht war auch nicht soooo optimal, entsprach demnach keineswegs dem Schweine-Maß-Index. Ein paar Kilos mehr hatte er schon auf seinen Rippchen, um sich als ideal gewichtig bezeichnen zu können. Er mästete sich bei passenden Gelegenheiten gerne mal. Diese Verhaltensweise ist irgendwie ein No-Go für jedes Schwein. Auch waren seine Großmutter kurz zuvor, nach einer Herzklappen-Operation und sein blutsverwandter Onkel, während einer Herzkatheteruntersuchung, verstorben. Angeblich wären Unpässlichkeiten am Herz ein Handikap in seiner Herde, ein erblich weitergegebenes Übel. Sein Vater AfLo betonte dies immer wieder überwältigend bei diversen Telefongesprächen.

Dagegen spürte er, dass es eher der Stress war, der diesen Infarkt auslöste. Im Januar hatte Merdensch, gemeinsam mit seinem Vater und seiner Schwester CoNa, beschlossen, die Webseite auf eine neue Software umzustellen. Ein Programmierer aus Pigoriffa hatte bereits einige Monde gebraucht, um dieses Wunderwerk halbwegs fertig zu stellen. Man darf nicht vergessen, auch seine Arbeit musste bezahlt werden. Die Umsätze gingen aufgrund der absolut veralteten Software dramatisch zurück. Im Rahmen seiner bislang erlernten Möglichkeiten programmierte auch Merdensch mit. Er konnte dadurch seine Kenntnisse der Projektorientierung ausweiten. Selbstständig Geld zu verdienen ist nicht mehr so leicht, früher war das bestimmt einfacher gewesen. In der aktuell schnelllebigen Zeit sind die Schweine nur noch hinter dem schnöden Mammon her. Geld regiert hier die Welt. Hast du nichts, bist du nichts. Eigentlich schon traurig.

Es kam wie es vorherzusehen war, die Umstellung der Daten begann – die Seite ging Online … und nichts funktionierte. Knapp drei Monate musste nun jeden Tag bis spät in die Nacht gearbeitet werden, was ja eigentlich kein Problem darstellte. Merdensch fühlte sich auch belastbar, sah aber seine Existenz bedroht und klotzte voll rein. Die Beschwerde-E-Mails der angemeldeten Mitglieder wurden nach und nach weniger und das Portal begann wieder halbwegs stabil zu laufen. Es war eine echt harte Zeit, er sah sich zeitweise überfordert. Merdensch bemerkte da irgendwie einen klaren Zusammenhang mit seiner „Erkrankung“, dieses wollte aber keiner so richtig hören. Es hieß immer wieder: „Ja ja der Stress und die Pfeifen, das hört man oft“.