Merry Feminist Christmas - Ayo Lenz - E-Book

Merry Feminist Christmas E-Book

Ayo Lenz

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Beschreibung

Fest der Liebe? Für viele Frauen ist Weihnachten vor allem das Fest der endlosen To-Do-Listen. Ayo Lenz deckt mit bissigem Humor und erfrischender Ehrlichkeit auf, wie alte Traditionen und Geschlechterrollen die Feiertage für Frauen oft zur Mammutaufgabe machen. Sie kämpft sich durch gigantische Geschenkeberge, zähfließende Tischgespräche und emotional anspruchsvolle Feiertage, findet aber auch den Mut, für ein Fest einzustehen, das wirklich alle glücklich machen kann. Ein augenzwinkernder Aufruf, Weihnachten neu zu denken - für mehr Freude, weniger Stress und echte Gleichberechtigung.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 28

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

So this is Christmas

Weihnachten als Frau

Weihnachten als Tochter

Weihnachten als Mutter

Weihnachten als Utopie

Der alte weiße Mann

Have Yourself a Merry Feminist Christmas

So this is Christmas

Nur wenige Termine im Jahresverlauf stressen mich als Frau, als Mutter und als Tochter so sehr wie die Weihnachtsfeiertage. Denke ich an Weihnachten, steigt verlässlich mein Puls. Und zwar egal zu welcher Jahreszeit. Es ist ein aufgeregtes Kribbeln in den Händen, ein Ziehen im Unterleib, ein Drücken in der Brust, ein Flimmern im Kopf, geradezu ein Pulsieren. Denn ich weiß, es wird viel zu tun geben. So viel. Finanziell, organisatorisch und emotional.

Es sind die Tage mit der größten Bedeutung, alles ist wahnsinnig aufgeladen. Es sind die Tage mit dem höchsten Konsumaufgebot – endlose Geschenkelisten wollen abgearbeitet werden. Die Tage mit den unvernünftigsten Ausgaben – ich kann es mir eigentlich nicht leisten, aber du bekommst es, weil ich dich liebe. Die Tage mit der höchsten Erwartung – nichts darf schiefgehen, es muss einfach perfekt werden. Die Tage mit der am stärksten glitzernden, strahlenden und blendenden Dekoration – alles schreit. Die Tage mit den heftigsten Gerüchen – Keksduft, Aromaöle, Räucherkerzen, Duftwerk, Lebkuchengewürze bis zum Erbrechen.

Ein Teil von mir findet es schön. Das ganze Spektakel wurde mir schließlich schon als Kind als der natürliche Verlauf der Adventszeit vorgelebt. Ein anderer Teil von mir ist verängstigt und abgeschreckt von dieser völligen Eskalation mentaler und körperlicher Sorgearbeit, verkleidet im Gewand des Weihnachtsgeistes.

Es beginnt früh: Schon Ende September habe ich die meisten Adventskalendertürchen für meine Familie vorbereitet. Meine Oma fragt regelmäßig im Juni, was wir uns denn alle zu Weihnachten wünschen und ich grübele dann tatsächlich schon hart mit. Noch im Sommerurlaub kaufe ich „kleine weihnachtliche Aufmerksamkeiten“ für Kolleginnen und Nachbarn. Ich führe ganzjährig Listen mit allen Geschenken für alle Personen, die erwarten, beschenkt zu werden. Gar nicht zu denken an die Weihnachtsfeiern, Adventsmärkte und vorweihnachtliche Treffen mit Gruppen, die ich eigentlich nicht mag.

Ja, das ist extrem, aber ich weiß auch, dass ich nicht allein bin: Ganze Heerscharen von Frauen machen Weihnachten möglich – und übertreiben es maßlos. Ein Fest, bei dem es meist nur oberflächlich um Werte wie das Miteinander, die Herzenswärme und den Zusammenhalt geht, die in den Werbekampagnen der großen Brands zu dieser Zeit besonders oft heraufbeschworen werden. Ein Fest, das mittlerweile nicht nur konsumtechnisch aus dem Ruder gelaufen ist, sondern das auch patriarchale Strukturen festigt, indem es den Großteil des Mental Load und die emotionale Arbeit, die dafür nötig ist, auf die Frauen und weiblich gelesenen Personen ablädt. Und ich bin nicht nur Frau, Tochter und Mutter – ich bin auch Schwester, Nachbarin, Arbeitgeberin, Kita-Elternteil, Kassenwartin, Partnerin, Ehrenamtlerin, Freundin und noch tausend Frauen mehr. Und in jeder dieser Rollen fühle ich die erdrückende gesellschaftliche Weihnachtserwartung – und versuche sie auch noch zu bedienen.

Ich spüre, dass an weiblich gelesene Personen eine höhere Erwartung rund um Weihnachten herangetragen wird als an unsere Partner, Kollegen, Freunde, Väter und Brüder. Und ich habe beobachtet und selbst erlebt, dass sich diese Erwartungen noch potenzieren, wenn man zusätzlich zur gesellschaftlichen Rolle als Frau und Tochter später selbst Mutter und noch später vielleicht Großmutter wird. Und das fühlt sich für mich zutiefst ungerecht an.