Inhaltsverzeichnis
Unterwegs mit Ralph-Raymond BraunOrientiert im AllgäuDie Region im ProfilKultur erlebenNatur erlebenDas Allgäu mit KindernUnterwegs im AllgäuUnterallgäuMemmingenKartause BuxheimIllerwinkelSchwäbisches Bauernhofmuseum IllerbeurenKronburgMaria SteinbachBad GrönenbachRundweg IllerschleifeOttobeurenMindelheimBad WörishofenOstallgäuKaufbeurenGeorgikirche bei Untergermaringen„Kleine Wies“ in StöttwangBurg KemnatKloster IrseeObergünzburgMarktoberdorfAuerberglandAltenstadtDer AuerbergLechbruckSteingadenDie WieskircheSeegAm ForggenseeRadrunde um den ForggenseeBadenRiedenRoßhauptenFüssenHopfenseeFaulenbacher Tal und AlatseeSchwangauund die KönigsschlösserMuseum der bayerischen KönigeSchloss HohenschwangauSchloss NeuschwansteinDer SchwanseeDer TegelbergPfrontenBurg FalkensteinBurgen Eisenberg und HohenfreybergNesselwangOberallgäuKemptenAltusriedSt. Pankratius in WiggensbachAm DurachtobelBurg SulzbergRottachseeImmenstadtNaturpark NagelfluhketteAm AlpseeDie Alpsee BergweltDer MittagbergDer HochgratDie WasserfälleHündlekopf und ImbergOberstaufenSonthofenHinanger WasserfallStarzlachklammErzgruben-ErlebnisweltDer GrüntenGunzesrieder TalDie HörnerdörferFischenOfterschwangBolsterlangObermaiselsteinBalderschwangBad HindelangOberstdorfDurch die BreitachklammIm StillachtalIm TrettachtalAuf dem NebelhornKleinwalsertalRiezlernHirscheggMittelbergWestallgäu und bayerischer BodenseeBad WurzachLeutkirchCenter Parcs AllgäuUrlauSchmidsfeldenEisenbach/KreuzthalKißleggWolfeggRavensburgBasilika WeingartenDie WaldburgWangenPfarrkirche von DeuchelriedEglofsIsnyDurchs RotmoosIm EistobelDurchs Taufach-Fetzach-MoosSchloss RimpachDie AdeleggRuine AlttrauchburgLindenbergScheideggWeiler-SimmerbergStiefenhofenLindauWasserburgNonnenhornNachlesen & NachschlagenNatur und LandschaftGeschichteKunst und ArchitekturAnreise und Verkehrsmittel vor OrtÜbernachtenEssen und TrinkenReisepraktisches in StichwortenFeste und VeranstaltungenGästekarten und KurtaxeInformation und InternetKlima und ReisezeitLesetippsAktiv im AllgäuFliegenRadfahrenKletternWassersportWintersportWandernVerzeichnisseFotonachweisImpressumÜbersichtskarten und PläneIndex
Alles im Kasten
Der Memminger MauDie Strigels – Aufstieg und Niedergang einer KunstmanufakturWas nützt das prächtige Gebäude?Wem gehört’s? – Streit um MindelheimSebastian Kneipp – die Karriere des WasserdoktorsDie Schwenckfelder – von Kaufbeuren nach PennsylvaniaCrescentia von Kaufbeuren – Wie wird man eine Heilige?Erbarmen für den malträtierten HeilandLudwig II., der MärchenkönigAusflug nach Schloss LinderhofHeinrich der Kempter – ein edler RittersmannKühe unter LeistungsdruckMit dem Schneefahrrad auf PisteGeheimnisvolle ZeichenDer KäsepionierBärbeles und wilde KlausenDer AdlerkönigDie wilden MändleDie „Rechtler“ von OberstdorfDer Fürst des AllgäusDer Allgäuer SeelenpfarrerDie Fabel vom Esel mit dem SalzDie Lindenberger CowboysDer Lindauer ReichstagBregenzer FestspieleAuf weiter FlurDas blaue Allgäu – kurze Geschichte des Textilgewerbes
Kartenverzeichnis
UnterallgäuMemmingenMindelheimOstallgäuKaufbeurenFüssenOberallgäuKemptenOberstdorfWestallgäu und bayerischer BodenseeLeutkirchRavensburgWangen im AllgäuIsnyInsel LindauRadtour 1: Von Memmingen durch den Illerwinkel Radtour 2: MTB-Tour im Gunzesrieder TalÜbersicht der Wanderungen und FahrradtourenWanderung 1: Aggenstein und BreitenbergWanderung 2: Nagelfluhkette vom Hochgrat zum MittagWanderung 3: Nagelfluhschleife AlpenfreiheitWanderung 4: Auf den GrüntenWanderung 5: Rund um den BeslerWanderung 6: Schrecksee und HochvogelWanderung 7: Rund um die HöfatsWanderung 8: Vom Söllereck zur KanzelwandWanderung 9: Über den GottesackerWanderung 10: Hausbachklamm und WildrosenmoosLegende AllgäuAllgäu ÜbersichtBahnstreckenkarte Übersicht
Tourenverzeichnis
GPS-Radtour 1 - Von Memmingen durch den IllerwinkelDiese als Tagesausflug auch für Familien geeignete Tour führt zu kulturellen Highlights im Memminger Umland: der Kronburg, der Wallfahrtskirche Maria Steinbach, der Kartause Buxheim und dem Museumsdorf Illerbeuren.GPS-Radtour 2 - MTB-Tour im Gunzesrieder TalDas über 10 km lange Gunzesrieder Tal zwischen Nagelfluhkette und Siplinger Kopf hat keinen Durchgangsverkehr und lässt damit Radlern selbst auf der Talstraße viel Raum.GPS-Wanderung 1 - Aggenstein und BreitenbergAuf stillen Wegen zu zwei viel besuchten Gipfeln über dem Vilstal: dem seinem Namen gemäß breiten und behäbigen Breitenberg und der von unten schier unbezwingbar erscheinenden Felskrone Aggenstein, die mit einem grandiosen Panoramablick belohnt.GPS-Wanderung 2 - Nagelfluhkette vom Hochgrat zum MittagBei dieser längst zum Klassiker gewordenen Gratwanderung über die Allgäuer Voralpen erklimmen Sie gleich sieben Gipfel, das stete Auf und Ab erfordert eine gute Kondition.GPS-Wanderung 3 - Nagelfluhschleife AlpenfreiheitDie „Alpenfreiheit“ macht uns mit dem größten zusammenhängenden Alpgebiet Bayerns bekannt – eine wertvolle und spannende Kulturlandschaft, die über die Jahrhunderte von der Alpwirtschaft geformt wurde.GPS-Wanderung 4 - Auf den GrüntenDer „Wächter des Allgäus“, wie er genannt wird, ist mit seinen 1738 m nicht der höchste Berg der Allgäuer Alpen, aber ihr bis weit ins Unterland sichtbarer Vorposten – und gewährt so den besten Rundblick weit und breit.GPS-Wanderung 5 - Rund um den BeslerBei der Fahrt über den Riedbergpass imponiert die auf der Südseite gelegene Beslergruppe: ein tafelbergartiges Karstmassiv mit nahezu senkrechten Felsabbrüchen.GPS-Wanderung 6 - Schrecksee und HochvogelEine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Zweitagestour mit Hüttenübernachtung.GPS-Wanderung 7 - Rund um die HöfatsDie Höfats mit ihren steilen Flanken ist der markanteste Allgäuer Grasberg und für ihre einzigartige Vegetation berühmt.GPS-Wanderung 8 - Vom Söllereck zur KanzelwandTraumhaftes Alpenpanorama und eine reiche Pflanzenwelt begleiten Sie auf dieser Tour über den Söllergrat.GPS-Wanderung 9 - Über den GottesackerDas wohl bekannteste Karstgebiet in den Alpen verzaubert mit seinen bizarren Formen und seiner Abgeschiedenheit.GPS-Wanderung 10 - Hausbachklamm und WildrosenmoosZugegeben, die Tour ist lang, doch vor allem ist sie sehr abwechslungsreich und führt mal durch die kühlen Wälder entlang eines rauschenden Wildbachs, mal übers offene Gelände mit herrlichem Ausblick auf die Alpen oder das Hügelland, mal durch eine sanfte Talaue oder auf schwankenden Bohlen durchs Moor.
Unterwegs mit
Ralph-Raymond Braun
1953 in der Anflugschneise des Frankfurter Flughafens geboren, aufgewachsen dort selbst und im Frankenland mit AFN und Radio Luxemburg. Noch als Schüler erste journalistische Versuche als Vereinsreporter für die Heimatzeitung. Studierte Politik, Geschichte, Deutsch und kam dann über eine Karriere als Hausmeister, Buchhalter, Lehrer und Reiseleiter zum Schreiben von inzwischen mehr als zwanzig Reisebüchern.
Morgens Herzklopfen beim Gipfelsturm, mittags satte Zufriedenheit bei der Brotzeit auf der Sennalpe, nachmittags Ehrfurcht im barocken Kleinod der Dorfkirche und abends Schmunzeln vor der Kleinkunstbühne. Am nächsten Tag vielleicht eine Radrunde um den Forggensee, anschließend mit den Kindern Ritterspiele auf der Burgruine oder ein Besuch in des Kinis Märchenwelt Neuschwanstein. Und wann endlich in das Museum von und für Günter Kunerth? Die Stärke des Allgäus ist seine Vielseitigkeit. Kühe und Käse, Berge und Badeseen, Kunst und Klettern, Familienferien auf dem Bauernhof oder Wellnesswochenende im Spa, hier kann man ganz unterschiedliche Bedürfnisse ausleben und vielleicht ganz neue Seiten an sich entdecken.
Auch die Touristiker, getrieben von der Sorge, allein mit weißen Gipfeln, blauem Enzian, grünen Wiesen und goldglänzendem Rokoko allmählich den Anschluss an die Freizeitbedürfnisse jüngerer Generationen zu verlieren, suchen nach Neuem und vermarkten das Allgäu zunehmend als Arena von Event und Action. Doch das muss Faulenzer und Ruhesuchende nicht schrecken, denn der Rummel konzentriert sich auf wenige Orte und lässt zwischen Memmingen und Oberstdorf, zwischen Lech und Bodensee noch genug Raum für Müßiggang. Bei dem Versuch, Ihr ureigenes Allgäu zu finden, soll dieses Buch Ihnen eine kleine Hilfe sein.
Was haben Sie entdeckt?
Haben Sie ein besonderes Restaurant, ein neues Museum oder ein nettes Hotel entdeckt? Wenn Sie Ergänzungen, Verbesserungen oder Tipps zum Buch haben, lassen Sie es uns bitte wissen!
Schreiben Sie an: Michael Müller Verlag GmbH | Betreff „Ralph-Raymond Braun, Stichwort Allgäu“ | Gerberei 19 | D - 91054 Erlangen
oder per Mail an:
[email protected] | Betreff „Ralph-Raymond Braun, Stichwort Allgäu“
Orientiert im Allgäu
Die Region im Profil
Das Allgäu ist ...
Deutschlands südlichste Ferienregion ist breit aufgestellt, gilt als ebenso traditionsbewusst wie innovativ und zählt zu den Top-Destinationen im Land. Ob Wander- oder Radtour, Alpen-Wellness oder Wintersport, Städtereise und Kulturtourismus, hier findet jeder das Seine.
♦ 800.000 Einwohner
♦ 5600 km² Fläche
♦ 15 Mio. Gästeübernachtungen
♦ Größte Stadt: Kempten mit 70.000 Einwohnern
♦ 107 km Nord-Süd-Ausdehnung, 102 km Ost-West-Ausdehnung
♦ Höchster Berg: Großer Krottenkopf mit 2656 m
... ein Land der Berge
Lange waren die Berge den Allgäuern ein unheimlicher Ort, heimtückisch und gefährlich, dazu das Revier der wilden Mändle und Klausen, denen man besser nicht in die Quere kam. Das änderte sich mit den ersten Sommerfrischlern, darunter als Trendsetter die jagd- und wanderbegeisterten bayerischen Könige. Seit Gründung der Alpenvereine verhelfen die Berge Wanderern, Kletterern und Wintersportlern aus allen Schichten zu Hochgefühlen und den Allgäuern zu Wohlstand.
Doch was aus der Ferne als Grenzlinie zwischen Himmel und Erde im Dunst verschwimmt, nimmt aus der Nähe ganz unterschiedliche Gestalt an. Da sind die Drumlins und die grünen Hügel des Alpenvorlands, zwischen denen noch Platz für Seen und Badeweiher bleibt. Dann die Vorgebirge von der Adelegg über die Nagelfluhkette bis zum Kamm des Falkensteins, ein gutes Gelände für Wanderer, Radler und Abenteurer, die nicht nach sportlichen Höchstleistungen streben, sondern eher den Naturgenuss suchen. Und schließlich der Hauptkamm der Allgäuer Alpen, an dessen schroffen Kalkgipfeln oberhalb der Baumgrenze Bergsteiger und Kletterer ihre Kräfte messen und die als Karstplateau genau so aussehen, wie wir uns schon immer eine Mondlandschaft vorgestellt haben.
... ein Land der Mächler
Der echte Allgäuer gilt als eigenbrötlerisch und mundfaul. Er ist ein Mächler, also einer, der was macht, ein handwerklich begabter Tüftler, der als Bauer auf dem Hof repariert und bastelt und als Büromensch wenigstens nach Feierabend in seinem häuslichen Hobbykeller werkelt. Er spielt im Musikverein ein Blasinstrument, vielleicht sogar Alphorn, und isst gern wie bei Muttern, am liebsten Kässpatzen oder saure Kutteln. Einem Bier und auch einem zweiten ist er nicht abgeneigt. Keiner verkörpert den echten Allgäuer so gut wie der ewig grantelnde Kommissar Kluftinger.
... und Wunschträume
Und die Allgäuerin? Sie ist modern und traditionsbewusst, naturverbunden, sportlich und kreativ, gestaltet ihre Freizeit bewusst und weiß das Landleben zu genießen - so beschreibt die viermal im Jahr erscheinende „Allgäuerin“ ihre Zielgruppe, die sich demnach für den Beruf als Kauffrau für Tourismus und Freizeit interessiert, selbstverständlich einen Kräutergarten hat, Pilze sammelt, sich mit Heilkosmetik beschäftigt, Kremers Farbmühle kennt und die Kinder zum Selbstbehauptungskurs in den Waldkindergarten schickt. Das also, meint das durchgängig weibliche Team von „Die Allgäuerin“, ist sie, die Allgäuerin, oder möchte es gern sein - oder denken wir, dass die Allgäuerin ist.
... ein Land der Gebirgstracht
Allgäuer oder Allgäuerin kleiden sich am liebsten in Tracht. Doch in welche? Gwand oder Häß ist hier die Frage. Die Älteren erinnern sich noch an den Trachtenkrieg, als Heimatkundler gegen die Mode der bayerischen Gebirgstracht aufbegehrten, wie sie mit Prinzregent Luitpold auch im Allgäu populär wurde und die historische Allgäuer Tracht in die Mottenkiste drängte. Heute ist die Gebirgstracht mit den von edelweißbestickten Riemen gehaltenen Lederhosen der Mannen und dem gleichfalls edelweißgemusterten Samtmieder der Frauen auf grauem Rock und grüner Schürze selbst auf dem Rückzug gegenüber dem Wiesndirndl, wie frau es auf den jetzt deutschlandweit zu feiernden Oktoberfesten trägt. Und das Urallgäuer Häß mit dem karminroten Seidenmieder und dem knöchellangen Plisseerock? Vielleicht noch beim Musikverein, auf jeden Fall aber im Museum.
... und der Zwiebeltürme
Als vielleicht nicht typisch allgäuerisches, aber bayerisch katholisches Symbol darf er in keinem Tourismusprospekt fehlen: der Zwiebelturm. Er strahlt Ruhe und Behaglichkeit aus, als „Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen“ hat ihn der Kunstkritiker Wilhelm Hausenstein gedeutet. „Welsche Haube“ nannte man ihn früher, denn er ist ein Kind der aus Italien kommenden Renaissance. Die ersten Kuppeln bekam 1525 die Münchener Frauenkirche, die Zwiebelform ist hier noch wenig ausgeprägt. Bald 50 Jahre später war die neue Form Trend. Als es nach dem Dreißigjährigen Krieg an den großen Wiederaufbau ging, wollten alle einen Zwiebelturm haben.
Sightseeing und mehr
Kultur erleben
Die Kulturlandschaft Allgäu punktet mit prunkvollen Adelssitzen, imposanten Kirchen und Klöstern, barocker Kochkunst und gutem Bier. Echte wie erfundene Traditionen lassen sich hier ebenso erkunden wie moderne Kunst. Einfach die Neugier stillen und den Spaß nicht vergessen.
Im Chorgestühl der Reichskartause Buxheim trifft man auf eine große Versammlung von Prälaten, Heiligen und biblischen Gestalten - alle meisterhaft porträtiert und in Holz geschnitzt. Ein Meisterwerk süddeutscher Barockkunst, an dem Bildhauer und Schreiner acht Jahre arbeiteten.
Die großen Schlösser
Schloss Neuschwanstein: König Ludwigs Wahnsinnsbau ist heute Disneys Inbegriff einer Burg. Besucher aus aller Welt stehen hier geduldig Schlange, um einmal das Original bestaunen zu dürfen.
Schloss Linderhof: Ludwigs II. Lieblingsschloss und das einzige, das noch zu seinen Lebzeiten fertig wurde. Im Park versetzen uns Venusgrotte und Hundighütte in die Welt der Wagner-Opern.
Residenz in Kempten: Die prachtvoll ausgestatteten Wohn- und Prunkräume zeugen vom üppigen Lebensstil der Fürstäbte und gelten als Höhepunkte des süddeutschen Rokoko. Mehr über das Leben der Bürger erfährt man gleich gegenüber im Stadtmuseum.
Kirchen und Klöster
Wieskirche: Viele Neuschwanstein-Besucher nehmen auch gleich noch die Wieskirche mit, ein prächtig ausgestattetes Rokokojuwel und Pilgerziel in Allgäuer Postkartenlandschaft.
St. Michael in Altenstadt: Wer stille Winkel ohne Massenandrang bevorzugt, besucht die spätromanische Basilika, einen seit dem Mittelalter kaum veränderten Tuffsteinbau in Altenstadt. Ein Geheimtipp!
Basilika und Kloster St. Mang in Füssen: In der Basilika trifft Barock auf moderne Sakralkunst. Versäumen Sie nicht die Führung durch die Krypta und den Totentanz in der St.-Anna-Kapelle.
Kloster Ottobeuren: Die größte Klosteranlage nördlich der Alpen überwältigt vor allem in der Basilika mit barocker Pracht. Noch immer leben hier Mönche nach der Regel des Hl. Benedikt.
Malerische Altstädte
Wangen: „In Wange bleibt ma hange!“, weiß der Volksmund. Gute Gründe liefert die schmucke, denkmalgeschützte Altstadt mit ihren bunt bemalten Barockfassaden, den gotischen Staffelgiebeln und den goldenen Wirtshausschildern.
Memmingen: Hier fügt sich auch zeitgemäße Architektur gut in die historische Altstadt.
Isny: Die kleinste unter den ehemals Freien Reichsstädten des Allgäus punktet mit trutzigen Mauern, romantischen Türmen und Toren und der Kunst im Schloss.
Ravensburg: Die heimliche Hauptstadt von Oberschwaben bietet vielfältige Einkaufsmöglichkeiten und Kulturangebote.
Lindau: nicht am, sondern im Bodensee. Bummeln Sie durch die Altstadt zum Hafen mit seinem Leuchtturm und dem bayerischen Löwen.
Museen
Museum Humpis-Quartier in Ravensburg: Anhand der Lebensgeschichte von vier Hausbewohnern geht es durch 1000 Jahre Kulturgeschichte.
Hutmuseum in Lindenberg: Passend in einer früheren Hutfabrik präsentiert sich hier die Stadt der Hüte.
Archäologischer Park Cambodunum in Kempten: Ausgrabung, Rekonstruktion und Museum inszenieren die Stadt zur Römerzeit.
Bauernhofmuseen in Wolfegg und Illerbeuren: Beide versammeln vor dem Abriss gerettete historische Bauernhöfe
und erzählen vom harten Landleben früherer Zeiten.
Ausstellungen und Kunstsammlungen
Werkschauen haben Sepp Mahler in Bad Wurzach, Wolfgang von Websky in Wangen, Rudolf Wachter in Kißlegg Friedrich Hechelmann in Isny und Max Unold sowie Josef Madlener in Memmingen.
Staatsgalerie im Hohen Schloss in Füssen: In den Prunkräumen der fürstbischöflichen Residenz zeigt der bayerische Staat heute spätgotische Tafelbilder und Skulpturen.
Künstlerhaus Marktoberdorf: Die Ostallgäuer Kunstausstellung präsentiert aktuelle Werke von Kunstschaffenden aus der Region.
Kunstmuseum Ravensburg: Aus dem eigenen Fundus, ergänzt um hochkarätige Leihgaben, arrangiert das Museum Wechselausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst.
Stadtmuseum im Haus zum Cavazzen: Hier veranstaltet die Stadt Lindau ihre legendären Sommerausstellungen mit Kunst der Klassischen Moderne.
Zauberhafte Landschaft
Natur erleben
Steinerne Gebirgsriesen für Gipfelstürmer, geboren aus der feuerspeienden Urkraft der Kontinentaldrift und geformt vom Eis der Gletscher. Zu ihren Füßen die Kulturlandschaft des „grünen Allgäus“ der Milchwirtschaft, attraktiv für Genussradler und wandernde Familien. Was wäre das Allgäu ohne seine Bauern?
Vielerorts wie hier am Tegelberg erspart eine Seilbahn den mühsamen Aufstieg und erlaubt so auch Turnschuhtouristen einen Spaziergang ganz oben. Doch keine Angst: Für hartgesottene Bergwanderer und Kletterer bleiben noch genug Gipfel übrig, die mit Schweiß und Ausdauer erobert werden wollen.
Berge
Hochvogel: Nur erfahrene Bergwanderer sollten sich auf den formschönsten Berg der Allgäuer Alpen wagen. Und bald kommen, denn der Gipfel bricht auseinander!
Grünten: Nur zu Fuß zu erklimmen und doch viel besucht. Hier begann der Allgäu-Tourismus und zu Recht lockte der „Wächter des Allgäus“ schon leibhaftige Kaiser zum Gipfelsturm.
Tegelberg: Bergwandern im früheren Jagdrevier der bayerischen Könige, bei Bedarf mit Auf- oder Abstiegshilfe durch die Seilbahn. Den besonderen Kick verspricht der Gleitschirm-Tandemflug ins Tal.
Schwarzer Grat: Die Alpen sind überlaufen? Nicht so der menschenleere und waldreiche Mittelgebirgszug Adelegg. Sein höchster Berg, der Schwarze Grat, ist zugleich die höchste Erhebung in ganz Württemberg.
Klammen und Tobel
Eistobel: Naturwunder entstehen und vergehen jeden Winter im Isnyer Eistobel, der mit seinen rauschenden Wasserfällen, den tiefen Strudellöchern, mächtigen Gesteinsbrocken und gewaltigen Felswänden auch an heißen Sommertagen zur kühlen Schluchtenwanderung einlädt.
Starzlachklamm: Nicht nur für Geologen ein Eldorado, sondern ein begehbares Naturdenkmal, das die Starzlach auf ihrem tosenden Weg ausgewaschen hat.
Breitachklamm: Manchmal muss man nicht auf den Berg hinauf, sondern ins Tal hinab, um schroffe Felsen zu erleben. Bei Oberstdorf hat sich die Breitach eine tiefe Klamm in den Fels gegraben und liefert dort mit Wasserfällen, sprühender Gischt und viel Getöse ein prächtiges Naturschauspiel.
Hausbachklamm: Nur wenige Gehminuten oberhalb von Weiler wird der im Dorf so zahme Hausbach zu einem wilden Gesellen, der sich über Kaskaden in tiefe Strudellöcher stürzt.
Pöllatschlucht: Direkt unterhalb von Schloss Neuschwanstein gewinnt die Pöllat an Fahrt und schießt über große und kleine Wasserfälle. König Ludwig II. war fasziniert.
Seen, Flüsse, Wasserfälle
Forggensee: Eldorado für Wasserratten und bei seiner Umrundung per Rad bewegt man sich streckenweise auf der römischen Via Claudia Augusta.
Großer Alpsee: Am und auf dem größten Natursee des Allgäus tummeln sich im Sommer Schwimmer, Surfer, Tretbootfahrer, Segler, Flaneure und Sonnenbadende.
Alatsee: Ein verrufener Ort voller Mythen, Fabelwesen und seltener Naturphänomene, der die Kluftinger-Autoren zu ihrem Krimi „Seegrund“ inspirierte.
Flussraum Iller: Ein hübscher Badeplatz an der Illerschleife mit Kiesstrand, Aussichtsturm und schwankender Hängebrücke.
Buchenegger Wasserfälle: Die Strudelbecken am Fuß zweier Wasserfälle eignen sich als erfrischende Badeplätze. Im Flachwasser planschen Kinder und bauen Dämme, in den tieferen Bereichen spielen junge Burschen „Gumpen jucken“.
Scheidegger Wasserfälle: 40 m stürzt hier die Rohrach hinab, bevor sie in eine unzugängliche Schlucht entschwindet. Im Sommer mit Wasserspielplatz, Streichelzoo und Bewirtung, winters mit bizarren Eisformationen.
Moore
Wurzacher Ried: Spuren der Eiszeit wie der Industrialisierung trifft man auf einer Fahrt mit der Torfbahn durchs Moor.
Wildrosenmoos: In diesem Hochmoor gedeihen noch Raritäten wie der Schwalbenwurz-Enzian, das gefleckte Knabenkraut, der Eisenhut, die Heilpflanze Arnika.
Rotmoos: Gleich vor den Toren von Isny öffnet sich eine Landschaft von besonderer Schönheit, nämlich dem Wechsel weiträumiger Feuchtwiesen mit Wald und gehölzgesäumten Bächen und Wassergräben.
Gärten und Parks
Schlosspark Linderhof: Für sein Versailles fehlten dem Kini Platz und Geld. So begnügte er sich notgedrungen mit einem bunten Allerlei aus barockisierenden Parterres, Terrassen nach Art der Renaissance und einem Landschaftspark nach englischem Vorbild.
Terrassengarten am Füssener Schloss: Einst baute ein Apotheker am Südhang des Schlosses Heilkräuter und pharmazeutische Pflanzen an. Heute pflegt die Stadt den duftenden Garten.
Familienurlaub
Das Allgäu mit Kindern
Urlaubende Familien sind im Allgäu gerne gesehen. Dörfer und Weiler bieten die Gelegenheit zu Ferien auf dem Bauernhof, wo die Kinder mit Tieren umgehen können und genügend Auslauf haben, ohne durch übermäßigen Autoverkehr gefährdet zu sein. Auch an Freizeitparks und Spaßbädern mangelt es nicht.
Tarzangleich balanciert und schwingt sich’s im Waldseilgarten Höllschlucht (Pfronten) durch die Baumkronen, in sausender Fahrt gleitet man auf Seilrutschen über den Bach. Parcours für Anfänger und Geübte stärken den Teamgeist, Kinder ab 6 Jahren sind willkommen.
Und Action!
Skyline Park: Vom Streichelzoo bis zum Kettenkarussell, aber auch jede Menge adrenalinfördernde Fahrgeschäfte sind in diesem Freizeitpark geboten. Ein Riesenspaß, nicht nur für Kinder.
Sommerrodeln am Tegelberg: Neben der Talstation der Bergbahn verheißt eine Sommerrodelbahn rasanten Spaß.
Buchenegger Wasserfälle: Die Strudelbecken am Fuß zweier Wasserfälle eignen sich als erfrischende Badeplätze. Im Flachwasser planschen Kinder und bauen Dämme, in den tieferen Bereichen spielen junge Burschen „Gumpen jucken“.
Hündlekopf: Auf dem Erlebnisrundweg erfährt man Wissenswertes und Unterhaltsames zu Pflanzen, Tieren und zur Landschaft. Dann geht’s die Sommerrodelbahn hinunter zur Talstation mit dem Streichelzoo.
Einfach Tierisch
Bergbauernmuseum Diepolz: Mit seinem Erlebnisspielplatz, einem begehbaren Rindermagen, den Tieren zum Anfassen und dem Heuhüpfen bleibt das Museum Kindern in bester Erinnerung.
Bauernhofmuseum Illerbeuren: Buben imponiert gewöhnlich der historische Fuhrpark einer rekonstruierten Landmaschinengroßhandlung. Anderswo auf dem Gelände tummeln sich putzige Zaupelschafe, aufgeweckte Schwäbisch-Hällische Schweine und andere seltene Haustierrassen.
Steinadlerwanderung im Hintersteiner Tal: Ausgestattet mit Ferngläsern und begleitet von fachkundigen Führern bietet sich hier die Chance, Steinadler zu beobachten.
Walderlebniszentrum Ziegelwies: Bienen und Regenwürmer zeigen ihr Tagwerk. Wir schaukeln über Hängebrücken, müssen auf einem Floß über den Lech, treffen die Riesenspinne und Märchenfiguren.
Reptilienzoo Scheidegg: Gleich neben der Bundesstraße lauern und sonnen sich Krokodile, Schlangen, Echsen, Schildkröten und Spinnengetier. Dank Terrarienhaus ist auch an kalten Tagen was los.
Zum Nachdenken
Klobunzele-Weg: Ein Wanderweg auf den Spuren der koboldhaften Sagengestalt. Jüngere Kinder dürfte das Klobunzele-Quiz begeistern. An jeder Schautafel gilt es, eine Frage zu beantworten. Und fürs richtige Lösungswort wartet am Ende eine Belohnung.
Bauernhausmuseum Wolfegg: In der Ausstellung Schwabenkinder des Bauernhausmuseums geht es um das Schicksal dieser Buben und Mädchen aus armen Bergbauernfamilien, die nach ihrem Zug über die Alpen auf den Kindermärkten von Kempten und Ravensburg als billige Arbeitskräfte an die Bauern verkauft wurden.
Hoch hinaus
Kletterwald Grüntensee: Künftige Bergsteiger können in diesem Hochseilgarten gut gesichert ihre Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erproben.
Waldwelt Allgäu: Der zwischen und über die Baumkronen gehängte Skywalk eröffnet neue Blicke auf den Wald und die Berge. Dank eines Fahrstuhls kann man einen Abschnitt auch mit Kinderwagen meistern. Unten am Boden wartet noch ein Abenteuerspielplatz.
Und bei Schlechtwetter?
Sport- und Kinderpark MiniMax: Ein großer Indoor-Spielplatz mit Kletterturm, Hüpfburgen, Fußballfeld, speziellem Kleinkinderbereich und vielem mehr.
Spielhaus im Feriendorf Reichenbach: Angebot für Kinder mit Kletterwand, Riesenrutsche, Billard, Kicker und vielen Gesellschaftsspielen.
Therme Bad Wörishofen: Damit sich ruhesuchende Kurgäste und erlebnishungriges Jungvolk nicht in die Quere kommen, hat das Badeparadies einen gesonderten Sport- und Familienbereich. Mit Riesenrutschen und Wildwassercanyon.
Allgäulino: Die Super-Alternative bei schlechtem Wetter! Kletterberge und Türme wollen erobert werden und die 10 m hohe Drachenburg bietet alles, was ein Kinderherz höher schlagen lässt. Für die kleinen Formel-I-Fans gibt es Elektroautos. → S. 122
Allgäuer Burgenmuseum: Wir lernen den rustikalen und wenig luxuriösen Alltag der Burgbewohner kennen, dürfen im Rittersaal an der Tafel Platz nehmen und die Rüstungen testen.
Unterwegs im Allgäu
Unterallgäu
Die abwechslungsreiche Landschaft der sanften Höhenrücken und mäandernden Wasserläufe lädt Genussradler zu gemütlichen Touren ein. Ideal zum Stadtbummel sind Memmingen und Mindelheim. Als barocke Perlen punkten die einstigen Reichsklöster Ottobeuren und Buxheim.
Alle vier Jahre, demnächst 2026, sind das Memminger Rathaus (oben) und die historische Altstadt Kulisse für die Wallensteinfestspiele, mit mehreren tausend Akteuren Europas größtes Historienspektakel. Nicht verpassen!
Wer zwischen Memmingen und Mindelheim unterwegs ist, mag sich fragen, warum diese Gegend zum Allgäu zählt. Zwischen den beiden Städten - die eine mit stolzer Vergangenheit als Freie Reichsstadt, die andere seit jeher ein bayerischer Vorposten im Allgäu - fährt man durch ein nur sanft gewelltes Terrassenland, ein ausgerollter Teppich sozusagen, gemustert mit Maisfeldern, Wiesen und eng umgrenzten Wäldern, weiträumig und übersichtlich. Die Allgäu-typischen Moränenhügel vor spektakulärer Alpenkulisse sieht man allenfalls bei gutem Wetter weit in der Ferne blassgrau schimmern.
Das Unterallgäu hingegen ist eine unspektakuläre Landschaft. Keine Streusiedlungen mit Einzelhöfen, sondern kompakte Dörfer. Zwiebeltürme, ja, die gibt es, doch mindestens so häufig sind die Kirchtürme mit schlichten Pultdächern gedeckt. Seen und Weiher fehlen, sofern nicht fleißige Mönche irgendwann einmal ein Gewässer zum Fischteich aufgestaut haben. Immerhin: Reichlich Grünland und Rindviecher gibt es auch hier. Glaubt man der Statistik, leben im Unterland sogar mehr Kühe als auf den Weiden des Oberallgäus. Doch die meisten stehen in irgendeinem Stall.
Wer in einer Dorfwirtschaft einkehrt, wird beim Gespräch mit Einheimischen das für den Allgäuer Dialekt so typische volltönende „a“ am Wortende vermissen. Im Unterallgäu sitzt nicht der Schreibar am Compjutar, sondern der Schreibr am Compjutr, es klettert nicht d’Katza auf d’Schtiaga (Treppe), sondern d’Katz auf d’Schtiag. Kurz gesagt: Zwischen Memmingen und Mindelheim gehört man auch sprachlich eher zu Schwaben als zum Allgäu.
Was anschauen?
Kunst in Memmingen: Hier haben die Renaissancemaler und Holzschnitzer der Familie Strigel ihre Spuren hinterlassen, ein eigenes Museum ist ihnen gewidmet. Das moderne Ergänzungsprogramm liefert die Mewo-Kunsthalle mit Fantasy-Malerei.
Mechanik, Mode und Holzschnitzerei in Mindelheim: Ein historischer Stadtkern samt Wehrmauer, Toren und Türmen. Uhrmacherkunst ganz groß im Turmuhrenmuseum, Mode vom Rokoko bis in die bunten 1970er im Textilmuseum, das älteste Jesuskind im Krippenmuseum.
Kartause Buxheim: Eine große Versammlung von Prälaten, Heiligen und biblischen Gestalten - alle meisterhaft porträtiert und in Holz geschnitzt. Das Buxheimer Chorgestühl zählt zu den Meisterwerken süddeutscher Barockkunst.
Bauernhofmuseum Illerbeuren: Alte Bauernhäuser wurden vor dem Abriss gerettet, hierher versetzt und sind nun Kulisse für eine Zeitreise ins Landleben der 1950er-Jahre. Bauernhofromantik oder elende Schufterei? Urteilen Sie selbst!
Wallfahrtskirche Maria Steinbach: Die Rokokokirche lockt Pilger wie Kunstfreunde. Ein Museum zeigt, wie sich die Wallfahrt entwickelt und über die Jahre verändert hat.
Kloster Ottobeuren: Die größte Klosteranlage nördlich der Alpen überwältigt vor allem in der Basilika mit barocker Pracht. Noch immer leben hier Mönche nach der Regel des Hl. Benedikt. Das Klostermuseum versammelt große Kunst, der Theatersaal ist auchStation der „Europäischen Route Historische Theater“.
Was unternehmen?
Skyline Park: Vom Streichelzoo bis zum Kettenkarussell, aber auch jede Menge adrenalinfördernde Fahrgeschäfte sind in diesem Freizeitpark in Bad Wörishofen geboten. Ein Riesenspaß nicht nur für Kinder.
Radtour durch den Illerwinkel: Dieser auch für Familien mit Kindern geeignete Tagesausflug ins Umland von Memmingen verbindet Naturerlebnis mit dem Besuch kultureller Highlights. Auch Badestopps bieten sich an.
Kneippen im Bad Wörishofen: Wirtshäuser gibt es zwar auch, doch seinen Ruhm als Zentrum des Gesundheitstourismus verdankt der Kurort dem „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp (1821-1897). Wasserfreuden auch für das jüngere Publikum bietet die Wörishofer Therme.
Und was sonst?
Ottobeurer Konzerte: Der Ohrenschmaus großer Musik - zu genießen in der Basilika mit ihrer kraftvollen Orgel oder im Kaisersaal des Klosters Ottobeuren. Schon Herbert von Karajan dirigierte hier.
Memmingen45.000 Einw., 595 m ü. NN
Was für eine Überraschung: Nicht Venedig, Florenz oder Barcelona, sondern Memmingen steht auf Platz 1 im Ranking der attraktivsten Städtetrips - so urteilte jedenfalls das britische Glamour-Reisemagazin „Condé Nast Traveller“.
„Memmingen - Stadt mit Perspektiven“, so bewirbt sich die Stadt auf ihrer Website. Und überlässt es dann jedem selbst, das Motto inhaltlich zu füllen. Gemeint sein könnte der Blick bei guter Sicht bis auf die Hügellandschaft des Voralpenlands mit seinen typischen Streusiedlungen - das wäre dann Memmingen als „Tor zum Allgäu“. Oder - darf’s etwas bedeutungsschwerer sein? - Erinnerungsort an die hier verkündeten Zwölf Artikel der Aufständischen des Bauernkriegs. Die werden lokalpatriotisch als erste demokratische Verfassungsurkunde auf deutschem Boden gehypt und alle paar Jahre mit der Verleihung des „Memminger Freiheitspreises 1525“ an honorige Persönlichkeiten gefeiert, zuletzt 2025 an den Fußballtrainer Christian Streich. Das wäre dann die Perspektive „Stadt der Freiheit“. Andere mögen an den Memminger Kreuzzug denken, als Ende der 1980er-Jahre der Arzt Horst Theissen vom Memminger Landgericht unter dem Vorwurf illegaler Schwangerschaftsabbrüche zu einer Freiheitsstrafe mit Berufsverbot verurteilt wurde, wobei man auch gegen die betroffenen Frauen Strafbefehl erließ und sie vor Gericht bloßstellte. Mir persönlich gefällt an Memmingen besonders, wie sich auch zeitgemäße Architektur in die gut erhaltene Altstadt einfügt, ohne das Alte bloß nachzuahmen.
Stadtgeschichte
Als „Mammingin“ 1128 erstmals urkundlich erwähnt wurde, war sein Namenspatron schon lange tot. Ein alemannischer Klanchef namens Mammo soll es gewesen sein, der im 5. Jh. lebte und auch noch an anderen Orten im Südwesten seinen Namen hinterließ. Die Siedlung des Mammo befand sich am heutigen Autobahnkreuz, das damals ein idyllischer Fleck in den Auwäldern der Iller war. Ab dem 7. Jh. gab es dann in der Nachbarschaft des Dorfs einen Königshof, der beim heutigen Marktplatz vermutet wird.
Die freie Reichsstadt
1158 gewährte der Memmingen eng verbundene Bayernherzog und Markgraf Welf VI. (1115-1191) das Stadtrecht. Nach seinem Tod fiel die Stadt an das konkurrierende Geschlecht der Staufer, 1268 wurde sie Reichsstadt und damit direkt dem Kaiser unterstellt. Im Spätmittelalter stieg Memmingen zu einer der führenden Handelsstädte Süddeutschlands auf. Die durch das Tiroler Silber reich gewordene Kaufmannsfamilie Vöhlin finanzierte zusammen mit dem Augsburger Geschlecht Welser Handelsfahrten bis nach Indien.
Sebastian Lotzer und Christoph Schappeler verkünden die „Zwölf Artikel“ am Kramerzunfthaus
Das große Geld lockte auch die große Politik: Kaiser Maximilian war regelmäßig in Memmingen zu Gast und machte Bernhard Strigel, den letzten Spross dieser großen Künstlerfamilie, zu seinem Hofmaler. Nur wenige Jahre nach des Kaisers Tod - und vermutlich noch posthum zu dessen Missfallen -schloss sich die Stadt unter dem Einfluss des Reformators Christoph Schappeler und des Predigers Sebastian Lotzer der Reformation an. Lotzers „Zwölf Artikel“, die er im Bauernkrieg 1525 für die aufständischen Bauern als Programm und Forderung gegenüber dem Adel verfasste, gelten als ein früher Katalog von Freiheits- und Menschenrechten.
Im Verlauf des 16. Jh. geriet die nun protestantische Stadt in den Schatten von Ulm und Augsburg. Durch die Entdeckung Amerikas verlagerten sich die Handelswege, und mit der Eroberung des Balkans durch die Türken verloren die Memminger Fernhändler einen wichtigen Absatzmarkt. Karriere machte man nun anderswo. So zog es etwa den aus Memmingen stammenden Kaufmann Benedict von Herman nach Venedig, wo er mit einem Handelshaus ein Vermögen erwirtschaftete. Er soll sogar der erste schwäbische Millionär gewesen sein - in Gulden, wobei man für einen Gulden damals ein mehrgängiges Menü bekam oder eine Woche in einer guten Herberge unterkam. Seiner Memminger Verwandtschaft schenkte er den repräsentativen Hermansbau.
Haus der Großzunft am Markt, „hat einen bequemen Tanzboden“
1702 wurde Memmingen erstmals bayerisch, nämlich von den Truppen des Kurfürsten Maximilian II. Emmanuel besetzt, der mit dem Kaiser um die Erbfolge im fernen Spanien stritt. Das Abenteuer währte nur kurz. Es brachte dem Kurfürsten die Reichsacht und den Memmingern die Rote Kaserne, die gleich nach dem Abzug der bayerischen Soldaten für Wohnzwecke umgebaut wurde. Hundert Jahre später wurde Memmingen im Zuge der napoleonischen Flurbereinigung dann endgültig dem zum Königreich erhobenen Bayern zugeschlagen.
Eisenbahn, Käsepogrom und bemerkenswerte Bürgermeister
Mancher Memminger mag sich damals lieber den Anschluss ans schwäbische Württemberg gewünscht haben. Großschwaben sozusagen. Zumal, als Bayern den Bau einer Eisenbahnlinie verweigerte. So mussten die Städte Memmingen und Kempten den Bau der Illertalbahn aus eigenen Mitteln finanzieren und sich selbst um den Bau kümmern. Inzwischen sind sich Memmingen und München nähergekommen. So nah, dass der zum zivilen Allgäu Airport mutierte Fliegerhorst am Stadtrand von Chartergesellschaften als „München-West“ vermarktet wird.
Deutschlandweit Aufmerksamkeit erregte 1921 der Memminger Käsepogrom. Als im ungewöhnlich heißen und trockenen Sommer jenes Jahres die Preise für Milchprodukte kräftig stiegen, nutzten deutschvölkische Judenhasser die Gelegenheit und lenkten den Volkszorn auf den jüdischen Molkereibesitzer Wilhelm Rosenbaum, der für die Teuerung verantwortlich gemacht wurde. Nur mit großer Mühe konnte die Polizei den „Käsejuden“ vor der Lynchjustiz retten. Kaum waren dann die Nazis an der Macht, steckten sie Rosenbaum ins KZ Dachau. Nach einigen Wochen kam er jedoch wieder frei, verkaufte den Betrieb und emigrierte mit seiner Familie nach Israel. Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die neuere Geschichte. Von 1980 bis 2016, also 36 Jahre im Amt, war Oberbürgermeister Ivo Holzinger (SPD) lange Bayerns dienstältester OB. In Memmingen hat er damit auch seinen Vorgänger Heinrich Berndl übertroffen, der von 1932 bis 1945 und nochmals von 1952 bis 1966 amtierte. Berndls Karriere reichte von der Weimarer Republik über die NS-Zeit bis in die Bundesrepublik, die ihn mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnete. Kann man in einer Diktatur ein hohes Amt bekleiden, ohne sich die Hände schmutzig zu machen? Memmingen ehrt Berndl mit der Ehrenbürgerschaft und einem Dr.-Berndl-Platz.
Stadtrundgang→ Karte
Unser Stadtrundgang beginnt am Marktplatz. Blickfang ist hier das lang gezogene Steuerhaus, in dessen oberen Etagen zu reichsstädtischer Zeit Stadtkasse, Kämmerei und der Kleine Rat, also die Vertretung der Patrizier, amteten. In den Erdgeschossarkaden residieren seit jeher Ladengeschäfte. Das Steuerhaus wurde 1494/95 errichtet und später um ein Stockwerk erhöht. Die üppige Bemalung mit Putten und Ornamenten stiftete vor gut hundert Jahren eine Bürgermeisterwitwe. In der Mitte der Längsfront entdeckt man eine Stadtansicht aus dieser Zeit. Die Fenster an der rechten Stirnseite sind schöner Schein - Illusionsmalerei auf der glatten Wand.
Auf der rechten Seite schließt sich, etwas zurückgesetzt, das Rathaus an. Der 1589 hochgezogene Bau soll damals ein Drittel des städtischen Jahresbudgets gekostet haben. Um den Blick auf das Rathaus freizugeben, wurde das Steuerhaus damals um drei Arkadenlängen gekürzt und die neue Seitenwand abgeschrägt - ein raffiniertes Arrangement, das sich erst beim zweiten Hinsehen offenbart. Seine Rokokofassade mit stuckverzierten Fenstern, dem geschwungenen Giebelfeld, den Erkern und den Turmhauben erhielt das Rathaus bei einer Verschönerungsaktion im 18. Jh., als die Stadt mit den prachtvollen Landschlössern des Adels gleichziehen wollte. Vom Markt aus betrachtet, setzen die vertikalen Linien der Türme und Erker des Rathauses einen Gegenakzent zum horizontalen Baukörper des Steuerhauses. Durch das Haupttor kommt man in ein weitläufiges Gewölbe, das früher auch als Markt- und Versammlungshalle diente. Im Treppenhaus zeigt ein Glasfenster den Einzug von Soldaten in die Stadt. Die Glasmalerei und die Nagelbilder in der Fensterlaibung erinnern an eine Propagandakampagne im Ersten Weltkrieg, als die Memminger Bürger für Kriegerwitwen und Kriegswaisen spendeten.
Auf der Ostseite begrenzt die 1718/19 errichtete Großzunft den Platz. Dies war das Haus der Adeligen Gesellschaft zum goldenen Löwen, das Wappentier prangt am Balkon. 1347 hatten die Memminger Handwerker eine Zunftverfassung ertrotzt, mit der die bis dahin allein regierenden Patrizier nur noch als eine Zunft neben anderen an der Stadtspitze standen - so lange, bis Kaiser Karl V. wieder ein Patrizierregime einsetzte, weil er die Handwerkerschaft als Nährboden für die ihm verhasste Reformation sah. Das Versammlungs- und Ballhaus „hat einen bequemen Tanzboden, einen großen Speißsaal und ein geräumiges Spielzimmer“, weiß eine alte Stadtbeschreibung, um noch anzufügen, „dass der mittlere Theil gegen jährlich billigen Zins der neuen Lesegesellschaft überlassen worden“ sei.
Noch ein paar Schritte weiter in der Kalchstraße thront auf dem Haus zum Storchennest (mit dem Woolworth-Laden) tatsächlich ein Storchennest. Am frühen Abend oder in der Brutzeit lassen sich die Vögel am besten beobachten.
Die Ulmer Vorstadt
Über die Gasse rechts neben dem Rathaus gelangt man in wenigen Schritten zum Hexenturm. Er steht kurz vor dem munter plätschernden Bach, diente auch als Stadtgefängnis und markiert den Beginn der erst 1445 um die Ulmer Vorstadt gezogenen Stadtmauer.Links durch die Grünlage führt ein Weg zum Einlass, der einzigen Nachtpforte im mittelalterlichen Memmingen. Wegen seines Giebels gilt er als das schönste unter den noch erhaltenen sechs Stadttoren. Im Durchgang des aus Ziegelsteinen gemauerten Torbaus erkennt man noch das Wächterhäuschen. Auf dem Bettelturm schützte eine Kanone den Einlass. Tagsüber betrat man die Stadt durch das Ulmer Tor - eine Tafel auf der Innenseite erzählt die Baugeschichte.
Im Parishaus, dem rosafarbenen Rokokopalais der Herren von Paris in der Ulmer Straße 9, residiert heute die Memminger Wohnungsbaugenossenschaft. Hinter dem Palais setzt die 1984 eröffnete Stadthalle mit ihrer giebelreichen Holz-Glas-Architektur einen modernen Kontrapunkt. Auf der Westseite der Halle wacht die Große Stehende, eine monumentale Bronzeplastik des Ottobeurer Künstlers Diether Kunerth. Bereits wieder am Rand des Marktplatzes steht die vielfach umgebaute Kirche St. Johann Baptist als letztes Überbleibsel eines Augustinerklosters (Eingang von der Ulmer Straße). Der Stadtbach fließt direkt unter der Kirche hindurch, mit der Folge, dass Stuck und Putz unter der aufsteigenden Feuchtigkeit mit der Zeit zerbröselten. Bei der letzten Sanierung entfernte man kurzerhand allen Zierrat und hinterließ nackte Wände, die nicht jedermanns Geschmack sind.
Zurück zum Markt. Am altrosafarbenen Eckhaus zur Zangmeisterstraße prangt die Blaue Saul. Im Mittelalter diente sie möglicherweise als Pranger, an dem Missetäter vorgeführt wurden und von jedermann misshandelt werden konnten, oder aber einfach als Symbol für die Gerichtsbarkeit der Stadt. Doch warum ist die Säule blau? Die gängige Erklärung hierfür lautet, ein betrunkener Honoratior habe sich auf dem Heimweg vom Wirtshaus an die Säule gelehnt und auf diese quasi abgefärbt.
Der Memminger Mau
Die Memminger und ihr Mau - in vielen Variationen überliefert und so eng verbunden, dass Memmingen auch den Spitznamen Maustadt trägt.
„Die betreffende Geschichte aber datiert noch aus jener Zeit, wo die Memminger wohl noch eine etwas vertrakte und absonderliche Ansicht vom nächtlichen Mondgestirn hatten, sei es, daß sie der Meinung waren, der Mond sei ausschließlich nur eine Spezialität des Memminger Himmels und nur ihnen zu eigen [...], oder daß er als Nachtleuchte gar nur eine besondere Einrichtung ihrer Stadt wäre. So kam es denn, daß jenes Memminger Weible höchlichst überrascht war, als es einmal bei einem Besuche in Kempten des Abends den nämlichen Mond am Himmel erblickte wie zu Hause und deshalb verwundert ausrief: ‚Jesses, scheint der Memminger Mau z’ Kempte au?‘ Seitdem ging die Rede oft vom Memminger Mau.“1
Noch eine Story gefällig? Gingen einstmals in klarer Vollmondnacht zwei Ratsherren aus dem Goldenen Löwen heimwärts. Auf einmal sahen sie, wie sich der Mond in einem der großen Zuber spiegelte, die unter den Dachtraufen der Häuser zu Feuerlöschzwecken standen. Da kam ihnen der geniale Gedanke, den Mau, wie er hierorts genannt, doch gleich herauszufischen, damit die Stadt zu beliebiger Zeit über sein Licht verfügen könne. Schnell war der Stadtfischer Lang geholt. Der rückte mit Netzen aller Art und seinen Knechten an und begann sein Werk. Von den Fenstern ringsum schauten die aufgeschreckten Bürger herunter, was sich da unten abspielte, und selbst aus den Nebengassen kamen sie hergelaufen, aber ... (und damit endet die Geschichte).2
Natürlich wissen auch die Memminger Lokalpolitiker inzwischen, dass der Mau nicht im Zuber schwimmt, sondern am Himmel steht. So schrieb der Oberbürgermeister nach der am 21. Juli 1969 erfolgten Mondlandung einen Brief an die NASA, in dem er den Beteiligten und dem amerikanischen Volk artig zum Erfolg gratulierte, gleichwohl aber darauf hinwies, dass der Mond ein Nationalheiligtum der Memminger sei und man deshalb der Stadt doch ein Stück Mondgestein überlassen möge, damit wenigstens ein Teil des Mau endlich nach Memmingen komme. Die NASA soll in ihrer Antwort höflich auf die Mitbringsel zukünftiger Mondfahrten vertröstet haben - mit denen es ja dann bald vorbei war. Und so warten die Memminger noch heute auf ihren Mau.
Vielleicht ist die Zeit nun ja allmählich reif für jene bislang nie aufgeführte Operette um den Memminger Mau, getextet vom Heimatdichter Hugo Maser und vertont vom Opernsänger Sigmund Rheineck, die irgendwo in den Tiefen des Memminger Stadtarchivs schlummert.
1 Karl Reiser: „Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus. Aus dem Munde des Volkes gesammelt“. Kempten 1895.
2 Frei erzählt nach Uli und Walter Braun: „Eine Stunde Zeit für Memmingen - vom Umland ganz zu schweigen“. Memmingen 1975.
Das Stadtmuseum im Hermansbau, dem spätbarocken Stadtpalais der namensgebenden Familie, erklärt die Stadtgeschichte und widmet sich dabei auch ausführlich dem Alltagsleben in der Reichsstadt. Schwerpunkte sind zudem das jüdische Leben in Memmingen vom 19. Jh. bis zur Deportation in die Vernichtungslager, die Werke des Memminger Barockmalers Johann Heiss (1640-1704) und die Fayencen der Manufaktur Künersberg, die 1745-1765 vor den Toren der Stadt Teller, Tassen, Kannen und Figuren herstellte.
♦ Mai bis Jan. Di-So 11-17 Uhr. Eintritt frei. Zangmeisterstr. 8, Eingang Hermansgasse, memmingen.de.
Sankt Martin
Mit ihrem 65 m hohen Turm ist die evangelische Stadtkirche St. Martin das höchste Gebäude der Altstadt und die zweitgrößte Ziegelbasilika im bayerischen Schwaben. Glaubt man den Chroniken stand hier bereits im 10. Jh. eine Kirche. Mit dem Bau des heutigen Gotteshauses im spätgotischen Stil wurde 1325 begonnen, abgeschlossen waren die Arbeiten 1500 mit Vollendung des aus Tuffstein gemauerten Chors, lediglich am Turm wurde weiterhin gewerkelt. Als Bernhard Strigel 1524 die Ziffernblattrahmung der Turmuhr malte, fehlte noch der achteckige Aufsatz mit dem Türmerstüble. Unten in der Kirche predigte derweil Memmingens Reformator Christoph Schappeler von der persönlichen Freiheit und den politischen Grundrechten, und bald darauf verordnete der reformierte Stadtrat, dass die gesamte Ausstattung, die Altäre, Bilder und Skulpturen, zu entfernen sei. Einzig das Chorgestühl durfte bleiben, ein schönes spätgotisches Eichenholzschnitzwerk mit Intarsien, Figuren von Propheten und Prophetinnen des Alten Testaments und (an der vorderen Stuhlreihe) Persönlichkeiten der Stadtgeschichte. Nur übertüncht wurden die inzwischen wieder freigelegten, der Künstlerfamilie Strigel zugeschriebenen Fresken in der Vorhalle des Südschiffs und die Bilderwelt in der Zangmeister-Kapelle. Die ornamentalen Malereien und der im Chorbogen sowie an der Stirnseite der Seitenschiffe zu sehende Passionszyklus nach dem Vorbild von Albrecht Dürers „Kleiner Passion“ werden Caspar Sichelbein dem Älteren (1555-1605) zugeschrieben.
♦ Ostern bis Sept. tgl. 10-17 Uhr, Anfang bis Mitte Okt. (zweiter Jahrmarktssonntag) 10-16 Uhr, danach geschlossen;Turmführungen Mai bis Okt. tgl. 15 Uhr. stmartin-memmingen.de.
Abendstimmung vor St. Martin
Kinderlehrkirche und Antonierhaus
Weitere von der Künstlerfamilie Strigel gemalte Wandbilder findet man gegenüber von St. Martin in der Kinderlehrkirche. Sie heißt so, weil sie eine Zeit lang für Kindergottesdienste und Religionsunterricht genutzt wurde. Die Fresken samt herrlichem Sternenhimmel stammen aus den Jahren unmittelbar vor der Reformation, als die Kirche noch zum Kloster der Antoniter gehörte. Als Stadtgründer Welf VI., der den Orden auf dem zweiten Kreuzzug kennengelernt hatte, den Antonitern seine Memminger Burg schenkte, widmeten sich sowohl fromme Brüder wie auch Schwestern der Versorgung von Pilgern. Später wurden nur noch Männer aufgenommen und man konzentrierte sich auf die Krankenpflege. Der heilige Antonius wurde zu dem Nothelfer für die am Antoniusfeuer bzw. Mutterkornbrand Erkrankten. Diese Vergiftung, die oft durch den Verzehr von mit gemahlenem Mutterkorn verunreinigtem Roggenmehl entstand, ging mit Fieberwahn und absterbenden Gliedmaßen einher.
St. Martin, Gewölbe der Zangmeisterkapelle
Im sanierten Klosterbau, dem Antonierhaus, sind ein Café, die Stadtbücherei und zwei Museen untergebracht. Das Antoniter-Museum präsentiert im Rahmen der Ausstellung auch einen gut gemachten Film zur Geschichte des Ordens und zum Alltagsleben im Spital. Und erklärt, was es mit den Antoniusschweinen auf sich hat. Das Strigel-Museum ist der Künstlersippe Strigel gewidmet und zeigt Skulpturen, Altarbilder und Porträts der Spätgotik und Frührenaissance.
♦ Museen Di-So 11-17 Uhr. Eintritt frei. Martin-Luther-Platz 1, memmingen.de.
Fuggerbau und Zunfthäuser
Auf dem Höhepunkt ihrer Macht ließ sich die Augsburger Handelsfamilie Fugger am Memminger Schweizerberg ein Geschäftshaus errichten. Der Fuggerbau geriet so groß und prächtig, dass später Wallenstein hier sein Hauptquartier einrichtete. Sein Widersacher Gustav Adolf, der die Stadt am 16. April 1632 eroberte, begnügte sich mit einer Übernachtung im Haus. Im Park reitet Stadtgründer Markgraf Welf VI. mit einer nackten Frau in der Hand.
Die Straßenflucht ostwärts zielt auf das rote Kramerzunfthaus am Kopf des Rossmarkts. In der Kramerzunft waren neben den eigentlichen Krämern, also den Händlern für die Nahversorgung, auch jene Berufszweige vom Apotheker bis zum Zuckerbäcker organisiert, deren Mitgliederzahl zu klein war, um eine eigene Zunft zu bilden. Nachdem die Zunft das Haus 1479 von Ivo Strigel gekauft hatte, richtete sie im zweiten Obergeschoss einen großen Versammlungssaal ein. Unter der aufwendigen Kassettendecke tagen nun die Honoratioren der Memminger Handwerkerschaft.
Die Strigels - Aufstieg und Niedergang einer Kunstmanufaktur
Drei Generationen der Familie Strigel machten Memmingen zu einem Zentrum von Bildhauerkunst und Malerei. Am Anfang stand Hans Strigel der Ältere († 1462), dessen Geburtsjahr keiner mehr weiß. Er erwarb eine bereits bestehende Holzbildhauerwerkstatt und stattete die Kirchen und Klöster der Region mit Altären, Fresken und Bildern aus, war selbst aber wohl nur als Maler tätig. Sein berühmtestes Werk, ein Flügelaltar, steht in einer Kapelle im Sonthofer Ortsteil Berghofen. Seiner Werkstatt wird eine lebensgroße Marienstatue in der Kirche von Oberstaufen-Thalkirchdorf zugeschrieben.
Nach Hans’ Tod übernahm Ivo Strigel (1431-1516) die Bildhauerwerkstatt, die sich nun auf die Produktion kompletter Altäre spezialisierte. Einen Strigel-Altar besitzt etwa der Frankfurter Dom. Den wichtigsten Exportmarkt, das schweizerische Graubünden, teilte man sich mit der Ulmer Konkurrenz auf: Strigel verkaufte an den Vorderrhein und in die Täler jenseits des Bernardino, während die Gegend um Chur und am Albula nur von den Ulmern beliefert wurde. Ivo Strigels erstes signiertes Werk, der für die Kirche in Lagenargen (Bodensee) vorgesehene und heute in der Stuttgarter Staatsgalerie ausgestellte Montfort-Werdenberg-Altar (1465), nennt in der Künstlerinschrift auch den Bruder Hans Strigel (den Jüngeren) (vor 1450 bis 1479). Von diesem stammen etwa die Passionsszenen in der Kirche St. Barbara zu Oberstdorf-Tiefenbach. In Ivos Werkstatt arbeiteten auch Claus und Michael Strigel, deren Verwandtschaftsgrad man aber nicht kennt.
Ihren besten Maler hatte die Familie in Bernhard Strigel (1460-1528), dem Sohn von Hans oder Ivo. Er lebte und malte in der spannenden Zeit des Umbruchs zwischen Spätgotik und Renaissance. Den Lehrjahren in der Familienwerkstatt folgten Wanderjahre, auf denen er künstlerische Impulse von Hans Holbein dem Älteren, Lucas Cranach und von niederländischen Vorbildern empfing. Auch der Ulmer Bartholomäus Zeitblom, mit dem gemeinsam er am Blaubeurer Hochaltar arbeitete, beeinflusste ihn. Für seine Karriere besonders bedeutsam war die Bekanntschaft mit Kaiser Maximilian. Als dessen Hofmaler porträtierte Bernhard zahlreiche Adlige. In Memmingen hinterließ er Wandmalereien in der Martins-, der Kinderlehr- und der Frauenkirche. Im Alter verzichtete er ganz auf religiöse Motive und fertigte nur noch Porträts. Als Zunftmeister mischte Bernhard auch in der Politik mit und vertrat seine Stadt als Gesandter auf diplomatischem Parkett.
Kunst der Spätgotik im Memminger Strigelmuseum
Nach Bernhard ging die Werkstatt an Hans Goldschmid (vor 1510 bis 1534), verheiratet mit Margareth Strigel, die eine Tochter von Bernhard oder Ivo gewesen sein könnte. Ein H. G. signiert erstmals 1514 auf einem Strigel-Altar im Vinschgau. Später wurde Goldschmid durch Prozesse aktenkundig. Es ging um Geldgeschäfte und Schulden, und dabei lag er auch mit Bernhard Strigel im Clinch. Künstlerisch tat sich nicht mehr viel. Drei Verkündigungsszenen sind überliefert, von denen die Kunstexperten keine hohe Meinung haben.
Das Ende der Werkstatt kann man aber nicht nur Goldschmids mangelndem Talent in die Schuhe schieben. Auch die Bilderfeindlichkeit der Reformation trug dazu bei - so verbot ihm der Stadtrat, einen lukrativen Auftrag der Kartause Buxheim anzunehmen. Ebenso von Einfluss war der Abstieg des Memminger Bürgertums, dem mit dem Verlust des Fernhandels das Geld und mit der Rückkehr zur Patrizierherrschaft auch die Demokratie abhandenkamen.
Ein Wandbild an der Nordseite des Gebäudes erinnert daran, dass hier die Anführer des oberschwäbischen Bauernaufstands ihren Forderungskatalog, die Zwölf Artikel, formulierten. Weitere Zunfthäuser, darunter das schöne Fachwerkgebäude der Weberzunft, stehen am Weinmarkt. Bis 1350 verlief hier die südliche Stadtmauer, erst danach wurde Memmingen um die Oberstadt, den südlichen Teil der Altstadt, erweitert. An der Ecke zur Kramerstraße greift der Nebel versprühende Freiheitsbrunnen in Gestalt einer aus zwölf Bronzetafeln gefügten Stele die Verkündung der Zwölf Artikel noch einmal auf. In den Boden eingelassene Tafeln halten die Forderungen der Bauern fest.
Die Einhornapotheke: Genesung dank Fabelwesen
In der Kramerstraße passiert man an der Ecke Kreuzstraße einen dreigeschossigen Giebelbau mit neobarocker Fassade und Memmingens ältester Apotheke, der Einhornapotheke mit sehenswerter Ladeneinrichtung. Dem Horn des Fabeltiers - im Mittelalter und der frühen Neuzeit wurde der Stoßzahn des Narwals als vermeintliches Einhorn-Horn gehandelt - schrieb man allerlei magische Fähigkeiten zu. Eine Berührung genügte, um Kranke zu heilen, und welcher Apotheker wäre nicht auch gern dieser Kunst mächtig gewesen? Von der Kuttelgasse aus kann man im Innenhof des Apothekenhauses einen historischen Laubengang erspähen.
Eine Ecke weiter weitet sich die Fußgängerzone zum Theaterplatz mit dem Stadttheater. Dessen alter Gebäudeteil wurde einst als Kirche des bis zum Schrannenplatz reichenden Elsbethenklosters errichtet, später diente er als städtisches Zeughaus.
Stadtbach und Schrannenplatz
Der Stadtbach war die Lebensader des mittelalterlichen Memmingen. Die Stadtgründer führten das Wasser des Benninger Rieds in einem Kanal zur Stadtmauer und zweigten dort einen Teil für den Wassergraben ab. Das verbleibende Bächlein war kräftig genug, um den Memmingern Trink- und Waschwasser zu stiften, eine Mühle anzutreiben und schließlich Abwasser und Unrat aus der Stadt zu schwemmen. Der Fischerbrunnen des Memmingers Max Pöppel (1909-1989) am Schrannenplatz erinnert an den alljährlichen Fischertag, an dem der Bach nach dem Abfischen abgelassen und gereinigt wird. Der Schrannenplatz war früher das Zentrum des Getreide- und Weinhandels. Markierungen im Pflaster zeichnen die Grundmauern der beiden Schrannen, also der großen Lagerhäuser für das Korn, nach. Mancher Handel mag anschließend im Weinhaus Goldener Löwe begossen worden sein, in dem heute ein bayerisches Bodenseeweingut seine edlen Tropfen verkauft. An der Ecke zur Kempter Straße wartet das erkergeschmückte Haus der vormaligen Porzellanhandlung Schwarz nach gelungener Sanierung auf eine neue Nutzung.
Sieben Dächer für die Gerber
Wer Kempter Tor und Frauenkirche (siehe unten) auslassen will, geht vom Schrannenplatz gleich ostwärts durch die Lindentorstraße zum Gerberplatz. Man beachte, wie sich die Neue Schranne und besonders der Baukörper über der Parkhauseinfahrt ins Ensemble einfügen. Im Siebendächerhaus trockneten die Gerber ihre Felle. Das hohe, dreifach abgestufte Dach mit den aufklappbaren Seitenluken ermöglichte eine gute Belüftung der aufgehängten Felle, die auf den Dachflächen auch in die Sonne gelegt werden konnten.
Oberstadt
Nur wenige Touristen erkunden das Viertel südlich des Schrannenplatzes. Die historische Bausubstanz der Kempter Straße wartet noch auf bessere Zeiten; es sind meist alte und eher schlichte Giebelhäuser (16.-18. Jh.) mit zwei oder drei Geschossen, mancher Bewohner würde sich gern eine bessere Bleibe leisten, wenn er denn könnte. Saniert wurde das Versunkene Rathaus, ein breiter Bau mit drei Schweifgiebeln am Südende der Straße gegenüber dem Kempter Tor. Das Fachwerkhaus am Ende der Weberstraße und damit zugleich an der Südostecke der Stadtmauer diente bis zu Reformation als Bordell, dann wurde es zum Siechenhaus.
Frauenkirche
Die evangelische Frauenkirche ist der Mittelpunkt des ehemaligen Weber- und Gerberviertels. Romanischen Ursprungs, bekam sie im 15. Jh. ihre heutige Gestalt. Nach der Reformation teilten sich in einem Akt früher Ökumene Katholiken und Protestanten das Gotteshaus: Von 7.30 bis 16 Uhr durften Letztere Langhaus, Orgel und Sakristei benutzen, die übrige Zeit stand die Kirche allein den katholischen Gläubigen zur Verfügung. Sehenswert ist die Frauenkirche vor allem wegen ihrer gut erhaltenen Wand- und Deckenmalereien.
Die Memminger Schule um Hans Strigel d. Ä. malte einen über das gesamte Hauptschiff verteilten Freskenzyklus mit den zwölf Aposteln, denen auf Spruchbändern die zwölf Artikel des Glaubensbekenntnisses in Memminger Mundart zugeordnet sind. In den Bogenlaibungen der Arkaden tragen Engel und biblische Gestalten Bänder mit Bibelzitaten. Einzig im Bogen nach dem Haupteingang begegnen wir rechts unten mit Bernhard von Clairvaux einer Person der Kirchengeschichte.
Die Memminger Frauenkirche
Die Wertschätzung des Malers oder Auftraggebers für Bernhard hängt vielleicht mit dessen meisterhaften Marienpredigten zusammen. Denn auch der „Komponist“ des Bildprogramms der Frauenkirche war ein großer Verehrer der Jungfrau und widmete ihr an der Turmwand im linken Seitenschiff einen Marienzyklus. 14 Einzelbilder zeigen ihre Lebensgeschichte. Der Mariengarten im Feld darüber ist voll mit allegorischen und symbolischen Mariendarstellungen, darunter die geheimnisvolle Einhornjagd. Vier Hunde hetzen das Fabeltier, von dem es heißt, es könne nur im Schoß einer Jungfrau gefangen werden. Maria streckt ihm und dem darauf reitenden Kind erwartungsvoll die Hände entgegen.
An der nördlichen Chorwand finden wir ein Stifterbild. Hans Vöhlin d. Ä., der im 15. Jh. den Innenausbau der Kirche weitgehend finanzierte, kniet zum Gebet. Im Hintergrund blickt man durch ein Fenster auf die Illerlandschaft. Ein froschähnliches Fabeltier trägt das Vöhlin’sche Wappen, darunter ist es noch einmal als Schild abgebildet. Die drei p im Wappen der Kaufmannsfamilie können gelesen werden als piper peperit pecuniam: „Der Pfeffer hat uns reich gemacht.“
♦ 15.5.-15.10. tgl. 15-17 Uhr geöffnet, außerdem nach Anmeldung im Pfarrbüro, Tel. 08331/2253 (Mo/Mi/Fr 9-12, Di 16-18 Uhr). unserfrauen.de.
Kreuzherrnkloster
Den als Parkplatz unter Wert genutzten Hallhof säumen (links) die Amtshäuser von Landgericht und Staatsanwaltschaft. Die Dachgaubenlandschaft auf der rechten Seite markiert das frühere Brauhaus, an der Südseite fügt sich der Neubau des Sport- und Modehauses Reischmann perfekt in die Straßenfront, und an der nördlichen Stirnseite steht die säkularisierte Kirche St. Peter und Paul. Als Kreuzherrnsaal wird sie für Konzerte und Ausstellungen genutzt. Sehenswert ist die barocke Stuckdecke des Wessobrunner Meisters Matthias Stiller (1660-1710) mit Girlanden, Muscheln und Akanthusblättern, die Freskenmedaillons in den Gewölbefeldern einrahmen. Schwarz ausgemalte Füllungen des Stucks täuschen räumliche Tiefe vor. Die Kirche ist eingebunden in ein Ensemble, das über Jahrhunderte als Kloster und Spital diente. Auf der Spitze des Kirchturms erinnert ein Kreuz mit doppeltem Querbalken an den hier tätigen Krankenpflegeorden der Kreuzherren. Schon im Hochmittelalter gab der Orden jedoch die Kranken- und Armenpflege auf und beschränkte sich räumlich auf die Kirche und das so genannte Oberhospital, nämlich die Obergeschosse des Konventbaus (heute Musikschule). Das Unterhospital für die Kranken und Pflegebedürftigen wurde nun von der Stadt übernommen. Sein Herz war die im Gewölbesaal eingerichtete „Dürftigenstube“, die heute als Café genutzt wird. In der Seelhausgasse auf der Rückseite des heutigen Landgerichts stand mit dem „Narrenhäuslein, Findelhaus und Seelhaus“ eine Art Wohnheim für verarmte Frauen. Die Unterhospitalstiftung ist bis heute als Träger des städtischen Alten- und Pflegeheims und von Kindergärten aktiv.
Wessobrunner Stuck im Kreuzherrnsaal
♦ Kreuzherrnsaal April bis Okt. Di-So 14-17 Uhr. Eintritt frei. Hallhof 5.
Kalchstraße und Salzstadl
Die von hübschen Giebelfronten gesäumte Kalchstraße war im Mittelalter Memmingens Salzmarkt. Sie ist relativ breit und bot genügend Raum für das Be- und Entladen der Fuhrwerke, die durch das Kalchtor ein- und ausfuhren. Das Tor selbst wurde mit der gesamten östlichen Stadtmauer im Zuge des Eisenbahnbaus abgerissen. Das blaue Erkerhaus Kalchstraße 29 war die Dreikönigskapelle. Nach der Säkularisation wurde sie zum Pferdestall und Bierkeller der gegenüberliegenden Kleinbrauerei Weißes Ross. 1470 stießen die Salzlagerkapazitäten in der Kalchstraße offenbar an ihre Grenzen, und der Magistrat beschloss den Bau eines neuen Salzstadels, in dem dann bis zum Ende der Reichsstadt der gesamte Salzhandel abgewickelt wurde. Im Obergeschoss hatten diverse Gesellschaften und Vereinigungen ihr Domizil.
Mewo-Kunsthalle
Dem behäbigen Backsteinbau des ehemals königlich bayerischen Postamts sieht man nicht an, dass er eine hochmoderne Kunsthalle beherbergt. Die zeigt neben Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst dauerhaft eine Grafiksammlung und die Arbeiten zweier einheimischer Maler: Max Unold (1885-1964), ein Exponent der Neuen Sachlichkeit, und Josef Madlener (1881-1967), der sich konsequent der Moderne verweigerte und mit seinen mystisch-esoterischen Bildern ein Pionier der modernen Fantasy-Illustration war. Madleners „Berggeist“, ein als Kunstpostkarte verbreitetes Gemälde, inspirierte J. R. R. Tolkien zur Figur des Zauberers Gandalf. Sie werden verblüfft sein zu sehen, wie ähnlich Madlener mit seinem langen, schmalen Gesicht und dem weißen Bart im Alter dann selbst der Gestalt des Gandalf wurde.
♦ Di-So 11-17 Uhr. Eintritt frei. Bahnhofstr. 1, mewo-kunsthalle.de.
Kartause Buxheim
Das frühere Bauerndorf Buxheim hat sich zu einem Schlaf- und Pendlerort für das nahe Memmingen entwickelt, von dem es nur zwei Autobahnschneisen trennen. Heute mutet es als kleines Wunder an, dass sich die nach wie vor selbstständige Gemeinde erfolgreich der Eingemeindung nach Memmingen widersetzen konnte. Fremde lockt die ehemalige Reichskartause ins Dorf, wobei sich unter die Kunstfreunde auch die Fans von Kommissar Kluftinger mischen, in dessen Fall Erntedank das berühmte Chorgestühl der Abtei eine Rolle spielt.
Die Kartause Buxheim wurde 1402 gegründet und 1548 von Kaiser Karl V. zum Reichskloster erhoben. Mit der Säkularisation fiel das Anwesen an die Grafen Waldbott von Bassenheim, 1916 an den bayerischen Staat. Von 1926 bis 2020 lebten im Südwestflügel der Kartause wieder Mönche. Keine Kartäuser, sondern Salesianer Don Boscos, die hier an einem katholischen Gymnasium mit Tagesheim wirkten.
Das vom Kreuzgang des Klosters zugängliche Museum zum Klosterstüble ist gewissermaßen das Buxheimer Dorfmuseum und zeigt die Ortsgeschichte. Schwerpunkt ist die Zeit unter den Grafen Waldbott von Bassenheim, also von 1812 bis zum Tod des letzten Schlossherrn, der 1926 bei einem Ballonabsturz ums Leben kam.
Die Kartäuser sind ein kontemplativer Orden, leben abgeschieden unter strengem Schweigegelübde und suchen Gott durch Gebet und Meditation. Das betont schlichte Leben der Mönche (Schlafen auf dem Strohbett, Waschen mit kaltem Wasser, nur vegetarische Ernährung, kein Frühstück) will nicht recht zum Glanz und Gloria passen, mit dem vor allem die Klosterkirche ausgestattet wurde. Der mitten durch die Kirche laufende Kreuzgang trennt sie in zwei Bereiche: Der östliche war den Priestermönchen vorbehalten, die in den Zellen rund um den Kreuzgang wohnten, im westlichen beteten die Laienbrüder, die mit ihrer Arbeit für den Unterhalt des Klosters sorgten. Das Gotteshaus wurde im frühen 18. Jh. durch die Wessobrunner Gebrüder Dominikus und Johann Baptist Zimmermann im Barockstil umgestaltet. Während das Gestühl des Brüderchors seit dem 19. Jh. verschollen ist, kam das damals ebenfalls entfernte Chorgestühl der Priesterkirche nach langer Irrfahrt wieder nach Buxheim zurück und wurde dort nach aufwendiger Restaurierung wiederaufgebaut. Schöpfer des auf seiner Odyssee mehrfach zersägten, zerstückelten, umgebauten und übermalten Wunderwerks aus Eichenholz war der Tiroler Holzschnitzer Ignaz Waibel.
Das Chorgestühl
Der aufgrund seines verschwenderischen Lebensstils chronisch klamme Graf Hugo Philipp Waldbott von Bassenheim (1820-1895), der schon den Stammsitz Bassenheim und die ihm gehörende Burg Pyrmont hatte versteigern müssen, verscherbelte 1883 mit der Bibliothek und anderen Buxheimer Schätzen auch die Chorgestühle der Klosterkirche.
Über Holland kam das Gestühl des Priesterchors nach London, wo es der damalige Direktor der Bank of England dem von seiner Frau geleiteten St. Saviour’s Hospital stiftete. 1964 wurde das inzwischen von Nonnen geführte Krankenhaus nach Hythe in die Grafschaft Kent verlegt. Dort baute man für das Chorgestühl eine Kapelle eigens nach den Maßen des Buxheimer Priesterchors. Als die Ordensschwestern sich 1979 aus dem Hospital zurückzogen, arrangierten sie die Rückgabe des Gestühls nach Buxheim - für einen Kaufpreis von umgerechnet etwa einer Million Euro, den überwiegend der Bezirk Schwaben aufbrachte.
Reichskartause Buxheim: St. Annas Himmel und das Chorgestühl
Am Sockel zeigen die Lesepulte der ursprünglich 36 Chorstühle Akanthusranken, die sich mittig zu dämonischen Masken formen. Darüber stehen Engel als Gebälkträger. Zwei Figuren von demütig betenden Mönchen, die auf Höhe der Lesepulte den Eingang zur Priesterkirche flankieren, geleiten in die nächsthöhere Ebene. In den Nischenstehen die Gründer verschiedener Ordensgemeinschaften, darunter mit Theresia von Avila auch eine Frau (vorne links). Auf dem Gesims thronen die zwölf Apostel mit Emblemen von Jesus und Maria sowie auf der Stirnseite Gestalten des Alten Testaments, nämlich (links) David mit der Harfe und Moses mit den Gesetzestafeln, (rechts) Aaron mit Weihrauchfass und der Priesterkönig Melchisedek mit Broten (seinen nach Genesis 14,18 zu erwartenden Weinkrug hat er wohl verloren). Zentrale Figur über dem Portal ist der Erzengel Michael, Anführer der himmlischen Heerscharen im Kampf gegen den Teufel.
Über dem separaten, einem Bischofsthron vergleichbaren Stuhl des Reichsprälatenwachen der Heiland, die Gottesmutter, Elias und Johannes der Täufer.
Das in der Sakristei der Klosterkirche eingerichtete Sakralmuseum dokumentiert die Entstehungsgeschichte des Chorgestühls, stellt die an der Kartause tätigen Künstler vor und erklärt an Modellen die Herstellung von Stuck, Stuckmarmor und die Technik der Freskomalerei.
Noch mehr Barock
Auch die St.-Anna-Kapelle in der Nordwestecke des Kreuzgangs verdankt den Gebrüdern Zimmermann ihr spätbarockes Erscheinungsbild. Von außen quadratisch mit Zeltdach und Laterne, präsentiert sie sich innen als Rotunde, übervoll mit Fresken und vollplastischen Stuckfiguren.
Auf der Nordseite des Kreuzgangs kann man im Kartausenmuseum mehr über das Leben der Mönche erfahren. Drei Mönchszellen wurden restauriert, jeweils bestehend aus Wohn- und Studierraum, Werkstatt und Garten. Die Ausstellung informiert über die Geschichte des Ordens, das klösterliche Leben in Buxheim und in Deutschlands letzter Kartäusergemeinschaft Marienau bei Bad Wurzach. Ein Modell zeigt die Buxheimer Anlage.
Noch mehr Barock gibt’s gleich vor dem Kloster in der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Der linke Seitenaltar birgt die berühmte Buxheimer Madonna, eine farbig bemalte Terrakottafigur, die um 1420 in einer Augsburger Werkstatt geschaffen wurde.
♦ Die Kartause war nach einem Trägerwechsel zuletzt nur So 14 Uhr zur öffentlichen Führung geöffnet. Eintritt 6 €. Für 2026 werden erweiterte Öffnungszeiten erwartet. kartause-buxheim.de.
Basis-Infos
Information Stadtinformation, Marktplatz 3, Tel. 08331/850172, memmingen.de. Mo-Do 10-16, Fr/Sa 10-13 Uhr.
EinkaufenConfiserie Heilemann5, feine Pralinen und Schokoladen, auch in Form der Sagengestalt Memminger Mau. Zangmeisterstr. 5, heilemann.de. Mo-Fr 9-13/14-18, Sa 9-13 Uhr.
Schwenger Stoffe10, Groß- und Einzelhandel mit Stoffen aus aller Welt, auch Kurzwaren. Roßmarkt 1, schwenger-stoffe.de. Mo-Fr 9-12.30/13.30-18, Sa 9-14 Uhr.
Wochenmarkt, Marktplatz, Di/Sa vormittags.
Feste/Veranstaltungen Memminger Meile, im Juni/Juli, Kulturfestival mit Kino, Kleinkunst und Weltmusik. meile.memmingen.de.
Kinderfest, am letzten Donnerstag vor den (bayerischen) Sommerferien. Nach dem Umzug treffen sich die maskierten Schulkinder auf dem Marktplatz und bekommen Geschenke.
Fischertag, am letzten Samstag vor den Sommerferien. Früher wurde alljährlich zu Bartholomä (24. August) der Stadtbach abgelassen, um das Bachbett zu reinigen. Vor dieser Aktion durften die Zunftgesellen das Gewässer abfischen. An diese Tradition knüpft das zum Volksfest mit Umzug und Abendprogramm erweiterte Fischerfest an. Wer den größten fängt, wird Fischerkönig. Tierschützer sind von der Fischtötung wenig begeistert. fischertagsverein.de.
Wallensteinfestspiele,