Unterwegs mit Gabriele Tröger und Michael BussmannOrientiert in PragStadt der 100 TürmeSightseeing-KlassikerSightseeing-AlternativenEssen gehenAusgehenShoppingUnterwegs in PragTour 1: Nové Město (Neustadt)Tour 2: Staré Město (Altstadt)Tour 3: Josefov (Josefstadt)Tour 4: Malá Strana (Kleinseite)Tour 5: Hradčany (Hradschin)Tour 6: Pražský hrad (Prager Burg)Tour 7: SmíchovTour 8: Holešovice und BubenečTour 9: Žižkov und KarlínTour 10: VinohradyAbstecher in Prags PeripherieBurg VyšehradPrůhoniceŠárka-TalStift BrenauDer Prager ZooSchloss TrojaPragovkaBaba-KolonieMüllervillaAusflüge rund um PragNelahozevesBurg KarlsteinKutná HoraTerezínNachlesen & NachschlagenGeschichteNotizen zur ArchitekturgeschichteEssen & TrinkenKulturlebenVeranstaltungenNachtlebenPrag mit KindernPrag (fast) umsonstAnreiseMobil in PragÜbernachtenPrag von A bis ZAuf einen BlickAlle MuseenAlle LokaleAlle Shopping-AdressenÜber dieses BuchÜbersichtskarten und PläneIndex
Von grünen Feen und grünen SchnäpsenHamburg liegt nicht an der Moldau und Böhmen nicht am MeerDer Bekannteste aller Tschechen – Hašeks braver Soldat ŠvejkKrálovská cesta oder Prag in 90 MinutenKarlsbrücken-LegendenDas Jüdische MuseumYehûdā Lîwâ Ben-Bezal’ēl, genannt Rabbi Löw, und die Legende vom GolemZuerst kamen die Kranken – die Anfänge des Tourismus in PragKult und Kitsch und weltberühmt – das Prager JesuleinHeiliger oder Lebemann – Wenzel und kein EndePrager Fensterstürze – eine lange TraditionSie nannten ihn „Mozard“David Černý, Meister der ProvokationDas „Auf und Ab“ in der GeschichteOstalgie-TippsNobelpreisträger und Persona non grata – Jaroslav SeifertLibušes Liebe und VisionenLeben zwischen Plattenbau und DatschaMoldau-Murals: Streetart-Künstler David StrauzzVon böhmischen Dörfern und der BohemeDie Nepomuk-LegendeVáclav Havel – vom Dichter zum Präsidenten und zurückTschechien und Prag in Zahlen und FaktenTouristenabzocke in Restaurants – noch kein Schnee von gesternBarrandov, das Hollywood des OstensPub Crawling statt Sightseeing – die Invasion der HirscheDas Prager Literaturhaus deutschsprachiger AutorenVietnamesen in TschechienKlein-Amsterdam an der Moldau?Sieben Fälle, sieben Fallen: Schwierigkeiten beim TschechischlernenWie das Känguru an die Moldau kam …
Tour 1: Nové Mĕsto (Neustadt)Tour 2: Staré Mĕsto (Altstadt)Tour 3: Josefov (Josefstadt)Tour 4: Malá Strana (Kleinseite)Tour 5: Hradčany (Hradschin)Tour 6: Pražskýhrad (Prager Burg)Tour 7: SmíchovTour 8: Holešovice und BubenečTour 9: Žižkov und KarlínTour 10: VinohradyZiele rund um PragÜbernachtenZeichenerklärungPrag – Ziele rund um die InnenstadtPrag – Öffentliches Verkehrsnetz
Tour 1: Nové Město (Neustadt)Prag präsentiert sich hier haupt- und großstädtisch, pulsierendes Herz des Stadtteils ist der Wenzelsplatz. Drumherum: traditionsreiche Kaffeehäuser, Malls und Theater.Tour 2: Staré Město (Altstadt)Die Altstadt mit ihren Bilderbuchgassen ist herausgeputzt, als wäre jeder Tag ein Festtag. Besuchermagneten sind der Altstädter Ring und die Karlsbrücke.Tour 3: Josefov (Josefstadt)In der Josefstadt legen Synagogen, Museen und ein verwunschener Friedhof Zeugnis ab vom einstigen jüdischen Leben an der Moldau.Tour 4: Malá Strana (Kleinseite)Beschaulichkeit pur: Die barocke Puppenstube zwischen Karlsbrücke und Prager Burg ist zum Verlieben!Tour 5: Hradčany (Hradschin)In der stillen Burgvorstadt kommen Kunst-Aficionados auf ihre Kosten. Zudem einen Besuch wert: Das Kloster Strahov mit seinen tollen Bibliothekssälen.Tour 6: Pražský hrad (Prager Burg)Das Wahrzeichen des Landes mit zig Museen, Palästen, Gärten und dem Sankt-Veits-Dom, einem absoluten Must-see in der Stadt.Tour 7: SmíchovDer einstige Arbeiterstadtteil im Süden des Zentrums hat sich in den letzten Jahren ein hippes Mäntelchen umgelegt. Spannende Galerien, Restaurants und Cafés sind hier entstanden.Tour 8: Holešovice und BubenečAuch im Moldaubogen tut sich viel. Holešovice ist zudem Heimat unserer Lieblingsmuseen: dem Messepalast und dem Nationalen Technikmuseum.Tour 9: Žižkov und KarlínHier kann man die Nacht zum Tag machen, gut essen oder sich Prag von oben angucken – vom Fernsehturm und vom Vítkov-Hügel.Tour 10: VinohradyKeine Sehenswürdigkeiten, dafür herausgeputzte Wohnstraßen, Biolädchen und hübsche Cafés.
Sightseeing-Klassiker
Prag zeigt seine Reize freizügig: eine erhabene Burg, hundert Türme und Kuppeln, verschlungene Gassen und prächtige Straßenzüge mit Bauten aus der Gründerzeit. Zwei Weltkriege hat die Stadt dank ausgebliebener Bomber nahezu unbeschadet überstanden, das kommt ihr zugute.
Schatztruhe Prag
Prags Schätze liegen nicht wie in anderen Metropolen in Museen versteckt. Das historische Zentrum präsentiert sich gar als einzigartiges Freilichtmuseum, nicht umsonst ist es UNESCO-Welterbe. Machen Sie sich also auf die Suche nach der „Synthese von Moderne und koboldhafter Romantik“, die schon Thomas Mann an der Moldau entdeckte.
Prag der Titelbilder
♦ Prager Burg: Das Wahrzeichen der Stadt bietet einen prächtigen Dom, Museen, Paläste, Kirchen und das berühmte Goldene Gässchen. Auch empfängt hier der Präsident Staatsgäste aus aller Welt. → Tour 6
♦ Kleinseite: Der Stadtteil ist fast zu schön, um wahr zu sein. Enge Passagen und steile Treppen, Katzenkopfpflaster und Durchhäuser, Parks, Kirchen und Paläste - lassen Sie sich einfach treiben. → Tour 4
♦ Karlsbrücke: Als die schönste Brücke der Welt wird sie gepriesen - etwas hoch gegriffen. Eine der schönsten ist sie aber auf jeden Fall. An eiskalten und nebeligen Wintertagen ist ein Spaziergang über sie am romantischsten. Übrigens: Eine Münze, von der Karlsbrücke geworfen, besiegelt die ewige Liebe! → Tour 2
♦ Altstädter Ring mit Rathaus: Ein echter Superlativ unter den Marktplätzen Europas, am Abend ganz bezaubernd in Szene gesetzt. Treffpunkt ist die Astronomische Uhr am Altstädter Rathaus, wo stündlich die zwölf Apostel defilieren. → Tour 2
♦ Wenzelsplatz: Der Fokus der Neustadt, lebendig, umtriebig, aber beileibe keine Augenweide. An seinem oberen Ende erhebt sich stolz und mächtig das Nationalmuseum, davor sitzt der Heilige Wenzel auf seinem Pferd. → Tour 1
Ab ins Museum
♦ Museum Kampa: Guter Einblick in die tschechische und tschechoslowakische Kunst des 20. Jh. Immer wieder hochrangige Wechselausstellungen. → Tour 4
♦ Palais Schwarzenberg: Alte Meister sind hier vertreten, von Dürer über El Greco bis Rubens. → Tour 5
♦ Sankt-Agnes-Kloster: Sehenswerte Sammlung böhmischer Kunst des Mittelalters. → Tour 3
♦ Jüdisches Museum: Kein einzelnes Gebäude wie etwa in Berlin, sondern verschiedene spannende Ausstellungen, die sich auf mehrere Synagogen verteilen. Zudem gibt es in Josefov, dem einstigen Prager Judenviertel, einen uralten jüdischen Friedhof. → Tour 3
♦ Messepalast: Der ehemalige, im funktionalistischen Stil errichtete und 1928 eröffnete Messepalast dient heute als Museum für moderne und zeitgenössische Kunst - an einem Tag kaum zu bewältigen. → Tour 8
♦ Nationales Technikmuseum: Auch in diesem Museum kann man locker einen verregneten Tag überbrücken. Ein Highlight ist die Verkehrshalle, ein Traum für Liebhaber alter Automobile. Auch Familien mit Kindern sehr zu empfehlen. → Tour 8
Architekturperlen
♦ Obecní dům: Das Gemeindehaus steht par excellence für den Prager Jugendstil. Der extravagante Monumentalbau ist bis ins Detail ausgeschmückt. Eine Führung lohnt sich. → Tour 2
♦ Prag, Stadt des Kubismus: In Sachen kubistischer Architektur steht die Moldaumetropole wohl weltweit einzigartig da. Wer der Stilrichtung nachspüren will, startet am besten mit dem Haus zur Schwarzen Madonna, einer Architekturikone, die auch noch mit feinen kubistischen Kunstwerken aufwarten kann. → Tour 2
♦ Masaryčka: Das goldene Masaryčka-Gebäude in der Neustadt ist kein Klassiker, aber hat das Zeug, zu einem neuen Wahrzeichen Prags zu werden. Fertiggestellt wurde das futuristische Gebäude 2024. Verantwortlich: Zaha Hadid Architects, das Büro der 2016 verstorbenen britisch-irakischen Architektin. → Tour 1
Die schönsten Kirchen
♦ Sankt-Nikolaus-Kirche: Wer sich in Prag nur eine einzige Kirche anschauen will, sollte diese prachtvolle, von Kilian Ignaz Dientzenhofer projektierte Kirche auf der Kleinseite aufsuchen - überall tanzen Putten, ein Barockbau wie aus dem Bilderbuch. → Tour 4
♦ Sankt-Veits-Dom: Die größte und berühmteste Kirche Tschechiens. Grundsteinlegung 1344, Fertigstellung 1929. Der fast unendlichen Geschichte des Dombaus ist der wilde Stilmix der Kirche auf der Prager Burg zu verdanken. → Tour 6
♦ Wallfahrtskirche Maria vom Siege: Willkommen beim Prager Jesulein! Die kniehohe Wachsfigur mit gigantischer Krone und wechselndem Outfit wird in der gesamten katholischen Welt verehrt. Nach dem Besuch der Renaissancekirche kann man sich in den umliegenden Geschäften nach einem Jesulein fürs heimische Wohnzimmer umsehen. → Tour 4
Unterwegs in Prag
Shoppen und Kaffee trinken
Tour 1
Nové Město ist das Handels- und Geschäftszentrum Prags, wenn nicht der ganzen Republik. Breite Boulevards und belebte Flaniermeilen, repräsentative Theater- und Opernhäuser, Einkaufszentren und Casinos prägen den Stadtteil.
Wenzelsplatz, Zentrum des modernen Prags
Nationaltheater, eines der prächtigsten Schauspielhäuser der Stadt
Jerusalem-Synagoge, sehenswerte Ausstellungen in spannender Architektur
Neustädter Kaffeehäuser, legendäre Orte für Kaffee und Kuchen
Neustadt
Nové Město
Ganz so neu, wie der Name vermuten lässt, ist der Stadtteil nicht. Bereits im 14. Jh. ließ Kaiser Karl IV. den großzügigen Grundriss von Nové Město anlegen. Zu jener Zeit gehörte Prag zu den bedeutendsten Städten nördlich der Alpen, lediglich Paris, Brügge und Gent waren größer. Je nach Quelle lebten damals 65.000 bis 85.000 Menschen in Prag, in Berlin nicht einmal ein Zehntel davon. Prag sollte zu einer würdigen, neuen Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches werden. Doch schon bald nach Karls Tod verkam die Neustadt zum Armenviertel.
Ende des 19. Jh. riss man einen Großteil von Nové Město ab. Lediglich ein paar Kirchen und Palais sowie das rechtwinklig angelegte Straßennetz blieben erhalten. So prägen nicht enge krumme Gassen wie in der Altstadt das Bild von Nové Město, sondern breitere Straßenzüge mit teils monumentalen Gebäuden - der Gründerzeit und des Jugendstils, aber auch des Funktionalismus und der sozialistischen Moderne. Bis in die Gegenwart wird an Nové Město gefeilt. Es wird neu, um- und angebaut oder auch nur die Fassade gestrichen. Gewerbeflächen sind begehrt, nicht nur jene mit einer Ladenfrontseite. Auch Banken, Versicherungen und Handelsvertretungen wählen die Neustadt gerne als Geschäftsadresse.
Routen und Sehenswürdigkeiten
Die bedeutenden Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Stadtteile werden in den Routen nur angerissen und weiter hinten unter „Sehenswertes im Detail“ näher beschrieben (Seitenhinweise beachten). Die angegebene Dauer eines Spaziergangs beinhaltet nicht den Besuch von Museen oder anderen Sehenswürdigkeiten.
Nové Město ist ein Stadtteil mit unterschiedlichen Facetten. Der Wenzelsplatz gehört zwar weitestgehend den Touristen, doch nur wenige Schritte entfernt sieht die Welt schon wieder anders aus. Die Kaffeehäuser, Kinos und Livemusik-Clubs der Neustadt sind auch bei den Pragern extrem beliebt. Und im Sommer steht das Náplavka-Ufer hoch im Kurs: Wo andere Städte Biergärten haben, hat Prag Bierschiffe. Dort fließt das Craftbier in Strömen.
Nové Město zieht sich wie ein breiter Gürtel um Staré Město. Altstadt und Neustadt treffen sich an den Straßen Revoluční, Na příkopě und Národní. Letztere zwei gehen vom Wenzelsplatz ab und bilden mit ihm das sog. Goldene Kreuz (zlatý kříž), eines der teuersten Pflaster der Hauptstadt. Prag zeigt sich hier weltstädtisch und geschäftig. Fußgängerzonen laden zum Flanieren und Straßencafés zum Genießen ein.
Tour-InfoLänge ca. 3,9 km, Dauer ca. 2:45 Std.→ Karte
Die Route
Als den „stolzesten Boulevard der Welt“ bezeichnete der Dichter Detlev von Liliencron Ende des 19. Jh. den Wenzelsplatz (Václavské náměstí) - Zeiten ändern sich. Die obere Stirnseite schließt das Nationalmuseum (Národní muzeum) ab, ein monumentaler Neorenaissancebau. Abends, wenn es im Scheinwerferlicht erstrahlt, verleiht es dem Platz noch immer etwas von dem Glanz zu von Liliencrons Zeiten. Davor thront seit 1912 der Heilige Wenzel zu Pferd. Das Denkmal ersetzte ein älteres aus dem Jahr 1680, bei dem er noch auf eigenen Füßen stehend über den Platz blicken musste. Es ist ein beliebter Treffpunkt. „Lass uns unterm Schwanz treffen“, sagen die Prager, wenn sie sich hier verabreden.
Weiter platzabwärts steht rechter Hand das in den 1950er-Jahren im Sozialistischen Klassizismus errichtete Hotel Jalta, damals wie heute eine Herberge der oberen Liga. Darunter, in 10 m Tiefe, befindet sich ein Atombunker, von dem aus man in kommunistischer Zeit westliche VIP-Gäste bespitzelte. Im Bunker befindet sich heute das The Cold War Museum.
Von den Häuserblocks rund um den Wenzelsplatz gehen viele Ladenpassagen ab, sog. Durchhäuser, die für die Neustadt typisch sind. Da sie verschiedene Straßenzüge miteinander verbinden, kürzen sie die Wege ab. Eine der schönsten ist die Lucerna-Passage (zwischen der Štěpánská und der Vodičkova, vom Wenzelsplatz über die Pasáž Rokoko zu erreichen), in der man dem Heiligen Wenzel abermals begegnet. Auch wieder zu Pferd sitzend, aber dieses Mal auf dessen Bauch, da das Pferd mit dem Kopf nach unten und den Beinen nach oben von einer Kuppel herabhängt. Das zeitgenössische Kunstwerk - ein Spiegelbild des heutigen Landes - schuf der Popkünstler David Černý (→ Kasten), und der Bau selbst, der erste Stahlbetonbau Prags, wurde von Václav Havels Großvater in den 20er-Jahren des 20. Jh. entworfen. Bis heute ist der Komplex in Besitz der Havel-Familie.
Wenzel in der Lucerna-Passage
Střecha Lucerny: Über den Dächern der Neustadt
In manchen Sommern sind die über Stufen und Treppengänge verbundenen Dachterrassen des Lucerna-Komplexes zugänglich - ein grandioses Erlebnis! Hoch geht es von der Lucerna-Passage mit einem altertümlichen Paternoster. Oben gibt es eine provisorische Sommerbar, Kirschbäume in Töpfen, Sitzmöglichkeiten und zum Sonnenuntergang mit Burgblick zuweilen kleine Konzerte. Aktuelle Infos auf strechalucerny.cz.
Überquert man den Wenzelsplatz auf der Vodičkova, blickt man rechter Hand auf die frisch restaurierte Jugendstilfassade des berühmten Hotels Evropa. In dessen Konferenzsaal hielt Franz Kafka eine seiner wenigen öffentlichen Lesungen.
Links des Hotels Evropa befindet sich der Eingang zum Club Duplex, einem protzigen, touristenlastigen Club in der obersten Etage. Hier, über den Dächern Prags, feierte Mick Jagger seinen 60. Geburtstag.
Von außen eher unscheinbar ist die Hauptpost an der Jindřišská. In ihrem Innern überrascht eine gelungene Verbindung aus Glas- und Stahlarchitektur mit der ursprünglichen Bausubstanz.
Ums Eck, im klassizistischen Palais Kaunitz an der Panská, befindet sich das Mucha-Museum (Muchovo muzeum), das dem Jugendstilkünstler Alfons Mucha die Reverenz erweist. Ein weiteres Mucha-Museum, werden wir später noch passieren.
Entlang der Jindřišská setzen wir unseren Spaziergang fort. Dort, wo heute das Gebäude mit der Nr. 17 steht, wurde 1875 Rainer Maria Rilke geboren, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter der Moderne. Getauft wurde der junge Rilke in der nahen Sankt-Heinrich-Kirche (Kostel sv. Jindřicha), die im 14. Jh. unter Karl IV. erbaut wurde. Getrennt vom Gotteshaus steht der Kirchturm (Jindřišská věž), der in der Geschichte Prags auch als Wehrturm fungierte. Man kann ihn besteigen und dabei eine wenig spannende Ausstellung über Prager Türme besichtigen. Interessanter ist da schon die Whiskeria, die über mehrere Etagen geht (rund 400 Sorten).
Einzigartig: kubistische Straßenlaterne in der Neustadt
Über eine Ladenpassage im Gebäude der Česká Národní Banka (Tschechische Nationalbank) gelangt man auf die beliebte Einkaufsmeile Na příkopě. Rechts voraus erheben sich das Pulvertor, der Jugendstilbau des Obecní dům und der Empirebau des Hybernia-Theaters - allesamt bei der Route durch die Altstadt aufgeführt.
Wir jedoch halten uns links und passieren das Slovanský dům (Nr. 22), das „Slawenhaus“. Bis zum Zweiten Weltkrieg hieß es „Deutsches Haus“ und war eines der Zentren im gesellschaftlichen Leben der Pragerdeutschen. Hinter der barocken Fassade verstecken sich schicke Boutiquen und ein großes Multiplexkino mit mehreren Sälen.
Das prächtige Neorenaissancegebäude (Nr. 20) daneben wurde einst für die Živnostenská banka erbaut. Der prunkvolle ehemalige Schalterraum im ersten Stock ist ein Traum - umgerechnet 12 € Eintritt für die Besichtigung zu verlangen aber eine Unverschämtheit.
Weiter an der Na příkopě folgt an der Ecke zur Panská die Heilig-Kreuz-Kirche (Kostel sv. Kříže), ein Empirebau mit ionischen Säulen. Hinter der Kirche unterhielten die Piaristen ein Kloster und Kollegium: Rilke, Werfel und andere große Dichter gingen dort zur Schule.
Vorbei am Palais Savarin mit dem zweiten Mucha Museum der Stadt gelangen wir zum unteren Ende des Wenzelsplatzes. Hier fällt das Palais Koruna ins Auge. Seinen Namen erhielt der von Antonín Pfeiffer projektierte Jugendstilbau von seiner dekorativen Eckturmkrone. Ende der 1920er-Jahre wurde darin das erste Prager Selbstbedienungsrestaurant mit dem appetitlichen Namen „Automat“ eröffnet, das sich bis zur Wende hielt. Werfen Sie einen Blick in die Passage!
Der funktionalistische Bau mit dem Baťa-Schuhgeschäft schräg gegenüber stammt aus den Jahren 1928-29. Der tschechische Schuhfabrikant Tomáš Baťa gab ihn in Auftrag. Aus Angst vor den Nazis verlegte Bruder Jan den Firmensitz 1939 nach Kanada. Die Kommunisten verstaatlichten die tschechoslowakischen Baťa-Fabriken. Als der Sozialismus in Rente ging, bekam die Baťa-Familie nur das Gebäude am Wenzelsplatz zurück.
Hier, am unteren verkehrsberuhigten Ende des Wenzelsplatzes, zwischen dem Palais Koruna und dem Baťa-Schuhgeschäft, spielten früher gerne Straßenmusiker auf. Mittlerweile ist es nahezu überall im historischen Zentrum verboten.
Folgt man der Gasse zwischen dem Foot-Locker-Geschäft (in einem verglasten Bau mit Rundeck) und dem Café Praha (mit Markise) und hält sich gleich darauf links, gelangt man zur einzigen kubistischen Straßenlaterne (samt Sitzmöglichkeit) weltweit.
Prag im Kasten
Von grünen Feen und grünen Schnäpsen
Picasso soll mit dem grünen, gallenbitteren Likör seine blaue Periode durchlebt haben, Van Gogh schnitt sich im Absinthrausch ein Ohr ab. In vielen Ländern war Absinth bis in die 1990er-Jahre übel beleumundet und verboten, dann erlebte der Likör eine kleine Renaissance. Außer dem Namen und ihrer Hochprozentigkeit hat die manchmal listerinefarbige und manchmal eher mattgrüne Spirituose von heute mit dem legendären Absinth der Bohème von einst allerdings wenig gemein. Letzterer nämlich enthielt neben dem aus Wermutblättern gewonnenen, namensgebenden Bitterstoff Absinthin hochdosiertes Thujon, ein Nervengift, das psychedelisch wirkt und zu psychischen Schäden führen kann. Was heute auf den Markt kommt, ist eine Art „Absinth Light“ mit maximal einem Fünftel der Thujonmenge aus der Zeit Picassos. Dennoch heißt es aufgepasst: Schon ein Gläschen kann die Sightseeing-Tour in ein anderes Licht rücken! Und wenn man zu viel des giftgrünen Stoffes trinkt, so sagt man, sieht man eine Fee gleicher Farbe ...Wer stilecht probieren möchte, entzündet einen Löffel mit absinthgetränktem Zucker und kippt die karamellisierte Flüssigkeit zurück ins Glas. Übrigens: Manche Prager Wirte bauen unangenehmen Situationen vor und schenken nur maximal zwei Gläser an experimentierfreudige Gäste aus.
Wo trinken? Am besten unter Viktor Olivas Gemälde „Der Absinthtrinker“ im Café Slavia oder in der Absintherie.
Am Restaurant U Pinkasů vorbei geht es zum Jungmannovo náměstí (Jungmannplatz), an dem das Österreichische Kulturforum residiert. Dessen Portal bildet zugleich den Zugang zur versteckt gelegenen Maria-Schnee-Kirche (Kostel P. Marie Sněžné). Rechts des Portals führt ein Weg in den kleinen Franziskanergarten und zum Nationalen Filmmuseum NaFilm.
Zum Jungmannovo náměstí hin, am Beginn der Národní třída (Nationalstraße) steht das Palais Adria. Der rondokubistische Bau (→ Architektur), den Le Corbusier etwas abfällig einen „assyrischen Palast“ nannte, entstand in den 20er-Jahren des 20. Jh. für die Versicherungsgesellschaft Riunione Adriatica di Sicurità. Während der Samtenen Revolution tagte hier Havels „Bürgerforum“. Reinspitzen ist nicht verboten und lohnt sich!
Etwa 100 m weiter an der Národní třída muss man linker Hand auf Höhe von Haus Nr. 34 nach einer Passage Ausschau halten. Diese führt direkt auf David Černýs Skulptur „Kafka“ (→ Kasten) zu.
David Černýs rotierender Kafka
Der Národní třída folgend passiert man kurz darauf die Václav-Špála-Galerie (Galerie Václava Špály), die zu den populärsten Ausstellungsräumen junger tschechischer Künstler gehört (Nr. 30, tägl. 11-19 Uhr, galerievaclavaspaly.cz). Und abermals 100 m weiter befindet sich im ersten Obergeschoss von Haus Nr. 20 das Louvre (leicht zu übersehender Eingang), eines der schönsten und bekanntesten Kaffeehäuser Prags und immer gut für eine Kaffee- und Palatschinken-Pause.
200 m die Straße hinab steht die barocke Sankt-Ursula-Kirche (Kostel sv. Voršily) aus der Wende vom 17. zum 18. Jh. (Nebeneingang nehmen). Sie entstand als Teil einer Klosteranlage.
Daran schließt die Neue Bühne (Nová scéna) an, ein spannender Bau der sozialistischen Moderne, 1983 nach Entwürfen des Architekten Karel Prager fertiggestellt. Die Glasbausteine der Fassade sind mundgeblasen. Manche Prager lästern, das Gebäude sehe aus wie „gefrorene Pisse“. Architekturfans sollten hineingehen, ein spektakulärer Treppenaufgang führt hinauf ins Café Nona.
Auf dem Platz hinter der Neuen Bühne toben sich die Skater aus. Neben der Nová scéna, zur Moldau hin, steht das Nationaltheater (Národní divadlo), der Stolz der Tschechen. Den Absacker nach dem Besuch der Vorstellung trinkt man gegenüber im Café Slavia. Das Slavia gehört ebenfalls zu den traditionsreichen Kaffeehäusern Prags und ist eine der ersten Adressen, um Absinth zu kosten: Nirgendwo sonst in der Stadt lässt sich der grüne Likör stilvoller genießen als unter Viktor Olivas Gemälde „Der Absinthtrinker“ aus dem Jahr 1905 (→ Kasten).
Am Ufer der Moldau geht es weiter. Im ehemaligen Botschaftsgebäude der DDR befindet sich heute das Goethe-Institut. Rechter Hand führt eine Brücke auf die Slaweninsel (Slovanský ostrov).
Vorbei an herrlichen Fassaden mit Moldaublick und an der funktionalistischen Výstavní síň Mánes (Ausstellungshalle Mánes,manes.cz), die mit den renommiertesten Galerien des Landes zusammenarbeitet, gelangt man zum Jiráskovo náměstí. Dort steht das dekonstruktivistische Gebäude des Versicherungskonzerns Nationale-Nederlanden (1992-96). Es wird auch als Tanzendes Haus (Tančící dům) bezeichnet. Mit verdammt viel Fantasie soll man in der sich herausdrehenden, schwungvollen Fassade Ginger Rogers und Fred Astaire erkennen können. Verantwortlich zeichneten der kanadische Architekt Frank O. Gehry und der Slowene Vladimír Milunič. In dem Gebäude befinden sich heute u. a. Büros, eine Galerie, ein schickes Hotel ( dancinghousehotel.com) und das gehobene Restaurant Ginger & Fred mit herrlicher Aussicht. Nochmals eine Etage höher lädt die Glass Bar (Reservierungen für 6 €/Pers. auf glassbar.cz) von 10 bis 23 Uhr auf ihre Panoramaterrasse ein.
Frank O. Gehrys Tanzendes Haus
Direkt daneben, in der obersten Etage des Jugendstilgebäudes am Rašínovo nábřeží 78, wohnte einst Václav Havel mit seiner ersten Frau Olga. Nach der Gründung der Charta 77 wurde er stets überwacht - mit Ausnahme der viereinhalb Jahre, die er im Gefängnis verbrachte. Die Geheimpolizisten hatten sich schräg gegenüber in dem ehemaligen Wasserturm bei der Galerie Mánes einen kleinen Beobachtungsposten eingerichtet, damit sie im Winter beim Spitzeln nicht froren.
Wer will, kann nun weiter entlang der Resslova, vorbei an der Kyrill-und-Method-Kirche (Kostel sv. Cyrila a Metoděje), zum Karlsplatz (Karlovo náměstí) spazieren. Das bekannteste und geschichtsträchtigste Gebäude dort ist das Neustädter Rathaus (Novoměstská radnice). Wer nicht alle Sehenswürdigkeiten abklappern will, lässt sich einfach noch ein wenig durch die Straßen der Neustadt treiben, insbesondere nahe der Moldau ist so manch schönes Eck zu entdecken. Im Sommer laden am Ufer der Moldau auch Bar- und Restaurantschiffe auf eine Pause ein.
Sehenswertes im Detail
Wenzelsplatz - Prags bekanntester Platz
Václavské náměstí
Früher hatte er das Aussehen eines Platzes und hieß Rossmarkt. Im Revolutionsjahr 1848 gestaltete man ihn in einen Boulevard um und gab ihm einen neuen Namen, allerdings nicht „Wenzelsboulevard“, sondern Wenzelsplatz. Zukünftig soll aus dem Boulevard mit den enormen Ausmaßen von 750 m auf 60 m wieder ein Platz werden: an den Seiten baumbestanden, weitestgehend verkehrsberuhigt und mit einem breiten Flanierweg in der Mitte. Die Umgestaltung im unteren Bereich des Wenzelsplatzes ist bereits abgeschlossen, die Arbeiten im oberen Bereich sollen 2027 enden.
Der Wenzelsplatz ist das Herz der Neustadt
Der Wenzelsplatz ist trotz seiner Repräsentativbauten und horrender Immobilienpreise kein Schmuckkästchen à la Altstädter Ring. Zu Allerweltsketten wie C & A oder Primark gesellen sich Kaufhäuser und Souvenirshops, deren Warensortiment guten Geschmack auf die Probe stellt. Tagsüber marschieren die Touristen zügig auf und ab, und abends torkeln manche als leichte Beute für Taschendiebe daher. Ohnehin ist hier bis spät in die Nacht viel los, nicht zuletzt wegen der Kneipen, Casinos und rot beleuchteten „Cabarets“ drum herum.
In der Geschichte Prags und Tschechiens war der Wenzelsplatz immer wieder Schauplatz von Massenaufmärschen, -demonstrationen und -feiern, zumal es kaum einen anderen Platz der Stadt gibt, auf dem sich das Volk in so großer Zahl versammeln kann.
(M) A, C Muzeum oder (M) B, C Můstek.
Nationalmuseum
Národní muzeum
Das Nationalmuseum gilt als eines der größten Museen der Republik, und zählt man die Exponate (im Fundus rund 14 Mio.), dann ist es das garantiert. Allein die mineralogische Sammlung - Steinchen neben Steinchen in schönen alten Vitrinen - ist eine der umfangreichsten der Welt. Auch die zoologische Abteilung ist an Vielfalt kaum zu überbieten. Kein Tier, das nicht ausgestopft wurde: Giraffe, Hammerhai, Leopard, Eisbär, Elefant usw. Dazu wird das Skelett eines 22 m langen Finnwals präsentiert. Des Weiteren gibt es das Pantheon (einen Saal mit Büsten und Statuen der tschechischen Nationalheiligen aus Politik, Kunst und Wissenschaft), eine Insektensammlung, eine anthropologische Sammlung, eine Ausstellung zur Geschichte des Landes bis zum Ersten Weltkrieg und einen Aussichtssaal über der Kuppel des Pantheons (Aufzug nehmen und dann die Treppen hoch) mit einem tollen Blick auf den Wenzelsplatz - am schönsten zur blauen Stunde.
Prächtig: Aufgang im Nationalmuseum
Der bronzefarbene, gläserne, auf Stelzen stehende Kasten, der nordöstlich an das Nationalmuseum anschließt, war einst das Parlamentsgebäude der ČSR und ČSSR. Den steinernen Sockel des Gebäudes bildet die ehemalige Börse. Doch mit der Machtübernahme der Kommunisten wurde die Börse überflüssig und der Klotz daraufgesetzt. Verantwortlich zeichnete Karel Prager (1923-2001), einer der bekanntesten Vertreter des tschechoslowakischen Brutalismus. Heute wird das Gebäude als Nová Budova Národniho Muzea (Neues Gebäude des Nationalmuseums) für temporäre Ausstellungen, eine Ausstellung zur jüngeren Geschichte des Landes und eine Exposition für Kinder genutzt.
Verbunden werden Hauptgebäude und Neues Gebäude durch einen 65 m langen, unterirdischen Korridor. Die Lichtinstallation „Moments of History“ dokumentiert dort die wechselvolle Geschichte des Wenzelsplatzes und des Landes.
Václavské náměstí 68. (M) A, C Muzeum. Tägl. 10-18 Uhr. 12 €, erm. 8 € (ohne Sonderaustellungen). nm.cz.
Prag im Kasten
Hamburg liegt nicht an der Moldau und Böhmen nicht am Meer
Vltava heißt die Moldau im Tschechischen. Sie entspringt im Böhmerwald am Černá hora (Schwarzberg) und mündet bei Mělník in die Elbe. 440 km hat sie sich bis dahin vorangeschlängelt, die Elbe gerade ein bisschen mehr als die Hälfte. Geht man von dem Grundsatz aus, dass beim Zusammenfluss zweier Flüsse der mächtigere und längere den Namen beibehält, müsste das gute alte Hamburg an der Moldau liegen. Tut es aber nicht, genauso wenig wie Böhmen am Meer liegt, was Shakespeare in seinem Drama „Wintermärchen“ behauptet.
Kalter Krieg und Eiserner Vorhang
The Cold War Museum
Das nur im Rahmen einer Führung zugängliche Museum ist in einem ehemaligen Atombunker untergebracht. Dieser entstand zeitgleich mit dem Jalta Hotel (1954-58), oder anders gesagt: Das Hotel diente eigentlich nur als Tarnung für das, was sich darunter verbarg. Im Notfall sollte der Bunker als Fluchtstation für rund 150 Parteibonzen dienen. In der Bunkeranlage war neben einem OP-Saal ein Abhörraum untergebracht, von dem aus die westlichen Gäste im Hotel darüber rund um die Uhr belauscht wurden (die Wanzen steckten u. a. in den Schuhbürsten). Angeblich wurde auch jedes Telefonat mitgehört - die westdeutsche Botschaft hatte bis in die 1970er-Jahre ihren Sitz im Jalta.
Václavské náměstí 45. (M) A, C Muzeum. Führungen (ca. 1 Std., Onlinebuchung vorab nötig!) fanden zuletzt tägl. um 11, 13, 14.30 u. 16 Uhr statt. Sie kosten mit fremdsprachigem Guide 16 €, erm. 5-13 €. muzeum-studene-valky.cz.
Mucha zum Ersten
Muchovo muzeum
Angeblich konnte Alfons Mucha (1860-1939) zeichnen, bevor er gehen konnte. Und als er gehen konnte und auf eigenen Füßen stand, zog es ihn nach Paris und Amerika. Dort illustrierte er Bücher und entwarf jene Werbeplakate (u. a. für Moët & Chandon), die ihn als Vertreter des Jugendstils weltberühmt machten. Später, wieder zurück in seiner Heimat, stellte er sich ganz in den Dienst seines Landes, entwarf Banknoten, Orden und dergleichen.
Ein großer Mucha-Fan ist der ehemalige Tennisstar Ivan Lendl. Er kaufte so ziemlich alle Mucha-Werke, die der Markt hergab. Auch aus seiner Sammlung schöpft das Mucha-Museum an der Panská - allzu viel sollte man aber dennoch nicht erwarten. Ein weiteres Museum, das sich dem Künstler widmet, befindet sich an der Na příkopě (s. u.).
Panská 7. (M) A, C Muzeum. Tägl. 10-18 Uhr. 14 €, erm. 11 €. mucha.cz.
Mucha zum Zweiten
Mucha Museum
Gerade 250 m weiter, im Palast Savarin, vermarktet seit 2025 die Familie Mucha ihren berühmten Spross und hat sich dafür den Slogan „The Only Official Museum“ einfallen lassen. Die Lithographien sind z. T. die gleichen wie im Muchovo muzeum, jedoch sind nicht alle Exponate Originale. Dafür sind die Räumlichkeiten schöner, auch wird hier mehr auf das Leben Muchas und dessen Schaffensweise eingegangen. Das Museum bemüht sich zudem, die „Slawische Epopöe“, einen monumentalen Bilderzyklus, an dem Mucha 18 Jahre arbeitete, vom mährischen Moravský Krumlov nach Prag zu holen.
Na příkopě 10. (M) A, B Můstek. Tägl. 10-18 Uhr. 12 €, erm. 10 €. mucha.eu.
Kirche Maria Schnee
Kostel P. Marie Sněžné
Karl IV. stiftete die Kirche den Karmelitern am Tage seiner Krönung zum König von Böhmen. Doch als der Chor fertig war, ging das Geld aus, und der ursprünglich geplante dreischiffige Bau mit über 100 m Länge wurde nie vollendet. Anfang des 17. Jh. übernahmen die Franziskaner die Kirche bzw. den Chor und ließen ihn im Barockstil umbauen - sehenswert. Betrachtet man den Bau von dem kleinen angrenzenden Franziskanergarten aus, kann man erahnen, wie mächtig die Kirche ursprünglich hätte werden sollen.
Jungmannovo náměstí. (M) A, B Můstek. Mo-Sa 9-17.30 Uhr, So 13-17.30 Uhr.
Nationales Filmmuseum
NaFilm
Das kleine Národní Filmové Muzeum bietet interessante Infos zur tschechoslowakischen Filmgeschichte. Die Ausstellung ist zudem ausgesprochen kinderfreundlich: An interaktiven Stationen kann man z. B. Filmgeräusche selbst herstellen und einen Ausflug in die Virtual Reality unternehmen.
Jungmannova 30 (Zugang vom Jungmannovo nám. rechts neben dem Österreichischen Kulturforum). (M) A, B Můstek. Tägl. (außer Mo) 13-19 Uhr. 10 €, erm. 6 €. nafilm.org.
Zur blauen Stunde zeigt sich die Neustadt von ihrer Schokoladenseite
Prunkvolles Nationaltheater
Národní divadlo
Der Literat Karel Čapek beschrieb es so: „Das Nationaltheater verwächst so glücklich mit seinem landschaftlichen Umfeld wie kein anderes Bauwerk in Prag. Sein Umfeld, das ist die lichte sanfte Moldau mit ihren lieblichen Inseln, der luftige, helle Korridor des Moldau-Tales, auf der anderen Seite die grüne Welle des Petřín und der weite Hradschin. Es gibt keinen lyrischeren Ort in Prag.“
Das im Neorenaissancestil erbaute Theater wurde überwiegend aus Spendengeldern in der zweiten Hälfte des 19. Jh. errichtet. Doch kurz vor seiner Einweihung im Jahre 1881 brannte es aus. So fand die feierliche Eröffnung erst zwei Jahre später statt. Für alle bedeutenden tschechischen Künstler der damaligen Zeit war es eine Ehre, an der Ausschmückung des Theaters mitzuwirken. Und so präsentiert es sich heute äußerst prunkvoll. Auf dem Programm stehen Theater, Oper und Ballett - sollten Sie daran Freude haben, versuchen Sie, Tickets zu bekommen. Unter Verwaltung des Nationaltheaters ist auch die Neue Bühne (Nová scéna) neben dem Nationaltheater.
Národní 2. (S) 2, 9, 17, 18, 22, 23 Národní divadlo.
Stadtidyll auf der Slaweninsel
Slovanský ostrov
Sie ist eine der schönsten Moldauinseln. Sonntags gehen hier Familien spazieren, unter der Woche die Verliebten. Touristen kommen zum Tret- oder Ruderbootfahren. Das einstige Casino, der prächtige Palác Zofín, dient heute als Eventlocation. In dem kleinen Parkbereich flussabwärts steht ein Bronzedenkmal für Božena Němcová (1820-1862), die „tschechische George Sand“, die als Begründerin des tschechischen Realismus gilt. Das Konterfei der bedeutendsten Schriftstellerin des Landes ziert heute den 500-Kronen-Schein. In vielen Novellen und Erzählungen prangerte sie die soziale Ungerechtigkeit gegenüber Frauen an. Němcovás bekanntestes Werk ist der Roman „Die Großmutter“ („Babička“), der als populärstes tschechisches Prosawerk überhaupt gilt und zahllose Ausgaben erlebte. Božena Němcovás Grab befindet sich auf dem Ehrenfriedhof Vyšehrad.
(S) 2, 9, 17, 18, 22, 23 Národní divadlo.
Krypta der Sankt-Kyrill-und-Method-Kirche
Sankt-Kyrill-und-Method-Kirche
Kostel sv. Cyrila a Metoděje
Die barocke Kirche, in der ersten Hälfte des 18. Jh. von Kilian Ignaz Dientzenhofer erbaut, ist heute das Zentrum der tschechisch-orthodoxen Gemeinde. In der Krypta befindet sich eine kleine Gedenkstätte für die Opfer des nationalen Widerstandes während der deutschen Okkupation. Nach dem Anschlag auf Reinhard Heydrich im Mai 1942 suchten hier die Attentäter Zuflucht. Durch Verrat erfuhr die SS von dem Versteck und stürmte Kirche und Krypta mit 360 Mann.
Resslova. (M) B Karlovo náměstí. Krypta, tägl. (außer Mo) 9-17 Uhr. Eintritt frei. vhu.cz.
Ort mit Geschichte - Karlsplatz
Karlovo náměstí
Der einst größte Platz der Stadt war mal Viehmarkt, mal Fischmarkt und ist heute ein recht reizloser, öffentlicher Park. Am nördlichen Ende (= Zentrumsseite) steht das Neustädter Rathaus. An der Ostseite (bergauf, Richtung Vinohrady) fällt die barocke Kirche Sankt Ignatius(Kostel sv. Ignáce) nach Plänen von Giovanni Orsi ins Auge (tägl. 7-18.30 Uhr). Im Abendlicht leuchtet der gute Ignatius auf dem Giebel im goldenen Strahlenkranz. Das Innere ist eine rot-weiße Pracht aus Stuck und Marmor. An die Kirche schließt das einstige Jesuitenkolleg (Jezuitská kolej) an, das heute das Fakultätskrankenhaus der Karlsuniversität belegt. Am südlichen Ende des Platzes steht das sog. Fausthaus(Faustův dům, Nr. 40), das heute ebenfalls Teil des Klinikums ist. In dem Haus wohnten einst Alchemisten, weshalb es gern mit der Sage von Doktor Faustus in Verbindung gebracht wird. Direkt daran schließt der Zugang zur Kirche St. Johannes Nepomuk am Felsen an.
(M) B Karlovo náměstí.
Neustädter Rathaus
Novoměstská radnice
Das Gebäude mit den markanten Renaissancegiebeln wurde in der Mitte des 14. Jh. im gotischen Stil errichtet und erlebte unzählige An- und Umbauten. Berühmtheit erlangte das Neustädter Rathaus durch den ersten Prager Fenstersturz (→ Kasten „Prager Fensterstürze ...“). Heute wird es nur noch für repräsentative Zwecke genutzt, zudem finden Ausstellungen, Messen und Konzerte darin statt. Der 50 m hohe Turm (221 Stufen sind’s hinauf) mit einer Kapelle im ersten Stock kann besichtigt werden. Im Hof dahinter ist das gemütliche Café Neustadt.
Karlovo náměstí 23. (M) B Karlovo náměstí. Turm, April-Nov. tägl. (außer Mo) 10-18 Uhr. 4 €, erm. 3 €. nrpraha.cz.
Sehenswertes abseits der Route
Schützeninsel - Oase in der Moldau
Střelecký ostrov
Vom Nationaltheater ist sie über die Legionärsbrücke (Most legií)