MICHAEL MÜLLER REISEFÜHRER Venedig MM-City - Sven Talaron - E-Book

MICHAEL MÜLLER REISEFÜHRER Venedig MM-City E-Book

Sven Talaron

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Beschreibung

Reiseführer Venedig Das E-Book aus dem Michael Müller Verlag – umfassend, übersichtlich, unentbehrlich Sabine Becht und Sven Talaron zeigen Ihnen nicht nur die weltberühmten Highlights, sondern auch das andere Venezia – ruhigere Viertel, versteckte Osterien und authentische Unterkünfte. 178 Fotos und 41 Karten machen unseren Reiseführer Venedig zum idealen City-Guide für Ihre Städtereise. Alles wurde akribisch vor Ort recherchiert und persönlich getestet. Acht detailliert beschriebene Touren führen Sie durch alle Sestieri sowie hinaus in die Lagune nach Murano, Burano, San Michele oder auf den Lido di Venezia. Zahlreiche Essays liefern fundiertes Hintergrundwissen zu Geschichte, Kunst und venezianischer Lebensart. Authentisch reisen mit den Reiseführern aus dem Michael Müller Verlag Was ist das Besondere an den Michael-Müller-Reiseführern? Sie sind von Reisenden für Reisende gemacht. Unsere Autorinnen und Autoren recherchieren immer vor Ort, sie schreiben über Dinge, die sie selbst erlebt und getestet haben. Unabhängig, ehrlich, authentisch. Das E-Book Venedig auf einen Blick Mit unserem Venedig-Reiseführer entdecken Sie unter anderem: - den Markusplatz und den Markusdom - den Canal Grande mit seinen Palazzi - Dorsoduro und Campo Santa Margherita - das jüdische Ghetto und San Polo - Laguneninseln wie Murano und Pellestrina - über 100 geprüfte Restaurants und Osterien - landeskundliche Hintergrundinfos und zahlreiche praktische Tipps Mehr als 50 Kirchen, über 40 Palazzi und zahlreiche Museen sind ausführlich beschrieben. Sie erhalten konkrete Empfehlungen zu Hotels Venedig, Budget-Unterkünften und familienfreundlichen Optionen. Unsere Geheimtipps führen Sie bewusst abseits der touristischen Hotspots. Sie genießen Venedig individuell, nachhaltig und entspannt.

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Seitenzahl: 624

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis
Unterwegs mit Sabine Becht und Sven TalaronOrientiert in VenedigStadt und StadtsechstelLa Laguna venetaSightseeing-KlassikerSightseeing-AlternativenEssen gehenShoppingWege durch VenedigTour 1: Piazza San MarcoTour 2: Il Canal GrandeTour 3: Il Sestiere di San MarcoTour 4: I Sestieri di San Polo e Santa CroceTour 5: Il Sestiere di DorsoduroTour 6: Il Sestiere di CastelloTour 7: Il Sestiere di CannaregioTour 8: L'Isola di San Giorgio Maggiore e La GiudeccaLa Laguna venetaSan MicheleMuranoBuranoTorcelloSan Francesco del DesertoSant'ErasmoLazzaretto NuovoLidoPellestrinaLazzaretto VecchioSan Lazzaro degli ArmeniNachlesen & NachschlagenStadtgeschichteArchitekturDie großen venezianischen MalerMusikstadt VenedigDie venezianische KücheKulturleben und VeranstaltungenLiteraturVenedig mit KindernVenedig (fast) umsonstAnreiseUnterwegs in VenedigÜbernachtenVenedig in StichwortenAuf einen BlickAlle MuseenAlle LokaleÜber dieses BuchÜbersichtskarten und PläneIndex
Alles im Kasten
Die Markusreliquien – staatstragende BeutestückeEine weitgereiste QuadrigaVon Räten und Beratern – ein kleiner Behördenwegweiser der SerenissimaFlorian, Quadri und Lavena – Venedigs KaffeehausklassikerCa’ Dario – der verfluchte PalazzoDolfin, il Ferro di Prua – ein Eisen erklärt die StadtDie schiefen Türme von VenedigRotlichtviertel RialtoFrau mit Sonnenbrille und Hunden – Peggy Guggenheim (1898–1979)Ponte dei PugniIl Monumento – das Denkmal für Vittorio Emanuele IIIl Prete rosso – Antonio Vivaldi (1678–1741)L’Arsenale – die verbotene StadtDie (Kunst-)Biennale von VenedigGrausige GlücksbringerJüdisches VenedigVenezianische Glaskunst aus MuranoVenedig und die PestMostra Internazionale d’Arte Cinematografica – das Filmfestival von VenedigIl Modulo Sperimentale Elettromeccanico – kurz: MO.S.E.Le Isole del dolore – die Inseln des SchmerzesDer Vierte Kreuzzug: ein gewinnbringender SündenfallDie Entdeckungsreisen der PolosDer Doge: ein Amt in Würden und RestriktionenBedeutende DogenCasanova – ein venezianisches MultitalentVenedig und der „Overtourism“Nicht Wasser, nicht Land – Venedigs FundamentNicht nur zum Wäscheaufhängen – le Altane venezianeIl Pozzo veneziano – Wasser für die Stadt im WasserVenedigs Farben und die Kunst der RenaissanceGiulia Lama (1681–1747)Fische und Meeresfrüchte der LaguneBàcari, Ombre und Cicheti – eine venezianische LeidenschaftHistorische Masken und KostümeMit der Gondel durch VenedigVenedig in Zahlen
Kartenverzeichnis
Canal GrandeSan MarcoSan Polo und Santa CroceDorsoduroCastelloCannaregioL’Isola di San Giorgio Maggiore e Isola della GuideccaLagune von VenedigMuranoBuranoTorcelloSant’ErasmoLido di VeneziaÜbernachten in VenedigZeichenerklärungÜbersicht VenedigVaporetto- und Alilaguna-Linien
Tourenverzeichnis
Tour 1: Piazza San MarcoMarkusplatz und Basilica di San Marco, der überwältigende Dogenpalast und der Uhrturm, ein Blick vom Campanile über die ganze Stadt und die Lagune, und das unbedingt sehenswerte Stadtmuseum Museo Correr.Tour 2: Il Canal GrandePalazzo für Palazzo gleitet die Fassadenpracht vorbei. Von San Marco sind es fast vier Kilometer auf dem schönsten Wasserweg der Stadt, unter dem Wahrzeichen Rialtobrücke hindurch bis zum Bahnhof.Tour 3: Il Sestiere di San MarcoDas zentralste der sechs Sestieri wird vom meist vollen Markusplatz dominiert. Beim Bummel durch das lebendige Quartier stößt man auf einige der nobelsten und interessantesten Shoppingadressen der Stadt.Tour 4: I Sestieri di San Polo e Santa CroceDie beiden Stadtteile werden von der oberen Schleife des Canal Grande umschlungen. Das Rialtoviertel gilt als Keimzelle Venedigs. Sehenswerte Museen, urige Bàcari und tolle Restaurants finden sich hier.Tour 5: Il Sestiere di DorsoduroIn dem schmalen Stadtteil zwischen Canal Grande und Canale della Giudecca sind zwei der wichtigsten Kunstgalerien Venedigs zu Hause: die Gallerie dell’Accademia und die Collezione Peggy Guggenheim.Tour 6: Il Sestiere di CastelloDer größte und kontrastreichste der historischen Stadtteile. Hier befinden sich das Areal der Werft Arsenale und ruhige Wohnviertel, die Kirche des Patriarchen und die Giardini della Biennale.Tour 7: Il Sestiere di CannaregioFrüher geprägt von Klostergemeinschaften mit weitläufigen Nutzgärten, Handelsniederlassungen aus der arabischen Welt und dem ersten jüdischen Ghetto Europas, heute ein Wohnviertel mit regem Nachtleben.Tour 8: L'Isola di San Giorgio Maggiore e La GiudeccaÜber das Wasser hinweg sind die beiden südlichen Vorstadtinseln dank ihrer prachtvollen Bauten Teil des Panoramas um das Markusbecken. Herrlich ist der Blick vom Campanile di San Giorgio Maggiore.Radtour auf dem LidoDie zwölf Kilometer lange und maximal einen Kilometer breite Nehrungsinsel schiebt einen schützenden Riegel vor Venedig und die Lagune. Fast zwölf Kilometer lang ist auch der Sandstrand der Lido-Insel, einst einer der vornehmsten Badestrände Italiens.
Unterwegs mit
Sabine Becht und Sven Talaron
Sabine Becht studierte Amerikanistik und Kommunikationswissenschaft und war schon in den Semesterferien für den Michael Müller Verlag in Griechenland unterwegs. Sven Talaron begann nach dem Studium (Geschichte und Germanistik), beim Michael Müller Verlag zu arbeiten.
Sie sind Autoren zahlreicher Reiseführer zu Italien, Mecklenburg-Vorpommern sowie Griechenland und Österreich. Ihre Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet: mit dem Premio Enit (Abruzzen) und den ITB BuchAwards (Piemont, Rügen, Usedom, Mecklenburg-Vorpommern).
Dass Venedig eine der schönsten Städte der Welt ist, wird sicher niemand bestreiten. Für uns ist die Lagunenstadt am schönsten kurz vor Sonnenuntergang, wenn sich am weiten Bacino di San Marco, dem Markusbecken, ein ganz besonderer Zauber im sanften Licht entfaltet.
Natürlich besucht man Venedig nicht in erster Linie wegen des stimmungsvollen Abendlichts. Die ganze Stadt ist ein Wunder! Eigentlich alles lohnt, besichtigt zu werden: das enge Labyrinth aus verwinkelten Gassen und Kanälen, der weite Canal Grande mit seiner Fassadenpracht, die Piazza San Marco, eleganter „Salon“ einer einst unermesslich reichen Handelsmetropole, die altehrwürdigen Kirchen und Scuole, die mit hochkarätiger Kunst geradezu vollgestopft sind, oder all die Kunstmuseen, in denen ein Meisterwerk neben dem anderen hängt.
Wer von all der Pracht eine Pause braucht, findet hervorragende Restaurants, in denen ausgezeichnete Fischküche serviert wird, oder macht in einer der urigen Weinschenken Halt, um sich bei Ombra und Cicheti zu stärken. Oder man stöbert in den verwinkelten Gassen, in denen man sich hervorragend verlaufen kann, in kleinen Geschäften und den Läden der Kunsthandwerker. Aber abends dann, wenn die Serenissima die Hektik des Tages abschüttelt, zieht es uns ans Markusbecken, zum überwältigenden Panorama der vielleicht schönsten Stadt der Welt.
Was haben Sie entdeckt?
Haben Sie ein besonderes Restaurant, ein neues Museum oder ein nettes Hotel entdeckt? Wenn Sie Ergänzungen, Verbesserungen oder Tipps zum Buch haben, lassen Sie es uns bitte wissen!
Schreiben Sie an:
Michael Müller Verlag GmbH | Stichwort „Becht/Talaron, Venedig“
Gerberei 19 | D - 91054 Erlangen
oder per Mail an:
[email protected]| Betreff „Becht/Talaron, Venedig“
Orientiert in Venedig
Stadt und Stadtsechstel
„Übrigens war ihnen das Wasser statt Straße, Platz und Spaziergang. Der Venezianer musste eine neue Art von Geschöpf werden, wie man denn auch Venedig nur mit sich selbst vergleichen kann.“ (Goethe, Italienische Reise 1786)
UNESCO-Weltkulturerbe
Seit 1987 sind Venedig und seine Lagune Weltkulturerbe der UNESCO, die Stadt selbst als Meisterwerk der Architektur und besonderer Ort der Kunst, die Lagune als einzigartiger historischer (Natur-) Raum von der ersten Besiedlung bis hin zur dominierenden See- und Handelsmacht. Etwa 48.000 Venezianer bewohnen das Centro storico (Tendenz kontinuierlich sinkend); in der Lagune leben weitere ca. 26.000 Menschen.
Zwischen Wasser und Land
Nicht ohne Staunen blickte Goethe auf die Venezianer, die sich im Lauf der Jahrhunderte als überaus einfallsreich und zielstrebig erwiesen haben, um der Lagune Meter um Meter Baugrund abzutrotzen. Venedig steht heute auf rund 120 aufwendig befestigten Inseln. 439 Brücken verbinden die Inseln miteinander und spannen sich über 178 Kanäle. Ein vorzügliches Labyrinth aus unzähligen engen Gassen und 49 weitverzweigten Kilometern Wasserweg. „Eine Biberstadt“ urteilt nochmal Goethe, etwas despektierlich, aber nicht unzutreffend.
Eine Piazza ...
In Venedig gibt es lediglich eine einzige Piazza, und die ist weltberühmt, einzigartig, atemberaubend. Die Piazza San Marco mit der Basilica di San Marco in byzantinischer Pracht, dem überwältigenden Dogenpalast und dem gewaltigen Campanile, den weiten Prokuratien und dem eleganten Uhrturm ist in ihrer Gesamtheit formvollendet. Ihr zur Seite gesellen sich die Piazzetta dei Leoncini mit den niedergestreichelten Löwen aus rotem Marmor und La Piazzetta San Marco, mit der sich der Markusplatz in aller Herrlichkeit zum Bacino di San Marco, zum Markusbecken hin öffnet. Alle anderen Plätze der Stadt müssen sich damit begnügen, Campo, Campiello oder Corte genannt zu werden.
... ein Canal ...
Wie es in Venedig nur eine „Piazza“ gibt, so gibt es nur einen „Canal“: Den weit geschwungenen Wasserboulevard Canal Grande, gesäumt von vielgestaltigen Palazzi, überwältigend in seiner Pracht und auch Canalazzo genannt. Die anderen großen Wasserwege heißen Canale, die kleinen städtischen Kanäle Rio (Plural Rii).
... und sechs Sechstel
In Venedig gibt es im engen Wortsinn keine Stadtviertel, quartieri, sondern sestieri, (Stadt-)Sechstel. Der s-förmig geschwungene Canal Grande teilt die Lagunenstadt: Rechts davon liegen Cannaregio, San Marco und Castello, links Santa Croce, San Polo sowie Dorsoduro.
San Marco mit der Piazza San Marco war einst die weltberühmte Machtzentrale der „Durchlauchtigsten“ (Serenissima) und zeigt sich heute gleichermaßen unfassbar schön und unerträglich stressig, absolut einzigartig und völlig überlaufen, ein wundervolles „Must-See“ und „No-Go“ zugleich. Doch auch im Sestiere San Marco entdeckt man ruhige und beschauliche Ecken; je weiter weg von der Piazza, umso besser.
Castello dagegen war einst ein traditionelles Arbeiterviertel, denn hier befindet sich das Arsenale. In der legendären Werft liefen die Galeeren vom Stapel, die Venedigs Macht die nötige Schlagkraft verliehen. Heute allerdings ist Castello ein gespaltenes „Sechstel“: Vom Markusplatz strahlt der Rummel hektisch in den Stadtteil hinein, je weiter man sich davon entfernt, desto ruhiger und volkstümlicher wird es.
Cannaregio, der weitläufige Stadtteil im Norden Venedigs, hat viele Gesichter: Hektisch geht es am Bahnhof zu und entlang der direkten Verbindung zur Rialtobrücke. Weite Teile sind einfaches Wohngebiet. Beschaulich wird es beim Ghetto, dem ersten jüdischen Ghetto Europas, jung und lebhaft entlang der lang gestreckten Fondamente.
Damit verlassen wir die „rechte Seite“ Venedigs, traditionsbewusst am besten über die berühmte Rialtobrücke, bis Mitte des 19. Jh. die einzige Querung der einzigartigen Wasserstraße nach San Polo. Hier am Rialto, dem rivus altus („hohes Ufer“ oder auch „tiefer Fluss“), liegt die historische Keimzelle der Stadt. San Polo und das anschließende Santa Croce in der oberen Schleife des Canal Grande sind seit jeher zwei so labyrinthische wie lebendige Sestieri, bodenständig und prachtvoll gleichermaßen.
Dorsoduro schließlich, das sich im sanften Schwung zwischen Canal Grande und dem ungleich breiteren Canale della Giudecca erstreckt, wird geprägt von einfachen Wohngebieten und traditionellen Gondelwerften, hochkarätigen Kunstgalerien und einer Vielzahl an Kunsthandwerksläden sowie der sonnigen Promenade an den Zattere.
Drum herum
Im 360-Grad-Pracht-Panorama, das sich auf dem Bacino di San Marco entfaltet, liegt dem Dogenpalast gegenüberSan Giorgio Maggiore, die prachtvolle Kirche mit Campanile-Zwilling auf der kleinen Kloster-Insel. Daneben erstreckt sich die lang gezogene Insel La Giudecca, die südliche Vorstadtinsel: erst Klosterinsel, später Industriestandort und heute ein beliebtes Wohngebiet.
La Laguna veneta
Einige Laguneninseln sind weltbekannt, wie z. B. der Lido di Venezia - roter Teppich und eine mondäne Erinnerung an vergangene Zeiten - oder die Glasinsel Murano. Andere sind wunderbare Naturparadiese und manche kaum von den Salzwiesen zu unterscheiden.
Kleine Lagunen-Statistik
Gesamtfläche etwa 550 km², davon ca. 67 % Wasserfläche, ca. 25 % Salzwiesen und 8 % Inseln.
Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt weniger als 1,5 m, der Tidenhub 60-80 cm.
In der Lagune leben, das Stadtgebiet Venedig ausgenommen, ca. 26.000 Menschen.
Die größte und bevölkerungsreichste Insel ist der Lido mit knapp 14.500 Bewohnern, wohingegen es Torcello auf gerade mal 12 Seelen bringt.
Wasserlandschaft
Die Lagune von Venedig ist das Ergebnis eines dynamischen Zusammenspiels des Meeres und der Flüsse aus dem Hinterland. Einige der größten Flüsse Norditaliens - Po, Etsch (Adige), Brenta, Sile und Piave - münden nur wenige Kilometer voneinander entfernt in die Adria. Die Sedimente, die von den Flüssen ins Meer getragen wurden, wurden von der Strömung des Meeres zu Sandbänken aufgespült - eine Landschaft in Bewegung. Nur drei Durchlässe in den vorgelagerten Nehrungsinseln verhindern heute, dass sich die Laguna veneta zu einem flachen Binnenmeer zwischen Festland und Adria schließt, und ermöglichen der Lagune den Wasseraustausch. Innerhalb der Lagune haben die Gezeiten des Meeres und der Zustrom der Flüsse eine sumpfige Brackwasser-Landschaft geformt - nicht Wasser, nicht Land.
Der Mensch in der Lagune
Mitten hinein gründeten Menschen ihre Wassersiedlungen und begannen mit der Kultivierung dieser Wasserlandschaft, indem sie Salinen anlegten, Fischteiche eindämmten und Anbauflächen trockenlegten. Durch die Salinen konnte man sich schon in frühester Zeit selbst mit Salz versorgen und vor allem damit handeln, Fischfang und Fischzucht sowie urbar gemachte Anbauflächen für Gemüse sicherten die Ernährung der Lagunenbewohner. So diente die Lagune den Venezianern seit jeher als Lebensgrundlage.
Aber die vielgestaltige Wasserlandschaft bot den Menschen auch Schutz. Den frühen Siedlern war sie ein sicherer Rückzugsort in wirren Zeiten. Und auch für die zur Seemacht erblühte Serenissima war ihre Lage in der Lagune über die Jahrhunderte von existentieller Bedeutung: Die Lagune war Venedigs Festung. Das unter der Wasseroberfläche verborgene Gewirr aus Kanälen und Untiefen war Venedigs uneinnehmbare Festungsmauer. Diese einzigartige Verteidigungsanlage haben die Venezianer stets gepflegt. Längst wäre die Lagune wohl verlandet, hätte Venedig nicht schon im 14. Jh. damit begonnen, die einmündenden Flüsse umzuleiten, in der Lagune Wasserwege schiffbar zu halten und damit die einzigartige Lagunenlandschaft zu erhalten und zu formen.
Die nördlichen Laguneninseln
Nördlich von Venedig, gegenüber der Fondamente Nove, liegt die stille Isola di San Michele. Sie ist die stimmungsvolle Friedhofsinsel Venedigs. Von der unweit gelegenen Isola di Murano hat dank ihrer berühmten Glasbläser sicher jeder schon mal etwas gehört. Bis heute bestimmt das alte Glasbläserhandwerk Leben und Alltag der Insel. Auch auf der kleinen Isola di Burano wird altes Kunsthandwerk gehegt: kostbare Spitzenstickerei. Berühmt aber ist Burano vor allem für seine fotogenen, knallbunt leuchtenden Hausfassaden. Die ruhige Schwesterinsel Mazzorbo dagegen wird vor allem von Gemüsegärten und Weinfeldern geprägt. Älteste Siedlungsspuren in der Lagune finden sich nördlich von Burano und Mazzorbo. Die Isola di Torcello war vor dem Aufstieg Venedigs ein blühendes, bedeutendes Zentrum. Überaus sehenswert ist die uralte Basilika, von deren Campanile sich ein eindrucksvoller Blick auf die Lagunenlandschaft bietet.
Bis heute eine Klosterinsel ist die abgeschiedene Isola di San Francesco del Deserto. Die Isola di Sant’Erasmo und die Isola delle Vignole dagegen sind die Gemüseinseln der Lagune. Vor Sant’Erasmo liegt auch eine der beiden Quarantäneinseln, die man heute besichtigen kann: Lazzaretto Nuovo - die andere, Lazzaretto Vecchio, liegt im Süden der Lagune.
Die südlichen Laguneninseln
Zwei schlanke Nehrungsinseln trennen den südlichen Teil der Lagune von der Adria: die unspektakuläre Isola di Pellestrina ganz im Süden und natürlich der Lido di Venezia. Der Lido ist nicht nur Venedigs Hausstrand, sondern auch das Revier des „Goldenen Löwen“, der alljährlich auf dem renommierten Filmfestival von Venedig verliehen wird.
Vor dem Lido liegt die Isola di San Lazzaro degli Armeni, eine weitere Klosterinsel. Hier leben, beten und arbeiten bis heute armenische Mönche des Ordens der Mechitaristen. Nur einen Steinwurf vom Lido entfernt befindet sich die zweite Pestinsel: Lazzaretto Vecchio. Doch mit der Einrichtung von Lazzaretto Nuovo als Quarantänestation diente Lazzaretto Vecchio dazu, Erkrankte zu isolieren. Solche „Inseln des Schmerzes“, meist ehemalige Klosterinseln, gab es mehrere in der südlichen Lagune. Eine davon, San Servolo, ehedem psychiatrische Anstalt, erinnert daran und kann heute besichtigt werden. Hinzu kommen eine Handvoll Hotelinseln (meist Luxussegment) und einige Privatinseln.
Sightseeing-Klassiker
Venedig an sich ist eine Sehenswürdigkeit, angefangen mit dem Markusplatz über den Canal Grande und bis in alle Stadtteile - unvergleichlich und immer wieder überwältigend.
Blicke auf die Stadt
Campanile di San Marco: Gewaltige 99 m hoch. Ein fantastischer Rundblick entfaltet sich vom höchsten Gebäude der Stadt.
San Giorgio Maggiore: Vom Campanile der Palladio-Kirche eröffnet sich die ganze Panoramapracht der Serenissima.
Canal Grande: Canalazzo wird Venedigs Hauptverkehrsader auch genannt. Bei einer Bootsfahrt gleiten die prächtigsten Palazzi vorbei.
La Serenissima Repubblica di San Marco
♦ Piazza San Marco: La Piazza. Die Nobelste unter allen Plätzen, zweifellos eine der schönsten der Welt. Voller Grandezza - und oft voller Leute. In den frühen Morgenstunden oder am Abend aber eindrucksvoll und faszinierend.
♦ Basilica di San Marco: Ein Feuerwerk an Farben und Formen! Über und über mit byzantinischer Pracht verziert, beherbergt der berühmte Kreuzkuppelbau die Reliquien des stadtheiligen Evangelisten.
♦ Palazzo Ducale: Über Jahrhunderte dasZentrum der Macht, Kopf der Allerdurchlauchtigsten, wuchtig und elegant, angefüllt mit Geschichten, Glanz und Geheimnissen.
Die Kirchen der Stadt
♦ Basilica S. M. Gloriosa dei Frari: Eine großartige Kirche - hinter Lombardos Chorschranke strebt Tizians „Assunta“ dem Himmel entgegen, eine wunderbare Madonna von Bellini thront in der Sakristei. Hier haben u. a. Tizian, Canova und Monteverdi ihre letzte Ruhe gefunden.
♦ Basilica Santi Giovanni e Paolo: Als Grabeskirche der Dogen ist die auchSan Zanipolo genannte Basilica, die größte Kirche der Stadt, reich ausgestattet.
♦ Basilica Santa Maria della Salute: Die bedeutendste Barockkirche Venedigs, das Meisterwerk von Baldassare Longhena, prachtvoll platziert an der Einfahrt des Canal Grande.
♦ San Giorgio Maggiore: Palladios Meisterwerk, grandiose Vollendung des Rundum-Panoramas um den Bacino di San Marco.
♦ San Zaccaria: Eine im Kern byzantinisch-romanische, später gotisch und vor allem im Stil der venezianischen Frührenaissance umgestaltete Kirche.
Palazzi, Scuole und Museen
♦ Gallerie dell’Accademia: Venedigs berühmte Gemäldesammlung - alle großen venezianischen Maler sind hier vertreten.
♦ Museo Correr: Kunst und Geschichte Venedigs unter einem sehr langen Dach vereint. Kaisersäle und Canova, Venedigs glanzvolle Geschichte, Gemäldegalerie und Biblioteca Marciana.
♦ Ca d’Oro: Venezianische Grandezza, opulent und elegant! Wie muss dieser Märchenpalazzo gewirkt haben, als er noch mit Blattgold verziert war?
♦ Collezione Peggy Guggenheim: Im unvollendeten Palazzo Venier dei Leoni lebte die legendäre Kunstsammlerin Peggy Guggenheim. Eine großartige Sammlung klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst.
♦ Ca’ Pesaro: Gleich zwei Museen in einem Palazzo: im Piano nobile die Galleria d’Arte Moderna (Galerie für Moderne Kunst) und unter dem Dach das Museo d’Arte Orientale (Museum für Fernöstliche Kunst).
♦ Ca’ Rezzonico: Im prachtvollen Canalpalazzo ist nicht nur die beachtliche Gemäldegalerie zu bewundern, sondern auch die kostbare Rokoko-Inneneinrichtung.
♦ Scuola Grande di San Rocco: Hier konnte sich Tintoretto richtig austoben. Die einstmals mächtigste der großen Scuole Venedigs ist mit über 60 seiner Gemälde verziert.
Und sonst noch
♦ Ponte di Rialto: Ein Wahrzeichen der Stadt. Über Jahrhunderte die einzige Brücke über den Canal Grande. Heute nicht mehr ganz so exklusiv, dafür überaus fotogen.
♦ L’Arsenale: In der berühmten Schiffswerft wurde einst die Basis venezianischer Macht geschaffen: die Handels- und Kriegsflotte. Als Ausstellungsort der Biennalen ist das Arsenale für Besucher zugänglich.
♦ Giardini della Biennale: Von etwa Mai bis November öffnen die Gärten in Castello ihre Tore, wenn anlässlich der Biennalen die Länderpavillonszu Epizentren zeitgenössischer Kunst bzw. Architektur werden.
In der Lagune
♦ Museo del Vetro: Alles dreht sich auf Murano um das Handwerk der weltberühmten hiesigen Glasbläser. Ein Museum darf da natürlich nicht fehlen.
♦ Basilica Santa Maria Assunta: Torcello ist wie eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten, als es noch keine Siedlung am Rivus Altus gab. Sehenswert ist vor allem die romanisch-byzantinische Basilika.
Sightseeing-Alternativen
Allein die Highlights der Stadt „abzuarbeiten“, dauert in Venedig Tage und kann - je nach Andrang - mitunter recht anstrengend sein. Im Folgenden ein paar Vorschläge zu nicht ganz so frequentierten Sehenswürdigkeiten „in zweiter Reihe“, die ebenso einen Besuch wert sind.
Grünes Venedig
Nein, die Stadt der großen Parks ist Venedig nicht, aber es gibt sie, die grünen Oasen inmitten der Lagunenstadt, allen voran die hübschen Giardini Reali bei San Marco oder die Giardini della Biennale. Still und abgelegen ist der Parco di Villa Groggia, erst jüngst wieder eröffnet der Klostergarten der Redentore-Kirche.
Palazzi, Scuole und Museen
♦ Fontego dei Turchi: Ein spannendes naturhistorisches Museum sogar mit einem echten Dinosaurier-Skelett im alten Handelskontor der Türken.
♦ Museo di Palazzo Mocenigo: Einblick in die Wohnstube des venezianischen Adels gewähren die möblierten Säle des Piano nobile.
♦ Museo Fortuny: Die opulent ausgestattete Designwerkstatt von Mariano Fortuny, der hier bis zu seinem Tod 1949 auch lebte, in einem gotischen Palazzo.
♦ Palazzo Querini-Stampalia: Die private Gemäldesammlung der Adelsfamilie Querini zeigt venezianische Malerei des 14.-18. Jh.
♦ Palazzo Grimani: Der prachtvolle Palazzo der gleichnamigen Adelsfamilie ist sich selbst Museum, zu sehen ist die beeindruckende Ausstattung.
♦ Museo Storico Navale: Im Schifffahrtsmuseum der Stadt wird der Schiffbau im Arsenale genauso thematisiert wie die Geschichte Venedigs als Seemacht.
♦ Ghetto di Venezia und die Synagogen: Bei einer Führung im Ghetto Nuovo kann man zwei der fünf Synagogen besuchen.
♦ Scuola Dalmata dei SS. Giorgio e Trifone (degli Schiavoni): Etwas düster und kaum besucht, aber mit einem grandiosen Gemäldezyklus von Vittore Carpaccio.
♦ Palazzi Cini: Privatsammlung des Kunstmäzens V. Cini.
♦ Punta della Dogana: Ein noch recht neuer Tempel für die zeitgenössische Kunst in exponierter Lage am Eingang zum Canal Grande, gehört ebenso wie der Palazzo Grassi zur Privatsammlung von François Pinault.
Kirchen
♦ Il Redentore: Die Votivkirche auf Giudecca, zum Dank für die Erlösung der Stadt von der Pest von 1576 vom Dogen höchstselbst gestiftet, ist ein Meisterwerk von Andrea Palladio. Neuerdings kann auch der Garten des gleichnamigen Konvents besucht werden.
♦ San Sebastiano: Die unscheinbare Renaissancekirche ist ein Veronese-Museum, in dem der Künstler auch bestattet wurde.
♦ Santa Maria dei Miracoli: Ein Gesamtkunstwerk, geschaffen aus vielfarbigem Marmor.
♦ Madonna dell’Orto: Tintorettos Haus- und Grabeskirche. Entsprechend fleißig hat die Werkstatt des Malers an der Ausstattung mitgewirkt.
♦ San Francesco della Vigna: Die wuchtige Franziskanerkirche mit angeschlossenem Kloster und Weinberg liegt in einem abgelegenen Viertel in Castello.
♦ San Pietro di Castello: Die Amtskirche des Patriarchen von Venedig, von den Dogen in die letzte Ecke der Stadt geschoben, ist heute ein wunderbar ruhiger Ort abseits des Rummels.
♦ I Gesuiti: Die Chiesa Santa Maria Assunta, die Jesuitenkirche. Farbige Marmorornamente und ein kostbares Ziborium.
Und sonst noch
♦ Torre dell’Orologio: Den Uhrturm erklimmt man auf einer kurzweiligen Führung, von den glockenschlagenden Heroen aus bietet sich eine andere Perspektive auf die Stadt.
♦ Gran Teatro La Fenice: Das altehrwürdige Opernhaus Venedigs, das niederbrannte und wieder auferstand wie Phönix aus der Asche. Kann mit einer Audiotour tagsüber besichtigt werden.
In der Lagune
♦ Lido: Wer einen Tag am Meer einlegen will, pilgert zum weiten Sandstrand auf der lang gezogenen Insel, die die Lagune von der Adria trennt. Auch zahlreiche Bagni, Bars und Restaurants sowie ein Fahrradverleih für die große Inseltour.
♦ Museo del Merletto: Auf der Insel der farbenfrohen Häuser wird ein filigranes Kunsthandwerk bewahrt - die Spitzenstickerei, die in aller Pracht in einem hübschen kleinen Museum zu bewundern ist.
♦ Lazzaretto Nuovo: Eine der interessantesten Besichtigungstouren in der Lagune führt auf die ehemalige Quarantäneinsel (nur mit Führung zugänglich), es gibt auch eine sehenswerte Ausstellung im „Tezon Grande“.
Essen gehen
Die kulinarische Tradition ist lang, die Zahl der Restaurants enorm, die der Besucher aber natürlich auch. Besonders begehrt sind die regionalen Meeresfrüchte, die direkt aus der Lagune auf den Teller kommen, aber ihren Preis haben. Ein Tipp sind die Weinschenken, die es in der Stadt an fast jeder Ecke gibt.
♦ Ausführliche Restaurantbeschreibungen in den einzelnen Stadtteilen finden Sie am Ende jeder Tour.
♦ Einen Exkurs zur venezianischen Küche gibt es ab Link.
♦ Eine Liste aller Restaurants finden Sie ab Link.
Venezianisch genießen ...
... heißt in einer Stadt im Wasser natürlich vor allem: Fisch und Meeresgetier in den verschiedensten Variationen. Und das ist in Venedig von einer langen Tradition geprägt, denn gefischt und gezüchtet wird in der Lagune schon seit vielen Jahrhunderten. Die Auswahl ist immens, vor allem bei den Meeresfrüchten, oft werden diese frittiert serviert, auch die Zubereitungsart crudo, also roh, ist auf vielen Speisekarten zu finden, teils sogar als ganzes Menü. Das bekannteste aller Gerichte Venedigs ist allerdings ein Fleischgericht: die Kalbsleber Fegato alla veneziana. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die diversen exotischen Zutaten, die seit jeher die Küche der Handelsmetropole bereichern. Beste Rohstoffe liefert auch die Gemüseinsel Sant’Erasmo in der Lagune, v. a. die berühmten Artischocken.
Essen gehen in Venedig ist - und das ist die nicht ganz so gute Nachricht - eher teuer. Besonders im Markusviertel sind die Preise in den Restaurants oft noch höher als im Rest der Stadt.
Die Lokale
Das klassische venezianische Restaurant ist in der Regel ein wenig altmodisch, hat oft Patina, einen typisch venezianischen Terrazzo-Fußboden und manchmal auch Holzvertäfelung und/oder ein wenig Kunst an den Wänden, rustikale Stühle und weiß eingedeckte Tische, außerdem eine nicht zu kleine Schar uniformierter Kellner. Sie werden zwar zunehmend weniger, diese Grundpfeiler der venezianischen Gastronomie, doch es gibt sie noch immer im ganzen Stadtgebiet. Auf den Tisch kommen die traditionellen Gerichte der Lagunenstadt, dazu Weine vornehmlich aus dem Veneto.
Natürlich sind im Lauf der Zeit zahlreiche neuere Restaurants hinzugekommen, von denen auch nicht wenige zu empfehlen sind und die die klassische Küche oft etwas moderner interpretieren. Das Angebot wird ergänzt von einer Handvoll Sternerestaurants.
Ombra & Cicheti
Eine wunderbare venezianische Erfindung für den kleinen Hunger & Durst zwischendurch! Ursprünglich war damit der Schatten (ital. ombra) des Campanile an der Piazza San Marco gemeint, dem die Wirte mit ihren mobilen Weinschenken folgten. Daraus wurde eine wunderbar gesellige Einrichtung, die schlichten kleinen Lokale, die Bàcari, in denen man sich den ganzen Tag über auf ein Gläschen Wein (eine ombra), ein paar Häppchen (cicheti) und ein ungezwungenes Schwätzchen mit dem Tresennachbarn einfinden kann. Und den Geldbeutel schont man dabei auch noch. Die Bàcari sind über die ganze Stadt verteilt, die meisten - und traditionsreichsten - befinden sich um den Rialtomarkt.
Aperol Spritz & Bellini
Der Übergang zur Ombra ist fließend, denn zum klassischen Aperitivo am frühen Abend werden neben Nüsschen, Chips oder Oliven häufig auch Cicheti angeboten. Dabei ist „uno Spritz“ aber sicher das am häufigsten bestellte Getränk am Abend. Aperitivo-Treffpunkte sind die Bars und Restaurants um den Rialtomarkt, am Campo Santa Margherita und in Cannaregio an der Fondamenta della Misericordia.
Der Bellini übrigens, der sommerliche Mix aus Prosecco und Pfirsichpürree, wurde zwar hier in Harry’s Bar erfunden, ist aber weit weniger verbreitet als der Spritz.
Sechs Tipps für sechs Sestieri
♦ San Marco: Ai Mercanti. Raffinierte Küche in einem kleinen, modernen Lokal, versteckt und ruhig gelegen, dabei keineswegs teuer. Gute Weine!
♦ San Polo: Antiche Carampane. Viel gerühmt für Fisch und Meeresfrüchte, ebenso gute Weine, nett auch draußen in der Gasse.
♦ Santa Croce: Al Nono Risorto. Zur Abwechslung mal Pizza, in einem besonders schönen Garten, einfach und volkstümlich.
♦ Dorsoduro: Da Codroma. Osteria mit urigem Ambiente aus vergangenen Zeiten. Klassische venezianische Küche und netter Service.
♦ Castello: Corte Sconta. Der Klassiker in Castello, viel gerühmt für seine Fischküche, mit lauschigem Hofgarten.
♦ Cannaregio: Osteria l’Orto dei Mori. Unter dem großen Angebot in Cannaregio für uns das schönste - eine elegante, moderne Osteria, etwas abseits gelegen.
Ein Tipp zum Schluss: Für den Abend immer reservieren, bei gehobenen Restaurants ohne großen Durchlauf besser auch für mittags!
Shopping
Wer beim Einkaufen in Venedig nur an Glasnippes und Billigmasken denkt, liegt weit daneben! Die Auswahl an Kunst und Kunsthandwerk in der Lagunenstadt ist noch immer enorm, die Preisspanne ist es ebenso. Für Überraschung sorgen die vielen kleinen Läden mit ihrem ausgefallenen Angebot - Venedig ist eine Stadt zum Stöbern und Entdecken.
♦ Einkaufsmöglichkeiten in den einzelnen Stadtteilen finden Sie am Ende jeder Tour.
♦ Drei echte Souvenir-Klassiker kommen von den Inseln der Lagune: Glas in allen Formen, Farben und Variationen aus Murano, filigran geklöppelte Spitze und die köstlichen Kekse „Buranelli“ aus Burano.
Eine bunte Mischung
Ein Einkaufsbummel durch Venedig macht Spaß, unzählige interessante Geschäfte finden sich an fast jeder Ecke der Stadt - generell etwas nobler und teurer im zentralen Stadtteil San Marco, bunt gemischt in der Gegend um die Rialtobrücke, ein wenig ausgedünnter in den Randlagen von Castello, Cannaregio oder Santa Croce.
Alta Moda
Die italienische Mode findet natürlich auch in Venedig ihr internationales und kaufkräftiges Publikum, und das hauptsächlich in den Gassen von San Marco. In den sog. Mercerie, den schmalen und viel begangenen Gassen zwischen Piazza San Marco und Rialtobrücke befinden sich einige Design- und Schmuckgeschäfte bekannter Marken, darunter auch Erschwingliches. Von den eigentlichen Mercerie, den Kurzwaren, die es hier früher zuhauf gab, ist heute hingegen kaum noch etwas zu sehen. Geballte „Alta Moda“ gibt es auf der Westseite der Piazza San Marco, in der Calle Larga XXII Marzo, die etwas breiter als die üblichen Gassen ist und somit weniger Andrang verheißt. Hier und in der direkten Umgebung sind fast alle großen Namen vertreten: Fendi und Bulgari, Gucci und Prada, Dolce & Gabbana und Brunello Cucinelli, Armani und Tod’s - Sie befinden sich in der nobelsten Einkaufsmeile der Stadt.
Kunst und Kunsthandwerk
Weltberühmt ist die Stadt natürlich für ihre Glaskunst, die zwar eigentlich aus Murano kommt, aber auch in Venedig und hier vor allem im schicken Shopping-Sestiere San Marco zu kaufen ist - je nach Hersteller zu sehr hohen Preisen. Hinzu kommen über die ganze Stadt verteilt viele kleine Kunstgalerien und -läden, oft gibt es besonders hochwertige Kunstdrucke, historische und zeitgemäße Venedig-Ansichten, kunstvolle Fotografien, edles Papier usw. Berühmt sind die Kreationen von Fortuny, allen voran seine filigranen Seidenlampen.
Rialtomarkt
Dieser Markt im Herzen der Stadt war über die Jahrhunderte das merkantile Zentrum Venedigs. Sehenswert ist noch heute der Fischmarkt, rundum kann man in unzähligen Bàcari das gesellige Flair genießen .
Schöne Souvenirs
Das typische Venedig-Souvenir ist schnell gefunden: Die berühmten geringelten Gondoliere-Shirts kauft man bei Emilio Ceccato gleich an der Rialtobrücke, nur wenige Häuser weiter bei Piedàterre die originellen Gondoliere-Schläppchen. Einen hölzernen Dolfinals Schlüsselanhänger bekommt man z. B. bei Franco Furlanetto in San Polo. Und die berühmten venezianischen Karnevalsmasken gibt es in vielen Geschäften über die ganze Stadt verteilt, eines der bekanntesten ist Ca’ Macana in Dorsoduro. Den passenden Hut und Umhang bekommt man bei Monica Daniele in San Polo. Ganz besondere Venedig-Souvenirs sind die hölzernen Schiffsminiaturen von Gilberto Penzo in San Polo.
Museumsshops
Sie gibt es in Venedigs großen Museen, einer soll an dieser Stelle aber hervorgehoben werden: Der Shop der Collezione Peggy Guggenheim bietet eine wirklich originelle Auswahl an Schönem und Nützlichem rund um die moderne Kunst.
Sechs Tipps in sechs Sestieri
♦ San Marco: Fortuny Venezia. Zeitlos elegante Stoffe und Lampenschirme, feinstes Wohndesign zu gehobenen Preisen in dieser an sich schon eher teuren Gegend.
♦ San Polo: Bruno Amadi. In der winzigen Ladenwerkstatt des Glasbläsers gibt es filigranste und dennoch detailreiche Glasfiguren.
♦ Santa Croce: Paperoowl. Die besonderen Schmuckkreationen von Stefania Giannici haben schon zahlreiche Preise gewonnen.
♦ Dorsoduro: Paolo Olbi. Einer der traditionellen Buchbinder Venedigs, seine Kreationen sind etwas Besonderes.
♦ Castello: Acqua Alta. Einer der berühmtesten Buchläden der Welt, eine Sehenswürdigkeit, dabei aber bestens sortiert, mit Gondel in der Mitte und schlafenden Katzen.
♦ Cannaregio: Gianni Basso. Eigene edle Visitenkarten aus der Werkstatt des Stampatore sind sicher die individuellsten Mitbringsel.
Wege durch Venedig
Das Herz der Serenissima
Tour 1
Staunend, immer wieder staunend steht man auf der Piazza San Marco, Herz und Kopf der glanzvollen Serenissima. Der Detailreichtum der Markuskirche und des Dogenpalastes ist überwältigend, wie auch der Gesamteindruck der Piazza mit vorgelagerter Piazzetta zum Wasser hin.
Basilica di San Marco, prachtvolle Fünfkuppelkirche zu Ehren des Stadtheiligen
Palazzo Ducale, der Dogenpalast, Machtzentrum der Serenissima
Campanile, herrliche Aussicht vom höchsten Gebäude der Stadt
Torre dell’Orologio, halbnackte Helden auf dem Uhrturm
Museo Correr, ein so abwechslungsreiches wie hochkarätiges Museum
Der Markusplatz
Piazza San Marco
Mit der einzigartigen Piazza San Marco hat sich der venezianische Löwe eine unvergleichlich prachtvolle Arena geschaffen: Allen voran strahlt die Fassade der Basilica di San Marco detailgewaltig in morgenländischem Gepränge. In den Bogenfeldern über den Portalen künden farbenprächtige Mosaiken von der Herrlichkeit der Lagunenstadt. Elegante Türmchen und Statuen krönen die Fassade. Golden glänzen Heiligenscheine, Engelsflügel und natürlich der Löwe in der Sonne. Nahtlos schließt der monumentale und doch elegante Dogenpalast an. Hier öffnet sich die Piazza San Marco über die Piazzetta zur Lagune hin, während sich gegenüber dem Hauptportal der Basilica der weite Platz mit den schier endlos langen Portiken der Prokuratien nach hinten ein wenig verengt und dadurch noch länger wirkt. Über einem Zugang zum Sestiere San Marco erhebt sich der schmucke Uhrturm. Alles aber wird vom kolossalen Campanile überragt, dem höchsten Bauwerk der Stadt.
Das Herz der Durchlauchtigsten präsentiert sich als Marmor gewordenes Gesamtkunstwerk. Was es eigentlich nicht ist. Vielmehr ergänzen sich viele unterschiedliche Baustile zu einem wunderbar harmonischen Ganzen: In byzantinischem Stil erstrahlt die Markuskirche, späte Gotik beherrscht den Dogenpalast, während die Prokuratien sowie der Uhrturm der Frührenaissance entgegenstreben und der Napoleonische Flügel dem Klassizismus.
Auf die besondere Bedeutung, die dem Markusplatz in Venedig zukommt, deutet bereits die exklusive Bezeichnung Piazza San Marco hin (da konkurrenzlos, auch kurz: La Piazza). Alle anderen Plätze der Stadt müssen sich seit jeher damit begnügen, Campo oder gar Campiello genannt zu werden (eine moderne Ausnahme bildet der Piazzale Roma). Ebenso verhielt es sich lange Zeit mit dem majestätischen Dogenpalast, dem die Stadtoberen den exklusiven Titel Palazzo verliehen, während alle Adelspaläste der Stadt schlicht Ca’ (venezianisch für Casa, Haus) genannt werden mussten, egal wie groß und prächtig sie sich im Wasser spiegelten.
Wie jede italienische Piazza (und jeder venezianische Campo) war der Markusplatz immer auch ein volkstümlicher Platz. In mediterraner Manier versammelten die Venezianer sich hier am Abend, um beim geselligen Beisammenstehen die neuesten Nachrichten auszutauschen, bis die Glocken des Campanile die Nacht einläuteten. Hier hat die herrliche venezianische Tradition der Ombra, die bis heute sehr lebendig ist, ihren Ursprung, als die Weinhändler und ihre Fässer mit dem kühlenden Schatten des Campanile von San Marco mitwanderten. Auch Venedigs Festplatz war die Piazza San Marco, viele wichtige Feierlichkeiten fanden hier statt oder nahmen, so sie - wie die Festa della Sensa - aufs Wasser führten, hier ihren Anfang. Die Gemälde der großen venezianischen Maler zeigen den Markusplatz jedenfalls in einem ständigen Festrausch, geschmückt mit Bannern und Fahnen der eroberten mittelmeerischen Besitzungen, überfüllt mit kostümierten Prozessionsteilnehmern und festlich gekleideten Gesandtschaften, die am Dogenpalast und der Basilika vorbeiziehen. Empfangen werden sie von einem großen Aufgebot an Senatoren und Prälaten, in deren Mitte der Doge seine Position als oberster Vertreter der Stadtrepublik feierlich eingenommen hat. Und die Piazza war regelmäßiger Marktplatz, auf dem nicht selten turbulente, basarähnliche Märkte abgehalten wurden, zu denen die Händler von weither angereist kamen, um die edelsten Waren anzupreisen. Die eckigen weißen Markierungen auf der Piazza kennzeichnen noch heute, wo die einzelnen Händler ihre Stände und Marktzelte aufbauen durften.
Als dann im 18. Jh. die ersten Kaffeehäuser unter den Arkaden der Prokuratien eröffneten, erhielt die Piazza ihre legendäre Salonatmosphäre. Bis zum Bau des Dammes (1846) war dieses einzigartige Ensemble der wichtigste Zugang zur Lagunenstadt. Man kann sich gut vorstellen, wie Händler und Gesandte, die über das Meer und den Bacino di San Marco, das Markusbecken, ankamen, in ungläubiges Staunen versetzt wurden und vielleicht auch gehörig eingeschüchtert waren. Heute sind es vor allem die Touristen aus aller Welt, die sich nicht minder staunend auf der Piazza San Marco tummeln.
Natürlich gehört zur nie zu Ende fotografierten Erfolgsgeschichte dieses marmornen Wunders auch, dass Menschen aus aller Welt diese unfassbar schöne Piazza San Marco besuchen möchten. Viele Menschen. Wer kann es ihnen verdenken? Ein Sprachengewirr babylonischen Ausmaßes kann hier herrschen - und Gedränge, zuweilen schon Enge, in dieser oder jener Ecke des riesigen Platzes. Schiffsladungen von Tagesbesuchern tappen bunten Fähnchen hinterher, die in den wolkenlosen Himmel gereckt werden. Mehrfach gewundene Warteschlangen schlängeln sich träge (sehr träge!) vor den weltberühmten Portalen. Entsprechend gibt es Tageszeiten, da meiden Venezianer tunlichst die „area pazza“, den „verrückten Bereich“, der sich auf der Piazza San Marco und in den umliegenden Gassen in den Sestieri San Marco und Castello verdichtet - und weiter stockt und staut Richtung Rialto, die Strada Nova entlang und bis zum Bahnhof.
Dennoch: Wer diesen Platz nicht gesehen hat, hat Venedig nicht gesehen - und Italien nicht besucht. Aber man muss ja nicht unbedingt gehen, wenn alle gehen. Früh morgens beispielsweise kann es herrlich ruhig und sogar menschenleer sein: ein paar Jogger vielleicht, Venezianer auf dem Weg zur Arbeit, hier und da ein beseelter Fotograf. Den ein oder anderen Hinweis, wie man Warteschlangen umgehen oder zumindest den Aufenthalt dort minimieren kann, haben wir auch bei den jeweiligen Sehenswürdigkeiten aufgeführt. Notfalls aber muss man sich eben in den Strom der Besucher einreihen und geduldig warten, bis man an der Reihe ist, um einen Blick werfen zu können auf die weltberühmten Goldmosaiken der Basilika, in die prächtigen Säle des Dogenpalasts und von der Glockenstube des Campanile hinab über die ganze Lagunenstadt. Am Abend, wenn die Kirchen und Museen geschlossen sind und die Tagestouristen die Stadt bereits verlassen haben, sollte man noch einmal zum Markusplatz zurückkehren, um seine einzigartige Magie auf sich wirken zu lassen.
Eine Karte und nützliche Adressen rund um den Markusplatz finden Sie in Tour 3 - Il Sestiere di San Marco→ Karte
Sehenswertes auf der Piazza San Marco
Dem Evangelisten zu Ehren
Basilica di San Marco
Eine ungemein faszinierende Kirche: in orientalischem Gepränge, überbordend üppig, verspielt und kostbar verziert, vielgestaltig, ein Blickfang selbst auf dieser unvergleichlichen Piazza. Zweifellos zählt San Marco zu den berühmtesten Gotteshäusern der Welt, auf einer Stufe stehend mit St. Peter in Rom und der Hagia Sophia in Istanbul, ein Kunstdenkmal von Weltrang.
Der Kreuzkuppelbau beherrscht die Stirnseite der Hauptpiazza vollständig, und schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass es sich um kein gewöhnliches Gotteshaus handelt: Es ist die Staatskirche Venedigs, das selbstbewusste Sinnbild venezianischer Macht, Größe und Herrlichkeit. Mit diesem schillernden Prachtbau verherrlichte Venedig sich selbst, seine glorreiche Geschichte und natürlich seinen Stadtheiligen, den Evangelisten Markus.
Baugeschichte
In der ersten Hälfte des 9. Jh. überführten venezianische Kaufleute die Reliquien des heiligen Markus unter abenteuerlichen Bedingungen aus Alexandria nach Venedig. Der elfte Doge Giustiniano Partecipazio veranlasste umgehend den Bau einer angemessenen repräsentativen Kirche für einen solch kostbaren Schatz: den Bau von San Marco.
Venedig im Kasten
Die Markusreliquien - staatstragende Beutestücke
Alles begann, als der geflügelte Löwe in die Lagune kam, Anfang des 9. Jh.: Ganz langsam nahm das Stadtbild am rivus altus Konturen an, und die zaghaft aufstrebende Stadt wollte mehr sein als ein Haufen Hütten auf morastigen Inseln im brackigen Wasser. Der Seehandel begann zu florieren, mit dem Warenfluss wuchs auch das Selbstbewusstsein, Ostrom war weit und Venedig relativ unabhängig - und der Stadtheilige hieß noch San Teodoro. San wer? Sankt Theodor, in Venedig auch San Todaro genannt. Ein in der Hierarchie des Himmels eher niederrangiger Heiliger, dem als Symboltier auch noch das recht unmajestätische Krokodil zu Füßen gestellt war. Als aufstrebende Stadt brauchte Venedig unbedingt einen prominenteren, vorzeigbareren Schutzpatron - samt Reliquien, versteht sich. Kein Geringerer als einer der vier Evangelisten (darunter ging’s nicht), der heilige Markus, sollte der neue Stadtheilige werden, und die Gelegenheit war günstig: Die Gebeine des Heiligen lagen in Alexandria, das sich unter muslimischer Herrschaft befand. Der Legende nach hielten sich 828 zwei venezianische Kaufleute, Bonus und Rusticus mit Namen, in der nordafrikanischen Stadt auf. Von zwei griechischen Geistlichen sollen sie erfahren haben, dass die verehrten Gebeine in höchster Gefahr waren. Der Kalif nämlich plante, die christlichen Kirchen einer neuen Funktion zuzuführen: als Steinbruch. Also überzeugten Rusticus und Bonus die beiden Griechen, die Reliquien in Sicherheit zu bringen. Nachdem sie gemeinsam die Knochen aus dem Sarkophag genommen hatten, änderten die beiden Venezianer kurzerhand den Plan und tauschten die Gebeine des heiligen Markus aus, um mit der unschätzbar kostbaren Beute nach Venedig zurückzukehren. Vorher aber mussten sie noch am sarazenischen Zoll vorbei. Dafür verstauten die findigen Kaufleute die heiligen Knochen in einem Korb (oder einer Kiste) und bedeckten sie mit einer ordentlichen Portion Schweinespeck, um unbehelligt an den Zöllnern vorbeizukommen, denen als Muslimen Schweinefleisch ja bekanntlich ein Graus war. Der Plan ging auf. Die armen Griechen waren ihren Heiligen los, die muslimischen Zöllner wurden genarrt, und in der Heimat war die Freude überwältigend.
Was auch immer an dieser Erzählung wahr sein mag, bedeutsam ist für Venedig zweierlei: Der Doge Giustiniano Partecipazio, dem der unschätzbare Wert der Reliquien bewusst gewesen sein wird, dachte gar nicht daran, sie dem hiesigen Bischof auf San Pietro di Castello (damals noch Olivolo) zu übergeben. Stattdessen ließ er, um die Gebeine aufzubewahren, neben dem Dogenpalast eine Hauskapelle errichten, aus der im Laufe der Jahrhunderte die Basilica di San Marco hervorging. Das denkbar Heilige wurde so Teil der weltlichen Macht des Dogen und schmückte diesen und Venedig mit seiner Pracht. Bald identifizierte sich die Stadt in der Lagune mit geflügelten Löwen, dem Symbol des Evangelisten Markus, sprach durch ihn und für ihn, bis sie schließlich eins waren. Venedig war fortan nichts Geringeres als die Republik des Heiligen Markus und die Basilica di San Marco ihre Staatskirche.
Die folgende Baugeschichte ist denkbar kompliziert. Von dem frühen Vorgängerbau der Markuskirche, der bunt und reich geschmückt gewesen sein soll, sind kaum noch Spuren vorhanden. Dieser wurde 976 zerstört, als im Zuge des Aufstandes gegen den Dogen Pietro Candiano der Dogenpalast in Brand gesteckt wurde und das Feuer auf die Kirche übergriff. Die wenig später wiederhergestellte Markuskirche wurde bereits 1063 auf Initiative des Dogen Domenico Contarini abgerissen, um einem Neubau Platz zu machen. Hier beginnt die Geschichte der heutigen Basilica di San Marco. Vorbild des geplanten Neubaus war die Apostelkirche in Konstantinopel. Die Nähe zu Byzanz bzw. der byzantinische Einfluss auf die Bauhütte ist deutlich sichtbar. Bereits 1094 wurde die im romanisch-byzantinischen Mischstil errichtete Fünf-Kuppel-Basilika geweiht, aber abgeschlossen war ihre Baugeschichte bei Weitem noch nicht. Vielmehr setzte sie sich bis ins 16. Jh. fort, und jede Stilepoche hinterließ an San Marco ihre Spuren. Eigens für die Leitung der Bauarbeiten schuf man ein neues Staatsamt, das des Prokurators von San Marco, der zunächst hauptverantwortlich für den Bau der Basilika war.
Das Äußere von San Marco
Der nächste, in all seiner Pracht bis heute nachhaltigste Bauschub erfolgte im Zusammenhang mit dem Vierten Kreuzzug und der Eroberung Konstantinopels 1204: Der Westfassade wurde die vielgestaltige Säulenhalle vorgestellt. Gleichzeitig erreichten Schiffsladungen voller kunstvoller und kostbarer Bauteile älterer Kirchen und Gebäude Venedig, die sog. Spolien. Schon zuvor waren venezianische Seefahrer und Kaufleute angehalten gewesen, wertvolle Bauteile nach Venedig zu bringen. Nun wurde Konstantinopel regelrecht geplündert. Was sich aus kunstvoll bearbeitetem Marmor, Porphyr und anderen edlen Materialien abmontieren ließ, wurde nach Venedig verbracht und an der neuen Kirchenfront verbaut. Nach und nach wurde der ursprüngliche rohe Ziegelbau der Markuskirche vielfarbig und -gestaltig mit kostbaren Säulen, Marmorplatten und anderen Inkrustationen, feingliedrigen Kapitellen, bildgewaltigen Reliefdarstellungen, Skulpturen, Ikonen, Fialen und jeder Menge anderem Zierrat verkleidet und geschmückt. In dieser Zeit gelangten auch die vier antiken Bronzepferde, die Cavalli di San Marco, auf die Terrasse über dem Hauptportal (→ Kasten).

Opulent und detailreich: die Fassade von San Marco

Venedig im Kasten
Eine weitgereiste Quadriga
„Ein herrlicher Zug Pferde!“ Goethe war bei Weitem nicht der Erste und wird sicherlich auch nicht der Letzte sein, der beim Anblick des Pferdegespanns ins Schwärmen gerät. Majestätisch und kraftvoll thronen die Cavalli di San Marco über dem Hauptportal der Markuskirche und wirken dabei doch ungeheuer leichtfüßig und elegant. Auch kunsthistorisch ist dieses Meisterwerk, ein lebensgroßes Viergespann aus vergoldeter Bronze, von Bedeutung, da es sich um die einzige erhaltene antike Quadriga dieser Art handelt.

Die Pferde von San Marco

Sie stammt wahrscheinlich aus dem 2. oder 3. Jh. n. Chr., nach neuesten Vermutungen aus Rom, wo sie einen Triumphbogen bekrönt haben soll. Von dort reiste das Gespann nach Konstantinopel und schmückte das Hippodrom. Nachdem die Kreuzfahrer 1204 die Stadt eingenommen und geplündert hatten, kamen die Pferde als Teil der Beute nach Venedig. Bereits Mitte des 12. Jh. bezogen sie ihre triumphale Position im Zentrum der Fassade von San Marco. 1797 wurde die Quadriga entführt, von Napoleon nach Paris, kehrte aber zurück, nachdem der französische Spuk 1815 vorbei war. 1977 schließlich gingen die Pferde gewissermaßen in den verdienten Ruhestand, zunächst in eine fünfjährige Restaurierungskur, 1982 dann zogen sie nach innen um. Seither stehen über dem Portal Kopien, während die Originale im Museum der Basilika zu sehen sind.

Die berühmten Tetrarchen

Die ältesten Spolien, die damals aus dem östlichen Mittelmeerraum nach Venedig gebracht wurden, befinden sich an der Südfassade (Ecke Dogenpalast). Es handelt sich um die berühmten Tetrarchen: Das über Eck angebrachte Relief aus Porphyr stammt aus dem 4. Jh. und zeigt vier Männer, die einander, die Hand am Schwert, umarmen. Wer hier dargestellt wird, ist nicht mit Sicherheit geklärt. Man vermutet den römischen Kaiser Diokletian und seine Mitkaiser, aber auch die zweite Tetrarchie oder die Vier-Kaiser-Herrschaft an sich werden diskutiert.
Die ältesten erhaltenen Außenmosaiken wurden in der zweiten Hälfte des 13. Jh. geschaffen und befinden sich über dem äußersten linken Portal der Hauptfassade, der Porta di Sant’Alippio. Sie zeigen die Ankunft der geraubten Markusreliquien - und zwar vor der Kulisse der Markuskirche, wie sie im 13. Jh. ausgesehen hat: Zu sehen sind neben den Pferden über dem Hauptportal auch die hohen Kuppeln. Diese waren erst kurz zuvor, Mitte des 13. Jh., geradezu „aufgestockt“ worden. Den eigentlich relativ flachen Kuppeln wurden „Scheinkuppeln“ aufgesetzt, will heißen: Zwischen dem Raumschluss im Innern und der eleganten äußeren Erscheinung erstreckt sich ein gewaltiger (ungenutzter) Dachstuhl.
Der üppige Mosaikschmuck an den Außenfassaden lässt erahnen, welche Pracht den Besucher im Innenraum erwartet.
MO.S.E., Venedigs Hochwasserschutz, funktioniert, die Piazza San Marco aber ist der am tiefsten gelegene Teil der Stadt, sodass sie schon vor dem Hochfahren des gewaltigen Flutsperrwerks unter Wasser steht. Zum Schutz der Basilica wurden daher 2022 Barrieren aus Glas installiert, die seither das Eindringen von Wasser verhindern.
Das Innere von San Marco
Der mit beeindruckenden Mosaiken geschmückte Narthex, die Vorhalle, durch die man ins Innere gelangt, gibt einen weiteren Vorgeschmack auf das überwältigende Kunstwerk, das einen im Innern erwartet: Über 4000 m² golden schimmernde, bildgewaltige und detailreiche Mosaiken, die wie eine Goldtapete die oberen Innenwände und vor allem die fünf Kuppelgewölbe der Basilika bedecken. Dieser fantastische Kunstschatz ist die größte zusammenhängende Mosaikfläche der Welt. Die ersten Steinchen wurde bereits im 11. Jh. von Mosaizisten gesetzt, die noch aus Byzanz stammten, später arbeiteten zunehmend venezianische Künstler daran. Vornehmlich wurden die Mosaiken im 13. Jh. geschaffen und in Teilen, vor allem an der Fassade, im 17./18. Jh. ersetzt. Der einzigartige Mosaikschmuck von San Marco beeindruckt in seiner überwältigenden Gesamtheit ebenso wie in kunstvollen Details. Die erzählenden Bilder erfassen zahlreiche Themen des Alten und Neuen Testaments (im Kircheninneren) von der Schöpfung in der Vorhalle bis zu Christi Himmelfahrt in der Vierung: eine Bibel in Bildern, die Heilsgeschichte zum Staunen. Ein wenig getrübt wird der überwältigende Gesamteindruck durch den meist düsteren Innenraum. Umso mehr lohnt es sich, das Museum zu besuchen, da man oben in der Galleria den Mosaiken zum Greifen nahe kommt.

Prachtvolle Mosaiken in der Basilica di San Marco

Der Blick nach unten, auf den mittlerweile welligen Fußboden, ist ebenfalls ein Kunstgenuss. Wie ein orientalisch gemusterter und ornamentierter Teppichboden bedeckt eine farbige Mosaikfläche aus Marmor, Porphyr und Glas den gesamten Kirchenfußboden.
Der obligatorische Rundgang führt zum Hochaltar, der durch eine kunstvoll gearbeitete Chorschranke mit Marmorstatuen vom Hauptraum abgetrennt ist. Unter dem Baldachin mit seinen vier reliefverzierten Säulen ruhen die Markusreliquien in einem gläsernen Sarkophag. Eine absolute Kostbarkeit der byzantinisch-lateinischen Goldschmiedekunst verbirgt sich hinter dem Hochaltar, es handelt sich um die viel bestaunte Pala d’Oro, eine große goldene Tafel (140 x 345 cm), die mit über 2000 Edelsteinen besetzt ist (extra Eintritt). Die einzelnen Gold- und Emailleplatten, aus denen dieser Altaraufsatz zusammengesetzt ist, entstanden zwischen dem 10. und 14. Jh. Christus als thronender Pantokrator (Weltenherrscher) steht im Zentrum dieser Preziose, u. a. umgeben von Evangelisten, Aposteln und Engeln, während entlang der Ränder Szenen aus Jesu Leben und dem des Evangelisten Markus dargestellt werden. Ein weiterer Kunstschatz verbirgt sich in derCappella della Madonna Nicopeiaimlinken Querschiff: das Andachtsbild der namengebenden „Siegbringenden Madonna“, eine mit Perlen und Juwelen besetzte Ikone aus dem 10. Jh., die als Beutestück aus Konstantinopel hierher gelangte.
In den ersten Jahrhunderten nach ihrer Fertigstellung diente die Markuskirche als Grabstätte der Dogen, überall stößt man auf Wandnischen mit Dogengrabmälern. Andrea Dandolo war der letzte Doge, der 1354 hier beigesetzt wurde.
Tesoro und Museo / Loggia dei Cavalli
In der Basilika befinden sich zwei Museen, der Tesoro (Schatzkammer) im rechten Seitenschiff und die Loggia dei Cavalli im Obergeschoss. Beide Museen geben Einblick in die unermesslichen Kunstschätze der Markuskirche. Der Tesoro beherbergt den Kirchenschatz, der zugleich Staatsschatz war. Er besteht größtenteils aus Beutestücken, die die Venezianer aus Konstantinopel mitbrachten, sowie aus späteren Schenkungen und Ankäufen. Zu sehen sind kostbare Reliquienschreine, byzantinische Ikonen, Elfenbeinarbeiten, Messkelche, feine Glasarbeiten u. v. m. Der steile Aufstieg zur Loggia lohnt sich zum einen wegen der dort ausgestellten Exponate - darunter auch ein Highlight für Kontrabassisten: der von Gasparo da Salò gefertigte Bass des venezianischen Komponisten und Virtuosen Domenico Dragonetti. Zentraler Blickfang sind die Originale der antiken Bronzepferde, der Cavalli di San Marco. Zudem hat man nicht nur die grandiosen Goldmosaiken in Augenhöhe vor sich, sondern kann obendrein die Loggia betreten, um den Blick über die großartige Platzanlage schweifen zu lassen.
Öffnungszeiten und Infos
Basilica di San Marco: Mo-Sa 9.30-17.15 Uhr, So 14-17.15 Uhr, letzter Einlass 16.45 Uhr. Der Zugang zur Basilica ist seit Oktober 2025 neu geregelt: Zugang nur noch mit Online-Ticket und fest gebuchtem Zeitfenster zum Preis von 10 €, Basilica + Pala d’Oro 20 €, Basilica + Museo e Loggia Cavallo 20 €, alle drei 30 €. Unter 10 J. gratis, Kinder/Jugendliche und Studenten bis 26 J. sowie Rentner je 50% Ermäßigung. Buchungen ausschließlich unter basilicasanmarco.it. Mit diesem „Contributo Marciano” will die Stadt die endlosen Warteschlangen eindämmen und zum Erhalt ihrer Kirchen beitragen. Der Innenraum von San Marco wird werktags ab 11.30 Uhr für etwa 1 Std. beleuchtet. Der Weg auf die Galerie und zum Museum führt links vom Ausgang über steile hohe Stufen hinauf.
Tipp: Nutzen Sie einen der späteren „Timeslots“ für den Besuch von San Marco. Dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Kirche zügig leert und für ein paar Minuten eine nahezu andächtige Stimmung aufkommt.
Mit großer Tasche oder Rucksack wird Ihnen der Zutritt zu San Marco verwehrt, die nächste Gepäckaufbewahrung („Deposito Bagagli”) befindet sich ca. 5 Gehminuten entfernt in der Calle de Piscina de Frezzaria 1657 → Karte, tägl. 8-22 Uhr geöffnet, 2,90 €/Std., vaise.it.
Ein Ausrufezeichen im Stadtbild
Campanile und Loggetta
In exponierter Lage, am Schnittpunkt von Piazza und Piazzetta San Marco, ragt der schwergewichtige Ziegelsteinbau des Campanile mächtige 98,6 m empor. Im 12. Jh. war das Werk vollbracht, seine Pyramidenspitze erhielt der Turm jedoch erst im 15. Jh. Er wirkt ein wenig überdimensioniert und ist doch aus der markanten Silhouette Venedigs nicht wegzudenken. Der Stadtrepublik diente er als Leucht-, Wach- und Glockenturm gleichermaßen. Im 16. Jh. wurden hier gar Ehebrecher an den Pranger gestellt - und zwar in einem vergitterten Käfig, der am Turm befestigt war. In die Jahre gekommen und tags zuvor schon von einem warnenden Riss gezeichnet, stürzte der Campanile am Vormittag des 14. Juli 1902 in sich zusammen. Wie durch ein Wunder kam kein Mensch zu ernsthaftem Schaden, lediglich die Katze des Turmwächters soll unter den Trümmern begraben worden sein. Die bekannten Fotoaufnahmen, die von diesem Unglück existieren, sind allerdings geschickte Fälschungen. Gleich im nächsten Jahr machte man sich an den originalgetreuen Wiederaufbau nach dem Motto „com’era e dov’era” (wie er war und wo er war), der 1912 vollendet wurde.

Markuslöwe und Campanile

Heute führt ein Fahrstuhl hinauf zur Glockenstube, wo früher fünf verschiedene Glocken ertönten. Eine rief beispielsweise die Senatoren in den Dogenpalast, und eine andere erklang bei Hinrichtungen. Die wichtigste aber war die Marangona, die den Arbeitstag einläutete und abends beendete. Wer schwindelfrei ist, sollte sich den fantastischen Ausblick von oben nicht entgehen lassen. Beim Schlangestehen kann man die kleine Marmorloggia, die Loggetta, am Fuß des Turms ausgiebig betrachten. Die architektonische Nähe zur benachbarten Markusbibliothek ist unverkennbar, schließlich wurden beide Bauwerke in der ersten Hälfte des 16. Jh. von Sansovinogeschaffen. Anfangs diente sie den Regierungsmitgliedern als Treffpunkt, später beherbergte sie die Wache des Dogenpalasts. Die Bronzefiguren (Apollo, Merkur, Minerva sowie eine Friedensfigur) stammen ebenfalls von Sansovino.
Campanile: Tägl. 9.30-21.15 Uhr, letzter Einlass 20.45 Uhr. Eintritt 15 €, Kinder unter 10 J. gratis, Kinder/Jugendliche und Studenten bis 26 J. sowie Rentner je 50% Ermäßigung. Tickets ausschließlich online unter basilicasanmarco.it.
Von Jacopo Sansovino soll auch die vergoldete Terracotta-Gruppe „Madonna mit Kind“ stammen. Sie wurde beim Einsturz des Campanile zerschlagen - in 1400, teils winzige Scherben. In einer kaum vorstellbaren Sisyphos-Arbeit wurden Madonna und Kind wieder zusammengesetzt. Nur Johannes der Täufer als Kind zu ihren Füßen konnte nicht rekonstruiert werden. Zu sehen ist die Madonna im Museum der Markuskirche.
Zentrum der Macht: der Dogenpalast
Palazzo Ducale
Majestätisch beherrscht das Regierungsgebäude der Dogenrepublik die Markus-Piazzetta. Der Palazzo Ducale ist mehr als nur ein historischer Regierungssitz. Er ist ein Statement! Der Dogenpalast repräsentiert und glorifiziert - ebenso wie die benachbarte Markuskirche - die Prachtfülle und den Machtanspruch der Serenissima. Bis zum Ende der Republik im Jahr 1797 beherbergte der Palazzo Ducale sämtliche Amtsräume der Regierungsorgane sowie die Privatgemächer des Dogen und nicht zuletzt auch die berüchtigten Zellen des Staatsgefängnisses.

Campanile und Dogenpalast

Seine Baugeschichte reicht bis in die Gründungszeit der Lagunenstadt zurück, als Anfang des 9. Jh. eine wahrscheinlich zunächst hölzerne Burg mit Wehrtürmen, die ringsum von Kanälen geschützt war, als Amtssitz des Dogen diente. Von diesem und den nachfolgenden vorgotischen Bauten weiß man allerdings wenig. Erst im 12. Jh. entstand auf Initiative des Dogen Sebastiano Ziani ein Dogenpalast, ein Steinbau im byzantinischen Stil. Der aber war bald zu klein, aufgrund der steigenden Zahl der Regierungsmitglieder, und musste einem repräsentativeren Neubau weichen. Es entstand ab 1340 der heutige Südflügel: die prachtvolle Fassade zum Bacino, also zum Wasser hin ausgerichtet und darin der Saal des Großen Rates (Maggior Consiglio). Ab 1424 wurde in gleicher Manier der Westflügel entlang der Piazzetta errichtet, die prachtvolle Porta della Carta (ab 1438) verbindet den Dogenpalast mit der Markuskirche, der Ostflügel mit der Seufzerbrücke wurde im frühen 17. Jh. fertig. Der langen Baugeschichte und mehreren verheerenden Bränden (v. a. 1483 und 1577) zum Trotz präsentiert sich der einzigartige Dogenpalast bis heute (mit Ausnahme des abseitigen Ostflügels) als geschlossenes gotisches Gesamtkunstwerk.
Das Äußere des Dogenpalastes
So prächtig und elegant wie heute erstrahlen die leicht rötlich schimmernden Marmorfassaden des Palazzo Ducale seit ihrer Fertigstellung im 15. Jh. Die Westfassade, die zur Piazzetta zeigt, und die uferseitige Südfassade sind nahezu identisch im Aufbau. Beide Fassaden gelten als Musterbeispiele der venezianischen Spätgotik, und gleichzeitig sind sie voll und ganz dem orientalisch-byzantinischen Stil verpflichtet. Diese perfekt gelungene Stilverschmelzung, die die Außenansicht des Dogenpalasts kennzeichnet, war seinerzeit beispielhaft für die herrschaftlichen Uferpalazzi am Canal Grande.
Venedig im Kasten
Von Räten und Beratern - ein kleiner Behördenwegweiser der Serenissima
Das venezianische Staatswesen war stets von dem Bemühen geprägt, keiner Familie und keiner Person, keinem Amt und keinem Gremium zu viel Macht zukommen zu lassen. So entstand auf der Basis einer kleinen kaufmännischen Oberschicht ein komplexes Regierungsgebilde, teils mit wechselnden und sogar konkurrierenden Kompetenzen. Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Ämter und Gremien:
Großer Rat: Die Vollversammlung der Macht. Zugang zum Maggior Consiglio hatten alle erwachsenen männlichen Mitglieder der städtischen Patrizierfamilien. Seine Aufgaben bestanden in der Wahl des Dogen und der Besetzung der wichtigen Räte - selbstredend aus den eigenen Reihen - sowie der untergeordneten Beamtenschaft. Zudem wies der Große Rat die jeweiligen Zuständigkeiten zu und hatte gesetzgeberische Funktionen. Obschon 1297 mit der „Schließung“ des Großen Rates (Serrata) weitgehend festgelegt war, welche Familien dazugehörten, wuchs die Adelshauptversammlung von ein paar Hundert auf zeitweise über 2500 Mitglieder - gemessen an der Bevölkerung allerdings eine dünne Oberschicht: Mitte des 16. Jh. beispielsweise etwa 4 %.
Doge: Ein Amt auf Lebenszeit. Vom Großen Rat in einem komplizierten Verfahren aus Los und Wahl bestimmt. War der Doge im Frühmittelalter tatsächlich noch alleiniger Herrscher, wurde seine Macht Stück für Stück beschnitten, bis er nicht einmal mehr seine Post öffnen durfte, ohne dass seine Berater, die Consiglieri, dabei waren. Zu Amt und Alltag des Dogen und den wichtigsten Amtsinhabern → Stadtgeschichte.
Dogenberater: Bereits 1143 erwähnt. Sechs Consiglieri oder auch Savi (Weise) wurden stellvertretend für die sechs Stadtteile dem Dogen zur Seite gestellt, um ihn zu beraten und zu kontrollieren. Sie wurden vom Großen Rat für ein Jahr gewählt. Aus dem Gremium der Consiglieri entwickelte sich der Kleine Rat.
Der Kleine Rat: Die sechs Dogenberater und die drei obersten Vertreter des Rates der Vierzig, die Capi della Quarantia, stellten unter dem Vorsitz des Dogen den Minor Consiglio: das kollektive Staatsoberhaupt der Serenissima. Später wurde er, wie überall in Oberitalien, auch Signoria genannt.
Der Rat der Vierzig: Die Quarantia, bestehend aus vierzig Mitgliedern des Großen Rates, entwickelte sich zur obersten Gerichtsbarkeit und einer Art Finanzaufsicht Venedigs.
Senat und Pien Collegio: Der Große Rat wählte mit dem Senat quasi sein ausführendes Organ. In den Senat kamen nur Patrizier, die sich bereits um die Serenissima verdient gemacht hatten. Unter der Führung des Kleinen Rates bildete der Senat, vereinfacht gesprochen, das Regierungszentrum der Markusrepublik. Die etwa 60 (später 300) Senatoren bestimmten im Beisein der Quarantia und der Prokuratoren die Innen-, die Handels- und die Außenpolitik. Der Senat wählte zudem die Savi, zunächst als sachverständige Sonderbeauftragte, die sich im 14. Jh. zum Collegio institutionalisierten und mit dem Kleinen Rat das Pien Collegio (das „Gesamtkolleg“) und damit die eigentliche Regierung bildeten.
Rat der Zehn: Im stets misstrauischen Dickicht der Bürokratie zog seit dem frühen 14. Jh. der machtbewusste Consiglio dei Dieci die Fäden. Denn der Aufgabenbereich des Rats der Zehn war die Staatssicherheit - ausgestattet mit umfangreichen Kompetenzen. Die Mitglieder mussten über 40 sein und wurden für ein Jahr gewählt. Da an den Sitzungen auch der Doge und seine consiglieri teilnahmen (vielleicht auch die gesamte Signoria), fürchtete man in heiklen Angelegenheiten Indiskretion, sodass im 16. Jh. eine besonders düstere und alsbald berüchtigte Behörde entstand: Die Inquisitori di Stato. Zwei der Zehn und einer von den Dogenberatern bildeten die mächtige, geheime Staatsinquisition, im Volksmund auch I Tre Babaí genannt, „die drei Schreckgespenster“.
Procuratie: Urspünglich gab es einen Prokurator, der vom Dogen ernannt wurde. Er war zuständig für den Bau der Markuskirche, ernannte den Chef der Bauhütte, den Proto, und den Kapellmeister. Mit der Zeit entwickelte sich eine mächtige Bau- und Verwaltungsbehörde, und die Zahl der Prokuratoren, die ab dem 13. Jh. vom Großen Rat - man ahnt es - aus den eigenen Reihen gewählt wurden, wuchs. In ihren Aufgabenbereich fiel die Verwaltung des Vermögens der Staatskirche, Stadtplanung und -verwaltung, Erteilung von Bauaufträgen etc. Neben den Procuratori de supra (zuständig für die Piazza San Marco) gab es die Prokuratoren de citra (zuständig für die Sestieri dieseits des Canal Grande) und de ultra (jenseits des Canal Grande). Das Amt des Prokurators übrigens galt auf Lebenszeit. Es gab nur eine Möglichkeit für einen Prokurator, seiner Aufgaben entbunden zu werden: die Wahl zum Dogen.
Näheres zum komplizierten Staatswesen der Serenissima → Stadtgeschichte.

Unter den Arkaden des Dogenpalastes

Die unteren Arkaden mit ihren heute leicht gedrungenen Spitzbögen (ursprünglich war das Bodenniveau tiefer), darüber die offenen Loggien mit ihrem filigranen Maßwerk und der zierliche Zinnenrand vor dem flachen Dach lassen diesen Repräsentationsbau monumental und schwerelos zugleich erscheinen. Jeweils ein prachtvoller Balkon strukturiert die wasser- und die platzseitige Fassade. Ausdrucksstark ist die Bildsprache der kunstvoll und feingliedrig gestalteten Kapitelle, Halbreliefs und Statuen an den Loggien, die die Fassade zieren. Beispielhaft seien Adam und Eva (samt Schlange) genannt, die prominent am Eck von Süd- und Westfassade stehen. Im Kapitell darunter ist unter anderem Adams Erschaffung thematisiert, und über der Sündenfallgruppe erhebt sich der Erzengel Michael mit gezogenem Schwert. Es geht in den Kapitellen auch profaner zu: Hierin finden sich Handwerker, Musiker, antike Philosophen, Götter, Künste, Tiere und auch eine tragische Liebesgeschichte. Erwähnenswert ist auch die Venezia, die einzige Skulptur (statt des Vierpasses) der oberen Loggia der Westfassade gilt als erste personifizierte Darstellung Venedigs. Bevor es hineingeht in dieses bauliche Wunder, dürfen zwei Säulen nicht unerwähnt bleiben. Sie befinden sich an der Westfassade links unterhalb des Balkons, symmetrisch zur Venezia, und stechen durch ihre rosa Farbe hervor. Diese soll das Blut der Verurteilten symbolisieren, denn von diesem Ort verkündete der Doge einst Todesurteile.
Die Ostfassade schließlich ist am besten vom