Migräne ganzheitlich behandeln - Konrad Taubert - E-Book

Migräne ganzheitlich behandeln E-Book

Konrad Taubert

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Beschreibung

Weil Medikamente allein oft nicht die ersehnte Wirkung zeigen, bleiben viele Migräne-Patienten jahrelang auf der Suche nach "ihrem" Therapiemix. Hier setzt der TRIAS Therapie Kompass an. Er gibt eine umfangreiche Übersicht über schulmedizinische und komplementäre Methoden - auch von einfacher Selbsthilfe wie Einreibungen, Dehnungen bis hin zu Kneipp-Anwendungen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 222

Veröffentlichungsjahr: 2006

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PD Dr. med. habil. Konrad Taubert

1974 Dissertation an der Universität Halle

1975–1978 Leiter der Physiotherapieabteilung der Poliklinik Mitte, Halle

1978–1995 Chefarzt der Klinik für Physiotherapie, Neubrandenburg

seit 1995 Privatdozent für das Fachgebiet Physiotherapie, Universität Greifswald

seit 1995 eigene Niederlassung als Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Arbeitsschwerpunkte: Nichtmedikamentöse Schmerztherapie, v. a. Migräne; Naturheilverfahren, Chirotherapie, Akupunktur, Homöopathie, Diagnostik und Therapie nach F. X. Mayr

Zu diesem Buch

»Um es vorab klarzustellen, das A und O einer erfolgreichen Migränetherapie ist nicht die medikamentöse Behandlung, sondern vielmehr der bewusste Umgang mit der Krankheit. Dabei steht das Erkennen und Vermeiden von persönlichen Auslösefaktoren an erster Stelle. Medikamente sollten immer erst der zweite Schritt seien und nur eingesetzt werden, wenn auch die Möglichkeiten von nicht-medikamentösen Behandlungsmethoden voll ausgeschöpft wurden.« – So schreibt die Migräneexpertin Frau Dr. A. Gendolla.

Leider wird dieser Ratschlag meist nicht berücksichtigt. Denn viele Menschen denken, dass ihnen der Arzt, die Leistungen des Gesundheitswesens oder gar der »Wunderheiler« Gesundheit verschaffen kann … und sind schnell enttäuscht, wenn dieser Weg in der Sackgasse endet. Gesundheit – und dazu kann man auch die weitgehende Freiheit von Migräneanfällen rechnen – kann man vor allem durch

eine vernünftige Ernährung,

ein bestimmtes Maß an Bewegung,

ein ausbalanciertes Verhältnis von Phasen der Anspannung (Arbeit) und Entspannung (Erholung) stabilisieren.

Doch was wird tatsächlich getan, wenn sich die Migräne als dauerhaftes Problem erweist? Auch heute überwiegt in Deutschland bei der Behandlung immer noch die medikamentöse Therapie, die häufig in Selbstbehandlung durchgeführt wird: Ein großer Teil der Migränepatienten besorgt sich Schmerzmittel in der Apotheke – die dann, auf Dauer genommen, zur Verstärkung der Migräneanfälle, zu Nebenwirkungen und Gewöhnung führen. Ein Teufelskreis beginnt, der nach Jahren im durch Schmerzmittel bedingten Dauerkopfschmerz enden kann.

Aber Selbstbehandlung kann effektiv sein, ja ist sogar notwendig – wenn sie richtig durchgeführt wird. Daher ist es mir ein Anliegen, einmal umfassend die zahlreichen Möglichkeiten der Selbstbehandlung aufzuzeigen und ebenso die Methoden der naturheilkundlichen Migränetherapie vorzustellen. Und so richtet sich dieses Buch vor allem an Leser und Leserinnen, die folgende Ziele haben:

Sie wollen Intensität und Dauer der Anfälle reduzieren sowie möglichst lange anfallsfreie Intervalle erreichen – durch selbstbestimmte Behandlung.

Sie wollen weitgehend auf chemische Präparate verzichten.

Sie möchten wissen, welche Alternativen zur konventionellen Migränetherapie es gibt und mehr darüber erfahren, was Migräne auslöst oder begünstigt.

Ziel und Wissen bestimmen den Weg. Dieses Buch soll Hilfestellung sein, zielgerichteter zu einem migränefrei(er)en Leben zu finden. Aber gehen müssen Sie diesen neuen, guten Weg schon selbst.

Privatdozent Dr. med. habil.

Konrad Taubert

Basiswissen

Migräne ist eine Volkskrankheit – von den Betroffenen gefürchtet, von den meisten anderen unterschätzt. Dabei gibt es klare Antworten auf die Fragen: Was genau ist Migräne? Wie verläuft ein Anfall? Und bleibt mit der Migräne wirklich alles beim Alten, wenn ich älter werde?

Migräne – ein häufig unterschätztes Problem

»Na, dann nimm dir mal deine Migräne …«. Es gibt wohl kaum eine chronische Erkrankung, deren Bedeutung allgemein so verkannt wird. Nur die Betroffenen wissen es besser … und diejenigen, die sehen, was ein Migräneanfall mit dem eigentlich doch gesunden Freund oder Verwandten macht.

In der Tat hat die Migräne für die ganze Gesellschaft eine wesentliche Bedeutung – als wirtschaftlicher Faktor, zunächst aber natürlich für die Betroffenen selbst. Etwa 12 Prozent der Gesamtbevölkerung haben Migräne, das sind circa acht Millionen Menschen in Deutschland.

Viele Untersuchungen belegen, dass Migränepatienten mehr als andere von einer chronischen Krankheit betroffene Menschen unter ihrer Erkrankung leiden: Der immer wiederkehrende Schmerz, die vegetativen Erscheinungen wie Erbrechen und die oft unmögliche Vorhersage der Anfälle führen zu einer beträchtlichen Verminderung der Lebensqualität – und darüber hinaus schränkt die Angst vor einem Anfall auch oft die Bereitschaft zu sozialen Kontakten ein.

Da die Migräneanfälle am häufigsten bei Menschen auftreten, die in den »besten Jahren« ihrer Berufstätigkeit stehen, kommt es zu erheblichen Arbeitsausfällen und damit zu beträchtlichen Kosten. Und selbst wenn sich die Betroffenen zur Arbeit schleppen, dann können sie doch nicht die volle Leistung bringen. In puncto »gesellschaftliche Relevanz« sprechen die Zahlen für sich: 43 Prozent aller Migränepatienten können pro Jahr 1–7 Tage wegen der Anfälle nicht zur Arbeit gehen. Die wirtschaftlichen Gesamtverluste in Deutschland liegen nach Schätzungen bei mehreren Milliarden Euro pro Jahr. Wer Migräne hat, unterschätzt sie nicht – sondern aktiviert alle Kräfte und Möglichkeiten, dieser Erkrankung entgegenzutreten. Dieses Buch möchte Ihnen einen roten Faden an die Hand geben,

welche Möglichkeiten der ganzheitlichen Behandlung Sie haben und vor allem

was Sie selbst tun können, um mit der Migräne schmerzfreier und letztendlich selbstbestimmter zu leben.

Was ist Migräne?

Als Betroffene beziehungsweise Betroffener wissen Sie natürlich, was Migräne ist – und mit welchem Erscheinungsbild sie bei Ihnen auftritt. Dennoch: Früher war umstritten, was man allgemein unter Migräne versteht. Heute klären die Definitionen der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft diese Frage eindeutig.

Diese Kriterien sind auf der ganzen Welt gültig und erlauben so auch internationale Vergleiche. Nach dieser »Messlatte« leiden in den industrialisierten Ländern circa 12–16 Prozent der Bevölkerung unter Migräne. Mit 12–14 Prozent sind Frauen in etwa doppelt so häufig von Migräne betroffen wie Männer (6–8 Prozent).

WISSEN

Definitiv Migräne …

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft hat es wie folgt zusammengefasst: Um Migräne handelt es sich bei einem wiederkehrenden Kopfschmerz, der sich in Anfällen von 4–72 Stunden manifestiert. Typische Charakteristika sind:

einseitige Lokalisationpulsierender Schmerzmittlere bis schwere IntensitätVerstärkung durch alltägliche körperliche Anstrengungin Verbindung mit Übelkeit und/oder Licht- und Lärmscheu

Welche Migräneformen gibt es?

Bei der Migräne ist entscheidend, ob sie mit neurologischen Störungen auftritt oder nicht und wie lange sie dauert.

Migräne ohne Aura

Bei der Migräne ohne Aura treten die Anfälle in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen auf. In der Zwischenzeit sind keine Kopfschmerzen oder andere Hinweise für eine Migräne vorhanden, es sei denn der Patient ist von einer zweiten Kopfschmerzform befallen oder die Migräne wird durch einen arzneimittelbedingten Kopfschmerz kompliziert. Der Anfall dauert 4–72 Stunden, der Kopfschmerz ist oft einseitig, pulsierend, er wird durch normale körperliche Aktivität (zum Beispiel Treppensteigen) verstärkt und meist von Übelkeit und/oder Erbrechen, Lichtscheu und Lärmscheu begleitet.

Migräne mit Aura

Bei 10–20 Prozent aller Migränepatienten kommt es neben den oben geschilderten Symptomen vor den Schmerzen zu neurologischen Störungen, die als Aura bezeichnet werden. Folgendes kann auftreten:

Flimmerskotom (ein farbiger Fleck im Gesichtsfeld mit gezackten Rändern)

Gesichtsfeldeinengung

Sprachstörungen

Taubheit in Gesicht oder Arm bzw. leichte Lähmungserscheinungen

Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen

Gelegentlich werden auch Gegenstände als größer oder kleiner empfunden. – Diese neurologischen Störungen entwickeln sich in etwa 15 Minuten und bleiben circa 60 Minuten bestehen. In der Regel verschwinden sie dann wieder, und es folgt der Kopfschmerz.

WISSEN

Aura – Die Vorboten der Migräne

Die Migräne kann sich durch neurologische Störungen ankündigen, die als Aura bezeichnet werden. Am häufigsten tritt das Flimmerskotom auf, ein farbiger Fleck im Gesichtsfeld mit gezackten Rändern.

Status migraenosus

Dauert ein Anfall länger als 72 Stunden, bezeichnet man ihn als Status migraenosus. In manchen Fällen tritt die Verlängerung über 72 Stunden durch eine andere Kopfschmerzform auf. Bei länger dauernden Migräneanfällen sollte immer eine sorgfältige Diagnostik erfolgen, um zusätzliche Erkrankungen auszuschließen. Oft ist der Status migraenosus aber die Folge eines Arzneimittelmissbrauchs. So können zum Beispiel Ergotamine (Medikamente zur Behandlung des Migräneanfalls) zwar eine Migräne beenden, sie können aber auch Kopfschmerzen und Übelkeit wie ein Migräneanfall auslösen. Es ist dann nicht zu unterscheiden, ob der lange Anfall echt oder durch Arzneimittelnebenwirkungen hervorgerufen ist.

WICHTIG

Ich empfehle, die Selbstbehandlung der Migräne immer nur in Begleitung eines erfahrenen Arztes durchzuführen. Denn: Bei der Migränediagnostik gibt es noch weitere Varianten und Probleme als die oben genannten, die letztendlich nur von einem auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt erkannt werden können. Deshalb gehen Sie in der Selbstbehandlung den sichersten Weg, wenn Sie sich einen Arzt Ihres Vertrauens als Begleiter suchen – auch wenn Sie ansonsten noch so enttäuscht von der Schulmedizin sind.

Das passiert beim Migräneanfall

Obwohl die Migräne bei jedem Patienten ihr eigenes Erscheinungsbild hat, lassen sich doch oft bestimmte, immer wiederkehrende Stadien voneinander unterscheiden. Es lohnt sich, über dieses theoretische »Anfallsschema« informiert zu sein – denn wenn Sie die Vorstadien sicher zuordnen, können Sie durch Medikamente oder andere Methoden versuchen, den Ausbruch des Anfalls zu verhindern.

Wie verläuft ein Anfall?

Hat der Betreffende eine Migränedisposition, liegen vielleicht begünstigende Faktoren vor; kommt es zu einer erhöhten Migränebereitschaft, dann bedarf es nur noch eines Migräneauslösers, um einen Migräneanfall in Gang zu bringen.

WISSEN

Der Migräneanfall in Stichpunkten

Im Allgemeinen verläuft ein Migräneanfall in fünf Phasen, der

Prodromalphase: 8–48 Stunden vor dem AnfallAuraphase: in der Regel eine Stunde vor dem AnfallKopfschmerzphaseAbklingphasePostdromalphase

Prodromalphase (8–48 Stunden vorher)

Die Prodromalphase ist durch Symptome gekennzeichnet, die auf Fehlfunktionen und Reizzustände an verschiedenen Stellen des Gehirns rückschließen lassen. Sie kann sich Stunden bis zwei Tage vor dem Anfall ankündigen durch:

Hochstimmung oder Reizbarkeit,

Müdigkeit mit häufigem Gähnen,

Augenflimmern und/oder schwerem Kopf,

Heißhunger vor allem auf Süßes,

Verstopfung, häufigeres Wasserlassen oder auch eine Wasseransammlung im Gewebe,

Sprach- und Konzentrationsstörungen.

Viele Patienten müssen auch eine Verspannung der Nackenmuskulatur feststellen. Oftmals dauert es lange, bis sie den Zusammenhang zwischen Verspannung und Migräneanfall erkennen. Auch wenn diese Symptome nicht immer auftreten, so wissen doch einige Patienten sehr gut, wenn zum Beispiel eine unbegründete Müdigkeit auftritt, dass eine Migräne zu erwarten ist.

Der Verlauf eines Migräneanfalls

Auraphase (circa eine Stunde vorher)

Einige Migräneexperten sehen in der Aura eine Durchblutungsverminderung von Gefäßen innerhalb und außerhalb des Schädels, die meisten allerdings eine Störung der Erregungsbildung im Gehirn, die in der Folge dann zu einer Durchblutungsverminderung führen kann. In der Auraphase treten vor allem auf:

Sehstörungen (Lichtblitze, flimmernde Zackenlinien, Gesichtsfeldausfälle)

Sprachstörungen

Schwindel

Gleichgewichtsstörungen

Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen

Für diese Phase gibt es von Migräneexperten keine wesentlichen Empfehlungen. Lediglich sollen die Triptane erst nach der Auraphase eingenommen werden.

Kopfschmerzphase

Bei 80–90 Prozent aller Migränepatienten beginnt die Migräne an diesem Punkt – mit den Kopfschmerzen. Sie treten selten sehr schnell, sondern meist allmählich auf. Aber es gibt auch viele Patienten, die aus dem Schlaf mit einem voll ausgebildeten Anfall, das heißt mit starkem Kopfschmerz aufwachen.

Das Schmerzhemmsystem fällt aus

Das körpereigene Schmerzhemmsystem kann verhindern, dass Schmerzreize auch wirklich zu Schmerzen führen. Die wichtigsten Botenstoffe dieses körpereigenen Schmerzhemmsystems sind die körpereigenen Morphine und der Botenstoff Serotonin.

Im Umkehrschluss: Ein Versagen dieses Schmerzhemmsystems führt spontan zu Schmerzen. Und das passiert beim Migräneanfall: Verschiedene Migräneauslöser (siehe → Seite 61) führen zu einer Verminderung des Serotonins im Gehirn und damit zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit.

Schmerzcharakter und Begleiterscheinungen

Im typischen Fall ist der Schmerz auf der Höhe des Migräneanfalls klopfend. Dies wird über die Dehnung der schmerzempfindlichen Arterien durch den Puls hervorgerufen. Körperliche Tätigkeit verstärkt diese Dehnung noch und damit auch den Schmerz, was erklärt, warum Aktivitäten wie Treppensteigen, Sport oder Sauna in diesem Stadium für die Schmerzbekämpfung als quälend wahrgenommen werden.

HINTERGRUND

Kognak mit medizinischer Wirkung?

H. G. Wolff, der Begründer der modernen Migräneforschung, hatte die Vorstellung, dass die Aura auf eine Verengung der Kopfgefäße und die Kopfschmerzphase auf eine schmerzhafte Erweiterung derselben zurückzuführen sei. Daraus schloss er, dass in der Auraphase gefäßerweiternde Mittel hilfreich sein müssten – zum Beispiel Kognak. Er berichtete von Patienten, deren Kopfschmerzphase durch einen Kognak schwächer wurde oder sogar ausblieb …

Die Vorstellungen von Wolff werden heute nicht mehr akzeptiert, auch hat sie niemand wissenschaftlich nachgeprüft. Wer eine Aura hat, könnte trotzdem ein- oder zweimal ausprobieren, welchen Effekt ein Kognak in der Auraphase hat …

Wie entsteht der Kopfschmerz?

Moderne Theorien gehen davon aus, dass im Gehirn des Migränepatienten ständig eine gewisse Übererregung vorliegt. Führen Migräneauslöser (1) zur weiteren Erregung, kommt es zu einer starken Freisetzung von Botenstoffen wie Noradrenalin, Serotonin u. a.

Schritt 1: Aktivierung des »Migränemotors« durch Migräneauslöser

Diese Botenstoffe aktivieren den »Migränemotor« im Hirnstamm (2), der nun Signale an den ersten Ast des Gesichtsnervs Trigeminus sendet (3). Dessen Endigungen sind von den Blutgefäßen der Hirnhäute (4) umgeben. Auf den Reiz des »Migränemotors« hin geben die Nervenendigungen des Trigeminus Eiweißstoffe, so genannte Neuropeptide, ab.

Schritt 2: Reizung und Entzündung der Blutgefäße der Hirnhaut: Ein Kreislaufprozess

Diese Neuropeptide führen zur Gefäßerweiterung und zur Entzündung in den Blutgefäßen der Hirnhaut. Die entzündeten Gefäße setzen selbst wieder gefäßerweiternde und entzündungserregende Stoffe frei, was sich über die Nervenreizung als Schmerz manifestiert: Der fatale Kreislauf des Migräneanfalls ist in Gang gesetzt (5).

Schritt 3: Körperliche Regulationsvorgänge versagen

Die anfänglich starke Ausschüttung von Botenstoffen kann nun in eine Mangelsituation umschlagen, was ein zeitweiliges Versagen der körpereigenen Regulationsvorgänge bewirkt: Damit kommt es zu zahlreichen Störungen wie

Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit des Schmerzhemmsystems,Veränderung der Gefäßweite (unangemessene Erweiterung, aber auch Verengung),Veränderungen der Gehirnaktivität,Reizung des Brechzentrums undFehlregulation der Sinnesfilterung (Licht, Geräusche, Gerüche werden viel zu stark und unangenehm wahrgenommen).

Entstehung einer Migräneattacke im Gehirn

Diese Verschlimmerung durch körperliche Tätigkeit ist ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Kopfschmerzen, bei denen auch intensive Bewegungen noch durchgeführt werden können. Bereits sehr geringe Reize können den Kopfschmerz verstärken, so dass die Patienten am liebsten ganz ruhig in einem abgedunkelten Raum liegen und nichts sehen, hören oder riechen möchten.

Manche Patienten haben diesen dumpfen Schmerz von Beginn an. Bei anderen ist ein Nasenloch verstopft oder die Nase läuft. Die meisten Migränepatienten sehen während des Migräneanfalls schlecht aus, blass, eingefallen und haben meist dunkle Augenringe.

Ende der Kopfschmerzphase

Bei manchen Patienten beendet das Erbrechen den Anfall; andere müssen sich leider weiter quälen, denn mancher hat unter der Übelkeit stärker zu leiden als unter dem Kopfschmerz. Während des Anfalls ist der Gang zur Toilette oft ein Problem. Später kann dann eine richtige Harnflut einsetzen, was oft ein Zeichen für das Abklingen des Anfalls ist.

Abklingphase

Der akute, klopfende Migräneschmerz führt zu einer erheblichen Verspannung der gesamten Nackenmuskulatur. Nach dem klopfenden Schmerz kommt es später meist zu einem dumpfen Schmerz, den Wolff als Muskelschmerz ansieht. In dieser Phase ist es sicher nicht mehr sinnvoll, gefäßaktive Medikamente wie die Triptane oder Ergotamin einzunehmen. Wenn nötig, reichen hier die einfachen Schmerzmittel wie zum Beispiel Aspirin.

Das endgültige Abklingen des Schmerzes erfolgt manchmal nach einem Schlaf oder selten nach dem Erbrechen. Meist ist damit der Anfall beendet. Bei einigen Patienten kommt es aber trotz einer Besserung (durch Medikamente oder von allein) zu einem Wiederauftreten der Migräneerscheinungen nach 8–24 Stunden. Wodurch das kommt, ist der Wissenschaft (noch) unklar.

Postdromalphase

Die erhöhte Durchlässigkeit der Gefäße im Migräneanfall führt dazu, dass schmerzauslösende Stoffe nicht nur in den Gefäßen, sondern auch in ihrer Umgebung wirken. Dies gilt als eine Ursache für den dumpfen Schmerz während und nach dem Anfall. Verstärkt werden diese Schmerzen durch besonders verkrampfte Kopf- und Nackenmuskeln.

WISSEN

Wer hat wie lange Migräne?

Bei Kindern dauert der Anfall oft nur 2–6 Stunden. Die Hälfte aller erwachsenen Migränepatienten haben Anfälle, die kürzer als 24 Stunden sind, circa zwei Sechstel der Erwachsenen haben ein bis zwei Tage und ein Sechstel länger als zwei Tage mit dem Anfall zu tun. Die menstruelle Migräne kann manchmal einige Tage dauern.

Viele Migränepatienten erleben daher nach dem Anfall einen »Kater«, wie nach einem übermäßigen Alkoholgenuss. Sie sind zum Teil für mehrere Tage müde und zerschlagen, und nicht immer ist klar, ob dieser Effekt der Migräne oder den eingenommenen Medikamenten zuzurechnen ist. Viele Patienten sind nach dem Anfall sehr schmerzempfindlich; so führt zum Beispiel bereits das Haarekämmen zu Schmerzen.

Migräneschmerz: Wo, wie stark, wie oft …?

Über das Spektrum des Wo und Wie des Migräneschmerzes erfahren Sie im Folgenden Näheres.

Wo ist der Schmerz lokalisiert?

Hauptsächliche Schmerzorte sind die Stirn (65 %), der Bereich um das Auge (55 %), die Schläfe (40 %), der Hinterkopf (30 %) und der Nacken (38 %). Bei vielen Patienten beginnen die Schmerzen im Nacken. Trotzdem meinen fast alle Migräneforscher, dass der Nackenschmerz nicht Ursache oder Auslöser, sondern schon ein Teil des Migräneanfalls ist.

Bei circa 60 Prozent der von Migräne Betroffenen schmerzt zumindest am Beginn des Anfalls nur eine Kopfseite; deshalb ist für die Migräne auch der Name Halbseitenkopfschmerz (Hemikranie) nicht ungebräuchlich. Manchmal wechselt die Schmerzseite noch während des Anfalls, in anderen Fällen wechselt die Schmerzseite unregelmäßig von Anfall zu Anfall.

WICHTIG

Führen Sie einen Kopfschmerzkalender!

Der erste Schritt einer erfolgreichen Selbstbehandlung ist die genaue Selbstbeobachtung. Daher sollten Sie Intensität und Schmerzcharakter der Migräneanfälle sowie die Begleitumstände im Kopfschmerzkalender festhalten und auswerten. Die Langzeitanalyse kann sehr aufschlussreich sein …

Wie oft kann die Migräne pro Monat auftreten?

Auch bei der Häufigkeit von Migräneanfällen tut sich ein breites Spektrum auf: Die Zahl der möglichen Migräneanfälle schwankt von einem pro Jahr bis zu täglichen Migräneanfällen – wobei der letzte Fall eher selten ist. Meist tritt die Migräne ein- bis zweimal pro Monat auf. Bei mehr als 6–8 Anfällen pro Monat muss man immer an einen Arzneimittelmissbrauch denken. Migräne ist nicht nur Kopfschmerz, sondern wird nicht zuletzt durch seine Begleiterscheinungen für viele zur besonderen Qual. Einen Überblick über die häufigsten Begleiterscheinungen sehen Sie hier:

Tab. 1 Beim Schmerz allein bleibt es nicht – Begleiterscheinungen

Begleiterscheinung

Häufigkeit

Übelkeit, Appetitlosigkeit

80%

Überempfindlichkeit, vor allem Lichtscheu, andere Erscheinungen des Augenbereichs

60%

Lärmscheu

50%

Erbrechen, Gesichtsblässe

40–50%

Geruchsempfindlichkeit

10%

Herzrasen

seltener

Durchfälle, Schmerzen im Oberbauch, geblähter Leib, Schmerzen im Unterbauch (bei Kindern oft als Blinddarmentzündung verkannt), Schnupfen, ganz kalte Nase, Wasseransammlung, später Harndrang, Teilnahmslosigkeit, Schläfrigkeit, Schwindelgefühl, Gleichgewichtsstörungen, Gesichtsrötung

Nichts bleibt so, wie es ist … Migräne im Lebenslauf

Die Migräne bleibt von den Entwicklungs- und Reifungsprozessen, die wir durchmachen, nicht unbeeinflusst; im Gegenteil: Lokalisation, Stärke, Häufigkeit und Nebenerscheinungen können sich im Lauf des Lebens stark verändern. Hierzu eine gute Nachricht aus einer französischen Untersuchung: Jeweils 1993 und 2003 erhielten 2.500 Angestellte mit chronischen Kopfschmerzen ein und denselben Kopfschmerz-Fragebogen. Bei der zweiten Untersuchung, das heißt Jahre später, gaben die meisten Befragten an, dass ihre Kopfschmerzen nun viel weniger einschränkend sind. Das Ergebnis kann doch Mut machen!

Kindheit und Jugend

Manchmal beginnt die Migräne schon im frühen Kindesalter. Bei einem Fünftel aller Migränekinder, die ihren ersten Migräneanfall im Alter von 7–15 Jahren bekommen haben, verschwindet die Migräne bis zum 25. Lebensjahr. – Bei Mädchen beginnt die Migräne nicht selten um die Zeit der ersten Menstruation, kann sich aber durchaus auch erst später bemerkbar machen.

Erwachsenenalter und Reife

Zwischen dem 25. und dem 45. Lebensjahr tritt die Migräne am häufigsten und am stärksten auf, doch mit der Reife verändert sie sich auch: Nach den Wechseljahren verlieren mehr als 60 Prozent der Frauen diese chronische Erkrankung. Bei den Frauen, denen die Migräne auch über die Wechseljahre hinaus »treu« bleibt, lohnt es sich, nach Faktoren (zum Beispiel Magnesiummangel, migräneauslösende Medikamente wie Nitroglyzerin, Beckenschiefstand) zu suchen, die das natürliche Abklingen der Migräne verhindern. Einer dieser Faktoren kann eine zu häufige Arzneimitteleinnahme (und fast immer sind es die einfachen Schmerzmittel, seltener Triptane) sein.

Migräne nach den Wechseljahren

Manchmal tritt die Migräne allerdings, wenn auch selten, erst nach den Wechseljahren auf, oft in Verbindung mit der Einnahme von Hormonen. Bleiben die Anfälle nach den Wechseljahren bestehen, so sind sie meist nicht so stark und oft tritt kein Erbrechen mehr auf. Die Aura kann allein auftreten.

Ursachen

… bei der Migräne wird nicht einfach ein Schalter umgelegt. Lebensumstände, Gene – viele Faktoren kommen zusammen und verstärken sich gegenseitig, bevor der Anfall da ist. Und genau hierin steckt auch Ihre Chance, denn … die Ursachen kennen heißt der Vorbeugung in die Kinderschuhe helfen.

Wer bekommt Migräne?

Es gibt keine einfache Erklärung dafür, warum grade Sie und nicht Ihr Nachbar von der Migräne betroffen sind. Immer wirken verschiedene Ursachen in einem komplexen Gefüge zusammen – und erst am Ende dieser Wirkkette steht der Migräneanfall. Was alles zusammenkommen kann, wenn jemand von sich sagen muss: »Ich habe einen Migräneanfall«, sehen Sie in Abbildung 1.

Am Migräneanfall sind verschiedene Faktoren beteiligt

Genetische Ursachen

Da nicht jeder Mensch selbst bei extrem migränefördernden Einflüssen Migräne bekommt, muss eine erbliche Komponente vorliegen. Kurz gesagt: Mit einer Migräne ist zu rechnen, wenn

Großeltern, Mutter, Vater oder Geschwister unter Migräne leiden oder litten,

die Kopfschmerzen anfallsartig auftreten,

dabei Übelkeit und/oder Erbrechen auftritt

und sich der Betreffende am liebsten während der Attacke in ein dunkles Zimmer zurückziehen möchte. Wenn die Migräne eine zum Teil genetisch bedingte Erkrankung ist (und dafür spricht viel), dann ist es natürlich auch nicht möglich, die Migräne im landläufigen Sinne zu »heilen«. Mit unserer genetischen Ausstattung verhält es sich wie mit allen Erbteilen – wir können nichts an ihnen ändern.

Lebensbedingungen

Es kann aber auch möglich zu sein, dass die Migräne bei manchen Menschen ohne Migränevererbung durch bestimmte Veränderungen ausgelöst wird. Dies kann zum Beispiel durch

die Implantation einer künstlichen Herzklappe,

einen Schädelunfall,

die Einnahme bestimmter Medikamente oder

durch bestimmte Krankheiten geschehen.

Wir wissen aber nicht sicher, ob diese Menschen, die nach den genannten Auslösern erstmals Migräneanfälle hatten, nicht doch die vererbten Migränemerkmale in sich trugen.

MERKE

Fazit: Migräne ist nicht heilbar – aber beherrschbar. Die Anfälle können für lange Zeit oder auch für immer nicht mehr auftreten.

Wenn eine Migränepatientin drei Kinder hat, dann kann es sein, dass ein Kind Migräne bekommt, ein Kind hat ab und zu Kopfschmerzen hat und ein Kind keinerlei Beschwerden. Vererbung führt also nicht zwangsläufig zu Migräneanfällen. Die Umwelt, die Lebensereignisse, die Ernährung und vieles andere spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Das heißt, dass wir der Migräne nicht wehrlos ausgeliefert sind …

WISSEN

Das fördert die Migräne …

unter anderem …

Vegetative Störungen

Schlafstörungen, Wärmehaushaltsstörungen, Verstopfung, zu niedriger Kaliumspiegel (siehe → Seite 67, 68, 78)

Atmung

zu schnelle Atmung, Fehlatmung (siehe → Seite 155)

Verdauung

Verstopfung (siehe → Seite 68)

Halteapparat

Überbeweglichkeit, Beckenschiefstand, »schlechte Haltung«, Kiefergelenksstörungen (siehe → Seite 151, 153, 155)

Immunsystem

Allergie

Wie körperliche Ungleichgewichte die Migräne fördern können

Generell: Körperliche Ungleichgewichte können Migräne fördern. Es ist allerdings noch unklar, ob es sich bei diesen Migräne begünstigenden Faktoren um Ursache, Auslöser, Folge, Kennzeichen des Migräne verursachenden Prozesses handelt – oder um eine unabhängige Störung, die sich nur negativ auf den Verlauf der Migräne auswirkt. Die Häufigkeit dieser Faktoren und die nicht selten Migräne reduzierende Wirkung nach der Behandlung dieser Störungen spricht aber dafür, diese Faktoren, die bisher überhaupt nicht beachtet wurden, in der Entstehung und Behandlung der Migräne mehr als bisher zu berücksichtigen. Da diese Ungleichgewichte vor allem durch den Migränepatienten selbst beseitigt werden können, bietet sich hier ein wesentlicher Ansatz für die Selbstbehandlung.

Gibt es Phasen erhöhter Migränebereitschaft?

Jeder Migränepatient weiß, dass kurz nach einem Migräneanfall sonst wirksame Auslöser nicht wirken. Andererseits spürt er schon bei einem Wetterwechsel: »Jetzt fehlt nur noch ein kleiner Reiz ….«. Es gibt also Zeiten mit hoher und Zeiten mit geringer Migränebereitschaft.

Menstruationsmigräne

Die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) erhöhen den Endorphinspiegel. So ist es verständlich, dass es nach dem Östrogenabfall kurz vor der Regel zu Endorphin-Entzugserscheinungen (= Migräne) kommen kann.

Migräne in der Pillenpause

Wenn Migräneanfälle im Zusammenhang mit der Pille auftreten, so geschieht dies in der Pillenpause vorwiegend ein bis zwei Tage nach Beendigung der Einnahme. Auch hier liegt nahe, dass es sich um einen Endorphinentzug handelt. Gestützt wird diese Vermutung dadurch, dass die Migräne vermindert oder verhindert werden kann, wenn in der Pillenpause Östrogene (als Tabletten oder als Pflaster) gegeben werden oder wenn die Pille durchgehend genommen wird. Damit wird ein starker Abfall der Östrogene und damit oft der Endorphinentzug verhindert.

Migräne nach einer Geburt

Der gleichmäßig hohe Östrogen- und damit auch Endorphinspiegel in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft erklärt, warum viele Migränepatientinnen in dieser Zeit keine Anfälle haben. Es wird auch verständlich, dass nach der Geburt der stark abfallende Östrogenspiegel einen Migräneanfall auslösen kann.

Wochenendmigräne

Diese Migräneform tritt nur bei Berufstätigen auf. Hier führt der Stress des Arbeitslebens im Verlauf der Woche bei besonders empfindlichen Patienten zur vermehrten Ausschüttung von Endorphinen. Dadurch wird die Noradrenalinsynthese gehemmt. Am Wochenende entfällt die stressbedingte Endorphinausschüttung, und die normale Noradrenalinkonzentration löst an den noch überempfindlichen Noradrenalin-Rezeptoren die starke Reaktion und damit die Migräne aus.

Migräne nach Stress

Auch in anderen belastenden Situationen kann es zur stressbedingten Endorphinerhöhung kommen. Entfällt die Belastung nach einer längeren Prüfungszeit, zu Beginn der Ferien bei Lehrern oder allgemein bei Urlaubsbeginn, dann kann es zu Endorphin-Entzugserscheinungen kommen.

WISSEN

Frauen haben ein höheres Migränerisiko

Migränerisiko für

Frauen

Männer

Menstruationsmigräne

Wochenendmigräne

Migräne in der Pillenpause

Migräne nach Stress

Migräne nach der Geburt

Wochenendmigräne

Migräne nach Stress

Migräneauslöser: Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt

Viele Migränepatienten messen den Migräneauslösern mehr Bedeutung zu, als sie in Wirklichkeit haben. »Meine Migräne kommt vom Stress oder von Schokolade.« Nein, Stress oder Schokolade lösen nur den Migräneanfall aus! Sie sind lediglich Tropfen, die das volle Fass zum Überlaufen bringen. Die wirkliche Ursache der Migräne kennen wir aber noch nicht genau.

Ausgangspunkt für meine eigene »Ursachenforschung« war eine Studie, bei der bei Migränepatienten jede Nacht Blut abgenommen und auf Noradrenalin hin untersucht wurde. Das Ergebnis: Nur in den Nächten, denen am nächsten Morgen ein Migräneanfall folgte, trat ein erhöhter Noradrenalinspiegel auf. Es gibt in der Zwischenzeit viele Studien, die diesen Zusammenhang zwischen erhöhtem Noradrenalinspiegel und nahendem Migräneanfall stützen … und keine, die dagegen spricht.

Nach meiner Ansicht wird Migräne also praktisch immer dadurch ausgelöst, dass die Rezeptoren gereizt werden, die vor allem auf Noradrenalin reagieren. Und diese befinden sich vorwiegend in den Gefäßen, aber auch in vielen anderen Geweben, und in besonders großer Zahl im Gehirn. Dem Anfall geht also eine erhöhte Menge von Noradrenalin im Blut voraus. Wie kommt es nun zu der Noradrenalinerhöhung, die als Auslöser der Migräne angesehen werden kann?

Noradrenalin hat eine Schlüsselrolle

Migränepatienten reagieren gegenüber verschiedenen körpereigenen Stoffen wie dem Noradrenalin überempfindlich – und das führt zum Anfall. Um den Zusammenhang zu verstehen, müssen wir einen etwas genaueren Blick auf das Regulationssystem des Körpers werfen.

Morphium entspricht Endorphin

an den Gefäßen,

am Auge und

im Hirnkreislauf nachgewiesen werden.

Wie entsteht eine Noradrenalin-Überempfindlichkeit?

Noradrenalin ist ein Botenstoff, über den der Körper unter anderem den Blutdruck reguliert. Schüttet der Körper Noradrenalin aus, gelangt es über das Blut zu »Empfangsorganen«, den so genannten Rezeptoren zum Beispiel an den Gefäßen. Diese registrieren die Botschaft und reagieren: Die Gefäße ziehen sich zusammen, damit der Blutdruck auf gleicher Höhe bleibt.

Morphium zum Beispiel verringert die Produktion von Noradrenalin. Die Folge: Der Blutdruck sinkt. Doch das Blutdruck-Steuersystem ist auf die Informationen des Noradrenalins angewiesen. Damit der Blutdruck nicht zu stark abfällt, reagiert es, indem die Rezeptoren immer empfindlicher auf Noradrenalin im Blut reagieren. Mit einem Wort: Sie werden auf die Dauer überempfindlich.

Was passiert beim Morphium-Entzug?